Der erste Eindruck zählt. Sie wollen ein gutes Vorwort schreiben? Mit diesen Tipps gelingt es.
Ein Vorwort schreiben ist eine eigene Kunst. Fast zählt es schon als eigene Literaturgattung. Das Vorwort, auch Prolog genannt, verrät vieles über den*die Autor*in, dessen*deren Werk und den Bezugsrahmen, in dem es entstanden ist. Über manche Vorwörter, wie etwa Jean Paul Sartres Vorwort zu „Die Verdammten dieser Erde“ wurden schon ganze Abhandlungen geschrieben. Manchen Leser*innen ist das Vorwort einiger Bücher sogar vertrauter als das Buch selbst. Die Wirkung eines Vorworts ist also nicht zu unterschätzen. Ein Vorwort ist bei Weitem nicht nur eine Übung in Schönschreiberei. Es erfüllt Funktionen, die ein*e versierte*r Autor*in für sich zu nutzen weiß.
Die Funktionen eines Vorworts
Ein Vorwort ist nicht zu verwechseln mit einer Einleitung. Die Einleitung mündet direkt in die Geschichte, während das Vorwort unabhängig von ihr stehen kann. Schreibt es der*die Autor*in selbst, so stellt es zunächst eine Beziehung zwischen Publikum und Autor*in her. Der*die Autor*in legt Beweggründe offen, warum das Buch geschrieben wurde. Oder aber er*sie schildert seinen*ihren Reflexionsprozess. Durch ein Vorwort kann der*die Urheber*in auch das Hauptaugenmerk seines*ihres Werks auf einen ganz bestimmten Aspekt richten. Oder aber er*sie schraubt die Erwartungshaltung der Leser*innen durch gesunde Selbstironie nach unten, wie es etwa Søren Kierkegaard oder Miguel de Cervantes getan haben. Dadurch nimmt man sich den Druck und gewinnt auch gleich noch die Sympathie der Leser*innen.
Das Vorwort bietet aber auch Platz für die Vorstellung der eigenen Person. Um nicht den Verdacht des Eigenlobs zu wecken, kann diese Aufgabe auch ein*e andere*r, außenstehende*r Autor*in übernehmen. Diese Strategie bietet gleich mehrere Vorteile. Einerseits bereichert der Blick von außen Ihr Werk um einen ganz neuen Blickwinkel. Anderseits kann Ihr Werk von der Außenstimme auch ökonomisch profitieren, wenn etwa ein*e Autor*in mit Prestige Ihr Vorwort schreibt und sich damit für Ihr Können und Wirken verbürgt.
Die Vorteile eines Vorworts sprechen für sich. Doch wie schreibt man ein solides Vorwort und welche Regeln der Kunst gilt es zu beachten? Sie wollen ein Vorwort schreiben? So funktioniert es:

Vorwort schreiben: 10 Tipps für starke Worte
Länge
Ein Vorwort sollte Spannung und Neugier aufbauen. Man kann den Bogen aber auch überspannen. Begrenzen Sie sich auf eine bis maximal drei Seiten beim Schreiben Ihres Vorworts. Ein gelungenes Vorwort schürt die Vorfreude eines*einer Leser*in, ohne deren*dessen Geduld auf die Probe zu stellen.
Inhalt
Wer ein Sachbuch über Zierfische schreibt, sollte sich in seinem Vorwort nicht mit der spirituellen Energie von Steinen beschäftigen. Ganz gleich welches Genre, grundsätzlich sollten Sie den Inhalt Ihres Vorworts dem Ihres Buchs anpassen. Ihre Leser*innen haben sich aus einem bestimmten Beweggrund für Ihr Buch entschieden. Enttäuschen Sie dieses Interesse nicht, indem Sie vom Thema abweichen.
Stil
Auch der Stil sollte sich dem Buch anpassen. Sie haben einen Gedichtband veröffentlicht? Dann ist ein lyrisches Vorspiel durchaus angemessen. Ein Gedicht in einem technischen Taschenbuch könnte hingegen eher verstörend wirken und bei Ihrem Publikum Zweifel an der Kaufentscheidung aufkommen lassen.
Persönlichkeit
Bringen Sie sich persönlich ein. Sie kennen es selbst: Erst auf persönlicher Ebene, abseits vom Small Talk, wird ein Gespräch wirklich interessant. Öffnen Sie sich Ihrem Publikum und schreiben Sie über die Gründe, die Sie dazu bewogen haben, Ihr Buch zu schreiben. Auch Einblicke in den Schreibprozess können spannend sein und die Lust aufs Lesen wecken. Greifen Sie in die Schatzkiste der Emotionen und sorgen Sie schon im Vorwort für ganz große Gefühle.
Form und Format
Der erste Eindruck zählt. Nicht nur Ihr Publikum, sondern auch Ihr Verleger achtet auf Orthografie und Grammatik. Wenn schon das Vorwort vor Fehlern strotzt, bekommt das Buch erst gar keine Chance. Das Format von Vorwort und Manuskript sollten zusammenpassen. Beachten Sie hier die Vorgaben des Verlages für Normseiten und fragen Sie im Zweifelsfall nach.
Recherche
Sie ziehen eine*n Co-Autor*in Erwägung, der*die Ihr Vorwort für Sie schreibt? Dann recherchieren Sie genau und suchen Sie nach passenden Vorredner*innen. Vor allem bei Sachbüchern empfiehlt es sich, bekannte Publizist*innen für sich sprechen zu lassen. Beweisen Sie Mut und schreiben Sie Ihre*n Wunschkandidat*in selbstbewusst an. Wer weiß, was sich ergibt?
Lesen
Sie sind noch ratlos und wissen nicht, wie Sie Ihr Vorwort schreiben sollen? Wie so oft lautet der Rat an Schriftsteller*innen in diesem Fall: „Lesen, lesen, lesen!“ Lassen Sie sich von den Vorwörtern anderer Autor*innen inspirieren, um ein Gefühl für Struktur und Sprache zu entwickeln.
Feedback
Bitten Sie Ihre Testleser*innen um Feedback: Wie liest sich das Vorwort? Ist es zu lang oder zu kurz? Liest es sich authentisch? Enthält es formale oder inhaltliche Fehler? Formulieren Sie einige Fragen zum Vorwort für Ihre Testleser*innen und setzen Sie deren Feedback proaktiv um.
Widmung
Wenn Sie kein Vorwort schreiben wollen, setzen Sie auf eine Widmung oder auf ein Zitat. Viele Autor*innen stellen ihrem Werk ein Zitat voran, das dessen literarisches Thema abbildet. Andere begnügen sich mit einer Widmung. Unterschätzen Sie die Wirkung von ein paar Zeilen nicht. Schon wenige Worte wie „Für Mama“ oder „Für mein Kind. Wenn du groß bist“ können eine verblüffend starke Leser-Blatt-Bindung bewirken.
Freiheit
Dichterische Freiheit ist alles. Letzten Endes ist es Ihr Buch, das Ihre Persönlichkeit und Botschaft widerspiegeln soll. Schränken Sie sich also nicht zu sehr ein und sagen Sie, was Sie zu sagen haben. Dann kann eigentlich nicht mehr viel schief gehen.
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