Man lernt es als eines der grundlegendsten Handwerkszeuge für das Schreiben kennen: Benutze Synonyme, vermeide Wortwiederholungen! Es ist eine der häufigsten Korrekturen, die von Lektoren vorgenommen wird, und doch steckt mehr dahinter: Nicht alles, was nach einem Synonym aussieht, ist auch eines.
Wenn man fragt, was einen guten Schriftsteller ausmacht, erhält man immer wieder die etwas vage Antwort: ein guter Sprach- und Schreibstil. Was genau darunter zu verstehen ist, darüber scheiden sich die Geister, und dafür scheint es auch keine klar umrahmte Definition zu geben.
Zu den Dingen, die in diesem Zusammenhang immer wieder auftauchen, zählen Synonyme. Sie gehören wohl zu den greifbareren, konkreten Merkmalen eines guten Stils, und ihre Verwendung wird nicht ohne Grund immer wieder empfohlen – sei es in einem belletristischen Text, einem Online-Artikel oder sogar wissenschaftlichen Arbeiten.
Doch ganz so einfach ist es nicht. Der Einsatz von Synonymen macht einen Text nicht automatisch besser. Die vermeintlich bedeutungsgleichen Worte haben ihre Tücken, die oft nur bei genauerem Hinsehen erkennbar sind. Nicht immer eignet sich ein Wort als Ersatz für ein anderes, und nicht immer ist es überhaupt sinnvoll, in den Begrifflichkeiten zu variieren. Auch Synonyme müssen mit Maß und Ziel genutzt werden: Ein unüberlegter Einsatz kann zu sachlichen Unschärfen oder Missverständnissen führen.
Was sind Synonyme?
Über diese Frage sind sich die meisten Schreibenden im Klaren: Synonyme sind, vereinfacht gesagt, gleichbedeutende Wörter. Sie können austauschbar verwendet werden, ohne dass sich die Kernaussage eines Satzes wesentlich verändert.
Tatsächlich geht die Definition aber tiefer. Die Sprachwissenschaft unterscheidet etwa zwischen vollständigen und teilweisen Synonymen. In der Sprache gilt der Grundsatz, effizient zu sein und Redundanzen soweit wie möglich vermeiden zu wollen – und was wäre redundanter als zwei Wörter, die dasselbe bedeuten? Unter diesem Gesichtspunkt ist es nicht verwunderlich, dass es sehr viel weniger vollständige Synonyme gibt, als man gemeinhin denkt. Viele Wörter, die man für Synonyme halten mag, unterscheiden sich dennoch durch feinste Bedeutungsnuancen. Diese gehen manchmal über den bloßen Sinngehalt des Wortes hinaus und beziehen auch die Tonalität mit ein. Manche Wörter sind eher gehoben, andere sind umgangssprachlich und suggerieren in ihrer Verwendung daher auch einen anderen Kontext. Auch dialektale Unterschiede liegen vor, wie etwa bei der „Kartoffel“ und dem „Erdapfel“.
Deshalb spricht man in vielen Fällen eher von bedeutungsähnlichen – teilweisen – Synonymen als wirklich von bedeutungsgleichen.
Synonyme gehören zu den wichtigsten Stilmitteln einer lebendigen Sprache. Sie ermöglichen es, Gedanken auf unterschiedliche Weise auszudrücken und abwechslungsreich zu gestalten. Gerade deshalb werden sie häufig in Schreibkursen und Stilratgebern empfohlen. Doch ihr Einsatz muss stets bewusst und wohlüberlegt erfolgen; man muss sich fragen, ob das Wort wirklich das bezeichnet, was man sagen möchte, oder ob es eine präzisere oder dem Kontext angemessenere Alternative gibt.
Die Vorteile von Synonymen
Welche Vorzüge es hat, Synonyme zu verwenden, liegt wohl auf der Hand. Wer ein Buch schreibt und anschließend lektorieren hat lassen, wird sicher schon über die Anmerkung „Wortwiederholung“ gestolpert sein, und hat sich dann wahrscheinlich selbst dafür gescholten, diese Offensichtlichkeit nicht bemerkt zu haben. Synonyme erlauben den Gebrauch verschiedener Vokabel, um die Gedanken auszudrücken und zu präzisieren, vermeiden Wiederholungen und machen den Sprachfluss so angenehmer und abwechslungsreicher. Zu viele Wortwiederholungen hingegen machen den Text eintönig und wecken den Eindruck eines eingegrenzten Wortschatzes.
