Cover: Der Balkon

Der Balkon
Geschichten vom Erwachsenwerden


EUR 26,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 228
ISBN: 978-3-7116-0753-9
Erscheinungsdatum: 30.04.2025
Daniels alte Tagebücher führen ihn zurück auf den Balkon, wo er mit Sylvia die besten und schlimmsten Nächte seines Lebens verbrachte. Doch kann man im Rückblick verstehen, was man damals nicht begriffen hat?
Zuwachs


Spätwinter 1977; Samstag am Nachmittag:

„Daniel, sag einmal, sind deine Eltern in Wien?“
„Nein, Robert, die sind irgendwo in den Bergen, Grundstücke für den geplanten Hausbau anschauen. Angeblich übernachten sie dort in einer Pension.“
„Ah, das ist sehr gut!“
Nanu? Was hat der Freund bloß vor? Ein wenig misstrauisch blicke ich zum Fenster hinaus. Alles Grau in Grau; ein typischer, eher grauslicher Spätwintertag.
„Finde ich auch, aber sag bloß, ich soll heute am Abend schon wieder eine spontane Party veranstalten?“
Ich nehme den Telefonhörer etwas fester in die Hand.
„Du hast das ganz richtig erkannt. Ich hab nämlich über eine Freundin von der Uni vier ganz neue Leute kennengelernt. Da ist ein Mädchen dabei, das mich durchaus interessiert!“
„Na, von mir aus! Aber bringt bitte etwas zu trinken mit. Ich kann nämlich nicht schon wieder die Hausbar der Eltern und die Weinreserven meiner Großmutter plündern. Da würde ich diesmal echt Ärger kriegen. Wann wollt ihr denn kommen?“
„So gegen acht; geht das?“
„O.k.; dann geh ich vorher noch in unser Café und schaue, ob unsere Freunde, also die übliche Belegschaft, dort sind. Die könnte ich dann gleich mit zu mir abschleppen.“
„Passt; bis später! Ich hol übrigens die neuen Leute von einem Heurigen ab. Von dort bringen wir dann die Saufereien mit.“
„Sehr gut! Bis bald!“
Ich lege den Hörer auf die Gabel, schaue mich im Wohnzimmer um. Alles bestens!
Aus den anderen Zimmern hole ich schnell noch zusätzliche Sitzgelegenheiten, öffne den Plattenschrank, sortiere ein wenig herum, um möglicherweise interessante Scheiben griffbereit zu haben. Sodann marschiere ich in den Keller, öffne das Zahlenschloss des kleinen aber feinen großmütterlichen Weindepots. Es wird der alten Dame schon nicht auffallen, wenn wieder ein paar Flaschen fehlen. Ich nehme zwei Doppler Weißwein, verschließe sorgsam den Keller und fahre wieder in unsere Wohnung hinauf.
Das muss von meiner Seite aus reichen!
Es ist gegen sechs. Ich schlüpfe in Mantel und Schuhe, marschiere die paar wenigen Hundert Meter zu unserem Stammcafé, erblicke dort drei ehemalige Schulfreunde samt bestens bekanntem weiblichem Anhang, frage, ob sie zu der Party mitkommen wollen. Alle sind hocherfreut! Wir trinken gemeinsam noch einige Fluchtachterln. Dann machen wir uns auf den Weg zu mir.
Übrigens, es sind ja alles wirklich nette Leute, auch die Mädels, aber ein bisschen frisches Blut würde uns durchaus guttun.
Gegen halb acht sind wir dann alle bereits bestens gelaunt bei mir.
Kurze Zeit später, die Türglocke!
Es ist Robert.
Ich bleibe zum Empfang der neuen Leute gleich bei der Wohnungstüre stehen.
Von Weitem schon höre ich fröhliches Lachen.

