Cover: Unbeflecktes Weiß oder doch sündhaftes Rot?

Unbeflecktes Weiß oder doch sündhaftes Rot?
Teil 3 – Am Ende jedoch, wartet womöglich der Tod


EUR 25,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 448
ISBN: 978-3-7116-1436-0
Erscheinungsdatum: 03.06.2026
Ein einziger Moment entscheidet alles. Eifersucht und folgenschwere, lebensbedrohliche Entscheidungen treiben Yve und Jean an ihre Grenzen und drohen ihre Welt zu zerstören. Plötzlich steht ihr Leben still. Ist das wirklich das Ende – oder erst der Anfang?
Kapitel 1
Die Eröffnung des SeP


Am nächsten Morgen um sechs Uhr früh, als Stefanie aufwachte, war sie zuerst verwundert, warum sie in unserem Schlafzimmer neben Jean und mir lag, als sie sich augenblicklich daran erinnerte. Überglücklich grinsend, gab sie Jean und mir einen zarten Kuss auf den Mund und schlich sich daraufhin aus dem Schlafzimmer, um das Frühstück vorzubereiten. Kurz nach sieben betraten wir, noch ziemlich verschlafen, ebenfalls das Esszimmer. Stefanie strahlte natürlich, wie könnte es auch anders sein, abermals pure Lebensfreude aus. Bildhübsch, wie sie nun mal war, tänzelte sie in ihrem Haushälterinnen-Kleidchen von einem Eck ins andere und summte dabei die Abba-Melodie „Gimme! Gimme! Gimme“, leise vor sich hin. „Ich hasse sie“, murmelte ich unausgeschlafen, spaßeshalber, worauf sie lachte. „Einen wunderschönen guten Morgen, Honey“, sagte sie zu mir und gab mir dabei einen zärtlichen Kuss auf den Mund.
„Was soll an diesem Morgen wunderschön sein außer dir, so müde, wie ich noch bin?“ Danach wandte sie sich an Jean. „Auch dir einen wunderschönen guten Morgen, liebster Jean“, sagte sie und gab ihm ebenfalls einen zärtlichen Kuss auf den Mund.
„Hola chica. Na, jetzt aber“, bemerkte er hocherfreut.
„Ups! Ist es dir unangenehm, von mir mit einem Kuss begrüßt zu werden?“
„Nein. Gar nicht. Im Gegenteil. Ich finde es außerordentlich herzerwärmend. Aber geht natürlich nur, wenn wir unter uns sind.“
„Natürlich. Kein Thema.“
„Ähm … mich stört es auch nicht, wenn du meinen Mann derart liebevoll begrüßt“, motzte ich ein wenig.
„Ohhh … sorry, Honey. Wenn es dich kränkt, unterlasse ich es selbstverständlich“, stellte sie umgehend klar und verpasste mir neuerlich ein Küsschen.
