Annales de Teutonicorum
Band 2
EUR 19,90
Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 154
ISBN: 978-3-7116-0626-6
Erscheinungsdatum: 24.04.2025
Willkommen zum zweiten Teil meiner Reise durch die Geschichte. Folgen Sie mir durch den Untergang der Antike, über die Geburt meines Volkes bis zur Entstehung unseres ersten Staates.
Das Mittelalter
Einen genauen Übergang von einem Zeitalter zu einem anderen gibt es so nicht. Diese Prozesse sind langwieriger Art, weswegen man höchstens einen Mittelwert angeben kann. Ein zentrales Datum, um das herum sich dieser Übergang vollzog.
Als Beginn des Übergangs kann man die Absetzung des letzten weströmischen Kaisers Romulus im Jahr 476 annehmen. Dieser wurde als 16-Jähriger von seinem Vater zum Kaiser proklamiert, welcher allerdings gegen Odoaker in der Schlacht fiel. Daraufhin wurde Romulus abgesetzt und wohl nach Kampanien verbannt. Odoaker ernannte keinen Nachfolger, sondern nahm für sich den Titel eines Königs von Italien an und unterstellte sich der Oberhoheit Ostroms.
Als Endpunkt des Überganges kann man das Entstehen des Langobardenreiches in Italien 572 annehmen. Dies ist zugleich auch als das Enddatum der germanischen Völkerwanderung zu sehen ist.
Mit dem Tod Theoderichs des Großen im Jahr 526 stirbt auch der letzte Germanenherrscher, welcher Ostrom noch als Rechtsnachfolger des Weströmischen Reiches ansah. Nachdem Chlodwig I. den römischen Feldherrn Syagrius 486 besiegt hatte, gab es keine rein römische Herrschaft mehr im Westreich. Im gesamten Westen herrschten Germanen: Angelsachsen in England, Franken in Gallien, Westgoten und Sweben in Spanien, Ostgoten in Italien und Vandalen in Nordafrika.
Zwar erneuerte Kaiser Justinian I. noch einmal das Römische Reich, doch blieben seine Eroberungen letztlich ein Intermezzo. Das Weströmische Reich war und blieb Geschichte.
Auch Chlodwig I. kommt hierbei eine zentrale Rolle zu. Einerseits legte er mit der Errichtung des Frankenreiches den Grundstein für mehrere Staaten und Völker der Gegenwart. Andererseits schuf er durch seinen Übertritt zum katholischen Glauben die Grundlage zur geistigen Einigung seines Reiches – und damit die Grundlage der abendländischen Kultur.
In diesen rund 100 Jahren vollzieht sich also der Umbruch von der Antike zum Mittelalter.
Ansonsten gäbe es das Problem der Datierung. Nehmen wir als Beginn des Mittelalters zum Beispiel mit der Kaiserkrönung Karls des Großen im Jahr 800. Dadurch stellt sich die Frage, was dies für eine Zeit gewesen sein soll zwischen dem Ende Westroms und der Erneuerung der Reichsidee durch Karl?
Zuletzt möchte ich noch einen theoretischen Punkt ansprechen.
Das Mittelalter gibt es nur in Europa, genauer gesagt in Westeuropa. „Mittelalter“ bezeichnet nämlich nach meiner Auffassung keine bestimmte Zeitepoche, sondern vielmehr eine Kulturepoche. Und so wurde es auch von den Namensgebern gesehen. Daher sollte die kulturelle Entwicklung das Maß der Betrachtung sein. Sofern sie das ist, kann es ein Mittelalter als Kulturepoche nur in Westeuropa gegeben haben. Und dessen Wurzeln liegen im Wirken Chlodwigs und Theoderichs.
529
Die Akademie von Platon in Athen wird als Relikt des Heidentums geschlossen.
529–31
Die Franken ziehen erneut gegen die Thüringer und unterwerfen sie endgültig.
529–35
Kaiser Justinian I. lässt den Corpus Iuris Civilis, eine Sammlung des gesamten Römischen Rechtes, abfassen.