Geräuschvoll hält der ziemlich überladene Lift.
Eine sympathische Mädchenstimme: „Sag, Robert, macht das deinem Freund wirklich nichts, dass du uns zu ihm eingeladen hast?“
„Nein, sicher nicht. Ich hab das ja mit ihm besprochen. Hier lang! Nur keine Schüchternheit!“
Fünf Personen biegen um die Ecke:
Zuerst Robert mit seiner Gitarre und einem Weinkarton. Bestens gelaunt zwinkert er mir zu. Dahinter im Schlepptau ein brünettes, sehr nett wirkendes Mädchen. Robert stellt sie mir vor: Das ist Claudia!
Anschließend ein lustiger Typ, Bob, laut Robert ein Urviech, ein Austauschstudent aus den USA. Tatsächlich spricht er bereits fast so gut Wienerisch wie seine Muttersprache!
Anschließend Sigi, ein sympathischer Wirtschaftsstudent.
Zum Schluss ein mittelgroßes dunkelblondes Mädchen. Erneut macht Robert bekannt: „Das ist Sylvia! Sie ist eine Freundin und Studienkollegin von Sigi.“
Ich winke allen freundlich zu.
„Hereinspaziert! Ich freue mich! Fühlt euch wie zu Hause!“
Alle betreten das Vorzimmer, legen ihre Mäntel ab. Gemeinsam gehen wir zu den anderen ins Wohnzimmer. Großes Hallo, dichte Atmosphäre! Immerhin sind wir ja zwölf Leute.
Robert nimmt mich beiseite, übergibt mir den Karton mit Weinflaschen; Grinzinger Wein!
„Der ist wirklich gut; wir haben uns an Ort und Stelle schon ein wenig davon überzeugen können.“ Aufgekratzt boxt er mich in die Rippen.
Ich werfe ein geräuschvolles „Danke vielmals allerseits!“ in die Runde und begebe mich in die Küche, um die entsprechenden Gläser zu holen und etliche Flaschen im Eiskasten kühl zu stellen.
Rasch kehre ich dann zu den anderen zurück, stelle Gläser und Flaschen auf den Tisch, verteile die Aschenbecher.
Die Stimmung ist bereits höchst aufgelockert. Also erübrigen sich besondere weitere gesellschaftliche Pflichten.
„Bitte bedient euch selbst! Oh weh, es fehlen ja noch zwei Gläser! Was bin ich doch für ein schlechter Gastgeber!“
Ich springe auf und laufe erneut in die Küche! Unverzüglich merke ich, dass ich nicht alleine bin. Sylvia ist mir gefolgt.
„Brauchst du vielleicht Hilfe?“
„Nein, danke; lieb von dir.“
„… hm, sag, Daniel, du bist doch Roberts bester Freund, stimmt’s?“
„Ja, warum fragst du?“
„Nur so …“
Ganz kurz, möglichst unauffällig werfe ich einen prüfenden Blick auf das dunkelblonde Mädchen:
Hübsch, sehr hübsch; fast als schön zu bezeichnen, dunkelblaue faszinierende Augen, feine Gesichtszüge, ziemlich perfekte Figur, ein toller Po.
Sie verwendet ein erlesenes Parfum; ihr Haar duftet nach Pfirsich. Beim Sprechen hat sie einen winzigen S-Fehler. Das macht ihre Stimme richtig sexy.
Ohne Zweifel ein Klassemädchen – aber wirklich sympathisch, das ist sie mir eigentlich nicht!
Sie räuspert sich kurz und beißt sich auf ihre Unterlippe.
„… na ja, ich wollte nur wissen, ob der Robert derzeit zu haben ist. Er gefällt mir nämlich irgendwie.“
Überrascht blicke ich das Mädchen an. Dafür, dass wir uns erst wenige Minuten lang kennen, ist sie recht direkt.
„Ja, durchaus! Ich würde mich an deiner Stelle jedoch beeilen. Bei ihm weiß man nie, wie lange dieser seltene Zustand anhält! Aber – bist du nicht mit Sigi zusammen?“
Sylvia zuckt ein wenig mit den Achseln, schaut kurz zu Boden.
„Das mit Robert habe ich mir fast gedacht! Und was Sigi angeht: na ja, so halb und halb …“
Ich nicke verständnisvoll, nehme die zwei fehlenden Gläser in die Hand.
„Aha; klingt nicht sehr erbaulich. Aber weil wir gerade dabei sind: Ist Claudia eigentlich mit Bob zusammen?“
Sylvia bricht in schallendes Gelächter aus:
„Claudia und Bob? Da lachen ja die Hühner! Nein, die beiden sind gute Freunde, sonst läuft bei denen gar nichts. Sag bloß, du hast Interesse?“
Ich weiß gar nicht warum, aber ich muss in Sylvias Lachen mit einstimmen.
„Nein, um Himmelswillen; ich hab sie ja soeben erst kennengelernt. Aber, weißt du, lieb wirkt sie schon.“
Immer noch lachend marschieren wir zu den anderen zurück.
Robert hat in der Zwischenzeit seine Gitarre gestimmt.
Wir singen, laut, falsch. Zwischendurch greife auch ich zum Gaudium aller in die Tasten meines Pianinos. Die Stimmung ist einfach großartig. Die Neuen passen wunderbar zu uns.
Alle vier sind sich einig:
„Bei euch ist es echt toll und lustig! Und die Live-Musik, die hat man auch nicht überall!“
Sylvia wendet sich mir zu und legt ihre Hand auf meinen Oberarm: „Na wartet nur! Wenn ich meine kleine Wohnung, die ich von meiner Großmutter übernommen habe, endlich bezogen hab, da gibt’s dann jede Menge Partys, da kann ich mich dann revanchieren! Zur Einweihung in ein paar Wochen müsst ihr jedenfalls alle kommen!“
Wir alle unisono: „Klar kommen wir!“

