Cover: Die Tage der größten Erlebnisse im Hasenland

Die Tage der größten Erlebnisse im Hasenland


EUR 17,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 58
ISBN: 978-3-7116-1006-5
Erscheinungsdatum: 13.07.2026
Ein Sommer voller Überraschungen: Hase Lampe und Otto erleben im Hasenland aufregende Ferientage, als plötzlich ein Wanderzirkus auftaucht. Ein fantasievolles Kinderbuch über Freundschaft, Mut und die Freude am Staunen.
Schön, dass ihr meine neue Geschichte erfahren wollt. Ich bin der Hase Lampe und wie ihr wisst, mit Hase Otto schon lange eng befreundet.

Unsere Erlebnisse haben nicht nur uns, sondern auch vielen Kindern Spaß und auch Aufregung bereitet. In unserem Hasenland gibt es tatsächlich immer wieder etwas Neues zu erleben, was uns dazu ermuntert, es weiter zu erzählen.

Sicherlich kennt ihr das: Alles geht seinen gewohnten Gang und plötzlich fängt es an zu regnen. Den Schirm und die Mütze nicht dabei, laufen wir etwas mürrisch die letzten 300 Meter bis zur Schule und können die nassen Klamotten nun kaum noch verhindern. Jeder Balkon bietet uns Schutz. Manche Kinder halten sich die Schulmappe auf dem Kopf wie die afrikanischen Frauen ihre schweren Töpfe beim Gang durch die Steppe. Allerdings jonglieren sie die Töpfe dabei, ohne sie festzuhalten.

Irgendwie findet jeder den besten Weg, um möglichst trocken zum Ziel zu gelangen. In früheren Zeiten haben Menschen aus einer Zeitung einen Hut gegen die Tropfen gebastelt, der außerdem auch bei Sonnenschein von Nutzen war. Es war die Zeit, wo die sogenannten Hutmacher noch handwerklich für einen hohen Preis die Kopfbedeckung herstellten.

Nun will ich aber mit der neuen Geschichte beginnen.

Wir hatten unseren letzten Schultag vor den Sommerferien hinter uns und lagen mitsamt Schulranzen unter einer schattenspendenden Linde. Für die notwendige Erholung naschten wir Salatblätter, die wir vorher am Wegesrand entdeckten.

Einen Plan zur Gestaltung unserer Ferien hatten wir nicht. „Hey Otto, schläfst du schon?“, fragte ich ihn. „Was soll ich sonst machen?“, kam es trocken zurück. Es fehlte jede Betonung. Weder Freude noch Unternehmungslust waren daraus zu entnehmen.

Mir fiel nichts dazu ein. Und somit gewann die Stille zwischen uns. Aber Stille heißt ja nicht, dass man nicht denkt. Deshalb wird die Stille dann meistens von dem unterbrochen, der glaubt, etwas aus seinen Gedanken erzählen zu können. Doch das war heute ganz anders.

Ein sommerlicher Tag, der bestimmt viele Kinder an den nahegelegenen Badesee zog, dachte ich und vernahm das leise Schnarchen von Otto.

Doch damit war unerwartet und schlagartig Schluss. Keiner, auch nicht der oder die Müdeste, hätte bei diesem Krach schlafen können, der uns plötzlich erreichte. Der ausgetretene Weg zwischen den großen, hügeligen Wiesenflächen, die unser Hasenland durchziehen, war von einer Wagenkolonne belegt, wie wir sie noch nicht gesehen haben. Gezogen wurden die Wagen, die mit Gitterstäben umrundet waren und Solardächer hatten, aufwärts auf den Hügel von einem anscheinend starken Traktor.

Für den vor ihm liegenden Hügel musste er alle seine Kräfte einsetzen. Dabei schnaufte er wie eine alte Lokomotive. Mit jedem Meter wurde das Schnaufen ein wenig leiser und endete schließlich mit einem erschreckend lauten Knall. Damit war die Fahrt zu Ende.

Wir schauten uns ratlos an, richteten uns auf und konnten erkennen, um was es hierbei geht.

Otto las laut vor, was auf dem ersten Wagen hinter dem dampfenden Traktor stand, der mit einer gelben Plane abgedeckt war: „Wanderzirkus KLATSCHMALWIEDER“ in großen blauen Buchstaben.