„Nein. Ist schon okay. Ich sagte doch, es stört mich nicht“, flüsterte ich. Nachdem wir Stefanies vorzügliches Frühstück genossen und uns danach frisch gemacht hatten, fuhr Jean ins Büro. Ich hatte an diesem Tag meine ersten Kurse im Vitalclub und Stefanie ging die Arbeit bei uns zuhause ohnedies nie aus. Die nächsten Tage und Wochen waren durch die letzten Vorbereitungen unserer Firmenneugründung, die für die zweite Jännerwoche geplant war, außerordentlich arbeitsreich, wenngleich wir gut in der Zeit lagen. Nach positiver Rücksprache mit Jean verbrachte Mark zwei bis drei Tage während der Woche bei uns und schlief bei Stefanie im Zimmer. Es war vorübergehend zwar nur als Versuch geplant, der jedoch äußerst erfreulich ausfiel. Somit hatten wir bis auf Weiteres eine Wohngemeinschaft zu viert. Wir harmonierten unglaublich miteinander, wenngleich es bislang auch noch zu keinem gemeinsamen Gangbang kam. Aufgrund der momentanen vielen Arbeit blieb kaum noch Zeit für verspielte, erotische Gedanken. Aber keiner von uns war deshalb oder aufgrund anderer Angelegenheiten auf den anderen gereizt. Wir respektierten uns gegenseitig und kommunizierten respektvoll miteinander. So manche Wohngemeinschaft würde wahrscheinlich grün werden vor Neid, wenn sie erleben könnte, wie harmonisch und liebevoll es zwischen uns ablief. Die Libido zwischen Jean und mir war vorübergehend vergleichbar mit der eines langverheirateten Ehepaares, aufgrund der vielen Erledigungen, die wir noch auszuführen hatten. Somit lebten wir zurzeit die Art von Beziehung, die wir stetsfort vermeiden wollten und die von Alltag und Routine bestimmt wurde. Der reinste Horror. Selbst der Sex mit Stefanie hatte sich momentan ziemlich reduziert, da wir an den meisten Abenden wie gerädert todmüde ins Bett fielen und einfach nur froh waren, schlafen zu können. Verdammt! Hoffentlich bleibt es nicht auf Dauer so. Weil wenn es fortwährend dermaßen arbeitsintensiv und zeitaufwendig ist, habe ich mich definitiv falsch entschieden. Für meinen Bereich hatte ich vorgesehen, sechs Vital-Coaches und zwei Yoga-Lehrerinnen einzustellen, was nicht so einfach war, wie mir alsbald bewusstwurde, da ich wirklich gut ausgebildete, enthusiastische Leute haben wollte, die zu meinem jungen Team passten. Leider jedoch gab es auf dem Gebiet so einige, die keinesfalls in die nähere Auswahl kamen. Eine Garantie hat man natürlich nie, aber mit Hausverstand, Menschenkenntnis, gezielten Fragen sowie einer Vorführung einer Trainingsstunde, lässt sich jedoch im Vorfeld relativ gut selektieren – selbst wenn dies sehr zeitintensiv ist. Das SeP sollte sich mit seinen qualitativ hochwertigen Angeboten querbeet von den Mitbewerbern abheben, was in unserer Marketingstrategie auch vermittelt wurde, ohne dabei überheblich rüberzukommen. Danach ist es jedoch außerordentlich wichtig, die hohen Erwartungen, die wir geweckt haben, auch zu erfüllen. Wenn wir diesen Gedanken verwirklichen können und sich unsere Gäste, Kunden und Vereinsmitglieder rundum wohlfühlen, dann haben wir keine Kunden, sondern Fans, die uns massenweise weiterempfehlen werden. Selbst eine eigene modische Fashion-Ware haben wir bereits kreiert, mit unserem Firmenlogo darauf. Ein großes grünes S, ein kleines gelbes e und ein großes blaues P. Amanda war ebenfalls nur noch ein einziges Nervenbündel, da sie natürlich auch noch sehr viel zu erledigen hatte und überdies Personal einstellen musste.
