Tazaris
Mehr als nur ein Spiel
EUR 23,90
Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 286
ISBN: 978-3-99130-884-3
Erscheinungsdatum: 20.11.2025
Zwei Welten, zwei Herrscher. Doch als sich die Tochter des Menschenkönigs in die Unterwelt schleicht, begegnet sie Tazaris. Herrscher der Dunkelheit. Verboten anziehend. Und er weiß, wer sie ist. Was beginnt, ist ein Spiel aus Macht, Lügen und verbotener Lust.
1: Die Geister, die ich rief …
Einführung
Musik:
Eldrvak – The Endless Farewell
Du bist in deinen Gemächern und wartest darauf, dass es endlich dunkel wird.
Gemeinsam mit einer Freundin willst du dich heute in die Unterwelt schleichen, um Tazaris zu sehen. Du kannst dich nicht erinnern, dass du jemals so aufgeregt warst wie an diesem Tag.
Wir haben eine echte Chance, Tazaris zu sehen!
Endlich … Ich kann es kaum fassen!
Du verlierst dich in deinen Gedanken, während du vor dem Spiegel stehst und dich zurechtmachst.
Schon als kleines Kind hast du die Bücher über Tazaris und seine Reiter oder seine Welt verschlungen.
Doch den Menschen ist es verboten, die andere Seite zu betreten oder mit ihr in Kontakt zu stehen. Sie soll furchterregend und grausam sein, doch das wolltest du nie glauben. Zu oft hast du dich schon selbst über die Grenze geschlichen und Zeit in der anderen Welt verbracht.
Sie ist anders, ja …
… aber nicht grausam, höchstens dunkel und heiß!
Aber die Menschen halten sich aus Angst vor deinem Vater an das Verbot und meiden diese Welt.
Es war der Tag, an dem dein Vater gekrönt wurde.
Alle drei Welten waren vereint und wollten den neuen Herrscher der Menschen ehren. Doch der Tag warf einen Schatten über die Ordnung eurer Welten und ließ sie in die ewigen Kriege verfallen.
Mein Vater war derjenige, der beide Welten gegeneinander aufbrachte und Intrigen schürte.
Er wollte sich mit der Dritten Welt gegen Tazaris verbünden und ihn stürzen.
Du beißt dir einen Moment auf die Zähne „als du an deine Mutter denken musst. Von ihr hast du erfahren, was an diesem Tag wirklich geschah, und nicht das, was in den Büchern darüber zu finden ist.
Sie ist gestorben, als du noch jünger warst, und hat dich mit einem kalten, gnadenlosen Vater zurückgelassen.
Er hasst dich seit deiner Geburt!
Du bist nicht der Sohn, der Thronfolger, geworden, den er sich so sehnlichst erhofft hat. Er hat dir und deiner Mutter das Leben zur Hölle gemacht und keine Gelegenheit ausgelassen, euch spüren zu lassen, was er von euch gehalten hat!
Schluss jetzt!
Ich will jetzt nicht über meinen Vater nachdenken.
Er wird die nächsten drei Tage nicht hier sein, sondern wieder auf Jagd, wie er es immer so schön ausdrückt …
Was nichts anderes heißt als Saufen und Rumhuren in fremden Städten!
Heute will ich Spaß haben.
Heute zählt nur Tazaris!
Du siehst dich im Spiegel an und bist zufrieden mit deinem Outfit. Die Unterwelt ist speziell und viel freizügiger, als es hier üblich ist.
Deine dunklen Haare fallen offen über deine nackten Schultern, während du dir ein knappes, schwarzes Kleid über die Hüfte nach oben ziehst. Es schmiegt sich eng an deine Haut und endet kurz über deinem Hintern.
Es ist sexy und genau richtig für die Unterwelt!
Nachdem du dich zufrieden angegrinst hast, läufst du neugierig zum Fenster und erfreust dich an der Dunkelheit.
Es ist endlich Zeit!
Du lachst auf und siehst ein letztes Mal in den Spiegel. Danach gehst du zur Tür hinaus und schleichst dich aus dem Schloss.
Wie gesagt, du hast es schon so oft gemacht, dass du genau weißt, wie du unbemerkt auf die andere Seite kommen wirst.
