Sie wollen ein Buch schreiben und wissen nicht, wo Sie anfangen sollen? Diese Recherchetipps erleichtern Ihnen den Anfang!
Schreiben ist ein kreativer Akt, keine Frage. Wir schweben mit dem Kopf in den Wolken und erfinden Geschichten. Das Außergewöhnliche ziehen wir dem Gewöhnlichen vor. Denn Romane sind ein Ort der Fantasie. Für viele Autor*innen ist gerade diese Freiheit der Vorstellungskraft der Grund zum Schreiben. In ihren Geschichten leben sie die Leben, die sie alle gerne gelebt hätten. Sie sind Pferdeflüsterer, Bärenzähmer*innen und Bienenzüchter*innen, sie fahren in den Kutschen der Edelleute oder nehmen die Expressrakete in die Sterne. Doch damit man ein Buch über ein ganz außergewöhnliches Leben schreiben kann, braucht man eine ganz gewöhnliche Praxis: Die Praxis der Recherche. Gelage im Rittersaal, missglückte Gentechnik oder Expeditionen ins Eismeer – kaum ein Buch kommt ohne Expertenwissen aus. Autor*innen, die vermeiden wollen, dass sie ihre eigene Geschichte immer und immer wieder erzählen, sollten auf Recherche setzen. Denn wer ein Buch schreiben will, braucht erst einmal Material – wie Sie sich dieses Material erwirtschaften, verraten wir vom novum Verlag für Neuautor*innen Ihnen mit sechs Tipps für Ihre Recherche. Unser erster Hinweis: Beginnen Sie schon vor dem Schreiben mit der Suche. Denn penibles Nachforschen beugt nicht nur Unterbrechungen beim Schreiben vor, sondern bringt Sie auch auf neue Ideen!
Ein Buch schreiben: So recherchieren Sie wie die Profis
Internetrecherche
Was einfach klingt, will gut durchdacht sein. Das World Wide Web scheint allwissend zu sein, doch gerade das ist auch die Krux. Wie erkennt man, was wahr ist und was nicht? Google, Podcasts und Blogs mögen Wissen ausspucken wie ein Drucker das Papier – doch das Sortieren und Sichten liegt bei Ihnen. Gehen Sie vorsichtig vor und nutzen Sie Onlinequellen nur als erste Referenz. Gerade, wenn Sie Ihren Figuren, Schauplätzen und Szenen mehr Tiefe und Komplexität verleihen wollen, sollte Ihre Suche über das Eingabefenster bei Google hinausgehen. Eine erweiterte Recherche erlaubt zum Beispiel Google Scholar, eine spendable Datenbank für Wissenschaftstexte in Vollversion. Und auch mit Google Books blicken Sie über den Bildschirmrand hinaus. Social-Media-Plattformen wie Instagram oder Pinterest sind eine wertvolle Quelle, wenn sich die Gegenstände Ihrer Beschreibung Ihrer direkten Erfahrung entziehen. Wollen Sie bestimmte Natur- oder Kulturphänomene beschreiben, die außer Reichweite liegen, so liefern die Ergebnisse von Bildrecherche ertragreiche Quellen. Wenn Sie allerdings Special-Interest-Themen bearbeiten wollen, sollten Sie in weitere Wissensspeicher vordringen.
Experteninterview
Ihre Figur übt einen exotischen Beruf aus, ist Falkner*in, Baumbegutachter*in oder Bestatter*in? Ziehen Sie ein Interview mit einem*einer Expert*in in Betracht. Suchen Sie Biolog*innen, Anthropolog*innen oder Astrophysiker*innen auf, wenn es sein muss. Viele Expert*innen helfen bereitwillig bei der Klärung brennender Fragen. Vielleicht entdecken Sie im Gespräch mit Ihrem kompetenten Gegenüber auch interessante Eigenschaften, die gleich Sie in Ihrer Figur verarbeiten können?
Museum
Ein Museum ist der perfekte Ort, wenn Sie ein Buch schreiben wollen, aber noch nicht wissen, worüber. Zwischen Objekten und Exponaten stößt man schnell einmal auf etwas, über das es sich zu schreiben lohnt. Doch auch zur Vertiefung von Wissen sollten Sie die Wissensarchive von Museen in Betracht ziehen. Im Gegensatz zu Print- oder Online-Beiträgen bilden Museen nicht nur einen Ausschnitt der Zeit, sondern die gesamte Zeitgeschichte ab. So leistet Ihnen das Papyrusmuseum sicher einen wertvollen Dienst, wenn Ihre Geschichte im alten Ägypten spielt. Das Rauchfangkehrermuseum wird den Berufsstand Ihrer Hauptfigur plausibilisieren. Und das Uhrenmuseum liefert Ihnen vielleicht einen Gegenstand der Inspiration, den Sie symbolisch in Ihre Geschichte einarbeiten können.
Biographien
Erlebnisse, die eine Nacherzählung wert sind, verbergen sich auch in Biographien und Autobiographien. Achten Sie beim Lesen von Biographien nicht nur auf die Haupt-, sondern auch auf die Nebenfiguren. Richten Sie Ihr Augenmerk auch auf das Randgeschehen, vielleicht gibt es dort etwas zu entdecken. Biographien enthalten präzise Details, die Sie an keiner anderen Stelle finden werden. Nutzen Sie die Vorarbeit, die Ihre Vorgänger*innen für Sie geleistet haben und studieren Sie die Zeit!
Zeitzeugen
Haben Sie schon einmal daran gedacht, die Geschichte Ihrer Vorfahren zu einem Roman zu verarbeiten? Ihre Verwandten sind sicher eine redselige Recherchequelle. Wer im Fundus der eigenen Familiengeschichte gräbt, wird sich wundern, was er dort alles findet. Doch Sie können auch in den Fotoalben fremder Menschen blättern. Engagieren Sie sich ehrenamtlich in einem Seniorenheim. Lassen Sie sich für Ihre guten Taten mit guten Gesprächen entlohnen. Von der Aufmerksamkeit profitieren beide Gesprächspartner*innen. Hören Sie zu und lassen Sie sich inspirieren. Das Leben schreibt bekanntlich die schönsten Geschichten.
Flohmärkte
In Romanen wie in Donna Tartts „Distelfink“ stehen nicht nur Figuren, sondern auch Gegenstände im Mittelpunkt der Handlung. Um seltene Gegenstände realitätsgetreu beschreiben zu können, braucht es manchmal auch die gegenständliche Erfahrung. Ihre Hauptfigur hat ein Faible für alte Münzen, antike Möbel oder Bücher? Auf einem Flohmarkt finden Sie nicht nur echte Schätze, sondern auch noch Liebhaber*innen, die Ihnen viel erzählen können. Lassen Sie sich vom Erfahrungsschatz dieser nostalgischen Orte inspirieren und schreiben Sie Ihr Buch!
Weitere Tipps, wie man ein Buch anlegen kann, finden Sie auch in unserem kompakten Autorenratgeber „Fakt und Fiktion“.


