Cover: Aylana – Talabat, die Insel der Hoffnung

Aylana – Talabat, die Insel der Hoffnung


EUR 23,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 448
ISBN: 978-3-7116-0900-7
Erscheinungsdatum: 29.07.2025
Die Elfe Aylana kämpft für den Schutz allen Lebens. Mit ihren außerordentlichen Fähigkeiten versucht sie Menschen und Arcandrin zu einen. Doch das Elfenvolk ist gespalten. Dennoch folgt Aylana unbeirrt ihrer Bestimmung. Zum Wohle der Erde und aller Lebewesen.
Diese Geschichte handelt von den Arcandrin, den Elfen. Die Arcandrin sind ein uraltes Volk, das mit der Natur in Einklang lebt. Sie versuchen seit Jahrhunderten, ein friedliches Zusammensein aller Lebewesen auf diesem Planeten zu ermöglichen. Die Arcandrin nutzen magische Kräfte und pflegen ihre alten Rituale, die allesamt in direktem Zusammenhang mit dem Wissen um die Naturgesetze stehen. Die Welt der Arcandrin bleibt größtenteils vor den Menschen verborgen, so auch die Drachen und Naturwesen, die dort existieren. Früher lebten die Arcandrin und die Menschen friedlich zusammen. Diese Symbiose wurde jedoch durch die Habgier und den Egoismus der Menschen zerstört. So zogen sich die Arcandrin mehr und mehr zurück. Ihre Geschichte wurde jedoch in alten Legenden und Sagen weitererzählt. Alten Erzählungen nach beherrscht das Elfenvolk mutige Formen des Kampfes mit Schwert oder Pfeil und Bogen. Niemals würde ein Arcandrin zu modernen Waffen greifen, da es gegen alles verstößt, was den Elfen heilig ist. Eine Schusswaffe zu benutzen, war ein schweres Vergehen im Reich der Arcandrin.

Heute leben nur noch einige Tausend Elfen unter den Menschen, wo sie weiterhin unerkannt versuchen, die Erde zu behüten und die selbstzerstörerischen Handlungen der Menschen zu unterbinden. Die oberste Doktrin der Arcandrin ist der Schutz und Erhalt allen Lebens.

Doch auch unter den Elfen gibt es eine dunkle Seite. Denn mit der Zeit hatte ein Teil der Arcandrin begonnen, die Menschen zu hassen. Sie als minderwertige und egoistische Kreaturen zu betrachten, die es nicht wert sind, auf der Erde leben zu dürfen. Die Gemeinschaft der Elfen wurde gespalten und in zwei Lager geteilt. Die abtrünnigen Elfen, die sich gegen die oberste Doktrin auflehnten, nannten sich fortan Shiazul. Sie begannen, die alleinige Herrschaft über den Planeten zu beanspruchen, und wandten sich gegen ihr eigenes Volk.“




Die Elfenakademie


Talabat war fast nicht mehr wiederzuerkennen. Der Leuchtturm und alle Nebengebäude waren wieder instand gestellt und erstrahlten in neuem Glanz. Das prächtigste Gebäude jedoch war die Akademie. Der Kuppelbau mit seinen runden großen Fenstern dominierte das Bild der Insel. Der Eingang der Kuppel lag im oberen Drittel des Baus und war nur mittels der außen angebrachten liftähnlichen Vorrichtungen zu erreichen. In seinem Innern führte eine Wendeltreppe an der Wand entlang bis ganz nach unten. Im Zentrum des kreisförmigen Saales befand sich der Kristall des Wissens. Dieser Kristall war wie ein riesiger Datenspeicher, der jedoch nur von den Arcandrin und den von ihnen befugten Personen befragt werden konnte.
Jetzt war der Kristall umringt von wissbegierigen jungen Schülerinnen und Schülern aus allen Teilen der Welt. Die meisten von ihnen waren bereits einmal auf Talabat gewesen, zur Zeit des Angriffes durch die Shiazul. Sie waren damals noch Kinder gewesen und durch den selbstlosen, mutigen Einsatz des damaligen Waffenmeisters der Drachenkrieger, Gondrin, gerettet worden.
Aylana, Auria und Alfias waren zur Abwechslung einmal als Lehrende und nicht als Lernende in der Akademie. Zwar nur aushilfsweise für die jüngeren Schüler, da sie ja selbst noch in ihren Ausbildungen steckten, doch sie nahmen ihre Aufgaben sehr ernst.

