Geschichten lesen und gewinnen! Lesen Sie die bewegende Geschichte vom Tod und der Weihnacht und gewinnen Sie ein Buchpaket aus unserem Verlag!

Auch dieses Jahr wieder haben wir vom novum Verlag bezaubernde Weihnachtsgeschichten unserer Community gesucht. Gefunden haben wir sie bei unserer Gastautorin Hollingtonsmum, deren Geschichte über den Tod und die Weihnacht nicht nur einmal zu Tränen gerührt hat.

Zu Weihnachten wollen wir Ihnen ein ganz besonderes Geschenk machen und die Geschichte nicht nur mit Ihnen teilen, sondern auch noch ein Gewinnspiel in ihr verpacken. Um ein Buchpaket aus unserem Verlag bestehend aus 1 × 2 Büchern zu gewinnen, lesen Sie die Geschichte von Hollingtonsmum aufmerksam bis zur letzten Zeile, wo die Details unseres Weihnachtsgewinnspiels auf Sie warten. 

Wir vom novum Verlag wünschen Ihnen und Ihren Liebsten besinnliche Feiertage und ein frohes Fest, wie es im Buche steht!

»Weihnachten und der Tod«, von Hollingtonsmum

»Ping«, erschien mit dem gewohnten Nachrichtensignal ein neuer Auftrag. »Och, nee«, dachte er leise in sich hinein. So kurz vor Weihnachten einen Sonderfall abzuholen, das machte
selbst ihn missmutig. Er setzte theatralisch seine Teetasse an den Mund um völlig
genervt die letzten Tropfen zu trinken – nur um festzustellen: sie war bereits leer. »Haaarrrrrghmpf«, ließ er sie enttäuscht und mit verbitterter Geste zum Tisch sinken. Fein. Dann würde er eben versuchen, diesen Auftrag abzuwenden… Aber erst einmal nachfragen, was überhaupt los sei. Vielleicht würde ihm ja schon hier etwas einfallen und er müsste nicht direkt selbst aufbrechen.

»Dringender Sonderfall vor Weihnachten? Bitte sag mir, du machst Scherze!!«, sendete er eine Nachricht zurück.
»Mit dem Tod scherzt man nicht. Wir brauchen diesmal wirklich Hilfe! Hier die Adresse: Thomas-Mann-Straße, Berlin«, kam die prompte Antwort zurück.
»Kannst du das nicht den Viren aufs Auge drücken? Dazu haben wir die doch entworfen!«, versuchte er sich weiter zu winden.
»Keine Chance, kerngesund, Top Immunsystem, alle Keimquellen in näherer Umgebung mit Desinfektionsmittel erstickt. Du bist die letzte mögliche Instanz, sonst wäre es ja kein Sonderfall.«
»Sonst wäre es ja kein Sonderfall«, äffte er in einem nasalen Ton nach. »Was hast du noch probiert?«
»Herz-Kreislauf ist völlig intakt – sie ist eine Sportskanone und absolut nicht schreckhaft, Single und liebenswert – also keine Gewaltverbrechen möglich, keine Vorerkrankungen, keine Alterserscheinungen die sie mit 34 sterben lassen würden, keine gefährlichen Haustiere, keine Pferde, keine dramatischen Hobbies.«
Er hatte wirklich keine Lust, eine junge Frau kurz vor Weihnachten selbst zu holen. Er dachte nach.
»Was ist mit Krebs?!«, tippte er mit hoffnungsvoll blitzenden Augen in den Chat.
»Haben wir probiert, landet nicht. Ihre Zellen ignorieren die Fehlinformationen. Könnte vielleicht über einen längeren Zeitraum klappen, aber soll schon in 2 Tagen erledigt sein. Hör auf nach Ausreden zu suchen, und geh sie abholen. Wir erwarten euch spätestens übermorgen.«

Lustloser als der Grinch persönlich warf er ein paar wahllose Sachen in einen Rucksack, grunzte und schnaufte bei jeder Bewegung und murrte vor sich hin. Die Erde zu Weihnachten. Könnte sie nicht einfach vor Stress tot umfallen? Musste sie ausgerechnet eine derjenigen sein, die auch noch an die liebliche Seite der Weihnacht erinnerte? Wo war denn der Kapitalismus, wenn man ihn brauchte?!

