Der Krieg ins Ungewisse – Band 1
Wie es zum Ukraine-Drama kam
EUR 26,90
Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 618
ISBN: 978-3-99146-869-1
Erscheinungsdatum: 26.09.2024
Wie kam es zu diesem unseligen Krieg? Die von der Scholz-Regierung verschwiegenen Ursachen enthüllt eine akribisch dokumentierte Vorgeschichte mit zum Teil fatalen Resultaten, die auch folgenschwere Verhaltensmuster des Westens offenbart.
KAPITEL 1
Ein Buch, das ich nicht schreiben wollte
„Eines der großen Missverständnisse besteht darin, dass ein Erklären der Vorgeschichte gleichgesetzt wird mit der Rechtfertigung des russischen Einmarsches. Das sind zwei völlig verschiedene Dinge.“
Prof. Dr. Gabriele Krone-Schmalz, ehemalige ARD-Moskau-Korrespondentin und Buchautorin im Interview mit der Wochenzeitung Unsere Zeit am 10. April 2023
„Die westlichen Regierungen – und leider auch fast alle westlichen Medien – machen es sich einfach: Die Ukraine-Krise ist allein Putins Werk. Doch ganz so simpel ist es nicht…In der Ukraine-Krise haben wir ein eindeutiges Bild. Die Guten sind im Westen, der Schurke sitzt im Kreml. Die Sichtweise ist praktisch. Mag die Situation immer komplizierter werden, mögen die Ereignisse eine unfassbare Dynamik entfalten, wir haben ein sicheres Urteil: hinter allem Übel steckt Putin, der russische Präsident. Von Anfang an! Die Vorwürfe, die gegenüber Wladimir Putin erhoben werden, sind in der Tat schwerwiegend … Aber wie ist es zu dieser Entwicklung gekommen?“
Fritz Pleitgen, ehemaliger ARD-Fernsehkorrespondent in Moskau, Brüssel, Berlin, Paris und Washington, Ex-Intendant des Westdeutschen Rundfunks, früherer ARD-Vorsitzender und Präsident der Europäischen Rundfunkunion, im Quartalsmagazin DIE GAZETTE, Ausgabe Nr. 43/Herbst 2014
„Das ist ein verbrecherischer, völkerrechtswidriger Krieg, für den es keine Rechtfertigung gibt. Aber das ändert natürlich nichts daran, dass dieser Krieg eine Vorgeschichte hat und dass es genauso falsch ist, über sie nicht mehr zu reden.“
Sarah Wagenknecht, damalige parteilose Bundestagsabgeordnete, im Interview mit der Berliner Zeitung vom 9./10. April 2022
„Es besteht kein Zweifel daran, dass Russland der Aggressor ist, Verträge und Grundsätze verletzt hat, die das friedliche Zusammenleben in Europa regeln sollen. Aber man muss die Vorgeschichte dieses Kriegs kennen, um sich ein sachliches Urteil zu bilden.“
Günter Verheugen, EU-Berater und früherer deutscher Staatsminister des Auswärtigen, zweifacher EU-Kommissar und Vize-Kommissionspräsident am 28. August 2023 im Interview mit der Zeitung WESER-KURIER
„Jene, die dem Frieden das Wort reden, die nach den Ursachen dieser Auseinandersetzung fragen, müssen unterstützt und nicht ausgeschlossen werden.“
Prof. Jean Radvanyi, französischer Historiker, am 7. Mai 2022 gegenüber der Tageszeitung Junge Welt zur Tragik des Ukraine-Krieges
Was vorher zu sagen wäre
Mit eben diesen Ursachen steht die regierende Bundesobrigkeit ebenso heftig auf Kriegsfuß wie mit Russland. Denn die Vorgeschichte dieses katastrophalen Konflikts ehrlich und unvoreingenommen zu analysieren, könnte durch Nachdenken nachdenklich machen und die von Selbstsicherheit strotzende sanktionsintensive, waffenklirrende und diplomatieabwesende deutsche Ukraine-Politik empfindlich stören. Vielleicht würde sich ja herausstellen, dass der so selbstgefällige Westen eine so saubere Weste auch nicht besitzt und ein gerüttelt Maß Mitschuld am fatal ausufernden Desaster hat.
Deshalb wohl scheint für unsere Regierungseliten die tiefer liegende Wahrheit hinter der Aggression des russischen Präsidenten Wladimir Putin eine unerträgliche Zumutung zu sein. Die einen wollen sie überhaupt nicht wissen, die anderen fragen erst gar nicht danach und der Rest deckt sie mit einem Schwarz-weiß-Schleier von Oberflächlichkeit und Halbwissen zu. Grautöne oder gar Farbnuancen fehlen im Ukraine-Russland-Bild des Kanzleramtes völlig. Tauchen statt Schwarzmalerei kolorierte Darstellungen und Ansichten als rare Zeugnisse von bürgerlichem Eigendenken auf, hat sich deren Urheber der inquisitorischen Frage zu stellen: Ist Putin nun böse oder ist er böse?
Nach jedem Autounfall heißt die Frage: Wie konnte das passieren? Aber selbst nach dem Super-Gau-Unfall des russischen Ukraine-Einmarschs wird diese Frage in den Chefetagen der Politik nicht gestellt. Im Gegenteil: Sie wird gemieden, unterdrückt, verdrängt. Das macht stutzig. Warum dieses Unheil über die Ukraine und uns alle kam, will im Olymp der Politik niemand wissen, denn der Kriegsunhold steht ja fest und damit Basta!
Nach allem, was ich in mehr als zweijähriger Recherche erfahren konnte, ist die Behauptung nicht allzu spekulativ, dass in den Gefilden der Macht die Frage nach den Ursachen gefährlich ist, weil auch die Antwort gefährlich sein könnte. Wenn man sie nicht kennt oder kennen will, muss man dem Volk keine Auskunft oder gar Rechenschaft über eigene Entscheidungen und Handlungen geben, kann aber mit dem stereotypen Satz von Putin, dem Angreifer, Kriegstreiber und Alleinschuldigen alle Waffen- und Sanktionspakete der westlichen Welt rechtfertigen. Mittlerweile die 14. EU-Strafaktion, die den Absender mehr bestraft als den Adressaten.
