Cover: Unbeflecktes Weiß oder doch sündhaftes Rot?

Unbeflecktes Weiß oder doch sündhaftes Rot?
Teil 1 – Der Ursprung von allem


EUR 25,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 556
ISBN: 978-3-7116-1432-2
Erscheinungsdatum: 03.06.2026
Ein packender Liebes- und Erotikroman über eine junge Frau, die zwischen Unschuld und Leidenschaft hin- und hergerissen ist. Gemeinsam mit ihrem Mann geht sie das Wagnis einer offenen Ehe ein und stellt sich die Frage: Wohin führt die wahre Lust des Lebens.
Prolog


Ich wurde an einem sehr stürmischen und kalten Herbsttag an einem ersten Dezember als Yve Catherine Delune in Österreich in der wunderschönen Stadt Salzburg geboren. Da ich mit meiner Körpergröße von nur ein Meter achtundfünfzig um Haaresbreite die übliche Größe für ein weibliches Model verfehlte, jedoch sehr schlank, zart gebaut und äußerst sportlich bin, halten mich viele Menschen, die mich nicht kennen für wesentlich jünger. Dies stelle ich zumindest des Öfteren fest, wenn ich gelegentlich in diversen Geschäften Alkohol einkaufen möchte und an der Kassa nach meinem Ausweis zwecks Volljährigkeitsnachweis gefragt werde. Zurzeit habe ich schulterlange, strohblonde Haare. Es ist meine natürliche Haarfarbe wohlbemerkt. Wahrscheinlich gehöre ich zu den wenigen Frauen, die mit ihrer Naturhaarfarbe tatsächlich zufrieden sind. Die blaugrauen Augen habe ich von meinem Papa. Die langen Wimpern und vollen Lippen von meiner Mama.
Frauen mit einer Lippenform, wie ich sie habe, sollen angeblich sehr romantisch sein, aber auch Höhen und Tiefen besonders intensiv erleben. Natürlich kann ich nicht für andere sprechen, aber bei mir trifft es jedenfalls zu. Mein Papa ist ein waschechter Pariser … ähm … Franzose. Aus Paris, meinte ich. Kann man Pariser überhaupt waschen? Na, egal. Meine sagenhafte Körpergröße habe ich vermutlich von beiden, aber in erster Linie von meiner geliebten Mama Charlotte. Sie ist eine gebürtige Salzburgerin. Tja, und wie das Leben nun mal so spielt, machte Mama seinerzeit einen Urlaub in der Stadt der Liebe, wo sie auch meinen Papa kennenlernte. Prompt verliebten sich die beiden ineinander, heirateten und hatten sehr viel Spaß gemeinsam. Ähm … ohne Pariser. Das Ergebnis war meine vier Jahre ältere Schwester Pia und in weiterer Folge ich. Zu Beginn lebten meine Eltern in der Stadt an der Seine, aber als mein Papa in Mattighofen ein gutes Jobangebot als Manager in einer großen Firma bekam, wo er hauptsächlich für den französischen Markt zuständig war, zogen sie schließlich nach Salzburg. Meine Eltern ließen sich absichtlich in der Stadt nieder, aufgrund der wesentlich besseren Infrastruktur dort. Da ich immer schon sehr durchtrainiert war, weshalb ich auch auf ein Sportgymnasium ging, studierte ich später Sport. Die Matura hatte ich bereits mit meinem siebzehnten und den Bachelor in Sportwissenschaft mit meinem zwanzigsten Lebensjahr in der Tasche. Vielleicht tangieren mich deshalb die üblichen Blondinenwitze nicht sonderlich.