Weihnachten feierten wir allesamt bei uns zuhause. Zu unseren Gästen zählten: meine geliebten Eltern, meine geliebte Schwester Pia mit ihrem Lebensgefährten Tom, Jeans Bruder Bernard mit seiner Frau Maria und ihren Kindern Bernhard und Bianca und, wer mir diesmal auch besonders wichtig war, Jeans Schutzengelchen Shira. Ich wollte sie unbedingt auch einladen, da ich sie mittlerweile sehr liebgewonnen hatte. Überdies hätte sie ansonsten den Heiligen Abend allein verbracht und diesen Gedanken fand ich einfach unerträglich. Natürlich war Jean sofort damit einverstanden. Selbstverständlich waren auch Stefanie und Mark anwesend, wenngleich nur für zwei Stunden, da sie auch noch ihre Eltern besuchen wollten. Ziemlich stressig für die zwei, der vierundzwanzigste Dezember. Überdies hatte Stefanie ihren dreiundzwanzigsten Geburtstag. Kurzum, diese Weihnachten hatten wir volles Haus, was mich jedoch sehr glücklich machte. So viele Menschen um sich zu haben, die mir derart nahestehen, finde ich, ist ein Privileg und gewiss keine Selbstverständlichkeit. Bevor Mark und Stefanie losfuhren, spielte Jean auf seiner Blues-Harp dezent im Hintergrund „Stille Nacht, Heilige Nacht“, während ihn Stefanie auf der Gitarre begleitete und mit ihrer engelsgleichen Stimme den Text sang. Als ich die beiden beobachtete und dem wunderschönen Weihnachtslied lauschte, liefen mir Tränen über die Wangen. Umgehend kam meine Mama zu mir und umarmte mich einfühlsam. Mit mehreren Geschenken in Taschen eingepackt verabschiedeten sich Stefanie und Mark von allen. Jean und ich brachten sie zur Tür, während die übrigen Gäste im Wohnraum blieben. Ungeniert vor Mark nahm ich Stefanies Gesicht sanft zwischen meine Hände und küsste sie zärtlich auf den Mund. „Ich liebe dich, Stefanie“, flüsterte ich. Danach machte ich das Gleiche mit Mark. „Und dich liebe ich auch, Mark. Passt bitte auf beim Fahren, und schöne Grüße an alle.“ Stefanie wiederum küsste Jean und bekundete ihm ebenfalls ihre große Zuneigung. Mark und Jean umarmten sich brüderlich. So viele Herzensmenschen geküsst und umarmt hatte ich schon lange nicht mehr. Sogar Shira musste es über sich ergehen lassen, wenngleich sie zu Tränen gerührt war. Als sie sich von uns verabschiedete, ebenfalls mit Geschenken in ihren Händen, bedankte sie sich mehrere Male bei uns für die Einladung, während ihr endgültig Tränen über die Wangen kullerten. „Ciao, ihr beiden. Frohe Weihnachten. Ich liebe euch.“
„Ciao, Shira. Frohe Weihnachten. Wir lieben dich auch“, sagten Jean und ich gleichzeitig. Kurz vor Mitternacht waren schließlich alle Gäste gegangen. „Alles in Ordnung, mein süßer Engel?“
„Es war wunderschön, aber auch außerordentlich herzergreifend. So viele Glückstränen wie heute habe ich lange nicht mehr vergossen.“ Hingebungsvoll nahm mich Jean in seine Arme. „Jean?“
„Ja, mein Schatz?“
„Ich glaube ich fragte dich diesbezüglich schon einmal.“
„Was meinst du?“
„Ob Shira auf Mark steht?“
„Hm … ich weiß nicht. Denkst du? Hat sie dir gegenüber etwa Bemerkungen in dieser Richtung gemacht?“
„Nein, gar nicht. Aber Frauen spüren so etwas. Manchmal hat sie ihn regelrecht angehimmelt, fiel mir auf.“ Kurz überlegte er. „Okay. Tja … damit muss sie wohl selbst klarkommen.“
„Und Mark?“
„Was ist mit ihm?“
„Denkst du, empfindet er auch etwas für sie?“
„Nun ja. Bestimmt hat er sie sehr gerne, so wie wir eben auch. Aber darüber hinaus fiel mir bislang nichts auf, wenn du das meinst. Außerdem ist er schwer verliebt in Stefanie.“
„Ja, eben darum. So sehr ich Shira mag, so unrecht wäre es mir jedoch, wenn sie sich an Mark ranmachen würde.“
„Ich denke, diese Angst ist unbegründet. Shira respektiert die Beziehung zwischen den beiden und Mark hat es mir überdies versprochen, Stefanie niemals zu verletzen.“
„Sonst hättest du ihm wohl dein süßes, kleines Engelchen niemals anvertraut“, stichelte ich ein bisschen.
„Drollig. Du bist mein süßes, kleines Engelchen. Aber auch dich werde ich in absehbarer Zeit Mark gelegentlich anvertrauen“, antwortete er mir und grinste dabei verdorben.
