Aus der Musikbranche sind sie weithin bekannt, die sogenannten „One-Hit-Wonder“. Künstler*innen, die mit nur einem Werk einen bahnbrechenden Erfolg erzielen und danach ebenso schnell aus dem Rampenlicht verschwinden, wie sie aufgetaucht sind.
Die Literatur-Szene hat hingegen den Ruf, sehr viel langlebiger zu sein. Das Publikum ist gewillt, sich länger in Geduld zu üben als in anderen, schnelllebigeren Branchen.
Doch Bücher zu schreiben nimmt auch mehr Zeit in Anspruch, und so hat auch die Literatur ihre eigenen „One-Hit-Wonder“ hervorgebracht. Dass Sie als Autor*in mit einer Erstveröffentlichung nicht Ihr Leben in den Dienst von Lesern und Verlagen zwingen und trotzdem erfolgreich sein können, haben mehrere Damen und Herren aus der Riege der Schriftsteller bereits unter Beweis gestellt. Einige von ihnen möchten wir Ihnen hier vorstellen.
Harper Lee – „Wer die Nachtigall stört“ (1960)
Die US-amerikanische Schriftstellerin Harper Lee ist wahrscheinlich der Inbegriff eines „One-Hit-Wonders“: Ihr Erstlingswerk, „Wer die Nachtigall stört“, erschien erstmals 1960 und verkaufte sich inzwischen über 40 Millionen Mal. Damit nicht genug: 1961 gewann sie mit ihrem ersten Werk sogar den Pulitzer-Preis für einen Roman, der sich kritisch mit Rassismus in den Südstaaten der USA auseinandersetzt, den „Oscar der Bücher“ – nicht einmal ein Jahr nach seiner Veröffentlichung.
Ein richtiges „One-Hit-Wonder“ ist Harper Lee dann vielleicht doch nicht: 2015 erschien „Go Set a Watchman“. Das Skript basiert auf dem Erstentwurf zu „Wer die Nachtigall stört“ und ist daher untrennbar mit Lees großem Wurf verbunden.
Margaret Mitchell – „Vom Winde verweht“ (1936)
Den meisten Menschen ist „Vom Winde verweht“ bestimmt durch die Verfilmung aus dem Jahr 1939 ein Begriff – bis heute einer der erfolgreichsten Filme aller Zeiten und damit wohl auch ein Anwärter auf den Titel des größten literarischen One-Hit-Wonders. Der fast vierstündige Filmklassiker hat 1940 nicht weniger als acht Oscars gewinnen können. Da ist es kaum noch überraschend, dass auch Margaret Mitchell, genau wie Harper Lee, zu den Pulitzer-Preisträgerinnen gehört.
Die US-Amerikanerin verstarb im relativ jungen Alter von 48 Jahren und hat zeit ihres Lebens keine weiteren Bücher mehr auf den Markt gebracht. Die wenigen Veröffentlichungen, die ihr außerdem noch zugeschrieben werden, erfolgten alle posthum. In ihrer Hinterlassenschaft hatte man nach weiteren, unveröffentlichten Texten gesucht – wobei sich nicht wenige davon mit der berühmten Scarlett O’Hara beschäftigen.

Oscar Wilde – „Das Bildnis des Dorian Gray“ (1890)
Mit Oscar Wilde findet sich einer der ganz Großen unter den One-Hit-Wondern. Tatsächlich wäre es natürlich sehr verkürzt, Wilde nur im Zusammenhang mit seinem einzigen Roman, „Das Bildnis des Dorian Gray“, zu setzen. Aus der Feder des Iren stammen eine Reihe von Bühnenstücken, etliche Gedichte und Essays – aber eben nur ein Roman.
Mit „Das Bildnis des Dorian Gray“ hat Oscar Wilde auch einige unliebsame Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Der Titel-„Held“ verliert sich in Maßlosigkeit und Dekadenz, die Wilde mit dem Lebensstil der zeitgenössischen Oberschicht assoziierte. Umstritten ist, ob Wilde in seinen einzigen Roman auch bewusst einen Raum für seine Homosexualität geschaffen hat, was ihm, in Kombination mit der unverblümten Amoral des Dorian Gray, sogar einen Unzuchtprozess eingebracht hat.
Emily Brönte – „Strumhöhe“ (1847)
Falls Ihnen Emily Brönte kein Begriff ist, muss das nicht daran liegen, dass sie ein One-Hit-Wonder ist: Ihre Veröffentlichungen erschienen nämlich alle unter dem Pseudonym Ellis Bell. Abgesehen von diesem einzigen Roman schrieb und veröffentlichte die Britin auch Gedichte, von denen einige erst erschienen, nachdem sie 1848 mit nur 30 Jahren verstarb.
Die tragische Liebesgeschichte von Catherine und Heathcliff fand bei den viktorianischen Zeitgenossen keinen großen Anklang, vor allem der wild und wenig heroisch handelnde Heathcliff. Heute hingegen genießt das Werk seinen Status als Klassiker der britischen Romangeschichte. Als Heathcliff am Ende der Geschichte, scheinbar in wahnwitziger Verzückung, sein Leben aushaucht und eine Erscheinung von Catherines Geist angedeutet wird, ist ein zeitloses Mysterium der britischen Literatur geboren.
Bei den teils bahnbrechenden Erfolgen, die von diesen Schriftsteller*innen schon mit ihrem ersten Roman erzielt wurden, drängt sich natürlich die Frage auf, weshalb es keine Nachfolgewerke gab. Die Entscheidung, eine artistische Eintagsfliege zu werden, kann mehrere Gründe haben. Oft scheint die Herausforderung, den eigenen ersten Erfolg noch zu überbieten oder ihm auch nur nahezukommen, zu einschüchternd. Mit großem Erfolg geht eine ebenso große Erwartungshaltung einher, der sich nicht jede*r gewachsen sieht. Veröffentlichungspartner erwarten, dass „nachgelegt“ wird und fordern es mitunter sogar auf Vertragsbasis ein; es entstehen Zeitdruck und Stresssituationen, in denen man mit der eigenen Arbeit nicht mehr zufrieden sein kann und vor allem auch die Freude am Schreiben verloren geht.
Die Veröffentlichungsangebote des novum Verlages sind werkgebunden; so kann kein Druck entstehen und ein potenzielles Nachfolgewerk hat genug Zeit und Raum, um zu wachsen und zu gedeihen. Und letzten Endes kann man nie wissen – vielleicht haben ja auch Sie das Zeug, mit ihrem ersten Werk so richtig durchzustarten!
Lassen Sie Ihrer Tastatur freien Lauf!
Ihr novum Verlag




