Unglaubliche Entdeckung im Hasenland
EUR 17,90
Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 64
ISBN: 978-3-7116-0602-0
Erscheinungsdatum: 29.10.2025
Hase Lampe und sein Freund Otto treffen im Hasenland auf drei neue Freunde – eine Pappel, einen Waschbären und ein Eichhörnchen. Sie wollen gemeinsam einen Drachen bauen, ein schwieriges Unterfangen, und dann soll auch noch das Eichhörnchen Pilotin werden.
Diese neue Geschichte ist ungewöhnlich und unterscheidet sich deutlich von unseren bisherigen Abenteuern, die es auch in sich haben.
Angefangen hat es mit der Schatzsuche im Hasenland.
Aber erst einmal stelle ich mich vor: Ich heiße Hase Lampe und mein bester Freund heißt Hase Otto. Bei der Schatzsuche hatten wir viele Probleme zu lösen. Hierbei halfen uns unsere Freunde Fridolin und Ede.
Dann erlebten wir Abenteuer, die tatsächlich filmreif waren.
Ihr merkt schon, im Hasenland wird es niemals langweilig.
Nun möchte ich, Hase Lampe, euch die neue Geschichte erzählen.
„Unglaubliche Entdeckung im Hasenland“ habe ich sie genannt und glaube, dass ich mit diesem Titel nicht übertreibe.
Es war Samstagfrüh und Hase Otto und ich hatten schulfrei.
Die Tage waren schon deutlich kürzer als im Sommer und füllten sich mit einer leichten, kühlen Brise.
Am Horizont waren schwarze Wolken zu erkennen, die vermutlich eine Menge Regen mit sich bringen würden. Wir hofften, dass wir noch lange davon verschont blieben.
Otto besuchte mich zum gemeinsamen Frühstück in meinem Hasenbau und brachte leckere Mohrrüben mit. Die kamen mit meinem Selleriesalat zusammen in eine Schüssel und dann aßen wir gemeinsam davon.
Nach diesem leckeren Mahl kreisten unsere Gedanken um unseren heutigen Tatendrang. Wir waren uns schnell einig darüber, dass das Hasenland noch viele Entdeckungen zu bieten hatte.
Der Sonnenschein mit seiner verlockend frischen Luft zog uns dann schnell nach draußen auf die bunte Wiese.
Schließlich regnete es noch nicht, und die flauschigen, üppigen Wolken wurden vom Wind am blauen Himmel entlanggezogen – doch am Horizont verharrten unverändert die schwarzen Wolken.
Also begannen wir nach dem Verpacken von etwas Proviant eine Wanderung über das Hasenland.
Es war die Zeit, in der die kleinen, runden Kastanien zu finden waren. „Der Kastanienbaum, der zu den Buchengewächsen gehört“, hatte unser Lehrer Moppel im Unterricht erklärt, „lässt die Kastanien im Spätsommer oder Herbst fallen. Maronen sind gezüchtete Sorten der Edelkastanie und schmecken schön nussig.“ Er fügte hinzu: „Es ist auch die Zeit, in der man Pilze finden kann.“ Dabei hob er seinen Zeigefinger warnend: „Einige von ihnen sind giftig. Also lasst sie einfach stehen!“
Weil wir das und vieles andere in der Schule lernten, gingen wir auch gerne hin.
Beim Aufsammeln einiger Kastanien stieß mich Otto plötzlich an und sagte: „Schau mal, dort hinter dem Busch.“ Ich konnte nichts entdecken und blickte ihn fragend an.
Er bog ein paar Äste beiseite und ermöglichte mir so einen Blick in ein schwarzes Loch.
Es hatte die Größe von einem mittelgroßen Kürbis. Otto flüsterte mir zu: „Das könnte eine Höhle sein.“ „Höhlen finde ich sehr spannend“, erwiderte ich und schaute noch einmal hin.
Aber Otto schien mir gar nicht zuzuhören. Stattdessen stellten sich die Haare seines Fells senkrecht, und seine Augen wurden gefühlt so groß wie Tennisbälle. „Otto, was ist los?“, wollte ich wissen und erhob meine Stimme. „Leise, Hase Lampe, leise“, flüsterte er. „Wieso?“, fragte ich und grinste in sein erschrockenes Gesicht. „Aus dem schwarzen Loch schauen mich zwei Augen an“, erwiderte er mit etwas zittriger Stimme. „Die zwei Augen gehören doch zu einem anderen Tier, Otto“, erklärte ich ihm. „Ja, ja. Aber du weißt schon, dass in Höhlen auch Bären wohnen und wenn …“ Weiter kam er nicht. Genau in diesem Augenblick sprang ein seltsames Tier mit einem schwarz-weißen Fell über uns hinweg und ward nicht mehr gesehen, als es im Dickicht der Büsche verschwand.