Es bleibt unbeirrt die Frage aller Fragen, auch wenn sie durch ihre stete Wiederholung nervig ist: Wie konnte das Ultradesaster passieren?
Was kaum einer weiß: Einige unserer aktuellen Top-Politiker waren sogar in entscheidenden Phasen der Konfliktentwicklung in sehr aktiver Weise mit dabei. Unser heutiger Bundespräsident Steinmeier hat sogar 2014 in der heißen Phase des „Maidan“-Umsturzes – in westlicher Diktion „Revolution der Würde“ – als Außenminister über die Zukunft der Ukraine in Kiew mitverhandelt. Er muss wissen, was da extrem schief gelaufen ist. Warum sagt er es nicht und nickt stattdessen einen von mal zu mal immer gefährlicheren Waffentyp für die Ukrainefront des Schlachtfeldes ab?
Und unser heutiger Bundeskanzler Olaf Scholz war im März 2022 direkt involviert in die russisch-ukrainischen Friedensverhandlungen in Istanbul. Sie wurden, wie in diesem Buch akribisch dokumentiert, durch die USA und Großbritannien bei einer schon unterschriftsreifen Vereinbarung gesprengt, womit der gerade erst begonnene Angriffskrieg Putins hätte getoppt werden können. Warum schweigt der Kanzler, hofiert die Washingtoner Administration, lässt sich nach anfänglichem Zögern vor den Kriegskarren der Hardliner spannen, versucht ihn nach immer riskanterer Fracht zu bremsen und wird nun von ihm überrollt?
Warum schweigen beide Staatslenker in dementer Vergesslichkeit?
Auch darüber werden die in diesem Buch dokumentierten Ereignisse im dramatischen Eskalationsverlauf des Russland-Ukraine-Konflikts Auskunft geben. Waren einst die Probleme dieses Konflikts in bilateraler Verständigung partiell noch lösbar, sind sie inzwischen zu einem multilateralen wirtschaftlichen und militärischen Kräftemessen zwischen zwei Weltsystemen entartet – belastet durch seine permanente Zuspitzung mit dem Potenzial eines Dritten Weltkrieges.
Wenigstens vor der bedrohlichsten Waghalsigkeit schreckte Olaf Scholz zurück. Aber bevor er sich schließlich der kreuzgefährlichen „Taurus“-Rakete in den Weg stellte, war er längst zum Waffenkanzler geworden. Der war sich nicht zu schade, zusammen mit seiner Außenministerin in aller Welt hausieren zu gehen mit der Bitte um eine Beteiligung an Waffen- und Sanktionspaketen, während sein Vize zu Hause am Ruinieren der Wirtschaft arbeitete. Während das weltweite Waffensammeln nicht gelang, hatte Wirtschaftsminister Habeck mit dem Ruinieren Erfolg. Das sollte nach dem Willen seines Grünen-Zwillings Baerbock eigentlich den Strafpaketen gegen Russland vorbehalten sein, traf aber mit Bumerang-Effekt das eigene Haus. Trotzdem schnürt die Chefdiplomatin weiter Eigentor-Pakete statt ihrer beruflichen Bestimmung einer Friedensstiftung nachzugehen.
So haben wird denn nun das regierungsamtliche Szenarium einer berechtigten Ukraine-Solidarität, über deren milliardenschweren Fanatismus-Paketen aber das eigene Volk vergessen wird. Damit werde ich mich intensiv im zweiten Band befassen.
Da aber nur mit dem Wissen von Gestern das Heute zu verstehen ist, müssen zuerst die Wurzeln dieses unseligen Krieges bloß gelegt werden. Ich bin nicht der Meinung, dass Wladimir Putin ihn am 24. Februar 2022 vom Zaun gebrochen hat, weil er geisteskrank ist oder ihm Aggressivität angeboren wurde. Damit bleibt die stereotype Gretchenfrage: Also was war es dann?
Ich schreibe dieses Manuskript inmitten einer desaströsen deutschen Ukraine-Fehlerpolitik, die aber durchaus steigerbar ist. Denn seit Volkes Seele überkochte und den Scholz-Kanzler samt seiner „Ampel“-Getreuen am 9. Juni 2024, dem Sonntag der Europawahl, mit einem krachenden Stimmendesaster de facto abgewählt hat, droht die Schieflage des Ukraine-Kurses endgültig zum Sturzgefälle zu werden.
Mit dem überragenden Wahlsieger CDU/CSU kommt der heißspornige Draufgänger Friedrich Merz seinem Ziel ein gut Stück näher, den „Taurus“-Zerstörer über den ukrainischen Umweg gegen Russland fliegen zu lassen, was er ja mit zwei Parlamentsabstimmungen bereits versucht hat. Denn Russland werde Deutschland in „fünf bis acht Jahren“ angreifen, sagt SPD-Verteidigungs- und Rüstungsminister Pistorius, der eine ganze Gesellschaft von Friedens- in Kriegstauglichkeit umkrempeln will und schon fleißig dabei ist.
Die Faktenchronolgie des in diesem Buch beackerten Kriegsvorfeldes zeigt anderes. Sie belegt, warum Putin explizit in die Ukraine einmarschiert ist und kein kriegerisches Interesse an anderen Ländern hat. Solche Art historischer Logik interessiert aber weder die Bundesregierung noch Hardliner im Bundestag wie den strammen Parteisoldaten Roderich Kiesewetter an der Seite von Merz als ehemaliger schneidiger Oberst der Bundeswehr. Der Obmann im Auswärtigen Ausschuss durfte Kiew ungestraft öffentlich auffordern, das Verteidigungsministerium in Moskau platt zu machen.
Assistiert werden sie alle parteiübergreifend vom „grünen“ Zampano des Europa-Ausschusses, Anton „Toni“ Hofreiter, und der FDP-Chefin des Verteidigungsausschusses, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, die nach einem Gerichtsverfahren amtlich beglaubigt als „Kriegstreiberin“ bezeichnet werden darf.
