„Ein Ziel ohne Plan ist nur ein Wunsch“, sagte Antoine de Saint-Exupéry. Der Autor von „Der kleine Prinz“ musste es wissen. Schließlich war Antoine de Saint-Exupéry nicht nur Schriftsteller, sondern auch Pilot. Einem Flugzeug ohne Ziel geht entweder auf halber Strecke der Sprit aus oder es kommt an, wo es nie landen wollte. Wer ein Flugzeug fliegen will, braucht ein Ziel. Wer ein Buch verfassen will, braucht einen Plan.
Darum ist ein gut durchdachter Plot die halbe Arbeit. Manche Autor*innen wollen nicht plotten, weil sie ihre Kreativität nicht einschränken wollen und sich vom Verlauf einer Geschichte gerne selbst überraschen lassen. Größere Buchprojekte sind ohne entsprechende Plot-Techniken aber vergebens. Weltbestseller wie, „Harry Potter“ oder „Game of Thrones“ wären ohne Plot nie entstanden. Dafür sind ihre Handlungsstränge viel zu komplex. Ein Plot ist notwendig, wenn man ein größeres Buchprojekt plant. Er strukturiert Ihr Werk, er gliedert es in Akte und Kapitel. Dadurch schaffen Sie realistische Zwischenziele, die Sie motivieren werden, das Schreiben bis zum Schluss durchzuhalten. Und auch die Vielschichtigkeit und Qualität, die ein Plot Ihrem Werk verleihen wird, sind nicht zu unterschätzen.
Sie sehen, die Gründe fürs Plotten sind zahlreich. Wenn Sie ein Buch verfassen wollen, bieten sich zwei populäre Plot-Techniken an, die wir Ihnen im Folgenden vorstellen werden.
Was ist ein Plot?
Ein Plot wird auf Basis der sogenannten Prämisse, der Kernbotschaft des Buchs, erstellt. Der Plot ist der Handlungsstrang, der sich als roter Faden durch Ihr Buch zieht und aus Anfang, Hauptteil und Schluss besteht. Jedes dieser Elemente besteht aus jeweils kleineren Einheiten wie Kapiteln, Szenen und Wendungen. Und für jedes dieser Elemente existieren weitere Einheiten wie Figuren, Schauplätze oder Perspektive, die man beachten muss. Das Grundmodell des Plots ist das sogenannte Drei-Akt-Modell aus Anfang, Hauptteil und Schluss. Es gibt aber auch andere Möglichkeiten, um die Architektur eines Buchs zu skizzieren.
Wie kann ich plotten? Die besten Techniken im Überblick
Das Fünf-Akt-Modell
Neben dem Drei-Akt-Modell ist das Fünf-Akt-Modell bei literarischen Baumeister*innen sehr beliebt. Es ist eine erweiterte Form des Drei-Akt-Modells und sorgt für ein solides Grundgerüst Ihrer Geschichte:
- Exposition: Vorstellung von Personen, Schauplätzen, Stimmungen, Situationen, Zeit und Ort sowie Anbahnung eines Konflikts.
- Steigerung: Geschehen und Konflikt spitzen sich zu. Die Geschwindigkeit steigt. Die Protagonist*innen verfügen über die Handlungsgewalt oder verlieren sie.
- Höhepunkt: Die Handlung erreicht ihren Höhepunkt, der Konflikt löst sich in ein konkretes Geschehen auf. Die Protagonist*innen stellen sich der Situation. Eine entscheidende Wendung vollzieht sich.
- Rückschlag und Retardation: Die Protagonistin oder der Protagonist erlebt einen Rückschlag und das Tempo nimmt ab. Eine temporäre Aussichtslosigkeit stellt sich ein. Die Handlung wird künstlich verzögert. Spannung entsteht.
- Auflösung: Der Konflikt wird aufgelöst, die Kernbotschaft des Buchs kommt deutlich zum Tragen. Am Schluss stehen Scheitern oder Sieg der Protagonist*innen.
Das Sieben-Punkte-System
Zwei weitere Punkte fügt die Sieben-Punkte- der Fünf-Punkte-Struktur hinzu. Auch damit können Sie schon in wenigen Schritten ein Buch verfassen:
- Aufhänger: Vorstellung von Personen, Schauplätzen, Stimmungen, Situationen, Zeit und Ort sowie Anbahnung eines Konflikts.
- Erste Wendung: Ein dramatisches Ereignis verursacht einen Wendepunkt in der Handlung.
- Erster Kniff: Die oder der Protagonist*in wird dazu gezwungen, zu handeln und aus der Komfortzone zu treten.
- Mittelpunkt: Die oder der Protagonist*in muss sich ihrem oder seinem Konflikt stellen.
- Zweiter Kniff: Etwas misslingt, die oder der Protagonist*in sieht sich einer ausweglosen Situation gegenüber.
- Zweite Wendung: Ein überraschendes Ereignis, mit dem das Publikum nicht gerechnet hat, läutet eine Kehrtwende ein.
- Auflösung: Der Konflikt wird aufgelöst, die Kernbotschaft des Buchs kommt deutlich zum Tragen. Am Schluss stehen Scheitern oder Sieg der Protagonist*innen.
Ihre Plot-Struktur können Sie klassisch auf Papier oder in Schreibprogrammen, die über spezielle Funktionen nur fürs Plotten verfügen, verewigen.

Schreibübung: Plotten für Anfänger*innen
Für Quereinsteiger*innen, die zum ersten Mal ein Buch verfassen, ist der Prozess des Plottens vielleicht befremdlich. Um mit dem Prozedere vertraut zu werden, empfiehlt es sich, nur zum Spaß Plots für Fantasiegeschichten zu schreiben. Überlegen Sie sich zu folgenden Themen eine Drei-Akt- oder Fünf-Akt-Struktur. Welche Wendungen, Überraschungen oder Lösungen fallen Ihnen ein?
- Reise und Rückkehr
- Die Hoffnung auf den Preis
- Verlust und Wiederherstellung
- Der Segen wird zum Fluch
- Phönix aus der Asche
- Das hässliche Entlein
Skizzieren Sie den Plot mit bunten Stiften und schreiben Sie alles auf, was Ihnen spontan einfällt. Im Idealfall steht am Schluss der Übung eine Buchidee, die Sie tatsächlich verwirklichen wollen. Sollten Sie dennoch Berührungsängste haben, so versuchen Sie, die Plotstruktur von Büchern aufzuschreiben, die Sie gerade lesen oder gelesen haben. Lernen Sie am Beispiel Ihrer Vorgänger*innen und Sie werden sehen, dass Plotten nicht nur Erfolg, sondern auch Spaß verspricht.
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