Cover: Der Junge und der Yogi

Der Junge und der Yogi


EUR 23,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 62
ISBN: 978-3-99185-151-6
Erscheinungsdatum: 08.04.2026
Bea Winter hat in ihrem fünften Roman eine berührende Geschichte über einen Jungen und einen Yogi, die sich in einem entscheidenden Moment begegnen, aufgeschrieben. Ein stilles Buch über Vergebung, innere Heilung und die Kraft achtsamen Zuhörens.
DER JUNGE UND DER YOGI


Minna B. ist eine der letzten Klofrauen von Wien, vielleicht auch in Europa. Den Beruf gibt es so gut wie gar nicht mehr. Minna B. ist hier hängen geblieben, seit bald mehr als 25 Jahren. Sie hat sich ihr Studentengehalt aufgebessert, und trotz mehrerer Schicksalsschläge war hier der einzige Ort, wo sie zur Ruhe kam, mit dem Putzen der Anlage, mit den vielen Menschen und Kunden, wobei sie sich mit manchen sogar angefreundet hat.Sie ist eine Art Institution. Hier gibt’s auch für andere Dinge Hilfe, nicht nur für die Notdurft. Einmal ist es ein Knopf, der angenäht werden möchte, ein anderes Mal reicht Minna ein Blasenpflaster heraus, und wenn sich jemand ein Kondom aus dem Automaten nimmt, schaut sie diskret vorbei. So manchmal hat sie auch den Eindruck, gewisse Leute kommen wegen eines Schwätzchens vorbei. Minna ist eine gute Seele, die wenigen Wörter, die sie oft spricht, sind heilsam. Manchmal denkt sie selbst, eigentlich hätte ich nicht Soziologie, sondern in die Richtung Psychologie studieren sollen.

Minna wundert sich selbst, dass die alte Anlage aus der Kaiserzeit, welche der Stadt Wien gehört, noch immer in Betrieb ist beziehungsweise auch vor wenigen Monaten erst renoviert wurde. Die Anlage steht unter Denkmalschutz und anscheinend leistet sich die Stadtverwaltung auch noch eine Klofrau, und somit ist vorläufig Minnas Tätigkeit gesichert.

Minna wird sich noch wundern, was in den nächsten Wochen auf sie zukommt, sie wird noch in Dinge verwickelt werden, die weit über das Knopfannähen oder auch nur jemanden zuhören hinausgehen.




1. KAPITEL


Minna ist wie immer gegen 07:00 Uhr an ihrem Dienstort, sie ist oft bis zu zehn Stunden untertags. Die Anlage ist unterirdisch im Herzen von Wien, im 1. Bezirk, nicht unweit vom Stephansplatz. Außer ihr sind auch noch mehrere geringfügig Beschäftigte angestellt. Wenn Minna einmal im Urlaub ist, oder auch im seltenen Fall krank, teilen sich die Damen den Dienst auf. Sie sind eine durchmischte Gruppe, von Fertigstudierten, welche mit abgebrochenem Studium oder auch einfach nur mit Pflichtschulabschluss, weil zu mehr die Umstände nicht gereicht haben. Aber das ist hier egal, sie sind alle fünf gleich. Hier zählen Freundlichkeit, Sauberkeit und auch ein gutes Herz sollte mitgebracht werden.