Die meisten der Jugendlichen waren im Alter von Auria und Alfias oder etwas jünger. Unter ihnen war auch Eliane, deren Eltern die Arcandrin beim Wiederaufbau Talabats großzügig unterstützt hatten. Die Familie Elianes verband mittlerweile eine tiefe Freundschaft mit der Familie Aylanas und Auria. Denn diese waren es gewesen, die zweimal einen Anschlag auf das Leben der Sunderns vereitelt hatten. Und Eliane schwärmte insgeheim ein wenig für Alfias, dessen Herz jedoch für Auria schlug.
Die Insel Talabat war bereits vor Tausenden von Jahren ein Zentrum des Wissens und der Begegnung von Elfen und Menschen gewesen. Aus der Ausbildung auf dieser Insel waren die ersten Kriegerinnen und Krieger des Lichtes hervorgegangen. Hier waren die ersten Verbindungen zwischen Elfen und Menschen entstanden. Hier waren die ersten Kinder geboren worden, deren Eltern von Arcandrin und Menschen abstammten. Es hätte der Anfang eines friedlichen und achtsamen Zusammenlebens aller Lebensformen auf Dana Nala, der Mutter Erde, werden können.
Doch die Habgier und die Herrschsucht der Menschen verhinderten dies. Die Arcandrin und die Kinder des Lichtes wurden verfolgt und gejagt, um ihrer Fähigkeiten und ihrem Wissen der Geheimnisse der Natur willen.
Einige wenige dieser damals entstandenen Blutlinien haben sich jedoch bis heute erhalten. Es gibt noch Menschen, in denen das Wissen der Arcandrin schlummert und deren Herzen mit der Natur und ihren Geheimnissen verbunden sind. Es gibt sie noch heute, die Kriegerinnen und Krieger des Lichtes. Nur wissen die meisten von ihnen nicht mehr, was eigentlich ihre Aufgabe ist. Sie spüren den Herzschlag der Erde, aber sie wissen ihn nicht mehr zu deuten. Die Menschen heute verfügen über die modernsten Technologien, haben aber verlernt, den Wundern der Natur mit Achtsamkeit und Ehrfurcht zu begegnen. Der Mensch betrachtet sich als Krone der Schöpfung und schadet doch der Erde, die ihm das Leben erst ermöglicht, mehr und mehr.

Deshalb haben die Arcandrin Talabat wieder aufgebaut. Das Wissen um die Geheimnisse der Natur soll wieder mit den Menschen geteilt werden. Darum suchen die Arcandrin nach jenen Menschen, in deren Herzen noch die alten Werte verankert sind und deren Seelen noch die Stimme der Natur vernehmen.
Der Elfenzirkel, der höchste Rat der Arcandrin, hatte beschlossen, die Visionen Xandrias, der einstigen Königin der Arcandrin, wieder aufleben zu lassen. Nach ihrer Ausbildung sollten die Kriegerinnen und Krieger des Lichtes wieder hinausgehen in die Welt und versuchen, die Saat aufgehen zu lassen, deren Keim hier auf Talabat gesät wurde. Doch vorerst mussten die Arcandrin weiter im Verborgenen und im Geheimen um die Erfüllung der Doktrin besorgt sein: „Nihl Haye ad Aygo.“ Zum Wohle allen Lebens.
Denn zu stark waren noch die Erinnerungen an die Verbrechen der Vergangenheit. Zu oft hatten Menschen ihr Vertrauen missbraucht und Verrat an ihnen und den Gesetzen der Natur begangen.
Und doch waren die Arcandrin bereit, einen neuen Versuch zu wagen. Sie mussten alles daransetzen, dem naturverachtenden, selbstzerstörerischen Irrsinn der Menschen Einhalt zu gebieten. Aylana und ihre Familie waren zusammen mit Auria dazu ausersehen, die jungen Kriegerinnen und Krieger auszubilden. Sirion, Aylanas Vater und Drachenkrieger sowie Mitglied des Rates, trug die Verantwortung für die Sicherheit der Insel. Salomee, seine Frau, war für die Akademie zuständig. Auch Salva, Moira und Arian, Aylanas Gefährten bei den angehenden Drachenkriegern, waren auf Talabat stationiert. Mit diesen dreien hatten Aylana, Auria und Alfias bereits einiges erlebt. Arian hatte auch zu den Kindern gehört, die Gondrin gerettet hatte. Sie alle halfen tatkräftig dabei mit, Talabat wieder zu einem Ort der Begegnung und des Friedens zu machen.