Ich treffe mich mit Leonora auf der anderen Seite.
Sie ist genauso verrückt nach Tazaris wie ich.
Kein Mensch hat ihn gesehen – außer meinem Vater!
Aber kein Mensch weiß wirklich etwas über ihn.
Heute könnten wir die einzige Chance haben,
ihn endlich mit eigenen Augen zu sehen!
Schon ein winziger Stein …
… kann eine gewaltige Lawine auslösen!
Der Palast von Tazaris ist viel zu weit weg, als dass ihr euch dorthin schleichen könntet. Es wäre viel zu gefährlich und könnte euren Tod bedeuten.
Oder gar Krieg?
Deine Abenteuer sind leichtfertig und riskant.
Wenn dich jemand erkennen würde, könnte das eine Katastrophe bedeuten!
Euretwegen könnten die Welten wieder in einen Krieg geraten.
Es ist nicht so, dass es dir egal wäre, aber du lebst in einem kalten, goldenen Käfig, aus dem du einfach ausbrechen musst, um nicht verrückt zu werden!
Doch heute kehrt Tazaris mit zurück.
Er hat den Krieg mit der Dritten Welt beendet!
Lange Zeit ist er mit seinen Reitern fortgegangen und hat allein gegen die Dritte Welt gekämpft. Tazaris hat den Krieg beendet, den die Menschen angefangen haben…
Es ist ein legendärer Tag, der in die Geschichte eingehen wird!
Und du willst unbedingt Zeuge davon werden!
Wir werden ihn auf dem Weg zu seinem Palast sehen können, wenn er mit seinen Reitern nach Hause kommt.
Ich kriege jetzt schon eine Gänsehaut, wenn ich daran denke.
Er ist der einzige Herrscher, der seine Kriege und Schlachten selbst führt. Ich kenne sonst niemanden, auch nicht in den Büchern! Ihre Welt ist eigentlich friedlich und harmonisch…
Er muss ein Herrscher sein, wie man sich ihn nur wünschen kann!
Du verlierst dich in deinen Gedanken über Tazaris.
Warum du so ein großes Interesse an ihm hast, weißt du gar nicht.
Aber es ist das größte Geschenk, das man dir machen könnte, dir die Möglichkeit zu geben, Tazaris mit eigenen Augen zu sehen!
Vielleicht ist es, weil du die Tochter eines feigen, kalten und grausamen Königs bist, aber allein der Gedanke an einen Herrscher, der sich so vor sein Volk stellt, lässt dein Herz schneller schlagen!
Dein Ziel ist in greifbarer Nähe, doch du musst dich immer wieder in Deckung begeben und kleinere Umwege nehmen. Die Menschen haben die Zahl ihrer Wachen fast verdoppelt und es scheint auf der anderen Seite genauso auszusehen.
Die letzten Hürden sind überwunden und du steuerst zielstrebig auf euren Treffpunkt zu. Als du den letzten Hügel einer felsigen Reihe von steilen Pfaden erklommen hast, siehst du endlich deine Freundin Leonora.
Sie wartet in einer kleinen Felsnische auf dich und winkt zu dir rüber, als sie dich bemerkt. Du läufst zu ihr und begrüßt sie eilig.
Ihr habt nur noch wenig Zeit, um Tazaris nicht zu verpassen.
„Wir müssen vorsichtig sein, sie haben überall ihre Wächter aufgestellt.
Wahrscheinlich werden sie heute keine Störungen von uns Menschen dulden!“, ächzt Leo, als sie sich zwischen eine kleine Felsöffnung zwängt.
Du folgst ihr und stimmst ihr zu, schließlich wisst ihr, dass sie den Krieg nur euch Menschen zu verdanken haben. „Verständlich!“, erwiderst du.
Ihr unterhaltet euch leise und flüsternd, während ihr euren Weg voranschreitet.
Diese Welt ist felsig und heiß!
Überall sind kleine Bäche aus fließender Lava, sprühenden Funken und riesige Feuerstellen. Der Himmel ist in blutrote Farbe getaucht und der Mond ist so groß, wie du ihn noch nie gesehen hast.
