Stilmittel Rückblende – eine Hassliebe

Buch mit Uhr Vergangenheit

Das Image der Rückblende ist ein ambivalentes. Während sie von Autor*innen als beliebtes Stilmittel oft im Überfluss eingesetzt wird, stehen Lektor*innen ihr meist sehr kritisch gegenüber. Wir zeigen Ihnen, wie der Blick in die Vergangenheit gelingt!

Zweifellos haben sogenannte Flashbacks als Instrument für Schreibende ihre Daseinsberechtigung und die wenigsten Romane kämen wohl gänzlich ohne sie aus. Es gibt jedoch einiges zu beachten, damit der gewünschte Effekt erreicht wird!

Machen Sie sich zunächst eines bewusst: Verschiedene Erzählstränge in unterschiedlichen Zeiten sind nicht mit einer Rückblende zu verwechseln. Bei Ersterem handelt es sich um zwei völlig verschiedene Geschichtenverläufe. Die Rückblende hingegen ist nur ein Teil eines Erzählstrangs. Sie ist in diesen eingebettet und dient dazu, der Leserschaft Informationen näherzubringen.

Die Erzählform des Narrativs ist linear. Das bedeutet, je weiter Sie im Werk lesen, desto mehr Zeit ist in der Geschichte vergangen. Diese lineare Form wird durch die Rückblende unterbrochen. So wird es möglich, in der Vergangenheit liegende Ereignisse auch im Nachhinein in die Geschichte einzubauen und auf diesem Weg relevante Informationen nachzuliefern. Sie können diese Methode also geschickt nutzen, um Informationen über Ihre Hauptfigur, die Geschichte eines Landes, eine bestimmte historische Epoche oder Ähnliches einzuflechten.

Die Vorteile der Rückblende

Neben dem Bereitstellen von für die Geschichte relevanten Informationen erfüllt der Flashback eine weitere wichtige Funktion: Er hilft Ihren Leser*innen im Idealfall dabei, die Beziehung zwischen verschiedenen Charakteren sowie diverse Hintergründe der Story zu verstehen. Sie haben hier die Möglichkeit, dem Publikum näherzubringen, warum Ihre Hauptfigur wie handelt, was sie geprägt hat, was ihre Motive sind. Wird eine Rückblende richtig und mit Gespür eingesetzt, so kann sie Spannung erzeugen und tieferes Verständnis für das Thema schaffen. Wichtig dabei ist, häppchenweise zu erzählen und durch offene Fragen immer wieder Spannung zu erzeugen. Klären Sie nicht alles auf einmal auf, lassen Sie die Leserschaft auch ein wenig im Dunklen, um sie zum Weiterlesen anzuregen. Dabei können Sie ruhig immer wieder neue Fragen aufwerfen, um die Neugierde zu wecken!

 

Flashbacks richtig schreiben

Gestalten Sie Ihre Rückblende stets bildhaft und szenisch – wie eine echte Erinnerung. Der Einschub kann nur einen einzigen Absatz oder sogar ein ganzes Kapitel umfassen, oft reichen auch wenige Worte – hier ist Ihr Fingerspitzengefühl gefragt! Es gibt verschiedene Möglichkeiten, diesen in die Geschichte zu integrieren:

  • Sie lassen Ihre Figuren ein Gespräch führen, in dem Vergangenes erzählt wird.
  • Zurückliegende Ereignisse werden mithilfe eines Briefes enthüllt, den die Hauptfigur liest.
  • Eine Person in Ihrem Werk erinnert sich zurück und lässt die Leserschaft so daran teilhaben.
  • Der Charakter hat einen Traum, der dem Publikum die Vergangenheit offenbart.

Verzichten Sie hierbei auf holprige Überleitungen wie z. B. „Er dachte …,“ „Sie erinnerte sich…“ etc. Gut geschriebene Rückblenden dürfen nicht als solche auffallen. Als perfekte Auslöser oder Ankündigung für Rückblenden können Ihnen bestimmte Gerüche, Geschmäcker, Lieder, Begriffe etc. dienen.