529–550
Gründung des Klosters Monte Cassino (577 durch die Langobarden, 883 durch die Sarazenen, 1349 durch ein Erdbeben und 1944 durch die Amerikaner zerstört und jedes Mal wieder besiedelt), Italien. Der Hl. Benedikt von Nursia verfasst seine Mönchsregel, die Regula Benedicti. In der Folge wird sie zur „Gründungsurkunde“ des abendländischen Mönchtums werden.
Das Mönchtum
Das christliche Mönchtum hat im Eremtitentum seine Wurzel. Im 3. Jahrhundert entstand diese Bewegung, zuerst in Ägypten, später in Syrien und Kleinasien. Zwei der bedeutendsten Vertreter der Anachoretentum genannten christlichen Lebensform waren der Hl. Ammun und der Hl. Antonius der Große. Der große Zulauf führte seit dem 4. Jahrhundert zum Entstehen des Koinobitentums (sprich Zönobitentum). Eremiten schlossen sich zu gemeinsamem Leben und Gottesdienst zusammen. Um 320 gründete der Hl. Pachomius in Ägypten die erste dieser Mönchsgemeinschaften. Das Katharinenkloster auf dem Sinai ist ein gutes Beispiel dafür. Offiziell gegründet wurde es zwischen 530 und 550, als das erste Kloster erbaut wurde: Doch bestanden schon seit dem Anfang des 4. Jahrhunderts viele kleine Mönchsgemeinschaften dort.
Wirkmächtig wurden die Schriften des Hl. Bischofs Basilius von Caesarea (gest. 379), welche bis heute das Fundament des Mönchtums in der Orthodoxie bilden.
Für die abendländische Kirche wurden, neben vielen anderen, vor allem die drei Hl. Augustinus, Benedikt und Kolumban der Jüngere von herausragender Bedeutung. Nachdem mehrere Jahrhunderte hindurch mehrere Regeln und auch Mischregeln bestanden, waren es die Synoden von Aachen in den Jahren 816 und 817, welche die Benedikt-Regel als maßgeblich für alle Klöster im Frankenreich festschrieben.
Da aber auch das Mönchtum immer wieder kompromittiert wurde, wie alles, was von Menschenhand geschaffen ist, entstanden immer wieder Reformbewegungen und ‑orden.
Beispielhaft sei hier nur auf die Cluniazensische Reform des 10. Jahrhunderts und den Zisterzienserorden (Gründung von Cîteaux 1098 in Burgund) verwiesen.
Als mit dem mittelalterlichen Städteboom seit dem 12. Jahrhundert die Städte massiv an Zahl und Umfang zunahmen, entstanden neue Probleme und Forderungen wie auch Lösungen. Denn die „alten“ Orden waren auf das Land zugeschnitten und hatten demzufolge nur wenig mit den Städten zu tun. Ihr Ziel lag und liegt darin, ein weltabgewandtes Leben zu führen und Gott zu dienen. Was sich nur schwer mit pulsierenden Städten vereinen lässt.
So entstanden aus der Armutsbewegung der Zeit die Bettelorden, welche sich nun im Gegensatz zu den alten Prälatenorden nicht mehr auf dem Land, sondern in den Städten niederließen. 1218 wurde der Dominikanerorden bestätigt, 1233 der Franziskanerorden. Neu war auch die Entstehung von sogenannten Terziaren als einem 3. Orden neben den klassischen Männer- und Frauenorden. Die Angehörigen des 3. Ordens versuchen, das Ideal einer vita apostolica et evengelica in Familie und Beruf zu verwirklichen. Mit der Zeit entstanden aus verschiedenen Gründen immer mehr solcher Orden, wie zum Beispiel die Karmeliter, Kapuziner, Augustiner-Eremiten und weitere.
Neue Impulse erhielt das Mönchtum durch Luther, die Katholische Reform und das Konzil von Trient 1545–63.