Eines der geläufigsten Beispiele, mit dem es auch oft schon in der Schule geübt wird, ist das Verb „sagen“. Es deckt zwar ab, was zwei Gesprächspartner immer wieder tun, wirkt aber starr und wenig elegant. Verwandte Wörter wie „entgegnen“, „erklären“ oder „antworten“ machen das Leseerlebnis viel klarer. Dabei handelt es sich nicht um deckungsgleiche Synonyme, eher um Präzisierungen. Wer etwas entgegnet, sagt auch etwas, erklärt aber nicht notwendigerweise.
Besonders in literarischen Texten spielen Synonyme eine große Rolle. Romane leben nicht nur von ihrer Handlung, sondern auch von ihrer sprachlichen Gestaltung, und in kaum einer anderen Textsorte wird auch von den Rezipienten so viel Wert auf Stil, Ästhetik und Ausdruck gelegt. Ein abwechslungsreicher Wortschatz erlaubt es Autoren, Bilder und Stimmungen klarer zu vermitteln – siehe das Beispiel um „sagen“.
Synonyme haben genau dort ihre größte Wirkung, wo es im Roman drauf ankommt. Sie erlauben, Beschreibungen mit mehr Ausdruckskraft zu schaffen und Landschaften, Personen oder auch Gefühle differenziert zu schildern. Hierbei geht es oft gar nicht so um die Kernbedeutung des Wortes, sondern viel mehr um die Nuancen, die man vermitteln will. Es macht einen Unterschied, ob jemand „betrübt“ oder „todunglücklich“ ist.
Natürlich geht es nicht nur um diese Bedeutungsunterschiede. Wie schon erwähnt ist es gerade im literarischen Kontext auch von großer Bedeutung, das Leseerlebnis angenehm, abwechslungsreich und lustvoll zu gestalten. Es geht hier nicht um die bloße Übermittlung einer Handlung oder Information, sondern auch um deren Ausgestaltung. Der Einsatz von Synonymen verbessert den Rhythmus eines Textes, da Leser häufige Wiederholungen unbewusst wahrnehmen und es bei jeder weiteren Nennung des immer wieder gleichen Wortes zu einer kurzen Störung des Leseflusses kommt – nicht gerade das, was man sich von seinem entspannten Abend am Sofa wünscht.
Die Nachteile einer übermäßigen Verwendung
So hilfreich Synonyme sein können, so problematisch wird ihr Einsatz, wenn er übertrieben erfolgt. Manche Schreibende versuchen, jedes wiederkehrende Wort zwanghaft durch eine andere Formulierung zu ersetzen. Das Ergebnis ist häufig kein besserer, sondern ein unruhiger und teilweise verwirrender Text.
Die wohl größte Gefahr liegt im Einsatz von Synonymen, die gar keine sind. Selten gibt es zwei Worte, die wirklich das vollkommen Gleiche bedeuten und auch die gleichen gesellschaftlichen und impliziten Nuancen haben. Wer nur der Variation wegen immer wieder auf neue Begriffe ausweicht, riskiert, von dem abzukommen, was er eigentlich sagen möchte. Beim Einsatz eines alternativen Begriffes muss also durchaus geprüft werden, ob sich dieser auch eignet.
In den meisten Fällen lässt sich aus dem Kontext heraus die richtige Bedeutung erschließen, doch es bleibt ein Restrisiko für Missverständnisse. Eine „Emotion“ zum Beispiel ist per Definition etwas Abstraktes, das sich auf einer psychischen Ebene abspielt, während ein „Gefühl“ auch körperlich sein kann. Man kann keine flaue Emotion im Magen haben. Das „Auto“ ist ein klar definiertes Fahrzeug, während der „Wagen“ auch von Pferden gezogen werden kann.