Auf der Erde angekommen, klappte er seinen Mantelkragen hoch ins Gesicht und mischte sich unter die Menschenmenge der U-Bahn-Station. Er hatte es nicht besonders eilig und schritt langsam durch die gestresste Masse. Hier und da wurde er angerempelt, niemand nahm ihn so richtig wahr. Seine Laune wurde immer schlechter. Selbst so kurz vor Weihnachten, der Zeit des Innehaltens, achtete jeder nur auf sich selbst. Er schob sich Schulter an Schulter durch
enge Gassen, vorbei an besinnlichen Reklamen, auf denen prächtige Familienessen zu sehen waren und an bettelnden Menschen am Rande der Kaufhäuser. Plötzlich zog ein Kind an einem Zipfel seines Mantels: »Bist du der Weihnachtsmann?«, fragte es mit großen Augen.
»Das kommt drauf an was du dir dieses Jahr wünschst«, antwortete er.
»Einen kleinen Kater«, schoss sofort eine Antwort zurück.
Er lächelte bittersüß und antwortete: »Ja, dabei kann ich behilflich sein«, und noch während er darüber nachdachte, dass Seelenumverteilung eines seiner Spezialgebiete war, und er nur einen einzigen alten Kater ins Licht begleiten müsse, um Platz für ein
Katzenkind zu schaffen, rannte das Kind hustend zu seiner
Mutter und berichtete vom zukünftigen Haustier. Hektisch schob die Frau das Kind durchs Parkhaus ins Auto und sah sich mit zusammen gekniffenen Augen um, als ahnte sie die
Präsenz des tödlichen Besuchs.

Er war nicht gern persönlich auf der Erde, schon gar nicht um die Weihnachtszeit, aber
immerhin erlaubten ihm niedrige Temperaturen, schlecht
gesicherte Lichterketten und Depressionen einige Unfälle mit wirklich überraschenden Inszenierungen für seine Aufträge. Er war gespannt, wie er den diesjährigen Sonderfall wohl abholen würde können. Als er ihre Anschrift erreichte, blieb er eine Weile auf der Treppe des Reihenhauses stehen. Unzählige Namen auf den Klingelschildern, die wie in einem emsigen Bienenstock von Paketdiensten verschiedenster Firmen gedrückt wurden. DHL, DPD, AMAZON, UPS, HERMES… Ale warfen noch eben die schlecht verpackten Hoffnungsschimmer in zerbeultem Pappbraun in den Hausflur. Niemand öffnete die Tür persönlich. Als er genauer darauf achtete, bemerkte er, dass eigentlich auch niemand zu Hause war, außer sein Sonderfall. Sie öffnete unermüdlich über die Gegensprechanlage die Haustür, sodass die Bestellungen ihrer Nachbarn abgestellt werden konnten.

Er schlüpfte mit der nächsten Lieferung in den dunklen Flur, nahm die Treppen in den vierten Stock nach oben und stellte währenddessen enttäuscht fest, dass es also auch keinen Aufzugunfall geben könnte. Ein Sonderfall eben. Er klopfte an die Wohnungstür. Sie zuckte im Morgenmantel mit wild zerzausten Haaren am Küchentisch zusammen, tappte durch den Flur und öffnete einen Spalt weit, geistesabwesend in ihrem Kaffee rührend. Niemand da. Sie schob es auf ihre Müdigkeit und setzte sich zurück in die Küche. Er sah auf seine Uhr: 17:30 Uhr. Selbst er wusste, dass dies eine eher ungewöhnliche Szene für den frühen Abend war. Unbemerkt schaute er sich um – ein Gasherd, damit könnte er arbeiten; hohe Fenster und zwei Katzen; Vielleicht würden sie ihm in die Karten spielen. Überrascht stellte er fest, dass in der Wohnung sämtliche Weihnachtsdeko fehlte. Ein paar staubige Regalbretter hielten Bilderrahmen aus längst vergangener Zeit in der Schwebe. Lachende Kinderaugen und verschiedene Tiere
waren darauf abgebildet. Während er die Räumlichkeiten auf unfalltaugliche Mängel untersuchte, wusch sie ihre Tasse unter fließendem Wasser ab, wischte halbherzig mit einem Trockentuch darüber und verräumte sie ordentlich ins Tassenfach. Ein Blick auf ihre Uhr verriet ihr, dass es Zeit wurde, sich anzuziehen. Die Nachtschichten brachten ihren Biorhythmus immer etwas durcheinander, sodass sie sich vorsichtshalber Wecker als kleine Zeitanker stellte. Diesen
Ersten brauchte sie heute nicht. Sie wusste, es war an der Zeit aufzubrechen, und hatte den seltsamen Drang, sich auf den Weg zu machen. Sonst mochte sie ihre Wohnung sehr, doch heute schien sie ungemütlich und kalt.


