Mit diesen Tipps für richtig gute Romandialoge bleiben Sie sicher im Gespräch!
„Jedes literarische Werk steht und fällt mit der Glaubwürdigkeit seiner Figuren“, meint Drehbuch-, Theater- und Romanautor Lajos Egri. Einen wesentlichen Beitrag zur Authentizität von Figuren leisten Dialoge. Diese unterstützen nicht nur die Handlung, sondern auch und vor allem die Figuren. Auf den ersten Blick wirkt das Schreiben von Dialogen sehr einfach und intuitiv. Dialoge bergen allerdings mehr Fehlerpotential als Sie denken. Beim Korrekturlesen stoßen unsere Lektor*innen immer wieder auf Gespräche, die gleichartig klingen und in der die Grenzen zwischen den Gesprächspartner*innen verschwimmen. Manche Autor*innen setzen zum Beispiel ausschließlich auf das Verb „sagte“, wenn ihre Protagonist*innen zu Wort kommen. Andere schreiben so lange Dialoge, dass den Leser*innen vor lauter Langatmigkeit noch vor den letzten Anführungszeichen die Luft ausgeht.
Dialoge schreiben ist also eine echte Kunst. Denn erst durch gute Dialoge entstehen richtig spannende Figuren und Handlungen. Darüber hinaus haben Liebesgeflüster & Co. den angenehmen Nebeneffekt Ihre Leser*innen bei Laune zu halten. Dieser Effekt liegt schon in der Natur des Begriffs „Unterhaltung“. Doch wie kann man gute Dialoge schreiben? Und wie bringen Sie die Seele einer Figur zwischen zwei Satzzeichen aufs Papier? Wir vom novum Verlag verraten Ihnen sechs Techniken zur Verbesserung und Verfeinerung Ihrer Dialoge.
1. Authentizität
Was macht eine gute Figur aus? Authentizität! Authentizität erreichen Sie durch Sprache und Ausdruck Ihrer Figur. So wie echte Menschen weisen auch erfundene einen ganz eigenen Sprechstil auf. Schon die Wortwahl drückt weit mehr aus als nur das Gesagte. Die Artikulationsfähigkeit einer Figur ist zum Beispiel ein Hinweis auf ihre Bildung oder ihren Klassenhintergrund. Schon ein einziges Wort vermittelt Ihren Leser*innen einen Eindruck darüber, mit wem sie es zu tun haben. Aus dem Munde einer kultivierten Person klingt der Begriff „exaltiert“ vielleicht plausibel. Verwendet ihn ein Taschendieb im Kreuzverhör, wirkt er eher verfehlt. Es sei denn, bei Ihrer Hauptfigur handelt es sich um einen raffinierten Kunsträuber. Achten Sie also auf den Ausdruck einer Figur, um ihr Authentizität zu verleihen. Verfallen Sie aber nicht dem Klischee! Phrasen und Plattitüden sind beim Dialoge schreiben zu vermeiden.
2. Akzent
Figuren, die mit Akzent sprechen, haben hohen Wiedererkennungswert und prägen sich besser in das Gedächtnis Ihrer Leser*innen ein. Dieses Prinzip ist besonders praktisch für Nebenfiguren, die nicht immer in der Handlung präsent sind und vom Publikum erst erinnert werden müssen. Hauptfiguren hingegen sollten Sie keinen oder nur einen feinen Akzent in den Mund legen. Auf Dauer kann es sehr anstrengend sein, Dialoge im Akzent zu lesen und dauerhaft im Übersetzungsmodus zu sein. Wenn Sie den Background Ihrer Hauptfigur dennoch betonen wollen, dann beschränken Sie sich auf ein paar Wörter, die Sie wiederholt in die Dialoge einstreuen. Das Wort „Jesses“ zum Beispiel beschreibt wahrscheinlich eine jüdische, der Ausruf „Oida“ eine wienerische Figur.
