Der Krieg ins Ungewisse – Band 2
Wie Deutschland mit dem Ukraine-Drama umgeht
EUR 27,90
Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 636
ISBN: 978-3-7116-0057-8
Erscheinungsdatum: 26.11.2024
Deutschlands Krise sieht die Scholz-Regierung ebenso wenig als hausgemachtes Desaster wie ihre verfehlte Ukraine-Politik von Antidiplomatie, Waffen- und Sanktionspaketen bei Vernachlässigung des eigenen Volkswohls. Damit verstößt sie gegen ihren Amtseid.
PROLOG
„Man muss die Dinge mit Augenmaß betreiben.
Es bringt nichts, einfach nur empört zu sein.“
Oliver Kempkens, bayerischer Topmanager, Inhaber
zahlreicher Chefsessel in deutschen, amerikanischen und russischen Konzernen und Analysator der russischen Wirtschaft, am 20. April 2023 gegenüber der „Berliner Zeitung“
„Was auch immer Du tust, handle vorausschauend
und bedenke die Folgen.“
Aus der spätmittelalterlichen Sammlung von
Moralerzählungen „Gesta Romanorum“
Ein Notruf in kriegstüchtiger Zeitenwende
Kurz vor dem Abschluss des Manuskriptes zu diesem Buch passierte ein Schockereignis, das von der breiten deutschen Öffentlichkeit unbemerkt blieb, obwohl es ihre Existenz betrifft. Es gehört eigentlich zum Kapitel, in dem es um den beängstigenden Zustand geht, dass wir unaufhaltsam auf eine atomare Konfrontation zutreiben, wenn der Westen in diesem vom russischen Präsidenten Wladimir Putin entfachten unseligen Krieg weiterhin auf Hochrüstung statt Diplomatie setzt.
Ich habe mich aber entschlossen, diesen hochbrisanten Extremvorfall als Alarmsignal an den Anfang des Buches zu stellen, weil er wie in einem Brennglas die potenziellen Gefahren und damit den Ernst der Lage auf Messers Schneide in anschaulicher Weise bündelt.
Dazu muss man wissen, dass es eine Art stillschweigende Übereinkunft zwischen den Nuklearmächten gibt, die atomaren Sicherheitsanlagen des Gegners in einem konventionellen Krieg nicht anzugreifen, da sie die Gefahr einer Irritation, einer Fehleinschätzung oder eines automatisch ausgelösten atomaren Gegenschlages in sich bergen.
Eben diese militärische Tabu-Zone hat Kiew verletzt. Mit gleich zwei Angriffen der ukrainischen Streitkräfte auf einen Nerv des russischen atomaren Überwachungssystems kam es am 23. und 26. Mai 2024 zu einem albtraumhaften Höhepunkt des Ukraine-Krieges. Er verdeutlicht auf Anhieb, in welch zerstörerische Dimension dieser am 24. Februar 2022 begonnene russische Krieg gegen die Ukraine durch eine unentwegte westliche Eskalation inzwischen gekommen ist. Der Vorfall geht über die berechtigte Gegenwehr des ukrainischen Verteidigers hinaus, weil er in leichtsinniger Weise in die atomare Sicherheitsstruktur Russlands eingreift und damit die zivile Allgemeinheit in Ost und West gefährdet.
Zudem straft er all jene Verharmloser Lügen, die bei weiterer Zuspitzung der Konfrontation den möglichen Einsatz von Atomwaffen für unwirkliche Fantastereien und routinierte Drohgebärden halten und damit die Wachsamkeit für diese Gefahr aller Gefahren einschläfern.
Die Fakten für das, was da am 23. und 26. Mai 2024 passiert ist und jegliche bisherige Zuspitzung des Krieges übertraf: Kiew hatte mit seinen Drohnen eine Radaranlage vom Typ „Woronesch DM“ bei der Großstadt Armawir in der südwestlichen russischen Region Krasnodar angegriffen und teilweise zerstört. Drei Tage danach war das zweite Ziel in etwa 1500 Kilometer Entfernung hinter den Frontlinien das russische Frühwarnradar „Woronesch M“ bei der Stadt Orsk an der Grenze zu Kasachstan. Mit ihm kann die russische Aufklärung gleichzeitig bis zu 500 Flugobjekte in bis zu 8000 Kilometer Entfernung orten.
Internetquelle: https://www.jungewelt.de/artikel/476078.ukraine-angriffe-auf-abwehr-russlands.html
Die elektronische Radarstation zur Überwachung des Luftraums ist für die Russische Föderation ein wesentlicher Teil ihres strategischen Frühwarnsystems, das mit seiner satellitengestützten Technik anfliegende Raketen erkennen und melden soll. Wird diese Früherkennung eines potenziellen gegnerischen Angriffs in Frage gestellt oder verhindert, ist die atomare Zweitschlagfähigkeit Russlands in massiver Weise beeinträchtigt und das Land wäre einem feindlichen nuklearen Erstschlag schutzlos ausgeliefert. Das hätte unabsehbare Konsequenzen, weshalb der Kreml solche Angriffe auf seinen atomaren Schutzschild auf Dauer nicht dulden dürfte.
Da das ukrainische Grenzgebiet zu Russland nur 500 Kilometer von Moskau entfernt ist, wäre die Vorwarnzeit für eine von dort abgefeuerte „Taurus“- oder Mittelstreckenrakete auf das Herz Russlands ohnehin sehr kurz und bei einer Störung des Frühwarnradars de facto gleich Null. Das würde einen wirksamen Verteidigungsschlag des Kreml infrage stellen. Erheblich vertaumelt zugunsten des Angreifers wäre damit das sogenannte Gleichgewicht des Schreckens, das die NATO zur Friedensgarantie erklärt hat, weil es beide Seiten militärisch in Schach hält.
