Cover: Annales de Teutonicorum

Annales de Teutonicorum
Band 1


EUR 18,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 110
ISBN: 978-3-7116-0503-0
Erscheinungsdatum: 05.03.2025
Tauchen Sie ein in eine faszinierende Welt. Begleiten Sie mich auf einer Reise vom Ursprung meines Volkes bis zu seiner Gegenwart. Mal ruhig, mal mitreißend, doch niemals langweilig.
Erster Teil


Über die Antike

„Der Tor hat sein Herz auf der Zunge,
der Weise seine Zunge im Herzen.“
(SIR 21, 26)




Was ist die Vorgeschichte meines Volkes?


Die Geschichte der Germanen, aus welchen mein Volk hervorgegangen ist! Und da man zuerst wissen muss, woher man kommt, um je zu wissen, wo man ist, geschweige denn, wohin man geht, beginne ich mit einem prähistorischen Teil.
Die Geschichtsschreiber dieser Zeit werden mich einen Narren nennen. Doch das ist gut so! „Geschichte wird von denen geschrieben, die die Helden gehängt haben.“
Da, wo alle das Gleiche reden, meistens gelogen wird!
Dieser Teil umfasst die germanische Geschichte, von den ersten schriftlichen Zeugnissen über sie, bis zur Volkswerdung, Ethnogenese genannt. Solch einen Prozess darf man sich nicht als plötzliches Ereignis vorstellen, welches geschieht und schwupp, auf einmal ist ein neues Volk da.

Nein. So einfach ist das nicht. Eine Ethnogenese vollzieht sich über einen längeren Zeitraum, man kann hier ruhig 150 Jahre annehmen, bis dieses Ereignis abgeschlossen ist.
Dabei benutze ich den ursprünglichen Namen meines Volkes, in seiner latinisierten Form, „Teutones“. Dieser spiegelt nämlich unseren Volksnamen, Deutsche, tatsächlich wieder, während die Bezeichnung als „Germani“ sehr irreführend ist. Dieser gaukelt ja einen direkten völkischen Zusammenhang vor, der nicht existiert. Denn die Germanen sind nicht die Deutschen!

Man müsste ja auch sonst fragen, warum diese Bezeichnung nur für uns Deutsche gelten sollte. Und nicht auch für einen Engländer, Holländer oder Schweden.
Das ist deshalb wichtig, weil das lateinische Teutones bzw. theodisce, vom althochdeutschen diutisk abgeleitet ist. Und das bedeutet so viel wie „zum Volk gehörig“.

Tatsächlich wandelt sich unsere Bezeichnung im Zuge der Renaissance (das ist die Epoche, die das Heidentum wieder salonfähig gemacht hat). Damals begann man die lateinische geografische Bezeichnung unserer Heimat, Germania, auf uns als Volksnamen zu übertragen. Man sehe sich nur die Bezeichnung meines Volkes in den romanischen und germanischen Sprachen an, in keiner kommt ein Verweis auf die Germanen vor.
Die älteste Bezeichnung unserer Heimat aber, stammt aus dem Jahr 919 und lautet auf regnum Teutonicorum, Königreich der Deutschen. Höchste Zeit also, diesen Missstand zu beheben.




Die Germanen


Das Volk der Germanen entsteht am Ende der jüngeren Steinzeit aus der Vermischung älterer Kulturen mit den Indogermanen um 2000 v. Chr. Im Zuge der Bronzezeit (1700 – 800 v. Chr.) spricht man daher von einem Frühgermanischen oder nordischen Kulturkreis. In dieser Zeit kommt es auch zur ersten Lautverschiebung, welche die germanische Sprache entstehen lässt. Dieser Prozess läuft von außen ungestört ab, sodass man ab etwa 500 v. Chr. von einer germanischen Kultur sprechen kann.
Die Urheimat der Germanen war Skandinavien und Niederdeutschland. Von dort aus breiten sie sich langsam in alle Himmelsrichtungen aus. Am stärksten allerdings Richtung Süden und Osten. Dies wohl deshalb, weil Zentraleuropa (also in etwa das Gebiet der heutigen Staaten Deutschland, Schweiz, Österreich, Tschechien, Slowakei und Polen) vor Christi Geburt nur sehr spärlich besiedelt war. Im Westen hingegen entstand in etwa zur selben Zeit mit den Kelten ein aktiver Gegenpart, welcher einer Ausbreitung nach Westen einen Riegel vorschob.

