Cover: Von Pferden, die aus Pfützen trinken

Von Pferden, die aus Pfützen trinken
Tagebuch für eine Trakehnerstute, Pferdeschule und Reitlehre einmal anders - Die Geschichte von Lisa und Amy - 1. Juli bis 31. Dezember „Ankommen“


EUR 30,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 340
ISBN: 978-3-99130-703-7
Erscheinungsdatum: 25.02.2025
Das Mädchen Lisa und die Trakehnerstute Amy. Ein Ratgeber zum Reiten und Leben mit einem tierischen Partner. Der „Goldene Kreis“, als Rahmen der klassischen Ausbildungsskala, beschreibt die auf Respekt und Vertrauen beruhende Harmonie zwischen Mensch und Pferd.
Vorwort


Es handelt sich bei dieser Erzählung um eine Art Lehrbuch, in dem die Meilensteine einer Pferdeschule und einer Reitlehre beschrieben werden. Der Roman ist in der Form eines Tagebuches geschrieben. Es ist der erste Teil einer wahren Geschichte, der den Zeitraum eines halben Jahres beschreibt.

Die Entwicklung der Story, als roter Faden, erfolgt anhand eines eher schwierigen jungen Pferdes, einer zum Zeitpunkt des Kaufs 5-jährigen kaum angerittenen Trakehnerstute und eines zu Beginn der Geschichte 10-jährigen Mädchens, welches an eine erfolgreiche Partnerschaft mit diesem Pferd herangeführt werden soll.

Die Erzählung erfolgt in chronologischer Reihenfolge, in der situationsbedingt auch Rückblicke auf in der Vergangenheit gesammelte Erfahrungen beschrieben werden. Die Geschichte von Lisa und Amy, dem Mädchen und der Trakehnerstute, bildet den roten Faden dieses Romans. Das Pferd sowie das Mädchen sind somit die Protagonisten.

Im Fokus steht einerseits die Sicherheit des Menschen im Umgang mit dem Fluchttier Pferd und andererseits der Anspruch, dass der pferdebegeisterte Mensch viel Freude an seinem Partner Pferd und umgekehrt das Reitpferd an seinem Menschen haben soll.

Der Roman beruht auf einer fast 60-jährigen Erfahrung der Autorin im Umgang mit Pferden und pferdebegeisterten Menschen. Er enthält viele hilfreiche und nützliche Tipps, Tricks und Weisheiten, die anhand von tatsächlich erlebten Situationen, zum Teil etwas bissig und lustig anekdotenhaft erzählt, weitergegeben werden.

Im Mittelpunkt steht der von der Autorin so genannte „Goldene Kreis“, der als Rahmen der klassischen Ausbildungsskala die auf gegenseitigem Respekt, Vertrauen und Achtung beruhende erfolgreiche Partnerschaft in Harmonie zwischen Mensch und Pferd beschreibt. Das Anliegen der Autorin ist es, sowohl Reitern als auch „Nicht-Reitern“ das Vertrauen in die verschiedenen Sportarten mit Pferden nahezubringen und auch zurückzugeben.

Es gilt zu beweisen, dass der faire und korrekte Umgang im Training dieser Tiere eine Bereicherung für sportbegeisterte Menschen, für die Pferde und auch für die Zuschauer des Pferd-Reiter-Teams in Wettkämpfen sein kann.

Ein Handbuch für pferdebegeisterte junge und alte Menschen und solche, die es werden wollen.




Von Pferden, die aus Pfützen trinken


Samstag, der 1. Juli
Familienausflug

Es geht nach Osnabrück. Mit der ganzen Familie – doch halt: nicht mit der ganzen Familie – Julie, Enkelin Lisa, Opa Jonny und ich sind dabei – nur vier können in meinem Auto mitfahren – hinten dran: der Pferdeanhänger.

Der Pferdeanhänger, den ich mir 1997 gekauft habe, wurde vor einem halben Jahr das letzte Mal benutzt, um meinen alten Hannoveraner Fuchswallach „Bonni“ zum Schmied zu fahren. Seitdem steht er auf unserem Anhängerparkplatz und dient als zusätzliche „Aufbewahrungsbox“ für selten benötigte Pferdeutensilien. Vor der Fahrt habe ich den Pferdeanhänger leer geräumt und für den Transport meiner Neuanschaffung vorbereitet. Das Heunetz ist befüllt, Holzspäne sind auf dem Hängerboden der linken Seite als Einstreu verteilt.

