Jede Seite ein Blickfang. »VENUS – The Art of Beauty« ist der neueste Bildband von Starfotograf Manfred Baumann. Im Interview verrät er mehr über die große Kunst der Nude Photography.

Laken Romine, Beverly Hills (2022) | © Manfred Baumann

»Das Auge macht das Foto, nicht die Kamera.« Wer Bilder von Manfred Baumann betrachtet, hat das Gefühl, dass er sein Motiv durch und durch versteht. Ob es ein Mustang ist, auf dessen Seele man einen Blick erhascht, oder ein Mensch, der scheu, stark oder verletzlich in die Kamera schaut, immer hat man das Gefühl, das Abgebildete zu kennen oder im Begriff zu sein es kennenzulernen.

Bildbände von Manfred Baumann sind immer eine Begegnung, die weit über den Moment der Betrachtung andauert und auch noch lange danach bewegt.  Es ist dieser einmalige Stil, der auch in »VENUS – The Art of Beauty«, Baumanns neuestem Werk, die Faszination für die Fotografie weckt. In dem atmosphärischen Bildband begegnet man Baumanns Best-Of aus 25 Jahren Aktfotografie.

Sarah Dumont, Gold Stein Residence, Beverly Hills (2017) | © Manfred Baumann

Zu den Models, die Manfred Baumann für die Fotoserie vor der Linse hatte, zählen Celebrities wie Schauspielerin Leanna Bartlett, McLeods Töchter Star Simmone Jade Mackinnon oder Mena Suvari, die unter anderem aus American Beauty bekannt ist.

Darüber hinaus zeigten sich Stars wie Ariane Sommer, Hayley Hasselhoff, Larissa Marolt, Nina Burri oder die Influencerin Katja Zwara nackt oder im Nude Look vor der Kamera. Auch Baumanns Frau und Muse Nelly Baumann findet man in den expressiven Bildwelten, die von den Wüsten der Nevada über das architektonisch imposante Invisible House in Joshua Tree bis nach Schloss Schönbrunn reichen.

Doch wie gelingt es Manfred Baumann, die Frau in ihrer ganzen Vielschichtigkeit zu zeigen, ohne sie zu objektivieren und den Blick auf Ihr Wesen zu verschleiern? Welche Technik macht aus einem Foto ein Kunstwerk, aus einem Bild eine Innenschau in das Wesen der Frau? Darüber und über Manfred Baumanns Gedanken zu Schwarzweißfotografie, der Rolle der Fotografie im Zeitalter künstlicher Intelligenz und seinen Erfahrungen mit dem novum Verlag haben wir uns mit dem Künstler unterhalten.

Interview mit Manfred Baumann

Manfred, du hast schon prämierte Stars wie Roger Moore, Brad Pitt oder auch Angelina Jolie fotografiert. Doch auch Landschaften und Tiere, wie etwa die majestätischen Mustangs, oder Straßenszenen haben dich schon gefangen genommen. Was fasziniert dich am Motiv »Frau«?

Ich liebe die Abwechslung in der Fotografie, Geschichten zu erzählen, zu zeigen was andere nicht gesehen haben! Ich zeige mit diesem Bildband, was eine Frau zu einer Frau macht: sexy, stark, mutig, kraftvoll, dynamisch, verletzlich und selbstbewusst;

In »VENUS – The Art of Beauty« setzt du weltberühmte Models wie Leanna Bartlett oder auch Schauspielerinnen, wie etwa Mena Suvari, bestechend in Szene. Für den Bildband musstest du eine Auswahl aus 25 Jahren Aktfotografie treffen. Bei so vielen charaktervollen Gesichtern war der Auswahlprozess sicher nicht einfach. Wie und nach welchen Kriterien hast du entschieden, welche Bilder in das Buch kommen und welche nicht?

Dies sind einige von meinen stärksten Frauenaufnahmen aus meiner Karriere der letzten 25 Jahre bis heute. Die Fotografien müssen alle Kriterien erfüllen, die oben genannt wurden, aber auch das Gewohnte verlassen!

Julia Logan, The Invisible House, Joshua Tree, California (2022) | © Manfred Baumann


Dein Bildband ist ein Meisterwerk der Schwarzweißfotografie. Was begeistert dich an diesem monochromen Stil?

Einerseits liebe ich es, meine Geschichten zeitlos zu erzählen, andererseits hat man als Fotograf heute schon gewonnen, wenn jemand dein Foto länger als fünf Sekunden lang betrachtet. Mit einem Schwarzweißfoto gelingt das. In der Farbfotografie ist bereits alles erzählt. Ein Schwarzweißfoto hingegen gibt nicht gleich alles preis, etwa was die Haarfarbe und Farbe der Augen, das Outfit oder die Frage betrifft, ob es bewölkt oder es doch strahlend ein blauer Himmel war, das Setting überwölbte! Daher regt man bei Schwarzweißfotografie viel mehr an, über das Bild nachzudenken!

Wenn man deine Bilder betrachtet, entstehen sofort Geschichten im Kopf. Dem Model Stephanie Murone zum Beispiel begegnet man am El Mirage Lake in einem epiphanischen Moment der Befreiung. Entstehen diese Momentaufnahmen spontan oder sind sie das Ergebnis langer Vorbereitung und Planung?

