Drei Brüder - Johannisfeuer
EUR 24,90
Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 382
ISBN: 978-3-7116-0004-2
Erscheinungsdatum: 25.10.2024
Der Watzmann spielt verrückt und auch Rudis Wandergäste. Sie verschwinden wie das Echo vom Königssee, das berühmte Audiologo von Berchtesgaden, und kehren als Tote zurück. Das Szenario widerspricht der Schönheit der Natur, die zu den Top 5 in Bayern gehört.
Glauben Sie, dass es mehr zwischen Himmel und Erde gibt, als uns phantasielose Wissenschaftler glauben machen wollen?
Ja: Lesen Sie dieses Buch … Sie sind nicht alleine
Nein: Lesen Sie dieses Buch … Und fragen sich noch mal
Im Übrigen kann es überall passieren. München und das Alpenvorland sind da keine Ausnahme. In Bayern macht es nur mehr Spaß.
Die Drei Brüder
Prof. Dr. Chris Fox ist ein weltbekannter Atomphysiker. Wie sein Zwillingsbruder Rick ist er ledig, auch weil ihm seine Forschungsreisen in die subatomare Welt der Quanten keine Zeit für lokale Romanzen lassen. Er hat zwar ein Auge auf Rebecca geworfen, eine attraktive Kriminalbeamtin der Münchner Soko. Aber die steht nicht auf Männer.
Rick Fox lebt im Münchner Stadtteil Lehel. Im Gegensatz zu seinem Zwillingsbruder pflegt er einen lockeren Lebensstil, liebt seine Nachbarin Samantha und Gin Tonic, und er raucht Joints. Beruflich ist er selbständig und programmiert numerische Algorithmen. Unklar ist, warum er im linken Auge eine Bionic-Linse hat. Unter den Brüdern wird darüber aber nicht gesprochen.
Rudi Fox ist Bergführer und besitzt ein Sportgeschäft für Alpinsport in Oberaudorf. Das Leben seiner zwei Brüder ist ihm fremd, weil er zum einen nichts von Quantenmechanik versteht und zum anderen nichts mit dem lasziven Leben in der Münchner Szene zu tun haben will.
Weiters …
Samantha Hilbert ist Ricks Nachbarin. Beide schätzen ihre Unabhängigkeit, treffen sich aber mehrmals pro Woche, wenn ihr Hormonspiegel überschwappt. Sie liebt und hasst Ricks lockeren Lebensstil. Als Journalistin kennt sie die Münchner Szene. Ihr Büro ist ein Tisch im Café Magnifique.
Das Ermittlerteam
… am Tegernsee
Herbert Sokrates leitet als Hauptkommissar die Soko Berchtesgaden. Kriminaltechnisch ist es ein ruhiger Ort, der vom Tourismus geprägt ist. Als sich plötzlich Todesfälle häufen, ist er überfordert. Er bekommt Hilfe aus München.
Joe Santer ist Kriminalassistent. Anders als sein Chef neigt er zu impulsiven Ausbrüchen. Leider gibt es nicht so viele Verbrechen, bei denen er seine fragwürdigen Ermittlungsmethoden ausleben kann.
Rebecca Jones ist Kriminalassistentin in der Soko München. Auf Wunsch der drei Brüder macht sie ein paar Tage Urlaub in Berchtesgaden und ermittelt zunächst undercover in den Mordfällen rund um Rudis Bergwanderungen. Im traditionell geprägten Berchtesgaden fällt ihr Äußeres besonders auf: schlohweiße Haare, schwarz geschminkt.
Weiters
Dr. Anselm Bauernfeind ist Dezernatsleiter der Soko Berchtesgaden. Er und sein Amtskollege in München, Dr. Julius Pauli, waren Kommilitonen an der Polizeiakademie. Dr. Pauli vermittelt ihm Rebecca als Verstärkung für sein überfordertes Team.
Vorwort
Sein ganzes Leben lang hat Abraham jeden Anruf Gottes mit einem klaren »Ja, hier bin ich« beantwortet. Demütig und ergeben bekennt er sich zu diesem Gott und dessen Zumutungen, die in letzter Zeit immer schwieriger werden. Wozu und wofür auch immer will sein Gott jetzt eine finale Bekräftigung seiner Treue. Hierzu braucht es aber schon einen Berg, der Himmel und Erde verbindet: Morija!
Wenn Abraham nicht im Nahen Osten gelebt hätte, sondern in Bayern, wäre der Berg vermutlich der Watzmann gewesen. Und dann wäre auch der Weg hinauf angenehmer gewesen, bei saftigen Wiesen und Kuhglocken, weißblauem Himmel und urigen Hütten, statt steiniger Stolperwege, glühender Sonne und gastronomischer Wüste.