Gegen halb elf bitte ich um Minderung der Lautstärke. Die Nachbarn über uns sind für gröbere Unannehmlichkeiten bekannt. Robert legt die Gitarre zur Seite.
„Na dann legen wir halt eine Platte auf. Mir schmerzen ohnehin schon meine Finger!“
Ich begebe mich zum Plattenschrank. Sylvia und Claudia folgen mir.
Die Mädchen knien sich hin, durchforsten die Alben.
„Da schau, Sylvia! So viel Klassik! Und so viel Wiener Musik!“
„Aha… Da! Claudia, gib dir das: Beatles, Carpenters, Simon und Garfunkel, Roger Whittaker, aber auch Led Zeppelin, Deep Purple; und so viel Austropop! Und auch Sinatra, Dean Martin! Aber leider kein Neil Diamond! Komisch …“
Gespannt, interessiert sehe ich den Mädchen zu.
„Sagt, ihr zwei; seid ihr schon lange miteinander befreundet?“
Claudia wendet sich zu mir um, streift Sylvia mit einem liebevollen Seitenblick.
„Ja, klar! Die ganze Schulzeit bis zur Matura. Wir waren in der gleichen Klasse.“
Mein Blick wandert von einer zur anderen. Zwei so unterschiedliche Typen! Die eine bildhübsch, dezent geschminkt, sexy; die andere ganz natürlich, ein wenig burschikos, sympathisch, einfach liebenswert!
„Dann ist das also bei euch ähnlich wie bei Robert und mir?“
Die beiden Mädchen fast zugleich: „Sieht so aus …“
Ich muss lachen.
„So, und was soll ich jetzt auflegen?“
Sylvia greift nach der „Horizon“ der Carpenters.
„Diese bitte! Die kenne ich nämlich gar nicht. Und darf ich einmal auf den Balkon hinausschauen? Die nächtliche Stadt muss von hier ganz toll aussehen!“
„Klar! … Robert!“
Ich rufe den Freund, bitte ihn zu mir, zwinkere Sylvia zu.
„Bist du bitte so nett und zeigst der Sylvia den Balkon?“
„Na klar! Komm, Sylvia!“
Die beiden verschwinden, kommen jedoch recht bald wieder zurück. Die draußen herrschende winterliche Kälte hat sie offenbar rasch vertrieben.

Es ist gegen zwei Uhr; längst sind alle Flaschen ausgetrunken.
Die ersten Stimmen werden laut: „Wir sollten mit der Zeit aufbrechen …“
Im Wohnzimmer steht die Luft, der Zigarettenqualm. Wirklich viel sieht man zurzeit nicht.
Und nüchtern ist natürlich auch niemand mehr.
Also; Aufbruch.
Claudia und Sylvia kommen zu mir, bedanken sich für den schönen Abend.
„Dann sehen wir uns also nächstes Wochenende beim Heurigen!“
Ich nicke begeistert.
„Gerne! Ah ja, ihr seid ja aus der bekanntesten Wiener Weingegend. Da kennt ihr euch sicher bestens aus. Wird bestimmt toll!“
„Klar, du wirst schon sehen! Der Robert gibt dir jedenfalls Bescheid!“
„Fein, also bis bald!“
Allgemeiner Abschied …
Stille, Ruhe kehrt ein. Ich gehe auf den Balkon hinaus, blicke kurz über die Stadt, kehre jedoch alsbald wieder in das völlig verqualmte Zimmer zurück.
Komisch …
Feiner, jedoch betörender Duft steht im Raum, steigt mir in die Nase.
Er ist stärker als der Zigarettendunst, irgendwie neuartig, ungewohnt.
Sylvia ist nicht mehr da; und doch scheint sie im Raum zu stehen.
Unsinn, alkoholgesteuerter Blödsinn; ganz schnell vergessen …
Verdammt; warum bloß will sie mir nicht aus dem Kopf?

