Unbeflecktes Weiß oder doch sündhaftes Rot?
Teil 2 – Genieße dein Leben, denn du hast nur das eine
EUR 25,90
Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 632
ISBN: 978-3-7116-1434-6
Erscheinungsdatum: 03.06.2026
Obgleich Yve mit Jean frisch verheiratet und glücklich ist, gerät Yves Herz aus dem Gleichgewicht, als sie, den schönen Ethan, kennenlernt. Denn, Gefühle folgen eigenen Regeln. Was als Abenteuer begann, wird zur Zerreißprobe.
Kapitel 1
Meine stets neugierige Freundin Amanda
Am nächsten Tag half mir Stefanie meinen Koffer für die anstehende Hochzeitsreise zu packen, was sie jedoch auch ein wenig traurig stimmte.
„Hey, Stefanie. Was ist los? Was bedrückt dich so sehr?“
„Am liebsten würde ich mich heimlich selbst einpacken, in einem eurer Koffer. Und wenn ihr diesen in Amerika öffnet, herausspringen und ‚Überraschung‘ rufen“, alberte sie, obgleich ihr gar nicht danach zumute war.
„Ja, mein Schatz. Ich hätte dich auch gerne dabei.“
„Schließlich sehen wir uns jetzt sechs lange Wochen nicht.“
„Ich weiß, Stefanie. Aber genieße trotzdem die Zeit mit deiner Familie. Und unsere Wohnung steht dir auch stets zur Verfügung … ähm … für diverse Feten oder Gangbang-Partys“, alberte ich grinsend.
„Haha, selten so gelacht. Ulknudel.“
„Du wirst sehen, wie rasch die Zeit vorübergeht.“
„Ja, vermutlich hast du recht.“ Am nächsten Tag wurden wir von einem Shuttle-Dienst direkt von zuhause abgeholt und zum Flughafen München gebracht. Nach dem Einchecken bei der United Airlines, als wir auf das Boarding warteten, wurden wir plötzlich aufgerufen. Verwundert sahen wir uns an. Als wir uns beim Schalter meldeten, baten sie uns, die Boarding-Cards abzugeben. „Na, super. Das beginnt ja toll. Wieso müssen wir jetzt unsere Flugtickets abgeben?“, fragte ich Jean deprimiert, worauf er jedoch lediglich mit den Schultern zuckte.
„Ähm … ich habe keine Ahnung. Bestimmt werden wir es gleich erfahren.“ Als sie unsere Economy-Boarding Cards entgegennahmen, erhielten wir unversehens für beide Flüge bis Los Angeles First-Class-Boarding-Cards inklusive zwei Flaschen Champagner geschenkt – lediglich weil wir beim Einchecken angegeben hatten, Honeymooner zu sein.
„Wow! Wusstest du das?“, fragte ich Jean.
„Nein. Wusste ich nicht. Jedenfalls ist es eine sehr nette Geste.“ Die ersten drei Nächte verbrachten wir in Los Angeles, wo wir uns die Stadt der Engel inklusive den Hollywood Hills, Beverly Hills, Bel Air, dem Rodeo Drive, in dem sich auch das Hotel Beverly Wilshire aus dem Film Pretty Women befindet, Disney Land und einiges mehr ansahen. „Warum sagt man zu Los Angeles eigentlich ‚Stadt der Engel‘?“, fragte ich ihn.
„Habe ich bis vor kurzem auch nicht gewusst, weshalb ich es googelte.“ Für einen Moment war es still. „Ähm … okay. Und auf welche Erkenntnis kamst du?“
„Die Stadt wurde am vierten September 1781 vom spanischen Gouverneur Felipe de Neve als El Pueblo de la Reina de Los Angeles gegründet. Was übersetzt so viel heißt wie das Dorf der Königin der Engel.“
„Interessant. Ähm … danke, Mister Google.“ Am vierten Tag fassten wir unser Motor-Home aus, mit dem wir insgesamt fünftausend Kilometer durch Nevada, Kalifornien, Arizona und Utah fuhren. Wir besuchten etliche Nationalparks in diesen Bundesstaaten, wie zum Beispiel den Yosemite Nationalpark, den Sequoia und Kings Canyon, den Joshua Tree National Park, natürlich den Grand Canyon und ebenso das Death Valley. Aber auch den Zion National Park, den Bryce Canyon und den Capitol Reef National Park. In den Parks, wo es erlaubt war, grillten wir uns T-Bone-Steaks und tranken unter anderem den Champagner, den wir geschenkt bekommen hatten, aus Plastikbechern, da es in dem Wohnmobil keine echten Gläser gab. Wir waren am Lake Tahoe, einem riesigen See auf tausendachthundertsiebenundneunzig Metern, und besichtigten den Hoover Damm, der den Lake Mead aufstaut und Arizona, Nevada und Kalifornien mit Wasser versorgt. Darüber hinaus produziert er einen Teil des Stromes für Las Vegas, wo wir ebenfalls waren. Über Sacramento und Sausalito im Norden trafen wir schließlich in San Francisco ein, begleitet von Songs auf meinem Smartphone, wie „If You’re Going to San Francisco“ von Scott McKenzie oder „California Dreamin’“ von den Mamas & Papas. Anschließend fuhren wir den Highway Number One über San Jose, das kleine entzückende Städtchen Carmel, in dem Clint Eastwood einmal Bürgermeister war, Montery, San Luis Obispo, Santa Barbara und Malibu zurück nach Los Angeles. Danach flogen wir noch für eine Woche weiter nach Kauai zwecks Entspannung. Weil so schön die Tour mit dem Wohnmobil auch war, so anstrengend war sie zum Teil auch. Kauai ist die viertgrößte Insel Hawaiis und wird völlig zurecht auch die Garteninsel genannt, was sie den tropischen Regenwäldern verdankt, die einen Großteil der Fläche bedecken. Unsere Honey-Moon-Suite hatten wir im Coco-Palms-Ressort. Als Mietauto entschieden wir uns für einen Ford Mustang Cabriolet, mit dem wir unglaublich schöne Ausflüge unter anderem zu den dramatischen Klippen und Gipfeln an der Na Pali Coast oder an den Poipu Beach machten. An diesem Strand waren wir stundenlang mit Taucherbrille und Schnorchel etwas weiter draußen bei einem Riff. Nie zuvor sah ich eine derart schöne Unterwasserwelt. Als ob man im Haus des Meeres im Aquarium schwimmen würde. Wenn in so kurzer Zeit derart viele Eindrücke auf einen zukommen, ist man damit beinahe überfordert, alles aufzunehmen und geistig zu verarbeiten. Überdies muss man sich unentwegt kneifen, um zu testen, ob all das wahrhaftig ist oder ob es sich lediglich um einen wunderschönen Traum handelt, den man nicht mehr aufhören möchte zu träumen. Natürlich hatten wir auch reichlich Sex. Annähernd jeden Tag. In den Städten, im Wohnmobil und in den Nationalparks, gelegentlich auch unter freiem Himmel. Man möchte nicht glauben, wie viele romantische Plätzchen es dort gibt. Leider verging die Zeit viel zu schnell. Wir konnten kaum glauben, wie rasch die sechs Wochen verstrichen waren. Zuhause angekommen fielen Stefanie und ich uns gleich einmal um den Hals. Aber auch Jean wurde herzlich von ihr begrüßt. Gleich am nächsten Tag fuhr ich zu Amanda in den Friseursalon, da ich dringend einen Haarschnitt und eine Maniküre inklusive Nagellackierung benötigte. Bei ihr im Salon angekommen begrüßten wir uns mit Küsschen auf die Wangen. „Hi, Amanda.“
„Hi, Yve. Glas Prosecco?“
„Ja, bitte. Sehr gerne.“ Anschließend setzte ich mich auf den Friseurstuhl.