»I muass aufi, aufi auf’n Berg«, soll er zu seiner Sara gesagt haben, als sie ihn anfauchte: »Ja wo rennst denn schon wieder hin, du Depp, du damischer?«
Warum sich Abraham auf den anstrengenden Weg hinauf auf den Berg begeben hat, ist nicht vollständig überliefert. Sicherlich wird er schon gewusst haben, dass die Luft dort oben besser ist und auch die Sicht. Und die Alltagsprobleme mit seiner Frau Sara schrumpfen scheinbar wie die Landschaften.
Seither sucht der Mann die Berge nicht nur der Erholung wegen, sondern um dem Göttlichen näher zu sein und entfernter dem Zänkischen.
Mittwoch 14.06.2006
Für viele Gäste wird es der Establishing Shot werden, das Einstimmungsbild ihres Urlaubsfotobuches. Bei Filmen ist es immer die erste Kameraeinstellung und zeigt eine markante, einzigartige Aufnahme der Umgebung. Durch einen Establishing Shot wird der Ort der Handlung vorgestellt, damit man weiß, wo sich das Ganze abspielt. Besonders einfach ist dies an berühmten Orten, wie Hongkong, San Francisco, Paris, Rio de Janeiro oder Berchtesgaden. Hier stehen stumme Protagonisten rund um die Uhr kostenlos in Pose:
HK Bay Skyline, Golden Gate Bridge, Eiffelturm, Zuckerhut, Watzmann.
Heute haben die Urlauber die besondere Gelegenheit, ihren Establishing Shot mit einem kitschigen Klischeefoto zu verschmelzen. Solche Fotos haben die zweifelhafte Aufgabe, den zwangsgeladenen Gästen des alljährlichen Urlaubsbilderabends gleich zu Beginn ein Raunen zu entlocken und ihnen einen Vorgeschmack zu geben auf das, was jetzt zwei Stunden lang auf sie zukommt. Einige der Gäste kontern souverän und meinen, dass es erstaunlich ist, was man heute mit digitaler Bildverarbeitung alles machen kann. Dies sind vor allem die Gäste männlichen Geschlechts, die ohnehin nicht kommen wollten, weil ihnen der Bilderreigen des Vorjahrs noch in den Knochen steckt und … Weil am Samstagabend des 24. Juni das Fußball-WM-Viertelfinale zwischen Deutschland und Schweden stattfindet. Aber wie so oft im Leben siegt die weibliche Obrigkeit mit Argumenten, die in ihrer Logik so schwierig zu verstehen sind, dass der männliche Verstand außer »Äh, äh … aber, wieso …« kein überzeugenderes Plädoyer für einen romantischen Abend in zärtlicher Zweisamkeit bei Fußball, Dosenbier und Kartoffelchips über die Lippen bringt. Erfolgreiche Vetos müssen wie aus der Pistole geschossen kommen und Fußball wäre für die feingeistige Damenwelt ohnehin kein Grund. Trostspendend ist der Umstand, dass der mitgeplagte Gastgeber ausreichend Bier gekühlt und Leberkässemmeln vorbereitet hat. Mit Alkohol lässt sich das weiß-blaue Bilder-Einerlei der diesjährigen Urlaubspräsentation deutlich besser überstehen.
Am Freitag, dem 9. Juni, hat die Fußball-WM 2006 in Deutschland begonnen. Sie wird als Sommermärchen in die Geschichte eingehen, aber auch als weiterer Beleg dafür, dass ohne Schmiergeld kein Ball bei einer FIFA-WM rollt. Keine fundamental neue Erkenntnis, das gehört mittlerweile zum Allgemeinwissen. Für die heranreifende Jugend gibt es vermutlich bald einen passenden Begriff im Duden. Daher wundert es umso mehr, dass viele Jahre später ein paar naive Beamte im deutschen Finanzwesen, danach die sensationslüsterne Presse und dann natürlich sofort viele verantwortliche Politiker zu der Frage kommen werden: Ist da vielleicht Bakschisch im Spiel gewesen, um das Sommermärchen 2006 nach Deutschland zu holen?
Wie bitte? Diesmal nicht? wäre die weitaus größere Überraschung gewesen. Dabei war es diesmal günstig wie nie: nur lasche 6,7 Millionen Euro, ein richtiges Schnäppchen, Glück gehabt, könnte man auch sagen. Unser Franzl hat sich den Arsch aufgerissen, um die WM für dieses mickrige FIFA-Kleingeld plus kleinere Gebühren nach Deutschland zu holen, aber gleichzeitig ein Hundertfaches an Umsätzen für die Tourismusbranche und an Steuern und Abgaben und, was mindestens genau so viel zählt, ein längst überfälliges positives Image für unser Nation:
Deutschland. Zu Gast bei Freunden
Der Franzl ist in der Nachkriegszeit im Stadtteil Giesing aufgewachsen. Da musste man schauen, wo man bleibt, und vor allem, wie man zu ein paar Kröten kommt. In Giesing war es üblich, dass die Gangs-of-Giesing heimatlose Fahrräder gesammelt und an ladenlose Kolonialhändler verkauft haben. Wer sich die Mühe gemacht und vorher den Rost ordentlich abgeschmirgelt hatte, der konnte gut und gerne 25 % mehr Kohle für ein Rad bekommen. So wurde jedem Straßenjungen in Giesing schon früh bewusst, dass es durchaus vorteilhaft ist, wenn man vor Geschäftsabschluss ordentlich schmiergelt oder beim Geschäftsabschluss ordentlich Schmiergeld dabeihat.