Je länger ihr euch hier aufhaltet oder je näher ihr dem Palast kommt, desto heißer wird euch. Ihr seid eh schon am Schwitzen, als ihr auch noch einen Felsen seht, über den ihr klettern müsst.
Aber du genießt diese Welt trotzdem … als würdest du dich hier, seltsamerweise, wohlfühlen.
Ihr verlasst die felsigen Pfade und steuert direkt auf die Stadt Ginera zu, die den Palast von Tazaris umringt.
Je näher ihr euch in der Zivilisation vorkämpft, desto mehr Wesen und Wächter kreuzen euren Weg.
Hier sind viele Ruinen?
Der Krieg mit der Dritten Welt hat seine Spuren hinterlassen …
Leider müsst ihr weitere Umwege nehmen, die euch direkt zwischen Ruinen und Trümmern vorbeiführen.
Deine Augen gleiten mitfühlend über deine Umgebung, als könntest du den Schmerz nachempfinden, der verursacht wurde und noch immer präsent scheint.
Deine Freundin Leonora hingegen kann gar nicht mehr aufhören, von Tazaris zu sprechen und zu schwärmen.
„Meinst du, es wird Suurin geben?“, fragt sie dich und stöhnt angetan auf. Die Suurin sind menschliche Frauen, die sich dem Herrscher dieser Unterwelt anbieten. Sie können seine Gespielinnen werden oder so etwas wie Ehefrauen.
Bei einem Siegesfest wie dem heutigen würden sich doch bestimmt viele Frauen anbieten. Zumindest war das früher so.
Aber es ist Jahrzehnte her, dass es so was wie eine Suura gab, schließlich hat dein Vater das Betreten dieser Welt verboten.
„Stell dir das vor, Medina … Die Suura von Tazaris … Oh mein Gott, was könnte es Heißeres geben?“, schwärmt sie kichernd.
Es sollen die schönsten Frauen der Welt gewesen sein. Allein ihr Blick soll ewiges Glück bedeuten.
Auch du verlierst dich schwärmend in deinen Gedanken und stellst dir die Suurin vor, zusammen mit Tazaris. Doch dann quält dich die Frage nach Tazaris’ Körper wieder. Wie wird er aussehen?
Ob er überhaupt eine menschliche Gestalt hat?
Wie stellt man sich denn den Herrscher der Unterwelt vor?
Als Kind dachte ich immer, er würde aussehen wie ein Engel mit Flügeln, nur dunkel und gezeichnet.
Du spürst die Anspannung in deiner Brust wachsen.
Dieser Weg ist schon Nervenkitzel pur, wie wird sich das erst anfühlen, wenn ihr Zeuge eines so bedeutenden Heimkommens werdet?
Eure Zeit drängt und ihr müsst euch wirklich beeilen, um noch pünktlich ein Versteck zu finden.
Doch die trügerische Ruhe lässt euch leichtsinnig werden.
Ihr werdet unvorsichtig!
Als Leonora um die Ecke biegt und in die nächste Gasse sieht, schreckt sie plötzlich zurück!
„Wächter!“, zischt sie aufgeregt und geht in Deckung.
Du suchst dir ebenfalls Schutz in einer gegenüberliegenden Nische und hältst den Atem an. Zwei Wächter kommen tatsächlich in eure Richtung!
Die Wächter dieser Welt sind eigentlich harmlose Wesen. Sie sehen sogar menschlich aus.
Ihre Sinne sind das Gefährliche an ihnen, sie sind messerscharf und übernatürlich ausgeprägt. Es macht sie im wahrsten Sinne zu perfekten Wächtern und Jägern!
Du spähst zu ihnen herüber und beobachtest sie vorsichtig. Sie unterhalten sich über die Reiter von Tazaris.
„Ich wäre auch ein guter Reiter!“, scherzt der eine von ihnen, als er genervt einen Stein wegtritt. „Ja, deswegen bist du ja hier und patrouillierst mit mir!“, lacht der andere laut auf und verspottet ihn.
„Was war das?“
Leonora hat einen Schritt zur Seite gewagt und ist gegen einen Stein getreten.
Die Wächter haben es gehört und schwärmen suchend nach euch aus.
Du willst Leonora irgendwie helfen, sie wird in wenigen Sekunden entdeckt, wenn du nichts tust.