Nun entstanden Orden, welche sich verstärkt der Welt- und Volksmission, der Erziehung, der Krankenpflege sowie den Wissenschaften widmeten. Als Beispiele seien hier die Ursulinen 1535, Jesuiten 1540, Barmherzigen Brüder 1586 und die Englischen Fräulein 1610 genannt.
Eine epochale Zäsur stellt die absolute Kulturschwelle der Industrialisierung dar. So erlebte das Mönchtum in Europa vom 18.–21. Jahrhundert teilweise massive Einbußen und Rück-
schläge.
Dies führte allerdings auch zu einem wahren Ordensboom ab dem 19. Jahrhundert. So entstanden in dieser Zeit das christliche Vereinswesen, die Gesellschaften des apostolischen Lebens genauso wie eine Vielzahl von Frauenorden. Als Letztes kamen die Säkularinstitute dazu. Säkularinstitute sind im Grunde 3. Orden, nur ohne Orden, das Ziel jedoch ist das Gleiche.
Bis heute bleibt dabei das Gemeinsame das bestimmende Thema. Nicht die Suche nach Gott durch den Einzelnen, sondern die Hingabe an Gott in der Gemeinschaft ist das verbindende Element.
Oder, um es so zu formulieren, wie jemand einmal gesagt hat. Das Mönchtum ist die einzige kommunistische Lebensform, die je funktioniert hat. Ein Gedanke mit einem gewissen Reiz!
530
Erstmals werden die Bayern namentlich genannt.
Die Sachsen erreichen um diese Zeit den Rhein.
531
Die Franken ziehen gegen die Thüringer und besiegen diese in der Schlacht an der Unstrut. Thüringen wird Teil des Frankenreiches. Durch diesen Sieg entsteht die Francia orientalis, Ostfranken, welches später zur Keimzelle des Herzogtums Franken werden wird. Dies wurde möglich, da der südliche und westliche Teil des Thüringerreiches von den Franken annektiert wurde, während zugleich der nördliche Teil von den mit den Franken verbündeten Sachsen annektiert wurde.
532
Die Franken besiegen Burgund endgültig. Bis 534 wird es ein Teil des Frankenreiches.
Das merowingische Frankenreich
Das merowingische Frankenreich wurde durch Chlodwig I. gegründet. Chlodwig einte mit Gewalt die fränkischen Kleinkönigtümer und schmiedete aus ihnen ein geeintes Reich.
Durch seinen Sieg über Syagrius 486 löschte er den letzten Rest römischer Herrschaft in Gallien aus und hatte von da an freie Hand im Land.
Mit seinen Siegen gegen die Alemannen, Burgunder und Westgoten machte er sein Reich zum stärksten aller Germanenreiche.
Ein sehr wichtiger Punkt war sein Übertritt zum Katholizismus im Jahr 498. Dadurch legte er den Grundstein für ein allmähliches Zusammenwachsen von Germanen und Romanen. Denn bis dahin hatten sowohl der heidnische wie auch der arianische Glaube vieler Germanen das größte Hindernis für ein friedliches Zusammenleben gebildet.
Mit der Lex Salica wurde die Rechtslage nach innen weiter gefestigt. Da es keine römische Herrschaft mehr gab, übernahmen die Merowinger einfach die ehemaligen römischen Landgüter, was sie finanziell gut absicherte. Auf diese Art und Weise mit vielen Vorzügen ausgestattet, konnte das Frankenreich zur Wiege der abendländischen Kultur werden.
Wieso dieses Reich dennoch in einer Art von Dauerkrise verhaftet blieb, ist schnell erklärt.
Bei den Franken war es üblich, das Erbe gleichmäßig aufzuteilen, auch ein Königreich. Deshalb wurde das Gesamtreich beim Tod des Königs immer wieder neu aufgeteilt. Dies führte regelmäßigzu Thronstreitigkeiten und Bürgerkriegen.
Diese schwächten das Reich an sich schon, doch die Teilreiche noch mehr. Denn: oberste Aufgabe eines Königs ist es, das Land nach innen und außen zu schützen. Durch die Teilungen wurde die Zentralgewalt jedoch jedes Mal geschwächt, was es ihr umso schwerer machte, ihrer eigentlichen Aufgabe nachzukommen.