Den Jahreswechsel feierten wir ebenfalls bei uns, mit annähernd den gleichen Gästen, weil wir von unserer Terrasse aus einen perfekten Blick auf die Altstadt hatten und somit um Mitternacht allesamt das Feuerwerk völlig barrierefrei bewundern konnten. Das geheizte Jacuzzi auf der Terrasse war ebenfalls aufgeschaltet, was einige unserer Gäste besonders genossen, zumal die Nacht nicht sonderlich kalt war. Ich glaube, wir hatten sogar ein paar Plus-Grade. Als um Mitternacht rundherum die Feuerwerke abgefeuert wurden, saßen Mark, Stefanie, Shira, Amanda und ich im heißen Wasser des Jacuzzis mit einem Glas Prosecco in der Hand. Diesmal aber mit Badebekleidung, um nicht den Eindruck zu vermitteln, nach Mitternacht eine versaute Swinger-Party veranstalten zu wollen. Schließlich wussten die meisten unserer Gäste von unserem frivolen Hobby nichts und das sollte auch so bleiben. Amanda und Stefanie beobachteten sich zwar des Öfteren aus den Augenwinkeln, jedoch respektierten sie meinen Wunsch, einander zu tolerieren, wenngleich es die große Liebe zwischen den beiden gewiss nie werden würde. Aber zumindest blieben mir zum Glück stutenbissige Bemerkungen erspart. Als Stefanie aus dem Jacuzzi stieg und umgehend zu frösteln begann, hüllte sie Jean liebevoll in ein Badetuch, da sich Mark gegenwärtig auf der Toilette befand. Zitternd vor Kälte und die Arme fest vor ihren Körper gepresst himmelte sie Jean für einen kurzen Moment an. Amanda war dies natürlich nicht entgangen und sie starrte mich daraufhin mit einem fragenden Blick an, worauf ich dezent grinste und lapidar mit den Schultern zuckte. Darauf wirst du mich zweifellos noch einmal ansprechen, wie ich dich kenne. Unsere Silvesterparty endete um vier Uhr früh, als auch der letzte Gast gegangen war. Obgleich „Vier Alle“ ebenfalls bereits sehr müde waren, halfen wir zusammen, das Geschirr und die Gläser in den Geschirrspüler zu räumen, den Rest, der darin nicht mehr Platz hatte, abzuwaschen, sowie die Wohnung abermals ordentlich sauber zu machen. Bei so vielen helfenden Händen war dies jedoch rasch erledigt. Das Aufräumen nach so großen Feiern überließen wir noch nie Stefanie allein. „So, ihr Lieben, und morgen beziehungsweise heute wird ausgeschlafen“, teilte uns Jean mit. Erleichtert, die Arbeit erledigt zu haben, gaben Stefanie und ich unseren Männern jeweils noch einen zärtlichen Gutenachtkuss, bevor wir uns in unsere Zimmer zurückzogen.