„Frisur wie gehabt?“
„Ja, bitte. Wie gehabt.“
„Wie war eure Hochzeitsreise?“
„Ich kann es mit Worten kaum beschreiben. Traumhaft schön. Und … obgleich wir sechs Wochen unterwegs waren, verging auch diese Zeit viel zu schnell.“ Im Schnellverfahren erzählte ich ihr, was wir alles erlebt und gesehen hatten. Was ihr jedoch beinahe endgültig den Verstand raubte, war, wie oft wir miteinander Sex hatten, nachdem sie mich explizit danach fragte. Aber so war sie nun mal.
„Waaas!? Ihr hattet in sechs Wochen vierzigmal Sex“, wiederholte sie flüsternd. „Jetzt bin ich aber ordentlich deprimiert. Das habe ich nicht einmal in einem Jahr.“
„Blödsinn. Du wirst doch wohl einmal wöchentlich Sex haben.“
„Ähm … Entschuldigung. Nein, habe ich nicht.“
„Hm … okeeey.“
„Weißt du. Als wir beide noch durch die Gegend zogen, war es viel lustiger für mich. Gott, was hatten wir viel Spaß. Was ich mit dir zusammen alles erlebt habe, würde uns ohnehin niemand glauben. Aber die Zeiten sind wohl vorüber, jetzt, wo du eine ehrbare Frau geworden bist.“
Da ich gerade einen Schluck Prosecco zu mir nehmen wollte, verschluckte ich mich beinahe, als sie das zu mir sagte.
„Ähm … wurde ich das?“
„Yve, du bist verheiratet.“
„Ach ja, richtig. Ich vergaß. Und darum habe ich jetzt aufgehört zu leben?“ Fragenden Blickes sah sie mich an.
„Nun, nein, natürlich nicht. Aber bestimmt führst du mittlerweile ein anderes Leben als damals, als wir beide noch gemeinsam unterwegs waren, oder?“
„Du meinst grundanständig und so?“
„Ja, zum Beispiel. Oder etwa nicht?“
„Nun ja. Ähm … das ist alles relativ und liegt im Auge des Betrachters. Worin ich mich jedoch bestimmt geändert habe, ist, so wie früher würde ich es gewiss nicht mehr machen.“ Für einen Moment betrachtete sie mich im großen Spiegel vor mir. „Hm … was würdest du so nicht mehr machen?“
„Na ja. Ich würde Männer, mit denen ich ins Gespräch komme, heute nicht mehr derart gemein behandeln und um den Finger wickeln. Weil es nicht in Ordnung war. Da waren durchaus auch Kerle dabei, die mir danach unglaublich leidtaten, da sie eigentlich prima Burschen und ihre Gefühle ehrlich waren.“
„Jaaa … mag schon sein. Aber wie viele Männer gibt es, die wiederum mit uns Frauen spielen? Wesentlich mehr als umgekehrt, glaube mir. Ich denke, sie werden es überleben, wenn sie selbst diese Lebenserfahrung auch einmal machen. Für viele Schürzenjäger sind wir Frauen doch bloß ein netter Zeitvertreib. Ein Spielzeug sozusagen, das man nach dem Spielen achtlos wegwirft oder in eine Ecke stellt. Wie viele Frauen heulen sich jeden Tag regelrecht die Augen aus dem Kopf wegen solchen Mistkerlen. Sorry, aber mir tun diese Typen nicht leid. Die paar unter ihnen, die es eben ehrlich gemeint hätten und durch unseren Flirt-Spaß quasi unschuldig zum Handkuss kamen, weil sie sich Hals über Kopf in uns verliebten und sich deshalb eben mehr erwarteten als nur einen One-Night-Stand …“ Gleichgültig zuckte sie mit ihren Schultern. „Tja … Kollateralschäden wird es immer geben.“ Völlig entsetzt starrte ich sie durch den großen Spiegel an.
„Was ist denn mit dir passiert? Seit wann bist du dermaßen verhärmt, hartherzig und negativ drauf?“ Neuerlich zuckte sie mit ihren Schultern.
„Was denn? Wenn’s doch stimmt. Ich war auch schon des Öfteren in augenscheinlich tolle Burschen bis über beide Ohren verliebt. So wie es bei euch beiden der Fall ist. Aber nachdem sie genug gespielt hatten mit mir, wurde ich von ihnen eiskalt abserviert. Und darum habe ich mit den Männern auch kein Mitleid mehr.“
„Hm … ja, ich weiß. Du hast deshalb tatsächlich schon einige Male bitterlich geheult. Aber muss man stets Gleiches mit Gleichem vergelten? Ich meine … du sehnst dich ja nach wir vor nach einem Herz-Buben, der deine Liebe wahrlich verdient hat, oder etwa nicht?“
„Ja, klar.“
„Nun, dann … wie willst du je so einen netten Kerl finden, mit deiner gegenwärtigen Einstellung? Überdies war die Verarsche, die wir damals fortwährend machten, auch nicht besonders förderlich für ein positives Frauenbild. Auf diese Art und Weise schaukelt sich das Ganze nämlich bloß gegenseitig hoch. Wenn jeder, der einmal bitterliche Erfahrungen gemacht hat, in Zukunft zu anderen nur noch gewissenlos ist, darf man sich auch nicht wundern, wenn nur noch gefühlskalte Vollkoffer durch die Gegend laufen.“ Völlig irritiert starrte sie mich an.
