Cover: Wahrheit und Mythen in der Medizin

Wahrheit und Mythen in der Medizin


EUR 27,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 94
ISBN: 978-3-99185-097-7
Erscheinungsdatum: 29.04.2026
24 Fragen und 24 interessante und manchmal überraschende Antworten: Der Dermatologe Prof. Dr. Reinhart Jarisch erklärt in seinem Buch, warum manche Behandlungsmethode nicht zielführend ist und was wirklich hilft bei z. B. Allergien, Demenz und Reisekrankheit.
1 - Es gibt angeblich keine Therapie gegen Alzheimer/Demenz?


Bei Asthma bronchiale und Alzheimer findet man die gleichen Entzündungsstoffe, nämlich die Leukotriene.

Bei Asthma bronchiale kann man Leukotrien-Antagonisten, also Gegenspieler, einsetzen.

Im Tiermodell kann man das mit dem Morris-water-maze-Test nachweisen. Junge und alte Mäuse müssen in einem Schwimmbecken die rettende Insel erreichen. Junge Mäuse schaffen das in kurzer Zeit, bei alten dauert es viel länger. Behandelt man nun die alten Mäuse mit einem Leukotrien-Antagonisten, dann sind sie fast so schnell wie die Jungen.

Fazit: Ein seit Langem bekanntes Asthmamittel könnte bei Alzheimer eingesetzt werden.


Demenz (Gedicht)

Wir alle werden leider alt
So wie das Leben spielt, so halt
Wir werden immer dümmer
Gedächtnis immer schlimmer
Die Knochen spielen nicht mehr mit
Gelenke sind nicht mehr fit
Die Leber stöhnt vor Alkohol
Die Blase ist schon übervoll
Die Prostata kann nicht mehr
Das Herz in Pension, bitte sehr
Die Lunge atemlos
Die Hände dann im Schoß
Das war das Ende
Und darum sende
Ich liebe Grüße
Von da oben
Wo man mich hat hingeschoben.
So weit soll es aber nicht kommen.


Helfen die neuen Biologika bei Demenz?

Nein, denn das Schlafhormon Melatonin wirkt signifikant besser!

Diese Studie wurde am Dementia World Conference Kongress im September 2024 in San Francisco vorgetragen. Ich selbst habe dort einen Vortrag über Long COVID gehalten und ein Poster über Demenz (Behandlung mit Spermidin) vorgestellt.


Spermidin in der Therapie bei Altersdemenz

Thomas Pekar, Aribert Wendzel und Reinhart Jarisch

Der Grazer Biochemiker Madeo hat in Studien mit der Fruchtfliege (Drosophila melanogaster) festgestellt, dass es bei Zufuhr von Spermidin nicht nur zu einem Sistieren (Stoppen) der Altersdemenz kommt, sondern dass die Altersdemenz reversibel wurde (1, 2, 3).

Nun habe ich (Reinhart Jarisch) als Medizinstudent genetische Untersuchungen mit der Fruchtfliege gemacht. Die Fliege war mir also schon bekannt. Winzer sagen zur Fruchtfliege Essigfliege. Da ich auch Winzer bin, hatte ich häufig Kontakt mit der Fruchtfliege.

Spermidin ist ein biogenes Amin, das unter anderem im Rotwein (neben Histamin, Putrescin etc.) vorkommt.

In Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Weinbau in Eisenstadt haben wir zahlreiche Studien über biogene Amine in den verschiedenen Weinen in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Wiener Neustadt durchgeführt.

Somit war mir Spermidin sofort ein Begriff.

Da sich die Fruchtfliege über Jahrzehnte in der medizinischen Forschung bewährt hat, war sofort klar, was zu tun ist:

Spermidin kommt im Rotwein und unter anderem in Weizenkeimen vor, die sich hervorragend zur Therapie eignen.

Gesunde Zellen nutzen die Autophagie (ein körpereigener zellulärer Recycling-Mechanismus), um beschädigtes Zellmaterial und Abfallprodukte des Zellstoffwechsels abzubauen. Dieser Prozess wird durch den Stoff Spermidin aktiviert.

In verschiedenen Vorversuchen bei Personen über 60 Jahren konnten wir nach Gabe von Weizenkeimen nach zwei Wochen eine Besserung des Erinnerungsvermögens feststellen.

In einer Pilotstudie konnten wir eine hochsignifikante altersabhängige Abnahme des Spermidinspiegels feststellen (p<0,001) (4).

In einer placebokontrollierten Doppelblindstudie konnten wir zeigen, dass ein Anstieg des Spermidinspiegels im Blut nur bei entsprechend hoher Dosierung erfolgt (p<0,001).

Niedrige Dosen, wie sie derzeit in der Apotheke zu 1 und 2 mg angeboten werden, wirken auch nach 3 Monaten nicht (p<0,106)!

Nach einem Monat kommt es zu einer sogenannten Plateaubildung (A) (höhere Spermidinzufuhr), bei (B) (niedrige Spermidinzufuhr) bleiben die Werte gleich.

