Wie sollte ein Manuskript aufgebaut sein? Wir verraten Ihnen die formalen und inhaltlichen Standards zum Manuskriptaufbau.
Am Anfang war das Wort. Doch wie bringt man es zu Papier? Das Wort Manuskript leitet sich vom Lateinischen manus (Hand) und scribere (schreiben) ab. Das Manuskript ist die physische Form von Gedanken und Worten. Die ersten Manuskripte wurden mit Meißel und Federkiel noch auf Steintafeln oder Papyrus verfasst. Mit der Erfindung von Buchdruck und Schreibmaschine, Computertastatur und Spracherkennung hat sich der Grundgedanke zwar verändert, das Manuskript blieb aber stets Ausdruck dessen, was es vermitteln wollte: das Wort.
Ob am Computer oder mit Feder geschrieben, das Manuskript folgt immer einer einheitlichen Struktur. Aufbau, Form und Funktion folgen standardisierten Vorgaben. Um dem Inhalt Ihres Manuskripts zur vollen Blüte zu verhelfen, stellen wir Ihnen in diesem Beitrag den Manuskriptaufbau vom Anfang bis zum Ende vor.
1. Die Unterschiede zwischen Manuskript, Exposé und Treatment
Beim Exposé oder Treatment handelt es sich um eine Zusammenfassung eines Werks. Der*die Autor*in will einen ersten Einblick in sein*ihr Manuskript vermitteln. Der Verlag oder die Literaturagentur soll über den Inhalt des Manuskripts informiert werden, ohne es ganz lesen zu müssen. Ein Manuskript hingegen ist nicht die Kurz-, sondern die Rohfassungeines Buchs. Es stellt die erste, zumeist noch unbearbeitete Version einer Geschichte dar.
2. Formale Ansprüche an den Manuskriptaufbau
Ein Manuskript zeichnet sich nicht nur inhaltlich, sondern auch formal durch eine spezifische Struktur aus: Die sogenannte Normseite beschreibt die Formatierung, der ein Manuskript genügen muss, bevor es einem Verlag vorgelegt wird. Die ordentliche Formatierung einer Seite erfüllt verschiedene Funktionen. Lektor*innen, die Autor*innen ihre Serviceleistungen anbieten, kalkulieren ihre Preise zumeist auf Basis der Normseite. Doch auch Verlagslektor*innen schätzen Genauigkeit beim Formatieren. Denn die Normseite verbessert die Lesbarkeit eines Manuskripts enorm. Eng gesetzte Buchstaben oder ein zu geringer Zeilenabstand ermüden das Auge. Die Normseite beugt durch ausgewogene Spationierung der Buchstaben Ermüdung beim Lesen vor. Die Wirkung einer sauberen Formatierung sollten Sie nicht unterschätzen, wenn Sie einem Verlag Ihr Manuskript zur Prüfung vorlegen. Wie Sie eine Normseite einrichten, finden Sie in diesem Beitrag heraus.

3. Inhaltlicher Aufbau eines Manuskripts
Der Aufbau eines Manuskripts basiert auf einer soliden Struktur, die schon beim Plotten beachtet werden muss. Ein Manuskript ohne klar erkennbare Plotstruktur sorgt schnell für Verwirrung. Der sogenannte rote Faden, der die innere Logik eines Buchs beschreibt, muss vom Anfang bis zum Schluss durchgehalten werden. Grundsätzlich besteht ein Manuskript aus Anfang, Hauptteil und Schluss. Jedoch übernimmt jedes dieser Elemente eigene Funktionen, die die Handlung einer Geschichte schlüssig vorantreiben und ihre innere Stringenz gewährleisten.
- Der Anfang: Ein Einheitsmaß für den Prolog gibt es nicht, die richtige Länge ist unter Schriftsteller*innen umstritten. Grundlegend sollte der Anfang aber in einem vernünftigen Verhältnis zum Rest Ihres Buchs stehen. Folgende Funktionen erfüllt die Einleitung eines Buchs:
- Einführung der Charaktere
- Präsentation der Standardschauplätze
- Vorstellung von Figuren- und Handlungskonflikt
- Erster Plot Point bzw. erste Wendung zur Zuspitzung des Konflikts und zur Überleitung in den Hauptteil
Wie Sie einen gelungenen Prolog schreiben, finden Sie auch in diesem Beitrag heraus.
- Der Hauptteil: Im Hauptteil beweist sich Ihr Gespür für Tempo, Geschwindigkeit und Pausen, durch das Sie, gekonnt eingesetzt, Spannung und Entspannung an der richtigen Stelle erzeugen können. Der Hauptteil lässt sich in folgende Elemente gliedern:
- Ein Hindernis, das überwunden werden muss
- Ein Höhepunkt, der den Protagonisten zu seinem scheinbaren Ziel schiebt
- Ein Tiefpunkt, der Charaktere zurück zur Ausgangsposition manövriert
- Zweiter Plot Point bzw. zweite Wendung zur Überleitung in den Schluss
- Der Schluss: Auf welche Weise ein Buch endet, bleibt dem*der Verfasser*in vorbehalten. Doch auch für ein schlüssiges Ende sollten strukturelle Grundregeln eingehalten werden:
- Klimax: Die Handlung erreicht ihre maximale Spannung. Die Gesamtspannung kulminiert in einem letzten Kapitel.
- Lösung: Der letzte Höhepunkt ebbt ab. Handlungen und Protagonist*innen kommen langsam zum Stillstand.
- Auflösung: Der Grundkonflikt wird aufgelöst.
4. Wie erstelle ich ein Manuskript?
Vom Meißel über den Federkiel zur Taste: Wer auf den Komfort moderner Schreibwerkzeuge nicht verzichten will, sollte beim Schreiben auf professionelle Schreibprogramme wie yWriter, Scrivener oder Papyrus Autor bauen. Viele dieser Programme unterstützen Sie proaktiv beim Manuskriptaufbau. Scrivener etwa ordnet Kapitel und Szenen in Form von Karteikarten an. Mit yWriter können Sie einen Zeitstrahl anlegen. Und Papyrus erlaubt es Ihnen, Ihre Notizen zum Plot sowohl in Text- als auch Bildform abzuspeichern.
Noch mehr Tipps für Ihr Manuskript finden Sie in unserem Autorenratgeber „Fakt und Fiktion“, der Sie mit Struktur durch den Schreibprozess führen wird. Hier können Sie den Ratgeber bestellen.
Sie wollen Ihr eigenes Manuskript veröffentlichen? Uns vom novum Verlag ist es ein Anliegen, neue Manuskripte aufzuspüren, zu veröffentlichen und Neuautor*innen zu fördern. Fordern Sie hier weiterführende Informationen an.