Nach dem Studium machte ich mich selbstständig und halte nun in einem großen Salzburger Fitnesscenter und in einem Privatkrankenhaus Fitneskurse ab. Die Angebotspalette umfasst im Krankenhaus in erster Linie „fit in die Schwangerschaft“, Wirbelsäulengymnastik, Stretching, Seniorensport verbunden mit Krafttraining und ähnliche Kurse. Dafür geht im Fitnesscenter sozusagen voll die Post ab, mit Kraft-, Konditions- und Stretchingkursen. Eine große Nachfrage herrscht auch bei den Shuffle-Dance-Kursen, die ich ebenso anbiete. Nicht selten werden bei meinen Trainingseinheiten Kursteilnehmende erbarmungslos an ihre Leistungsgrenzen herangeführt, weshalb sie meist eine kleine Pause einlegen, bevor ihnen ihr zuvor verspeistes Frühstück unversehens aus dem Gesicht fällt. Aber auch auf dem Gebiet Ernährung stehe ich ihnen mit Rat und Tat zur Seite, zumal ich mich sehr dafür interessiere und deshalb bereits etliche Fortbildungen diesbezüglich absolviert habe. Sag mir, was du isst, und ich sage dir, wer du bist. Gesunde Ernährung, verbunden mit richtiger Bewegung, ist der Schlüssel zum Erfolg für ein gesamtheitliches Wohlbefinden. Darüber hinaus möchte ich mir auch noch ein zusätzliches Standbein als Personaltrainerin aufbauen. Ich denke, sobald ich ein wenig gut situierte Kundschaft zu meinem Klientel zählen kann, geht es mir finanziell vielleicht auch ein bisschen besser. Momentan muss ich noch sehr darauf achten, welche Anschaffungen ich mir überhaupt erlauben kann. Wenn mir meine Eltern gelegentlich nicht ein bisschen Geld zuschießen würden, könnte ich wahrscheinlich die Kreditrückzahlungsrate meiner eigenen Zweizimmerwohnung in der Stadt Salzburg nicht bezahlen. Des Öfteren wurde ich bereits auf die beiden kleinen Tätowierungen auf meinen Schulterblättern angesprochen, worauf ich jedoch meist nicht näher eingehe. „Es sind einfach nur irgendwelche Motive“, ist meine Standartantwort. Dass diese Tattoo-Sujets in Wahrheit jedoch viel tiefgründiger sind und ich mich dafür bewusst entschieden habe, wissen lediglich die wenigsten, wie zum Beispiel meine beste Freundin Amanda, die ein Jahr älter ist als ich. Bei den Motiven handelt es sich um zwei circa fünf Zentimeter große Tätowierungen. Auf dem linken Schulterblatt befindet sich, Chamuel, ein unbefleckt weiß-goldenes Engelchen, und auf dem rechten Damien, ein freches, sündhaft rot-schwarzes Teufelchen. Das wäre nicht so schlimm, wenn da nicht diese dumme Angewohnheit von mir wäre, mich des Öfteren mit meinen Wegbegleitern zu unterhalten. Richtig gehört, ähm … gelesen. Manchmal führe ich, dem Anschein nach für Außenstehende, Selbstgespräche, die hin und wieder sogar in Streitgesprächen ausarten, weil Chamuel mich stets behüten möchte, was ja an und für sich eine äußerst lobenswerte Charaktereigenschaft ist. Aber es kann manchmal eben auch ziemlich nervig sein und vor allem unglaublich Spaßraubend. Wenn es nach Chamuel ginge, müsste ich ein Leben wie eine amische Frau führen. Damien hingegen will zwar auch stets nur das Beste für mich, jedoch auf einem völlig anderen Gebiet. Er hat nämlich die folgende Einstellung: „Hab Spaß in deinem Leben, weil du hast nur dieses eine. Ohne Vergnügen ist es lediglich ein Durchhalten, während das Leben an dir vorüberzieht. Also lebe deine Träume.