Mitte Jänner hatten wir die Eröffnung unseres Hauses. Es war ein gigantischer Erfolg und es wuselten sich Unmengen von Besuchern durch das riesige Gebäude-Areal. Amanda mit all ihren Angestellten, meine Vital-Coaches und ich selbst natürlich sowie alle anderen, die in dem Haus ihren neuen Arbeitsplatz gefunden haben, hatten alle Hände voll zu tun. Die Besucher waren regelrecht begeistert und trugen sich scharenweise als Mitglieder ein. Wir mussten sogar darauf achten, nicht zu viele Kunden aufzunehmen, da wir ansonsten die versprochene Qualität und unseren Service nicht mehr gewährleisten könnten. Jedenfalls hätten wir uns einen besseren Start nicht vorstellen können. Die nächsten Tage, Wochen und Monate arbeiteten wir zwar nach wie vor sehr viel, aber es beruhigte sich doch spürbar, da wir nun eben ein Team waren und sich die Arbeit dadurch erheblich aufteilte. Als ich eines Tages wieder einmal eine Gruppe von zehn Leuten, die sich für den Kurs Core-Power eingetragen hatten, trainierte, stockte mir plötzlich der Atem. Ich glaubte, meinen Augen nicht zu trauen, und sah mich nervös um, ob Jean zufällig ebenfalls anwesend war, was gar nicht gut gewesen wäre. Unter den Kursteilnehmern befand sich nämlich in der letzten Reihe niemand Geringerer als Ethan. Als ich ihn sah und er mich angrinste, fixierte ich ihn mit eiskaltem Blick und warf ihm regelrecht Blitze zu. Ich war richtiggehend verärgert auf ihn, wollte es mir vor meinen Kursteilnehmerinnen jedoch nicht anmerken lassen. Die außer ihm ausschließlich weiblichen Anwesenden drehten sich, natürlich nur rein zufällig, unentwegt nach ihm um oder beobachteten diesen überaus schönen Mann, der er leider tatsächlich auch war, vermeintlich unauffällig durch die Spiegelwand hinter mir. Einige von ihnen schmachteten ihn regelrecht an und sahen sich in ihren Gedanken vermutlich bereits in seinen Armen. Tja, meine lieben Damen. Wenn ihr wüsstet, was ich mit diesem Beau bereits alles getrieben habe. Nichtsdestotrotz, so schön er auch sein mag, gefährdet er mit seinem Erscheinen hier mein überaus glückliches Leben. Und zwar erheblich. Dieser verdammte Mistkerl. Na warte. Dir werde ich nachher etwas erzählen. Als die Stunde vorüber war und die Kursteilnehmerinnen den Raum verließen, indem sie sich abermals ihre Hälse nach Ethan verrenkten und dabei bewundernde Bemerkungen murmelten, ließ er sich logischerweise sehr viel Zeit mit dem Hinausgehen. Eine zirka vierzigjährige Milf mit viel Holz vor der Hütte streifte sogar beim Vorbeigehen augenscheinlich absichtlich schamlos mit ihren Brüsten an seinen Arm, sah ihm dabei tief in die Augen und hauchte ihm ein zuckersüßes „Hi“ entgegen, worauf er grinste. Der Halunke wusste genau, wie er auf Damen wirkte. Dieses Miststück! Verdammtes Flittchen. Die Konkurrenz schläft nie. Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Kanaillen sich fortwährend auch meinem Jean anbiedern. Was mich jedoch ebenso erheblich störte, war eine gewisse Eifersucht, die ich verspürte, obgleich es mir eigentlich völlig egal sein könnte, wann Ethan was mit wem wie und wo macht, da ich definitiv nicht beabsichtigte, mit ihm jemals wieder Sex zu haben. Es war wunderschön. Aber es war vorüber. Er hatte einfach keinen Platz mehr in meinem Leben. „Vier Alle“ sind vollauf glücklich und werden in absehbarer Zeit auch gemeinsame erotische Abenteuer erleben. Es hat zwar keiner je ausgesprochen, aber ich denke, niemand von uns beabsichtigt darüber hinaus Sex mit außenstehenden Personen zu haben, da wir allesamt vollständig gesund sind, wodurch wir unbeschwert ungeschützten Sex betreiben