Im Prinzip gibt es zwei Arten von Urlaubsorten: das Meer und die Berge.
Die schiere Unendlichkeit des Wassers beflügelt den frommen Wunsch, woanders hinzukommen, dorthin, wo es immer schön und warm ist, dorthin, wo die Frauen kaum etwas anhaben und auf die Männer hören, kurz gesagt, einfach woanders hin, wo es einfach anders ist.
In den majestätischen Bergen hingegen keimt die Hoffnung, ewig hier bleiben zu dürfen und dass die anderen den Weg hierher nicht finden. Berchtesgaden hat beides, Wasser und Berge. Nur hier tragen die Männer kurze, ledrige Beinkleider und sie hören auf die Frauen. Trotzdem gehört der Königssee zu den Top-Ten-Tourismus-Filextstücken in Bayern.
Und bei so viel Schönheit im Übermaß darf schon mal der Herrgott mit ins Spiel kommen:
Wen Gott liebhat, den lässt er fallen in dieses Land,
schreibt Ludwig Ganghofer vor über 100 Jahren.
An dieser Liebe wollen jährlich eine halbe Million Menschen teilhaben, meist aus Deutschland und Amerika, aber immer mehr auch aus Russland. Letztere verraten ihre Herkunft durch ihre weibliche Begleitung mit üppigen und provokativ blinkenden Grabbeigaben an Hals und Fingern und durch Pelzkragen mitten im Hochsommer.
Unverwechselbar auch die Hochgeschwindigkeits-urlauber aus Japan. Sie erfreuen sich an der Schönheit der Natur ausschließlich durch das Kameraobjektiv. Dabei beeindruckt die Fernostgäste weniger das Blau des Sees und die majestätischen Berge, sondern mehr das kitschige Bunt des kleinen weißen Bonsai-Kirchleins mit zwei putzigen Zwiebeltürmchen und purpurroten Kuppeldächlein, das auf der Halbinsel Hirschau steht, scheinbar mitten im Gebirgssee: Sankt Bartholomä. Es ziert die meisten Postkarten und wird als der Inbegriff bayrischer Idylle gehandelt.
Die Kapelle ist eingebettet zwischen steil aufragenden Berghängen, darunter auch die höchste Felswand der Ostalpen, die Watzmann-Ostwand. Aber ohne den See wäre die Kapelle nicht zu ihrem weltberühmten Ansehen gekommen.
Der glasklare Gebirgssee sieht nicht nur so aus, als würde man von seinem Wasser das beste Bier der Welt brauen können, in der Tat, er ist der sauberste See Deutschlands – mit Attest.
***
Die männlichen Urlauber, die mit ihren Frauen oder Freundinnen vor der abfahrtbereiten Bayern-Galeere am Königssee stehen, leiden heute unter der Bedrohung, das WM-Spiel Deutschland gegen Polen um 21 Uhr zu verpassen. Wohlwollend, aber auch notgedrungen sagen sie deshalb zu allem Ja und Amen, was ihre besseren Hälften so alles an kostspieligen Ideen vorschlagen. Es soll als vorauseilendes Lösegeld eingesetzt werden, um sich von der Einladung zum traditionellen Neckermann-Dinner freizukaufen, das heute um 20 Uhr beginnt. Empfang ist bereits um 19 Uhr. Small Talk mit dem Gastgeber und den anderen Urlaubsgästen bei ein, zwei Gläschen Söhnlein Brillant. Bei diesem Warm-up vereinbart man die Tischzusammenstellung für das nachfolgende Dinner nach individuell unterschiedlichen Wertmaßstäben, wie Äußerlichkeit, Unterhaltsamkeit, Nützlichkeit.
Im Moment ist ein solcher Vorschlag der Frauen, nicht den billigen Raddampfer KÖNIG2 zu nehmen, den auch ihr kleinkarierter Nachbar buchen würde, sondern etwas Besseres. Besser gesagt, etwas Teureres: Eine üppig geschmückte Galeere für sechs Ruderer und einen Steuermann, sowie Platz für zwölf handverlesene, gut zahlende Gäste, den Veranstaltungsleiter und einen Musiker. Dieser hält vielversprechend eine goldglänzende Trompete in der Hand.
