Das große Ganze behält Autor Ralf Schollenberger in seinem neuen Buch im Blick. Wie wir wieder zufriedener werden und welchen Wert wir an die Stellung der Leistung setzen können, beantwortet der Mentor und Führungskräfte-Coach im Interview.

Ein Arbeitstag ist vollbracht und die Aufgabenliste ist wieder mehr geworden statt weniger? Die Tage sind voll von Produktivität und doch zu kurz, um allen Aufgaben gerecht zu werden? Die Leidenschaft fürs Leben ist der Lustlosigkeit gewichen? Wenn wieder einmal alles zu viel wird, drängt sich die Frage auf: »Wie bringe ich mein Leben wieder ins Gleichgewicht?«

Antworten auf diese Frage wurden schon vielfach gegeben. Philosophie und Religion sind voll von Werken, die uns den Weg zur Erleuchtung weisen. Auszüge aus der Weltenweisheit erfasst Ralf Schollenberger in seinem neuen Buch »Weil es ums Ganze geht«. In einer Welt, in der sich der Mensch überwiegend durch Leistung definiert, geht der wilde, poetische Zugang zum Leben oft verloren. Dabei reicht oft schon ein Perspektivenwechsel, um Kraft aus anderen Quellen zu beziehen. Der Protagonist in Ralf Schollenbergers neuem Buch kommt an einen Wendepunkt in seinem Leben und betrachtet die Welt aus einer anderen Perspektive – inspiriert von einem der bedeutendsten Lehrmeister: der Natur. In unserem Interview erläutert uns der Berater, Mentor und Stresstherapeut Details zu dem Zusammenspiel von innerem Frieden und den Wundern der Natur.

Autoreninterview: Ralf Schollenberger über Zufriedenheit, Glück und das große Ganze

In Ihrem Buch schreiben Sie von der regelrechten Flut an Glücksbüchern und -ratgebern, die den Buchmarkt in den letzten Jahren überschwemmt hat. Sie haben viele von Ihnen gelesen, doch geholfen hat keines so wirklich. Was kann Ihr Buch, was andere nicht können?

Der Aufbau meines Buches orientiert sich am »Golden Circle Konzept« von Simon Sinek. Im Gegensatz zu anderen Ratgebern, die sich auf das Wie und Was konzentrieren, stelle ich das Warum der Beweggründe für ein zufriedenes und selbstbestimmtes Leben in das Zentrum der Geschichte. Dadurch entsteht nicht nur eine rationale, sondern auch eine emotionale Verbindung der Leser*innen zu den Protagonist*innen. Dieses Warum inspiriert zu einer langfristigen, nachhaltigen Veränderung. Die Geschichte selbst und die Beispiele im Buch veranschaulichen das Warum und machen die Botschaft auf persönlicher Ebene erlebbar. Die Erzählung wurde gezielt im Präsens und in der Ich-Form verfasst, um die Leser*innen unmittelbar in die Erlebnisse einzubeziehen. Durch die klare Sprache, die Verwendung von Gleichnissen und die bildhafte Erzählweise sollen Lesende das Gefühl haben, aktiv Teil der Geschichte zu werden. Ich möchte, dass sich die Menschen mitgenommen fühlen, als wären sie hautnah dabei, um so selbst zu erleben, warum es einer Veränderung bedarf.

Den Schlüssel für mehr Zufriedenheit haben Sie auch in anderen Kulturen, Regionen und Religionen gefunden. Welche interkulturellen Einflüsse finden sich in Ihrem Buch wieder?

Bei der Recherche ist mir aufgefallen, dass sich bestimmte Werte, Normen sowie Handlungsmuster wiederholen. Natur- und Urvölker nahezu aller Kontinente sind vor allem bei der Haltung zur persönlichen Situation und deren Bewertung für das Leben sehr eng mit den Regeln der Natur verbunden. Auch bei den großen Weltreligionen gibt es Überschneidungen bezüglich menschlicher Interaktion und persönlichem Frieden.

Der Erzähler in Ihrem Buch berichtet, dass er sich viele Jahre lang nur über Arbeit, Erfolg und Leistung definiert hat. Im Zeitalter des Hyperkapitalismus, in dem die kommerzielle Ausbeutung des Menschen ihren Höhepunkt erreicht hat, geht es vielen Menschen ähnlich. Welche Werte sollten wir Ihrer Meinung nach an die Stelle von Leistung setzen, um uns wieder mehr mit der Natur und uns selbst zu verbinden?