In der angesprochenen Doppelblindstudie erhielten 79 Bewohner in sechs „Gepflegt Wohnen“-Seniorenheimen in der Steiermark mit Spermidin versetztes rundes oder eckiges Gebäck. Eine Sorte enthielt mehr (3,3 mg), die andere weniger Spermidin (1,9 mg).

Zu Beginn der Studie wurde ein Gedächtnistest (Minimental Status Test, MMSE-Test) von zuvor trainierten Bachelor-Studentinnen der FA Wiener Neustadt durchgeführt.

Gleichzeitig erfolgten Blutabnahmen für Spermidin, Folsäure, Vitamin B₁₂ und Schilddrüsenparameter.

Eine Eingangsanalyse zeigte eine signifikante Korrelation zwischen dem Ergebnis des MMSE-Tests und dem Spermidinspiegel (p=0,025) (4).

Damit war schon zu Beginn der Studie klar, wie das Ergebnis nach drei Monaten ausschauen wird!

Im MMSE-Test kann man bestenfalls 30 Punkte erreichen.

Die teilnehmenden Personen wurden nach dem Ergebnis des MMSE-Tests wie folgt eingeteilt:

Keine Demenz (MMS > 26)

Milde Demenz (MMS = 21–26)

Moderate Demenz (MMS = 12–20)

Ausgeprägte Demenz (MMS < 12)

Signifikante Verbesserungen der Gedächtnisleistungen fanden sich in den Gruppen „Keine Demenz“ und „Milde Demenz“ (p<0,02).

In den Gruppen „Moderate Demenz“ und „Ausgeprägte Demenz“ kam es zu keiner Verbesserung bzw. teilweise Verschlechterung im MMSE-Test.

Unseres Wissens ist das die erste größere Doppelblindstudie, die eine signifikante Verbesserung um mehr als 2 Punkte im MMS-Test zeigen konnte (5).

Da die besseren Ergebnisse (Teilnehmer waren zwischen 60 und 90 Jahren alt) in den jüngeren Altersgruppen zu finden waren und in den Gruppen „Ohne Demenz“ bzw. „Milder Demenz“, heißt das im Umkehrschluss, dass man jedem Menschen über 60 Jahren eine konstante (tägliche) Einnahme von Spermidin (Weizenkeime) empfehlen kann.

Bewährt hat sich ein gegupfter Esslöffel Weizenkeime mit z. B. Milch oder Joghurt oder Orangensaft verrührt.

Beim Kochen von spermidinhaltigen Nahrungsmitteln gehen etwa 20 % verloren, beim Brotbacken bis zu 80 %.

Anbei Mengenangaben zu spermidinreichen Lebensmitteln:

Nahrungsmittel - Spermidin mg/100 g
Weizenkeime - 48
Sojabohnen (getrocknet) - 20,7
Cheddarkäse (1 Jahr gereift) - 19,9
Kürbiskerne - 10,4
Pilze - 8,9
Reiskleie - 5,0
Hühnerleber - 4,8
Erbsen - 4,6
Rinderhack - 3,7
Mais - 3,2
Mango - 3,0
Kichererbsen - 2,9
Dill - 2,9
Sellerie - 2,7
Blumenkohl (gekocht) - 2,5
Brokkoli (gekocht) - 2,5
Haselnüsse - 2,1
Kopfsalat - 1,9

Beispiel von spermidinhaltigen Weizenkeimen (48 mg/100 g)

Z. B.: 9,9 g Weizenkeime sind 4,7 mg Spermidin

Spermidinreiche Ernährung kann das Leben um über 5 Jahre verlängern (6).

Die eigentliche Studie wurde nach drei Monaten beendet.

Allerdings führten wir die Therapie dann auch bei jenen Personen weiter, die weniger Spermidin in den Brötchen hatten („Placebogruppe“).

Eine weitere Auswertung erfolgte nach einem Jahr in je einem Seniorenheim:

Dabei zeigte sich ein Anstieg des MMSE von 15 bzw. 17 auf jeweils 20 Punkte. Also ein Anstieg um drei bzw. fünf Punkte.

Zur Erinnerung: Mit bisher zugänglichen Medikamenten konnte eine Steigerung von maximal 1,37 Punkten erreicht werden!

Das heißt, eine moderate Demenz näherte sich einer milden Demenz:

Moderate Demenz (MMSE = 12–20), milde Demenz (MMSE = 21–26).

Das untermauert den Erfolg der spermidinreichen Kost deutlich.

Interessant ist, dass der Medianwert beider Seniorenheime den Wert 20 erreichte.

Diese Besserungsrate liegt weit über den bisher mit Medikamenten erreichten Werten. Darüber hinaus sind spermidinhaltige Weizenkeime ein Nahrungsmittel, können in spezialisierten Geschäften und über das Internet gekauft werden und haben keine Nebenwirkungen.
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