Das Bild ist so bizarr, dass es nur knapp am Kitsch vorbeischrammt. Es ist ein wunderschöner Junitag, wie jeder Tag während der Fußball-WM. Die Urlaubergruppe steht am Seeufer am Malerwinkel, also an der Nordspitze des Königssees. Hier fahren alle Schiffe und Boote zur Rundfahrt ab, so auch die Bayerngaleere. Der Blick auf den See ist gewaltig: grün-blau changierendes Wasser in unendlicher Länge, eingerahmt von imposanten Bergen. Auch Ihre Majestät ist heute wieder da: der Watzmann, das steinerne, übermächtige Symbol des weltberühmten Ortes Berchtesgaden. Und, als ob es nicht schon genug an Mächtigkeit in Farben und Formen wäre, steht eine hochglanzpolierte Edelholz-Bayerngaleere am Landesteg. Sie ist knapp zwanzig Meter lang und üppig mit rot-weißen Geranien geschmückt. Vorne sitzen sechs frische, bayrische Burschen in Chiemgauer Tracht, stramme Wadeln, Arsch in der Lederhose, ein halboffenes Trachtenhemd und ein wild-grüner Filzhut mit Gamsbart. Sie halten die Riemen senkrecht in die Luft. Es soll heißen »Von mir aus kann’s losgehen«. Dahinter der Steuermann im selben Outfit. In der Mitte stehen rechts, also Steuerbord, ein schneidiger Trachtler mit einer goldglänzenden Trompete und auf der Backbordseite der Fremdenführer Bernhard Wiesinger, bekannt als Neckermann-Bernhard. Er schafft an, weil er alle an Bord bezahlt. Das Geld bekommt er natürlich von den zwölf Urlaubern, von denen jeder zehnmal mehr für den exklusiven Trip bezahlt als das gemeine Volk, das vor dreißig Minuten mit der KÖNIG2 in Richtung St. Bartholomä abgefahren ist.
Es zieht sich hin, die Abfahrt der Bayerngaleere. Bernhard Wiesinger sieht auf seine Uhr. Er muss einen strikten Zeitplan einhalten. Dieser ist zwar mit viel Reserven ausgestattet, aber diese Reserven sollte man nicht schon vor der Abfahrt vertrödeln. Während der Fahrt kann noch viel passieren. Das weiß der Wiesinger aus jahrelanger Erfahrung.
Der Zeitplan ist maßgeblich vom berühmten Echo bestimmt. Die beiden Dampfer KÖNIG1 und KÖNIG2 und auch die Bayerngaleere dürfen sich nicht an der Echowand treffen. Das Echospektakel muss jede Fahrt selbst gestalten dürfen, so wie es im Prospekt steht. Die Ruderfahrt der Bayerngaleere ist streckenmäßig die kürzeste. Sie geht nur bis zur Kapelle und wieder zurück zum Malerwinkel. Kurz vor Ende der Fahrt gibt es dann Schampus, auch für die Ruderer. Die haben ordentlich Durst bekommen. Der letzte Teil der Fahrt wird deshalb meist auch der zeitlich aufwendigste. Gleichwohl, die gesamte Tour mit Echo und Fotoshooting muss innerhalb von 70 Minuten beendet sein. Darin eingeschlossen alle Vorfälle, die oft nicht vorhersehbar sind.
Es würde sich lohnen, bis zur Station Salet am anderen Ende des Königssees zu fahren und einen kleinen Spaziergang zum Obersee zu machen. Gebannt schweift dort der Blick über den herrlich gelegenen See hinüber zur Fischunkelalm und zum Röthbach-Wasserfall, mit 450 Meter Höhe Deutschlands höchster Wasserfall. Aber da fährt halt nur ein Allerweltsdampfer hin und nicht eine schmucke Bayerngaleere.
Früher wurde das Echo nach Gebirgsschützenart zelebriert. Seit etwa 10 Jahren wird die Schussmethode durch ein Trompetenstakkato ersetzt. Es gab damals öfters aufsehenerregende Vorfälle, wie die Flucht eines jungen Mannes, der von einem bewaffneten Einkauf kam und im Touristengetümmel und auf See Schutz vor den nahen Häschern suchte. Vom überraschenden Echo-Böllerschuss aufgeschreckt hat er seinen Arbeitsrevolver gezogen und zwei Warnschüsse in die Luft abgegeben, worauf an Bord Chaos und Panik ausgebrochen ist. Wohl auch deshalb, weil das Echo furchterregend war. Es hörte sich an, wie eine dieser sinnlosen, aber erfrischend schussfreudigen Szenen aus einem Winnetou-Film. Alle männlichen Touristen sprangen sofort selbstaufopfernd ins kalte Nass, in der Meinung, dass die verbleibende Horde kreischender Frauen den jungen Schießhund um den letzten Verstand und dann zur Aufgabe bringen würde. So wie zu Hause halt. So lange wollte der dritte Ruderer von hinten, der Bernbacher Blasi aber nicht warten, weil es um seinen Verstand auch nicht so gut bestellt war. Er hat dem mit dem Arbeitsrevolver wild fuchtelnden Jungräuber eine Mordswatschn eingeschenkt und ihm gut zugeredet: »So, und jetzt hoggst de hi, sonst fangst nó oane.«
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Ja: Lesen Sie dieses Buch … Sie sind nicht alleine
Nein: Lesen Sie dieses Buch … Und fragen sich noch mal
Im Übrigen kann es überall passieren. München und das Alpenvorland sind da keine Ausnahme. In Bayern macht es nur mehr Spaß.
