Bildwelten, die berühren und eine Hauptfigur, die unter die Haut geht – das alles schafft Autorin Luisa Brandstädter in ihrem Debütroman »Shapeshifter«
Bildwelten, die berühren und eine Hauptfigur, die unter die Haut geht – das alles schafft Autorin Luisa Brandstädter in ihrem Debütroman »Shapeshifter«.

»Was passiert, wenn man liebt und zugleich das Gefühl hat, einem größeren Plan ausgeliefert zu sein?« Dieser Frage geht Luisa Brandstädter in ihrem neuen Roman nach. »Shapeshifter. Liebe und Schicksal« ist mehr als eine Urban Fantasy – es ist eine Geschichte über Erwachen.
Luisa Brandstädter erzählt von einer jungen Frau, die sich in der Leere ihres Alltags verliert und erst durch eine Reihe unerklärlicher Begegnungen begreift, dass hinter ihrer Welt mehr liegt, als sie zu sehen wagt – und in ihr selbst ebenso. Was als stiller Realismus beginnt, entfaltet sich zu einer Erzählung über Identität, Trauma und den Mut, sich selbst zu erkennen. Die Magie, die in Elaena erwacht, ist dabei nicht nur eine Gabe, sondern eine Spiegelung innerer Kraft: Sie steht für das Ringen zwischen Angst und Selbstbestimmung, zwischen dem Gefühl, ausgeliefert zu sein, und dem Wunsch, das eigene Schicksal in die Hand zu nehmen.
Brandstädter verbindet psychologische Tiefe mit mythischer Symbolik – sie erzählt vom Moment, in dem ein Mensch erkennt, dass er längst Teil einer größeren Wahrheit ist. Alles das packt die Autorin mit viel Gespür in ein Buch, das kürzlich mit dem novum Verlag Buchpreis ausgezeichnet wurde. Wir haben mit der Autorin über bemerkenswerte Figuren und Bildwelten sowie ihr Buch, das die Herzen von Fantasy- und Romantikfans gleichermaßen berührt, gesprochen.

Autoreninterview mit Luisa Brandstädter
Der Untertitel zu Ihrem neuen Buch »Shapeshifter« lautet »Liebe und Schicksal«. Das sind große Begriffe, die die Philosophie schon vor Jahrhunderten beschäftigten und immer noch beschäftigen. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, gerade diese Themen literarisch zu verarbeiten?
Liebe und Schicksal sind wie zwei Kräfte, die sich gegenseitig herausfordern. Manchmal wirken sie wie Gegenspieler, manchmal wie Verbündete. Ich wollte mit meinen Figuren ausprobieren, wie sich das anfühlt: Was passiert, wenn man liebt und zugleich das Gefühl hat, einem größeren Plan ausgeliefert zu sein? Interessanterweise ist mir erst im Schreibprozess bewusst geworden, wie stark genau diese beiden Themen den Roman tragen – sie haben sich fast von selbst in den Vordergrund geschoben.
Unser Schicksal bestimmt unsere Vergangenheit genauso wie unsere Zukunft. Dazu muss man aber auch zurückschauen können. Viele Szenen drehen sich um Elaenas verschleierte Erinnerungen. Der Blick auf ihre Vergangenheit bleibt ihr verstellt. Welche Bedeutung nimmt die Macht der Erinnerung in Ihrem Roman ein?
Die verschleierten Gedanken nehmen tatsächlich keinen allzu großen Teil im Buch ein, in dem Sinne, dass sie häufig beschrieben würden – vielmehr haben sie eine Rolle von großer Bedeutung. Genau an dem Punkt, an dem Elaena Zugang zu diesen Erinnerungen erhält, verändert sich alles: Ihre Wahrnehmung kippt, und sie begreift, dass das Leben, wie sie es bisher kannte, gar nicht existierte und dass sie Teil von etwas viel Größerem ist. Vielleicht steckt darin auch eine Symbolik: Sobald wir selbst Klarheit über etwas erlangen, sehen wir die Welt mit anderen Augen – und nehmen Dinge wahr, die uns zuvor verborgen geblieben sind.
Elaena ist eine bemerkenswert mutige Protagonistin, die dennoch oft zwischen Unsicherheit und Stärke schwankt. Welche Aspekte ihrer Persönlichkeit imponieren Ihnen persönlich am meisten und warum?
Elaena macht im Laufe der Geschichte einen bemerkenswerten Wandel durch. Zu Beginn ist sie eher zurückhaltend, ihr fehlt der Mut, und vieles in ihrem Leben scheint ihr aus den Händen zu gleiten. Gerade darin liegt etwas, womit sich vermutlich besonders junge Leserinnen und Leser identifizieren können – es macht sie nahbar. Im Verlauf der Geschichte wächst Elaena jedoch über sich hinaus und entdeckt Kräfte in sich, die sie sich selbst nie zugetraut hätte – nicht nur im magischen Sinne. Vielleicht habe ich mit ihr eine Figur geschaffen, die den einen oder anderen dazu inspiriert, mehr Vertrauen in sich selbst und die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln.