Bsp.: „Helene öffnete das Fenster und der Duft von Regen und würzigem Lavendel drang in das Lesezimmer. Sie klemmte den Zeigefinger zwischen die Buchseiten und blickte für eine Weile hinaus in das Dunkel. Sie fühlte sich ein wenig benommen, fast wie an einem jener lauen Sommerabende in Aix-en-Provence, als sie nach der Lavendelernte erschöpft in ihr Bett gesunken war. Die Nächte waren rabenschwarz gewesen und das Zirpen der Zikaden hatte sie Abend für Abend sanft in den Schlaf begleitet.“

 

Stilmittel Rückblende – eine Hassliebe - Buch Notizheft und Kugelschreiber

 

So vermeiden Sie typische Fehler


Neben den zahlreichen Vorteilen birgt der Einsatz von Rückblenden auch verschiedenste Tücken und Gefahren. Hier gilt es, besondere Vorsicht walten zu lassen und mit Bedacht vorzugehen. Für eine gelungene Integration in Ihr Narrativ sollten Sie die folgenden Tipps unbedingt beherzigen:

  • Wichtig ist, dass Sie die Rückblende geschickt in die Geschichte einbetten, sodass Sie den Lesefluss nicht stört und die Lesenden nicht aus den aktuellen Geschehnissen reißt. Eine gute Verankerung in der Story ist das Um und Auf!
  • Sie sollten besonders darauf achten, die richtige Zeitenfolge einzuhalten und keine komplizierten Zeitformen zu verwenden – Lesende dürfen keinesfalls darüber stolpern! Bei einer Erzählung im Präteritum beispielsweise muss die Rückblende im Plusquamperfekt formuliert werden. Hier können Sie sich jedoch darauf beschränken, die ersten ein, zwei Sätze des Rückblicks in der Vorvergangenheit zu verfassen. Für die Leserschaft ist damit ausreichend gekennzeichnet, dass sich die Erzählzeit ändert. Danach können Sie wieder zum Präteritum wechseln, den Lesenden wird der erneute Wechsel nicht unangenehm auffallen. Achten Sie jedoch darauf, den Übergang in die Erzählgegenwart wieder stimmig und plausibel zu gestalten!

Bsp.: „Mit einem Seufzen stellte sie die Fotografie zurück auf den Tisch. Sie waren damals so unbeschwert und glücklich gewesen. Täglich machten sie einen Spaziergang entlang der Seine und beobachteten die Künstler, die am Ufer gegenüber von Notre-Dame für ein paar Francs Porträts von Touristen anfertigten.“
 

  • Ebenso wichtig wie die richtige Einbettung in den Text ist die deutliche Kenntlichmachung des Endes. Es muss für die Leserschaft klar erkennbar sein, wo der Ausflug in die Vergangenheit endet und die tatsächliche Handlung ihren weiteren Verlauf nimmt.

Bsp.: „Sie tanzte für ihr Leben gerne, ständig lachte und sang sie völlig unbeschwert. Heute dagegen war Wehmut ihr ständiger Begleiter. Sie raffte sich mit einem Seufzen auf und ging ins Bad.“ Hier wird deutlich, dass wir wieder in der Gegenwart der Geschichte angekommen sind.
 

  • Rückblenden sollten sehr spärlich eingesetzt werden. Wägen Sie stets ab, ob die darin enthaltenen Informationen die Geschichte auch wirklich bereichern. Wenn Sie sich unsicher sind, ob der Blick in die Vergangenheit zu viel ist, versuchen Sie Folgendes: Streichen Sie die entsprechenden Rückblenden und vergleichen Sie das Dokument mit dem Original. Fehlt nun wertvolles Hintergrundwissen, das für die Geschichte vonnöten wäre? Findet sich das Publikum auch ohne diese zurecht? Braucht es doch mehr Kontext, um den Handlungsverlauf besser nachvollziehen zu können? Sie können auch Testleser*innen – Familie, Freunde oder auch neutrale Fremde – zurate ziehen, um zu sehen, was besser ankommt!
  • Setzen Sie Rückblenden nicht zu früh in der Geschichte ein. Erklärende Textstellen langweilen die Lesenden rasch, da sie die vorkommenden Personen und den Konflikt noch nicht gut genug kennen. Sie werden mit der Vergangenheit der Figuren konfrontiert, bevor sie noch mit deren Gegenwart richtig vertraut sind. Das nimmt das Tempo aus der Geschichte, das Interesse der Leserschaft nimmt ab. Man möchte Details über die Hauptfigur erst erfahren, wenn einem diese bereits vertraut oder sympathisch ist.

 

Sie sehen also, der richtige Einsatz von Rückblenden hat großen Einfluss darauf, ob an den richtigen Stellen Interesse und Spannung erzeugt wird und wie Leser*innen Ihr Werk letztlich annehmen. Für das Umsetzen unserer Tipps wünschen wir gutes Gelingen!

 

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