Die Drei Brüder
Prof. Dr. Chris Fox ist ein weltbekannter Atomphysiker. Wie sein Zwillingsbruder Rick ist er ledig, auch weil ihm seine Forschungsreisen in die subatomare Welt der Quanten keine Zeit für lokale Romanzen lassen. Er hat zwar ein Auge auf Rebecca geworfen, eine attraktive Kriminalbeamtin der Münchner Soko. Aber die steht nicht auf Männer.
Rick Fox lebt im Münchner Stadtteil Lehel. Im Gegensatz zu seinem Zwillingsbruder pflegt er einen lockeren Lebensstil, liebt seine Nachbarin Samantha und Gin Tonic, und er raucht Joints. Beruflich ist er selbständig und programmiert numerische Algorithmen. Unklar ist, warum er im linken Auge eine Bionic-Linse hat. Unter den Brüdern wird darüber aber nicht gesprochen.
Rudi Fox ist Bergführer und besitzt ein Sportgeschäft für Alpinsport in Oberaudorf. Das Leben seiner zwei Brüder ist ihm fremd, weil er zum einen nichts von Quantenmechanik versteht und zum anderen nichts mit dem lasziven Leben in der Münchner Szene zu tun haben will.
Weiters …
Samantha Hilbert ist Ricks Nachbarin. Beide schätzen ihre Unabhängigkeit, treffen sich aber mehrmals pro Woche, wenn ihr Hormonspiegel überschwappt. Sie liebt und hasst Ricks lockeren Lebensstil. Als Journalistin kennt sie die Münchner Szene. Ihr Büro ist ein Tisch im Café Magnifique.
Das Ermittlerteam
… am Tegernsee
Herbert Sokrates leitet als Hauptkommissar die Soko Berchtesgaden. Kriminaltechnisch ist es ein ruhiger Ort, der vom Tourismus geprägt ist. Als sich plötzlich Todesfälle häufen, ist er überfordert. Er bekommt Hilfe aus München.
Joe Santer ist Kriminalassistent. Anders als sein Chef neigt er zu impulsiven Ausbrüchen. Leider gibt es nicht so viele Verbrechen, bei denen er seine fragwürdigen Ermittlungsmethoden ausleben kann.
Rebecca Jones ist Kriminalassistentin in der Soko München. Auf Wunsch der drei Brüder macht sie ein paar Tage Urlaub in Berchtesgaden und ermittelt zunächst undercover in den Mordfällen rund um Rudis Bergwanderungen. Im traditionell geprägten Berchtesgaden fällt ihr Äußeres besonders auf: schlohweiße Haare, schwarz geschminkt.
Weiters
Dr. Anselm Bauernfeind ist Dezernatsleiter der Soko Berchtesgaden. Er und sein Amtskollege in München, Dr. Julius Pauli, waren Kommilitonen an der Polizeiakademie. Dr. Pauli vermittelt ihm Rebecca als Verstärkung für sein überfordertes Team.
Vorwort
Sein ganzes Leben lang hat Abraham jeden Anruf Gottes mit einem klaren »Ja, hier bin ich« beantwortet. Demütig und ergeben bekennt er sich zu diesem Gott und dessen Zumutungen, die in letzter Zeit immer schwieriger werden. Wozu und wofür auch immer will sein Gott jetzt eine finale Bekräftigung seiner Treue. Hierzu braucht es aber schon einen Berg, der Himmel und Erde verbindet: Morija!
Wenn Abraham nicht im Nahen Osten gelebt hätte, sondern in Bayern, wäre der Berg vermutlich der Watzmann gewesen. Und dann wäre auch der Weg hinauf angenehmer gewesen, bei saftigen Wiesen und Kuhglocken, weißblauem Himmel und urigen Hütten, statt steiniger Stolperwege, glühender Sonne und gastronomischer Wüste.
»I muass aufi, aufi auf’n Berg«, soll er zu seiner Sara gesagt haben, als sie ihn anfauchte: »Ja wo rennst denn schon wieder hin, du Depp, du damischer?«
Warum sich Abraham auf den anstrengenden Weg hinauf auf den Berg begeben hat, ist nicht vollständig überliefert. Sicherlich wird er schon gewusst haben, dass die Luft dort oben besser ist und auch die Sicht. Und die Alltagsprobleme mit seiner Frau Sara schrumpfen scheinbar wie die Landschaften.