„Die wollen doch nicht im Hasenland ein Zirkuszelt aufstellen?“, fragte ich Otto, der sofort antwortete: „Du weißt schon, wo der Weg hinführt – oder?“ „Na klar weiß ich das“, und brachte mein Erstaunen zum Ausdruck, als ich hinzufügte: „zum Badesee.“ „Genau“, erwiderte Otto, als im gleichen Moment ein Knall über die Wiese hallte. „Das ist kein gutes Zeichen“, kam es von Otto. Mit ausgestrecktem Arm zeigte er dabei auf den Traktor, der ein zweites Mal rummste. Sein Brummen verstummte und wich dem Singen der Amseln, die gerade vorbeiflogen.

Ein etwas älterer Mann mit einem Schnurrbart stieg von dem Traktor herunter. Seine blaue Latzhose war üppig von seinem deutlichen Übergewicht gefüllt. Hinter dem Traktor waren fünf Anhänger. Danach stoppte notgedrungen der kleine, uralt wirkende Reisebus, in dem mehr Leute saßen, als anzunehmen war. Hier stiegen zwei sportliche junge Männer aus. Eine ebenso sportliche junge Frau begleitete sie auf den Weg zum Traktor. Dessen Fahrer hatte schon die Motorverkleidung geöffnet und hielt schnell Abstand davon. Wahrscheinlich war die abgestrahlte Hitze der Grund dafür.

Mit trüber Miene sprach Otto: „Das ist ja schade. Einen Zirkus haben wir hier noch nicht erlebt.“
Ich beruhigte ihn: „Denkst du, dass die hier stehen bleiben? Die werden den Traktor reparieren und dann geht’s weiter, wahrscheinlich zum See. Wir können Fridolin und Ede schon mal anrufen und über diese Sensation im Hasenland berichten.“
Das ließ Otto sich nicht zweimal sagen und hatte schon sein Handy in der Pfote. Fridolin nahm den Anruf nach dem dritten Klingeln entgegen und freute sich: „Hey Otto, alte Sportskanone, wie geht’s dir und Hase Lampe?“ „Uns geht’s gut“, antwortete Otto ohne zu zögern und erzählte sofort, was hier los ist. „Das ist ja ein Ding“, kam es forsch von Ede, der das Gespräch über Lautsprecher mithörte. „Wir haben auch Ferien und könnten zu euch kommen – was haltet ihr davon?“ Ich hörte alles mit und nickte zustimmend. „Wir freuen uns, los, macht euch auf die Socken“, das hatte er mal von Kindern aufgeschnappt. Wir tragen gewöhnlich keine Socken. Grund genug, dass die beiden herzlich lachten. „Wir sind schon auf dem Weg“, kam es mit immer noch lachender Stimme von Fridolin.

Der Traktor war nun von den vier Menschen umgeben, die mit fragender Miene davorstanden.

Wir schlichen uns näher heran, um verstehen zu können, was sie machen werden.

Der Schnurrbärtige Namens Bulli, der seinen Traktor kennt, sagte: „Der muss in die Werkstatt“, und schaute dabei in die traurigen Gesichter der Anderen. „Susi“, sagte er und blickte die junge Frau an, als er weitersprach. „Du hast doch immer eine Idee, oder willst du hier stehen bleiben?“

Susi schaute zu den fünf Anhängern und überlegte. Schließlich sagte sie: „Ich habe eine Idee“, und schaute die beiden sportlichen Männer an: „Die Stricke, mit denen wir unser Zirkuszelt hochziehen, knoten wir an den Traktor und ziehen daran. Wenn wir den kleinen Hügel geschafft haben, rollt unser Konvoi danach alleine abwärts zum See.“ „Na gut“, sagte Alfons, der etwas größere sportliche junge Mann, zu Balduin, seinem Kumpel. Sie holten die Taue und verbanden sie mit der Vorderachse des Traktors. Inzwischen waren noch die Dompteure und der Clown zur Stelle. „Auf los, geht’s los!“, rief der hinzugekommene Zirkusdirektor und reihte sich dabei in die Kolonne derer ein, die alle Kräfte einsetzten, um ihr Gespann in Bewegung zu bringen.

Das Resultat war, dass der Direktor den Traktorfahrer fragte, ob er die Handbremse gelöst hatte. „Na klar“, sagte der und ermunterte alle, noch mal zum genau denselben Moment zu ziehen. „Bei drei“, rief er und zählte laut bis drei. Nichts passierte. Der Tross schien am Boden angewachsen zu sein.