***




Housewarming


Na, so eine Krax’n!
Schrecklich, wie sich die alte Garnitur des G2 durch die Döblinger Hauptstraße müht.
Trotzdem betrachte ich interessiert die recht betagten, in weiterer Folge aber auch durchaus attraktiven Gebäude des mir völlig unbekannten Straßenzuges.
Auch diese Straßenbahnlinie ist mir eigentlich recht fremd.
Genauestens befolge ich die Wegbeschreibung, die mir Robert anlässlich eines kurzen, ungewöhnlich gestressten Treffens in die Hand gedrückt hat. Ich kenne mich in diesem Stadtbezirk absolut nicht aus. Alles hier ist für mich Neuland.
Ich blicke auf den kleinen Zettel, den ich seit dem Einsteigen auf der Zweierlinie krampfhaft in der Hand halte.
Diese Station müsste die Richtige sein! Tatsächlich!
Und dann nach links, steht hier.
Na gut …
Und nun bis Nummer 9.
Aha; sieht hübsch aus; eine nette Gartenanlage umgibt die dreistöckigen Wohnhäuser.
Je näher ich meinem Ziel komme, desto mehr freue ich mich, Sylvia, Claudia und auch die Burschen wiederzusehen.
Zügig, in freudiger Erwartung marschiere ich zur dritten Stiege, gehe in den zweiten Stock hinauf, läute bei Nummer 12.
Durch die Türe vernehme ich bereits ziemlichen Krach. Also; richtig falsch kann ich wohl nicht sein!
Vorsichtig nehme ich meinen Rucksack von den Schultern und entnehme ihm den gestern noch rasch besorgten hübschen Blumenstock mit Ursumbaraveilchen als Geschenk zur Housewarming.
Immerhin ist die Herrin des Hauses ja ein hübsches junges Mädchen.
Leider kenne ich sie überhaupt nicht; so weiß ich natürlich auch nicht, welche Blumen sie nun schätzt. Allerdings sind diese Veilchen derzeit angeblich sehr gefragt. Also, was kann da schon groß schief gehen …
Die Wohnungstüre öffnet sich. Eine Wolke aus Lärm und Zigarettendunst quillt mir entgegen.
Eigentlich hatte ich ja Sylvia erwartet, die mich empfängt, doch steht stattdessen Robert in der Türe. Er grinst mich an: „Servus, mein Lieber! Tritt ein, bring Glück herein!“
Ich bin überrascht und blicke ein wenig verlegen auf das Blumenstöckchen.
„Hoppla, damit hab ich jetzt nicht gerechnet – aber servus, du untreue Seele! Von dir hab ich ja seit Wochen schon nichts mehr Profundes gehört!“
„Ich weiß, entschuldige … reden wir einfach später weiter. Ich muss jetzt der Sylvia helfen. Sie flippt schon komplett aus. Es sind einfach zu viele Leute hier. Das schafft sie alleine nicht! Da nehme ich ihr gleich den Blumenstock mit. Sie freut sich sicher, und vielleicht baut sie das auf.“
„O.k. Passt schon!“
Ich reiche ihm den Topf und kratze mich hinter dem linken Ohr. Ist mir da irgendetwas völlig entgangen?
Na ja, ich war ja in der letzten Zeit eigentlich auch nicht unbedingt besonders gesellig. Ich musste für mein allerletztes Jahreskonzert bei meiner Klavierprofessorin üben, üben, üben.
Es hat mir jedoch richtig Spaß gemacht! Spielt doch die von mir durchaus ein wenig verehrte, höchst anziehende Brigitte mit der Professorin zusammen auf dem Pianino vierhändig den Orchesterpart. Ich darf auf dem Konzertflügel den Klavierpart geben: „Rhapsodie in Blue“ von Gershwin, ein teuflisch schwieriges Werk!
Dieses musikalische Zusammenspiel hat übrigens schon im Vorjahr mit Tschaikowskis Klavierkonzert vortrefflich funktioniert. Das Auditorium hat uns damals mit frenetischem Beifall gedankt!
Brigitte, ja, sie ist wirklich lieb. Wir mögen uns echt gerne und sie musiziert vorzüglich. Schade, dass sie noch immer ein bisschen mit einem alten Schulfreund verbandelt und außerdem recht fromm und keusch erzogen ist.
Also, viel geht da leider wirklich nicht …
Trotzdem sind die kurzen gemeinsamen Kaffeehausbesuche nach den Übungsstunden immer ein absolutes Highlight des Tages.
Komisch, letzthin hat die zwar schon ein wenig betagte, jedoch unglaublich fähige, strenge, trotzdem aber sehr beliebte Frau Professor listig lächelnd gemeint, wir mögen doch mit dem Umhalsen warten bis die Übungsstunde zu Ende ist. Hat die vornehme Dame etwas bemerkt, was uns entgangen ist, was wir vielleicht nicht wahrhaben wollten? Wollte sie sich gar als Kupplerin versuchen?
Sei es wie es sei …
Ich betrete jedenfalls den winzigen Flur, werfe Mantel und Rucksack auf einen mächtigen Haufen der verschiedensten Oberbekleidungen, gehe in das recht geräumige Wohnzimmer, blicke mich um. Mörderisch, was da los ist.
Mit einiger Mühe erkenne ich einige unserer Freunde vom Café, aber auch Claudia und Bob. Die beiden lungern in einer Zimmerecke auf dem Boden herum, quatschen, blödeln. Bob sieht mich, grinst mich an, steht auf, klopft mir freundschaftlich auf die Schultern: „Servas …“
Ich setze mich zu ihnen.
Der Lärm ist ohrenbetäubend. Kaum versteht man sein eigenes Wort.
Nun bemerkt mich auch Claudia, lacht mich an.
„Hey, schön, dass du da bist!“
„Grüß dich! Sag, wo ist denn die Hausherrin?“
„Ich glaube, die werkelt in der Küche herum. Schau, dort hinten, in diesem kleinen Gelass.“
Ich blicke mich um und bemerke tatsächlich Sylvia, die völlig aus dem Häuschen irgendwelche obskuren Brötchen mit gleichermaßen obskuren Aufstrichen beschmiert.
Robert steht bei ihr, streicht ihr übers Haar, versucht sie zu beruhigen.
„Eine Frage, Claudia: Was ist eigentlich mit Robert und Sylvia los? Was läuft da?“
„Ja, weißt du das nicht? Der Robert ist gemeinsam mit Sylvia hier eingezogen …“
...
5 Sterne
Emotionalität und Leidenschaft - 20.05.2026
Anton R.

