Vom Schreiben leben zu können ist ein Traum vieler angehender Schriftsteller*innen. Jedoch ist es auch ein Traum, den man sich erst leisten muss. Denn Autor*in im Hauptberuf zu sein ist ein Privileg. Auch Autor*innen von Weltrang konnten nicht von Anfang an hauptberuflich schreiben. Bei George Orwell, Agatha Christie oder Henry David Thoreau gerieten Beruf und Berufung immer wieder in Konflikt miteinander. Nicht immer war das ein Nachteil, wie sich an weltberühmten Beispielen zeigt. George Orwells Erlebnisse, die er als Polizeibeamter in der britischen Kolonie Burma sammeln durfte, flossen ohne Zweifel in seinen Bestseller „1984“ ein. Kafka war Versicherungsvertreter und Hermann Hesse als Buchhändler tätig. Hauptberuflich schreiben ist also ein Status, den man sich erst erarbeiten muss. Wir vom novum Verlag verraten Ihnen, worauf Sie achten müssen, wenn Sie haupt- oder nebenberuflich schreiben wollen und wie Sie beides unter einen Hut bringen.
Hauptberuflich schreiben: Von der Berufung zum Beruf
Steuern und Finanzamt
Je nachdem, ob Sie eine Karriere als Autor*in haupt- oder nebenberuflich in Erwägung ziehen, gilt es einige rechtliche Kriterien zu beachten. Zwar sind die Voraussetzungen von Land zu Land unterschiedlich, in den meisten Staaten gilt der Beruf des*der Autor*in aber als Freiberuf. Freiberufler*innen unterliegen einer anderen Steuerklasse als etwa Gewerbetreibende und Selbstständige. Solange Sie nur nebenberuflich als Autor*in aktiv sind, sind Ihre steuerlichen Pflichten überschaubar. Wichtig ist jedoch, dass Sie dem Finanzamt Ihre schriftstellerische Tätigkeit melden, um Einkünfte und Ausgaben in einer Steuererklärung offenlegen zu können.
Solange das Haupteinkommen aus dem Hauptberuf kommt und auch die Arbeitszeit in diesem Verhältnis überwiegt, wird Ihre Autorenschaft auch als Freiberuf gehandelt. Sobald Sie aber mit der Autorenschaft Ihren Lebensunterhalt verdienen, Bücher über einen Onlineshop vertreiben oder einen eigenen Verlag gründen, sind Sie zur Anmeldung eines Gewerbes verpflichtet. Solange Sie nur Tantiemen für Ihre Bücher aus dem Verkauf über Drittanbieter wie den Verlag oder Amazon beziehen, gilt diese Regelung nicht für Sie. Sobald Sie Ihre Bücher aber über einen eigenen Shop verkaufen, werden Sie vor dem Gesetz als Gewerbetreibende*r gehandelt und sind auch zur Anmeldung dieses Gewerbes verpflichtet. Die Schriftstellerei ist ein freies Gewerbe, weswegen zur Anmeldung keine besonderen Voraussetzungen erfüllt sein müssen. Jedoch fallen ab sofort Einkommens- und Gewerbesteuern sowie – je nach Umsatz und Gewinn – Umsatzsteuer an. Auch für Ihre Sozialversicherung müssen Sie selbst aufkommen, wenn Sie hauptberuflich schreiben. Für Künstler*innen bietet sich die günstigere, sogenannte „Künstlersozialklasse“ oder auch „Künstlersozialversicherung“ an. Besprechen Sie Ihre Pläne, Autor*in zu werden, auf jeden Fall mit Ihrem*Ihrer Steuerberater*in, bevor Sie diese in die Tat umsetzen.