In Anbetracht dieser Dynamik halte ich es für erforderlich, unsere Lebensumstände zu überdenken und einen ganzheitlichen Ansatz zu verfolgen. Statt ausschließlich Geld und Leistung zu priorisieren, sollten wir Werten wie Achtsamkeit, Nachhaltigkeit und Verbundenheit mehr Bedeutung geben. Lebenszeit und Respekt vor den eigenen Bedürfnissen und eine sorgfältige Fürsorge für sich selbst, die Mitmenschen und die Natur können als alternative Währung zu Leistung und Geld ganz neue Perspektiven eröffnen. Nach meinen Erfahrungen ist die »Rendite« dabei um ein Vielfaches höher als bei monetären Investitionen.

»Mein Leben stieg mir über den Kopf, ohne dass ich es mir bewusst machte.« Dieses Zitat aus Ihrem Buch beschreibt sicher die Lebenssituation vieler Menschen, die sich am besten Weg in ein Burnout befinden, weil sie ihre Grenzen nicht spüren. Wie kann es uns in einer schnelllebigen Zeit wie dieser gelingen, unseren Bedürfnissen wieder mehr Raum zu geben?

Das Zitat reflektiert die Realität vieler Menschen, die ihre eigenen Bedürfnisse aus den Augen verloren haben – vor allem in einem hektischen und reizüberfluteten Umfeld. Interessanterweise betrifft dies nicht nur Menschen, die sich in ihrem Job nicht wohl fühlen, sondern auch Arbeitnehmer*innen, die ihren Beruf lieben. Wenn alles der Karriere untergeordnet wird, dann kommen bewusste Pausen, Selbstreflexion und die Wahrnehmung für die eigenen Bedürfnisse häufig zu kurz. Es muss darauf geachtet werden, dass Selbstfürsorge-Routinen, ausreichend Bewegung und Schlaf sowie die Pflege sozialer und familiärer Kontakte einen großen Stellenwert bekommen. Alles in allem ist diese Art der Selbstfürsorge eine bewusste Entscheidung für ein selbstbestimmtes Leben.

Schamanische Bräuche, Riten und Geschichten – der Erzähler in ihrem Buch findet erst durch den radikalen Bruch mit seinem Leben zu sich selbst zurück. Ist das der einzige Weg oder gibt es auch einen einfacheren Ausweg aus dem auslaugenden Alltag?

Die Bräuche und Riten sind Metaphern für Selbstreflexion, Fokussierung auf das Hier-und-Jetzt sowie der Suche nach Antworten. Aus meiner Sicht gibt es jede Menge alltagstaugliche Möglichkeiten über sein Leben nachzudenken. Wichtig dabei ist, dass man erkennt, warum ein Handeln notwendig ist und wo aktuell Mangel herrscht. Die Erkenntnisse aus der Erzählung sind eine Art Kompass, die bei der Navigation zu mehr Zufriedenheit helfen können. Mentor*innen, Coaches, Freund*innen oder Partner*innen können bei der Reflexion unterstützen. Auch die Natur ist ein guter »Ratgeber«. Spaziergänge oder Ausflüge können helfen, die Sinne zu schärfen und zu entschleunigen.

Entscheidend ist: Jeder Mensch trägt selbst die Verantwortung dafür, wie er sein Leben gestaltet.

»Bewahre deine wilde Seele« lautet eine Regel des Wolfscredos, das in Ihrem Buch beschrieben wird. Wie gelingt das in einer Welt, in der viele nur noch funktionieren?

Es geht darum, sich seiner Rolle und Talente bewusst zu sein und sie gezielt einzusetzen, anstatt sie der Konformität wegen zu unterdrücken. Es ist nicht möglich, dauerhaft eine Inszenierung aufrechtzuerhalten, die nicht der eigenen Identität entspricht. Ebenso kann man nicht ständig versuchen, es allen recht zu machen, ohne selbst darunter zu leiden.

Wenn wir uns dem gesellschaftlichen Idealbild anpassen wollen, erfordert das so viel Fassade und Selbstdarstellung, dass es schwierig wird, authentische Verbindungen zu sich selbst und anderen Menschen aufzubauen. Wenn das Umfeld einen nicht so akzeptieren kann, wie man ist, ist es besser, die Umgebung zu hinterfragen, anstatt die eigene Identität zu verbiegen, um in ein »allgemeines Konzept« zu passen. Es ist wichtig, sich selbst treu zu bleiben und echte Verbindungen zu Menschen aufzubauen, die einen so akzeptieren, wie man ist.

Persönlich empfinden Sie eine tiefe Leidenschaft für die Natur. Welche drei Dinge konnten Sie von der Natur lernen?

Die wesentlichen Lehren der Natur, die mich besonders ansprechen, lassen sich in drei Schlüsselerkenntnisse beschreiben:

Diversität stärkt jedes System. Wenn unterschiedliche Arten miteinander interagieren, fördert das Innovation und Widerstandskraft.