Ende der 70er im Wien. Sylvia und Daniel treffen aufeinander, sind voneinander fasziniert. Sie von Daniels Musikalität, seiner Kreativität, seinen Talenten. Er von Sylvias Schönheit, ihrem Charisna, ihrer erotischen Ausstrahlung.Sinnlichkeit durchzieht das ganze Werk, doch fast immer nur im Nichtgesagten, im Subtext.Wo das Wort endet beginnt die Musik

5 Sterne
Fast wie ein Film ... - 01.03.2026
Brigitte T.

Bicher führt uns in die zwar komplexe, jedoch umso intensivere Beziehung zwischen Daniel und Sylvia an deren Schwelle zum Erwachsenwerden in den späten 70ern in Wien.Der Autor verwebt nahezu impressionistische sprachliche Bilder mit einer Art "Soundtrack", offenbar Ausdruck von tiefem musikalischen Hintergrund.Ein Erlebnis für ALLE Sinne!

5 Sterne
Der Balkon - eine Zwischenwelt  - 24.02.2026
Johann H

Manchmal sezierend, dann wieder voller Selbstironie, hastige Tagebucheintragungen, dann philosophisch reflektierend; dazwischen bewegende Dialoge - so setzt sich der gereifte, gealterte Daniel mit seinem jugendlichen Ich auseinander. Und das alles ist eingebettet in das Wiener Flair der analogen 70er. Es werden Fehler gemacht, viele Fehler, doch sie werden letzten Endes verziehen. Eine starke Botschaft an unsere oft oberflächliche, optimierende "Bildschirmzeit". Ein humanistisches, ein mutiges Werk! Bichers Opus Magnum?

5 Sterne
Lesehighlight - 21.06.2025
Jessie V.

Ein wares Meisterwerk der Wortgewandtheit. Ich habe das Buch in einer Sitzung verschlungen und war begeistert. Jede Szene ist liebevoll ausgearbeitet und authentisch dargestellt. Absolut empfehlenswert für alle, die sich nach einer wunderschönen Liebesgeschichte sehnen.

5 Sterne
Eindrucksvolle Liebesgeschrichte - 26.05.2025
George

Der Balkon ist ein Brennpunkt des jungen Erwachsenenalters. Mit seinem neuen Opus in Tagebuchform nimmt uns Reinhard Bicher mit auf eine Berg und Talfahrt der Gefühle. Man spürt die Glückseligkeit, aber auch die Traurigkeit der letztlich unerfüllten Liebe. Authentische Jugenderinnerungen werden wach.

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