Kinder- und Jugendliteratur wird in manchen Kreisen ein wenig belächelt. Territorium für die ersten Gehversuche von angehenden Schriftstellerinnen und Schriftstellern. Einfache Handlungen, schlichte Figuren, simple Sprache. Dieser Beitrag zeigt auf, wie viel mehr dahinter steckt.
Die Szene der Kinder- und Jugendliteratur hat sich längst weit über den vermeintlichen Sandkasten hinaus entwickelt. Es ist ein eigenständiger, dynamischer Markt mit Erwartungen, Bedürfnissen und einer interessierten Fangemeinde, für die zu schreiben sich lohnt.
Genau wie alle anderen Genres wartet der Bereich der Jugendliteratur mit seinen Eigenheiten und Merkmalen auf. Wie immer gilt, dass Sie nicht nur für sich selbst schreiben, sondern auch für das Lesepublikum. Gerade im Bereich der Kinderliteratur spielen hier mehrere Faktoren zusammen: Der Text muss für Kinder ansprechend und unterhaltsam sein, die Themen junger Menschen reflektieren und gleichzeitig immer noch deren Eltern überzeugen, die häufig die Kaufentscheidung treffen. Damit ist diese Sparte in der vielleicht einzigartigen Situation, zwei unterschiedliche Zielgruppen zufriedenstellen und den Spagat zwischen Spaß und Pädagogik hinlegen zu müssen.
Wir haben einige Punkte zusammengetragen, die Kinder von Ihren Büchern erwarten könnten – und wiederum solche, auf die Eltern besonderen Wert legen.
Für Kinder: Den Text simpel halten
Es variiert natürlich je nach Altersklasse, aber grundsätzlich ist es nicht wegzudiskutieren: Bücher für Kinder sollten einfacher gehalten sein als für Erwachsene. Viele erzählerische Tricks und Kunstgriffe, die in der Erwachsenenliteratur gut ankommen, würden hier nur für Irritation und große Verständnishürden sorgen. Die Kinderliteratur verdankt ihren etwas unrühmlichen Ruf wohl zum Teil genau diesem Aspekt: Auf literarische Kunststücke wie Rückblenden, rhetorische Figuren oder eine Vielzahl an Perspektiven wird meist verzichtet.
Texte können auf unterschiedliche Weise komplex und anspruchsvoll sein. Dies kann eine dichte Erzählung selbst mit mehreren Handlungssträngen und bewusst undurchschaubaren Abläufen sein – oder auch ganz einfach beim Vokabular beginnen. Es ist keineswegs gesagt, dass Kinder nur simple Dinge verstehen können, doch halten Sie sich vor Augen, dass es schon rein inhaltlich zu Verständnisfragen oder unbekannten Ausdrücken kommen kann, wegen eines schlichten Mangels an Lebenserfahrung, die beim Publikum noch nicht vorausgesetzt werden darf. Behalten Sie die Zielgruppe immer im Hinterkopf.
Für Eltern: Identifikationspotenzial für das Kind
Selten werden Eltern ein Buch für ihre Kinder kaufen, ohne sich davor Gedanken darüber zu machen, wie es beim Nachwuchs ankommt. Sie wollen, dass sich das Kind auch für das Buch interessiert. Gerade in etwas bildungsnäheren Gruppen ist der Trend, die eigenen Kinder eher zum Buch als zum Smartphone zu bringen, sogar recht ausgeprägt.
Doch das glückt nur, wenn das Buch die Kinder nicht langweilt. Es muss also etwas darin vorkommen, was die Aufmerksamkeit und das Interesse binden kann. Und da fragen sich die Eltern dann: Mag das Kind Tiere, Hexen oder Drachen? Dann werden sie auch eher zu entsprechenden Büchern greifen.
Über solche Trends und Interessen informiert zu bleiben, spielt also eine wichtige Rolle. Gespräche mit Eltern, in Tagesstätten oder auch das Beobachten der eigenen Kinder können hier eine wahre Goldgrube sein!
Für Kinder: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte
Hier sprechen wir vor allem von besonders jungem Publikum, das vielleicht selbst noch gar nicht lesen kann. Bilder sind – nicht nur für Kinder – ein schneller Weg, um Aufmerksamkeit zu erregen. Ein ansprechendes Titelbild kann einen größeren Eindruck über ein Buch vermitteln als ein Klappentext – und das auf einen Blick.
Aber nicht nur das: Auch Bilder im Innenteil des Buches spielen eine große Rolle. Gerade Kinder, die noch nicht lesen können oder es gerade erst lernen, erkennen eine Geschichte in erster Linie an den Bildern wieder. Sie erlauben eine bessere Orientierung innerhalb des Textes und erleichtern es auch, sich in die Erzählung einzufühlen und ihr zu folgen. Und ganz nebenher erlauben Illustrationen beim Vorlesen es auch, auditiv und visuell Wahrgenommenes zu verknüpfen und so wichtige Gehirnregionen zu trainieren.