»Ungemütlich und kalt«, verdrehte er die Augen. Er hatte sich noch nicht einmal bemüht, bemerkt zu werden. Wie die meisten jungen Menschen, die zum Sonderfall wurden, hatte sie ihn also schon wahrgenommen, da half auch der hohe Kragen nichts. Der Tod beobachtete die Frau, während sie sich zwei große Kartons schnappte. Ein Blick auf die Wanduhr verriet ihm, dass sie gleich zur Arbeit aufbrechen würde. „Intensivstation«, murmelte er leise, als er die medizinischen Bücher und die Schichtpläne auf dem Tisch sah. »Natürlich. Sie rettet Leben, während ich sie abholen soll. Wie ironisch.«


Mit einem tiefen Seufzer beschloss er, es zu versuchen. Er wollte sehen, ob er sie wirklich aus dem Leben reißen konnte. Lustlos inszenierte er einen harmloser Sturz über einen Stapel Bücher, die er hastig in Richtung ihrer Tasche im Flur geworfen hatte. So sperrig bepackt, würde sie die Lehrwerke übersehen, fallen und zu hart am Boden aufkommen. Noch während er sich ausmalte, wie das Krankenhaus ihre Verspätung vermelden würde, balancierte sie geschickt um die Bücher herum und verließ die Wohnung. »Hm, seltsam. Sie hat sie gar nicht gesehen und ist trotzdem daran vorbei gelaufen.« Er zog verwundert die Stirn in Falten und lief hinter ihr her.

Auf dem Weg zu ihrem Auto veranlasste er den Wind dazu, ihr die Mütze vom Kopf zu reißen und auf die befahrene Strasse zu wehen. In diesem Moment sprang ein grauer Kater, der wie ein Schatten aus dem Nichts erschien, vor sie und schnurrte laut. Sie hielt inne und lächelte, als sie den Kater sah, vergaß die Mütze und lief weiter zum Auto. »Echt jetzt?«, m u r m e l t e der Tod frustriert. Fein, ein Unfall mit dem Wagen auf dem Weg zur Arbeit würde es auch tun.


Sie stiegen gemeinsam in den kleinen Alfa Romeo und sie drehte den Zündschlüssel, nachdem sie die Kisten in den Kofferraum gestopft hatte. Außer dem müden Stottern ihres kalten Motors war nichts zu hören. »Oh, das darf doch nicht wahr sein!«, sagten der Tod und sie gleichzeitig, jeder aber aus einem anderen Grund. Sie öffnete die Motorhaube und schüttelte ärgerlich über sich selbst den Kopf. Sie hatte doch keine Ahnung von dem, was sie unter der Motorhaube sah. Der Tod jedoch sah die angebissenen Kabel und den schmalen Schatten, der durch
Strassen huschte. »Hm, ein Marder, zu dieser Tageszeit? Das ist wirklich zu ungewöhnlich für einen Zufall!«


Schon tippte er in seinen Chat: »Erbitte Schutzengel-Scan!« Er musste sehen, wer ihm hier den Erfolg vermieste. In der Zwischenzeit klaubte sie missmutig die Kartons wieder aus ihrem Auto und stapfte frierend zur U-Bahn. Selbstverständlich wich sie sämtlichen Blitzeisstellen souverän aus. Dem Tod war klar: sein Sonderfall wandelte nicht allein durch die Strassen von Berlin und er würde sich mit dem Seelenanteil befassen müssen, der hier die schützende Hand über sie hielt. In diesem Moment sprang ein kleiner, brauner Hund mit einem weißen Fleck auf der Stirn vor sie und versperrte den Weg über die rote Ampel. Obwohl nur der Tod ihn sah, blieb die Frau stehen und ließ den dichten Verkehr vorbeirauschen.

»Es scheint, sie hat sämtliche Tiere des Jenseits auf ihrer Seite. Wo kommen die nur alle her?«, dachte der Tod, während er die Szene beobachtete. Der Hund sah sie aus treuen Augen an, und sie beugte sich hinunter, um ihre Schuhe zu binden. »Das kann doch nicht wahr sein!«
Als sie schließlich in die U-Bahn einstieg, bemerkte der Tod, dass um sie herum eine Gruppe von Tieren schwebte: ein älterer Labrador, eine schüchterne Katze und ein kleiner Hamster, der fröhlich um ihre Füße huschte. Sie bemerkte sie nicht, denn nur der Tod konnte sie sehen, aber prompt erhielt er die Nachricht: »Schutzengel-Scan aktiviert!« »Wow«!, dachte er, während er die Szene beobachtete. »Sie hat mehr Schutzengel als ich Seelen abhole.«