Wir rätselten, was das gewesen sein konnte. Aber statt klare Gedanken zu bilden, schauten wir uns mit rätselhafter Miene fragend an. „Vielleicht war das Ungeheuer ja nicht allein“, dachten wir und hoppelten eilig davon. Die gerade noch gesammelten Kastanien ließen wir zurück, um schneller voranzukommen.
Nach etwa einer Minute schnellen Hoppelns ging uns die Luft aus und unsere Lungen forderten eine Pause. Nun schauten wir uns die Stelle mit dem schwarzen Loch von Weitem an und fingen an zu lachen.
„Warum haben wir uns so gefürchtet?“, fragte mich Otto. Ich hatte keine Antwort darauf und konnte mein Lachen auch nicht mehr unterdrücken. Es war kein weiteres Tier dieser Art zu sehen.
Nicht weit von hier war der große Teich mit seinen vielen umliegenden Bäumen.
Wir hatten denselben Gedanken: der Apfelbaum! Und gingen im Gleichschritt in dieselbe Richtung. Dabei sangen wir unser Lied: „Ja, unser Hasenleben ist mal eben das Schönste, was es gibt. Wenn wir Dinge erleben, die spannend bewegen, dann sind wir glücklich und froh.“
Unser fröhliches Gesinge stoppten wir augenblicklich, als wir die leckeren Äpfel im Gras liegen sahen. Jeder von uns schnappte sich zwei davon. Jetzt fehlte nur noch ein gemütliches Plätzchen für die leckere Mahlzeit.
„Da!“, ich stieß Otto an und zeigte auf den großen Baum direkt am Teich. Otto konnte nicht antworten, weil sein Mund schon mit einem großen Stück Apfel voll war.
„Ich dachte, wir essen zusammen“, herrschte ich ihn kurz an, musste aber gleich wieder lächeln. „So ist er nun mal“, dachte ich im selben Moment und daran, was wir doch für gute Freunde waren. Da verzieh man schon mal eine Kleinigkeit.
Am Baum angekommen, machten wir es uns im weichen Gras gemütlich, als gerade ein paar Regentropfen unsere Freude trübten. Aber der Baum bot uns ausreichend Schutz vor dem kleinen Regenschauer.
Es hörte sich an, als ob ein Gewitter aufziehen würde. Wir schauten uns mit großen Augen an. „Dann sind wir unter einem Baum gefährdet“, sagte Otto und erinnerte mich an die Warnungen von Lehrer Moppel, der uns die Gefahr geschildert hatte, sollte man bei Gewitter unter einem Baum Schutz suchen. „Da findet man keinen Schutz, sondern riskiert sein Leben, wenn der Blitz dort einschlägt“, wiederholte Otto Lehrer Moppels Worte.
Doch es war kein Gewitter – es war das Knarren der Äste, die dem Wind schutzlos ausgesetzt waren, wurde mir bewusst, als ich nach oben schaute.
„Keine Angst“, hörte ich Otto plötzlich sagen und schaute ihn fragend an. Doch Otto schaute mich ebenfalls verwundert an.
„Aber wenn du das nicht gesagt hast“, realisierte Otto mit verzerrter Miene, „wer war es dann?“
Ich konnte nur hilflos meine Achseln zucken und dumm aus der Wäsche gucken.
„Ich habe es gesagt“, ertönte es dumpf aus dem Astloch hinter uns.
Zu unseren plötzlich vergrößerten Hasenohren passten unsere erstaunten Blicke.
Wir schauten auf das Astloch, das anscheinend sprechen konnte, und sagten wie aus einem Munde: „Du kannst sprechen?“
„Ja“, kam es prompt. „Aber erst, nachdem vor zwei Jahren ein Blitz in mich eingeschlagen hatte und mir eine ungewöhnliche Energie gab.“
Nach einem Augenblick der Verwunderung schoss es aus Otto heraus: „Wie heißt du?“ Ich schaute gespannt zu dem Astloch – aber da ertönte nichts.
Otto fragte noch mal: „Wie heißt du?“
„Ich muss überlegen“, kam es zögerlich. „Ich weiß es nicht.“
„Wie?“, sagte Otto entrüstet in seiner aufgeregten Stimmung.