Für Eltern: Eine pädagogische Lektion
Wenn es darum geht, Eltern zu einer Kaufentscheidung zu bewegen, ist dieser Punkt wohl der am meisten beachtete: Sie müssen einen Mehrwert für ihr Kind darin sehen. Egal ob Buch, Spiel oder Kinderserie – es sind immer jene bei Eltern beliebter, die nicht nur unterhalten, sondern bei denen das Kind auch etwas lernen kann.
Dabei suchen sie nicht notwendigerweise nach schlichter, trockener Wissensvermittlung – dafür gibt es schließlich Schulbücher. Eher sind Lektionen gefragt, die Kindern in sozialer oder gesellschaftlicher Hinsicht etwas lehren. Sei es das Zusammenleben mit anderen Menschen, der Umgang mit der Natur oder so etwas Einfaches wie der erste Besuch beim Zahnarzt. Eine Geschichte, die Kindern etwas aus dem Leben zeigt und sie darauf vorbereitet, hat für Eltern einen besonderen Wert und wirkt wie eine kleine Unterstützung bei der Erziehung, die ja bekanntlich schwere Arbeit ist.
Für Kinder: Bloß keine Langeweile!
Was viele erahnen, darauf weisen inzwischen auch schon Untersuchungen hin: Aufmerksamkeit ist ein hohes Gut in unserer Gesellschaft. Durch die ständigen kleinen Dopamin-Kicks, die uns das Smartphone verabreicht, sinkt die Bereitschaft, lange auf Belohnungshormone zu warten – und damit sinkt auch die Aufmerksamkeitsspanne.
Diesem Trend sind auch Kinder ausgesetzt. Eine Geschichte, die sich zu viel Zeit nimmt, um in Schwung zu kommen, kann noch so unterhaltsam, schön ausgestaltet und pädagogisch wertvoll sein – wenn das Kind nicht mehr zuhört, kann sie ihre Wirkung nicht entfalten.
Bei der Aufmerksamkeit spielen natürlich viele Faktoren mit, die Sie als Autor oder Autorin nicht beeinflussen können. Ablenkungen, die während des (Vor-)Lesens präsent sind, stören die Konzentration, und letzten Endes kommt es auch auf die Tagesverfassung an. Doch Sie können Ihren Text so gestalten, dass es leicht fällt, dranzubleiben. Ein linearer, schrittweiser Aufbau des Geschehens ist dabei ein einfaches, aber effektives Mittel. Lassen Sie Aktion und Reaktion, Handlung und Konsequenz unmittelbar aufeinander folgen und legen Sie so eine Spur aus Brotkrumen, an der man leicht dranbleiben kann.
Für Eltern: Im Sinne der Erziehung
Dieser letzte Punkt wirkt vielleicht am unauffälligsten, hat aber vermutlich auch den stärksten Einfluss auf die Kaufentscheidung der Eltern. Sie haben letzten Endes die Kontrolle darüber, welche Bücher ihre Kinder lesen sollen und welche nicht, und die Einstellungen der Eltern bestimmen über die Lektüre der Kinder. Es wird kein Buch geben, das in jedem Haushalt zu finden ist. Ob die Eltern eher liberal oder eher konservativ sind, wirkt sich darauf aus, was sie ihren Kindern beibringen möchten.
Aus Autorensicht ist dieser Faktor nicht zu beeinflussen. Wie bei allen anderen Sparten auch ist die Tatsache einfach gegeben, dass nicht jedem die gleichen Bücher gefallen. Gerade wenn es um die eigenen Kinder geht, sind viele Eltern allerdings besonders empfindlich. Schon kleine Aspekte oder Nebensächlichkeiten, die dem eigenen Weltbild widersprechen – und damit auch dem, das man den eigenen Kindern vermitteln will – können die Waage zum Kippen bringen. Wenn Sie ein Kinderbuch mit einer moralischen oder gesellschaftlichen Botschaft schreiben möchten, ist es daher ratsam, sich zu einer Sache zu bekennen und dabei zu bleiben. Versuchen Sie nicht, es allen recht zu machen – das wird kaum gelingen, und häufig macht man dadurch mehr Menschen unzufrieden, als man gewinnt.

Schon nach diesen wenigen Punkten sollte klar geworden sein: Kinderbücher zu schreiben ist eine ganz eigene Kunst, wendet sie sich doch an zwei Publikumsgruppen, deren Bedürfnisse oft unterschiedlicher nicht sein könnten. Aspekte, die bei der einen Gruppe eine große Rolle spielen, werden von der anderen kaum wahrgenommen.
Der novum Verlag ist stolz auf sein breites Angebot an Kinderbüchern und darauf, viele Autorinnen und Autoren bei der Veröffentlichung begleitet zu haben. Solche Bücher zu schreiben ist kein Zuckerschlecken, und deshalb stellen wir in unserer Schreibwerkstatt, unter unseren Ratgeberbeiträgen oder auch hier auf unserem Blog immer wieder Unterstützungsangebote zur Verfügung, damit Sie Ihrer Tastatur freien Lauf lassen können!
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– Das Team des novum Verlags


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