Briefe schreddern, Altlasten zerknüllen, Steine zerstreuen – mit diesen Schreibtechniken lassen Sie nicht nur Altes los, sondern schaffen dabei auch noch ganz viel Neues.

Briefe schreddern, Altlasten zerknüllen, Steine zerstreuen – mit diesen Schreibtechniken lassen Sie nicht nur Altes los, sondern schaffen dabei auch noch ganz viel Neues.

»Du musst das Leben nicht verstehen. Dann wird es werden wie ein Fest. Und lass dir jeden Tag geschehen, so wie ein Kind im Weitergehen von jedem Wehen – sich viele Blüten schenken lässt.« Das Ende des Sommers erzählt sich uns wie ein Gedicht von Rainer Maria Rilke. Die Sonne verliert ihre Strahlkraft, der Wind wirft die Blätter von den Bäumen und jede einzelne welke Blüte erteilt uns eine neue Lektion im Loslassen. Doch Loslassen ist ein großes Wort. Geschrieben ist es schnell, doch wenn es wirklich gelebt werden will, braucht es schon mehr dazu als ein paar Buchstaben. Genau genommen braucht es sogar sehr viele Buchstaben, wenn man sich anschaut, wie viele Schriftsteller sich dem großen Thema des Loslassens schon gewidmet haben. 

Berühmte Bücher zum Thema Loslassen

Das Loslassen wurde in der Literatur von unterschiedlichsten Blickwinkeln aus beleuchtet. Was passiert, wenn wir nicht loslassen können oder wollen, lehrt uns etwa Goethe in »Die Leiden des jungen Werther«. Die US-amerikanische Autorin Donna Tartt friert in ihren Romanen die Zeit ein, um uns zu zeigen, wie fatal sich unser Leben entwickelt oder eben nicht entwickelt, wenn wir verbissen an etwas festhalten. Ab einem gewissen Punkt verliert man die Gegenwart aus den Augen und lebt nur noch im Abglanz der Vergangenheit. Andere Autoren, wie etwa Hermann Hesse oder Paulo Coelho betrachten das Loslassen als existentielle Chance, als Tor in einen Zustand verklärter Fülle. Und bei literarischen Größen wie John Steinbeck etwa wird das Loslassen ohnehin weniger als Wahl denn als Widerfahrnis geschildert, der sich alle Menschen früher oder später in ihrem Leben werden stellen müssen. Loslassen, das ist, wie sich zeigt, nicht nur ein literarisches Thema – es ist ein Lebensthema. 

Es ist sicher kein Zufall, das so viele, wenn nicht alle Autoren, das Thema des Loslassens auf die ein oder andere Art und Weise berühren. Denn Loslassen, das ist kein literarisches Thema – es ist ein Lebensthema. Und Schreiben ist sicherlich ein Weg, um sich mit dem Loslassen zu befassen. Nicht nur, weil man das Thema auf Ebene der Geschichte aufgreift, sondern weil das Schreiben selbst immer auch eine Geschichte des Loslassens ist. Am Ende bleibt dem Autor nichts anderes übrig, als den Stift zur Seite zu legen, die Seiten glatt zu streichen und die Geschichte wie ein Papierflugzeug in die Welt zu schicken. Was mit der Geschichte passiert, wenn der Autor sie erst losgelassen hat, darauf hat er keinen Einfluss mehr. 

Um Ihnen das Loslassen zu erleichtern – sowohl vom Sommer als auch beim Schreiben – haben wir vom novum Verlag fünf Schreibübungen zum Loslassen für Sie zusammengestellt. Fünf Übungen, die nicht nur das Alte gebührend verabschieden, sondern das Neue glorreich Willkommen heißen. Denn an jedem Ende steht immer auch ein neuer Anfang, den es zu umarmen gilt. 

5 Schreibübungen zum Thema Loslassen

1. Briefe schreiben – Return to Sender 

Richten Sie einen Brief an etwas oder jemanden, das Sie loslassen wollen – das kann eine Person, eine Sache, eine Situation oder auch eine Gewohnheit sein. Beschreiben Sie, was Sie zurücklassen werden, welche Gedanken und Gefühle Sie auf diesem Weg begleiten und was Sie stattdessen in Ihr Leben einladen möchten. Am Ende zerknüllen, zerreißen oder verbrennen Sie den Brief, um auch symbolisch loszulassen. 

2. Altlasten –  Ausmisten für Anfänger

Was belastet Sie im Moment? Schreiben Sie alles auf, was Ihnen spontan in den Sinn kommt. Denken Sie nicht lange nach und schreiben Sie ohne zu zögern. Sehr wahrscheinlich werden auch Dinge auf der Liste landen, von denen Sie noch nicht einmal wussten, dass Sie Ihnen schwer auf der Seele liegen. Machen Sie nun von Ihrem Recht Gebrauch, drei Dinge auf der Liste zu streichen, die Sie getrost loslassen können. Halten Sie schriftlich fest, wie es sich anfühlt, Altlasten loszulassen und wo Sie stehen könnten, wenn Sie es wirklich tun würden. 

3. Handarbeit – Loslassen im Handumdrehen

Stellen Sie sich vor, sie halten etwas in der Hand, das Sie nicht loslassen können. Visualisieren Sie, was Sie verzweifelt festhalten. Stellen Sie sich nun in Ihrer Fantasie vor, wie Sie Ihre Hand öffnen und das, was Sie festhalten, fallen lassen. Was passiert mit dem, was auf den Boden fällt? Und wofür haben Sie jetzt die Hände frei? Reflektieren Sie Ihre Fragen und Antworten auf mindestens einer Seite. 

4. Freiraum – Gedankliches Neuland erobern

Verfassen Sie ein kleines Manifest für sich selbst: »Wenn ich loslasse, dann mache ich Raum für …« Schreiben Sie mindestens fünf Sätze, die mit diesem Anfang beginnen. Sinnieren Sie noch eine Weile nach und fragen Sie sich, was in dem neuen Raum entstehen könnte. 

5. Schweres Gepäck – Gewicht abwerfen

Stellen Sie sich vor, Sie tragen einen schweren Stein in Ihrem Rucksack. Beschreiben Sie, wie er aussieht, wie schwer er ist, wie sich sein Gewicht auf Ihren Weg auswirkt. Schreiben Sie dann, wie Sie ihn ablegen – und wie der Weg sich danach verändert.

Sie sind Autor oder Autorin? Dann betrachten Sie das Geschriebene noch einmal ganz genau. Wie lässt sich aus dem Geschriebenen eine ganze Geschichte spinnen? Vielleicht ist das die Gelegenheit, Ihre Geschichte des Loslassens auch literarisch zu verarbeiten. In diesem Beitrag zeigen wir Ihnen, wie Sie einen echten Plot aus Ihren Ideen basteln können. 

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