„Und wo ist denn hier das Terminal, ich meine der Bildschirm und die Tastatur, um den Kristall des Wissens zu befragen?“ Sofia, eine zierliche Fünfzehnjährige mit langen braunen Locken, sah Aylana fragend an.
Bevor Aylana antworten konnte, mischte sich Alfias ein.
„Braucht man da, wo du herkommst, wirklich noch Tastaturen und Bildschirme? Sola Nala. Was für antike Geräte benutzt du denn sonst noch? Etwa Handys und Tablets, oder sogar noch das Internet?“ Er schüttelte gespielt ungläubig den Kopf.
„Tastaturen … Bildschirme … Ich fasse es nicht!“
Sofia sah sichtlich verunsichert von Alfias zu Aylana und Auria.
„Ähm … wie können wir denn sonst auf das Wissen des Kristalles zugreifen?“
„Lass dich von Alfie nicht veralbern, Sofia. Deine Frage ist durchaus verständlich“, sagte Aylana mit einem Lächeln und erklärte:
„Dieser Kristall steht mit dem Gewölbe auf Arcandria in Verbindung und verfügt über fast alle Erkenntnisse, die von den Arcandrin im Laufe der Jahrtausende zusammengetragen wurden. Diese Daten befinden sich jedoch in dem am besten abgesicherten Speicher, den es geben kann. Kein Passwort oder etwas Ähnliches kann euch den Zugriff ermöglichen. Der Kristall entscheidet selbst, ob er jemandem Zugriff erlaubt. Er kann in die Seelen derer hineinsehen, die ihn befragen, und wenn deine Absichten zum Wohle allen Lebens sind, wirst du deine Antwort erhalten.“
„Dann muss ich die Frage gar nicht aussprechen? Und woher, oder besser wie, erfahre ich denn, ob meine Frage beantwortet wird?“ Eliane hatte diese Frage gestellt.
„Gute Frage, Eliane. Du hast recht damit, dass die Frage nicht ausgesprochen werden muss. Du musst die Verbindung mit dem Kristall herstellen können. Und dazu brauchst du die Achtsamkeit allem gegenüber, was uns umgibt. Und wenn der Kristall deine Gefühle für alles Leben und die Natur um uns herum spüren kann, wirst du auch deine Antworten fühlen können.“ Aylana lächelte sie an.
„Diese Fähigkeit, die Verbindung mit Dana Nala und allem Leben um uns herum aufzubauen, gehört zu den wichtigsten Eigenschaften, die Kriegerinnen und Krieger des Lichtes hier erlernen sollen.“
„Und wann lernen wir denn das Drachenfliegen und das Bogenschießen?“, fragte Alex, ein etwas vorwitziger, aufgeweckter Sechzehnjähriger.
„Darauf freue ich mich am meisten.“
„Hast du denn schon den Flugverkehrskundekurs und die Nothelferausbildung absolviert? Und die Theorieprüfung?“ Alfias blickte Alex mit todernster Miene an.
„Und dann ist da noch der Eignungstest, sozusagen die Mutprobe, die du bestehen musst, um eine Drachenfluglizenz zu erhalten.“
„Eignungstest? Mutprobe?“, fragte Alex unsicher und blickte Alfias fragend an.
„Ja, genau. Du musst beweisen, dass du auch in größter Gefahr und unter extremsten Bedingungen bestehen kannst. Nicht viele haben bis jetzt diese Prüfungen bestanden.“ Alfias machte ein geheimnisvolles Gesicht.
„Und was muss man denn tun, um diese Prüfung zu bestehen?“ Alex sah ziemlich besorgt aus.
„Nun“, führte Alfias mit bedenklicher Miene aus:
„Du musst eine Autofahrt mit Aylana und eine Drachenlandung mit Auria überstehen, dann … Ahhhh.“
Alfias rieb sich mit schmerzerfülltem Gesicht die Rippe, in die ihm Auria ihren Ellenbogen gerammt hatte.
Die ganze Gruppe sah sprachlos und mit erstaunten Augen abwechselnd Auria und Alfias an, bis sie endlich begriff, dass sich Alfias wieder mal einen Scherz erlaubt hatte.
„Nun, wie ihr seht, braucht es nicht immer einen Kristall des Wissens, um Wahrheit von Lüge unterscheiden zu können. Manchmal reicht ein einfacher Rippenstoß.“ Aylana sah ihre kleine Truppe bezeichnend an.
„Doch jetzt wollen wir fortfahren in unserem Rundgang, damit ihr heute noch möglichst viel zu sehen bekommt von unserer Akademie.“
Sie ging voraus auf die Treppe zu, und die wissbegierigen angehenden Mitglieder der Arcandrin folgten ihr auf dem Fuße.