Deutschlands Blätterwald blieb ruhig, still und ahnungslos bei diesen unverantwortlich riskanten Militärschlägen. Aber im amerikanischen Blätterwald rauschte es.
Am 26. Mai 2024 erschien nach dem zweiten Drohnenangriff eine mit Dringlichkeit versehene Presseerklärung des Internationalen Schiller Instituts mit der Schlagzeile: „Warnstufe Rot: Ukrainischer Angriff auf russisches Frühwarnradar droht einen nuklearen Weltkrieg auszulösen“.
Dass diese Einschätzung nicht übertrieben war, bekräftigten Aussagen international namhafte Militär- und Sicherheitsexperten, die das Institut zu den Vorfällen befragt hatte. Sie äußerten Empörung und Besorgnis über die Anschläge und verwiesen im Falle ihrer Wiederholung auf befürchtete weitreichende Folgen einer noch weiteren Intensivierung des Krieges durch massive Vergeltungsschläge Moskaus.
Internetquelle: https://schillerinstitute.com/de/blog/2024/05/26/presseerklaerung-warnstufe-rot-ukrainischer-angriff-auf-russisches-fruehwarnradar-droht-einen-nuklearen-weltkrieg-auszuloesen/
Der russische Senator und ehemalige Chef der Raumfahrtbehörde Roskosmos, Dmitri Rogosin, gab sich überzeugt, dass „die Tat zwar von ukrainischer Hand begangen, aber diese Hand von Washington geführt worden sei“. Er schrieb auf seinem Telegram-Kanal:
„Wir nähern uns also nicht nur dem Abgrund, sondern stehen bereits direkt an der Kante, jenseits derer, wenn der Feind bei solchen Aktionen nicht gestoppt wird, ein unumkehrbarer Zusammenbruch der strategischen Sicherheit der Atommächte beginnen wird.“
Der amerikanische Raketen- und Atomwaffenexperte Dr. Theodore Postol, emeritierter Professor für Wissenschaft und nationale Sicherheit am Technologie-Institut von Massachusetts, verweist auf tragische Folgen: Würden durch einen Volltreffer relevante Teile des elektronischen Überwachungssystems beschädigt oder zerstört, entstünden blinde Stellen der Beobachtung, was zu einer bedrohlichen Situation führen könnte, die nicht abschätzbar wäre und das Risiko gefährlicher Missverständnisse in sich bergen würde.
Im schlimmsten Fall könnte durch einen solchen Radar-Crash das automatische nukleare Reaktionssystem ausgelöst werden, warnt Prof. Steven Starr, Nuklearkriegsspezialist von der Universität Missouri. Er bringt es mit zwei Sätzen so auf den Punkt: „Dieser gezielte Angriff der USA ist also wahnsinnig gefährlich. Washington spielt ein extrem leichtsinniges nukleares Spiel mit Russland.“ Er befürchtet weitere Angriffe, „denn“, so sagt er, „die Verrückten in Washington, Kiew und Brüssel scheinen entschlossen zu sein, den Dritten Weltkrieg zu beginnen.“
Würde also diese Säule der atomaren Aufklärung und damit die strategische Sicherheit Russlands zusammenbrechen, hätte dies unabsehbare Konsequenzen. Denn die russische militärische Atomdoktrin erlaubt den Einsatz von Kernwaffen, wenn die Existenz des Landes gefährdet ist.
Prof. Dr. Wilfried Schreiber, Oberst a. D., Militärökonom und leitender Mitarbeiter der Forschung am Potsdamer WeltTrends-Institut für Internationale Politik, findet eindringliche Worte der Besinnung und Warnung:
„Es gibt offensichtlich Kräfte in der Ukraine und auch in der NATO, die bereit sind, das Risiko einer direkten militärischen Konfrontation zwischen der NATO und Russland einzugehen. Die deutsche Politik ist gut beraten, die russischen Warnungen vor einem neuen Weltkrieg ernst zu nehmen und dafür zu sorgen, dass die letzten roten Linien nicht überschritten werden…Die deutsche Politik muss alles tun, um die zunehmende militärische Konfrontation zu deeskalieren und sich für eine diplomatische Lösung des Konflikts einzusetzen.“
Schließlich sollte man noch Prof. Richard Sakwa hören, emeritierter Professor für russische und europäische Politik an der britischen Universität Kent:
„Der Westen steht vor einer Niederlage in der Ukraine und deshalb wird weiter eskaliert, um eine Niederlage abzuwenden.“
Verteidigungsminister Pistorius hat für diese Eskalation eine pfiffige Wortschöpfung erfunden: „Strategische Anpassung an sich verändernde Lagebilder“. Mit welcher Brachialgewalt diese sogenannte Anpassung geschieht, wurde nur vier Tage nach dem letzten ukrainischen Angriff auf Russlands Sicherheitssystem bewiesen. Am 30. Mai 2024 signalisierte Washington, dass ein weiteres Tabu gefallen ist: Die ukrainische Armee dürfe nun doch die von den USA gelieferten Waffen gegen Ziele auf russischem Staatsgebiet einsetzen.