Dieses Prädikat müsste man nun auch dem Vorsitzenden des deutsch-amerikanischen Netzwerks „Atlantik-Brücke“, Sigmar Gabriel, zugestehen. Der frühere SPD-Chef und Ex-Außenminister hat neuerdings ebenfalls den Finger am Abzug, denn gegenüber dem Hamburger Stern vom 12.6.2024 formulierte er tatsächlich: „Wir werden Russland noch einmal so niederringen müssen, wie wir das im Kalten Krieg mit der Sowjetunion gemacht haben.“
Für dieses Ziel nennt Deutschlands Chefdiplomatin im Waffenrock gern noch einmal für all jene den Grund, die der Putin-Angriffswarnung des Verteidigungsministers misstrauen. Baerbock, die statt Russland „niederringen“ lieber Russland „ruinieren“ sagt, erläuterte im Interview mit der Süddeutschen Zeitung vom 16.6.2024:
„Wenn wir die Ukraine nicht weiter unterstützen, dann gehen wir das Risiko ein, dass Putins Truppen an der Grenze zu Polen stehen. Da ist der Krieg schnell auf dem Gebiet von EU und NATO…Die Unterstützung der Ukraine hält den Krieg auch von uns weg.“
Ich werde das hier im Vorwort nur flüchtig skizzierte Desaster abenteuerlicher deutscher Fehlerpolitik vor allem im Nachfolgeband untersuchen und mit nachweisbaren Details und exakten Quellen belegen. Wobei mich schier fassungslos macht, dass keiner der waffenklirrenden Rambos zu begreifen scheint, dass die Atomdoktrinen Russlands und der USA keinen Sandkasten- oder Computerspielen gelten.
So wird im Namen von Völkerrecht, Putin- und Russlandverdammung, diplomatiefreier Rüstungseskalation und einem „Muss“-Sieg der Ukraine das wichtigste „Muss“ in Siegeshysterie zum eigentlichen Kriegsopfer: das „Muss“ eines Weiterlebens der Gattung Homo sapiens im immer gefährlicheren Dschungel unseres Planeten, von dem es nur dieses eine Exemplar gibt. Wobei die Wissenschaft unter dem Begriff „Homo sapiens“ den aus der Spezis der Primaten herausragenden gescheiten, klugen und denkenden Menschen versteht. Was wohl nicht generell zutrifft, denn kann eine politisch privilegierte Führerkaste, die in gegenseitiger Siegessicherheit dem eigenen Untergang entgegentaumeln, als denkende und vernünftige Mnschheit bezeichnet werden?!
Diese Geringschätzung eines heraufziehenden Nukleargewitters bei sich übertrumpfendem Waffenwettlauf gleicht dem Rauchen auf einem Pulverfass, um einen Vergleich des Zynikers Dürrenmatt zu bemühen. Oder dem immer eifrigeren Absägen eines Lebensbaum-Astes, auf dem letztendlich alle sitzen. Passiert dies, erübrigt sich die Antwort auf die Frage, wer denn in diesem Krieg mehr Recht gehabt habe als der andere.
Auch diese Denk- und Handlungsweise werde ich unter die Lupe nehmen. Und die ist in Deutschlands Verteidigungs-, Außen- und Wirtschaftspolitik nicht selten zu konstatieren: Es wird getrickst und geheuchelt, dass sich im Kanzleramt die Balken biegen. Und nicht nur dort. Das hat nahezu schon den Kultstatus einer Tradition, denn in den 16 Jahren der Kanzlerschaft von Angela Merkel war es nicht anders. Die Ereignistafel des Ukraine-Russland-Konflikts wird es zeigen.
Meine eigene Position bedarf keiner Klippschulen-Abfrage: Meine Verurteilung gilt dem völkerrechtswidrigen Einmarsch von Generalissimus Putin in den souveränen Staat Ukraine, mein Mitgefühl ist bei seiner leidenden Bevölkerung, mein Verstand ist bei den deprimierenden Fakten, die zu diesem Leid geführt haben und die ich aufdecken möchte, und meine Vernunft ankert an der existenziellen Botschaft, eine solch verheerende Eskalation der Entwicklung hin zu einem ausufernden Monsterkrieg künftig schon im Ansatz zu erkennen und das Gegeneinander rechtzeitig auf friedlichem, diplomatischem Wege zu einem Miteinander zu entkrampfen.
Ich weiß: Fromme Sprüche! Aber es gibt um den Preis der Selbstzerstörung im Zeitalter der Atombombe keine andere Alternative der Vernunft, obgleich der hochgelobte Russland-Kenner und mediale Multiakteur Dr. Alexander Dubowy, der als promovierter Jurist in Wien und Moskau Rechts-, Wirtschafts- und Politikwissenschaften studierte, exakt das Gegenteil behauptet. In der Berliner Zeitung vom 3. Juni 2024 schreibt er in einer Kolumne, in der er die Scholz-Entscheidung für deutsche Kiew-Waffen gegen Russland-Ziele als notwendig und dringlich beweihräuchertt: „Es ist höchste Zeit, sich endgültig von dem naiven Glauben zu verabschieden, wonach der Frieden in Europa alternativlos sei und alle Akteure zwingend eine diplomatische Lösung zu erreichen hoffen.“ Bin ich unnormal, dass es mich bei einer solchen Aussage graust?
Die Ironie einer wendungsreichen Moskau-Kiew-Geschichte will es, dass am 11. Juni 2024 die Rede des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj im Bundestag an derselben Stelle umjubelt wurde, an der am 25. September 2001 auch die Rede des russischen Präsidenten Wladimir Putin stehende Ovationen bekam. Was ist passiert in den dazwischen liegenden mehr als zwölfeinhalb Jahren, dass der einstige Deutschland-Freund Putin, der damals um eine friedvolle, produktive Zusammenarbeit mit dem Westen warb, zum Ukraine-Angreifer wurde? Damals willkommener deutscher Staatsgast; heute gehasster deutscher Staatsfeind. Dass er mitsamt seiner Invasionsarmee am besten gleich selbst vernichtet werden müsste, scheint auf der Regierungsbank politisches Denkgut.