„Sag einmal. Was ist denn mit dir passiert? So kenne ich dich gar nicht. Ist das schon die kleine, lebenslustige, freche Yve, die augenblicklich vor mir sitzt, oder sitzt da jemand anders? Vielleicht hat dich der Papst aber auch heiliggesprochen, was bislang noch nicht durchgedrungen ist zu mir“, frotzelte sie mich.
„Ja, klar. Hure und Heilige zugleich.“ Herzhaft kicherten wir.
„Ähm … warte mal. Ich spule nur schnell meine Erinnerungen ein wenig zurück. Warst nicht du seinerzeit die kleine verfickte Mistkröte, die ständig Jungs und in weiterer Folge auch junge Männer zum Narren hielt und sie allesamt nach Gebrauch entsorgt hat, wie ein angerotztes Taschentuch? Und zwar auf herzloseste, bösartigste und demütigende Art und Weise?“ Schuldbewusst blickte ich kopfnickend zu Boden und hauchte kaum wahrnehmbar: „Ja. In der Tat. So war ich früher. Aber heute tut es mir leid. Weil es falsch war.“ Ohne darauf einzugehen, was ich eben gesagt hatte, fuhr sie damit fort, mir meine Sünden von damals vorzutragen.
„Überdies möchte ich dich auch daran erinnern, da es, wie mir scheint, bei dir bereits in Vergessenheit geraten ist, dass du im Kindergarten bereits eine Legende warst und den kleinen unschuldigen Jungs der Reihe nach die Köpfe verdreht hast und nicht nur die. Und als unsere Lehrerin in der Volksschule uns Kindern Sexualkunde vermitteln wollte, hast du aufgezeigt und sie gefragt, ob die Kinder, die schon einmal gefickt haben, einstweilen rausgehen dürfen, eine rauchen“, neckte sie mich, worauf wir vor Lachen losprusteten.
„Hey, du Ulknudel. Du bist heute allem Anschein nach wieder besonders witzig. Was du sagst, stimmt doch gar nicht. Ich habe nämlich noch nie geraucht.“ Wir lachten Tränen. „Außerdem war ich bereits im Sportgymnasium und schon elf, als Peter, der damals fünfzehn war, mit mir den Beischlaf vollführte und mich deflorierte.“
„Defloriiiierte. Die distinguierte Dame spricht heute aber wieder besonders vornehm. Sag einfach, wie es ist. Er hat dir die Unschuld genommen.“
„Hey …“
„Hm … obgleich … unschuldig warst du bereits als kleines Mädchen nicht mehr“, plänkelte sie.
„Dumpfbacke.“
„Und überhaupt: du hattest deinen ersten Sex erst mit elf?“, narrte sie mich unablässig, wenngleich sie es ohnehin wusste.
„Ja, sag ich doch. Ich war eben ein Spätzünder.“
„Siehst du, im Vergleich zu dir war ich hochanständig, da ich es immerhin bis zu meinem zwölften Lebensjahr hinauszögern konnte.“
„Ja, sicher doch. Richtig ehrenhaft warst du. Ich sag nur Heuhütte.“
„Was, Heuhütt … ach so, das. Da war doch nichts. Außerdem warst du auch dabei.“
„Na ja, aber meine Freundin Amanda, die kleine Sau, war damals in dem Schuppen mit Abstand die Wildeste unserer Girl-Gang. Und in jenen Tagen waren wir auch erst elf oder zwölf Jahre alt.“
„Tsss … und wenn schon. Wie ich schon sagte, da war nichts.“
„Neiiin. Ganz und gar nicht. Weißt du, was ich glaube? Ich denke, du kannst oder willst dich einfach nicht mehr daran erinnern. Wahrscheinlich hast du diese Erinnerung aus deinem Gedächtnis gestrichen, weil dir die kleine versaute Tupper-Party von damals heute im Nachhinein gesehen einfach peinlich ist.“ Fragenden Blickes sah sie mich an.
„Was für eine Tupper-Party?“
„Na, mehrere Mädels, die im Kreis sitzen und sich gegenseitig ihre Dosen zeigen.“
„Haha. Sehr witzig. Doofe Nuss. Tupper-Party. So ein Scheiiiß. Wer kommt denn auf so einen Blödsinn. Na toll. Zukünftig, wenn mich Freundinnen fragen, ob ich bei ihrer Tupper-Party teilhaben möchte, werde ich stets daran denken müssen, was du darunter verstehst.“ Erneut lachten wir Tränen.
„Hey, es handelte sich lediglich um eine harmlose Muschi-Beschau. Nichts weiter.“
„Ja, bis du die glorreiche Idee hattest bei jeder einzelnen von uns deine Nase tief in unsere Scheide zu stecken, und anschließend auch noch ordentlich reinlecken musstest, weil du ja unbedingt wissen wolltest, ob wir uns da unten nicht nur vom Aussehen her unterscheiden, sondern auch vom Geruch und Geschmack.“
„Hey! Nicht so laut. Muss ja keiner mitbekommen, was wir seinerzeit schon für verdorbene Mistkröten waren. Ihr wart eben zu feige, es mir nachzumachen.“ Grinsend nickte ich.
„In der Tat. Das waren wir. Vielleicht hat uns aber auch lediglich davor geekelt. Denn ob allen daran Beteiligten bereits die Wichtigkeit einer anständigen Intimreinigung bewusst war und ob sie diese auch tatsächlich jeden Tag vollführten, wage ich doch sehr zu bezweifeln.“ Amanda schüttelte sich.
„Bäh! Du bist grauslich.“
„Wieso ich? Die Muschi-Leckerin damals warst ja wohl du.“
„Dass dir davor geekelt hätte, kaufe ich dir bestimmt nicht ab. Weil ich habe nicht als zwölfjährige einem unschuldigen und wohlerzogenen dreizehnjährigen Jüngling das Onanieren beigebracht und danach, als er ejakulierte, sein Sperma bis auf den letzten Tropfen gierig runtergeschluckt.“ Erneut lachten wir herzhaft.