Minna läuft wie jeden Tag über den Stephansplatz, sieht den Straßenkehrer Franz, tauscht mit ihm wenige Worte auch er gehört zu ihrer Kundschaft und läuft die Treppen hinunter zu ihrem Arbeitsplatz. Einige Handgriffe, in der Nische ist eine Art Küche, wo der Kaffee runterläuft, welcher bereits duftet. Minna kontrolliert noch einmal, ob auch alles dort ist, wo es hingehört, und pünktlich um 08:00 Uhr öffnet sie das Tor. Es dauert nicht lange, und die ersten Kunden laufen gestresst die Stiegen hinab, und nach vollendeter Notdurft, fallen die Münzen auf dem Teller. Einer der ersten Kunde ist heute der kleine Werner vom Staatsarchiv. Ums Eck befindet sich ein Staatsarchiv, das eigentlich nicht mehr offiziell besetzt ist. Nur der kleine Werner kommt zwei- bis dreimal die Woche, wenn es notwendig ist, und sucht Akten und Dokumente, die benötigt werden, aus dem Archiv heraus. Der kleine Werner, dieser arme Kerl, ist vielleicht 1,50 groß, ein Kleinwüchsiger. Noch dazu hat er eine eher hohe Stimme für einen Mann, was ihn als Mensch noch außergewöhnlicher macht. Aber voller Stolz hat er vor zehn Jahren sein Hochzeitsfoto herumgereicht, jedem gezeigt. Seine Frau ist bald zwei Köpfe größer als er, aber wo die Liebe hinfällt. Warum er immer hier unten auf die Toilette geht, hat Minna bis heute nicht herausgefunden. An manchen Nachmittagen hat er seinen pensionierten Kollegen, einen Regierungsrat, dabei. Dieser holt ihn mit dem Fahrrad ab, und die beiden gehen in das gegenüberliegende Cafe auf einen Tratsch. Sogar der kleine Werner kommt in den Sommermonaten meistens mit dem Rad. Er hat sogar ein Motorrad Als Minna ihn das erste Mal damit fahren sah, musste sie wegen des Größenunterschieds schmunzeln. Aber der kleine Werner, wie ihn alle nennen, ist sehr beliebt, es sieht faktisch jeder über seine Körpergröße hinweg, er verschafft sich überall Respekt.
Heute ist alles so wie immer, die üblichen Stammkunden und auch Touristen verlaufen sich in den Untergrund, auch wegen der Besonderheit, dass die Toilettenanlage aus der Kaiserzeit ist. Gegen 14:00 Uhr steht auf einmal der pensionierte Regierungsrat vor ihr und geht nicht in eine Kabine. Minna sieht ihn an und fragt: „Na Herr Regierungsrat, findest du heute den Weg nicht?“ Der Regierungsrat tritt von einem Bein aufs andere und antwortet: „Ich würde gerne, aber mir ist heute ein Malheur passiert“, und wechselt dabei die Gesichtsfarbe. Während des Gespräches nimmt Minna einen Duft wahr, den sie eigentlich aufgrund ihrer Tätigkeit nicht mehr riecht, menschlichen Gerüche blendet sie schon seit Jahren aus. Der Regierungsrat redet weiter und erzählt, dass er auf den kleinen Werner warte, der Ersatzwäsche in seiner Radtasche habe und ihm aushelfen wird. Minna kann sich das Lachen nicht verkneifen und fragt sich, ob dem Regierungsrat wohl die Unterhose passt, doch sie will sich das gar nicht vorstellen und wird kurz von einer Kundschaft unterbrochen. Der Regierungsrat tritt von einem Bein aufs andere und schaut mittlerweile verzweifelt aus. Minna bietet ihm in einem Nebenraum, wo eine Toilette nicht benutzt wird, den Stehplatz an, um dort zu warten. Endlich kommt der kleine Werner, grinst sich eines und fragt verschmitzt: „Na, Christoph, hast du wieder einmal falsch gegessen?“ Das Malheur wird beseitigt, für die verschmutzte Unterhose gibt es von Minna ein Plastiksackerl, und noch bevor sie fragen kann, sind die beiden verschwunden.

Als der Nachmittag bereits vorangeschritten ist, kommt wie immer ein etwa 14-jähriger Schüler, er trägt eine Schuluniform von einer Privatschule. Er fällt Minna schon seit mehreren Wochen auf, auch dass er immer mit hängenden Schultern geht, und überhaupt nicht glücklich aussieht. Sie hat sich fest vorgenommen, mit ihm in ein Gespräch zu kommen. Sein verzweifeltes Gesicht gefällt ihr ganz und gar nicht. Heute ist zu viel Betrieb, eine Touristengruppe verursacht eine Menge Stress. Als ihr der Junge wieder einfällt, ist er bereits weg. Er kommt sicher wieder, denkt sie sich, und ist schon in Gedanken zu Hause, bei ihrem Mann und dem Haushalt. Sie wird die letzten zwei Stunden von Ihrer Kollegin Edeltraud abgelöst und läuft die Stiegen hinauf zur U-Bahn.