„Jeder weiß, wie er oder sie heißt.“
„Ich habe eine Idee“, sagte ich. „Wir haben ein Schulbuch, in dem alle Bäume vom Hasenland mit Namen abgebildet sind.“ „Das Buch holen wir jetzt und vergleichen alle Bilder mit unserem Baum.“
„Super, Lampi!“ Otto wollte mir ein Kompliment machen mit seinem extra für mich ausgedachten Spitznamen und freute sich hämisch, als ich ihn etwas verärgert anschaute.
Die Apfelmahlzeit hatte uns wieder Sprungkraft verliehen. Mit lustig anmutenden Sprüngen hüpften wir über die Wiese und übersahen etwas. Ja, wenn man etwas übermütig war, achtete man manchmal nicht auf Kleinigkeiten. Otto verlor plötzlich den Halt und flog in hohem Bogen ins feuchte Gras. Wir hatten beide nicht den Kuhfladen bemerkt, der Otto in eine raketenähnliche Beschleunigung versetzte, als er darauf ausrutschte.
Das feuchte Gras diente ausgezeichnet zur schnellen Reinigung seiner übelriechenden Stinkefüße.
Den Hasenbau – Ottos Zuhause – hatten wir nun erreicht. „Otto, wann hast du denn das letzte Mal aufgeräumt?“, fragte ich etwas vorwurfsvoll.
„Hör auf zu jammern“, kam es sofort zurück. Er kannte meine Meinung zu seiner Nachlässigkeit mit der Ordnung und hielt mir sogleich stolz das Buch mit den Bäumen vor die Nase.
„Na gut“, dachte ich. Das war halt seine Ordnung, nicht meine.
Auf dem Rückweg zum bisher unbekannten Baum achteten wir auf Kuhfladen, Pfützen, Erdlöcher und andere Stolperfallen. Dann standen wir voller Spannung vor dem Baum ohne Namen. Seite für Seite blätterte Otto nun unser Buch durch. Ich sagte: „Halt, da ist unsere Kastanie, der wir heute schon begegnet sind, mit ihren beeindruckend glänzenden Kugeln.“
Im Alphabet kommen nach dem K das L und somit die Linde. Das Bild der Linde passte auch nicht, worauf Otto verzweifelt jammerte: „Dieser Baum ist nicht in unserem Buch, da können wir lange suchen.“ „Wir geben nicht auf, Otto, das haben wir nie getan. Denk an die Schatzsuche!“, erinnerte ich ihn. Mürrisch nickte er und schlug die nächste Seite auf. Otto blätterte weiter und beim P hielt er an. „Dieser Baum muss es sein“, sagte Otto jetzt wieder mit überzeugter Tonlage, und ich nickte bestimmt fünfmal hintereinander. Meine langen Ohren hatten sich dabei ineinander verhakt, was Otto wieder lustig fand und kreischte.
…
Angefangen hat es mit der Schatzsuche im Hasenland.
Aber erst einmal stelle ich mich vor: Ich heiße Hase Lampe und mein bester Freund heißt Hase Otto. Bei der Schatzsuche hatten wir viele Probleme zu lösen. Hierbei halfen uns unsere Freunde Fridolin und Ede.
Dann erlebten wir Abenteuer, die tatsächlich filmreif waren.
Ihr merkt schon, im Hasenland wird es niemals langweilig.
Nun möchte ich, Hase Lampe, euch die neue Geschichte erzählen.
„Unglaubliche Entdeckung im Hasenland“ habe ich sie genannt und glaube, dass ich mit diesem Titel nicht übertreibe.
Es war Samstagfrüh und Hase Otto und ich hatten schulfrei.
Die Tage waren schon deutlich kürzer als im Sommer und füllten sich mit einer leichten, kühlen Brise.
Am Horizont waren schwarze Wolken zu erkennen, die vermutlich eine Menge Regen mit sich bringen würden. Wir hofften, dass wir noch lange davon verschont blieben.
Otto besuchte mich zum gemeinsamen Frühstück in meinem Hasenbau und brachte leckere Mohrrüben mit. Die kamen mit meinem Selleriesalat zusammen in eine Schüssel und dann aßen wir gemeinsam davon.
Nach diesem leckeren Mahl kreisten unsere Gedanken um unseren heutigen Tatendrang. Wir waren uns schnell einig darüber, dass das Hasenland noch viele Entdeckungen zu bieten hatte.
Der Sonnenschein mit seiner verlockend frischen Luft zog uns dann schnell nach draußen auf die bunte Wiese.
Schließlich regnete es noch nicht, und die flauschigen, üppigen Wolken wurden vom Wind am blauen Himmel entlanggezogen – doch am Horizont verharrten unverändert die schwarzen Wolken.
Also begannen wir nach dem Verpacken von etwas Proviant eine Wanderung über das Hasenland.