Dass es Russland-Diskriminierungen von Bundesregierung und Bundespräsident auch schon vor Putins Krim-Annexion gab, werde ich in Band 2 mit dem Kapitel „Ist der Russe unser Feind“ unter die Lupe nehmen und exakt belegen. Wofür also wollte man Putin schon in grauer Vorzeit bestrafen? Auch diese Antwort steckt zwischen diesen beiden Buchdeckeln.
Das Paradoxe ist, dass Frau Merkel und Herr Gauck diese Beleidigungspolitik gegen Moskau zu einer systematischen Praxis hochstilisiert haben, obwohl beide als Ostdeutsche in einem Staat aufwuchsen, in dem die deutsch-sowjetische Freundschaft Staatsdoktrin war. Dass sie dagegen opponiert haben, ist nicht bekannt Im Gegenteil. Die eine, die Pastorentochter, war FDJ-Sekretärin und reiste als Siegerin der DDR-Russisch-Olympiade mit dem Freundschaftszug in die Sowjetunion. Und der andere, der evangelische Pastor, hatte als Kirchenfunktionär alle Freiheiten, wurde Trittbrettfahrer der Wende und ließ sich widerspruchslos als Bürgerrechtler von Merkels Gnaden feiern.
Die „Ampel“-Regierung hat dieses Russophobie-Erbe des Spitzen-Ostduos zur schnöden Perfektion gebracht. Auch das werde ich mit Ross und Reiter im zweiten Buch belegen.
Was die dem Kremlchef vom Westen vorgeworfenen Verbrechen angeht, bin ich ebenfalls für ein Strafgericht – allerdings im Sinne von Justitia, die als Göttin der Gerechtigkeit alle Sünder vor den Richter bringen will, also auch den ukrainischen Präsidenten, der mit seiner sogenannten Antiterror-Operation den verlustreichen Bürgerkrieg gegen den Donbass auf dem Gewissen hat. Und da Mord nicht verjährt, sollten vor den Schranken eines Völkergerichts neben den Präsidenten der Russischen Föderation und der Ukraine auch Präsidenten der USA stehen – sowohl die lebenden als auch post mortem die verstorbenen, was ihre Kriegsverbrechen auch im Nachhinein nicht kleiner macht. Dieser Problematik widme ich mich am Schluss des Buches.
Die Deutschrepublik droht in dieser globalen Auseinandersetzung zerrieben zu werden und hilft dabei in Amerika-ergebener Demut selbst fleißig mit. Ihre Dominanz als vormals wirtschaftsstärkstes EU-Land hat sie eingetauscht in die Vorreiterrolle des größten europäischen Ukraine-Waffenlieferanten bei gleichzeitiger Eigenaufrüstung mit milliardenschweren Rekordfinanzen.
Die dafür verantwortliche „Ampel“-Mannschaft wurde von einer wütenden Wählerschaft desaströs abgestraft. Sie hat dabei einem grünen Spitzenduo die rote Karte gezeigt, deren Vorgänger einst sogar die NATO ablehnten in einer Friedens- und Pazifistenpartei, die heute eifrigste Kriegspartei ist.
Gleichzeitig entstand eine paradoxe Situation. Denn das kleinere Übel militärischer Haudrauf-Dilettanten mit der Lizenz für eine endlose Fehlerschleife der Inkompetenz wurde abgelöst durch das größere Übel von Möchtegern-Napoleons, die ihr Waterloo noch eifriger herbeiregieren wollen und dabei nicht nur den eigenen Kopf und Kragen riskieren.
Daran ändert auch die neue, auf Anhieb solide politische Kraft des Wagenknecht-Bündnisses nichts. Dass zudem eine AfD bundesweiter Zweitsieger und ostdeutscher Erstsieger wurde, scheint ebenso wenig zu ändern an der immer eifriger werdenden Radikalisierung der Russland-Vernichter. Sollte sich dieser Trend der Waffen- und Gewaltspirale noch weiter nach oben drehen, enden wir im Nichts des Daseins. Wie todernst es damit im wahrsten Sinne des Wortes ist, verdeutlicht ein Konzentrat an Verantwortungslosigkeiten im zweiten Buch, das sich mit der Frage befasst, wie Deutschland mit dem Ukraine-Krieg umgeht.
Zunächst aber untersuchen wir in diesem Band den Charakter und die Dialektik dieses verfluchten Krieges. Vielleicht können auch Sie sich, liebe Leserschaft, nach dieser Lektüre einen Reim darauf machen, warum sich Russlands Präsident zu diesem unseligen Schritt entschied. Denn nur, wer die Vorgeschichte des Ukraine-Krieges kennt, kann auch die Motive Putins begreifen, was selbstredend nicht mit ihrer Billigung gleichzusetzen ist.
Um so verwerflicher ist es, sich den Fakten und Erkenntnissen zu verweigern, die zum Fiasko führten. Denn wer sich ihnen aus Ignoranz, Dummheit, Gleichgültigkeit oder zum Selbstschutz eigener Interessen entzieht, handelt grob fahrlässig, weil er bewusst ohne Sachkunde urteilt und handelt. Und er kann zudem die Mittel und Möglichkeiten nicht ermessen, um diesen sich ausweitenden Flächenbrand einzudämmen.
Die acht Kapitel des Buches
In diesem Kapitel 1 möchte ich vornehmlich dem Mainstream ferne und deshalb unliebsame, unbequeme Fragen stellen, die in der Bevölkerung herumgeistern, aber von der zuständigen Obrigkeit nicht beantwortet werden. Denn jegliche ihrer Reaktionen landet trichterförmig in dem Kürzel: Der Angreifer Putin ist das Russenmonster. Fertig! Dass es entgegen dieser offiziellen schlichten Ukraine-Doktrin nicht wenige andere Kernaussagen und Nuancen gibt, wird ignoriert. Ich möchte sie in diesem ersten Kapitel benennen, mit Nachdenklichkeiten versehen oder einfach nur im Raum stehen lassen, um auf die Dringlichkeit ihrer späteren Beantwortung hinzuweisen.