2. KAPITEL


Der kl. Werner verbringt mit dem Regierungsrat den späten Nachmittag in einem Café. Er wird ernst und berichtet dem Regierungsrat, dass es nicht gut steht um seine Ehe. „Weißt du, Regierungsrat, meine Frau schlägt mich. Nicht nur, dass sie aggressiv redet, zum Abschluss gibt es noch immer eine drauf.“ Der kl. Werner erzählt dies mit einer fast weinerlichen Stimme. Der Regierungsrat hat selbst einige Partnerschaften, auch kritische, hinter sich gebracht, er lebt lieber allein, und wird nachdenklich. Er versucht, den kleinen Werner zu beruhigen, mit den Worten: „Vielleicht ist das nur eine Laune deiner Frau, hat sie Probleme bei der Arbeit?“ Werner verneint, bzw. er meint, sie erzählt nichts. Der alte Regierungsrat wird nachdenklich, sieht den kleinen Werner an und sagt: „Nimm sie einmal so ordentlich her, du weißt schon, was ich meine. Vielleicht fehlt ihr nur guter Sex.“ Werner sieht zum Boden und antwortet: „Auch da kann ich alle meine Künste hervorholen, nichts reicht bzw. ist gut genug. Ich bin schon manchmal verzweifelt, mag gar nicht nach der Arbeit nach Hause.“ Der Regierungsrat sieht ihn an und meint: „Vielleicht hat sie gar hormonelle Störungen.“ Sie reden weiter über Belangloses, und später trennen sich ihre Wege. Der kleine Werner fährt nach Hause, bringt sein Fahrrad in den Abstellplatz, und als er die Wohnungstür aufsperrt, empfängt er eine besondere Begrüßung seiner Frau. Dieses Mal gibt es keine Worte, nicht einmal eine Schimpferei. Sie schlägt einfach zu, bis Werner um Hilfe schreit, dass es von den Nachbarn gehört wird. Diese rufen in Sorge um ihn die Polizei. Es ist nicht das erste Mal, dass die Nachbarn die Streiterei, von den Nachbarn gehört wird, auch dass Werner weinerliche Antworten gibt, wurde schon mitbekommen. Aber als er um Hilfe schreit, wird es ernst in der Wohnhausanlage. Kurze Zeit später trifft die Polizei ein, welche ebenfalls von der wahnsinnig gewordenen Frau beschimpft wird. Die Frau von kl. Werner wird auf die Polizeiinspektion mitgenommen und erhält eine Wegweisung. Dem kleinen Werner ist es furchtbar unangenehm, er wird noch kleiner und verkriecht sich in seiner Wohnung. Eine nette Nachbarin stellt ihm wortlos einen Topf mit Suppe vor die Tür, läutet und verschwindet gleich wieder in ihrer Wohnung. Der kl. Werner nimmt den Topf Suppe und findet einen Zettel mit den Worten: Wir stehen hinter Dir, und wenn notwendig, gehen wir für Dich als Zeugen vor Gericht. Als Werner später die Suppe aufgewärmt hat und sich langsam einen Löffel nach dem anderen in den Mund schiebt, fängt er leise zu weinen an, die Tränen laufen ihm ungebremst die Wange hinunter. Er hätte es nie geglaubt, dass seine große Liebe so endet. Er spürt, es ist vorbei, bzw. die Scheidung wird die einzige Möglichkeit sein, um sich Ruhe zu verschaffen.

Nachdem der Regierungsrat zu Hause angekommen war, hatte er sich schnell etwas gekocht, und als er sich gerade auf das Sofa fallen lassen wollte, bekommt er vom kl. Werner eine kurze WhatsApp-Nachricht. Die wenigen Worte reichen aus, dass der Regierungsrat genau weiß, wie es um Werner und seine Ehe steht. Geschlagen wurde er von den Frauen nicht, aber er weiß aus persönlicher Erfahrung: Wenn so gestritten wird, gibt es meist nur die Trennung, die zur Ruhe führt. Der Regierungsrat geht im Wohnzimmer auf und ab. Auf dem Sofa sitzen verschiedene Stofftiere und Puppen, die ihn schon teilweise ein ganzes Leben begleiten. Manchmal stellt er sich vor diese hin und hält eine Ansprache, eine Rede, und er redet mit ihnen über Dinge, die ihn gerade bewegen. Heute unterhält er sich mit ihnen über die Frauen, die einem das Leben schwer machen, er schimpft regelrecht. Die Bären, Hasen und Elefanten aus Stoff hören ihm zu. Manchmal hat er den Eindruck, sie finden es lustig. Zum Schluss salutiert er vor ihnen, als wäre er der letzte Kaiser von Österreich.

