Schreiben ist eine Denkaufgabe – und zwar eine sehr zeitintensive. Wer an einem Roman, einem Sachbuch oder seinen Memoiren schreibt, widmet diesem Unterfangen unzählige Stunden, in denen die Aufmerksamkeit voll und ganz auf diese eine Sache fokussiert ist. Recherchen müssen durchgeführt und Fragen geklärt werden, um den eigenen Ansprüchen und denen eines guten Buches gerecht zu werden. Und diese Recherchen wiederum sind – genau wie das Schreiben – Gehirnjogging.
Doch auch das Gehirn wird mit der Zeit müde. Man wird fehleranfälliger oder schleißiger, lässt das Niveau der Arbeit schleichend absinken, wenn eine wichtige Ressource nachlässt: Die Konzentration. Wir verraten Ihnen, welche Möglichkeiten es gibt, die Aufmerksamkeit lange Zeit aufrecht zu erhalten und ohne mentale Verschleißerscheinungen am Werk zu arbeiten.
Klänge für die Konzentration
Vielleicht haben Sie schon vom „Mozart-Effekt“ gehört – ein Versuch, bei dem Studenten bei Intelligenztests besser abgeschnitten haben, wenn sie davor Mozarts „Sonate für zwei Klaviere in D-Dur“ gehört haben. Tatsächlich wurde derselbe Versuch mehrfach wiederholt und die Ergebnisse haben sich nicht replizieren lassen – trotzdem hat sich der Mythos festgesetzt, dass „Mozart klüger macht“.
Tatsächlich mag sogar der Schluss naheliegen, dass das Gegenteil der Fall ist und Musik die Konzentration eher stört statt fördert. Denn Musik besteht schließlich aus Geräuschen – genau wie Verkehrslärm, klingelnde Telefone oder quatschende Kollegen, und niemand würde diese Dinge wohl als konzentrationsfördernd bezeichnen.
Musik kann dennoch einen fördernden Effekt haben; vor allem Musik, die man gerne hört. Die eigene Lieblingsmusik zu hören erhöht schlichtweg das Wohlbefinden und die Ausschüttung von Endorphinen und kann auch bei Gedächtnisaufgaben helfen, da bestimmte Inhalte mit Stellen in der (vertrauten) Musik verknüpft und so vom Gehirn leichter abgespeichert werden.
Gleichmäßige Rhythmen und entspannende Klänge können durchaus das Gehirn stimulieren und ein produktiveres Arbeiten ermöglichen. Neben der schon erwähnten klassischen Musik á la Mozart haben daher vor allem „Lo-Fi-Playlists“ einen guten Ruf dabei, die Konzentration zu fördern. Die Musik ist sanft und beruhigend, gleichzeitig aber nicht zu monoton, und verzichtet auf Sprünge oder Stimmungswechsel, die vom Arbeiten ablenken würden. Gerade bei Aufgaben wie dem Schreiben ist vor allem instrumentale Musik zu empfehlen, da gesungene Texte einen dauerhaft mit Worten beschallen, die von den Worten im eigenen Text ablenken und irritieren.
Futter für den Fokus
Auch lange, geistige Arbeitsphasen können erschöpfen – und hungrig machen! Der Körper braucht sowohl für körperliche als auch für geistige Leistungen Energie, die er aus der Nahrung gewinnt. Dabei spielt es nicht nur eine große Rolle, was man isst, sondern auch wann.
Ein voller Magen hat viel zu tun und verlangt dem Körper für die Verdauung Ressourcen ab. Viel Blut ist mit der Verarbeitung der Lebensmittel beschäftigt und daher nicht für andere Aufgaben im Körper verfügbar. Dies führt im Anschluss auch zu Müdigkeit und infolgedessen zu Konzentrationsschwächen.
Also besser gar nichts essen? Leider ist ein leerer Magen genauso eine Ablenkungsquelle wie ein prall gefüllter. Sobald man nämlich Hunger verspürt, wendet der Körper Ressourcen dafür auf, dieses Hungergefühl zu stillen, und lenkt sich mit der Suche nach Nahrung ab. Wer hungrig ist, schüttet Stresshormone aus und wird regelrecht „hangry“ – nicht die beste Voraussetzung, um Ihre tiefgehende Romanze zu schreiben.
Ein konstanter Blutzuckerspiegel ist also wichtig, um die Konzentration über lange Phasen aufrecht zu erhalten. Planen Sie also Mahlzeiten ein, wenn Sie eine Schreib-Session ansetzen. Wichtig ist dabei, nicht zu viel auf einmal zu essen, um genug Ressourcen fürs Weiterarbeiten übrig zu lassen.
Das sogenannte „Brainfood“ ist dabei der beste Treibstoff: Nüsse, Vollkornprodukte, Beeren, dunkle Schokolade oder grünes Blattgemüse. Eine nicht minder große Rolle spielt es übrigens, ausreichend zu trinken. Das Gehirn benötigt sehr viel Wasser für seine Funktion und seine Durchblutung; ja, es besteht sogar zu bis zu 80 % aus Wasser. Daher ist auch reines Wasser die beste Frischequelle; abzuraten ist hingegen von zu viel Kaffee oder gar Alkohol, da diese dehydrierend wirken können.

Träume für den Text
Die vielleicht wichtigste Grundlage für konzentriertes Arbeiten ist es, ausgeschlafen zu sein. Schlaf mag in der Leistungsgesellschaft einen schlechten Ruf haben, ist aber für die Erbringung eben jener Leistung essenziell. Schlafmangel beeinträchtigt die Konzentrationsfähigkeit in allen Tätigkeiten, selbst in unbewusster Routine – und erhöht somit das Verletzungsrisiko im ganz normalen Alltag.
Dabei wird nicht nur die generelle Leistungsfähigkeit geschwächt, sondern speziell die Aufnahme- und Gedächtnisfähigkeit. Wenn wir neue Inhalte lernen, legt das Gehirn diese durch Verbindungen zwischen Nervenzellen an, die es stärkt bzw. abschwächt – je nach Priorität. Während wir schlafen, wird dieser Vorgang weiter vorangetrieben und wichtige Erfahrungen des Tages abgespeichert, während Belangloses „gelöscht“ wird. Fehlt uns der ausreichende Schlaf, kann das Gehirn zwischen relevanter und irrelevanter Information schlechter unterscheiden und ertrinkt langsam, aber sicher im „Spam“ des Tages.
Gerade wenn Sie Recherchetage eingeplant haben, ist es daher von großer Bedeutung, dass Sie ausgeruht in diese Tätigkeit starten – und auch danach gut schlafen.
Abschließend ist natürlich zu sagen, dass jeder Mensch einzigartig ist und jedes Gehirn anders funktioniert. Was für die einen entspannend wirkt, kann die anderen stören oder ablenken. Die hier gebrachten Ansätze können als Guidelines verstanden werden; Richtungen und Gebiete, aus denen Sie entlehnen und sich ausprobieren können – aber das für Sie passende Rezept werden Sie nur selbst finden können. Experimentieren Sie ruhig herum, denn nur Sie können entscheiden, was für Sie funktioniert und Ihnen den besten Rückenwind dabei gibt, wenn Sie Ihrer Tastatur freien Lauf lassen!