3. Inquit Formel
Die sogenannte Redeein- bzw. –ausleitung erfolgt in der Regel mit einem Nomen oder Pronomen, das den*die Sprecher*in angibt, sowie einem Verb. In Schulaufsätzen sah die Inquit-Fomel zum Beispiel so aus: „Der Monteur sagte […]“ oder „[…] antwortete der Maler.“ Bei der Inquit-Formel kann man aber auch Fehler machen. Neuautor*innen, die sich um jeden Preis beweisen wollen, greifen gerne auf Prädikate zurück, die sehr unnatürlich klingen. Für das Wörtchen „sagen“ werden dann so originelle Synonyme wie „resümieren“, „fabulieren“ oder „konstatieren“ verwendet. Das ist ein klassischer Anfängerfehler. Verzichten Sie auf Sprachexperimente. Gezwungene Inquit-Formeln stören den Lesefluss und wirken aufgesetzt, wie Sie an diesem Beispiel sehen: „Dann hat der Bruder für die Tatzeit also kein Alibi“, konstatierte der Detektiv. Entscheiden Sie sich im Zweifelsfall immer für die einfachere Variante. Die Verben der Inquit-Formel werden vom Publikum oftmals sogar überlesen. Natürlich sind auch Synonyme zulässig, doch entwickeln Sie ein Gespür dafür, wo sie angebracht sind und wo nicht.

4. Handlungsfortschritt
Stellen Sie sich bei jedem Dialog die entscheidende Frage: „Bringt dieser Absatz meine Handlung voran?“ Diese Frage ist die Existenzberechtigung für Ihren gesamten Text, folglich auch für Ihre Dialoge. Dialoge erfüllen eine Funktion. Wenn eine Unterhaltung weder etwas Wesentliches über Ihre Figuren, deren Beziehung oder die Handlung erzählt, dann streichen Sie sie. Textabschnitte ohne Erkenntnisgewinn lesen sich einfach langweilig. Wenden Sie dieses Ausschlussprinzip schonungslos auf jedes noch so sprachliche Juwel an! Dadurch straffen Sie Ihre Handlung ganz automatisch.
5. Kulisse
Setzen Sie Ihren Dialog in Szene, indem Sie eine angemessene Kulisse für ihn schaffen. Menschen unterhalten sich nicht im luftleeren Raum. Schmücken Sie also auch Gesprächssituationen aus. Beleben Sie Ihre Gespräche mit Beschreibungen der Gestik und Mimik Ihrer Protagonist*innen. Die Frage „Magst du ihn etwa?“ bedeutet je nach Sorgen- oder Lachfalten im Gesicht Ihrer Figuren etwas jeweils anderes. Lassen Sie beim Bettgeflüster die Bettwäsche rascheln und bei der Nachspeise die Kaffeemaschine gurgeln. Versetzen Sie sich so in die Gesprächssituation, als wären Sie wirklich dort und lassen Sie Ihre Leser*innen an Ihrer Imagination teilhaben!
6. Zeichensetzung
Studieren Sie unbedingt schon vor dem Schreiben die Typografie. Satzzeichen erst beim Korrekturprozess zu überarbeiten ist eine einzige Sisyphos-Arbeit. Doppelte Anführungszeichen gelten in der Buchbranche als veraltet: „[…]“. In Deutschland und Österreich haben sich inzwischen die französischen Guillemets etabliert: »[…]«. In der Schweiz kennzeichnen zwar auch die Guillemets die Direkte Rede, die Spitzen zeigen allerdings nach außen: «[…]». Englische Gespräche spielen sich zwischen einfachen Anführungszeichen ab: ‘[…]’. Sollten Sie unsicher sein, erkundigen Sie sich am besten bei Ihrem Verlag nach dessen Formvorgaben. Vernachlässigen Sie auch die Absatzregeln nicht. Setzen Sie immer einen Absatz, sobald jemand neuer am Wort ist. Nur so behält Ihre Leserschaft den Überblick über das Gespräch. Berücksichtigen Sie diese Regeln von Anfang an und Sie ersparen sich am Schluss viel an Arbeit, Zeit und Nerven.
Übung: Dialoge schreiben
Treten Sie am Papier in ein Zwiegespräch mit Ihrer Hauptfigur. Stellen Sie Ihr Fragen, lassen Sie sie antworten und einen authentischen Gesprächsfluss entstehen. So schärfen Sie nicht nur Ihren Stil, sondern auch das Profil Ihrer Figuren.
Noch mehr Schreibübungen für richtig gute Dialoge finden Sie in unserem preiswerten Schreibratgeber „Fakt und Fiktion“, den Sie hier bestellen können.