Der Regierungsrat ist sonderbar, aber harmlos, er tut niemandem etwas. Auch weiß niemand über sein Verhalten, wenn er allein ist. Nur wenn er Besuch hat und die Stofftiere, seine Untertanen, berührt oder vielleicht auch verschoben werden, da wird er grantig, setzt auf einmal ein anderes Gesicht auf. Alles muss seine Ordnung haben. Er ist ein harmloser Verrückter. Abends sitzt er vor einer Schüssel Erdbeeren, von denen er viel zu viel eingekauft hat. Er selbst ist mittlerweile knapp über 70 und verehrt eine junge Verkäuferin bei einem Obststand. Diese ist höchstens 18 Jahre alt. Er fährt hin, kauft etwas und genießt die wenigen Minuten, die er mit ihr teilen kann. Mehr braucht er von den Frauen nicht mehr. Als er sich ins Bett legt, ist er mit den Gedanken bei seinem Freund, dem kl. Werner. Er weiß, was ihm bevorsteht, aber gleichzeitig weiß er auch, dass der kl. Werner trotz seiner Größe eine starke Persönlichkeit hat und er auch dieses Schicksal bewältigen wird. Während der Regierungsrat noch vor sich nachdenkt, wird er müde und schläft bald darauf ein. Er träumt von der 18-jährigen Verkäuferin. Es ist ein heldenhafter Traum, den er am nächsten Tag vergessen hat.

Am Stadtrand von Wien, in einer sehr guten Gegend, ist Arndt zu Hause. Er liegt im Dachgeschoss des Hauses, das er bewohnt, im Bett und fixiert seine Schuluniform der Privatschule. Er war heute nahe dran, die Schere, von seinem Schreibtisch zu nehmen und die Uniform in Stücke zu schneiden. Die Schikanen in der Schule haben heute ihren Höhepunkt erreicht. Als er die Toilette verlassen wollte, bzw. als er sich die Hände gewaschen hat, sind die drei Kollegen der Nachbarklasse hinter ihn gestanden. Der eine hat die Eingangstür bewacht, die zwei anderen haben sich an ihn herangemacht. Fazit, Sie haben ihm die Hose heruntergezogen und mit seinem Geschlechtsteil gespielt. Das Peinliche war, und für ihn eigentlich unverständlich, dass er eine Erregung bekommen hat. Zudem wurde alles gefilmt. Sein Glück war, dass eine Klasse früher Pause gemacht hat, und Richtung Toilette gelaufen ist, und seine drei Peiniger blitzschnell verschwunden sind. Er konnte gerade noch die Hose hinaufziehen, und als die Tür aufging, war er angezogen. Gleich muss er zum Abendessen hinunter und das abendliche Schauspiel über sich ergehen lassen. Seine Eltern sind beide Akademiker, karrieregeil, arbeiten rund um die Uhr und erwarten von ihm die gleiche Leistung im schulischen Bereich. Manchmal fragt er sich, wann die zwei überhaupt Zeit hatten, ihn zu zeugen. Beide sind steif im Reden, kaltherzig und präsentieren auch beim Abendessen ihre Leistung des Tages, die getane Arbeit. Er selbst ist bestens von ihnen durchorganisiert, hat eine Art Wochenplan zu absolvieren. Außer diesem langweiligen öden Abendessen, das eine Haushaltshilfe zubereitet hat, gibt es nichts Gemeinsames in der ganzen Woche. Maria, die Haushaltshilfe, ist eine warmherzige Frau. Sie ist auch der einzige Mensch, bei dem Arndt in diesem kalten Haus Wärme spürt. Als kleiner Junge hat er gerne auf ihrem Schoß gesessen und sich an ihren großen, warmen Busen gelehnt. In diesen Momenten hat er Wärme gespürt. Seine Mutter ist so spitz und kalt in ihrer Art, so wie sie immer spitze Schuhe trägt. Sein Vater läuft nur mit Krawatte herum und zeigt nie ein Lächeln. Er hat schon oft überlegt, ob er verschwinden soll. Einfach seine Sachen packen und weg. In dieser Privatschule findet er auch keine Freunde. In seiner alten Schule war er in der Klassengemeinschaft eingebunden, aber hier funktioniert es nicht. Warum haben ihn die Eltern auch auf diese Schule geschickt? Es geht nur um das Ansehen, um den Namen der Schule, darum in der gehobenen Gesellschaft angenommen zu werden.