Meine Aufnahmen sind vorab schon geplant. Wie bei Schauspielern und Schauspielerinnen wird die Rolle richtig besetzt. Nicht jedes Model passt zu jedem Setting oder jeder Location. Dennoch entstehen am Set in Kooperation mit dem Model oft kreative Experimente, die einen selbst überraschen!

Stephanie Murone, El Mirage Lake, California (2019) | © Manfred Baumann

Der deutsch-australische Fotograf Helmut Newton ist eines deiner größten Vorbilder. Seine progressiven Fotostrecken in Vogue und Elle waren legendär und visuelle Wegbereiter der Sexuellen Revolution. Welchen Einfluss hat sein Werk auf deine Bilder ausgeübt?

Helmut Newton ist eines meiner Vorbilder, seine Philosophie trifft sich stark mit meiner: Auch er hat mit seiner June die Fotografie über Jahrzehnte geprägt, wie auch ich mit meiner Muse Nelly versuche, den Momenten Dauer zu geben!

Mit deiner Kamera fängst du die Seele eines Menschen ein, nicht nur sein Gesicht. Das, so schreibt auch eines deiner Models, Schauspielerin Simmone Jade Mackinnon, unterscheidet einen guten von einem ausgezeichneten Fotografen. Wie gelingt dir dieser hohe Grad an Authentizität in deinen Bildern?

Man muss zuhören können, etwas, was in der heutigen Zeit vielen fehlt. Als Fotograf, der Menschen fotografiert, muss man dies auch mögen. Wenn dies nicht der Fall ist, wäre es besser Hunde zu fotografieren! Und die Kunst eines guten Portraits ist es, dass der Fotografierte nicht merkt, dass er fotografiert wird!

»VENUS – The Art of Beauty« ist wie deine anderen Bildbände auch im novum Verlag erschienen. Warum hast du dich für diesen Verlag entschieden und welche Erfahrungen mit dem novum Verlag hast du gemacht?

Es ist ja nicht mein erstes Buch mit dem novum Verlag. Ich liebe das Team, die Flexibilität und Professionalität. Ich bin es gewohnt, weltweit mit den Besten zusammenzuarbeiten, und der novum Verlag gehört hier definitiv dazu!

Die Welt der Fotografie hat sich verändert. Im Zeitalter von Social Media, Foto-Apps und Filtern werden wir von Bildern überflutet, deren Echtheit wir nicht mehr mit Sicherheit identifizieren können. Inzwischen werden viele Bilder unter Zuhilfenahme von Künstlicher Intelligenz produziert. Welche Rolle werden Fotograf*innen deiner Meinung nach in der Zukunft einnehmen? 

Ich selbst habe wieder zu den Wurzeln zurückgefunden und fotografiere gerne wieder analog, also auf Film. Und dies ist weltweit eine große Bewegung, Leica hat sogar wieder eine neue analoge Kamera herausgebracht. Die Fotos sind dann Unikate und auch für Sammler haben sie einen höheren Wert! Für mich ist die Wahrheit die richtige Linse, und ich fühlte mich schon immer als Fotograf und nicht als Grafiker!

Welchen Tipp kannst du Fotograf*innen geben, die noch ganz am Anfang ihrer Karriere stehen?

Fotografiere nur das, was Du wirklich liebst. Das Auge macht das Foto, nicht die Kamera!


Vielen Dank für das Gespräch.


Über den Autor

© Manfred Baumann

Manfred Baumann ist ein österreichischer Fotograf, der vor allem für seine Porträts von Prominenten und seine Landschafts-, Tier- und Straßenfotografie bekannt ist. Baumann wurde 1968 in Wien geboren und wuchs im 13. Bezirk von Hietzing auf, wo er auch die Schule besuchte. 1995 zog er nach Kanada, um als Fotograf zu arbeiten. Nach zwei Jahren kehrte er nach Wien zurück und setzte seine Arbeit als freischaffender Fotograf fort. Baumann nennt seinen Großvater, der ebenfalls Fotograf war, als eine seiner größten Inspirationsquellen.

Im Laufe seiner Karriere hat Manfred Baumann zahlreiche Berühmtheiten fotografiert – Sir Roger Moore, Cameron Diaz und Lionel Richie, um nur einige zu nennen. Seine Fotografien wurden in Ausstellungen auf der ganzen Welt gezeigt, unter anderem im Wiener Nationalhistorischen Museum und in zahlreichen Leica Galerien. Er und seine Frau Nelly Baumann, seine größte Muse, sind Ehrenbotschafter von Jane Goodall, und er unterstützt viele wohltätige Zwecke. So hat er für die Brustkrebshilfe und PETA fotografiert. Manfred und Nelly Baumann leben in Los Angeles und Wien.

Manfred Baumanns Werk behalten Sie auch auf seinem Instagram Kanal im Blick.


Über das Buch

Manfred Baumanns neuestes Buch ist die Definition von Women’s Empowerment. Mit Betonung auf den besonderen Ausdruck und die Schönheit der Frau, beleuchtet der Bildband, der Manfred Baumanns expressivste Bilder aus 25 Jahren Aktfotografie abbildet, auch das der Frau Wesenhafte, wie etwa Kraft und Stärke.

Manfred Baumann
216 Seiten
ISBN: 978-3-99146-407-5
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