Doch dann fällt dir etwas ein.
Du schnappst dir einen Stein und wirfst ihn weit weg, in eine andere Richtung.
Es klappt sogar! Die Wächter laufen eilig zu dem Geräusch und entfernen sich von Leonora.
„Danke!“, formt sie mit ihren Lippen und wirft dir einen Kussmund zu.
Aber dann haut sie ab? Sie lässt dich einfach im Stich und rettet sich selbst?!
Noch bevor du dich in einer fassungslosen Wut verlierst, spürst du plötzlich eine Hand auf deiner Schulter.
„Na, wen haben wir denn da?“
Oh nein!
Sie haben mich entdeckt!
Du drehst dich erschrocken zur Seite und siehst direkt in ein breites Grinsen von einem der Wächter!
Er greift nach dir und zieht dich einfach aus deinem Versteck.
Du zappelst, wehrst dich und schlägst um dich, aber sie sind inzwischen zu zweit und weitaus kräftiger als du!
„Bitte, lasst mich gehen … Ich habe nichts verbrochen, ehrlich!“ Du redest auf sie ein und bittest sie, dich doch gehen zu lassen. Doch dir wird nur mit spöttischem Gelächter begegnet.
„Oh nein, meine Hübsche!
Der Haftrichter wird sich über einen Fund wie dich freuen!“
Sie sind grob und scheinen nicht sehr intelligent zu sein, die Gespräche der beiden sind ziemlich flach …
Du bist schon fast genervt davon, als einer dir etwas zu lange an deinem Körper hinabsieht. „Sie ist wunderschön, oder? Schöner als die Suurin, die ich gesehen habe!“, schwärmt einer der beiden. Sein Genosse nickt ihm zu und schnurrt einmal hingerissen auf. Er gibt ihm recht und brummt hingerissen.
Aber in deinem Köpfchen sind nur die Worte hängen geblieben, dass es die Suurin wirklich gibt. Trotz deiner Situation bist du froh, das erfahren zu haben.
Es scheint die Suurin wirklich zu geben?
Wenigstens weiß ich das jetzt.
Ob ich Leonora jemals davon erzählen kann?
Deine Versuche, dich herauszureden, schlagen immer wieder fehl.
Du versuchst, sie davon zu überzeugen, dass sie dich freilassen sollen, doch es bleibt einfach vergeblich.
Kein Wort und kein Flehen helfen – sie nehmen dich mit!
Wie soll ich denn hier wieder rauskommen?
Sie bringen mich direkt zum Palast!
Die Wächter beeilen sich, dich zum Palast zu bringen, denn auch sie wollen die Heimkehr von Tazaris sehen.
„Wir müssen sie schnell zu Lyrio bringen, danach wird die Brücke gesperrt sein!“, schnauft ein Wächter wütend. Der andere stimmt ihm zu und schleift dich am Oberarm durch die Straßen.
Und je näher ihr dem Palast kommt, desto mehr Wesen laufen euch über den Weg. Manche von ihnen sehen menschlich aus, manche fremd und sonderbar.
Sie strömen aus ihren Häusern und machen sich auf den gleichen Weg wie ihr.
Was habe ich getan?
Ich kann nur noch beten, dass sie mich nicht erkennen.
Wenn sie herausfinden, dass ich die Tochter des Königs bin, werde ich vielleicht sofort getötet?
Oder noch schlimmer, gefangen genommen?
Ich weiß nichts über sie.
Was machen sie mit den Menschen, die die Grenze verbotenerweise übertreten?
Erst recht an so einem Tag.
Was habe ich mir nur gedacht …
Und schon ein winziger Stein …
… kann eine ganze Lawine auslösen …
Tazaris kommt nach Hause
Musik:
Kveld – Der Hornede
(Absolut zu empfehlen!)
Ihr seid angekommen!
Du kannst deinen Augen nicht trauen, als du die Größe dieses beeindruckenden Bauwerkes siehst. Ein gigantischer Palast erstreckt sich majestätisch aus einem noch viel größeren Felsen heraus.
Es sieht aus, als würde er fast dreieckig zulaufen, wobei die Spitze den Eingang darstellt. Nur zu erreichen über eine Brücke, die direkt über einen reißenden Strom aus fließender Lava führt.
