Das Zauberholz
Die Magie des Tanuki
EUR 20,90
Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 46
ISBN: 978-3-7116-0856-7
Erscheinungsdatum: 28.08.2025
Eine kleine geschnitzte japanische Figur, der Tanuki, begleitet die Familie Bernhard seit Generationen. 1866 bei Julius fängt die bewegte Familiengeschichte an, wird weitergeführt von seinem Sohn, Kommerzialrat Hans, und vollendet von seinem Enkel Peter.
Ich bin der Tanuki
Ich bin der Tanuki, der Wächter aus Zauberholz. Man nennt mich einen Talisman, doch das bezeichnet nur einen Schatten meiner wahren Kraft. Meine Wurzeln reichen tief in eine längst vergangene Welt. Mich umgeben das Wissen und die Stärke eines uralten, längst erloschenen Baumes – ein Ebenholz, schwarz wie die Nacht und hart wie Stein. Vor Hunderten von Jahren schnitzte mich ein Meister aus Japan, dessen Hände so fein und präzise waren, dass jedes Detail bis zum kleinsten Sägespan vollendet ist. Ein Netsuke von vollkommener Gestalt – der Tanuki, der die Jäger überlistet.
Eine unendliche Reise
Meine Reise führte mich von Japan über viele Hände und Herzen nach Frankreich, eine Brücke zwischen Welten. In Paris fand ich Beachtung. Später brachte man mich nach Wien, wo ich als Hochzeitsgeschenk an eine große Bankiersfamilie gereicht wurde. Dort, im prunkvollen Palais, bewahrte ich meine Magie wie einen Schatz, hielt sie im stillen Schlafzimmer der Dame des Hauses verborgen. Erst als man mich dem jungen Hans anvertraute, konnte mein Zauber erneut aufleben. Von Hans, der von jenem Mann, Viktor von Ephrussi, tief geschätzt wurde, wurde ich ständiger Begleiter und Hüter seines Glücks.
Ein treuer Hüter
Über Jahre der Wirren des Krieges und des Verlustes blieb ich bei Hans, meinen kleinen Körper stets nahe an seinem Herzen. Mein Zauber war unerschütterlich wie ein schwarzes, stilles Kraftfeld um uns. Die Jahre vergingen, und ich sah ihn geehrt und geschätzt, war von Stolz erfüllt, als er vom österreichischen Bundespräsidenten Adolf Schärf mit dem Titel KOMMERZIALRAT ausgezeichnet wurde.
Doch dann kam die Zeit, in der auch er mich zurückließ. Ein kaltes Bankschließfach hielt mich gefangen, fern von Hans, und Dunkelheit umfing mich.
Doch dann, wie durch ein Wunder, wurden die Türen erneut geöffnet. Peter und Doris, seine Erben, nahmen mich zu sich, befreiten mich aus der Einsamkeit und brachten mich wieder ans Licht.
Die Rückkehr
Meine Magie lebte auf wie nie zuvor. Wir reisten gemeinsam. Ich entdeckte neue Welten an ihrer Seite und schützte sie auf unseren Wegen. Dann, nach all den Jahren, kam der große Tag: das Wiedersehen mit meiner Geschichte. Im Jüdischen Museum in Wien fand ich meine alten Kameraden wieder – die anderen Netsukes, die mir einst zur Seite standen. Und ich war ergriffen von den bewundernden Augen all derer, die durch die Geschichten von Edmund de Waal auf uns aufmerksam geworden waren.
Dem Wirken und Leben unseres Vaters verdanken wir, in der Aura und Gunst des Tanukis zu stehen. Um ihn zu ehren, widme ich ihm die Geschichte „Der Kommerzialrat“. Der Titel, der heute seinen Grabstein in Bad Ischl ziert, war für ihn wichtig. Denn ohne Titel bist du in Österreich unbedeutend. Sei ein Doktor, ein Ministerialrat oder gar ein Hofrat. Immerhin, so ist es auf dem Kultfriedhof mit dem virtuellen Friedhofsführer.
„Der letzte Vertraute“
Hans Bernhard betrat 1923 das Büro des Bankhauses Ephrussi in Wien als ein junger Mann mit klarem Verstand und dem Wunsch, in die Kunst des Bankier-Daseins einzutauchen. Viktor von Ephrussi erkannte sofort das Talent des Neuankömmlings und stellte ihn unter seine persönlichen Fittiche. Zwischen den beiden entwickelte sich mehr als nur eine berufliche Verbindung, sie pflegten eine fast väterliche Freundschaft, die die Geschicke ihres Lebens für immer prägen sollte.