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Ein Buch, das ich nicht schreiben wollte
„Eines der großen Missverständnisse besteht darin, dass ein Erklären der Vorgeschichte gleichgesetzt wird mit der Rechtfertigung des russischen Einmarsches. Das sind zwei völlig verschiedene Dinge.“
Prof. Dr. Gabriele Krone-Schmalz, ehemalige ARD-Moskau-Korrespondentin und Buchautorin im Interview mit der Wochenzeitung Unsere Zeit am 10. April 2023
„Die westlichen Regierungen – und leider auch fast alle westlichen Medien – machen es sich einfach: Die Ukraine-Krise ist allein Putins Werk. Doch ganz so simpel ist es nicht…In der Ukraine-Krise haben wir ein eindeutiges Bild. Die Guten sind im Westen, der Schurke sitzt im Kreml. Die Sichtweise ist praktisch. Mag die Situation immer komplizierter werden, mögen die Ereignisse eine unfassbare Dynamik entfalten, wir haben ein sicheres Urteil: hinter allem Übel steckt Putin, der russische Präsident. Von Anfang an! Die Vorwürfe, die gegenüber Wladimir Putin erhoben werden, sind in der Tat schwerwiegend … Aber wie ist es zu dieser Entwicklung gekommen?“
Fritz Pleitgen, ehemaliger ARD-Fernsehkorrespondent in Moskau, Brüssel, Berlin, Paris und Washington, Ex-Intendant des Westdeutschen Rundfunks, früherer ARD-Vorsitzender und Präsident der Europäischen Rundfunkunion, im Quartalsmagazin DIE GAZETTE, Ausgabe Nr. 43/Herbst 2014
„Das ist ein verbrecherischer, völkerrechtswidriger Krieg, für den es keine Rechtfertigung gibt. Aber das ändert natürlich nichts daran, dass dieser Krieg eine Vorgeschichte hat und dass es genauso falsch ist, über sie nicht mehr zu reden.“
Sarah Wagenknecht, damalige parteilose Bundestagsabgeordnete, im Interview mit der Berliner Zeitung vom 9./10. April 2022
„Es besteht kein Zweifel daran, dass Russland der Aggressor ist, Verträge und Grundsätze verletzt hat, die das friedliche Zusammenleben in Europa regeln sollen. Aber man muss die Vorgeschichte dieses Kriegs kennen, um sich ein sachliches Urteil zu bilden.“
Günter Verheugen, EU-Berater und früherer deutscher Staatsminister des Auswärtigen, zweifacher EU-Kommissar und Vize-Kommissionspräsident am 28. August 2023 im Interview mit der Zeitung WESER-KURIER
„Jene, die dem Frieden das Wort reden, die nach den Ursachen dieser Auseinandersetzung fragen, müssen unterstützt und nicht ausgeschlossen werden.“
Prof. Jean Radvanyi, französischer Historiker, am 7. Mai 2022 gegenüber der Tageszeitung Junge Welt zur Tragik des Ukraine-Krieges
Was vorher zu sagen wäre
Mit eben diesen Ursachen steht die regierende Bundesobrigkeit ebenso heftig auf Kriegsfuß wie mit Russland. Denn die Vorgeschichte dieses katastrophalen Konflikts ehrlich und unvoreingenommen zu analysieren, könnte durch Nachdenken nachdenklich machen und die von Selbstsicherheit strotzende sanktionsintensive, waffenklirrende und diplomatieabwesende deutsche Ukraine-Politik empfindlich stören. Vielleicht würde sich ja herausstellen, dass der so selbstgefällige Westen eine so saubere Weste auch nicht besitzt und ein gerüttelt Maß Mitschuld am fatal ausufernden Desaster hat.
Deshalb wohl scheint für unsere Regierungseliten die tiefer liegende Wahrheit hinter der Aggression des russischen Präsidenten Wladimir Putin eine unerträgliche Zumutung zu sein. Die einen wollen sie überhaupt nicht wissen, die anderen fragen erst gar nicht danach und der Rest deckt sie mit einem Schwarz-weiß-Schleier von Oberflächlichkeit und Halbwissen zu. Grautöne oder gar Farbnuancen fehlen im Ukraine-Russland-Bild des Kanzleramtes völlig. Tauchen statt Schwarzmalerei kolorierte Darstellungen und Ansichten als rare Zeugnisse von bürgerlichem Eigendenken auf, hat sich deren Urheber der inquisitorischen Frage zu stellen: Ist Putin nun böse oder ist er böse?
Nach jedem Autounfall heißt die Frage: Wie konnte das passieren? Aber selbst nach dem Super-Gau-Unfall des russischen Ukraine-Einmarschs wird diese Frage in den Chefetagen der Politik nicht gestellt. Im Gegenteil: Sie wird gemieden, unterdrückt, verdrängt. Das macht stutzig. Warum dieses Unheil über die Ukraine und uns alle kam, will im Olymp der Politik niemand wissen, denn der Kriegsunhold steht ja fest und damit Basta!
Nach allem, was ich in mehr als zweijähriger Recherche erfahren konnte, ist die Behauptung nicht allzu spekulativ, dass in den Gefilden der Macht die Frage nach den Ursachen gefährlich ist, weil auch die Antwort gefährlich sein könnte. Wenn man sie nicht kennt oder kennen will, muss man dem Volk keine Auskunft oder gar Rechenschaft über eigene Entscheidungen und Handlungen geben, kann aber mit dem stereotypen Satz von Putin, dem Angreifer, Kriegstreiber und Alleinschuldigen alle Waffen- und Sanktionspakete der westlichen Welt rechtfertigen. Mittlerweile die 14. EU-Strafaktion, die den Absender mehr bestraft als den Adressaten.