Sie zerren dich durch die Massen hindurch und wollen es noch bis zur Brücke schaffen, bevor sie gesperrt wird.
Doch es sind bestimmt Hunderte und Tausende von Wesen hier, die alle auf Tazaris und seine Reiter warten.
...
Einführung
Musik:
Eldrvak – The Endless Farewell
Du bist in deinen Gemächern und wartest darauf, dass es endlich dunkel wird.
Gemeinsam mit einer Freundin willst du dich heute in die Unterwelt schleichen, um Tazaris zu sehen. Du kannst dich nicht erinnern, dass du jemals so aufgeregt warst wie an diesem Tag.
Wir haben eine echte Chance, Tazaris zu sehen!
Endlich … Ich kann es kaum fassen!
Du verlierst dich in deinen Gedanken, während du vor dem Spiegel stehst und dich zurechtmachst.
Schon als kleines Kind hast du die Bücher über Tazaris und seine Reiter oder seine Welt verschlungen.
Doch den Menschen ist es verboten, die andere Seite zu betreten oder mit ihr in Kontakt zu stehen. Sie soll furchterregend und grausam sein, doch das wolltest du nie glauben. Zu oft hast du dich schon selbst über die Grenze geschlichen und Zeit in der anderen Welt verbracht.
Sie ist anders, ja …
… aber nicht grausam, höchstens dunkel und heiß!
Aber die Menschen halten sich aus Angst vor deinem Vater an das Verbot und meiden diese Welt.
Es war der Tag, an dem dein Vater gekrönt wurde.
Alle drei Welten waren vereint und wollten den neuen Herrscher der Menschen ehren. Doch der Tag warf einen Schatten über die Ordnung eurer Welten und ließ sie in die ewigen Kriege verfallen.
Mein Vater war derjenige, der beide Welten gegeneinander aufbrachte und Intrigen schürte.
Er wollte sich mit der Dritten Welt gegen Tazaris verbünden und ihn stürzen.
Du beißt dir einen Moment auf die Zähne „als du an deine Mutter denken musst. Von ihr hast du erfahren, was an diesem Tag wirklich geschah, und nicht das, was in den Büchern darüber zu finden ist.
Sie ist gestorben, als du noch jünger warst, und hat dich mit einem kalten, gnadenlosen Vater zurückgelassen.
Er hasst dich seit deiner Geburt!
Du bist nicht der Sohn, der Thronfolger, geworden, den er sich so sehnlichst erhofft hat. Er hat dir und deiner Mutter das Leben zur Hölle gemacht und keine Gelegenheit ausgelassen, euch spüren zu lassen, was er von euch gehalten hat!
Schluss jetzt!
Ich will jetzt nicht über meinen Vater nachdenken.
Er wird die nächsten drei Tage nicht hier sein, sondern wieder auf Jagd, wie er es immer so schön ausdrückt …
Was nichts anderes heißt als Saufen und Rumhuren in fremden Städten!
Heute will ich Spaß haben.
Heute zählt nur Tazaris!
Du siehst dich im Spiegel an und bist zufrieden mit deinem Outfit. Die Unterwelt ist speziell und viel freizügiger, als es hier üblich ist.
Deine dunklen Haare fallen offen über deine nackten Schultern, während du dir ein knappes, schwarzes Kleid über die Hüfte nach oben ziehst. Es schmiegt sich eng an deine Haut und endet kurz über deinem Hintern.
Es ist sexy und genau richtig für die Unterwelt!
Nachdem du dich zufrieden angegrinst hast, läufst du neugierig zum Fenster und erfreust dich an der Dunkelheit.
Es ist endlich Zeit!
Du lachst auf und siehst ein letztes Mal in den Spiegel. Danach gehst du zur Tür hinaus und schleichst dich aus dem Schloss.
Wie gesagt, du hast es schon so oft gemacht, dass du genau weißt, wie du unbemerkt auf die andere Seite kommen wirst.
Ich treffe mich mit Leonora auf der anderen Seite.
Sie ist genauso verrückt nach Tazaris wie ich.
Kein Mensch hat ihn gesehen – außer meinem Vater!
Aber kein Mensch weiß wirklich etwas über ihn.