“ Somit werde ich meist mit zwei völlig konträren Meinungen konfrontiert und mittendrin befinde ich mich wie eine Bandscheibe zwischen zwei Rückenwirbeln. Dass ich mir ausgerechnet ein Engelchen und ein Teufelchen tätowieren ließ, hat wohl mein Unterbewusstsein für mich entschieden. Der Widerspruch zwischen ihnen entspricht meiner Wesensart. Ihre Meinungen zu den unterschiedlichsten Themen gehen so gut wie nie einher. Nicht selten werden daher einfachste Entscheidungen für mich zu einer regelrechten Herausforderung. Der mit Abstand schwierigste Entschluss jedoch, der mich über mehrere Jahre hinweg schwer beschäftigte, war, wie ich mein Leben führen möchte. Zur Auswahl standen zwei Varianten, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Jede für sich hat aber auch ihren Reiz. Zum einen ein Leben wie aus einem mustergültigen Lehrbuch: verliebt, verlobt, verheiratet, Kinder und in weiterer Folge eventuell auch Enkelkinder. Bis dahin wird das Leben im Hamsterrad meist von Alltag und Routine bestimmt, abgesehen von den alljährlichen Urlauben, in denen aber leider nicht selten gestritten wird. Oder doch die andere Variante, die wunderbare Vielfalt der fantastischen, schönen und hervorragend schmeckenden Früchte, die das Leben so bietet, die sich schlicht „Freiheit“ nennt. Diese Lebensform genieße ich zurzeit so richtig, denn mit zwanzig ist der Zug für eine feste Beziehung ja noch nicht völlig abgefahren. Trotzdem hätte ich hin und wieder schon gerne einen festen Freund, um die Wärme, Liebe und Geborgenheit zu spüren, die ich an manchen Tagen sehr vermisse. Wenn ich spät abends, nach einem anstrengenden Arbeitstag nach Hause komme und „Ist da jemand?!“ in die leere Wohnung rufe und sich niemand meldet, dann sind dies die Momente, wo mir richtiggehend bewusstwird, wie allein ich eigentlich bin, was mich sehr traurig stimmt. Wie eine Jägerin, die auf ihrem Hochsitz lauert, beobachte ich fortwährend die Y-Chromosom-Träger und stelle mir sodann die Frage: Ist das etwa der Eine, den ich meine? Nun, was soll ich sagen. Liegt’s vielleicht an mir? Bin ich zu wählerisch? Oder ist mir einfach tatsächlich noch nicht der richtige Bock vor die Flinte gelaufen? Zu klein, zu groß, zu dick, zu dünn, zu unattraktiv, zu ungebildet oder gar zu anständig und noch so einiges, was ich stets zu bemängeln habe. Womöglich gibt es den Mann gar nicht, der zu mir passen würde, was jedoch ein äußerst frustrierender Gedanke ist. Vielleicht bin ich aber auch nur ein bisschen durch meine Eltern geschädigt? Ich meine … ein kleines Päckchen tragen doch die meisten Menschen mit sich herum, oder? Sie etwa nicht? Gewiss wurde auch mir irgendwann und stillschweigend ein Rucksäckchen umgehängt. Was mich darauf schließen lässt?