Im Zuge dieser Streitigkeiten entstanden drei Teilreiche mit, im Großen und Ganzen, festen Grenzen. Austrien, das Ostreich, Neustrien, das Neureich und Franko-Burgund. Diese Dreiteilung wurde nötig, da jeder Teil einen Anteil am fränkischen Kerngebiet haben musste. Was auch erklärt, warum Aquitanien oft zum Zankapfel wurde, denn Austrasien konnte nie einen Anteil daran haben.
Aus diesem Problem erwuchs den Merowingern ein zweites.
Denn durch die Teilreiche wurde ja die Zentralgewalt geschwächt. Gleichzeitig nahm die Macht der Lokalgewalten aber immer weiter zu. Dies umso mehr, wenn es zu Krieg oder Bürgerkrieg kam. So verloren die Merowinger immer mehr an Macht und Einfluss, was die Lokalgewalten stärkte, und so fort. Ein Teufelskreis war entstanden.
Nur selten konnte dieser unterbrochen werden, zum Beispiel wenn es wie bei Dagobert I. nur einen Erben gab oder wenn der letzte noch lebende Bruder das Gesamtreich in seiner Hand vereinen konnte wie bei Chlothar I.
Für sich genommen waren die Teilreiche allerdings sehr fruchtbar, da sie die Entwicklung ihrer Länder förderten und mit kompetenten Lokalgewalten auch Machthaber anwesend waren, die sie durchsetzen und schützen konnten. Durch diese Stabilität innerhalb der Teilreiche wurde das Zusammenwachsen einzelner Völker und Stämme erst möglich, wodurch die Völker Mittel- und Westeuropas entstehen konnten.
Das Merowingerreich endete mit der Absetzung des letzten Merowingers, Childerich III. im Jahr 751.
533–35
Der oströmische Feldherr Belisar erobert das Vandalenreich in Nordafrika.
534
Toledo wird neue Hauptstadt des Westgotenreiches.
Herminafried, König von Thüringen, stirbt.
535–55
Amalaswintha, die Tochter und Erbin Theoderichs des Großen, wird durch eine Intrige entmachtet und schließlich ermordet. Kaiser Justinian benutzt den Vorfall, um Italien aus gotischer Hand zurückzuerobern. Belisar besetzt Sizilien. Beginn des Zweiten Gotenkrieges.
Die Gotenkriege Justinians beenden die Spätantike in Italien.
535–660
Die Kleine Eiszeit der Spätantike.
536
Der Gotenkönig Wittigis tritt die ostgotischen Gebiete in Gallien an die Franken ab, um freie Hand gegen Byzanz zu haben. Die Provence wird Teil des Frankenreiches.
Neapel und Rom werden von Belisar erobert.
536–52
Im Gotenkrieg wird Rom fünfmal belagert, erobert und geplündert. Die antike Weltstadt wird in den Kämpfen nahezu vollständig zerstört und fast entvölkert.
537
In der Schlacht von Camlann, dessen genaue Lage in Britannien nicht mehr feststellbar ist, fällt der legendäre König Artus.
In Konstantinopel wird die Hagia Sophia eingeweiht.
538
Fridolin von Säckingen, Glaubensbote und Klostergründer, stirbt.
539
Bayern wird ein Vasallenstaat des Frankenreiches.
540
Ravenna wird von den Byzantinern erobert.
Der oströmische Feldherr Belisar wird aus Italien abberufen. Den Umstand nutzend können sich die Goten nördlich des Po sammeln und sich neu formieren.
Gregor I. der Große, 540–604; Hl. Papst, Kirchenvater und Kirchenlehrer.
541
Krieg der Franken gegen die Westgoten. Saragossa wird vergeblich belagert und die Franken ziehen sich wieder hinter die Pyrenäen zurück.
542
Totila, 542–552; König der Ostgoten.
Hl. Kolumban der Jüngere, 542–615; Klostergründer und Missionar.