Viktor war nicht nur ein erfahrener Bankier, sondern auch ein Knotenpunkt in einem fein gesponnenen Netzwerk aus Finanzdynastien und Geschäftsbeziehungen, das sich von Wien über London bis Paris erstreckte. Namen wie Schimmel in London, Worm in Paris und natürlich die einflussreichen Bankiers Bär und Rothschild waren Teil dieser Welt – eine Welt, zu der auch Hans bald gehören sollte.
Mit Viktor lernte Hans die Feinheiten der internationalen Finanzwelt kennen. Er wurde in die Geheimnisse des Private Bankings eingeführt und lernte die hohe Bedeutung von Diskretion und Vertrauen. Doch mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges änderte sich alles. Die Geschäfte wurden schwieriger, und viele der einst strahlenden Bankhäuser gerieten in Gefahr. Viktor selbst verlor sein gesamtes Vermögen, und seine Familie zerstreute sich in alle Winde. Doch Hans hielt ihm die Treue und blieb als einer der letzten Mitarbeiter an seiner Seite.
Nach dem Krieg nahm Hans gleich wieder seine Aufgabe wahr und ließ die Verbindungen zu Viktors Netzwerk nicht mehr abbrechen. Bis zu seinem Tod 1973 pflegte er dieses unsichtbare Band, das ihn mit den größten Finanzdynastien Europas verband. Er bewahrte die Erinnerungen an diese Welt, die nach dem Krieg zerbrochen war, und hielt die Geschichten und Geheimnisse in Ehren, die Viktor ihm anvertraut hatte.
Hans Bernhard, der KOMMERZIALRAT, liegt heute auf dem Kultfriedhof in Bad Ischl begraben. Sein Grab: ein Naturdenkmal, das die Ruhe und Würde seines Lebenswerks widerspiegelt. Die Menschen im Ort wissen, dass dort nicht irgendein Mann ruht, sondern ein enger Vertrauter eines der letzten großen Bankiers Europas. Ein Mann, dessen Leben die Geschichte der Ephrussis, der europäischen Finanzwelt und der Stärke persönlicher Loyalität verkörpert.
Diese Geschichte fängt die tiefe Verbindung zwischen Hans Bernhard und Viktor von Ephrussi sowie Hans’ Rolle im Banken-Netzwerk jener Zeit ein. Es ist ein stilles Vermächtnis, das in Bad Ischl weiterlebt – ein Zeugnis für die Kraft von Treue und Freundschaft in einer Welt, die von Umbrüchen geprägt war.
Die Familiengeschichte beginnt 1866 – das Geburtsjahr meiner Großeltern. Auf verblasstem Schwarz-Weiß-Foto lebt heute niemand mehr von ihnen. Wen interessiert schon das Leben und Schicksal der einzelnen Mitglieder der Familie? Jeder hier auf dem Bild – meine Großmutter, mein Großvater, meine Onkel und Tanten – hatte in seinem Leben eine Stunde NULL. Sogar mehrmals!
Bei meinem Vater HANS BERNHARD habe ich am ehesten eine Ahnung, was eine Stunde NULL im Leben sein kann. Ihm widme ich diese Zeilen.
Meine Frau Doris und ich erleben jetzt im März 2020 unser Jahr und unsere Stunde NULL.
Der CORONAVIRUS hat die ganze Welt aus den Angeln gehoben. Von einem Tag auf den anderen ist nichts mehr, wie es war. Ist diese Krise vorüber, wird die Welt eine andere sein. Zwar wird sie sich weiterdrehen – aber anders eben. Anders heißt nicht unbedingt schlechter.
Selbst haben wir uns eine relativ strenge Isolation auferlegt. Jetzt finden wir die Zeit, Urkunden, Dokumente, Bilder und Aufzeichnungen zu sichten, zu archivieren und einiges aufzuschreiben.
DIE AUSSTELLUNG IM JÜDISCHEN MUSEUM in WIEN
„DIE EPHRUSSIS – EINE ZEITREISE“ und das Buch „DER HASE MIT DEN BERNSTEINAUGEN“ zum Beispiel stehen in tiefer Verbindung mit dem Leben meines Vaters, DEM KOMMERZIALRAT HANS BERNHARD.