Schon am nächsten Tag wurde die vorexerzierte Kehrtwendung aus Übersee von der Scholz-Regierung nachexerziert. Das Kanzleramt in Berlin gab bekannt, dass Kiew auch mit Deutschlands Waffen Russland beschießen dürfe. Dies geschehe „im Einklang mit dem Völkerrecht“, teilte Regierungssprecher Steffen Hebestreit am 31. Mai mit.
Internetquelle: https://www.tagesschau.de/ausland/europa/ukraine-waffen-bundesregierung-100.html
Damit dürfte die Ukraine russische Tabu-Objekte nun auch mit dem Segen der USA und Deutschlands mit deren eigenen Waffen beschießen.
Das geschah in der Tat schon einen Monat später, am 23. Juni 2024. Kiews Truppen griffen mit nunmehr amerikanischen Raketen ein russisches Zentrum für Weltraumkommunikation an. Diese mit außerirdischer Dimension belastete schwerwiegende Attacke konnte auch die deutsche Nachrichtenlandschaft nicht einfach im Dickicht des Blätterwaldes verstecken. Also meldete ZDF Online nach anfänglichem Schweigen zumindest zwei Tage später, am 25.6.2024, mit unverhohlenem Siegeston und der Bestätigung amerikanischer Waffen:
„Die Ukraine hat am Sonntag erfolgreich das russische Langstrecken-Weltraumkommunikationszentrum mit dem Codenamen NIP-16 auf der besetzten Krim angegriffen. Es wurden mehrere ATACMS-Raketen eingesetzt, und den verfügbaren Bildern zufolge wurde die Anlage, einschließlich ihrer großen Hauptantenne, schwer beschädigt.“
In der Unterschlagzeile wird die Konsequenz mitgeteilt: „Russland verliert dadurch wichtige Möglichkeit zur Kommunikation und Frühwarnung.“
Internetquelle: https://www.zdf.de/nachrichten/politik/ausland/weltraum-infrastruktur-krim-militaeranalyse-ukraine-krieg-russland-102.html
In der ZDF-Meldung wird zudem die Bedeutung der Zerstörung erläutert:
„Das Zentrum für Langstrecken-Weltraumkommunikation beherbergte den Kommunikationskomplex Pluton, der in der Lage war, mit Weltraumobjekten (in der Praxis: Satelliten und Raumschiffen) bis zu einer theoretischen Entfernung von etwa 300 Millionen Kilometern zu kommunizieren.“
Hätte die ZDF-Nachrichtenredaktion weiter gedacht, hätte sie erschrocken sein müssen über das mit der Schädigung verbundene fatale Eigentor.
Dass nämlich am russischen Pluton-System auch eine lebenswichtige Verbindung zur Internationalen Raumstation ISS hängt, ist den ZDF-Redakteuren offenbar entgangen. Und dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj ist dieser Zusammenhang scheinbar egal, so er ihn überhaupt kennt. Dem amerikanischen Präsidenten Biden allerdings dürfte er nicht gleichgültig sein, denn wer will schon seine eigenen Weltraumflieger in Gefahr bringen?
Gleichzeitig nämlich zur gelungenen ukrainischen Attacke haben zwei US-Kosmonauten in der Kosmosstation wegen technischer Defekte Probleme mit ihrer geplanten Rückkehr zur Erde. Es könnte sein, dass Testpilotin Suni Williams und Testpilot Butch Wilmore auch auf russische Hilfe angewiesen sind, was bei einer zerstörten Kontaktleitung schwer möglich ist. Da die für den Rückflug vorgesehene „Starliner“-Kapsel von Boeing beschädigt ist, sitzen die beiden Amerikaner auf der Erdumlaufbahn in 400 Kilometern Höhe vorerst fest.
Diese weiterführenden Bezüge sucht man nun bei ZDF, ARD und in der Deutsch-Presse vergeblich. Da muss man schon im Internet das österreichische Technologie- und Business-Portal FUTUREZONE vom 29.6.2024 bemühen, um von diesem makabren Hintergrund zu erfahren. Dort ist über Wilmore und Williams zu lesen:
„Eigentlich hätte ihre Mission rund eine Woche dauern sollen, nun sind es schon 3 Wochen. Es könnten noch wesentlich mehr werden, denn der Starliner hat ein paar technische Probleme, die vor einem Wiedereintritt in die Erdatmosphäre untersucht werden.“
Internetquellen:
https://futurezone.at/science/boeing-nasa-starliner-crew-
iss-gestrandet-raumschiff-kapsel-raumfahrt-rueckkehr/
402919245
https://www.jungewelt.de/artikel/476110.an-der-schwelle.html
https://www.dailyalert.de/ukrainischer-angriff-auf-russisches-fruehwarnradar-droht-einen-nuklearen-weltkrieg-auszuloesen/
https://weltexpress.info/angriffe-auf-russlands-fruehwarnradarsysten-eskalation-in-richtung-atomkrieg/
https://www.washingtonpost.com/national-security/2024/
05/29/us-ukraine-nuclear-warning-strikes/
https://www.bundesheer.at/aktuelles/detail/drei-fragen-zum-angriff-auf-das-russische-atomraketen-fruehwarnsystem-oberst-reisner-antwortet
https://www.merkur.de/politik/system-treffer-russland-ukraine-krieg-atom-rakete-abwehr-93091208.html
Angriff Putins in „fünf bis acht Jahren“?