Katastrophen bieten oft wertvolle Neuanfänge. Ähnlich wie Waldbrände den Weg für neues Wachstum ebnen, können Krisen überholte, veraltete Denkmuster ablösen und neue Perspektiven eröffnen.

Alles ist durch Netzwerke und Symbiosen verbunden. Diese Erkenntnis betont die komplexe Interdependenz aller Dinge und unterstreicht die Wichtigkeit von Respekt und Verantwortung gegenüber unserer Umwelt und allen Geschöpfen.

Als Mentor und Stresstherapeut sind sie sicher oft mit überarbeiteten und übermüdeten Menschen konfrontiert. Gibt es Soforthilfetipps gegen Erschöpfung, die Sie unseren Leser*innen mit auf den Weg geben können?

Jeder sollte mindestens 30 Minuten am Tag in der Natur verbringen. Es sei denn, man hat viel zu tun, dann 60 Minuten.

Für jene mit begrenzten Möglichkeiten oder anderen Verpflichtungen sind auch alternative Praktiken wie Atemübungen, Bewegung, das Hören von Lieblingsmusik, soziale Interaktionen mit Freund*innen oder Meditation überall und jederzeit durchführbar. Diese Aktivitäten können dazu beitragen, Stress abzubauen, die mentale Gesundheit zu fördern und eine allgemeine Lebensqualität zu verbessern.

Für die Publikation von »Weil es ums Ganze geht« haben Sie sich für den novum Verlag entschieden. Welche Motive spielten für Ihre Entscheidung eine Rolle?

Ich habe mir die Kundenbewertungen und das Angebot angesehen und mit anderen Verlagen verglichen. Überzeugt hat mich der Ansatz einer ganzheitlichen Betreuung der Autor*innen von der Einreichung des Manuskripts über die Veröffentlichung bis zur Vermarktung.

Welche Erfahrungen mit dem novum Verlag haben Sie gemacht?

Es war für mich von großer Bedeutung, dass ich während des Entstehungsprozesses meines ersten Buchs von Beginn an Transparenz zu den Schritten und der Vorgehensweise erhalte. Meine Ansprechpartnerin beim novum Verlag hat sich die Zeit genommen, mir alles verständlich zu erklären und stand mir geduldig für meine Fragen zur Verfügung. Insgesamt würde ich die Zusammenarbeit als transparent, kompetent und freundlich beschreiben.

»Weil es ums Ganze geht« liest sich wie der Anfang einer großen Reise, die noch lange nicht zu Ende ist – weil man mehr erfahren will über die Weisheit des Erzählers. Dürfen wir uns auf ein weiteres Buch von Ralf Schollenberger freuen?

Ja, es steht fest, dass zukünftig weitere Bücher von mir erscheinen werden. Derzeit widme ich mich der Entwicklung einer neuen Geschichte, die unabhängig von »Weil es ums Ganze geht« ein anderes Thema behandelt. Allerdings sind die Grundstruktur und der Plot für die Fortsetzung von »Weil es ums Ganze geht« ebenfalls bereits ausgearbeitet – und so viel kann ich jetzt schon sagen: der Kreis wird sich schließen.

Vielen Dank für das Gespräch!


Über den Autor

© Nena-Fee Schollenberger

Ralf Schollenberger ist ein erfahrener Berater, Mentor, Stresstherapeut und Erfinder. Geboren 1969 in Bietigheim und aufgewachsen in Baden-Württemberg, lebt er seit vielen Jahren im Raum München. Nach einer erfolgreichen Karriere als Führungskraft und Geschäftsführer in einem großen Konzern entschied sich Ralf Schollenberger im Jahr 2020 für die Selbstständigkeit und spezialisierte sich auf Talent-, Strategie- und Start-up-Entwicklung. Sein Ziel ist es, Menschen zu befähigen, ein selbstbestimmtes und erfülltes Leben zu führen. Neben seiner beruflichen Tätigkeit hegt er eine Leidenschaft für Sport, Tiere und die Natur. Ralf Schollenberger ist seit 1999 verheiratet und hat erwachsene Zwillinge. Das Buch „Weil es ums Ganze geht“ ist das Erstlingswerk von Ralf Schollenberger. Das Vorwort stammt aus der Feder seines Freundes Dr. Ralf Schneider, CIO der Allianz Gruppe, Philanthrop und engagiert in verschiedenen Organisationen mit Bezug zur Cybersicherheit.

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Über das Buch

»Weil es ums Ganze geht«
Ralf Schollenberger
162 Seiten
ISBN: 978-3-99146-383-2
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