Heute könnten wir die einzige Chance haben,
ihn endlich mit eigenen Augen zu sehen!
Schon ein winziger Stein …
… kann eine gewaltige Lawine auslösen!
Der Palast von Tazaris ist viel zu weit weg, als dass ihr euch dorthin schleichen könntet. Es wäre viel zu gefährlich und könnte euren Tod bedeuten.
Oder gar Krieg?
Deine Abenteuer sind leichtfertig und riskant.
Wenn dich jemand erkennen würde, könnte das eine Katastrophe bedeuten!
Euretwegen könnten die Welten wieder in einen Krieg geraten.
Es ist nicht so, dass es dir egal wäre, aber du lebst in einem kalten, goldenen Käfig, aus dem du einfach ausbrechen musst, um nicht verrückt zu werden!
Doch heute kehrt Tazaris mit zurück.
Er hat den Krieg mit der Dritten Welt beendet!
Lange Zeit ist er mit seinen Reitern fortgegangen und hat allein gegen die Dritte Welt gekämpft. Tazaris hat den Krieg beendet, den die Menschen angefangen haben…
Es ist ein legendärer Tag, der in die Geschichte eingehen wird!
Und du willst unbedingt Zeuge davon werden!
Wir werden ihn auf dem Weg zu seinem Palast sehen können, wenn er mit seinen Reitern nach Hause kommt.
Ich kriege jetzt schon eine Gänsehaut, wenn ich daran denke.
Er ist der einzige Herrscher, der seine Kriege und Schlachten selbst führt. Ich kenne sonst niemanden, auch nicht in den Büchern! Ihre Welt ist eigentlich friedlich und harmonisch…
Er muss ein Herrscher sein, wie man sich ihn nur wünschen kann!
Du verlierst dich in deinen Gedanken über Tazaris.
Warum du so ein großes Interesse an ihm hast, weißt du gar nicht.
Aber es ist das größte Geschenk, das man dir machen könnte, dir die Möglichkeit zu geben, Tazaris mit eigenen Augen zu sehen!
Vielleicht ist es, weil du die Tochter eines feigen, kalten und grausamen Königs bist, aber allein der Gedanke an einen Herrscher, der sich so vor sein Volk stellt, lässt dein Herz schneller schlagen!
Dein Ziel ist in greifbarer Nähe, doch du musst dich immer wieder in Deckung begeben und kleinere Umwege nehmen. Die Menschen haben die Zahl ihrer Wachen fast verdoppelt und es scheint auf der anderen Seite genauso auszusehen.
Die letzten Hürden sind überwunden und du steuerst zielstrebig auf euren Treffpunkt zu. Als du den letzten Hügel einer felsigen Reihe von steilen Pfaden erklommen hast, siehst du endlich deine Freundin Leonora.
Sie wartet in einer kleinen Felsnische auf dich und winkt zu dir rüber, als sie dich bemerkt. Du läufst zu ihr und begrüßt sie eilig.
Ihr habt nur noch wenig Zeit, um Tazaris nicht zu verpassen.
„Wir müssen vorsichtig sein, sie haben überall ihre Wächter aufgestellt.
Wahrscheinlich werden sie heute keine Störungen von uns Menschen dulden!“, ächzt Leo, als sie sich zwischen eine kleine Felsöffnung zwängt.
Du folgst ihr und stimmst ihr zu, schließlich wisst ihr, dass sie den Krieg nur euch Menschen zu verdanken haben. „Verständlich!“, erwiderst du.
Ihr unterhaltet euch leise und flüsternd, während ihr euren Weg voranschreitet.
Diese Welt ist felsig und heiß!
Überall sind kleine Bäche aus fließender Lava, sprühenden Funken und riesige Feuerstellen. Der Himmel ist in blutrote Farbe getaucht und der Mond ist so groß, wie du ihn noch nie gesehen hast.
Je länger ihr euch hier aufhaltet oder je näher ihr dem Palast kommt, desto heißer wird euch. Ihr seid eh schon am Schwitzen, als ihr auch noch einen Felsen seht, über den ihr klettern müsst.
Aber du genießt diese Welt trotzdem … als würdest du dich hier, seltsamerweise, wohlfühlen.