Alfias, der sich theatralisch die Seite hielt und humpelte, und Auria machten den Abschluss. Die Wendeltreppe mündete fast zuoberst in der Kuppel in einem Tor, von dem in schwindelerregender Höhe nur ein schmaler Steg zu einer Plattform führte. Von dieser Plattform aus führte nur ein Lift hinunter zum Boden. Einen anderen Eingang gab es nicht in diesen Kuppelbau. Und der Lift war so ausgelegt, dass maximal vier Personen auf einmal darin Platz fanden. Es war also nahezu unmöglich, ohne Einwilligung der Drachenkrieger zum Kristall des Wissens zu gelangen. Sogar das Dach der Plattform war so ausgelegt, dass es unmöglich war, dort mit einem Drachen zu landen.
Einige Minuten später waren sie alle wieder versammelt und setzten ihre Besichtigung der Insel fort. Zum Abschluss führte sie Aylana in ein Klassenzimmer. Hier sah es auch nicht viel anders aus als in einem Schulhaus der Menschen. Abgesehen davon, dass es in diesem Raum keinerlei elektronische Geräte gab. Selbst das Licht schien aus den Wänden des Zimmers selbst zu kommen. Der ganze Raum war in ein sanftes, wohltuendes Glühen getaucht, und vor den großen Fenstern waren Bäume und Pflanzen zu sehen, zwischen denen im Hintergrund das Meer im Schein der Abendsonne glitzerte.
Die Schülerinnen und Schüler setzten sich hinter die Bänke und sahen erwartungsvoll auf Aylana, Auria und Alfias, die vor ihnen standen.
Aylana ergriff als Erste das Wort.
„Ich hoffe, wir konnten euch einen kleinen Überblick von Talabat vermitteln. Diese Insel wird für die nächsten sechs Monate euer Zuhause sein. Ihr wisst ja, ihr seid alle in diesem angeblichen internationalen Schüleraustauschprogramm. Die meisten von euch befinden sich also zurzeit in den USA, und einige in Kanada oder Frankreich. Alle eure angeblichen Gastfamilien sind natürlich Arcandrin, und wir könnten euch innerhalb von Minuten, wenn es notwendig sein sollte, auch tatsächlich an diese Orte bringen. Ihr seht also, eure Tarnungen sind perfekt.“
„Aber weshalb brauchen wir denn dies alles noch? Ihr könnt und wisst doch so viel mehr als die Menschen. Weshalb müssen wir uns noch tarnen? Und weshalb beendet ihr nicht einfach all diese Kriege da draußen? Es ist nicht mehr schön auf dieser Welt. Ich habe gesehen, was ihr alles zu tun vermögt.“ Eliane sah Aylana fragend an.
„Wenn jemand Unrecht tut, ist es nicht damit getan, ihn davon abzuhalten. Er muss das Unrecht einsehen, damit er es nicht wieder tut. Und ihr kennt ja alle bereits unsere oberste Doktrin.“ Aylana sah sie alle der Reihe nach an.
„Wir schützen und achten alles Leben. Deshalb seid ihr ja hier. Als Kriegerinnen und Krieger des Lichtes werdet ihr mit allem ausgestattet sein, das ihr braucht, um diese Botschaft in die Welt hinauszutragen. Noch sind wir wenige. Doch werden wir mit jedem Tag neue Verbündete finden.“
„Aber wenn jemand etwas Böses, Unrechtes tun will, muss ich ihn doch davon abhalten.“ Es war wieder Alex, der bei diesen Worten seine Faust ballte und den Arm reckte.
„Natürlich sollt ihr das tun“, ergriff Alfias das Wort:
„Ein Unrecht zu verhindern ist immer richtig. Ihr müsst euch nur über die Mittel dazu im Klaren sein. Und über die Motive der Tat. Weiß die betreffende Person, dass sie im Begriff ist, Unrecht zu tun, oder handelt sie in gutem Glauben? Oder kennt ihr den Kontext der Handlungen? Und selbst wenn ihr euch sicher seid, müsst ihr überlegen, welche Mittel ihr anwendet. Gewalt und Kampf sollten immer der letzte Ausweg sein.“
„Und weshalb erlernen wir dann das Kämpfen überhaupt, wenn wir es möglichst nicht anwenden sollen?“
Alfias sah Alex lächelnd an und fragte zurück:
„Weshalb installiert ihr Menschen in praktisch jedem Auto einen Airbag, obwohl es vielleicht nur bei einem Prozent dazu kommt, dass sie benötigt werden?“
„Ok, ok. Ich habe es kapiert.“ Alex grinste zurück und nickte.
Jetzt trat Auria einen Schritt vor und ergriff das Wort.
„Wir sind hier eine bunt zusammengewürfelte Gemeinschaft aus allen Teilen der Welt. Einige unter euch sind wie ich, die Nachkommen von Menschen und Arcandrin. Andere stammen ganz von Menschen ab. Wenigstens in den letzten Generationen. Es kann durchaus sein, dass in euren Familien in früheren Jahren auch Verbindungen mit Arcandrin vorhanden waren. Ihr alle habt jedoch eines gemeinsam. Ihr spürt den Atem Dana Nalas in euch, und eure Herzen und Seelen sind offen dafür, die Geheimnisse der Natur zu lernen.“
Auria machte eine Kunstpause.
...

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