„Das war doch völlig arglos und ohne jeden bösen Hintergedanken von mir. Ich hatte lediglich großes Mitleid mit ihm. Immerhin war er bereits dreizehn Jahre alt und hatte nach wie vor keinen blassen Schimmer, sein kleines Zumpferl außer zum Lulu-Machen auch noch für andere Funktionen verwenden zu können.“ Beinahe brüllten wir vor Lachen, während es uns förmlich die Lachtränen aus den Augen trieb.
„Ja. Vielleicht war es tatsächlich harmlos. Nicht jedoch das, was du als Fünfzehnjährige mit dem armen, gerade einmal fünfundzwanzigjährigen, süßen Gymnasialprofessor anstelltest. Yve, in aller Freundschaft und ich mag dich wirklich sehr, aber das war definitiv kriminell von dir. Magst du es mir bitte noch einmal erzählen, da ich mich nicht mehr an sämtliche Einzelheiten erinnern kann?“
„Amanda. Wieso erinnerst du mich daran? Ich versuche es krampfhaft zu vergessen und du bringst es plötzlich erneut aufs Tablett. Was ich damals gemacht habe, war in der Tat partout nicht in Ordnung. Eines von vielen unrühmlichen, dunklen Ereignissen in meiner Kindheit und Jugendzeit, wofür ich mich heute im Nachhinein betrachtet zutiefst schäme. Danach tat er mir fürchterlich leid, als er in seinem Zimmer bitterlich zu weinen begann. Um ein Haar hätte ich mit ihm herzzerreißend mitgeheult. Ich dachte nur noch: Oh Gooott! Was bin ich nur für ein Unverbesserliches, abscheuliches, sexbesessenes Monster. Ich habe mit meinen gerade einmal fünfzehn Jahren einen begabten und hochanständigen, fünfundzwanzigjährigen Professor dazu gebracht, sich vor mir herzbewegend die Seele aus dem Leib zu heulen. Amanda, außer dir weiß niemand davon und das muss bitte auch unbedingt so bleiben.“
„Ja, ja. Schon klar. Ich beabsichtige nicht, es weiterzuerzählen. Darauf hast du mein Wort. Habe ich aber auch bisher nicht getan.“
„Unmittelbar nach meiner übermütigen und völlig gedankenlosen Schandtat habe ich mich bei ihm mit ehrlichen Tränen in den Augen dafür entschuldigt und ihm auch hoch und heilig versprochen, so etwas nie mehr wieder abzuziehen.“
„Dass du ihm gegenüber danach dein aufrichtiges Bedauern zum Ausdruck gebracht hast, rechne ich dir wahrlich hoch an und es beweist mir, an dir eine Freundin zu haben, die noch nicht völlig verkommen ist. Du hast deinen begangenen Fehler eingesehen, es bereut und anschließend an dir gearbeitet.“ Zustimmend nickte ich.
„Ähm … hat’s eigentlich etwas gebracht?“, scherzte sie. Entsetzt starrte ich sie an.
„Blöde Kuh.“ Erneut lachten wir herzhaft.
„Magst du es mir noch einmal erzählen, was damals genau ablief?“
„Amanda. Es gibt Dinge im Leben, die sollte man einfach ruhen lassen.“
„Bitte.“ „Hm … unter einer Bedingung.“
„Die da wäre?“
„Wenn du mich danach nie mehr wieder darauf ansprichst. Weil ich versuche, es tatsächlich zu vergessen.“
„Okay. Einverstanden.“
„Na schön. Weil du es bist. Ein allerletztes Mal. Danach werde ich einen Hypnotiseur aufsuchen, der diese ruchlose Geschichte ein für alle Mal aus meinem Gedächtnis löscht“, alberte ich, obgleich ich diesen Vorfall tatsächlich nur zu gerne vergessen wollte.
„Ähm … ja, also, wie gesagt, ich war fünfzehn und wir fuhren mit der Klasse für eine Woche in den Schulschikurs nach Mauterndorf. Als wir an einem Mittwochabend allesamt, Schüler und Lehrer, im großen Gemeinschaftsraum der Jugendherberge, in der wir untergebracht waren, nett beisammensaßen, beobachtete ich zufällig, wie eben unser neuer, junger, außerordentlich adretter und gutaussehender Professor den Saal verließ. Ich kann es mir bis heute selbst nicht erklären, warum ich ihm eigentlich folgte, da ich absolut nichts Böses im Schilde führte. Verstehst du? Der Vorfall war in keiner Weise geplant von mir. Es war einfach eine … ich weiß nicht, wie ich sagen soll … eine … Kurzschlusshandlung vielleicht. Jedenfalls ging er in den ersten Stock zu seinem Zimmer. Eine Weile stand ich vor der verschlossenen Tür und wusste überhaupt nicht, warum ich eigentlich hier war. Lediglich die Musik vom Gemeinschaftsraum im Erdgeschoss konnte man gedämpft vernehmen. Selbst für mich überraschend, horchte ich schließlich an seiner Tür. Frag mich nicht, warum ich es tat, Amanda, weil ich weiß es nicht. Jedenfalls führte er ein Telefonat mit seiner um ein Jahr jüngeren Frau, die obendrein im vierten Monat schwanger war, wie ich später mitbekam. Sie waren bis über beide Ohren ineinander verliebt. Wie ferngesteuert und auf völlig unerklärliche Weise öffnete ich in weiterer Folge langsam und äußerst leise seine Tür einen kleinen Spalt und lugte vorsichtig in sein Zimmer. Nach wie vor telefonierend saß er mit dem Rücken zu mir. Auf Samtpfoten, wie eine Katze, die das Mausen nicht lassen kann, huschte ich schließlich rein und schloss lautlos die Tür hinter mir. Beinahe schwebend wie die maulende Myrte näherte ich mich ihm und schmolz förmlich dahin, da der Kerl einfach so unglaublich gut aussah. Eine kurze Weile lauschte ich seinen Worten, die er verliebt ins Telefon säuselte. Als er schließlich sein Gespräch beendete und sein Smartphone zur Seite legte, saß er völlig in Gedanken versunken für einen kurzen Moment einfach nur so da, während ich unmittelbar hinter ihm stand und kaum zu atmen wagte. Erst ein, zwei Minuten später stand er abrupt auf, drehte sich um und wollte flotten Schrittes zur Tür gehen, als er plötzlich einen lauten Schrei von sich gab und mit seiner Hand reflexartig eine Abwehrreaktion vollführte, womit er mir versehentlich die Bluse zerriss. Halb liegend, halb sitzend auf seinem massiven Tisch starrte er mich völlig schockiert an, wie ich mit entblößten Brüsten vor ihm stand, da ich damals bereits nur selten einen BH unter meinen Blusen und Kleidern trug.