können. Keinesfalls möchte ich dieses wunderbare Bündnis mit irgendeinem dummen, unüberlegten, triebgesteuerten Sexabenteuer zerstören. Als ich allein in der kleinen Sporthalle war, um meine eigene Matte und die Trainingsutensilien zusammenzuräumen und nach hinten in einen kleinen dafür vorgesehenen Raum zu schlichten, ging plötzlich die Tür auf und Ethan kam herein. Nachdem er direkt vor mir stand, gab ich ihm einen kräftigen Stoß auf seinen trainierten Brustkorb, sah ihn dabei außerordentlich böse an und flüsterte verärgert: „Ethan. Bist du völlig wahnsinnig, du blöder Kerl! Was machst du hier! Hat dich wer gesehen, als du reinkamst?“
„Hey. Keine Panik, mein süßer Engel. Niemand hat mich gesehen.“
„Wenn Jean je dahinterkommen und mich darauf ansprechen sollte, kannst du dir gleich für ein paar Wochen auf der Intensivstation ein Bett reservieren. Weil ich weise gewiss jegliche Schuld von mir. Du kannst mich nicht stalken, Ethan. Das geht gar nicht.“ Liebevoll lächelte er mich an und flüsterte: „Wenn ich fürchterlich leiden oder gar sterben muss, nur weil ich noch einmal deinen süßen Sex erleben möchte, dann soll es so sein.“ Erneut schmolz ich förmlich dahin. „Du dummer, dummer Kerl. Du bist zu hübsch, um zu leiden oder gar jetzt bereits zu sterben.“
„Sorry. Aber ich kann nicht anders. Ich musste herkommen. Du bist mein erster Gedanke allmorgendlich, wenn ich aufwache, und mein letzter, wenn ich schlafen gehe. Und zwischendurch denke ich, zur Abwechslung, des Öfteren an dich. Also … eigentlich fortwährend. Weißt du, was ich mittlerweile vermute?“
„Wasss!?“
„Ich glaube, du bist gar kein Engel. In Wahrheit bist du wahrscheinlich eine bildhübsche Hexe, die mich verzaubert und willfährig gemacht hat.“
„Ja. Endlich hast du es erkannt. Ich bin kein Engel, sondern eine kleine, fiese, männerbetörende Hexe, die den Kerlen allesamt die Köpfe verdreht. Deshalb bin ich auch Jeans kleine Hexe, die ihn ebenso betört hat.“
„Und auch meine.“
„Rede keinen Unsinn. Sämtliche Frauen in meinem Kurs würden dir zu Füßen liegen. So wie du aussiehst, kannst du alle Frauen der Welt haben. Warum also ausgerechnet mich?“
„Ich will aber nicht alle Frauen der Welt. Ich will eigentlich nur eine. Und die steht gegenwärtig vor mir.“
„Ethan! Das ist gemein mir gegenüber und überaus egoistisch von dir. Weißt du eigentlich, wie sehr ich gelitten habe, weil ich mich mit dir nicht mehr treffen durfte? Und jetzt, wo ich endlich beinahe darüber hinweggekommen bin, kommst du hierher und reißt meine zart verheilte Wunde erneut auf. Das ist nicht fair, Ethan. Das ist einfach nicht fair. Du sagtest einmal, du wünschst uns viel Glück, ich gehöre zu Jean und du willst keinesfalls unsere Ehe zerstören. War das etwa alles gelogen?“, motzte ich fuchsteufelswild und hüpfte dabei im Stand wie ein kleines, jähzorniges Mädchen, bevor ich mit geballten Fäusten noch ein paarmal kräftig auf seinen Brustkorb eintrommelte. „Ja, Yve. Das sagte ich tatsächlich und ich meinte es auch so. Es war nicht gelogen. Aber zu diesem Zeitpunkt wusste ich selbst noch nicht, wie sehr ich mich in dich tatsächlich verliebt habe. Yve, ich kann an nichts anderes mehr denken als an dich und die Vorstellung, dich nicht mehr zu sehen, bereitet mir wahrlich fürchterliche Qualen.“
Traurig sah ich ihn an. „Ethan … wenn du mich wirklich liebst, dann lass mich bitte los. Wir haben uns leider zum falschen Zeitpunkt kennengelernt. Wenn ich dich früher getroffen hätte, wäre mir Jean vermutlich nicht über den Weg gelaufen. Oder vielmehr ich ihm. Dann wären wahrscheinlich wir beide heute glücklich verheiratet. Aber so war es nun mal nicht. Das Schicksal hat Jean für mich vorgesehen. Und zwar bereits als ich noch ein kleines Mädchen war, wie du weißt, da ich es dir erzählte.“