Nun ja, betrachten wir hierzu meine Eltern, die ich über alles liebe. Nach außen hin verkörpern sie die perfekte und heile Welt. Von all ihren Freunden und Bekannten werden sie bewundert und gelten als Vorzeigeehepaar. Fortwährend werden sie nach ihrem Liebesrezept gefragt, welches sie doch bestimmt haben müssen, um nach so vielen Jahren nach wie vor gemeinsam derart glücklich zu sein, eine liebevolle, harmonische Ehe zu führen, obgleich sie ihre Silberhochzeit bereits hinter sich haben. Dies, ist schließlich keine Selbstverständlichkeit, in Zeiten wie diesen, wo sich ohnehin sehr viele Pärchen bereits nach den kleinsten Problemen trennen. Natürlich hatten meine Eltern auch Sorgen und Probleme zu bewältigen, sie haben jedoch stets zusammengehalten und sind vor den Erschwernissen, die das Leben manchmal mit sich bringt, eben nicht davongelaufen. Nicht selten wirken sie nach wie vor wie frisch verliebt, was partiell auch stimmen mag. Aber so harmonisch, wie es nach außen hin scheint, ist es dann vielleicht doch nicht. Meine Mama ist eine eher gläubige, ehrliche, fleißige und sehr treue Ehefrau und ich kenne bei Gott absolut niemanden, der meine Mama nicht mag. Sie ist … ein wahrhaftiger Engel in Menschengestalt. Gott kann nun mal nicht überall sein, deshalb schuf er Mütter wie sie. Mein Papa ist ebenfalls sehr fleißig, ein wunderbarer Vater und vermutlich auch ein sehr guter Ehemann. Jedoch denke ich, dass er ein Doppelleben führt. Es kam zwar nie zutage, zumindest nicht offiziell, da es dafür zu keiner Zeit stichhaltige Beweise gab, aber ich würde darauf wetten. Warum ich das glaube? Nun ja, wenn es bei ihm wieder einmal aufgrund der vielen Arbeit zu spät wird, schläft er manchmal auf der Couch in seinem Büro, um nicht völlig übermüdet den doch etwas weiteren Weg nach Hause fahren zu müssen. Von Freunden und Bekannten habe ich jedoch auch schon andere Dinge gehört. Dass er mit einer fremden Dame händchenhaltend, in einem Lokal gesehen wurde. Oder dass er mit seiner Hand am Hinterteil einer anderen Frau den Swinger-Club in Munderfing betrat, was mir eine Freundin erzählte, die meinen Papa kennt und zufällig exakt zu diesem Zeitpunkt mit ihrem Auto an dem Club vorbeifuhr. Tja, ich habe ihn nie darauf angesprochen, weil es mich nun mal nichts angeht.

Überdies kenne ich weder die Gepflogenheiten im Liebesleben meiner Eltern, noch will ich wissen, wie sie es miteinander treiben und welche Fetische sie anturnen. Aber ich denke, wenn er hin und wieder meiner Mama fremdgeht, weil er vielleicht mehr Sex braucht, als er von ihr bekommt, und er ihr weiterhin ein liebevoller Ehemann ist, sie es nie erfährt und somit auch nicht darunter leidet, dann soll es eben so sein. Es wird Schlimmeres geben.
Bum. Hat das gesessen? Spätestens jetzt denken Sie sich vermutlich: „Na, holla, die Waldfee, was läuft denn mit der falsch, oder? Besser als eine schmerzvolle und kostspielige Trennung oder Scheidung, bei der obendrein alles draufgehen würde, was sich meine Eltern je gemeinsam geschaffen und aufgebaut haben, ist es allemal, finde ich. Außerdem … wer weiß. Vielleicht ist meine Mama ohnehin darüber informiert und die beiden haben überdies womöglich sogar ein Agreement, von dem wir Kinder nichts wissen. Diese Überlegungen und so manche langjährige Ehe von Eltern meiner Freundinnen sind vielleicht der Grund, weshalb ich zurzeit nicht einmal annähernd sagen könnte, welche Lebensform für mich die richtige ist. Nehmen wir einmal meine Schwester Pia. Sie ist vier Jahre älter als ich und, vermutlich glücklich verheiratet mit Tom, zumindest wünsche ich es ihnen von Herzen und sie haben zwei entzückende Kinder. Klingt super … ist es auch. Aber sind sie tatsächlich so glücklich, wie es scheint? Ja, ich denke schon, aber gewiss nicht andauernd. Denn, wie meine Mama, bin ich aufmerksam und bekomme die heimlichen Wünsche und Begierden der beiden am Rande sehr wohl mit. Insgeheim bewundern sie mich manchmal, was ich des Öfteren feststelle, wenn ich ihnen beiläufig von meinen Erlebnissen erzähle und sie dabei sehnsuchtsvoll glänzende Augen bekommen. Ergo … genießt du ein freies Leben voller neuer, toller, prickelnder Abenteuer, dann vermisst du die Geborgenheit, die Wärme und das Vertraute einer festen Beziehung. Obendrein muss man seinen Prinzen erst mal finden. Denn, Hand aufs Herz, aber welcher Mann macht sich heutzutage noch die Mühe, auf einem Schimmel anzureiten, sich durch einen dichten Rosenstrauch zu kämpfen, mit blutiger Stirn, und das alles nur, um dich zu fragen, ob du seine holde Maid werden möchtest? Und selbst wenn es so wäre: Auch der schönste Prinz verliert mit der Zeit seinen Glanz, sobald das Leben von Alltag und Routine bestimmt wird und er allmorgendlich, miesepetrig, bekleidet mit Pyjama und Hausschlappen, stupide in seine Kaffeetasse starrt. Tja, wo sind sie dann, die wunderschönen Schmetterlinge im Bauch, die so herrlich kribbelten und mittlerweile nicht einmal mehr Nachtfalter sind?