Es bleibt unbeirrt die Frage aller Fragen, auch wenn sie durch ihre stete Wiederholung nervig ist: Wie konnte das Ultradesaster passieren?
Was kaum einer weiß: Einige unserer aktuellen Top-Politiker waren sogar in entscheidenden Phasen der Konfliktentwicklung in sehr aktiver Weise mit dabei. Unser heutiger Bundespräsident Steinmeier hat sogar 2014 in der heißen Phase des „Maidan“-Umsturzes – in westlicher Diktion „Revolution der Würde“ – als Außenminister über die Zukunft der Ukraine in Kiew mitverhandelt. Er muss wissen, was da extrem schief gelaufen ist. Warum sagt er es nicht und nickt stattdessen einen von mal zu mal immer gefährlicheren Waffentyp für die Ukrainefront des Schlachtfeldes ab?
Und unser heutiger Bundeskanzler Olaf Scholz war im März 2022 direkt involviert in die russisch-ukrainischen Friedensverhandlungen in Istanbul. Sie wurden, wie in diesem Buch akribisch dokumentiert, durch die USA und Großbritannien bei einer schon unterschriftsreifen Vereinbarung gesprengt, womit der gerade erst begonnene Angriffskrieg Putins hätte getoppt werden können. Warum schweigt der Kanzler, hofiert die Washingtoner Administration, lässt sich nach anfänglichem Zögern vor den Kriegskarren der Hardliner spannen, versucht ihn nach immer riskanterer Fracht zu bremsen und wird nun von ihm überrollt?
Warum schweigen beide Staatslenker in dementer Vergesslichkeit?
Auch darüber werden die in diesem Buch dokumentierten Ereignisse im dramatischen Eskalationsverlauf des Russland-Ukraine-Konflikts Auskunft geben. Waren einst die Probleme dieses Konflikts in bilateraler Verständigung partiell noch lösbar, sind sie inzwischen zu einem multilateralen wirtschaftlichen und militärischen Kräftemessen zwischen zwei Weltsystemen entartet – belastet durch seine permanente Zuspitzung mit dem Potenzial eines Dritten Weltkrieges.
Wenigstens vor der bedrohlichsten Waghalsigkeit schreckte Olaf Scholz zurück. Aber bevor er sich schließlich der kreuzgefährlichen „Taurus“-Rakete in den Weg stellte, war er längst zum Waffenkanzler geworden. Der war sich nicht zu schade, zusammen mit seiner Außenministerin in aller Welt hausieren zu gehen mit der Bitte um eine Beteiligung an Waffen- und Sanktionspaketen, während sein Vize zu Hause am Ruinieren der Wirtschaft arbeitete. Während das weltweite Waffensammeln nicht gelang, hatte Wirtschaftsminister Habeck mit dem Ruinieren Erfolg. Das sollte nach dem Willen seines Grünen-Zwillings Baerbock eigentlich den Strafpaketen gegen Russland vorbehalten sein, traf aber mit Bumerang-Effekt das eigene Haus. Trotzdem schnürt die Chefdiplomatin weiter Eigentor-Pakete statt ihrer beruflichen Bestimmung einer Friedensstiftung nachzugehen.
So haben wird denn nun das regierungsamtliche Szenarium einer berechtigten Ukraine-Solidarität, über deren milliardenschweren Fanatismus-Paketen aber das eigene Volk vergessen wird. Damit werde ich mich intensiv im zweiten Band befassen.
Da aber nur mit dem Wissen von Gestern das Heute zu verstehen ist, müssen zuerst die Wurzeln dieses unseligen Krieges bloß gelegt werden. Ich bin nicht der Meinung, dass Wladimir Putin ihn am 24. Februar 2022 vom Zaun gebrochen hat, weil er geisteskrank ist oder ihm Aggressivität angeboren wurde. Damit bleibt die stereotype Gretchenfrage: Also was war es dann?
Ich schreibe dieses Manuskript inmitten einer desaströsen deutschen Ukraine-Fehlerpolitik, die aber durchaus steigerbar ist. Denn seit Volkes Seele überkochte und den Scholz-Kanzler samt seiner „Ampel“-Getreuen am 9. Juni 2024, dem Sonntag der Europawahl, mit einem krachenden Stimmendesaster de facto abgewählt hat, droht die Schieflage des Ukraine-Kurses endgültig zum Sturzgefälle zu werden.
Mit dem überragenden Wahlsieger CDU/CSU kommt der heißspornige Draufgänger Friedrich Merz seinem Ziel ein gut Stück näher, den „Taurus“-Zerstörer über den ukrainischen Umweg gegen Russland fliegen zu lassen, was er ja mit zwei Parlamentsabstimmungen bereits versucht hat. Denn Russland werde Deutschland in „fünf bis acht Jahren“ angreifen, sagt SPD-Verteidigungs- und Rüstungsminister Pistorius, der eine ganze Gesellschaft von Friedens- in Kriegstauglichkeit umkrempeln will und schon fleißig dabei ist.
Die Faktenchronolgie des in diesem Buch beackerten Kriegsvorfeldes zeigt anderes. Sie belegt, warum Putin explizit in die Ukraine einmarschiert ist und kein kriegerisches Interesse an anderen Ländern hat. Solche Art historischer Logik interessiert aber weder die Bundesregierung noch Hardliner im Bundestag wie den strammen Parteisoldaten Roderich Kiesewetter an der Seite von Merz als ehemaliger schneidiger Oberst der Bundeswehr. Der Obmann im Auswärtigen Ausschuss durfte Kiew ungestraft öffentlich auffordern, das Verteidigungsministerium in Moskau platt zu machen.
Assistiert werden sie alle parteiübergreifend vom „grünen“ Zampano des Europa-Ausschusses, Anton „Toni“ Hofreiter, und der FDP-Chefin des Verteidigungsausschusses, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, die nach einem Gerichtsverfahren amtlich beglaubigt als „Kriegstreiberin“ bezeichnet werden darf.