542–77
Die Hochzeit der Justinianischen Pest. In Wellen wird sie um den gesamten Mittelmeerraum bis ins 8. Jahrhundert immer wieder ausbrechen.
Einen genauen Übergang von einem Zeitalter zu einem anderen gibt es so nicht. Diese Prozesse sind langwieriger Art, weswegen man höchstens einen Mittelwert angeben kann. Ein zentrales Datum, um das herum sich dieser Übergang vollzog.
Als Beginn des Übergangs kann man die Absetzung des letzten weströmischen Kaisers Romulus im Jahr 476 annehmen. Dieser wurde als 16-Jähriger von seinem Vater zum Kaiser proklamiert, welcher allerdings gegen Odoaker in der Schlacht fiel. Daraufhin wurde Romulus abgesetzt und wohl nach Kampanien verbannt. Odoaker ernannte keinen Nachfolger, sondern nahm für sich den Titel eines Königs von Italien an und unterstellte sich der Oberhoheit Ostroms.
Als Endpunkt des Überganges kann man das Entstehen des Langobardenreiches in Italien 572 annehmen. Dies ist zugleich auch als das Enddatum der germanischen Völkerwanderung zu sehen ist.
Mit dem Tod Theoderichs des Großen im Jahr 526 stirbt auch der letzte Germanenherrscher, welcher Ostrom noch als Rechtsnachfolger des Weströmischen Reiches ansah. Nachdem Chlodwig I. den römischen Feldherrn Syagrius 486 besiegt hatte, gab es keine rein römische Herrschaft mehr im Westreich. Im gesamten Westen herrschten Germanen: Angelsachsen in England, Franken in Gallien, Westgoten und Sweben in Spanien, Ostgoten in Italien und Vandalen in Nordafrika.
Zwar erneuerte Kaiser Justinian I. noch einmal das Römische Reich, doch blieben seine Eroberungen letztlich ein Intermezzo. Das Weströmische Reich war und blieb Geschichte.
Auch Chlodwig I. kommt hierbei eine zentrale Rolle zu. Einerseits legte er mit der Errichtung des Frankenreiches den Grundstein für mehrere Staaten und Völker der Gegenwart. Andererseits schuf er durch seinen Übertritt zum katholischen Glauben die Grundlage zur geistigen Einigung seines Reiches – und damit die Grundlage der abendländischen Kultur.
In diesen rund 100 Jahren vollzieht sich also der Umbruch von der Antike zum Mittelalter.
Ansonsten gäbe es das Problem der Datierung. Nehmen wir als Beginn des Mittelalters zum Beispiel mit der Kaiserkrönung Karls des Großen im Jahr 800. Dadurch stellt sich die Frage, was dies für eine Zeit gewesen sein soll zwischen dem Ende Westroms und der Erneuerung der Reichsidee durch Karl?
Zuletzt möchte ich noch einen theoretischen Punkt ansprechen.
Das Mittelalter gibt es nur in Europa, genauer gesagt in Westeuropa. „Mittelalter“ bezeichnet nämlich nach meiner Auffassung keine bestimmte Zeitepoche, sondern vielmehr eine Kulturepoche. Und so wurde es auch von den Namensgebern gesehen. Daher sollte die kulturelle Entwicklung das Maß der Betrachtung sein. Sofern sie das ist, kann es ein Mittelalter als Kulturepoche nur in Westeuropa gegeben haben. Und dessen Wurzeln liegen im Wirken Chlodwigs und Theoderichs.
529
Die Akademie von Platon in Athen wird als Relikt des Heidentums geschlossen.
529–31
Die Franken ziehen erneut gegen die Thüringer und unterwerfen sie endgültig.
529–35
Kaiser Justinian I. lässt den Corpus Iuris Civilis, eine Sammlung des gesamten Römischen Rechtes, abfassen.