Die Germanen zählen zu der indogermanischen Sprachfamilie und werden in drei große Gruppen unterteilt. In die Nord-, West- und Ostgermanen.
Nordgermanen sind all jene Völker und Stämme welche in der Urheimat der Germanen, in Skandinavien, verblieben oder sich aus diesen entwickelten. Zu ihnen zählen die Dänen, Norweger, Schweden, Isländer und die Färöer.
Westgermanen sind all jene Völker und Stämme, welche grob zwischen Nordsee und Donau, Rhein und Oder siedelten. Zu ihnen gehören wir Deutsche sowie die Holländer, Flamen, Engländer und Friesen. Auch die Buren mit Afrikaans gehören in diese Gruppe. Ein Sonderfall ist das Jiddisch, als einer Sprache der Juden Europas. Es entstand im Lauf des Mittelalters aus dem Mittelhochdeutschen und zählt daher zur indogermanischen Sprachfamilie.
Die Ostgermanen waren all jene Stämme und Völker, welche östlich der Oder lebten. Sie gingen alle während der Völkerwanderungszeit unter oder verschmolzen mit den Romanen zu den späteren romanischen Völkern.

Erstmals ins Licht der Geschichte traten die Germanen am Ende des 2. Jahrhunderts vor Christus, als Kimbern, Teutonen und Ambronen ihre angestammte Heimat aufgaben und nach einer neuen Heimat suchten. Dabei kamen sie mit den Kelten und den Römern in Kontakt und es kam zu zahlreichen kriegerischen Handlungen, die am Ende mit der Ausrottung und Versklavung der genannten Stämme durch die Römer endete.


120 v. Chr.

Die germanischen Stämme der Kimbern, Teutonen und Ambronen verlassen ihre Heimat, welche sich wohl in Schleswig-Holstein bzw. Jütland befand. Angeführt werden sie von dem kimbrischen König Boiorix. Ihr Zug bewegt sich zunächst Richtung Süden. Im Lauf der Wanderung schließen sich immer mehr Menschen ihrem Treck an.


113

Der Zug der Germanen führt wohl über Schlesien und Böhmen, das damals dünn besiedelt war, nach dem heutigen Kärnten. Dort stoßen sie erstmals mit den Römern zusammen, welche das keltische Königreich Norikum, welches dem Großteil des heutigen Österreich entspricht, als ihr Einflussgebiet betrachten. An einem Ort namens Noreia, dessen genaue Lage in Kärnten heute unbekannt ist, versuchen die Römer eine Falle aufzubauen. Allerdings wird diese erkannt und das römische Heer geschlagen.
Durch die römische Überlieferung wird dieses Ereignis zugleich der erste schriftliche Nachweis über die Germanen.


109

Da die Germanen nach Gallien abziehen, sehen die Römer sie weiterhin als Gefahr an. Vor allem für ihre südlichen Besitzungen in der Provence.
Westlich von Lyon erleiden die Römer schließlich eine erneute Niederlage gegen die Kimbern, Teutonen und Ambronen.


105

Nordwestlich von Marseille, bei einem Ort namens Arausio, erleiden die Römer ihre dritte vernichtende Niederlage gegen die Germanen. Diese Niederlage wird zur Heeresreform des Marius führen, dem sogenannten zweiten Gründer Roms. Er führt ein Berufsheer ein und stattet die Legionäre mit der klassischen Bewaffnung aus, wie sie uns heute geläufig ist. Da die Bezahlung auch von den Reichen übernommen wird, werden die Legionen einstmals zu Privatarmeen der Patrizier werden. Unsere heutigen Worte Salär und Sold stammen übrigens aus dieser Zeit. Zu Beginn wurden Legionäre nämlich mit Salz, lateinisch salus, bezahlt! Dies nannte man salarium, was als Bezeichnung für eine Bezahlung überdauerte.


105 – 102

Zunächst spalten sich die Stämme einzeln auf, um getrennt eine neue Heimat zu finden, was allerdings beiden misslingt. So vereinen sie sich in Zentralfrankreich erneut und ziehen in großem Bogen Richtung Nordosten, um schließlich erneut Richtung Süden zu ziehen. Vor der Burgundischen Pforte trennen sie sich erneut. Die Teutonen ziehen gen Süden weiter und die Kimbern ziehen westlich einmal um die ganzen Ostalpen herum. Warum diese Trennung geschah, ist unbekannt, jedoch wird sie schicksalhaft.


102

Östlich von Marseille, bei Aqua Sextae, vernichtet Marius die Teutonen und Ambronen, die Überlebenden werden versklavt.


101

Bei Vercellae, westlich von Mailand, besiegt Marius die Kimbern und versklavt die Überlebenden.
Ende der Kimbernkriege.

Ariovist, 101 – 54
Anführer der Sweben in Gallien.