Dieses Prädikat müsste man nun auch dem Vorsitzenden des deutsch-amerikanischen Netzwerks „Atlantik-Brücke“, Sigmar Gabriel, zugestehen. Der frühere SPD-Chef und Ex-Außenminister hat neuerdings ebenfalls den Finger am Abzug, denn gegenüber dem Hamburger Stern vom 12.6.2024 formulierte er tatsächlich: „Wir werden Russland noch einmal so niederringen müssen, wie wir das im Kalten Krieg mit der Sowjetunion gemacht haben.“
Für dieses Ziel nennt Deutschlands Chefdiplomatin im Waffenrock gern noch einmal für all jene den Grund, die der Putin-Angriffswarnung des Verteidigungsministers misstrauen. Baerbock, die statt Russland „niederringen“ lieber Russland „ruinieren“ sagt, erläuterte im Interview mit der Süddeutschen Zeitung vom 16.6.2024:
„Wenn wir die Ukraine nicht weiter unterstützen, dann gehen wir das Risiko ein, dass Putins Truppen an der Grenze zu Polen stehen. Da ist der Krieg schnell auf dem Gebiet von EU und NATO…Die Unterstützung der Ukraine hält den Krieg auch von uns weg.“
Ich werde das hier im Vorwort nur flüchtig skizzierte Desaster abenteuerlicher deutscher Fehlerpolitik vor allem im Nachfolgeband untersuchen und mit nachweisbaren Details und exakten Quellen belegen. Wobei mich schier fassungslos macht, dass keiner der waffenklirrenden Rambos zu begreifen scheint, dass die Atomdoktrinen Russlands und der USA keinen Sandkasten- oder Computerspielen gelten.
So wird im Namen von Völkerrecht, Putin- und Russlandverdammung, diplomatiefreier Rüstungseskalation und einem „Muss“-Sieg der Ukraine das wichtigste „Muss“ in Siegeshysterie zum eigentlichen Kriegsopfer: das „Muss“ eines Weiterlebens der Gattung Homo sapiens im immer gefährlicheren Dschungel unseres Planeten, von dem es nur dieses eine Exemplar gibt. Wobei die Wissenschaft unter dem Begriff „Homo sapiens“ den aus der Spezis der Primaten herausragenden gescheiten, klugen und denkenden Menschen versteht. Was wohl nicht generell zutrifft, denn kann eine politisch privilegierte Führerkaste, die in gegenseitiger Siegessicherheit dem eigenen Untergang entgegentaumeln, als denkende und vernünftige Mnschheit bezeichnet werden?!
Diese Geringschätzung eines heraufziehenden Nukleargewitters bei sich übertrumpfendem Waffenwettlauf gleicht dem Rauchen auf einem Pulverfass, um einen Vergleich des Zynikers Dürrenmatt zu bemühen. Oder dem immer eifrigeren Absägen eines Lebensbaum-Astes, auf dem letztendlich alle sitzen. Passiert dies, erübrigt sich die Antwort auf die Frage, wer denn in diesem Krieg mehr Recht gehabt habe als der andere.
Auch diese Denk- und Handlungsweise werde ich unter die Lupe nehmen. Und die ist in Deutschlands Verteidigungs-, Außen- und Wirtschaftspolitik nicht selten zu konstatieren: Es wird getrickst und geheuchelt, dass sich im Kanzleramt die Balken biegen. Und nicht nur dort. Das hat nahezu schon den Kultstatus einer Tradition, denn in den 16 Jahren der Kanzlerschaft von Angela Merkel war es nicht anders. Die Ereignistafel des Ukraine-Russland-Konflikts wird es zeigen.
Meine eigene Position bedarf keiner Klippschulen-Abfrage: Meine Verurteilung gilt dem völkerrechtswidrigen Einmarsch von Generalissimus Putin in den souveränen Staat Ukraine, mein Mitgefühl ist bei seiner leidenden Bevölkerung, mein Verstand ist bei den deprimierenden Fakten, die zu diesem Leid geführt haben und die ich aufdecken möchte, und meine Vernunft ankert an der existenziellen Botschaft, eine solch verheerende Eskalation der Entwicklung hin zu einem ausufernden Monsterkrieg künftig schon im Ansatz zu erkennen und das Gegeneinander rechtzeitig auf friedlichem, diplomatischem Wege zu einem Miteinander zu entkrampfen.
Ich weiß: Fromme Sprüche! Aber es gibt um den Preis der Selbstzerstörung im Zeitalter der Atombombe keine andere Alternative der Vernunft, obgleich der hochgelobte Russland-Kenner und mediale Multiakteur Dr. Alexander Dubowy, der als promovierter Jurist in Wien und Moskau Rechts-, Wirtschafts- und Politikwissenschaften studierte, exakt das Gegenteil behauptet. In der Berliner Zeitung vom 3. Juni 2024 schreibt er in einer Kolumne, in der er die Scholz-Entscheidung für deutsche Kiew-Waffen gegen Russland-Ziele als notwendig und dringlich beweihräuchertt: „Es ist höchste Zeit, sich endgültig von dem naiven Glauben zu verabschieden, wonach der Frieden in Europa alternativlos sei und alle Akteure zwingend eine diplomatische Lösung zu erreichen hoffen.“ Bin ich unnormal, dass es mich bei einer solchen Aussage graust?
Die Ironie einer wendungsreichen Moskau-Kiew-Geschichte will es, dass am 11. Juni 2024 die Rede des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj im Bundestag an derselben Stelle umjubelt wurde, an der am 25. September 2001 auch die Rede des russischen Präsidenten Wladimir Putin stehende Ovationen bekam. Was ist passiert in den dazwischen liegenden mehr als zwölfeinhalb Jahren, dass der einstige Deutschland-Freund Putin, der damals um eine friedvolle, produktive Zusammenarbeit mit dem Westen warb, zum Ukraine-Angreifer wurde? Damals willkommener deutscher Staatsgast; heute gehasster deutscher Staatsfeind. Dass er mitsamt seiner Invasionsarmee am besten gleich selbst vernichtet werden müsste, scheint auf der Regierungsbank politisches Denkgut.