529–550
Gründung des Klosters Monte Cassino (577 durch die Langobarden, 883 durch die Sarazenen, 1349 durch ein Erdbeben und 1944 durch die Amerikaner zerstört und jedes Mal wieder besiedelt), Italien. Der Hl. Benedikt von Nursia verfasst seine Mönchsregel, die Regula Benedicti. In der Folge wird sie zur „Gründungsurkunde“ des abendländischen Mönchtums werden.
Das Mönchtum
Das christliche Mönchtum hat im Eremtitentum seine Wurzel. Im 3. Jahrhundert entstand diese Bewegung, zuerst in Ägypten, später in Syrien und Kleinasien. Zwei der bedeutendsten Vertreter der Anachoretentum genannten christlichen Lebensform waren der Hl. Ammun und der Hl. Antonius der Große. Der große Zulauf führte seit dem 4. Jahrhundert zum Entstehen des Koinobitentums (sprich Zönobitentum). Eremiten schlossen sich zu gemeinsamem Leben und Gottesdienst zusammen. Um 320 gründete der Hl. Pachomius in Ägypten die erste dieser Mönchsgemeinschaften. Das Katharinenkloster auf dem Sinai ist ein gutes Beispiel dafür. Offiziell gegründet wurde es zwischen 530 und 550, als das erste Kloster erbaut wurde: Doch bestanden schon seit dem Anfang des 4. Jahrhunderts viele kleine Mönchsgemeinschaften dort.
Wirkmächtig wurden die Schriften des Hl. Bischofs Basilius von Caesarea (gest. 379), welche bis heute das Fundament des Mönchtums in der Orthodoxie bilden.
Für die abendländische Kirche wurden, neben vielen anderen, vor allem die drei Hl. Augustinus, Benedikt und Kolumban der Jüngere von herausragender Bedeutung. Nachdem mehrere Jahrhunderte hindurch mehrere Regeln und auch Mischregeln bestanden, waren es die Synoden von Aachen in den Jahren 816 und 817, welche die Benedikt-Regel als maßgeblich für alle Klöster im Frankenreich festschrieben.
Da aber auch das Mönchtum immer wieder kompromittiert wurde, wie alles, was von Menschenhand geschaffen ist, entstanden immer wieder Reformbewegungen und ‑orden.
Beispielhaft sei hier nur auf die Cluniazensische Reform des 10. Jahrhunderts und den Zisterzienserorden (Gründung von Cîteaux 1098 in Burgund) verwiesen.
Als mit dem mittelalterlichen Städteboom seit dem 12. Jahrhundert die Städte massiv an Zahl und Umfang zunahmen, entstanden neue Probleme und Forderungen wie auch Lösungen. Denn die „alten“ Orden waren auf das Land zugeschnitten und hatten demzufolge nur wenig mit den Städten zu tun. Ihr Ziel lag und liegt darin, ein weltabgewandtes Leben zu führen und Gott zu dienen. Was sich nur schwer mit pulsierenden Städten vereinen lässt.
So entstanden aus der Armutsbewegung der Zeit die Bettelorden, welche sich nun im Gegensatz zu den alten Prälatenorden nicht mehr auf dem Land, sondern in den Städten niederließen. 1218 wurde der Dominikanerorden bestätigt, 1233 der Franziskanerorden. Neu war auch die Entstehung von sogenannten Terziaren als einem 3. Orden neben den klassischen Männer- und Frauenorden. Die Angehörigen des 3. Ordens versuchen, das Ideal einer vita apostolica et evengelica in Familie und Beruf zu verwirklichen. Mit der Zeit entstanden aus verschiedenen Gründen immer mehr solcher Orden, wie zum Beispiel die Karmeliter, Kapuziner, Augustiner-Eremiten und weitere.
Neue Impulse erhielt das Mönchtum durch Luther, die Katholische Reform und das Konzil von Trient 1545–63.
Nun entstanden Orden, welche sich verstärkt der Welt- und Volksmission, der Erziehung, der Krankenpflege sowie den Wissenschaften widmeten. Als Beispiele seien hier die Ursulinen 1535, Jesuiten 1540, Barmherzigen Brüder 1586 und die Englischen Fräulein 1610 genannt.