Aus- und Weiterbildung
Überlegen Sie, welches Genre Sie bedienen wollen und vertiefen Sie Ihre Kenntnisse in diesem Bereich mit adäquaten Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Jetzt, wo Sie Ihr schriftstellerisches Schaffen auch am Finanzamt offiziell gemacht haben, können Sie Sprachkurse oder Kurse im Kreativen Schreiben von der Steuer absetzen. Auch Workshops, die Sie zur Figurenrecherche besuchen, können Sie als Ausgabe geltend machen. Ihre Hauptfigur ist Fotografin? Wie wäre es mit einem Anfängerkurs für Fotografie? Vielleicht wollen Sie aber auch noch einmal die Schulbank drücken und entscheiden sich für ein Germanistik- oder Philologiestudium. Hauptberuflich schreiben erfordert Basiskenntnisse in der schriftstellerischen Theorie und Praxis. Investieren Sie Zeit in Ihre Ausbildung, wenn Sie wirklich eine Karriere als Schriftsteller*in in Erwägung ziehen. Vor allem Sachbuchautor*innen sollten um ständige Weiterbildung bemüht sein.

Zeitmanagement
Schreiben macht Spaß, doch es fordert auch Ressourcen. Ambitionierte, die abends nach einem anstrengenden Arbeitstag noch an ihrem Manuskript arbeiten, sollten auch Auszeiten einplanen. Pausen und Freizeit sind nicht nur für Ihr Wohlbefinden, sondern auch für Ihre Kreativität unerlässlich. Wer ständig über seine Grenzen geht, riskiert ein Burn-out oder eine Schreibblockade. Planen Sie Ihre Arbeits- und Auszeiten in einem akribischen Zeitplan und achten Sie auf ausreichend Bewegung, Selbstliebe und Schlaf.
Referenzen
Wer sich nach und nach eine Karriere als Autor*in aufbauen will, sollte schon vor der ersten Veröffentlichung an seinen Referenzen arbeiten. Publikationen in Literaturmagazinen, Preise bei Literaturwettbewerben oder Veröffentlichungen in Sammelbänden erhöhen Ihren Marktwert und erleichtern den Einstieg in die Buchbranche. Kleinere Publikationen wie Kurzgeschichten oder Gedichte lassen sich auch vor oder nach der Hauptarbeitszeit umsetzen. Bei der Suche nach einem Verlag oder einer Literaturagentur versprechen sie oft einen entscheidenden Vorteil.
Plots und Pläne
Auch eine Kombination aus Teil- und Vollzeitautorenschaft kann sinnvoll sein. Für diesen Zweck eignet sich ein Drei-Phasen-Plan. In der ersten Phase, der Schaffensphase, widmen Sie sich der Themenfindung und Recherche. Danach erstellen Sie einen Plot, schreiben Ihr Manuskript und überarbeiten es. Die zweite Phase, die Publikationsphase, dient der Suche nach einem Verlag sowie der Veröffentlichung Ihres Buchs. Die ersten beiden Phasen lassen sich auch verwirklichen, solange Sie nur nebenberuflich als Autor*in aktiv sind. Erst in der dritten Phase, der Bewerbungsphase, können Sie alles auf eine Karte setzen, Ihren Job kündigen und die Autorenschaft als Gewerbe anmelden. Informieren Sie sich schon vor diesem Schritt über mögliche Förderungen und Unterstützungen vom Staat und setzen Sie auf Sparanlagen. Jetzt können Sie sich ganz Ihrer Tätigkeit als Autor*in und der Promotion Ihres Buchs widmen. Im schlimmsten Fall können Sie immer noch in Ihren Brotjob zurückkehren.
Auszeit nehmen
Vielleicht ist auch eine Auszeit vom Hauptberuf eine Option für Sie. Sprechen Sie mit Ihrem*Ihrer Arbeitgeber*in über die Möglichkeit, Ihren Dienstvertrag für eine gewisse Zeit außer Kraft zu setzen. In dieser Zeit widmen Sie sich ganz der Selbstverwirklichung und dem Schreiben. Auf diese Art und Weise schonen Sie Ihre Ressourcen und können gleichzeitig in den Arbeitsalltag des*der Schriftsteller*in schnuppern. Womöglich finden Sie heraus, dass Sie doch nicht den ganzen Tag alleine vor sich hinschreiben wollen und die Hybridlösung aus Beruf und Berufung genau die richtige für Sie ist.
Sie planen eine Karriere als Autor*in, wollen aber vorher noch Ihre Schreibfertigkeiten verbessern? In unserer Schreibwerkstatt können Sie Ihre Technik mit einem individuellen Schreib-Coach verbessern. Informieren Sie sich hier über unser Angebot.