...
Meine stets neugierige Freundin Amanda
Am nächsten Tag half mir Stefanie meinen Koffer für die anstehende Hochzeitsreise zu packen, was sie jedoch auch ein wenig traurig stimmte.
„Hey, Stefanie. Was ist los? Was bedrückt dich so sehr?“
„Am liebsten würde ich mich heimlich selbst einpacken, in einem eurer Koffer. Und wenn ihr diesen in Amerika öffnet, herausspringen und ‚Überraschung‘ rufen“, alberte sie, obgleich ihr gar nicht danach zumute war.
„Ja, mein Schatz. Ich hätte dich auch gerne dabei.“
„Schließlich sehen wir uns jetzt sechs lange Wochen nicht.“
„Ich weiß, Stefanie. Aber genieße trotzdem die Zeit mit deiner Familie. Und unsere Wohnung steht dir auch stets zur Verfügung … ähm … für diverse Feten oder Gangbang-Partys“, alberte ich grinsend.
„Haha, selten so gelacht. Ulknudel.“
„Du wirst sehen, wie rasch die Zeit vorübergeht.“
„Ja, vermutlich hast du recht.“ Am nächsten Tag wurden wir von einem Shuttle-Dienst direkt von zuhause abgeholt und zum Flughafen München gebracht. Nach dem Einchecken bei der United Airlines, als wir auf das Boarding warteten, wurden wir plötzlich aufgerufen. Verwundert sahen wir uns an. Als wir uns beim Schalter meldeten, baten sie uns, die Boarding-Cards abzugeben. „Na, super. Das beginnt ja toll. Wieso müssen wir jetzt unsere Flugtickets abgeben?“, fragte ich Jean deprimiert, worauf er jedoch lediglich mit den Schultern zuckte.
„Ähm … ich habe keine Ahnung. Bestimmt werden wir es gleich erfahren.“ Als sie unsere Economy-Boarding Cards entgegennahmen, erhielten wir unversehens für beide Flüge bis Los Angeles First-Class-Boarding-Cards inklusive zwei Flaschen Champagner geschenkt – lediglich weil wir beim Einchecken angegeben hatten, Honeymooner zu sein.
„Wow! Wusstest du das?“, fragte ich Jean.
„Nein. Wusste ich nicht. Jedenfalls ist es eine sehr nette Geste.“ Die ersten drei Nächte verbrachten wir in Los Angeles, wo wir uns die Stadt der Engel inklusive den Hollywood Hills, Beverly Hills, Bel Air, dem Rodeo Drive, in dem sich auch das Hotel Beverly Wilshire aus dem Film Pretty Women befindet, Disney Land und einiges mehr ansahen. „Warum sagt man zu Los Angeles eigentlich ‚Stadt der Engel‘?“, fragte ich ihn.
„Habe ich bis vor kurzem auch nicht gewusst, weshalb ich es googelte.“ Für einen Moment war es still. „Ähm … okay. Und auf welche Erkenntnis kamst du?“
„Die Stadt wurde am vierten September 1781 vom spanischen Gouverneur Felipe de Neve als El Pueblo de la Reina de Los Angeles gegründet. Was übersetzt so viel heißt wie das Dorf der Königin der Engel.“
„Interessant. Ähm … danke, Mister Google.“ Am vierten Tag fassten wir unser Motor-Home aus, mit dem wir insgesamt fünftausend Kilometer durch Nevada, Kalifornien, Arizona und Utah fuhren. Wir besuchten etliche Nationalparks in diesen Bundesstaaten, wie zum Beispiel den Yosemite Nationalpark, den Sequoia und Kings Canyon, den Joshua Tree National Park, natürlich den Grand Canyon und ebenso das Death Valley. Aber auch den Zion National Park, den Bryce Canyon und den Capitol Reef National Park. In den Parks, wo es erlaubt war, grillten wir uns T-Bone-Steaks und tranken unter anderem den Champagner, den wir geschenkt bekommen hatten, aus Plastikbechern, da es in dem Wohnmobil keine echten Gläser gab. Wir waren am Lake Tahoe, einem riesigen See auf tausendachthundertsiebenundneunzig Metern, und besichtigten den Hoover Damm, der den Lake Mead aufstaut und Arizona, Nevada und Kalifornien mit Wasser versorgt. Darüber hinaus produziert er einen Teil des Stromes für Las Vegas, wo wir ebenfalls waren. Über Sacramento und Sausalito im Norden trafen wir schließlich in San Francisco ein, begleitet von Songs auf meinem Smartphone, wie „If You’re Going to San Francisco“ von Scott McKenzie oder „California Dreamin’“ von den Mamas & Papas. Anschließend fuhren wir den Highway Number One über San Jose, das kleine entzückende Städtchen Carmel, in dem Clint Eastwood einmal Bürgermeister war, Montery, San Luis Obispo, Santa Barbara und Malibu zurück nach Los Angeles. Danach flogen wir noch für eine Woche weiter nach Kauai zwecks Entspannung. Weil so schön die Tour mit dem Wohnmobil auch war, so anstrengend war sie zum Teil auch. Kauai ist die viertgrößte Insel Hawaiis und wird völlig zurecht auch die Garteninsel genannt, was sie den tropischen Regenwäldern verdankt, die einen Großteil der Fläche bedecken. Unsere Honey-Moon-Suite hatten wir im Coco-Palms-Ressort. Als Mietauto entschieden wir uns für einen Ford Mustang Cabriolet, mit dem wir unglaublich schöne Ausflüge unter anderem zu den dramatischen Klippen und Gipfeln an der Na Pali Coast oder an den Poipu Beach machten. An diesem Strand waren wir stundenlang mit Taucherbrille und Schnorchel etwas weiter draußen bei einem Riff. Nie zuvor sah ich eine derart schöne Unterwasserwelt. Als ob man im Haus des Meeres im Aquarium schwimmen würde. Wenn in so kurzer Zeit derart viele Eindrücke auf einen zukommen, ist man damit beinahe überfordert, alles aufzunehmen und geistig zu verarbeiten. Überdies muss man sich unentwegt kneifen, um zu testen, ob all das wahrhaftig ist oder ob es sich lediglich um einen wunderschönen Traum handelt, den man nicht mehr aufhören möchte zu träumen. Natürlich hatten wir auch reichlich Sex. Annähernd jeden Tag. In den Städten, im Wohnmobil und in den Nationalparks, gelegentlich auch unter freiem Himmel. Man möchte nicht glauben, wie viele romantische Plätzchen es dort gibt. Leider verging die Zeit viel zu schnell. Wir konnten kaum glauben, wie rasch die sechs Wochen verstrichen waren. Zuhause angekommen fielen Stefanie und ich uns gleich einmal um den Hals. Aber auch Jean wurde herzlich von ihr begrüßt. Gleich am nächsten Tag fuhr ich zu Amanda in den Friseursalon, da ich dringend einen Haarschnitt und eine Maniküre inklusive Nagellackierung benötigte. Bei ihr im Salon angekommen begrüßten wir uns mit Küsschen auf die Wangen. „Hi, Amanda.“
„Hi, Yve. Glas Prosecco?“
„Ja, bitte. Sehr gerne.“ Anschließend setzte ich mich auf den Friseurstuhl.