Ihr Roman ist eine Mischung aus Romantik und Magie. »Shapeshifter« verbindet realistische Schauplätze, wie etwa das schottische Kilchurn, mit fantastischen Welten wie dem Arth. Wie hat sich der Aufbau dieser Welten für Sie im Schreibprozess gestaltet?
Das Örtchen Kilchurn basiert auf der Burgruine Kilchurn Castle am Loch Awe in Argyll and Bute, Schottland. Mit diesem Land – und gerade mit diesem Ort – verbinde ich persönlich sehr viel. Vielleicht ist es auch deshalb kein Zufall, dass die Liebe in meinem Roman eine so große Rolle spielt. Der Arth hingegen ist das genaue Gegenteil: ein höllengleicher Ort in meiner fiktiven Welt. Für mich war von Anfang an klar: Das eine existiert nicht ohne das andere. Allerdings wollte ich keine reine Schwarz-Weiß-Gegenüberstellung. Deshalb habe ich insgesamt neun Welten erschaffen, die in einer Art Symbiose miteinander leben – sie profitieren voneinander, auch wenn sie im Roman selbst nicht alle gleich stark in den Vordergrund treten.
Ihr Roman steckt auch voll tiefer Symbolik. Die »Male« und das »Leuchten« sind Motive, die uns durchaus auch außerhalb des Genres Fantasy begegnen könnten. Wofür stehen diese Symbole?
Im Roman sind die Male ganz konkret Hautzeichnungen, die die Nixen auf ihrer Haut tragen. Und auch das Leuchten hat zunächst eine klare Funktion: Es entsteht, weil Elaena ihre wahre Gestalt unterdrückt. Sie wurde in einen menschlichen Körper gezwungen, und das Leuchten deutet darauf hin, dass in ihr etwas schlummert, das an die Oberfläche drängt. Gleichzeitig finde ich es spannend, dass diese Motive symbolisch gelesen werden können – etwa als Zeichen dafür, dass wir manchmal Anteile unserer selbst verdrängen, die eigentlich zu uns gehören und irgendwann ihren Weg nach außen finden.
Ihr Buch wurde mit dem novum Verlag Buchpreis für die beste Neuerscheinung im Frühjahr 2025 ausgezeichnet. Damit ist Ihr Debüt als Autorin wohl zurecht als voller Erfolg zu bezeichnen. Wie hat Ihr Umfeld auf Ihr Buch und die damit verbundene Auszeichnung reagiert?
Allen voran stehen mein Mann, mein Vater und meine Schwiegermutter, die stolzer kaum sein könnten. Ihre Unterstützung bedeutet mir unglaublich viel. Darüber hinaus habe ich auf meinem Weg als Autorin viele wunderbare Kolleginnen kennengelernt, die sich ehrlich mit mir freuen. Diese Resonanz erfüllt mich mit tiefer Dankbarkeit – nicht nur für die Auszeichnung, sondern auch dafür, dass ich durch das Schreiben Menschen in mein Leben gezogen habe, die inzwischen zu einem wichtigen Teil für mich geworden sind.
Wenn Ihre Leser am Ende nur eine zentrale Botschaft aus Ihrem Roman mitnehmen sollen – welche wäre das?
Wenn es eine Botschaft gibt, die meine Leserinnen und Leser aus dem Roman mitnehmen sollen, dann vielleicht diese: Auch wenn manches im Leben schief läuft, bedeutet das nicht automatisch ein schlechtes Ende. Es braucht Mut, die eigene Zukunft selbst in die Hand zu nehmen – und manchmal reichen schon die kleinsten Veränderungen, um alles ins Rollen zu bringen. Und schließlich: Der Ort, aus dem man kommt, muss nicht zwangsläufig der Ort sein, an den man gehört.

Dürfen wir uns auf ein weiteres Buch aus der Feder von Luisa Brandstädter freuen?
Mit Shapeshifter habe ich einen großen Meilenstein erreicht, und für mich ist klar: das war erst der Anfang. In mir schlummern noch zahlreiche Ideen für verschiedenste Romane: von Romance, über Dystopie, Fantasy bis hin zu Jugendkrimis – doch allem voran geht die Fortsetzung meines Debüts, auf die ich persönlich mich am meisten freue.
Vielen Dank für das Gespräch!
Sie wollen mehr über den novum Verlag Buchpreis und über unsere Gewinner und Gewinnerinnen erfahren? Hier finden Sie alle Infos. Lesen Sie hier das Interview mit unserer letzten Gewinnerin Sieglinde Maraschi, Autorin eines märchenhaft schönen Buchs.
Lassen Sie Ihrer Tastatur freien Lauf
Ihr novum Verlag
Über die Autorin

Mit Shapeshifter veröffentlicht Luisa Brandstädter ihr Debüt – ein Projekt, das über viele Jahre gewachsen ist. Schon als Jugendliche begann sie, eigene Welten zu erschaffen – nicht, um der Realität zu entkommen, sondern um einen Ort zu finden, an dem ihre Fragen Raum hatten: Wer bin ich? Wo will ich hin? Was erwarte ich vom Leben? Das Schreiben wurde zu einem Kompass in einer Zeit voller Unsicherheit – und begleitet sie seitdem als ständiger Teil ihres Lebens. Bis heute verfolgt sie das Ziel, durch ihre Geschichten Menschen zu erreichen, denen es ähnlich ging. Sie möchte mit ihren Büchern eine Art Zuflucht schaffen – einen Raum, in dem sich andere wiederfinden und verstanden fühlen können. Ihre Inspiration schöpft sie aus kreativen Hobbys und einer tiefen Auseinandersetzung mit sich selbst.
Über das Buch

Kennst du das, wenn dein Leben plötzlich aus den Fugen gerät und nichts mehr so ist wie zuvor? Genau so ergeht es Elaena Darley und damit beginnt ihr schmerzhafter Kampf um mehr Selbstvertrauen und um die wahre Liebe. Wird sie ihr Schicksal besiegen können?
»Shapeshifter. Liebe und Schicksal«
Luisa Brandstädter
338 Seiten
ISBN: 978-3-7116-0923-6
Zum Onlineshop!


Ich habe das Buch gelesen und geliebt. Jetzt auch noch ein paar Blicke hinter die Kulissen zu bekommen, ist wirklich toll.
Ich freue mich schon mehr von Luisa zu lesen.