Während internationale Sicherheits- und Militärexperten wegen der kreuzgefährlichen Tabu-Angriffe der ukrainischen Streitkräfte Alarm schlagen, hat Deutschlands Verteidigungsminister Pistorius andere Sorgen. Er ist im Stress und damit befasst, die bundesdeutsche Gesellschaft unter seinem Kommando im Gleichschritt durchzumilitarisieren und kriegstüchtig zu machen beim gleichzeitig beabsichtigten Aufbau einer Raketenabwehr. Für die Lieferung des israelischen Systems „Arrow 3“ hatten die USA schon am 17.8.2023 grünes Licht gegeben.
Das alles soll zügig gehen, weil Putin angeblich auch Deutschland überfallen werde – und dies in „fünf bis acht Jahren“, wie Pistorius wissen ließ. Eine beängstigende Ansage, für die es keinerlei Belege gibt, weshalb sie These und Spekulation bleibt. Oder hat Putin das so in einem Terminkalender geplant, den Pistorius kennt? Trotzdem soll eine ganze Gesellschaft zur Kriegstüchtigkeit umgekrempelt werden. Ich komme darauf in aller Ausführlichkeit zurück.
Internetquellen:
https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/putin-angriff-in-fuenf-bis-acht-jahren-ist-deutschland-wehrlos,Tz57xTr
https://www.tagesspiegel.de/politik/wir-mussen-raketenabwehr-aufbauen-bundeswehr-sieht-russland-in-funf-bis-acht-jahren-zu-krieg-gegen-nato-fahig-11406908.html
https://www.zdf.de/nachrichten/politik/israel-usa-deutschland-arrow-3-raketenabwehr-100.html
Der Generalinspekteur der Bundeswehr, Carsten Breuer, wird am 22. März 2024 gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe deutlich: „Wir haben fünf bis acht Jahre Zeit. In diesem Zeitraum müssen wir eine Raketenabwehr aufbauen. Das ist ohne Alternative“.
Wenn also, so ist zu schlussfolgern, Putin eventuell 2029 oder eventuell auch erst 2032 mit der Ukraine fertig wäre, käme Deutschland dran. Meinen seine Militär-Bestimmer.
Wo aber bleibt ihre Klartext-Information für die Bevölkerung über die nächstliegende reale Gefahr, dass der ohnehin desaströse Putin-Krieg durch die NATO in die schwindelerregende Eskalationshöhe eines möglichen Atomkrieges geschraubt wurde?! Und dafür gibt es sehr wohl Belege. Der aktuell gefährlichste ist die soeben beschriebene Absicht der Ukraine zur Ausschaltung von elementaren Sicherheitseinrichtungen Russlands ohne jegliche Skrupel für europaweite Folgen. Sollte Kiew also weiterhin daran arbeiten, die rationelle Berechenbarkeit der atomaren Balance zwischen Ost und West auszuhebeln, wäre ein Raketenabwehrschirm in der Tat schnellstens vonnöten – und nicht nur für Deutschland.
Diese selbst herbeieskalierte zusätzliche Gefahr einzugestehen, scheuen sich fast alle Regenten der NATO-Länder. Weshalb es couragiert ist, dass der in westlichen Chefetagen ohnehin unbeliebte Ministerpräsident des NATO-Staates Ungarn, Viktor Orbán, am 1. Juni 2024 dazu ungern gehörte deutliche Töne fand. Vor Zehntausenden Teilnehmern eines Friedensmarsches in Budapest verwies er mit drastischen Worten auf das vom deutschen Amtskollegen Scholz weggeredete Risiko einer zusätzlichen militärischen Selbstanheizung der explosiven Konfrontation.
Die NATO komme jede Woche dem Krieg mit Russland ein Stück näher, zitierte ihn die Londoner internationale Nachrichtenagentur REUTERS. Dann weiter: Die Pläne der NATO, sich stärker in den Krieg einzumischen, würden an einen Feuerwehrmann erinnern, der versuche, einen Brand mit dem Flammenwerfer zu löschen. Der ungarische Regierungschef sei überzeugt, dass ein NATO-Einsatz in der Ukraine einen Weltkrieg riskieren würde statt die Mitgliedstaaten zu schützen.
Deshalb auch verweigere Ungarn die Teilnahme an einer geplanten NATO-Militärmission in der Ukraine, sagte Orbán in einem Interview mit dem einheimischen Radiosender Kossuth und warnte: „Der europäische Zug fährt in Richtung Krieg“
Ergo ist es nicht allzu überraschend, dass Orbán seine politische Heimat zunehmend im Rechtspopulismus sieht. Und ebenso wenig erstaunt es, dass er sich mit seiner Fidesz-Partei und der österreichischen FPÖ sowie tschechischen ANO zusammen schließen will zu einem Bündnis unter dem Namen „Patrioten für Europa“. Die künftige Gruppierung im Europäischen Parlament könnte zur „größten Fraktion der rechtsgerichteten Kräfte Europas“ aufsteigen, sagte Orbán, wenn sie den erhofften Zulauf bekäme. Gemeint sein dürfte damit vor allem die in der Europawahl weiter erstarkte AfD und Rassemblement National um Marine Le Pen als klarer Sieger im Frankreich-Votum.
Für die EU und die NATO ist diese Entwicklung auch im Hinblick auf ihre Ukraine-Politik ein Desaster. Dies umso mehr, als auch der slowakische Ministerpräsident Robert Fico des öfteren mit der EU-Politik hadert und von einigen schon als der „Orbán von Bratislava“ bezeichnet wird.
Die russische Nachrichtenagentur TASS informierte am 5.6.2024 darüber, dass der polarisierende Sozialdemokrat in einer Videobotschaft auf seiner Facebook-Seite kritisierte, EU und NATO hätten den Ukraine-Konflikt verschärft. Sie würden das Konzept der ihrer Meinung nach „einzig richtigen Sichtweise“ verfolgen, dass der Krieg um jeden Preis fortzusetzen sei. TASS zufolge fügte er hinzu: „In der EU gibt es kein Recht mehr, eine abweichende Meinung zu vertreten“.