„Frisur wie gehabt?“
„Ja, bitte. Wie gehabt.“
„Wie war eure Hochzeitsreise?“
„Ich kann es mit Worten kaum beschreiben. Traumhaft schön. Und … obgleich wir sechs Wochen unterwegs waren, verging auch diese Zeit viel zu schnell.“ Im Schnellverfahren erzählte ich ihr, was wir alles erlebt und gesehen hatten. Was ihr jedoch beinahe endgültig den Verstand raubte, war, wie oft wir miteinander Sex hatten, nachdem sie mich explizit danach fragte. Aber so war sie nun mal.
„Waaas!? Ihr hattet in sechs Wochen vierzigmal Sex“, wiederholte sie flüsternd. „Jetzt bin ich aber ordentlich deprimiert. Das habe ich nicht einmal in einem Jahr.“
„Blödsinn. Du wirst doch wohl einmal wöchentlich Sex haben.“
„Ähm … Entschuldigung. Nein, habe ich nicht.“
„Hm … okeeey.“
„Weißt du. Als wir beide noch durch die Gegend zogen, war es viel lustiger für mich. Gott, was hatten wir viel Spaß. Was ich mit dir zusammen alles erlebt habe, würde uns ohnehin niemand glauben. Aber die Zeiten sind wohl vorüber, jetzt, wo du eine ehrbare Frau geworden bist.“
Da ich gerade einen Schluck Prosecco zu mir nehmen wollte, verschluckte ich mich beinahe, als sie das zu mir sagte.
„Ähm … wurde ich das?“
„Yve, du bist verheiratet.“
„Ach ja, richtig. Ich vergaß. Und darum habe ich jetzt aufgehört zu leben?“ Fragenden Blickes sah sie mich an.
„Nun, nein, natürlich nicht. Aber bestimmt führst du mittlerweile ein anderes Leben als damals, als wir beide noch gemeinsam unterwegs waren, oder?“
„Du meinst grundanständig und so?“
„Ja, zum Beispiel. Oder etwa nicht?“
„Nun ja. Ähm … das ist alles relativ und liegt im Auge des Betrachters. Worin ich mich jedoch bestimmt geändert habe, ist, so wie früher würde ich es gewiss nicht mehr machen.“ Für einen Moment betrachtete sie mich im großen Spiegel vor mir. „Hm … was würdest du so nicht mehr machen?“
„Na ja. Ich würde Männer, mit denen ich ins Gespräch komme, heute nicht mehr derart gemein behandeln und um den Finger wickeln. Weil es nicht in Ordnung war. Da waren durchaus auch Kerle dabei, die mir danach unglaublich leidtaten, da sie eigentlich prima Burschen und ihre Gefühle ehrlich waren.“
„Jaaa … mag schon sein. Aber wie viele Männer gibt es, die wiederum mit uns Frauen spielen? Wesentlich mehr als umgekehrt, glaube mir. Ich denke, sie werden es überleben, wenn sie selbst diese Lebenserfahrung auch einmal machen. Für viele Schürzenjäger sind wir Frauen doch bloß ein netter Zeitvertreib. Ein Spielzeug sozusagen, das man nach dem Spielen achtlos wegwirft oder in eine Ecke stellt. Wie viele Frauen heulen sich jeden Tag regelrecht die Augen aus dem Kopf wegen solchen Mistkerlen. Sorry, aber mir tun diese Typen nicht leid. Die paar unter ihnen, die es eben ehrlich gemeint hätten und durch unseren Flirt-Spaß quasi unschuldig zum Handkuss kamen, weil sie sich Hals über Kopf in uns verliebten und sich deshalb eben mehr erwarteten als nur einen One-Night-Stand …“ Gleichgültig zuckte sie mit ihren Schultern. „Tja … Kollateralschäden wird es immer geben.“ Völlig entsetzt starrte ich sie durch den großen Spiegel an.
„Was ist denn mit dir passiert? Seit wann bist du dermaßen verhärmt, hartherzig und negativ drauf?“ Neuerlich zuckte sie mit ihren Schultern.
„Was denn? Wenn’s doch stimmt. Ich war auch schon des Öfteren in augenscheinlich tolle Burschen bis über beide Ohren verliebt. So wie es bei euch beiden der Fall ist. Aber nachdem sie genug gespielt hatten mit mir, wurde ich von ihnen eiskalt abserviert. Und darum habe ich mit den Männern auch kein Mitleid mehr.“
„Hm … ja, ich weiß. Du hast deshalb tatsächlich schon einige Male bitterlich geheult. Aber muss man stets Gleiches mit Gleichem vergelten? Ich meine … du sehnst dich ja nach wir vor nach einem Herz-Buben, der deine Liebe wahrlich verdient hat, oder etwa nicht?“
„Ja, klar.“
„Nun, dann … wie willst du je so einen netten Kerl finden, mit deiner gegenwärtigen Einstellung? Überdies war die Verarsche, die wir damals fortwährend machten, auch nicht besonders förderlich für ein positives Frauenbild. Auf diese Art und Weise schaukelt sich das Ganze nämlich bloß gegenseitig hoch. Wenn jeder, der einmal bitterliche Erfahrungen gemacht hat, in Zukunft zu anderen nur noch gewissenlos ist, darf man sich auch nicht wundern, wenn nur noch gefühlskalte Vollkoffer durch die Gegend laufen.“ Völlig irritiert starrte sie mich an.