„Ja. Hast du. Doch liebt er dich wahrhaftig so sehr wie ich? Weil ich besitze zwar mehrere Swinger-Clubs, in denen wild herumgevögelt wird, aber ob ich dich je mit einem anderen Mann teilen würde, wage ich zu bezweifeln.“
„Siehst du. Noch ein Grund, warum Jean vermutlich besser zu mir passt als du. Weil er mich nicht einsperrt und sein Eigen nennt. Du hast die Einstellung eines Italieners der alten Generation. Frauen gehören hinter den Ofen und einen Ofen kann man nicht mitnehmen, wenn man Ausgehen möchte.“
„Hey, du bist ja richtig lustig.“
„Ethan, Jean gönnt mir allen Spaß und Glück auf Erden. Eben weil er mich liebt. Einen derart toleranten Mann gibt es kein zweites Mal. Nun frage ich dich: welche Art von Liebe ist wohl aufrichtiger: die, die mir meine Freiheit lässt, oder die, die mich einsperren möchte wie ein kleines Vöglein in einen Käfig? Selbst wenn er aus purem Gold wäre, würde das Vöglein trotzdem daran zugrunde gehen.“ Mit einem Mal trat er an mich heran, nahm mich sanft in seine Arme und küsste mich voller Liebe nicht enden wollend auf den Mund. Wie befürchtet bekam ich erneut weiche Knie. Seine wunderschönen Augen, sein unverschämt betörender Duft, sogar nach einer anstrengenden Trainingseinheit und schließlich seine Berührung ließen mich abermals schwach werden. „Ethan, bitte nicht“, flehte ich ihn zwar an, umarmte ihn jedoch ebenfalls und hielt ihn fest. Mein Gott. Beinahe hätte ich vergessen, wie wunderschön du bist und wie sehr ich dich vermisst habe. Nach unserer Trennung träumte auch ich oft von dir und weinte des Öfteren heimlich in der Nacht. Unser Kuss wurde rasch leidenschaftlicher. Um mein eigenes Gewissen zu beruhigen, drückte ich ihn zwar noch ein bisschen von mir, jedoch mit wenig Überzeugungskraft, da ich mir mit einem derart sanften Druck gewiss nicht einmal ein junges Babykätzchen vom Leib gehalten hätte. Wie befürchtet wurde ich schwach. Anstand, Vernunft und Moral schob ich rasch beiseite. Die erneut enthemmte Begierde nach ihm obsiegte. Geschwind entledigten wir uns unserer Sportbekleidung, legten uns auf die oberste von mehreren großen Trainingsmatten, die in einer Nische auf einem Rollwagen zu einem hüfthohen Stoß aufeinandergestapelt waren, und verknoteten uns leidenschaftlich ineinander, während wir uns hemmungslos küssten. Dass uns jemand dabei ertappen würde, war äußerst unwahrscheinlich, da wir uns zum einen in einem eigenen, separaten, kleinen Raum befanden und zum anderen im hintersten Eck lagen, während uns ein hoher trapezförmiger Sprungkasten und einige aufeinander gestapelte Turnbänke zur Tür des kleinen Raumes abschotteten. Eigentlich war dieser Raum sogar prädestiniert für eine höchst verbotene Liebesaffäre. Wie zwei völlig ausgehungerte Wölfe fielen wir über uns her. Wir knutschten, schmusten und leckten uns regelrecht in Ekstase, während sich meine Nippel aufrichteten. Erst jetzt wurde mir bewusst, wie sehr ich sexuell bereits ausgehungert war, aufgrund der vielen Arbeit in letzter Zeit. Yippie ya yeah, ich lebe noch, kam mir in den Sinn. Meine Scheidendrüsen produzierten dermaßen viel Liebessaft, wie ich es selten bei mir erlebte. Beinahe war es mir unangenehm. Wenn man den Unterschied nicht kennen würde, könnte man annähernd denken, ich hätte mich angepisst. „Ich hasse dich“, hauchte ich stöhnend in seinen Mund. „Du verdammter Mistkerl. Du bist gerade dabei, mein Leben zu zerstören.“
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