...
„Man muss die Dinge mit Augenmaß betreiben.
Es bringt nichts, einfach nur empört zu sein.“
Oliver Kempkens, bayerischer Topmanager, Inhaber
zahlreicher Chefsessel in deutschen, amerikanischen und russischen Konzernen und Analysator der russischen Wirtschaft, am 20. April 2023 gegenüber der „Berliner Zeitung“
„Was auch immer Du tust, handle vorausschauend
und bedenke die Folgen.“
Aus der spätmittelalterlichen Sammlung von
Moralerzählungen „Gesta Romanorum“
Ein Notruf in kriegstüchtiger Zeitenwende
Kurz vor dem Abschluss des Manuskriptes zu diesem Buch passierte ein Schockereignis, das von der breiten deutschen Öffentlichkeit unbemerkt blieb, obwohl es ihre Existenz betrifft. Es gehört eigentlich zum Kapitel, in dem es um den beängstigenden Zustand geht, dass wir unaufhaltsam auf eine atomare Konfrontation zutreiben, wenn der Westen in diesem vom russischen Präsidenten Wladimir Putin entfachten unseligen Krieg weiterhin auf Hochrüstung statt Diplomatie setzt.
Ich habe mich aber entschlossen, diesen hochbrisanten Extremvorfall als Alarmsignal an den Anfang des Buches zu stellen, weil er wie in einem Brennglas die potenziellen Gefahren und damit den Ernst der Lage auf Messers Schneide in anschaulicher Weise bündelt.
Dazu muss man wissen, dass es eine Art stillschweigende Übereinkunft zwischen den Nuklearmächten gibt, die atomaren Sicherheitsanlagen des Gegners in einem konventionellen Krieg nicht anzugreifen, da sie die Gefahr einer Irritation, einer Fehleinschätzung oder eines automatisch ausgelösten atomaren Gegenschlages in sich bergen.
Eben diese militärische Tabu-Zone hat Kiew verletzt. Mit gleich zwei Angriffen der ukrainischen Streitkräfte auf einen Nerv des russischen atomaren Überwachungssystems kam es am 23. und 26. Mai 2024 zu einem albtraumhaften Höhepunkt des Ukraine-Krieges. Er verdeutlicht auf Anhieb, in welch zerstörerische Dimension dieser am 24. Februar 2022 begonnene russische Krieg gegen die Ukraine durch eine unentwegte westliche Eskalation inzwischen gekommen ist. Der Vorfall geht über die berechtigte Gegenwehr des ukrainischen Verteidigers hinaus, weil er in leichtsinniger Weise in die atomare Sicherheitsstruktur Russlands eingreift und damit die zivile Allgemeinheit in Ost und West gefährdet.
Zudem straft er all jene Verharmloser Lügen, die bei weiterer Zuspitzung der Konfrontation den möglichen Einsatz von Atomwaffen für unwirkliche Fantastereien und routinierte Drohgebärden halten und damit die Wachsamkeit für diese Gefahr aller Gefahren einschläfern.
Die Fakten für das, was da am 23. und 26. Mai 2024 passiert ist und jegliche bisherige Zuspitzung des Krieges übertraf: Kiew hatte mit seinen Drohnen eine Radaranlage vom Typ „Woronesch DM“ bei der Großstadt Armawir in der südwestlichen russischen Region Krasnodar angegriffen und teilweise zerstört. Drei Tage danach war das zweite Ziel in etwa 1500 Kilometer Entfernung hinter den Frontlinien das russische Frühwarnradar „Woronesch M“ bei der Stadt Orsk an der Grenze zu Kasachstan. Mit ihm kann die russische Aufklärung gleichzeitig bis zu 500 Flugobjekte in bis zu 8000 Kilometer Entfernung orten.
Internetquelle: https://www.jungewelt.de/artikel/476078.ukraine-angriffe-auf-abwehr-russlands.html
Die elektronische Radarstation zur Überwachung des Luftraums ist für die Russische Föderation ein wesentlicher Teil ihres strategischen Frühwarnsystems, das mit seiner satellitengestützten Technik anfliegende Raketen erkennen und melden soll. Wird diese Früherkennung eines potenziellen gegnerischen Angriffs in Frage gestellt oder verhindert, ist die atomare Zweitschlagfähigkeit Russlands in massiver Weise beeinträchtigt und das Land wäre einem feindlichen nuklearen Erstschlag schutzlos ausgeliefert. Das hätte unabsehbare Konsequenzen, weshalb der Kreml solche Angriffe auf seinen atomaren Schutzschild auf Dauer nicht dulden dürfte.
Da das ukrainische Grenzgebiet zu Russland nur 500 Kilometer von Moskau entfernt ist, wäre die Vorwarnzeit für eine von dort abgefeuerte „Taurus“- oder Mittelstreckenrakete auf das Herz Russlands ohnehin sehr kurz und bei einer Störung des Frühwarnradars de facto gleich Null. Das würde einen wirksamen Verteidigungsschlag des Kreml infrage stellen. Erheblich vertaumelt zugunsten des Angreifers wäre damit das sogenannte Gleichgewicht des Schreckens, das die NATO zur Friedensgarantie erklärt hat, weil es beide Seiten militärisch in Schach hält.
