In belletristischen Werken spielen die Hauptakteure des Geschehens eine so große Rolle wie kaum ein anderer Faktor des Textes. Sicher haben Sie auf Blogs, in Workshops oder anderswo etliche Male gelesen oder gehört, wie wichtig die Ausarbeitung authentischer Charaktere für die Gesamtkomposition eines Buches ist.
Ein Rahmen, in dem das Lesepublikum direkt mit Ihren Figuren in Berührung kommt, ist der Dialog. Diese Redephasen sind die beste Gelegenheit, die Eigenheiten Ihrer Figuren zu transportieren. Sie zählen daher zu den wichtigsten Momenten in Ihrer Geschichte.
Das Charakterprofil ist perfekt, der Sprachgebrauch Ihrer Figur verfeinert und individualisiert, die Eigenheiten ideal nuanciert … es fehlt nur noch ein wichtiger, letzter Schritt. Das Ganze muss auch noch umgesetzt werden. Dialoge richtig zu Papier zu bringen hat auch eine wichtige formale Seite.
Im Folgenden entführen wir Sie in die Welt der Ebenen, Anführungszeichen und Sprechakte und zeigen Ihnen, was der Dialog schon nur an seiner oberflächlichen Beschaffenheit alles zu bieten hat.
Der Text und seine Ebenen
Geschichten wurden bereits erzählt, lange bevor Texte niedergeschrieben wurden. Auch wenn sich der Rahmen längst verändert hat, bleibt die Ursprungssituation doch dieselbe: Es gibt eine Seite – den/die Erzähler*in, also Sie als Autor*in –, die eine Geschichte erzählt, und eine andere Seite – die Leser*innen –, der erzählt wird. Das Buch in seiner schriftlichen Form simuliert nach wie vor diese Erzählsituation. Auf der obersten Ebene des Textes „sprechen“ Sie also bereits zu Ihrem Publikum.
Daher ist es notwendig, eine Unterscheidung vorzunehmen, wenn in Ihrer Geschichte gesprochen wird, also eine direkte Rede zum Einsatz kommt. Dies ist ein Textteil, den Sie als Erzählinstanz wörtlich wiedergeben, der aber ursprünglich von jemand anderem – Ihrer (fiktiven) Figur – stammt. Die direkte Rede begibt sich im Gesamttext weg von der Erzählebene auf die untergeordnete Redeebene. Um diesen Wechsel zu markieren, kommen Anführungszeichen zum Einsatz. Sie rahmen den Teil ein, der eine Stufe tiefer liegt, und trennen ihn so von der Erzählebene ab.
Der Sprechakt – die Brücke zwischen den Ebenen
Denken Sie zurück an die mündliche Erzählung am Lagerfeuer in einer prä-schriftlichen Zeit. Wie sollen die Zuhörer*innen wissen, auf welcher Ebene sich die Erzählung gerade bewegt? Im Gesprochenen kann man schließlich keine Anführungszeichen nutzen.
Diese Funktion erfüllt ein Begleitsatz, der einer direkten Rede in den allermeisten Fällen beigestellt ist – der sogenannte Sprechaktsatz. Wenn eine Figur spricht, ist dies eine produktive Tätigkeit, in der jemand (Ihre sprechende Figur) durch eine Tätigkeit (den Sprechakt) etwas erzeugt (das Gesagte in Form der direkten Rede). Ein vollständiger, deutlicher Sprechaktsatz muss diese drei Elemente beinhalten.
Die Gesichter der direkten Rede
In der Praxis sind für diese Umsetzung vor allem drei Formen geläufig, die sich in der Reihung ihrer Elemente unterscheiden:
- Der vorgestellte Begleitsatz:
- Sie sagte: „Ich werde mich erst morgen melden können.“
- Der nachgestellte Begleitsatz:
- „Ich werde mich erst morgen melden können“, sagte sie.
- Die geteilte Rede:
- „Entschuldige“, sagte sie, „ich werde mich erst morgen melden können.“
Diese Beispiele sind natürlich sehr simpel gehalten. Der Begleitsatz kann und sollte nach Möglichkeit stark ausgebaut und variierend sein. Zu wem hat sie es gesagt? Tat sie es laut, leise, ruhig oder aufgebracht? Hier sind Ihre Kreativität und Ihr Sprachgefühl gefragt, um die Sätze stilistisch ansprechend zu gestalten, denn es liegt ein unverkennbarer Unterschied vor zwischen:
- „Ich werde mich erst morgen melden können“, sagte sie.
- „Ich werde mich erst morgen melden können“, flüsterte sie ihm mit einem traurigen Lächeln zu.
Sprechakt VS kein Sprechakt
Bei diesen Variationen ist es entscheidend, dass der Sprechakt erhalten bleibt. Die Tätigkeit des Sprechens bzw. Kommunizierens muss durch das Verb im Begleitsatz – das „Sprechaktverb“ – ausgedrückt werden. Hierfür gibt es ein überraschend großes Angebot an Synonymen zu „sagen“, aus dem Sie schöpfen können. Ein Begleitsatz, der kein solches Sprechaktverb enthält, ist kein Begleitsatz mehr, sondern eine eigenständige Aussage und wäre in diesem Zusammenhang daher fehl am Platz:
- Falsch: „Ich werde mich erst morgen melden können“, sie legte den Hörer auf.
- Richtig: „Ich werde mich erst morgen melden können.“ Sie legte den Hörer auf.
Selbst ist das Wort – die alleinstehende Rede
Sicher ist Ihnen in Ihrem Leser*innenleben schon ein Redeteil untergekommen, der ganz auf seinen Begleitsatz verzichtet. Und sicher hat Sie das in keiner Weise irritiert.
Bei all seiner formalen Wichtigkeit dient der Begleitsatz in erster Linie nur dazu, klare Fronten im Text zu schaffen, was wiederum auf die Zeit mündlicher Überlieferungen zurückgeht. Findige Erzähler*innen griffen auch zu anderen Mitteln wie etwa einem Wechseln der Haltung oder der Stimmlage, um zu verdeutlichen, dass gerade eine andere Figur spricht.
Im Schriftlichen können Sie zwar auf diese Performanz nicht zurückgreifen, aber Sie haben dennoch unendlich viele Worte zur Verfügung. Schaffen Sie einen Kontext, der Leser*innen die Situation deutlich macht, können Sie auf den Einsatz der – manchmal umständlich oder repetitiv ausfallenden – Begleitsätze verzichten.
Die direkte Rede zu meistern – formal und inhaltlich – ist für ein fesselndes, hochwertiges Buch von großer Bedeutung. Sie spielt in Belletristik und Biografien eine gleichermaßen wichtige Rolle. Mit der Unterstützung unseres Lektoratsteams in der Schreibwerkstatt des novum Verlages können Sie an Ihren Fähigkeiten feilen und Ihre Texte optimieren. Kontaktieren Sie uns via sw@novumverlag.com und machen Sie den nächsten Schritt in Ihrer schriftstellerischen Karriere!