Seither sucht der Mann die Berge nicht nur der Erholung wegen, sondern um dem Göttlichen näher zu sein und entfernter dem Zänkischen.
Mittwoch 14.06.2006
Für viele Gäste wird es der Establishing Shot werden, das Einstimmungsbild ihres Urlaubsfotobuches. Bei Filmen ist es immer die erste Kameraeinstellung und zeigt eine markante, einzigartige Aufnahme der Umgebung. Durch einen Establishing Shot wird der Ort der Handlung vorgestellt, damit man weiß, wo sich das Ganze abspielt. Besonders einfach ist dies an berühmten Orten, wie Hongkong, San Francisco, Paris, Rio de Janeiro oder Berchtesgaden. Hier stehen stumme Protagonisten rund um die Uhr kostenlos in Pose:
HK Bay Skyline, Golden Gate Bridge, Eiffelturm, Zuckerhut, Watzmann.
Heute haben die Urlauber die besondere Gelegenheit, ihren Establishing Shot mit einem kitschigen Klischeefoto zu verschmelzen. Solche Fotos haben die zweifelhafte Aufgabe, den zwangsgeladenen Gästen des alljährlichen Urlaubsbilderabends gleich zu Beginn ein Raunen zu entlocken und ihnen einen Vorgeschmack zu geben auf das, was jetzt zwei Stunden lang auf sie zukommt. Einige der Gäste kontern souverän und meinen, dass es erstaunlich ist, was man heute mit digitaler Bildverarbeitung alles machen kann. Dies sind vor allem die Gäste männlichen Geschlechts, die ohnehin nicht kommen wollten, weil ihnen der Bilderreigen des Vorjahrs noch in den Knochen steckt und … Weil am Samstagabend des 24. Juni das Fußball-WM-Viertelfinale zwischen Deutschland und Schweden stattfindet. Aber wie so oft im Leben siegt die weibliche Obrigkeit mit Argumenten, die in ihrer Logik so schwierig zu verstehen sind, dass der männliche Verstand außer »Äh, äh … aber, wieso …« kein überzeugenderes Plädoyer für einen romantischen Abend in zärtlicher Zweisamkeit bei Fußball, Dosenbier und Kartoffelchips über die Lippen bringt. Erfolgreiche Vetos müssen wie aus der Pistole geschossen kommen und Fußball wäre für die feingeistige Damenwelt ohnehin kein Grund. Trostspendend ist der Umstand, dass der mitgeplagte Gastgeber ausreichend Bier gekühlt und Leberkässemmeln vorbereitet hat. Mit Alkohol lässt sich das weiß-blaue Bilder-Einerlei der diesjährigen Urlaubspräsentation deutlich besser überstehen.
Am Freitag, dem 9. Juni, hat die Fußball-WM 2006 in Deutschland begonnen. Sie wird als Sommermärchen in die Geschichte eingehen, aber auch als weiterer Beleg dafür, dass ohne Schmiergeld kein Ball bei einer FIFA-WM rollt. Keine fundamental neue Erkenntnis, das gehört mittlerweile zum Allgemeinwissen. Für die heranreifende Jugend gibt es vermutlich bald einen passenden Begriff im Duden. Daher wundert es umso mehr, dass viele Jahre später ein paar naive Beamte im deutschen Finanzwesen, danach die sensationslüsterne Presse und dann natürlich sofort viele verantwortliche Politiker zu der Frage kommen werden: Ist da vielleicht Bakschisch im Spiel gewesen, um das Sommermärchen 2006 nach Deutschland zu holen?
Wie bitte? Diesmal nicht? wäre die weitaus größere Überraschung gewesen. Dabei war es diesmal günstig wie nie: nur lasche 6,7 Millionen Euro, ein richtiges Schnäppchen, Glück gehabt, könnte man auch sagen. Unser Franzl hat sich den Arsch aufgerissen, um die WM für dieses mickrige FIFA-Kleingeld plus kleinere Gebühren nach Deutschland zu holen, aber gleichzeitig ein Hundertfaches an Umsätzen für die Tourismusbranche und an Steuern und Abgaben und, was mindestens genau so viel zählt, ein längst überfälliges positives Image für unser Nation:
Deutschland. Zu Gast bei Freunden
Der Franzl ist in der Nachkriegszeit im Stadtteil Giesing aufgewachsen. Da musste man schauen, wo man bleibt, und vor allem, wie man zu ein paar Kröten kommt. In Giesing war es üblich, dass die Gangs-of-Giesing heimatlose Fahrräder gesammelt und an ladenlose Kolonialhändler verkauft haben. Wer sich die Mühe gemacht und vorher den Rost ordentlich abgeschmirgelt hatte, der konnte gut und gerne 25 % mehr Kohle für ein Rad bekommen. So wurde jedem Straßenjungen in Giesing schon früh bewusst, dass es durchaus vorteilhaft ist, wenn man vor Geschäftsabschluss ordentlich schmiergelt oder beim Geschäftsabschluss ordentlich Schmiergeld dabeihat.