Deutschlands Blätterwald blieb ruhig, still und ahnungslos bei diesen unverantwortlich riskanten Militärschlägen. Aber im amerikanischen Blätterwald rauschte es.
Am 26. Mai 2024 erschien nach dem zweiten Drohnenangriff eine mit Dringlichkeit versehene Presseerklärung des Internationalen Schiller Instituts mit der Schlagzeile: „Warnstufe Rot: Ukrainischer Angriff auf russisches Frühwarnradar droht einen nuklearen Weltkrieg auszulösen“.
Dass diese Einschätzung nicht übertrieben war, bekräftigten Aussagen international namhafte Militär- und Sicherheitsexperten, die das Institut zu den Vorfällen befragt hatte. Sie äußerten Empörung und Besorgnis über die Anschläge und verwiesen im Falle ihrer Wiederholung auf befürchtete weitreichende Folgen einer noch weiteren Intensivierung des Krieges durch massive Vergeltungsschläge Moskaus.
Internetquelle: https://schillerinstitute.com/de/blog/2024/05/26/presseerklaerung-warnstufe-rot-ukrainischer-angriff-auf-russisches-fruehwarnradar-droht-einen-nuklearen-weltkrieg-auszuloesen/
Der russische Senator und ehemalige Chef der Raumfahrtbehörde Roskosmos, Dmitri Rogosin, gab sich überzeugt, dass „die Tat zwar von ukrainischer Hand begangen, aber diese Hand von Washington geführt worden sei“. Er schrieb auf seinem Telegram-Kanal:
„Wir nähern uns also nicht nur dem Abgrund, sondern stehen bereits direkt an der Kante, jenseits derer, wenn der Feind bei solchen Aktionen nicht gestoppt wird, ein unumkehrbarer Zusammenbruch der strategischen Sicherheit der Atommächte beginnen wird.“
Der amerikanische Raketen- und Atomwaffenexperte Dr. Theodore Postol, emeritierter Professor für Wissenschaft und nationale Sicherheit am Technologie-Institut von Massachusetts, verweist auf tragische Folgen: Würden durch einen Volltreffer relevante Teile des elektronischen Überwachungssystems beschädigt oder zerstört, entstünden blinde Stellen der Beobachtung, was zu einer bedrohlichen Situation führen könnte, die nicht abschätzbar wäre und das Risiko gefährlicher Missverständnisse in sich bergen würde.
Im schlimmsten Fall könnte durch einen solchen Radar-Crash das automatische nukleare Reaktionssystem ausgelöst werden, warnt Prof. Steven Starr, Nuklearkriegsspezialist von der Universität Missouri. Er bringt es mit zwei Sätzen so auf den Punkt: „Dieser gezielte Angriff der USA ist also wahnsinnig gefährlich. Washington spielt ein extrem leichtsinniges nukleares Spiel mit Russland.“ Er befürchtet weitere Angriffe, „denn“, so sagt er, „die Verrückten in Washington, Kiew und Brüssel scheinen entschlossen zu sein, den Dritten Weltkrieg zu beginnen.“
Würde also diese Säule der atomaren Aufklärung und damit die strategische Sicherheit Russlands zusammenbrechen, hätte dies unabsehbare Konsequenzen. Denn die russische militärische Atomdoktrin erlaubt den Einsatz von Kernwaffen, wenn die Existenz des Landes gefährdet ist.
Prof. Dr. Wilfried Schreiber, Oberst a. D., Militärökonom und leitender Mitarbeiter der Forschung am Potsdamer WeltTrends-Institut für Internationale Politik, findet eindringliche Worte der Besinnung und Warnung:
„Es gibt offensichtlich Kräfte in der Ukraine und auch in der NATO, die bereit sind, das Risiko einer direkten militärischen Konfrontation zwischen der NATO und Russland einzugehen. Die deutsche Politik ist gut beraten, die russischen Warnungen vor einem neuen Weltkrieg ernst zu nehmen und dafür zu sorgen, dass die letzten roten Linien nicht überschritten werden…Die deutsche Politik muss alles tun, um die zunehmende militärische Konfrontation zu deeskalieren und sich für eine diplomatische Lösung des Konflikts einzusetzen.“
Schließlich sollte man noch Prof. Richard Sakwa hören, emeritierter Professor für russische und europäische Politik an der britischen Universität Kent:
„Der Westen steht vor einer Niederlage in der Ukraine und deshalb wird weiter eskaliert, um eine Niederlage abzuwenden.“
Verteidigungsminister Pistorius hat für diese Eskalation eine pfiffige Wortschöpfung erfunden: „Strategische Anpassung an sich verändernde Lagebilder“. Mit welcher Brachialgewalt diese sogenannte Anpassung geschieht, wurde nur vier Tage nach dem letzten ukrainischen Angriff auf Russlands Sicherheitssystem bewiesen. Am 30. Mai 2024 signalisierte Washington, dass ein weiteres Tabu gefallen ist: Die ukrainische Armee dürfe nun doch die von den USA gelieferten Waffen gegen Ziele auf russischem Staatsgebiet einsetzen.
Schon am nächsten Tag wurde die vorexerzierte Kehrtwendung aus Übersee von der Scholz-Regierung nachexerziert. Das Kanzleramt in Berlin gab bekannt, dass Kiew auch mit Deutschlands Waffen Russland beschießen dürfe. Dies geschehe „im Einklang mit dem Völkerrecht“, teilte Regierungssprecher Steffen Hebestreit am 31. Mai mit.