Den letzten Versuch startete er, als sie die U-Bahn verließ und zur Notaufnahme eilte. Eine Schneelawine löste sich von einem der Dächer, doch im letzten Moment sprang ein grauer Kater vor eine der Kisten und schleuderte sie in einen Hauseingang. Ausgleichend beugte sie sich unter der Lawine hindurch in den Schutz des Treppenaufgangs. »Ich kann nicht
glauben, dass ich das sage, aber sie hat wirklich eine ganze Armee von Seelenbegleitern«
, dachte der Tod, während er die Geister der Tiere um sie herum sah, die sie liebevoll bewachten. »Wo kommt ihr denn alle her?«, wandte er sich diesmal direkt an den Kater.
»Wir sind die Tiere, die sie gerettet hat. Jedes Jahr holt sie ein Tier, das schon am längsten im Tierheim wartet zu sich nach Hause. Alle diese Seelen siehst du hier um sie versammelt, denn es ist noch nicht an der Zeit, dass du sie mitnimmst.«

In diesem Moment hasste er seinen Auftrag mehr als alles andere. Die Frau, die er für einsam gehalten hatte, berührte so viele Leben. Intensivstation und Tierschutzheldin. Da konnte er ja gleich Mutter Teresa persönlich holen gehen. Und das auch noch zu Weihnachten. Er dachte an die zwei Katzen, die in ihrer Wohnung nicht nur einen Ort des Rückzugs, sondern auch ein zu Hause gefunden hatten. »Haben die beiden euch bestellt?«, fragte er die Schattenkatze. »Oh, Nein! Wir sind im Auftrag all jener Menschen hier, die sie trotz ihrer unzähligen Schichten nicht retten konnte. Jeden einzelnen Patienten hat sie bitter beweint und würdevoll verabschiedet. Sie hat schon viele Wettrennen gegen dich verloren!«


Als die Frau schließlich die Notaufnahme betrat, spürte der Tod eine seltsam vertraute Atmosphäre. Schon so oft war er als Besucher gekommen und selten verließ er die Hallen allein. Er versank so tief in seine Gedanken, dass er beinahe seinen Sonderfall aus den Augen verloren hätte. Eilig rauschte er über den Gang, um ihr auf den Fersen zu bleiben. Monitore piepten aufgeregt und verzeichneten Anomalien, wann immer der Tod zu nahe an einem der Patienten vorbeirauschte. Der Tod folgte der Frau durch die hektischen Gänge, während sie mit den beiden großen Kisten in den Händen zielstrebig auf ein Patientenzimmer zusteuerte. Er spürte, dass die Atmosphäre um sie herum von einer seltsamen Mischung aus Hoffnung und Traurigkeit durchzogen war. Die Lichter der Weihnachtsdekoration, die sie aus den Kisten holte, schimmerten sanft und schufen einen warmen Kontrast zu den sterilen Wänden des Krankenhauses.


Durch ein Fenster in der Tür sah der Tod, dass ihr aktueller Patient ein kleines Kind war, das in einem Krankenhausbett lag. Doch es war nicht irgendein Kind. Es war das Kind aus dem Parkhaus, das sich ein Haustier von ihm gewünscht hatte. Die Augen des Jungen leuchteten, als er die Frau sah, und ein blasses Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus. »Du
bist gekommen, um es mir schön zu machen, oder?«
,‘ fragte er hoffnungsvoll.
»Ja, ich bin hier, um dir eine kleine Freude zu bereiten«, antwortete die Frau sanft, während sie die Kisten weiter auspackte. Sie begann, die Weihnachtslichter aufzuhängen und bunte Girlanden an den Wänden zu befestigen, die sie zuvor in ihrer eigenen Wohnung zusammengetragen hatte. Der Tod beobachtete, mit welcher Hingabe sie arbeitete, so, als würde sie nicht nur den Raum, sondern auch die Herzen der Menschen um sich herum erhellen wollen.
»Ich wünsche mir einen kleinen Kater«, flüsterte der Junge, während er die Frau beobachtete. »Jemanden, mit dem ich spielen kann, wenn ich wieder gesund bin.« Die Frau hielt inne und sah ihn an. Ihre Augen füllten sich mit einer Mischung aus Mitgefühl und Traurigkeit. »Ich weiß, dass du stark bist und dass du das schaffen kannst«, sagte sie leise. »Aber manchmal kommen die Dinge anders, als wir sie uns wünschen.« Der Tod spürte, wie sich ein Kloß in seinem Hals bildete. Er hatte schon viele Seelen abgeholt, aber die Verbindung zwischen der Frau und diesem Kind war etwas Besonderes. Sie war nicht nur Retterin von Tieren, sondern auch Lichtbringerin für Menschen, die in der Dunkelheit lebten.
»Es geht also gar nicht um die Frau?«, tippte Der Tod in sein Arbeitstelefon.
»Sorry!«, kam unverzüglich die Antwort. »Aber hätten wir dir die Wahrheit geschrieben, wärst du ihn dann holen gegangen?!«