Es war die Zeit, in der die kleinen, runden Kastanien zu finden waren. „Der Kastanienbaum, der zu den Buchengewächsen gehört“, hatte unser Lehrer Moppel im Unterricht erklärt, „lässt die Kastanien im Spätsommer oder Herbst fallen. Maronen sind gezüchtete Sorten der Edelkastanie und schmecken schön nussig.“ Er fügte hinzu: „Es ist auch die Zeit, in der man Pilze finden kann.“ Dabei hob er seinen Zeigefinger warnend: „Einige von ihnen sind giftig. Also lasst sie einfach stehen!“
Weil wir das und vieles andere in der Schule lernten, gingen wir auch gerne hin.
Beim Aufsammeln einiger Kastanien stieß mich Otto plötzlich an und sagte: „Schau mal, dort hinter dem Busch.“ Ich konnte nichts entdecken und blickte ihn fragend an.
Er bog ein paar Äste beiseite und ermöglichte mir so einen Blick in ein schwarzes Loch.
Es hatte die Größe von einem mittelgroßen Kürbis. Otto flüsterte mir zu: „Das könnte eine Höhle sein.“ „Höhlen finde ich sehr spannend“, erwiderte ich und schaute noch einmal hin.
Aber Otto schien mir gar nicht zuzuhören. Stattdessen stellten sich die Haare seines Fells senkrecht, und seine Augen wurden gefühlt so groß wie Tennisbälle. „Otto, was ist los?“, wollte ich wissen und erhob meine Stimme. „Leise, Hase Lampe, leise“, flüsterte er. „Wieso?“, fragte ich und grinste in sein erschrockenes Gesicht. „Aus dem schwarzen Loch schauen mich zwei Augen an“, erwiderte er mit etwas zittriger Stimme. „Die zwei Augen gehören doch zu einem anderen Tier, Otto“, erklärte ich ihm. „Ja, ja. Aber du weißt schon, dass in Höhlen auch Bären wohnen und wenn …“ Weiter kam er nicht. Genau in diesem Augenblick sprang ein seltsames Tier mit einem schwarz-weißen Fell über uns hinweg und ward nicht mehr gesehen, als es im Dickicht der Büsche verschwand.
Wir rätselten, was das gewesen sein konnte. Aber statt klare Gedanken zu bilden, schauten wir uns mit rätselhafter Miene fragend an. „Vielleicht war das Ungeheuer ja nicht allein“, dachten wir und hoppelten eilig davon. Die gerade noch gesammelten Kastanien ließen wir zurück, um schneller voranzukommen.
Nach etwa einer Minute schnellen Hoppelns ging uns die Luft aus und unsere Lungen forderten eine Pause. Nun schauten wir uns die Stelle mit dem schwarzen Loch von Weitem an und fingen an zu lachen.
„Warum haben wir uns so gefürchtet?“, fragte mich Otto. Ich hatte keine Antwort darauf und konnte mein Lachen auch nicht mehr unterdrücken. Es war kein weiteres Tier dieser Art zu sehen.
Nicht weit von hier war der große Teich mit seinen vielen umliegenden Bäumen.
Wir hatten denselben Gedanken: der Apfelbaum! Und gingen im Gleichschritt in dieselbe Richtung. Dabei sangen wir unser Lied: „Ja, unser Hasenleben ist mal eben das Schönste, was es gibt. Wenn wir Dinge erleben, die spannend bewegen, dann sind wir glücklich und froh.“
Unser fröhliches Gesinge stoppten wir augenblicklich, als wir die leckeren Äpfel im Gras liegen sahen. Jeder von uns schnappte sich zwei davon. Jetzt fehlte nur noch ein gemütliches Plätzchen für die leckere Mahlzeit.
„Da!“, ich stieß Otto an und zeigte auf den großen Baum direkt am Teich. Otto konnte nicht antworten, weil sein Mund schon mit einem großen Stück Apfel voll war.
„Ich dachte, wir essen zusammen“, herrschte ich ihn kurz an, musste aber gleich wieder lächeln. „So ist er nun mal“, dachte ich im selben Moment und daran, was wir doch für gute Freunde waren. Da verzieh man schon mal eine Kleinigkeit.
Am Baum angekommen, machten wir es uns im weichen Gras gemütlich, als gerade ein paar Regentropfen unsere Freude trübten. Aber der Baum bot uns ausreichend Schutz vor dem kleinen Regenschauer.