Peter E. & Doris M. Bernhard
Im März 2020 (der Stunde NULL)
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Ich bin der Tanuki, der Wächter aus Zauberholz. Man nennt mich einen Talisman, doch das bezeichnet nur einen Schatten meiner wahren Kraft. Meine Wurzeln reichen tief in eine längst vergangene Welt. Mich umgeben das Wissen und die Stärke eines uralten, längst erloschenen Baumes – ein Ebenholz, schwarz wie die Nacht und hart wie Stein. Vor Hunderten von Jahren schnitzte mich ein Meister aus Japan, dessen Hände so fein und präzise waren, dass jedes Detail bis zum kleinsten Sägespan vollendet ist. Ein Netsuke von vollkommener Gestalt – der Tanuki, der die Jäger überlistet.
Eine unendliche Reise
Meine Reise führte mich von Japan über viele Hände und Herzen nach Frankreich, eine Brücke zwischen Welten. In Paris fand ich Beachtung. Später brachte man mich nach Wien, wo ich als Hochzeitsgeschenk an eine große Bankiersfamilie gereicht wurde. Dort, im prunkvollen Palais, bewahrte ich meine Magie wie einen Schatz, hielt sie im stillen Schlafzimmer der Dame des Hauses verborgen. Erst als man mich dem jungen Hans anvertraute, konnte mein Zauber erneut aufleben. Von Hans, der von jenem Mann, Viktor von Ephrussi, tief geschätzt wurde, wurde ich ständiger Begleiter und Hüter seines Glücks.
Ein treuer Hüter
Über Jahre der Wirren des Krieges und des Verlustes blieb ich bei Hans, meinen kleinen Körper stets nahe an seinem Herzen. Mein Zauber war unerschütterlich wie ein schwarzes, stilles Kraftfeld um uns. Die Jahre vergingen, und ich sah ihn geehrt und geschätzt, war von Stolz erfüllt, als er vom österreichischen Bundespräsidenten Adolf Schärf mit dem Titel KOMMERZIALRAT ausgezeichnet wurde.
Doch dann kam die Zeit, in der auch er mich zurückließ. Ein kaltes Bankschließfach hielt mich gefangen, fern von Hans, und Dunkelheit umfing mich.
Doch dann, wie durch ein Wunder, wurden die Türen erneut geöffnet. Peter und Doris, seine Erben, nahmen mich zu sich, befreiten mich aus der Einsamkeit und brachten mich wieder ans Licht.
Die Rückkehr
Meine Magie lebte auf wie nie zuvor. Wir reisten gemeinsam. Ich entdeckte neue Welten an ihrer Seite und schützte sie auf unseren Wegen. Dann, nach all den Jahren, kam der große Tag: das Wiedersehen mit meiner Geschichte. Im Jüdischen Museum in Wien fand ich meine alten Kameraden wieder – die anderen Netsukes, die mir einst zur Seite standen. Und ich war ergriffen von den bewundernden Augen all derer, die durch die Geschichten von Edmund de Waal auf uns aufmerksam geworden waren.
Dem Wirken und Leben unseres Vaters verdanken wir, in der Aura und Gunst des Tanukis zu stehen. Um ihn zu ehren, widme ich ihm die Geschichte „Der Kommerzialrat“. Der Titel, der heute seinen Grabstein in Bad Ischl ziert, war für ihn wichtig. Denn ohne Titel bist du in Österreich unbedeutend. Sei ein Doktor, ein Ministerialrat oder gar ein Hofrat. Immerhin, so ist es auf dem Kultfriedhof mit dem virtuellen Friedhofsführer.
„Der letzte Vertraute“
Hans Bernhard betrat 1923 das Büro des Bankhauses Ephrussi in Wien als ein junger Mann mit klarem Verstand und dem Wunsch, in die Kunst des Bankier-Daseins einzutauchen. Viktor von Ephrussi erkannte sofort das Talent des Neuankömmlings und stellte ihn unter seine persönlichen Fittiche. Zwischen den beiden entwickelte sich mehr als nur eine berufliche Verbindung, sie pflegten eine fast väterliche Freundschaft, die die Geschicke ihres Lebens für immer prägen sollte.