Internetquelle: https://www.tagesschau.de/ausland/europa/ukraine-waffen-bundesregierung-100.html
Damit dürfte die Ukraine russische Tabu-Objekte nun auch mit dem Segen der USA und Deutschlands mit deren eigenen Waffen beschießen.
Das geschah in der Tat schon einen Monat später, am 23. Juni 2024. Kiews Truppen griffen mit nunmehr amerikanischen Raketen ein russisches Zentrum für Weltraumkommunikation an. Diese mit außerirdischer Dimension belastete schwerwiegende Attacke konnte auch die deutsche Nachrichtenlandschaft nicht einfach im Dickicht des Blätterwaldes verstecken. Also meldete ZDF Online nach anfänglichem Schweigen zumindest zwei Tage später, am 25.6.2024, mit unverhohlenem Siegeston und der Bestätigung amerikanischer Waffen:
„Die Ukraine hat am Sonntag erfolgreich das russische Langstrecken-Weltraumkommunikationszentrum mit dem Codenamen NIP-16 auf der besetzten Krim angegriffen. Es wurden mehrere ATACMS-Raketen eingesetzt, und den verfügbaren Bildern zufolge wurde die Anlage, einschließlich ihrer großen Hauptantenne, schwer beschädigt.“
In der Unterschlagzeile wird die Konsequenz mitgeteilt: „Russland verliert dadurch wichtige Möglichkeit zur Kommunikation und Frühwarnung.“
Internetquelle: https://www.zdf.de/nachrichten/politik/ausland/weltraum-infrastruktur-krim-militaeranalyse-ukraine-krieg-russland-102.html
In der ZDF-Meldung wird zudem die Bedeutung der Zerstörung erläutert:
„Das Zentrum für Langstrecken-Weltraumkommunikation beherbergte den Kommunikationskomplex Pluton, der in der Lage war, mit Weltraumobjekten (in der Praxis: Satelliten und Raumschiffen) bis zu einer theoretischen Entfernung von etwa 300 Millionen Kilometern zu kommunizieren.“
Hätte die ZDF-Nachrichtenredaktion weiter gedacht, hätte sie erschrocken sein müssen über das mit der Schädigung verbundene fatale Eigentor.
Dass nämlich am russischen Pluton-System auch eine lebenswichtige Verbindung zur Internationalen Raumstation ISS hängt, ist den ZDF-Redakteuren offenbar entgangen. Und dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj ist dieser Zusammenhang scheinbar egal, so er ihn überhaupt kennt. Dem amerikanischen Präsidenten Biden allerdings dürfte er nicht gleichgültig sein, denn wer will schon seine eigenen Weltraumflieger in Gefahr bringen?
Gleichzeitig nämlich zur gelungenen ukrainischen Attacke haben zwei US-Kosmonauten in der Kosmosstation wegen technischer Defekte Probleme mit ihrer geplanten Rückkehr zur Erde. Es könnte sein, dass Testpilotin Suni Williams und Testpilot Butch Wilmore auch auf russische Hilfe angewiesen sind, was bei einer zerstörten Kontaktleitung schwer möglich ist. Da die für den Rückflug vorgesehene „Starliner“-Kapsel von Boeing beschädigt ist, sitzen die beiden Amerikaner auf der Erdumlaufbahn in 400 Kilometern Höhe vorerst fest.
Diese weiterführenden Bezüge sucht man nun bei ZDF, ARD und in der Deutsch-Presse vergeblich. Da muss man schon im Internet das österreichische Technologie- und Business-Portal FUTUREZONE vom 29.6.2024 bemühen, um von diesem makabren Hintergrund zu erfahren. Dort ist über Wilmore und Williams zu lesen:
„Eigentlich hätte ihre Mission rund eine Woche dauern sollen, nun sind es schon 3 Wochen. Es könnten noch wesentlich mehr werden, denn der Starliner hat ein paar technische Probleme, die vor einem Wiedereintritt in die Erdatmosphäre untersucht werden.“
Internetquellen:
https://futurezone.at/science/boeing-nasa-starliner-crew-
iss-gestrandet-raumschiff-kapsel-raumfahrt-rueckkehr/
402919245
https://www.jungewelt.de/artikel/476110.an-der-schwelle.html
https://www.dailyalert.de/ukrainischer-angriff-auf-russisches-fruehwarnradar-droht-einen-nuklearen-weltkrieg-auszuloesen/
https://weltexpress.info/angriffe-auf-russlands-fruehwarnradarsysten-eskalation-in-richtung-atomkrieg/
https://www.washingtonpost.com/national-security/2024/
05/29/us-ukraine-nuclear-warning-strikes/
https://www.bundesheer.at/aktuelles/detail/drei-fragen-zum-angriff-auf-das-russische-atomraketen-fruehwarnsystem-oberst-reisner-antwortet
https://www.merkur.de/politik/system-treffer-russland-ukraine-krieg-atom-rakete-abwehr-93091208.html
Angriff Putins in „fünf bis acht Jahren“?
Während internationale Sicherheits- und Militärexperten wegen der kreuzgefährlichen Tabu-Angriffe der ukrainischen Streitkräfte Alarm schlagen, hat Deutschlands Verteidigungsminister Pistorius andere Sorgen. Er ist im Stress und damit befasst, die bundesdeutsche Gesellschaft unter seinem Kommando im Gleichschritt durchzumilitarisieren und kriegstüchtig zu machen beim gleichzeitig beabsichtigten Aufbau einer Raketenabwehr. Für die Lieferung des israelischen Systems „Arrow 3“ hatten die USA schon am 17.8.2023 grünes Licht gegeben.