Ein häufiges Phänomen – gerade im Zeitalter der KI – ist auch die gern gemachte Aufzählung von drei Begriffen. Die häufige, immer wieder auftauchende, oft genutzte Aufzählung. Ist es Ihnen aufgefallen? Die Anhäufung von Worten bereichert die Aussage nicht unbedingt. Es wirkt vielmehr wie ein überflüssiges Aufblasen des Satzes mit Worten, die alle dasselbe aussagen und für den Leser keinerlei Mehrwehrt mitbringen. Doch wie wäre es mit der häufigen, wirksamen, beliebten Aufzählung? Diese Zuschreibungen sind zwar weniger redundant, doch bringen dafür ein anderes Problem mit sich: Sie sagen viel mehr aus, als eigentlich gesagt werden hätte sollen, und implizieren Dinge, die mit der Kernaussage nichts mehr zu tun haben und dazu erfunden wurden. Keineswegs handelt es sich um Synonyme, aber dennoch um überflüssige, die Aussage verzerrende Ergänzungen.
Gerade in wissenschaftlichen Texten gilt oft das Gegenteil dessen, was für literarische Texte empfohlen wird: Ein Fachbegriff darf und soll sich wiederholen, denn er steht für einen klar definierten und abgegrenzten Inhalt. Wiederholungen sind hier keine stilistische Schwäche, sondern inhaltliche Präzision. In Sachtexten sind Begriffe oft genau definiert und können daher nicht nach Belieben ausgetauscht werden. Es ist für die Lesenden wichtig, stets zu wissen, wovon gerade die Rede ist. Dies betrifft im Grunde alle Textgattungen, die einen Praxisbezug haben. Verträge, Gesetzestexte, Ratgeber, Bedienungsanleitungen, Kochrezepte. Für alle ist es essenziell, dass immer Klarheit vorherrscht. Natürlich können Wiederholungen für das Auge störend wirken, doch hier hat Verständlichkeit stets den Vorrang gegenüber stilistischer Variation.
Warum viele Synonyme gar keine echten Synonyme sind
Was es unbedingt präsent zu halten gilt, ist, dass viele Wörter, die im Alltag als Synonyme bezeichnet und verwendet werden, nicht vollständig bedeutungsgleich sind – tatsächlich sogar nur die wenigsten. Es handelt sich um die schon erwähnten „teilweisen Synonyme“. Eine feine Nuance dabei ist nicht nur eine eventuelle inhaltliche Abweichung, sondern ihre sprachlichen Register oder ihre emotionale Wirkung.
So wirken etwa „wohnen“ und „residieren“ keineswegs identisch. Während „wohnen“ neutral ist, klingt „residieren“ gehoben und vermittelt häufig den Eindruck von Luxus oder Repräsentation. Ebenso unterscheiden sich „sehen“, „beobachten“, „mustern“ und „betrachten“. Alle beziehen sich auf das Wahrnehmen mit den Augen, beschreiben jedoch unterschiedliche Arten des Sehens und transportieren jeweils eigene Bedeutungsnuancen.
Auch bei Adjektiven zeigt sich dieses Phänomen. Wörter wie „glücklich“, „zufrieden“, „fröhlich“ oder „erleichtert“ werden häufig als Synonyme betrachtet. Tatsächlich beschreiben sie jedoch verschiedene Gefühlslagen. Wer sie beliebig austauscht, verändert oft ungewollt die Aussage eines Satzes.
Hinzu kommt, dass Wörter häufig auch verschiedene stilistische Ebenen besitzen. Es gibt für dieselbe Sache oft eine neutrale, eine gehobene, eine familiäre, eine professionelle oder eine umgangssprachliche Art und Weise, sie auszudrücken. Selbst regionale Einflüsse können eine Rolle spielen. Auch wenn ein solches Wort – wie zuvor etwa „residieren“ den korrekten Sachverhalt ausdrückt, kann es unpassend wirken und eine Konnotation mit sich bringen, die nicht in seine Umgebung passt.
Key Takeaway: In der Sprache gilt das Prinzip der Effizienz. Echte, 100-prozentige Synonyme gibt es daher extrem selten – meist unterscheiden sie sich in Nuancen, Tonalität oder Kontext.
Folgen Sie unserem Blog, wenn Sie mehr Buchgeschichten, Schreibtipps und literarische Rezepte lesen möchten!
– Das Team des novum Verlags

Einen Kommentar schreiben