Später liegt er in seinem Bett und überlegt auch kurz, sich das Leben zu nehmen. Er schiebt den Gedanken wieder beiseite und schläft sehr spät ein.




3. KAPITEL


Minna B. verschläft heute fast das Aufstehen, sie dürfte den Wecker überhört haben. Ihr Mann, ein frühpensionierter Polizist, gibt ihr einen Stubs und meint: „Minna, aufstehen, du verschläfst den Tag.“ Ihr Mann Edgar hat zwei Schlaganfälle hinter sich und geht dadurch etwas schlecht, bzw. die eine Seite seines Körpers ist etwas schief. Er hat immer sehr viel gearbeitet, viel in der Nacht, und konnte das Rauchen nicht lassen. Getrunken hat er nicht. Fazit: Er ist seit drei Jahren in Pension, und der schiefe Körper ist ihm bis jetzt, trotz Therapien, geblieben. Er kann im Haushalt Kleinigkeiten erledigen, wie Wäsche waschen oder einkaufen gehen, aber alles braucht seine Zeit. Trotz seiner Erkrankung ist er nie grantig, immer gut gelaunt. Eine Frohnatur.

Heute muss es etwas schneller gehen, es fehlt ihr fast eine Viertelstunde. Sie schafft es aber trotzdem, ihren gewohnten Bus zur U-Bahn zu erreichen. Bei der Haltestelle stehen so gut wie immer die gleichen Personen. Manchmal gibt es auch ein kleines Schwätzchen, man kennt sich hier in der Siedlung, die in den 1920-Jahren erbaut wurde. Es sind alte Reihenhäuser mit dazugehörigen Gärten. Hier ist eine Art Dorfidylle. Wie immer sieht sie die Beamtin, welche immer freundlich grüßt, und mit ihr kann Minna auch immer einige Worte wechseln. Über ihre Arbeit erzählt die Beamtin nie, aber manchmal trifft sie diese beim Nachhause fahren, wobei sie immer sehr erschöpft wirkt. Das Einzige, was sie von sich gibt: Die Menschen werden immer frecher im Verhalten und Schaffen an, mit dem Beamten am Telefon, als würden sie einen Computer bedienen. Die Person im Amt wird behandelt wie eine Künstliche Intelligenz. Sie glaubt dieser Frau, denn ihr Mann hat auch manchmal, wenn auch wenig, über die veränderten Menschen, ihre Psyche und ihr Verhalten gesprochen. Auch Minna fällt auf, dass sich die Menschen verändert haben, vor allem seit Corona ist eine Veränderung bemerkbar. Egal, welche Nationalität bei ihr im Untergrund ihr Bedürfnis erledigt, irgendwie haben sich alle verändert. Erst jetzt beginnt es wieder, dass die Menschen auch wieder ein Schwätzchen suchen. Manche kommen wieder wie vor Corona bewusst zu ihr auf einen Toilettengang und ein Gespräch dazu. Minna schiebt ihre Gedanken beiseite, läuft über den Stephansplatz, einen kurzen Stopp in einer Bäckerei für ein Frühstück, und schon geht es die Stiegen hinab zu ihrem Arbeitsplatz. Die gewohnten Handgriffe, und pünktlich wie immer, wird die Toilettenanlage aufgesperrt.

Heute ist es etwas ruhiger, und plötzlich, als Minna in der Zeitung blättert, sieht sie den Schatten von dem Jungen mit der Schuluniform. Er nickt kurz und huscht in eine Toilettenkabine. Minna schaut auf die Uhr, es ist halb 10. Eigentlich müsste der Junge in der Schule sein, oder hat er heute gar später Unterricht?
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5 Sterne
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Wie schlimm Mobbing ist, welche Dimension es annehmen und wie schnell es eskalieren kann, wird auf spannende Art und Weise in Bea's neuem Buch, kurz und knackig auf den Punkt gebracht. Sehr empfehlenswert!

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Sehr spannend und man fühlt mit dem Jungen mit. Man zieht die Lehre daraus dass auch selbst ein bisschen beigetragen werden muss für ein erfülltes Leben.

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Irmgard Roller

Das Schicksal der beiden geht einem nahe obwohl man erst am Anfang des Buches ist und man gerne sofort weiter lesen möchte .

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