Es hörte sich an, als ob ein Gewitter aufziehen würde. Wir schauten uns mit großen Augen an. „Dann sind wir unter einem Baum gefährdet“, sagte Otto und erinnerte mich an die Warnungen von Lehrer Moppel, der uns die Gefahr geschildert hatte, sollte man bei Gewitter unter einem Baum Schutz suchen. „Da findet man keinen Schutz, sondern riskiert sein Leben, wenn der Blitz dort einschlägt“, wiederholte Otto Lehrer Moppels Worte.
Doch es war kein Gewitter – es war das Knarren der Äste, die dem Wind schutzlos ausgesetzt waren, wurde mir bewusst, als ich nach oben schaute.
„Keine Angst“, hörte ich Otto plötzlich sagen und schaute ihn fragend an. Doch Otto schaute mich ebenfalls verwundert an.
„Aber wenn du das nicht gesagt hast“, realisierte Otto mit verzerrter Miene, „wer war es dann?“
Ich konnte nur hilflos meine Achseln zucken und dumm aus der Wäsche gucken.
„Ich habe es gesagt“, ertönte es dumpf aus dem Astloch hinter uns.
Zu unseren plötzlich vergrößerten Hasenohren passten unsere erstaunten Blicke.
Wir schauten auf das Astloch, das anscheinend sprechen konnte, und sagten wie aus einem Munde: „Du kannst sprechen?“
„Ja“, kam es prompt. „Aber erst, nachdem vor zwei Jahren ein Blitz in mich eingeschlagen hatte und mir eine ungewöhnliche Energie gab.“
Nach einem Augenblick der Verwunderung schoss es aus Otto heraus: „Wie heißt du?“ Ich schaute gespannt zu dem Astloch – aber da ertönte nichts.
Otto fragte noch mal: „Wie heißt du?“
„Ich muss überlegen“, kam es zögerlich. „Ich weiß es nicht.“
„Wie?“, sagte Otto entrüstet in seiner aufgeregten Stimmung.
„Jeder weiß, wie er oder sie heißt.“
„Ich habe eine Idee“, sagte ich. „Wir haben ein Schulbuch, in dem alle Bäume vom Hasenland mit Namen abgebildet sind.“ „Das Buch holen wir jetzt und vergleichen alle Bilder mit unserem Baum.“
„Super, Lampi!“ Otto wollte mir ein Kompliment machen mit seinem extra für mich ausgedachten Spitznamen und freute sich hämisch, als ich ihn etwas verärgert anschaute.
Die Apfelmahlzeit hatte uns wieder Sprungkraft verliehen. Mit lustig anmutenden Sprüngen hüpften wir über die Wiese und übersahen etwas. Ja, wenn man etwas übermütig war, achtete man manchmal nicht auf Kleinigkeiten. Otto verlor plötzlich den Halt und flog in hohem Bogen ins feuchte Gras. Wir hatten beide nicht den Kuhfladen bemerkt, der Otto in eine raketenähnliche Beschleunigung versetzte, als er darauf ausrutschte.
Das feuchte Gras diente ausgezeichnet zur schnellen Reinigung seiner übelriechenden Stinkefüße.
Den Hasenbau – Ottos Zuhause – hatten wir nun erreicht. „Otto, wann hast du denn das letzte Mal aufgeräumt?“, fragte ich etwas vorwurfsvoll.
„Hör auf zu jammern“, kam es sofort zurück. Er kannte meine Meinung zu seiner Nachlässigkeit mit der Ordnung und hielt mir sogleich stolz das Buch mit den Bäumen vor die Nase.
„Na gut“, dachte ich. Das war halt seine Ordnung, nicht meine.
Auf dem Rückweg zum bisher unbekannten Baum achteten wir auf Kuhfladen, Pfützen, Erdlöcher und andere Stolperfallen. Dann standen wir voller Spannung vor dem Baum ohne Namen. Seite für Seite blätterte Otto nun unser Buch durch. Ich sagte: „Halt, da ist unsere Kastanie, der wir heute schon begegnet sind, mit ihren beeindruckend glänzenden Kugeln.“
Im Alphabet kommen nach dem K das L und somit die Linde. Das Bild der Linde passte auch nicht, worauf Otto verzweifelt jammerte: „Dieser Baum ist nicht in unserem Buch, da können wir lange suchen.“ „Wir geben nicht auf, Otto, das haben wir nie getan. Denk an die Schatzsuche!“, erinnerte ich ihn. Mürrisch nickte er und schlug die nächste Seite auf. Otto blätterte weiter und beim P hielt er an. „Dieser Baum muss es sein“, sagte Otto jetzt wieder mit überzeugter Tonlage, und ich nickte bestimmt fünfmal hintereinander. Meine langen Ohren hatten sich dabei ineinander verhakt, was Otto wieder lustig fand und kreischte.
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