Dass es Russland-Diskriminierungen von Bundesregierung und Bundespräsident auch schon vor Putins Krim-Annexion gab, werde ich in Band 2 mit dem Kapitel „Ist der Russe unser Feind“ unter die Lupe nehmen und exakt belegen. Wofür also wollte man Putin schon in grauer Vorzeit bestrafen? Auch diese Antwort steckt zwischen diesen beiden Buchdeckeln.
Das Paradoxe ist, dass Frau Merkel und Herr Gauck diese Beleidigungspolitik gegen Moskau zu einer systematischen Praxis hochstilisiert haben, obwohl beide als Ostdeutsche in einem Staat aufwuchsen, in dem die deutsch-sowjetische Freundschaft Staatsdoktrin war. Dass sie dagegen opponiert haben, ist nicht bekannt Im Gegenteil. Die eine, die Pastorentochter, war FDJ-Sekretärin und reiste als Siegerin der DDR-Russisch-Olympiade mit dem Freundschaftszug in die Sowjetunion. Und der andere, der evangelische Pastor, hatte als Kirchenfunktionär alle Freiheiten, wurde Trittbrettfahrer der Wende und ließ sich widerspruchslos als Bürgerrechtler von Merkels Gnaden feiern.
Die „Ampel“-Regierung hat dieses Russophobie-Erbe des Spitzen-Ostduos zur schnöden Perfektion gebracht. Auch das werde ich mit Ross und Reiter im zweiten Buch belegen.
Was die dem Kremlchef vom Westen vorgeworfenen Verbrechen angeht, bin ich ebenfalls für ein Strafgericht – allerdings im Sinne von Justitia, die als Göttin der Gerechtigkeit alle Sünder vor den Richter bringen will, also auch den ukrainischen Präsidenten, der mit seiner sogenannten Antiterror-Operation den verlustreichen Bürgerkrieg gegen den Donbass auf dem Gewissen hat. Und da Mord nicht verjährt, sollten vor den Schranken eines Völkergerichts neben den Präsidenten der Russischen Föderation und der Ukraine auch Präsidenten der USA stehen – sowohl die lebenden als auch post mortem die verstorbenen, was ihre Kriegsverbrechen auch im Nachhinein nicht kleiner macht. Dieser Problematik widme ich mich am Schluss des Buches.
Die Deutschrepublik droht in dieser globalen Auseinandersetzung zerrieben zu werden und hilft dabei in Amerika-ergebener Demut selbst fleißig mit. Ihre Dominanz als vormals wirtschaftsstärkstes EU-Land hat sie eingetauscht in die Vorreiterrolle des größten europäischen Ukraine-Waffenlieferanten bei gleichzeitiger Eigenaufrüstung mit milliardenschweren Rekordfinanzen.
Die dafür verantwortliche „Ampel“-Mannschaft wurde von einer wütenden Wählerschaft desaströs abgestraft. Sie hat dabei einem grünen Spitzenduo die rote Karte gezeigt, deren Vorgänger einst sogar die NATO ablehnten in einer Friedens- und Pazifistenpartei, die heute eifrigste Kriegspartei ist.
Gleichzeitig entstand eine paradoxe Situation. Denn das kleinere Übel militärischer Haudrauf-Dilettanten mit der Lizenz für eine endlose Fehlerschleife der Inkompetenz wurde abgelöst durch das größere Übel von Möchtegern-Napoleons, die ihr Waterloo noch eifriger herbeiregieren wollen und dabei nicht nur den eigenen Kopf und Kragen riskieren.
Daran ändert auch die neue, auf Anhieb solide politische Kraft des Wagenknecht-Bündnisses nichts. Dass zudem eine AfD bundesweiter Zweitsieger und ostdeutscher Erstsieger wurde, scheint ebenso wenig zu ändern an der immer eifriger werdenden Radikalisierung der Russland-Vernichter. Sollte sich dieser Trend der Waffen- und Gewaltspirale noch weiter nach oben drehen, enden wir im Nichts des Daseins. Wie todernst es damit im wahrsten Sinne des Wortes ist, verdeutlicht ein Konzentrat an Verantwortungslosigkeiten im zweiten Buch, das sich mit der Frage befasst, wie Deutschland mit dem Ukraine-Krieg umgeht.
Zunächst aber untersuchen wir in diesem Band den Charakter und die Dialektik dieses verfluchten Krieges. Vielleicht können auch Sie sich, liebe Leserschaft, nach dieser Lektüre einen Reim darauf machen, warum sich Russlands Präsident zu diesem unseligen Schritt entschied. Denn nur, wer die Vorgeschichte des Ukraine-Krieges kennt, kann auch die Motive Putins begreifen, was selbstredend nicht mit ihrer Billigung gleichzusetzen ist.
Um so verwerflicher ist es, sich den Fakten und Erkenntnissen zu verweigern, die zum Fiasko führten. Denn wer sich ihnen aus Ignoranz, Dummheit, Gleichgültigkeit oder zum Selbstschutz eigener Interessen entzieht, handelt grob fahrlässig, weil er bewusst ohne Sachkunde urteilt und handelt. Und er kann zudem die Mittel und Möglichkeiten nicht ermessen, um diesen sich ausweitenden Flächenbrand einzudämmen.
Die acht Kapitel des Buches
In diesem Kapitel 1 möchte ich vornehmlich dem Mainstream ferne und deshalb unliebsame, unbequeme Fragen stellen, die in der Bevölkerung herumgeistern, aber von der zuständigen Obrigkeit nicht beantwortet werden. Denn jegliche ihrer Reaktionen landet trichterförmig in dem Kürzel: Der Angreifer Putin ist das Russenmonster. Fertig! Dass es entgegen dieser offiziellen schlichten Ukraine-Doktrin nicht wenige andere Kernaussagen und Nuancen gibt, wird ignoriert. Ich möchte sie in diesem ersten Kapitel benennen, mit Nachdenklichkeiten versehen oder einfach nur im Raum stehen lassen, um auf die Dringlichkeit ihrer späteren Beantwortung hinzuweisen.
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