Das alles soll zügig gehen, weil Putin angeblich auch Deutschland überfallen werde – und dies in „fünf bis acht Jahren“, wie Pistorius wissen ließ. Eine beängstigende Ansage, für die es keinerlei Belege gibt, weshalb sie These und Spekulation bleibt. Oder hat Putin das so in einem Terminkalender geplant, den Pistorius kennt? Trotzdem soll eine ganze Gesellschaft zur Kriegstüchtigkeit umgekrempelt werden. Ich komme darauf in aller Ausführlichkeit zurück.
Internetquellen:
https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/putin-angriff-in-fuenf-bis-acht-jahren-ist-deutschland-wehrlos,Tz57xTr
https://www.tagesspiegel.de/politik/wir-mussen-raketenabwehr-aufbauen-bundeswehr-sieht-russland-in-funf-bis-acht-jahren-zu-krieg-gegen-nato-fahig-11406908.html
https://www.zdf.de/nachrichten/politik/israel-usa-deutschland-arrow-3-raketenabwehr-100.html
Der Generalinspekteur der Bundeswehr, Carsten Breuer, wird am 22. März 2024 gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe deutlich: „Wir haben fünf bis acht Jahre Zeit. In diesem Zeitraum müssen wir eine Raketenabwehr aufbauen. Das ist ohne Alternative“.
Wenn also, so ist zu schlussfolgern, Putin eventuell 2029 oder eventuell auch erst 2032 mit der Ukraine fertig wäre, käme Deutschland dran. Meinen seine Militär-Bestimmer.
Wo aber bleibt ihre Klartext-Information für die Bevölkerung über die nächstliegende reale Gefahr, dass der ohnehin desaströse Putin-Krieg durch die NATO in die schwindelerregende Eskalationshöhe eines möglichen Atomkrieges geschraubt wurde?! Und dafür gibt es sehr wohl Belege. Der aktuell gefährlichste ist die soeben beschriebene Absicht der Ukraine zur Ausschaltung von elementaren Sicherheitseinrichtungen Russlands ohne jegliche Skrupel für europaweite Folgen. Sollte Kiew also weiterhin daran arbeiten, die rationelle Berechenbarkeit der atomaren Balance zwischen Ost und West auszuhebeln, wäre ein Raketenabwehrschirm in der Tat schnellstens vonnöten – und nicht nur für Deutschland.
Diese selbst herbeieskalierte zusätzliche Gefahr einzugestehen, scheuen sich fast alle Regenten der NATO-Länder. Weshalb es couragiert ist, dass der in westlichen Chefetagen ohnehin unbeliebte Ministerpräsident des NATO-Staates Ungarn, Viktor Orbán, am 1. Juni 2024 dazu ungern gehörte deutliche Töne fand. Vor Zehntausenden Teilnehmern eines Friedensmarsches in Budapest verwies er mit drastischen Worten auf das vom deutschen Amtskollegen Scholz weggeredete Risiko einer zusätzlichen militärischen Selbstanheizung der explosiven Konfrontation.
Die NATO komme jede Woche dem Krieg mit Russland ein Stück näher, zitierte ihn die Londoner internationale Nachrichtenagentur REUTERS. Dann weiter: Die Pläne der NATO, sich stärker in den Krieg einzumischen, würden an einen Feuerwehrmann erinnern, der versuche, einen Brand mit dem Flammenwerfer zu löschen. Der ungarische Regierungschef sei überzeugt, dass ein NATO-Einsatz in der Ukraine einen Weltkrieg riskieren würde statt die Mitgliedstaaten zu schützen.
Deshalb auch verweigere Ungarn die Teilnahme an einer geplanten NATO-Militärmission in der Ukraine, sagte Orbán in einem Interview mit dem einheimischen Radiosender Kossuth und warnte: „Der europäische Zug fährt in Richtung Krieg“
Ergo ist es nicht allzu überraschend, dass Orbán seine politische Heimat zunehmend im Rechtspopulismus sieht. Und ebenso wenig erstaunt es, dass er sich mit seiner Fidesz-Partei und der österreichischen FPÖ sowie tschechischen ANO zusammen schließen will zu einem Bündnis unter dem Namen „Patrioten für Europa“. Die künftige Gruppierung im Europäischen Parlament könnte zur „größten Fraktion der rechtsgerichteten Kräfte Europas“ aufsteigen, sagte Orbán, wenn sie den erhofften Zulauf bekäme. Gemeint sein dürfte damit vor allem die in der Europawahl weiter erstarkte AfD und Rassemblement National um Marine Le Pen als klarer Sieger im Frankreich-Votum.
Für die EU und die NATO ist diese Entwicklung auch im Hinblick auf ihre Ukraine-Politik ein Desaster. Dies umso mehr, als auch der slowakische Ministerpräsident Robert Fico des öfteren mit der EU-Politik hadert und von einigen schon als der „Orbán von Bratislava“ bezeichnet wird.
Die russische Nachrichtenagentur TASS informierte am 5.6.2024 darüber, dass der polarisierende Sozialdemokrat in einer Videobotschaft auf seiner Facebook-Seite kritisierte, EU und NATO hätten den Ukraine-Konflikt verschärft. Sie würden das Konzept der ihrer Meinung nach „einzig richtigen Sichtweise“ verfolgen, dass der Krieg um jeden Preis fortzusetzen sei. TASS zufolge fügte er hinzu: „In der EU gibt es kein Recht mehr, eine abweichende Meinung zu vertreten“.
...