„Sag einmal. Was ist denn mit dir passiert? So kenne ich dich gar nicht. Ist das schon die kleine, lebenslustige, freche Yve, die augenblicklich vor mir sitzt, oder sitzt da jemand anders? Vielleicht hat dich der Papst aber auch heiliggesprochen, was bislang noch nicht durchgedrungen ist zu mir“, frotzelte sie mich.
„Ja, klar. Hure und Heilige zugleich.“ Herzhaft kicherten wir.
„Ähm … warte mal. Ich spule nur schnell meine Erinnerungen ein wenig zurück. Warst nicht du seinerzeit die kleine verfickte Mistkröte, die ständig Jungs und in weiterer Folge auch junge Männer zum Narren hielt und sie allesamt nach Gebrauch entsorgt hat, wie ein angerotztes Taschentuch? Und zwar auf herzloseste, bösartigste und demütigende Art und Weise?“ Schuldbewusst blickte ich kopfnickend zu Boden und hauchte kaum wahrnehmbar: „Ja. In der Tat. So war ich früher. Aber heute tut es mir leid. Weil es falsch war.“ Ohne darauf einzugehen, was ich eben gesagt hatte, fuhr sie damit fort, mir meine Sünden von damals vorzutragen.
„Überdies möchte ich dich auch daran erinnern, da es, wie mir scheint, bei dir bereits in Vergessenheit geraten ist, dass du im Kindergarten bereits eine Legende warst und den kleinen unschuldigen Jungs der Reihe nach die Köpfe verdreht hast und nicht nur die. Und als unsere Lehrerin in der Volksschule uns Kindern Sexualkunde vermitteln wollte, hast du aufgezeigt und sie gefragt, ob die Kinder, die schon einmal gefickt haben, einstweilen rausgehen dürfen, eine rauchen“, neckte sie mich, worauf wir vor Lachen losprusteten.
„Hey, du Ulknudel. Du bist heute allem Anschein nach wieder besonders witzig. Was du sagst, stimmt doch gar nicht. Ich habe nämlich noch nie geraucht.“ Wir lachten Tränen. „Außerdem war ich bereits im Sportgymnasium und schon elf, als Peter, der damals fünfzehn war, mit mir den Beischlaf vollführte und mich deflorierte.“
„Defloriiiierte. Die distinguierte Dame spricht heute aber wieder besonders vornehm. Sag einfach, wie es ist. Er hat dir die Unschuld genommen.“
„Hey …“
„Hm … obgleich … unschuldig warst du bereits als kleines Mädchen nicht mehr“, plänkelte sie.
„Dumpfbacke.“
„Und überhaupt: du hattest deinen ersten Sex erst mit elf?“, narrte sie mich unablässig, wenngleich sie es ohnehin wusste.
„Ja, sag ich doch. Ich war eben ein Spätzünder.“
„Siehst du, im Vergleich zu dir war ich hochanständig, da ich es immerhin bis zu meinem zwölften Lebensjahr hinauszögern konnte.“
„Ja, sicher doch. Richtig ehrenhaft warst du. Ich sag nur Heuhütte.“
„Was, Heuhütt … ach so, das. Da war doch nichts. Außerdem warst du auch dabei.“
„Na ja, aber meine Freundin Amanda, die kleine Sau, war damals in dem Schuppen mit Abstand die Wildeste unserer Girl-Gang. Und in jenen Tagen waren wir auch erst elf oder zwölf Jahre alt.“
„Tsss … und wenn schon. Wie ich schon sagte, da war nichts.“
„Neiiin. Ganz und gar nicht. Weißt du, was ich glaube? Ich denke, du kannst oder willst dich einfach nicht mehr daran erinnern. Wahrscheinlich hast du diese Erinnerung aus deinem Gedächtnis gestrichen, weil dir die kleine versaute Tupper-Party von damals heute im Nachhinein gesehen einfach peinlich ist.“ Fragenden Blickes sah sie mich an.
„Was für eine Tupper-Party?“
„Na, mehrere Mädels, die im Kreis sitzen und sich gegenseitig ihre Dosen zeigen.“
„Haha. Sehr witzig. Doofe Nuss. Tupper-Party. So ein Scheiiiß. Wer kommt denn auf so einen Blödsinn. Na toll. Zukünftig, wenn mich Freundinnen fragen, ob ich bei ihrer Tupper-Party teilhaben möchte, werde ich stets daran denken müssen, was du darunter verstehst.“ Erneut lachten wir Tränen.
„Hey, es handelte sich lediglich um eine harmlose Muschi-Beschau. Nichts weiter.“
„Ja, bis du die glorreiche Idee hattest bei jeder einzelnen von uns deine Nase tief in unsere Scheide zu stecken, und anschließend auch noch ordentlich reinlecken musstest, weil du ja unbedingt wissen wolltest, ob wir uns da unten nicht nur vom Aussehen her unterscheiden, sondern auch vom Geruch und Geschmack.“
„Hey! Nicht so laut. Muss ja keiner mitbekommen, was wir seinerzeit schon für verdorbene Mistkröten waren. Ihr wart eben zu feige, es mir nachzumachen.“ Grinsend nickte ich.
„In der Tat. Das waren wir. Vielleicht hat uns aber auch lediglich davor geekelt. Denn ob allen daran Beteiligten bereits die Wichtigkeit einer anständigen Intimreinigung bewusst war und ob sie diese auch tatsächlich jeden Tag vollführten, wage ich doch sehr zu bezweifeln.“ Amanda schüttelte sich.
„Bäh! Du bist grauslich.“
„Wieso ich? Die Muschi-Leckerin damals warst ja wohl du.“
„Dass dir davor geekelt hätte, kaufe ich dir bestimmt nicht ab. Weil ich habe nicht als zwölfjährige einem unschuldigen und wohlerzogenen dreizehnjährigen Jüngling das Onanieren beigebracht und danach, als er ejakulierte, sein Sperma bis auf den letzten Tropfen gierig runtergeschluckt.“ Erneut lachten wir herzhaft.
„Das war doch völlig arglos und ohne jeden bösen Hintergedanken von mir. Ich hatte lediglich großes Mitleid mit ihm. Immerhin war er bereits dreizehn Jahre alt und hatte nach wie vor keinen blassen Schimmer, sein kleines Zumpferl außer zum Lulu-Machen auch noch für andere Funktionen verwenden zu können.“ Beinahe brüllten wir vor Lachen, während es uns förmlich die Lachtränen aus den Augen trieb.