Ihr verlasst die felsigen Pfade und steuert direkt auf die Stadt Ginera zu, die den Palast von Tazaris umringt.
Je näher ihr euch in der Zivilisation vorkämpft, desto mehr Wesen und Wächter kreuzen euren Weg.
Hier sind viele Ruinen?
Der Krieg mit der Dritten Welt hat seine Spuren hinterlassen …
Leider müsst ihr weitere Umwege nehmen, die euch direkt zwischen Ruinen und Trümmern vorbeiführen.
Deine Augen gleiten mitfühlend über deine Umgebung, als könntest du den Schmerz nachempfinden, der verursacht wurde und noch immer präsent scheint.
Deine Freundin Leonora hingegen kann gar nicht mehr aufhören, von Tazaris zu sprechen und zu schwärmen.
„Meinst du, es wird Suurin geben?“, fragt sie dich und stöhnt angetan auf. Die Suurin sind menschliche Frauen, die sich dem Herrscher dieser Unterwelt anbieten. Sie können seine Gespielinnen werden oder so etwas wie Ehefrauen.
Bei einem Siegesfest wie dem heutigen würden sich doch bestimmt viele Frauen anbieten. Zumindest war das früher so.
Aber es ist Jahrzehnte her, dass es so was wie eine Suura gab, schließlich hat dein Vater das Betreten dieser Welt verboten.
„Stell dir das vor, Medina … Die Suura von Tazaris … Oh mein Gott, was könnte es Heißeres geben?“, schwärmt sie kichernd.
Es sollen die schönsten Frauen der Welt gewesen sein. Allein ihr Blick soll ewiges Glück bedeuten.
Auch du verlierst dich schwärmend in deinen Gedanken und stellst dir die Suurin vor, zusammen mit Tazaris. Doch dann quält dich die Frage nach Tazaris’ Körper wieder. Wie wird er aussehen?
Ob er überhaupt eine menschliche Gestalt hat?
Wie stellt man sich denn den Herrscher der Unterwelt vor?
Als Kind dachte ich immer, er würde aussehen wie ein Engel mit Flügeln, nur dunkel und gezeichnet.
Du spürst die Anspannung in deiner Brust wachsen.
Dieser Weg ist schon Nervenkitzel pur, wie wird sich das erst anfühlen, wenn ihr Zeuge eines so bedeutenden Heimkommens werdet?
Eure Zeit drängt und ihr müsst euch wirklich beeilen, um noch pünktlich ein Versteck zu finden.
Doch die trügerische Ruhe lässt euch leichtsinnig werden.
Ihr werdet unvorsichtig!
Als Leonora um die Ecke biegt und in die nächste Gasse sieht, schreckt sie plötzlich zurück!
„Wächter!“, zischt sie aufgeregt und geht in Deckung.
Du suchst dir ebenfalls Schutz in einer gegenüberliegenden Nische und hältst den Atem an. Zwei Wächter kommen tatsächlich in eure Richtung!
Die Wächter dieser Welt sind eigentlich harmlose Wesen. Sie sehen sogar menschlich aus.
Ihre Sinne sind das Gefährliche an ihnen, sie sind messerscharf und übernatürlich ausgeprägt. Es macht sie im wahrsten Sinne zu perfekten Wächtern und Jägern!
Du spähst zu ihnen herüber und beobachtest sie vorsichtig. Sie unterhalten sich über die Reiter von Tazaris.
„Ich wäre auch ein guter Reiter!“, scherzt der eine von ihnen, als er genervt einen Stein wegtritt. „Ja, deswegen bist du ja hier und patrouillierst mit mir!“, lacht der andere laut auf und verspottet ihn.
„Was war das?“
Leonora hat einen Schritt zur Seite gewagt und ist gegen einen Stein getreten.
Die Wächter haben es gehört und schwärmen suchend nach euch aus.
Du willst Leonora irgendwie helfen, sie wird in wenigen Sekunden entdeckt, wenn du nichts tust.
Doch dann fällt dir etwas ein.
Du schnappst dir einen Stein und wirfst ihn weit weg, in eine andere Richtung.
Es klappt sogar! Die Wächter laufen eilig zu dem Geräusch und entfernen sich von Leonora.