Eine epochale Zäsur stellt die absolute Kulturschwelle der Industrialisierung dar. So erlebte das Mönchtum in Europa vom 18.–21. Jahrhundert teilweise massive Einbußen und Rück-
schläge.
Dies führte allerdings auch zu einem wahren Ordensboom ab dem 19. Jahrhundert. So entstanden in dieser Zeit das christliche Vereinswesen, die Gesellschaften des apostolischen Lebens genauso wie eine Vielzahl von Frauenorden. Als Letztes kamen die Säkularinstitute dazu. Säkularinstitute sind im Grunde 3. Orden, nur ohne Orden, das Ziel jedoch ist das Gleiche.
Bis heute bleibt dabei das Gemeinsame das bestimmende Thema. Nicht die Suche nach Gott durch den Einzelnen, sondern die Hingabe an Gott in der Gemeinschaft ist das verbindende Element.
Oder, um es so zu formulieren, wie jemand einmal gesagt hat. Das Mönchtum ist die einzige kommunistische Lebensform, die je funktioniert hat. Ein Gedanke mit einem gewissen Reiz!
530
Erstmals werden die Bayern namentlich genannt.
Die Sachsen erreichen um diese Zeit den Rhein.
531
Die Franken ziehen gegen die Thüringer und besiegen diese in der Schlacht an der Unstrut. Thüringen wird Teil des Frankenreiches. Durch diesen Sieg entsteht die Francia orientalis, Ostfranken, welches später zur Keimzelle des Herzogtums Franken werden wird. Dies wurde möglich, da der südliche und westliche Teil des Thüringerreiches von den Franken annektiert wurde, während zugleich der nördliche Teil von den mit den Franken verbündeten Sachsen annektiert wurde.
532
Die Franken besiegen Burgund endgültig. Bis 534 wird es ein Teil des Frankenreiches.
Das merowingische Frankenreich
Das merowingische Frankenreich wurde durch Chlodwig I. gegründet. Chlodwig einte mit Gewalt die fränkischen Kleinkönigtümer und schmiedete aus ihnen ein geeintes Reich.
Durch seinen Sieg über Syagrius 486 löschte er den letzten Rest römischer Herrschaft in Gallien aus und hatte von da an freie Hand im Land.
Mit seinen Siegen gegen die Alemannen, Burgunder und Westgoten machte er sein Reich zum stärksten aller Germanenreiche.
Ein sehr wichtiger Punkt war sein Übertritt zum Katholizismus im Jahr 498. Dadurch legte er den Grundstein für ein allmähliches Zusammenwachsen von Germanen und Romanen. Denn bis dahin hatten sowohl der heidnische wie auch der arianische Glaube vieler Germanen das größte Hindernis für ein friedliches Zusammenleben gebildet.
Mit der Lex Salica wurde die Rechtslage nach innen weiter gefestigt. Da es keine römische Herrschaft mehr gab, übernahmen die Merowinger einfach die ehemaligen römischen Landgüter, was sie finanziell gut absicherte. Auf diese Art und Weise mit vielen Vorzügen ausgestattet, konnte das Frankenreich zur Wiege der abendländischen Kultur werden.
Wieso dieses Reich dennoch in einer Art von Dauerkrise verhaftet blieb, ist schnell erklärt.
Bei den Franken war es üblich, das Erbe gleichmäßig aufzuteilen, auch ein Königreich. Deshalb wurde das Gesamtreich beim Tod des Königs immer wieder neu aufgeteilt. Dies führte regelmäßigzu Thronstreitigkeiten und Bürgerkriegen.
Diese schwächten das Reich an sich schon, doch die Teilreiche noch mehr. Denn: oberste Aufgabe eines Königs ist es, das Land nach innen und außen zu schützen. Durch die Teilungen wurde die Zentralgewalt jedoch jedes Mal geschwächt, was es ihr umso schwerer machte, ihrer eigentlichen Aufgabe nachzukommen.