Im Prinzip gibt es zwei Arten von Urlaubsorten: das Meer und die Berge.
Die schiere Unendlichkeit des Wassers beflügelt den frommen Wunsch, woanders hinzukommen, dorthin, wo es immer schön und warm ist, dorthin, wo die Frauen kaum etwas anhaben und auf die Männer hören, kurz gesagt, einfach woanders hin, wo es einfach anders ist.
In den majestätischen Bergen hingegen keimt die Hoffnung, ewig hier bleiben zu dürfen und dass die anderen den Weg hierher nicht finden. Berchtesgaden hat beides, Wasser und Berge. Nur hier tragen die Männer kurze, ledrige Beinkleider und sie hören auf die Frauen. Trotzdem gehört der Königssee zu den Top-Ten-Tourismus-Filextstücken in Bayern.
Und bei so viel Schönheit im Übermaß darf schon mal der Herrgott mit ins Spiel kommen:
Wen Gott liebhat, den lässt er fallen in dieses Land,
schreibt Ludwig Ganghofer vor über 100 Jahren.
An dieser Liebe wollen jährlich eine halbe Million Menschen teilhaben, meist aus Deutschland und Amerika, aber immer mehr auch aus Russland. Letztere verraten ihre Herkunft durch ihre weibliche Begleitung mit üppigen und provokativ blinkenden Grabbeigaben an Hals und Fingern und durch Pelzkragen mitten im Hochsommer.
Unverwechselbar auch die Hochgeschwindigkeits-urlauber aus Japan. Sie erfreuen sich an der Schönheit der Natur ausschließlich durch das Kameraobjektiv. Dabei beeindruckt die Fernostgäste weniger das Blau des Sees und die majestätischen Berge, sondern mehr das kitschige Bunt des kleinen weißen Bonsai-Kirchleins mit zwei putzigen Zwiebeltürmchen und purpurroten Kuppeldächlein, das auf der Halbinsel Hirschau steht, scheinbar mitten im Gebirgssee: Sankt Bartholomä. Es ziert die meisten Postkarten und wird als der Inbegriff bayrischer Idylle gehandelt.
Die Kapelle ist eingebettet zwischen steil aufragenden Berghängen, darunter auch die höchste Felswand der Ostalpen, die Watzmann-Ostwand. Aber ohne den See wäre die Kapelle nicht zu ihrem weltberühmten Ansehen gekommen.
Der glasklare Gebirgssee sieht nicht nur so aus, als würde man von seinem Wasser das beste Bier der Welt brauen können, in der Tat, er ist der sauberste See Deutschlands – mit Attest.
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Die männlichen Urlauber, die mit ihren Frauen oder Freundinnen vor der abfahrtbereiten Bayern-Galeere am Königssee stehen, leiden heute unter der Bedrohung, das WM-Spiel Deutschland gegen Polen um 21 Uhr zu verpassen. Wohlwollend, aber auch notgedrungen sagen sie deshalb zu allem Ja und Amen, was ihre besseren Hälften so alles an kostspieligen Ideen vorschlagen. Es soll als vorauseilendes Lösegeld eingesetzt werden, um sich von der Einladung zum traditionellen Neckermann-Dinner freizukaufen, das heute um 20 Uhr beginnt. Empfang ist bereits um 19 Uhr. Small Talk mit dem Gastgeber und den anderen Urlaubsgästen bei ein, zwei Gläschen Söhnlein Brillant. Bei diesem Warm-up vereinbart man die Tischzusammenstellung für das nachfolgende Dinner nach individuell unterschiedlichen Wertmaßstäben, wie Äußerlichkeit, Unterhaltsamkeit, Nützlichkeit.
Im Moment ist ein solcher Vorschlag der Frauen, nicht den billigen Raddampfer KÖNIG2 zu nehmen, den auch ihr kleinkarierter Nachbar buchen würde, sondern etwas Besseres. Besser gesagt, etwas Teureres: Eine üppig geschmückte Galeere für sechs Ruderer und einen Steuermann, sowie Platz für zwölf handverlesene, gut zahlende Gäste, den Veranstaltungsleiter und einen Musiker. Dieser hält vielversprechend eine goldglänzende Trompete in der Hand.