Hm, eigentlich ziemlich paradox, oder? Deshalb glaube ich, dass es den idealen Mann an meiner Seite nicht gibt. Jemand, der mir die Geborgenheit einer festen Beziehung bietet, mir jedoch auch bezüglich meiner fleischlichen Lust völlige Freiheit gewährt. Die große Preisfrage wäre somit: Könnte eine Partnerschaft, die auf Liebe und gegenseitigem Vertrauen, aber auch Toleranz und sexueller Selbstbestimmung aufgebaut ist, längerfristig überhaupt bestehen? Diese Frage lässt sich unmöglich beantworten, wenn man es nicht selbst ausprobiert hat.
Tja und da beginnt meine persönliche Geschichte. Die Geschichte von einer rat- und rastlosen, Dauerlust verspürenden jungen Frau, auf der verzweifelten Suche nach dem richtigen Partner, der bereit ist, mit ihr gemeinsam das süße Leben voll auszukosten, da es zu ihrer vorrangigen Lieblingsbeschäftigung gehört und ihr Lebenselixier ist. Mich von meiner fortwährenden sexuellen Begierde zu verabschieden, hieße für mich definitiv, nicht mehr zu leben. Aber diese Gefahr besteht ohnehin nicht, da meine ausgeprägte Libido so sehr mit mir verbunden ist wie mein eigener Schatten. Der Weg, den ich einschlug, war ein holpriger, mit vielen Höhen und Tiefen, viel Freud und Leid. Oft konnte ich in dieser Zeit herzhaft lachen, wenngleich ich auch des Öfteren kummervoll weinte. Meine beste und andauernd neugierige Freundin Amanda kann es kaum fassen, was ich auf der steten Suche nach neuen Abenteuern und dem besonderen Kick fortwährend so erlebe, weshalb sie mich hin und wieder beneidet. Manchmal jedoch bedauert sie mich auch. Einmal meinte sie, ich müsse meine Erlebnisse unbedingt irgendwann niederschreiben, da dies mit Sicherheit ein Bestseller werden würde, und wenn ich es nicht selbst machen möchte, sie es mit meinem Einverständnis für mich tun würde. Spaßeshalber meinte sie auch, dass sie bei meinem ausschweifenden, abenteuerlichen Lebenswandel selbstverständlich meine Memoiren für mich fertig schreiben würde, sollte ich diese, aus welchen Gründen auch immer nicht selbst beenden können. Damals fand ich diese Bemerkung zwar äußerst makaber und geschmacklos, aber wenn man so wie ich permanent auf Messers Schneide balanciert, ist ihr Gedanke gar nicht so abwegig. Vermutlich habe ich die beharrlich brennende Begierde, ständig alles bis aufs Äußerste zu treiben, stets auf der Suche nach dem gewissen Adrenalinstoß, meinem verwegenen Naturell zu verdanken. Das habe ich bereits in mir, seit ich denken kann, weshalb ich auch des Öfteren in erhebliche Schwierigkeiten geriet, die ziemlich dumm hätten ausgehen können.