„Ja. Vielleicht war es tatsächlich harmlos. Nicht jedoch das, was du als Fünfzehnjährige mit dem armen, gerade einmal fünfundzwanzigjährigen, süßen Gymnasialprofessor anstelltest. Yve, in aller Freundschaft und ich mag dich wirklich sehr, aber das war definitiv kriminell von dir. Magst du es mir bitte noch einmal erzählen, da ich mich nicht mehr an sämtliche Einzelheiten erinnern kann?“
„Amanda. Wieso erinnerst du mich daran? Ich versuche es krampfhaft zu vergessen und du bringst es plötzlich erneut aufs Tablett. Was ich damals gemacht habe, war in der Tat partout nicht in Ordnung. Eines von vielen unrühmlichen, dunklen Ereignissen in meiner Kindheit und Jugendzeit, wofür ich mich heute im Nachhinein betrachtet zutiefst schäme. Danach tat er mir fürchterlich leid, als er in seinem Zimmer bitterlich zu weinen begann. Um ein Haar hätte ich mit ihm herzzerreißend mitgeheult. Ich dachte nur noch: Oh Gooott! Was bin ich nur für ein Unverbesserliches, abscheuliches, sexbesessenes Monster. Ich habe mit meinen gerade einmal fünfzehn Jahren einen begabten und hochanständigen, fünfundzwanzigjährigen Professor dazu gebracht, sich vor mir herzbewegend die Seele aus dem Leib zu heulen. Amanda, außer dir weiß niemand davon und das muss bitte auch unbedingt so bleiben.“
„Ja, ja. Schon klar. Ich beabsichtige nicht, es weiterzuerzählen. Darauf hast du mein Wort. Habe ich aber auch bisher nicht getan.“
„Unmittelbar nach meiner übermütigen und völlig gedankenlosen Schandtat habe ich mich bei ihm mit ehrlichen Tränen in den Augen dafür entschuldigt und ihm auch hoch und heilig versprochen, so etwas nie mehr wieder abzuziehen.“
„Dass du ihm gegenüber danach dein aufrichtiges Bedauern zum Ausdruck gebracht hast, rechne ich dir wahrlich hoch an und es beweist mir, an dir eine Freundin zu haben, die noch nicht völlig verkommen ist. Du hast deinen begangenen Fehler eingesehen, es bereut und anschließend an dir gearbeitet.“ Zustimmend nickte ich.
„Ähm … hat’s eigentlich etwas gebracht?“, scherzte sie. Entsetzt starrte ich sie an.
„Blöde Kuh.“ Erneut lachten wir herzhaft.
„Magst du es mir noch einmal erzählen, was damals genau ablief?“
„Amanda. Es gibt Dinge im Leben, die sollte man einfach ruhen lassen.“
„Bitte.“ „Hm … unter einer Bedingung.“
„Die da wäre?“
„Wenn du mich danach nie mehr wieder darauf ansprichst. Weil ich versuche, es tatsächlich zu vergessen.“
„Okay. Einverstanden.“
„Na schön. Weil du es bist. Ein allerletztes Mal. Danach werde ich einen Hypnotiseur aufsuchen, der diese ruchlose Geschichte ein für alle Mal aus meinem Gedächtnis löscht“, alberte ich, obgleich ich diesen Vorfall tatsächlich nur zu gerne vergessen wollte.
„Ähm … ja, also, wie gesagt, ich war fünfzehn und wir fuhren mit der Klasse für eine Woche in den Schulschikurs nach Mauterndorf. Als wir an einem Mittwochabend allesamt, Schüler und Lehrer, im großen Gemeinschaftsraum der Jugendherberge, in der wir untergebracht waren, nett beisammensaßen, beobachtete ich zufällig, wie eben unser neuer, junger, außerordentlich adretter und gutaussehender Professor den Saal verließ. Ich kann es mir bis heute selbst nicht erklären, warum ich ihm eigentlich folgte, da ich absolut nichts Böses im Schilde führte. Verstehst du? Der Vorfall war in keiner Weise geplant von mir. Es war einfach eine … ich weiß nicht, wie ich sagen soll … eine … Kurzschlusshandlung vielleicht. Jedenfalls ging er in den ersten Stock zu seinem Zimmer. Eine Weile stand ich vor der verschlossenen Tür und wusste überhaupt nicht, warum ich eigentlich hier war. Lediglich die Musik vom Gemeinschaftsraum im Erdgeschoss konnte man gedämpft vernehmen. Selbst für mich überraschend, horchte ich schließlich an seiner Tür. Frag mich nicht, warum ich es tat, Amanda, weil ich weiß es nicht. Jedenfalls führte er ein Telefonat mit seiner um ein Jahr jüngeren Frau, die obendrein im vierten Monat schwanger war, wie ich später mitbekam. Sie waren bis über beide Ohren ineinander verliebt. Wie ferngesteuert und auf völlig unerklärliche Weise öffnete ich in weiterer Folge langsam und äußerst leise seine Tür einen kleinen Spalt und lugte vorsichtig in sein Zimmer. Nach wie vor telefonierend saß er mit dem Rücken zu mir. Auf Samtpfoten, wie eine Katze, die das Mausen nicht lassen kann, huschte ich schließlich rein und schloss lautlos die Tür hinter mir. Beinahe schwebend wie die maulende Myrte näherte ich mich ihm und schmolz förmlich dahin, da der Kerl einfach so unglaublich gut aussah. Eine kurze Weile lauschte ich seinen Worten, die er verliebt ins Telefon säuselte. Als er schließlich sein Gespräch beendete und sein Smartphone zur Seite legte, saß er völlig in Gedanken versunken für einen kurzen Moment einfach nur so da, während ich unmittelbar hinter ihm stand und kaum zu atmen wagte. Erst ein, zwei Minuten später stand er abrupt auf, drehte sich um und wollte flotten Schrittes zur Tür gehen, als er plötzlich einen lauten Schrei von sich gab und mit seiner Hand reflexartig eine Abwehrreaktion vollführte, womit er mir versehentlich die Bluse zerriss. Halb liegend, halb sitzend auf seinem massiven Tisch starrte er mich völlig schockiert an, wie ich mit entblößten Brüsten vor ihm stand, da ich damals bereits nur selten einen BH unter meinen Blusen und Kleidern trug.
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