Als die Frau die letzten Lichter aufhängte, bemerkte der Tod, dass die Geister der Tiere, die sie gerettet hatte, abermals über ihr schwebten. Sie schienen den Raum mit einer warmen
Präsenz zu füllen, als wollten sie dem Jungen Trost spenden.
»Wir sind hier, um dich zu begleiten«, schnurrte der graue Schattenkater.
Plötzlich spürte der Tod, dass die Zeit drängte. Er wusste, d a s s er bald eine Entscheidung treffen musste. Sollte er den Jungen mitnehmen? Sollte er das Kind von seinen Schmerzen befreien? So viele Tiere warteten hier auf der anderen Seite auf ihn. Sein Weihnachtswunsch würde erfüllt werden.


In diesem Moment sah der Junge die Lichter und die Dekoration und lächelte. »Es ist wie Weihnachten!«,, rief er. »Ich fühle mich schon viel besser!« Die Frau kniete sich neben ihm nieder und nahm seine kalte Hand. »Ich freue mich sehr, dass dir meine Deko gefällt und jetzt ruh dich aus, ja?« Der Tod fühlte, wie sich sein Herz zusammenzog. Er sah, wie die Frau und der Junge zusammen lachten und die Lichter bewunderten. Und als er sich auf den Weg machte, um den Raum zu betreten, wusste er, dass er den Jungen mitnehmen musste. Seine Frist von zwei Tagen war klar gesetzt, und er hatte schon einen Tag verstreichen lassen.


Die Seelen der Tiere im Raum blieben dicht an seiner Seite, als die Frau zu einem Notfall in ein anderes Zimmer gerufen wurde.
»Oh, Hallo Weihnachtsmann!«, erkannte ihn der kleine Junge sofort wieder.
»Hallo«, antwortete er mit bemüht zuversichtlicher Stimme. »Du hast dir doch Spielkameraden
gewünscht, nicht wahr?«

»Oh, ja!«, antwortete der Junge fröhlich und fing an zu husten.
»Hier warten sehr viele Tiere auf dich, die dich alle kennenlernen wollen!«, versprach der Tod und hüllte den Kleinen so behutsam wie nur möglich in seinen Mantel. Als er das Krankenhaus mit seinem wahren Sonderfall verließ, konnte er sehen, wie die Eltern sich bei der Frau für die Lichter und d a s letzte Weihnachten ihres Sohnes bedankten.


Am Morgen nach ihrer Schicht fuhr die junge Frau nicht direkt nach Hause. Sie nahm die U-Bahn zum Tierheim und fragte nach dem traurigsten Tier, das sie zur Zeit auf Pflege hatten. Mit einem grauen Kater in der Transportbox machte sie sich auf den Weg nach Hause. Der Tod lächelte ob ihrer Trotzigkeit. Er war sich sicher, dass die Frau gemeinsam mit der Katze von dieser Nacht heilen, dass sie auch weiterhin, Tag für Tag, gegen ihn arbeiten würde. Bis sie eines Tages selbst ein weiterer Sonderfall für ihn wäre. Für heute aber schaltete er sein Diensttelefon aus.

Noch bevor er mit dem Jungen die Erde verließ, sagte dieser plötzlich: »Lass uns noch eines gemeinsam machen, damit sie weiss, dass es mir gut geht mit dir.« Als sie müde und traurig ihre Wohnungstür öffnete, kullerten dicke Tränen über ihr Gesicht: eine wunderschöne Lichterkette hing in ihrem Wohnzimmer. Das Leuchten der Dekoration glitzerte in ihren Tränen. Sie schloss die Augen und bedankte sich bei dem tapferen Jungen. Dann nahm sie einen tiefen Atemzug und öffnete die Klappe der Transportbox. Der Kater saß in der hintersten
Ecke und fauchte. »Ich weiß«, sagte die Frau liebevoll. »Aber du brauchst
keine Angst haben. Denn es ist Weihnachten und ich bin ab jetzt für dich da! Willkommen zu Hause, kleiner Kerl.«

Gewinnspiel

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Alle Infos zu unserem Gewinnspiel finden Sie in diesem Beitrag! Mit der Teilnahme am Gewinnspiel akzeptieren Sie die allgemeinen Teilnahmebedingungen*.

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