Es begann schon, als ich ein elfjähriges Mädchen war. Von brennender Neugier erfüllt ging ich mit drei zwölf- und dreizehnjährigen Jungen, die natürlich allesamt einen guten Kopf größer waren als ich, in den Wald, weil sie mir etwas zeigen wollten. Kaum angekommen an der Stelle, zu der sie mich führten, verpassten sie mir ein paar ordentliche Ohrfeigen, da ich ihrer Meinung nach unentwegt respektlos und frech zu ihnen war. Anschließend entkleideten sie mich, natürlich gegen meinen Willen. Splitternackt, wie ich war, knebelten sie mich mit meinem Kleid, legten mich übers Knie, und versohlten mir zu dritt, außerordentlich brutal, mein Hinterteil. Beinahe fiel ich in Ohnmacht. Es war ein derart beißender, stechender Schmerz von solcher Intensität, wie ich es zuvor noch nie erlebte. Irgendwann habe ich aufgehört mitzuzählen. Gefühlt waren es bestimmt an die sechzig bis siebzig Hiebe. Unaufhörlich donnerten ihre Handflächen mit aller Kraft, die sie aufbringen konnten, auf meinen kleinen, zarten Po. Zum Weinen brachten sie mich jedoch nicht. Dafür war ich viel zu stolz. Mit dieser Genugtuung wollte ich sie keinesfalls beglücken. Im Gegenteil. Mit jedem Hieb, den sie mir zufügten, murmelte ich, soweit es mir mit verbundenem Mund möglich war, alle erdenklichen Schimpfworte, die mir einfielen, weshalb sie richtiggehend zornig wurden und noch kräftiger zuschlugen. Vermutlich maßen sie sich sogar darin wer von ihnen die härteren und brutaleren Hiebe zustande brachte. Als sie die Tortur nach einer Dreiviertelstunde endlich beendeten, vielleicht weil ihnen die Lust daran vergangen war, mich weiter zu bestrafen, oder ihnen auch die Handflächen bereits zu sehr brannten, ließen sie schließlich von mir ab. Bevor sie sich davonmachten, jagten sie mir allerdings noch einen gehörigen Schrecken ein, indem sie zu mir sagten: „So … du kleine Bitch. Mach deinen Frieden mit Gott, weil dorthin schicken wir dich jetzt, bevor wir dich im kalten, feuchten Waldboden verscharren, du freche, kleine Kröte.“ Endlich hatten sie ihre Genugtuung, als sie sahen, wie ich mich vor Angst anpisste. „Jetzt seht euch doch mal die kleine Pissnelke an. Sie hat sich doch glatt vor Angst angepinkelt“, sagte einer von den dreien, worauf sie sich krumm und bucklig lachten. Mein Lichtlein haben sie zum Glück nicht ausgeblasen, jedoch ließen sie mich völlig allein und splitternackt im Wald zurück, wobei sie schadenfroh und hämisch grinsten. Nachdem sie weit genug weg waren, nahm ich eine Hand voll Erde und warf sie ihnen hinterher. Dabei rief ich: „Verpisst euch gefälligst, ihr blöden Arschgeigen! Der Blitz soll euch beim Kacken erschlagen!“ Erst danach begann ich fürchterlich zu weinen. Zum Teil wegen der exorbitanten Schmerzen an meinem Allerwertesten, aber vor allem wegen meines erheblich verletzten Stolzes.