Im Zuge dieser Streitigkeiten entstanden drei Teilreiche mit, im Großen und Ganzen, festen Grenzen. Austrien, das Ostreich, Neustrien, das Neureich und Franko-Burgund. Diese Dreiteilung wurde nötig, da jeder Teil einen Anteil am fränkischen Kerngebiet haben musste. Was auch erklärt, warum Aquitanien oft zum Zankapfel wurde, denn Austrasien konnte nie einen Anteil daran haben.
Aus diesem Problem erwuchs den Merowingern ein zweites.
Denn durch die Teilreiche wurde ja die Zentralgewalt geschwächt. Gleichzeitig nahm die Macht der Lokalgewalten aber immer weiter zu. Dies umso mehr, wenn es zu Krieg oder Bürgerkrieg kam. So verloren die Merowinger immer mehr an Macht und Einfluss, was die Lokalgewalten stärkte, und so fort. Ein Teufelskreis war entstanden.
Nur selten konnte dieser unterbrochen werden, zum Beispiel wenn es wie bei Dagobert I. nur einen Erben gab oder wenn der letzte noch lebende Bruder das Gesamtreich in seiner Hand vereinen konnte wie bei Chlothar I.
Für sich genommen waren die Teilreiche allerdings sehr fruchtbar, da sie die Entwicklung ihrer Länder förderten und mit kompetenten Lokalgewalten auch Machthaber anwesend waren, die sie durchsetzen und schützen konnten. Durch diese Stabilität innerhalb der Teilreiche wurde das Zusammenwachsen einzelner Völker und Stämme erst möglich, wodurch die Völker Mittel- und Westeuropas entstehen konnten.
Das Merowingerreich endete mit der Absetzung des letzten Merowingers, Childerich III. im Jahr 751.
533–35
Der oströmische Feldherr Belisar erobert das Vandalenreich in Nordafrika.
534
Toledo wird neue Hauptstadt des Westgotenreiches.
Herminafried, König von Thüringen, stirbt.
535–55
Amalaswintha, die Tochter und Erbin Theoderichs des Großen, wird durch eine Intrige entmachtet und schließlich ermordet. Kaiser Justinian benutzt den Vorfall, um Italien aus gotischer Hand zurückzuerobern. Belisar besetzt Sizilien. Beginn des Zweiten Gotenkrieges.
Die Gotenkriege Justinians beenden die Spätantike in Italien.
535–660
Die Kleine Eiszeit der Spätantike.
536
Der Gotenkönig Wittigis tritt die ostgotischen Gebiete in Gallien an die Franken ab, um freie Hand gegen Byzanz zu haben. Die Provence wird Teil des Frankenreiches.
Neapel und Rom werden von Belisar erobert.
536–52
Im Gotenkrieg wird Rom fünfmal belagert, erobert und geplündert. Die antike Weltstadt wird in den Kämpfen nahezu vollständig zerstört und fast entvölkert.
537
In der Schlacht von Camlann, dessen genaue Lage in Britannien nicht mehr feststellbar ist, fällt der legendäre König Artus.
In Konstantinopel wird die Hagia Sophia eingeweiht.
538
Fridolin von Säckingen, Glaubensbote und Klostergründer, stirbt.
539
Bayern wird ein Vasallenstaat des Frankenreiches.
540
Ravenna wird von den Byzantinern erobert.
Der oströmische Feldherr Belisar wird aus Italien abberufen. Den Umstand nutzend können sich die Goten nördlich des Po sammeln und sich neu formieren.
Gregor I. der Große, 540–604; Hl. Papst, Kirchenvater und Kirchenlehrer.
541
Krieg der Franken gegen die Westgoten. Saragossa wird vergeblich belagert und die Franken ziehen sich wieder hinter die Pyrenäen zurück.
542
Totila, 542–552; König der Ostgoten.
Hl. Kolumban der Jüngere, 542–615; Klostergründer und Missionar.
542–77
Die Hochzeit der Justinianischen Pest. In Wellen wird sie um den gesamten Mittelmeerraum bis ins 8. Jahrhundert immer wieder ausbrechen.