„Danke!“, formt sie mit ihren Lippen und wirft dir einen Kussmund zu.
Aber dann haut sie ab? Sie lässt dich einfach im Stich und rettet sich selbst?!
Noch bevor du dich in einer fassungslosen Wut verlierst, spürst du plötzlich eine Hand auf deiner Schulter.
„Na, wen haben wir denn da?“
Oh nein!
Sie haben mich entdeckt!
Du drehst dich erschrocken zur Seite und siehst direkt in ein breites Grinsen von einem der Wächter!
Er greift nach dir und zieht dich einfach aus deinem Versteck.
Du zappelst, wehrst dich und schlägst um dich, aber sie sind inzwischen zu zweit und weitaus kräftiger als du!
„Bitte, lasst mich gehen … Ich habe nichts verbrochen, ehrlich!“ Du redest auf sie ein und bittest sie, dich doch gehen zu lassen. Doch dir wird nur mit spöttischem Gelächter begegnet.
„Oh nein, meine Hübsche!
Der Haftrichter wird sich über einen Fund wie dich freuen!“
Sie sind grob und scheinen nicht sehr intelligent zu sein, die Gespräche der beiden sind ziemlich flach …
Du bist schon fast genervt davon, als einer dir etwas zu lange an deinem Körper hinabsieht. „Sie ist wunderschön, oder? Schöner als die Suurin, die ich gesehen habe!“, schwärmt einer der beiden. Sein Genosse nickt ihm zu und schnurrt einmal hingerissen auf. Er gibt ihm recht und brummt hingerissen.
Aber in deinem Köpfchen sind nur die Worte hängen geblieben, dass es die Suurin wirklich gibt. Trotz deiner Situation bist du froh, das erfahren zu haben.
Es scheint die Suurin wirklich zu geben?
Wenigstens weiß ich das jetzt.
Ob ich Leonora jemals davon erzählen kann?
Deine Versuche, dich herauszureden, schlagen immer wieder fehl.
Du versuchst, sie davon zu überzeugen, dass sie dich freilassen sollen, doch es bleibt einfach vergeblich.
Kein Wort und kein Flehen helfen – sie nehmen dich mit!
Wie soll ich denn hier wieder rauskommen?
Sie bringen mich direkt zum Palast!
Die Wächter beeilen sich, dich zum Palast zu bringen, denn auch sie wollen die Heimkehr von Tazaris sehen.
„Wir müssen sie schnell zu Lyrio bringen, danach wird die Brücke gesperrt sein!“, schnauft ein Wächter wütend. Der andere stimmt ihm zu und schleift dich am Oberarm durch die Straßen.
Und je näher ihr dem Palast kommt, desto mehr Wesen laufen euch über den Weg. Manche von ihnen sehen menschlich aus, manche fremd und sonderbar.
Sie strömen aus ihren Häusern und machen sich auf den gleichen Weg wie ihr.
Was habe ich getan?
Ich kann nur noch beten, dass sie mich nicht erkennen.
Wenn sie herausfinden, dass ich die Tochter des Königs bin, werde ich vielleicht sofort getötet?
Oder noch schlimmer, gefangen genommen?
Ich weiß nichts über sie.
Was machen sie mit den Menschen, die die Grenze verbotenerweise übertreten?
Erst recht an so einem Tag.
Was habe ich mir nur gedacht …
Und schon ein winziger Stein …
… kann eine ganze Lawine auslösen …
Tazaris kommt nach Hause
Musik:
Kveld – Der Hornede
(Absolut zu empfehlen!)
Ihr seid angekommen!
Du kannst deinen Augen nicht trauen, als du die Größe dieses beeindruckenden Bauwerkes siehst. Ein gigantischer Palast erstreckt sich majestätisch aus einem noch viel größeren Felsen heraus.
Es sieht aus, als würde er fast dreieckig zulaufen, wobei die Spitze den Eingang darstellt. Nur zu erreichen über eine Brücke, die direkt über einen reißenden Strom aus fließender Lava führt.
Sie zerren dich durch die Massen hindurch und wollen es noch bis zur Brücke schaffen, bevor sie gesperrt wird.
Doch es sind bestimmt Hunderte und Tausende von Wesen hier, die alle auf Tazaris und seine Reiter warten.
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