Wir schauten uns fragend an, als plötzlich aus dem letzten Wagen, an dem wir hockten, ein Tröten erschallte.

Otto hatte das Signal verstanden und hoppelte zum Zirkusdirektor. Der schaute Otto verwundert an und fragte ihn lachend: „Was willst du denn hier? Kannst du vielleicht zaubern und unsere Wagen in Fahrt bringen?“ Otto schaute den Direktor an und zeigte auf den letzten Wagen. „Euer Elefant hat sich gemeldet, der ist der Stärkste und wahrscheinlich der Schlauste. Er wird den Zug in Bewegung bringen, wenn ihr ihn bittet.“ Erstaunt guckte der Direktor zu Otto und wandelte sein vorher verärgertes Aussehen in ein freundliches. „Das ist die Lösung – los, Alfons und Balduin, holt unseren oder besser gesagt unsere Stärkste her.“ Sie zögerten nicht lange und liefen zum letzten Wagen, wo der Elefant neugierig zu ihnen schaute.

Der Zirkusdirektor bekam vor einigen Jahren im Zoo von Brüssel das Angebot, ein Elefantenbaby aufzunehmen. Den genauen Grund dafür hatte er nicht erfahren. Mit seinen Kenntnissen, Kinder groß zu kriegen, nahm er sich dieser Aufgabe an. Schließlich würde ein Elefant noch ausgezeichnet in sein Programm passen, dachte er sich. Nach einiger Zeit war aus dem Baby schon ein Kleinkind geworden und hatte die Größe des Direktors erreicht. Als er direkt vor ihrem Rüssel stand, bekam er die Spitze des Rüssels auf seine Nase und sie saugte sich kurz an. Dieses feuchte Gefühl kam ihm vor wie ein Kuss. „Jetzt hab ich es“, sagte er ihr. „Du hast einen wirklich niedlichen Rüssel. Dir fehlt noch der richtige Name.“ Und führte seinen Satz damit zu Ende: „Dein Rüssel bekommt einfach ein B davor und dann heißt du Brüssel“, und verbesserte sich schnell: „Du bist eine kleine hübsche Dame und deshalb nenne ich dich Madame Brüssel.“

Sie schaute ihn grinsend an und freute sich über ihren Namen, indem sie mit ihrem Rüssel ein Tröten erzeugte wie ein Trompeter.

Balduin öffnete das Gitter, damit ihre dressierte Dickhäuterin aussteigen kann. Gehorsam, wie sie ist, schlenderte sie, geführt am Dressurseil, mit Alfons nach vorne, wo die anderen warteten.

Alfons gab ihr zu verstehen, welches Problem sie haben, was Madame Brüssel erst einmal mit den großen Ohren schlackern ließ. „Das ist kein gutes Zeichen“, gab sie damit den Wartenden in die Runde. Otto, der das Ganze miterlebte, hatte eine Idee: „Herr Direktor, Sie haben doch eine Peitsche, mit der Sie einen Knall produzieren können?“ „Ja“, sagte der Direktor, „und wozu sagst du mir das?“ Otto, in seiner stolzen Art, trug seine Gedanken vor: „An das Ende der Peitsche binden Sie eine Banane an. Wenn Madame Brüssel mit dem Traktor verbunden ist, laufen Sie mit der Banane vor ihren Rüssel, und schon wird sie mit aller Kraft der Banane hinterherhecheln. Wenn sie den Treck über den Hügel gezogen hat, bekommt sie mindestens fünf Bananen als Belohnung.“

„Das ist eine gute Idee, die wir in jedem Fall ausprobieren müssen“, gab er allen Bescheid. Alfons und Balduin banden das lange Seil um die Schultern und den Bauch von Madame Brüssel und verbanden es mit der Achse des Traktors. Inzwischen hatte Susi schon die Bananen besorgt und eine an die Spitze der Zirkuspeitsche gebunden. Dummerweise war Madame Brüssel in der Nähe und schnappte sich die Banane sofort. Alle lachten und Madame Brüssel mampfte dazu die Banane genüsslich. Aber anscheinend machte die eine Banane Appetit. Denn als der Zirkusdirektor nun die zweite angebundene Banane schwenkte, setzte Madame Brüssel sich in Bewegung.
...

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