100

Gaius Iulius Caesar, 100 – 44

Römischer Staatsmann, Feldherr und Diktator.


Um 90/80

Der griechische Historiker Poseidonius erwähnt erstmals die germanoi, die Germanen.


Um 72

Die Sueben, oder Sweben, unter ihrem Anführer Ariovist ziehen über den Rhein, um ihren Verbündeten zu helfen, und lassen sich auf dem linken Rheinufer nieder.


63.

Gaius Iulius Caesar Octavianus, genannt Augustus; 63 – 14
Princeps und erster „Kaiser“ von Rom.


61

Ariovist erringt einen vollständigen Sieg über die Gallier und beansprucht fortan das westliche Rheinufer als seinen Besitz.


58

Julius Cäsar folgt dem Hilferuf seiner gallischen Verbündeten. Als hilfreicher Freund getarnt, beginnt er mit der Eroberung Galliens. In der Folge kommt es auch zu erneuten Zusammenstößen mit Germanen.


56

Julius Caesar besiegt den Suebenfürsten Ariovist. Damit wurde die germanische Macht auf der linken Rheinseite gebrochen. Der Rhein wird neue Grenze zwischen Römern und Germanen.


55

Caesar besiegt die germanischen Usipeter und die Tenkterer, welche den Rhein überquert hatten. Dadurch festigt Caesar seine Stellung als Bundesgenosse der Gallier. Um die Fliehenden zu verfolgen, lässt er sogar eine Brücke über den mächtigen Fluss schlagen. Nach der Brandschatzung einiger Dörfer und Gehöfte zieht er sich schließlich wieder zurück.


53

Ein weiterer Versuch der Sueben, ihre vormaligen Ansprüche durchzusetzen, scheitert. Im Gegenteil, Caesar zieht ein zweites Mal auf die rechte Rheinseite. Abgesehen von einigen Scharmützeln und Plünderungen geschieht nicht viel und er zieht sich wieder zurück.


52 – 51

Der Aufstand des Galliers Vercingetorix. Es kommt zur Belagerung und Entscheidungsschlacht von Alesia, einem Ort in Zentralfrankreich, dessen genaue Lokalisierung heute nicht mehr möglich ist. Mit dem Sieg Caesars wird die Eroberung Galliens und seine Unterwerfung unter Rom abgeschlossen, Gallien wird eine römische Provinz.


51

Caesar verfasst seine Kommentare zu den gallischen Ereignissen. Als De bello gallico, Über den gallischen Krieg, werden sie berühmt. Die Schrift ist deshalb so bedeutend, da sie nicht nur die historischen Ereignisse, wenn auch tendenziös, schildert, sondern auch der erste schriftliche Bericht über Leben
und Kultur der Kelten wie der Germanen ist. Viele Stammesnamen tauchen hier das erste Mal auf.




Die germanische Kultur


Die germanische Kultur, soweit wir das bis heute rekonstruieren können, war um 200 v. Chr. voll entwickelt. Wobei man auch hier einen west-, ost- und nordgermanischen Kulturkreis unterscheidet. Vor allem bei den Westgermanen kann man eine Beeinflussung durch die Römer gut erkennen, genauso wie man einen starken skythischen Einfluss auf die Ostgermanen erkennen kann. Bei den Westgermanen wurde die „Verwaltungsstruktur“ von den Römern beeinflusst, genauso wie der Handel, bei den Ostgermanen waren es die nomadischen Gewohnheiten und die Reitkunst. Ein Grund, warum die Goten später gute Erfolge gegen die Römer hatten, lag in der Tatsache, dass sie eine kleine, aber feine Reitertruppe besaßen, welche die Römer in dieser Art nicht kannten.
Bei den Germanen gab es eine einheitliche Religion mit Göttern und auch eine einheitliche Sagenwelt. Doch ähnlich wie in anderen antiken Kulturen auch, war die Wichtigkeit der einzelnen Götter von Stamm zu Stamm unterschiedlich.