Das Bild ist so bizarr, dass es nur knapp am Kitsch vorbeischrammt. Es ist ein wunderschöner Junitag, wie jeder Tag während der Fußball-WM. Die Urlaubergruppe steht am Seeufer am Malerwinkel, also an der Nordspitze des Königssees. Hier fahren alle Schiffe und Boote zur Rundfahrt ab, so auch die Bayerngaleere. Der Blick auf den See ist gewaltig: grün-blau changierendes Wasser in unendlicher Länge, eingerahmt von imposanten Bergen. Auch Ihre Majestät ist heute wieder da: der Watzmann, das steinerne, übermächtige Symbol des weltberühmten Ortes Berchtesgaden. Und, als ob es nicht schon genug an Mächtigkeit in Farben und Formen wäre, steht eine hochglanzpolierte Edelholz-Bayerngaleere am Landesteg. Sie ist knapp zwanzig Meter lang und üppig mit rot-weißen Geranien geschmückt. Vorne sitzen sechs frische, bayrische Burschen in Chiemgauer Tracht, stramme Wadeln, Arsch in der Lederhose, ein halboffenes Trachtenhemd und ein wild-grüner Filzhut mit Gamsbart. Sie halten die Riemen senkrecht in die Luft. Es soll heißen »Von mir aus kann’s losgehen«. Dahinter der Steuermann im selben Outfit. In der Mitte stehen rechts, also Steuerbord, ein schneidiger Trachtler mit einer goldglänzenden Trompete und auf der Backbordseite der Fremdenführer Bernhard Wiesinger, bekannt als Neckermann-Bernhard. Er schafft an, weil er alle an Bord bezahlt. Das Geld bekommt er natürlich von den zwölf Urlaubern, von denen jeder zehnmal mehr für den exklusiven Trip bezahlt als das gemeine Volk, das vor dreißig Minuten mit der KÖNIG2 in Richtung St. Bartholomä abgefahren ist.
Es zieht sich hin, die Abfahrt der Bayerngaleere. Bernhard Wiesinger sieht auf seine Uhr. Er muss einen strikten Zeitplan einhalten. Dieser ist zwar mit viel Reserven ausgestattet, aber diese Reserven sollte man nicht schon vor der Abfahrt vertrödeln. Während der Fahrt kann noch viel passieren. Das weiß der Wiesinger aus jahrelanger Erfahrung.
Der Zeitplan ist maßgeblich vom berühmten Echo bestimmt. Die beiden Dampfer KÖNIG1 und KÖNIG2 und auch die Bayerngaleere dürfen sich nicht an der Echowand treffen. Das Echospektakel muss jede Fahrt selbst gestalten dürfen, so wie es im Prospekt steht. Die Ruderfahrt der Bayerngaleere ist streckenmäßig die kürzeste. Sie geht nur bis zur Kapelle und wieder zurück zum Malerwinkel. Kurz vor Ende der Fahrt gibt es dann Schampus, auch für die Ruderer. Die haben ordentlich Durst bekommen. Der letzte Teil der Fahrt wird deshalb meist auch der zeitlich aufwendigste. Gleichwohl, die gesamte Tour mit Echo und Fotoshooting muss innerhalb von 70 Minuten beendet sein. Darin eingeschlossen alle Vorfälle, die oft nicht vorhersehbar sind.
Es würde sich lohnen, bis zur Station Salet am anderen Ende des Königssees zu fahren und einen kleinen Spaziergang zum Obersee zu machen. Gebannt schweift dort der Blick über den herrlich gelegenen See hinüber zur Fischunkelalm und zum Röthbach-Wasserfall, mit 450 Meter Höhe Deutschlands höchster Wasserfall. Aber da fährt halt nur ein Allerweltsdampfer hin und nicht eine schmucke Bayerngaleere.
Früher wurde das Echo nach Gebirgsschützenart zelebriert. Seit etwa 10 Jahren wird die Schussmethode durch ein Trompetenstakkato ersetzt. Es gab damals öfters aufsehenerregende Vorfälle, wie die Flucht eines jungen Mannes, der von einem bewaffneten Einkauf kam und im Touristengetümmel und auf See Schutz vor den nahen Häschern suchte. Vom überraschenden Echo-Böllerschuss aufgeschreckt hat er seinen Arbeitsrevolver gezogen und zwei Warnschüsse in die Luft abgegeben, worauf an Bord Chaos und Panik ausgebrochen ist. Wohl auch deshalb, weil das Echo furchterregend war. Es hörte sich an, wie eine dieser sinnlosen, aber erfrischend schussfreudigen Szenen aus einem Winnetou-Film. Alle männlichen Touristen sprangen sofort selbstaufopfernd ins kalte Nass, in der Meinung, dass die verbleibende Horde kreischender Frauen den jungen Schießhund um den letzten Verstand und dann zur Aufgabe bringen würde. So wie zu Hause halt. So lange wollte der dritte Ruderer von hinten, der Bernbacher Blasi aber nicht warten, weil es um seinen Verstand auch nicht so gut bestellt war. Er hat dem mit dem Arbeitsrevolver wild fuchtelnden Jungräuber eine Mordswatschn eingeschenkt und ihm gut zugeredet: »So, und jetzt hoggst de hi, sonst fangst nó oane.«
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