Viktor war nicht nur ein erfahrener Bankier, sondern auch ein Knotenpunkt in einem fein gesponnenen Netzwerk aus Finanzdynastien und Geschäftsbeziehungen, das sich von Wien über London bis Paris erstreckte. Namen wie Schimmel in London, Worm in Paris und natürlich die einflussreichen Bankiers Bär und Rothschild waren Teil dieser Welt – eine Welt, zu der auch Hans bald gehören sollte.
Mit Viktor lernte Hans die Feinheiten der internationalen Finanzwelt kennen. Er wurde in die Geheimnisse des Private Bankings eingeführt und lernte die hohe Bedeutung von Diskretion und Vertrauen. Doch mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges änderte sich alles. Die Geschäfte wurden schwieriger, und viele der einst strahlenden Bankhäuser gerieten in Gefahr. Viktor selbst verlor sein gesamtes Vermögen, und seine Familie zerstreute sich in alle Winde. Doch Hans hielt ihm die Treue und blieb als einer der letzten Mitarbeiter an seiner Seite.
Nach dem Krieg nahm Hans gleich wieder seine Aufgabe wahr und ließ die Verbindungen zu Viktors Netzwerk nicht mehr abbrechen. Bis zu seinem Tod 1973 pflegte er dieses unsichtbare Band, das ihn mit den größten Finanzdynastien Europas verband. Er bewahrte die Erinnerungen an diese Welt, die nach dem Krieg zerbrochen war, und hielt die Geschichten und Geheimnisse in Ehren, die Viktor ihm anvertraut hatte.
Hans Bernhard, der KOMMERZIALRAT, liegt heute auf dem Kultfriedhof in Bad Ischl begraben. Sein Grab: ein Naturdenkmal, das die Ruhe und Würde seines Lebenswerks widerspiegelt. Die Menschen im Ort wissen, dass dort nicht irgendein Mann ruht, sondern ein enger Vertrauter eines der letzten großen Bankiers Europas. Ein Mann, dessen Leben die Geschichte der Ephrussis, der europäischen Finanzwelt und der Stärke persönlicher Loyalität verkörpert.
Diese Geschichte fängt die tiefe Verbindung zwischen Hans Bernhard und Viktor von Ephrussi sowie Hans’ Rolle im Banken-Netzwerk jener Zeit ein. Es ist ein stilles Vermächtnis, das in Bad Ischl weiterlebt – ein Zeugnis für die Kraft von Treue und Freundschaft in einer Welt, die von Umbrüchen geprägt war.
Die Familiengeschichte beginnt 1866 – das Geburtsjahr meiner Großeltern. Auf verblasstem Schwarz-Weiß-Foto lebt heute niemand mehr von ihnen. Wen interessiert schon das Leben und Schicksal der einzelnen Mitglieder der Familie? Jeder hier auf dem Bild – meine Großmutter, mein Großvater, meine Onkel und Tanten – hatte in seinem Leben eine Stunde NULL. Sogar mehrmals!
Bei meinem Vater HANS BERNHARD habe ich am ehesten eine Ahnung, was eine Stunde NULL im Leben sein kann. Ihm widme ich diese Zeilen.
Meine Frau Doris und ich erleben jetzt im März 2020 unser Jahr und unsere Stunde NULL.
Der CORONAVIRUS hat die ganze Welt aus den Angeln gehoben. Von einem Tag auf den anderen ist nichts mehr, wie es war. Ist diese Krise vorüber, wird die Welt eine andere sein. Zwar wird sie sich weiterdrehen – aber anders eben. Anders heißt nicht unbedingt schlechter.
Selbst haben wir uns eine relativ strenge Isolation auferlegt. Jetzt finden wir die Zeit, Urkunden, Dokumente, Bilder und Aufzeichnungen zu sichten, zu archivieren und einiges aufzuschreiben.
DIE AUSSTELLUNG IM JÜDISCHEN MUSEUM in WIEN
„DIE EPHRUSSIS – EINE ZEITREISE“ und das Buch „DER HASE MIT DEN BERNSTEINAUGEN“ zum Beispiel stehen in tiefer Verbindung mit dem Leben meines Vaters, DEM KOMMERZIALRAT HANS BERNHARD.
Peter E. & Doris M. Bernhard
Im März 2020 (der Stunde NULL)
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