Dabei kam ihre Religion ganz ohne Tempel aus. Ähnlich wie die Kelten verehrten sie heilige Haine, Quellen, Sümpfe oder andere spirituell bedeutungsvolle Stellen als Begegnungsorte mit ihren Göttern.
Das Land war grundsätzlich ländlich geprägt. Städte gab es nicht. Was wohl daran lag, dass es kaum Siedlungsdruck gab. Die einzigen Ausnahmen waren sogenannte Fluchtburgen und Fürstensitze. Später, im Frühmittelalter, werden einmal viele dieser Fluchtburgen zum Kern heutiger Ortschaften und Städte werden.
Fluchtburgen waren befestigte Plätze, die an leicht zu verteidigenden Orten angelegt wurden, um im Kriegsfall dem Volk Zuflucht zu bieten. Daher verwundert es auch nicht, dass die Germanen kein Geld kannten. Alle Münzen die man bis heute in germanischen, vorchristlichen, Siedlungen gefunden hat, stammten aus dem Ausland.
Das Leben meiner Vorfahren war gegliedert in Familie-Sippe-Dorfgemeinschaft-Stamm. Ein übergeordnetes Staatswesen im Sinn eines wie auch immer gearteten Staates gab es so nicht, vergleichbar etwa dem griechischen Kulturkreis. Die Ausnahmen blieben dabei Krieg und Religion, wo es sehr wohl vorkam, dass einzelne Personen das Land zu den Waffen rufen konnten, wenn die Bedrohung groß war. Das beste Beispiel ist Armin der Cherusker, doch blieben sie die absolute Ausnahme. Ansonsten blieben die Stämme unter sich.
Die zentrale „Verwaltung“ der Angelegenheiten wurde im sogenannten Thing beraten und beschlossen. Zu dieser Versammlung hatten alle freien Männer Zugang. Dies weniger aus frauenfeindlichen Motiven, sondern einfach aus der Tatsache heraus, dass mitbestimmen durfte, wer die Gemeinschaft, nicht die Gesellschaft, mit seinem Leben schützen würde.
Was ja bekanntermaßen auch die Grundlage für das heutige Wahlrecht in unseren modernen „Demokratien“ ist.

In diesen Versammlungen wurde alles Wichtige, was die Gemeinschaft betraf, beraten und beschlossen.
Sie wurden auch genutzt, um Recht zu sprechen und um die Oberhäupter von Dorf und Stamm zu wählen. Der Gedanke eines Königtums, noch dazu eines erblichen, kam erst nach Christi Geburt, wohl durch römischen Einfluss, auf. Und war auch dann, bis zur Völkerwanderung, nicht überall üblich. Die oft übliche Linde im Dorf dürfte auch auf das Thing zurückgehen. Da die Linde wie die Eiche den Germanen als heilig galt, wurden oft solche Versammlungen unter solchen Bäumen oder innerhalb von kleinen Hainen abgehalten. Die Linden waren deshalb die Favoriten, da der Baum als Symbol für Wahrheit und Weissagung galt.

Die Kunstfertigkeit war weit verbreitet. Schmuck, Keramik, Waffen, Häuser wurden alle kunstfertig und vielfältig verziert und angefertigt. Alles blieb allerdings dem Nützlichen und Einfachen unterworfen.
Die Germanen waren eine stark oral geprägte Kultur. Das bezog sich auf das Recht und die Religion, genauso wie auf die Literatur.
In diesem Zusammenhang stellen die Runen eine Besonderheit dar. Einerseits konnte man sie wie Buchstaben verwenden, hauptsächlich allerdings, wurden sie als Wortsymbol genutzt. Eine Rune also für ein ganzes Wort stand, ähnlich wie die Hieroglyphen. Auch mehrere Bedeutungen sind möglich. Da die nutzende Kultur oral blieb, nutzte man die Runen als Unterstützung der Sprache, für Eigentum, Religion, Magie oder Medizin. Schwierig bleibt das Thema dennoch, da es keine Schriftzeugnisse aus frühgermanischer Zeit gibt. Erst die Mönche späterer Jahrhunderte würden das Wissen der Germanen aufschreiben.
...
4 Sterne
Corrigendum - 05.09.2025
Dr. Jörn Boost

"ANNALES TEUTONICORUM"das "de" zwischen den Nomina ist falsch:es kann nicht mit Genitiv erscheinen sondern nur mit Ablativ,ergo: "Annales de Teutonicis"

5 Sterne
Super guad - 31.07.2025
Osk

Tolles Buch, super Story und spitzem Autor!!!

5 Sterne
Annales Teutonicorum - 06.04.2025

Rezension zuAnnales Teutonicorumvon Reinhard FürstDas Werk beinhaltet eine leicht überschaubare Darstellung der vielfältigen Geschehen bei der Entstehung der Ereignisse, also der Volkwerdung, mit der Zuordnung zu den einzelnen Gebieten.Auch auf die Geschehnisse in kirchlicher Hinsicht, die ja in dieser Zeit eine wichtige Rolle spielte, wird entsprechend Bezug genommen.Eine etwas ausführlichere Erklärung der Herkunft und Zugehörigkeit der einzelnen Stämme zum besseren Verständnis wäre hilfreich.Fazit:Ein gut lesbarer - kleiner feiner - Überblick durch die Zeit ab der Antike bis zum Beginn des Mittelalters.

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