Dass ich zum Ende hin meinen Harndrang nicht mehr beherrschen konnte, nachdem ich so lange beständig verhindert hatte, vor ihnen zu heulen, ärgerte mich maßlos. Nachdem meine Tränen geweint waren und ich mich einigermaßen beruhigt hatte, suchte ich mein Höschen, das mit feuchter Erde verschmutzt auf dem Waldboden lag. Bei dem vorsichtigen Versuch, es über meinen malträtierten Po zu ziehen, der nach wie vor brannte, als ob ich ein Sitzbad in scharfer Chilisoße genommen hätte, schrie ich vor Schmerzen auf. Umgehend schossen mir neuerlich Tränen in die Augen. Mein Hinterteil leuchtete wie das eines paarungsbereiten Pavianweibchen. Vorsichtig tastete ich es ab, um zu prüfen, ob ich etwa wund war, aufgrund der bestialisch brennenden Schmerzen. Schließlich brach ich den Versuch, das Höschen anzuziehen, ab und zog lediglich mein Sommerkleid und meine Sandalen an. Den Slip steckte ich in eine Seitentasche des Kleides und verließ den Wald, als ob nichts geschehen wäre.
Zuhause erwähnte ich den Vorfall nie, da mich meine Eltern lediglich geschimpft und gefragt hätten, warum ich so dumm war, allein mit Jungen in den Wald zu gehen. Dass es purer Leichtsinn war, wusste ich schließlich selbst. Aber, wie bereits erwähnt: Das Schicksal fortwährend herauszufordern, nur um meine immerwährende, unersättliche Neugier zu stillen, hatte ich eben damals schon in mir. Natürlich hätten die Jungs und deren Eltern bei einer Strafanzeige die größten Probleme bekommen, aber das wollte ich dann auch wieder nicht. Ich hasste die Kerle deswegen nicht, da es schlussendlich meine Schuld war. Indem ich sie unentwegt provozierte, hatte ich es regelrecht herausgefordert. Es war nur eine Frage der Zeit gewesen, bis sie mich zu fassen kriegten, um mir eine ordentliche Lektion zu erteilen. Aber wer weiß, vielleicht legte ich es sogar darauf an, um zu sehen, was sie mit mir anstellen würden. Warum hätte ich sie sonst allein in den Wald begleitet? Aber auch sie waren nicht angewidert von mir, obgleich ich fortwährend rotzfrech zu ihnen war. Vielmehr betrachteten wir es als Spiel, Räuber und Gendarm sozusagen. Ich war ihnen gegenüber weiterhin vorlaut und zeigte ihnen sogar des Öfteren den Mittelfinger, weswegen sie mir stets nachhetzten. Meistens erwischten sie mich nicht, da ich viel zu schnell war für sie. Hin und wieder ging ich ihnen aber doch ins Netz, woraufhin sie mir ein paar Ohrfeigen verpassten, mich hämisch grinsend erneut eine Pissnelke nannten und danach zu Boden schubsten. Zehn Jahre später, wenn sie mir da noch nachgejagt wären, hätte ich sie vermutlich bewusst in den Wald gelockt, um mich dort absichtlich von ihnen erwischen zu lassen. Die Bestrafung wäre jedoch bestimmt eine andere gewesen. Tja so verändert sich eben alles im Lauf der Zeit. Und nun noch ein kleines Erlebnis aus meiner Teenagerzeit. Jedes Mädchen wird von seinen Eltern beharrlich darauf hingewiesen, niemals allein per Anhalter mit fremden Menschen mitzufahren, da es viel zu gefährlich ist. Als ich eines Tages, im zarten Alter von fünfzehn Jahren, beabsichtigte, meine Freundin auf dem Land zu besuchen, tat ich jedoch genau dies, da ich keinen Bock hatte, auf den Postbus zu warten und noch nicht mobil war. Mit meinem Sommerkleid, Sandalen und einer Jeansjacke in der Hand war mein Outfit zum Autostoppen vielleicht eine Spur zu aufreizend, weshalb ich auch nicht lange warten musste, bis mich ein in etwa vierzigjähriger Autofahrer aufgabelte.
...

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