Das Pferd, für das ich mich entschieden habe, ist eine 5-jährige schwarzbraune Schönheit mit Stockmaß 162 cm. Ihr Name ist Amalia, Kurzform Amy (wie der Familienrat bereits entschieden hat). Sie wurde in der Nähe von Berlin geboren, ihr Vater ist der Trakehner-Hengst Abendtanz, ihre Mutter stammt von dem Trakehner-Hengst Donauklang ab.

Amy ist also eine Trakehnerstute.

Wie kam es zu meiner Kaufentscheidung?

Es war wohl eher ein Zufall. Ich bin zwar durchaus Trakehner-Fan, aber letztendlich kommt es auf die Gesundheit, Qualität und Eignung eines Pferdes an, unabhängig vom Brandzeichen, das es trägt. Ich suchte schon seit einiger Zeit nach einem jungen Nachwuchspferd, hatte aber bisher nichts Passendes gefunden.

Im November letzten Jahres hatte ich Kontakt zum Trakehner-Verband aufgenommen, da ich mich für eine andere 5-jährige Trakehnerstute interessierte, die im Dezember in Neumünster auf dem Trakehner-Hengstmarkt versteigert werden sollte.

Ich ritt sie Probe in einem Vielseitigkeitsstall bei Osnabrück, und sie gefiel mir sehr gut. Insbesondere sprach mich die Art und Weise an, wie die jungen Pferde in diesem Stall behutsam angeritten und ausgebildet werden. Die Stute war vertrauensselig und hatte bisher offensichtlich keinerlei schlechte Erfahrungen mit der Spezies Mensch gemacht.

Ich wollte sie gern kaufen, nachdem ich das Okay von meinem Tierarzt erhalten hatte, der die Röntgenbilder gecheckt und für in Ordnung befunden hatte. Ich bot auf der Auktion in Neumünster mit, bekam aber letztendlich nicht den Zuschlag, da amerikanische Interessenten sich in diese Stute verguckt hatten. So wurde sie in die USA verkauft. Ich war zunächst ziemlich frustriert und unterbrach erst einmal meine Suche nach einem neuen Pferd. Da ich mich beim Verband hatte registrieren lassen, bekam ich aber weiterhin regelmäßige Informationen per E-Mail zugeschickt.

So erreichte mich im Mai des Folgejahres die Information zum Trakehner Youngster Breeder’s Market, der im Juni stattfinden sollte. Interessehalber schaute ich mir die dort zum Verkauf angebotene Junge-Pferde-Kollektion im Internet an und konnte sehen, dass drei in dem besagten Stall bei Osnabrück zur Vorbereitung und Ausbildung standen.

Eine schwarzbraune Stute gefiel mir gut, sie hatte aber nur ein Stockmaß von 162 cm. Das ist für mich eigentlich etwas zu klein. Andererseits überlegte ich mir, dass ich mit meinen 66 Jahren auch nicht mehr die Jüngste bin und bereits jetzt Probleme habe, ein größeres Pferd vom Boden aus ohne Mäuerchen oder Aufstieghilfe zu erklimmen.

Des Weiteren hatte ich mir inzwischen überlegt, dass es keine schlechte Idee wäre, unsere damals 10-jährige Enkelin Lisa auf dieses Pferd einzuschwören. Lisa reitet seit 4 Jahren regelmäßig auf Schulpferden und zusätzlich auf einem Ponyhof und macht ihre Sache dort gut. Ob sie beim Reitsport bleiben wird, kann man heute noch nicht sagen. Jedenfalls scheint sie das Reiter-Gen von ihrer Urgroßmutter, meiner Schwiegermutter, geerbt zu haben.

Die Idee wuchs also in meinem Kopf, dass wir hier die Chance haben könnten, für mich ein talentiertes Nachwuchspferd und für Lisa ein potenzielles zukünftiges Turnierpferd zum „Reinwachsen“ zu erstehen. Ob Enkelin und Pferd zusammenfinden würden? Wer konnte das zu diesem Zeitpunkt vorhersehen?

Die Frage, die sich stellt, wenn man ein neues Pferd kaufen will, ist: Welche Disziplin möchte ich beim Reiten schwerpunktmäßig ausüben?

Ich bin eher eine Dressurreiterin, obwohl ich in jüngeren Jahren, im Zuge meiner eigenen Reitausbildung und auch im Rahmen der Reiter-Abzeichen, auf Reitturnieren und als Trainerin viel gesprungen bin und entsprechenden Unterricht gegeben habe.

Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass zu einer fundierten Reitausbildung ebenso der Springunterricht gehört. Auch glaube ich, dass das Reiter-Abzeichen eine Kombination aus Dressurprüfung, Parcours und Theorie bleiben sollte.

Für Lisa sollte es also ein Allrounder sein, mit guten Bewegungen in allen drei Grundgangarten. Die kleine Stute war entfernt über den Trakehner-Hengst „Arogno“ mit meinem Hannoveraner Fuchswallach Bonni verwandt. „Na, wenn das kein gutes Omen ist“, dachte ich.

Die Reihenfolge zur Entscheidungsfindung war also wie folgt:
1. Probereiten
2. Röntgenaufnahmen und sonstige Unterlagen zur tierärztlichen Untersuchung an den Tierarzt meines Vertrauens schicken
3. Videos und sonstige Unterlagen an meinen langjährigen Trainer und guten Freund in der Lüneburger Heide schicken
4. Entscheiden

Mein Mann „Opa Jonny“ und ich fahren also am Montag, dem 15. Mai nach Osnabrück zum Probereiten der jungen Stute. Mein erster Eindruck: hübsches Pferd, aber etwas zu klein für mich. Sie steht in der Stallgasse auf ihren filigranen Beinchen, hat große schwarze Augen, die mich neugierig mustern, und ein unglaublich hübsches Gesicht. Ich gehe von vorn auf sie zu und nehme ihren Kopf in die Hände, um zu checken, wie sie auf diese frontale erste Annäherung und Berührung reagiert. Es passiert etwas, was mir noch bei keinem fremden Pferd bisher passiert ist. Sie schiebt ihre Nüstern nah an mein Gesicht und scheint meinen Geruch und meinen Atem zu inhalieren – dabei lässt sie zu, dass ich sie mit beiden Händen zwischen Maulspalte und Jochbein kraule. Sie scheint diese Berührung zu genießen, als wolle sie sagen: „Du gefällst mir. Du kannst mich gleich mitnehmen.“ So weit, so gut also. Zunächst reitet die Ausbilderin Christine sie in der Reithalle vor – Schritt, Trab und Galopp. Jonny filmt. Dann will ich aufsteigen. Als ich mich nähere, schnüffelt Amalia wie närrisch an meinen Reithandschuhen, die ich noch in der rechten Hand trage – es sind die Handschuhe, die ich tags zuvor beim Reiten von Bonni getragen habe, und die Stute wittert dies ganz offensichtlich. Ich ziehe die Handschuhe über und steige auf die kleine Trittleiter, die als Aufstieghilfe dient. Schon biegt Amalia ihren Hals schlangenartig um 180° nach links zu mir her und schnüffelt an meinen Stiefeletten und meinen Reitchaps – Unglaublich, wie sensorisch dieses Pferd gepolt ist.

Sie ist leichtrittig und reagiert fein auf meine vorsichtigen Hilfen. Obwohl ihre Ausbildung erst vor Kurzem begonnen hat, reagiert sie korrekt und willig auf meine Reiterhilfen. Es macht Spaß, sie zu reiten, denn sie ist feinfühlig und reaktionsfreudig. Jonny filmt uns. Als wir sie zurück in ihre Box führen, ist es schon nach ein Uhr, und ihr Mittagessen befindet sich in ihrem Trog. Sie kann es kaum erwarten und stürzt sich sofort auf das Müsli. „Etwas hektisch“, denke ich bei mir.

Ich bin ein wenig unsicher. Das muss erst einmal sacken. Wir verabschieden uns von Christine, und ich verspreche, mich kurzfristig zu melden. Wir übernachten an diesem Abend in Dötlingen. Der Trakehner-Verband fragt noch am selben Abend nach, wie es geklappt hat. Ich vertröste ihn, spreche davon, dass mir Amalia eigentlich etwas zu klein ist, und auch, dass der Familienrat zunächst einmal tagen müsse. Währenddessen schickt mir Christine einige Videos von Amalia von einem Vielseitigkeitstraining. Das war im Winter und ist somit noch nicht lange her. Amalia macht dort einen fantastischen Eindruck. Ich gerate ins Schwanken. Jonny sieht, wie ich leide und sagt kurz entschlossen: „Sag ab, wenn du dir nicht sicher bist.“ Ich will noch nicht absagen. Das Video, das er von Amalia unter Christine und mir gemacht hat, schaue ich mir in Endlosschleife an. Wäre sie doch nur ein bisschen größer!

Probehalber schicke ich den Link vom Video an Mama Julie, Jonnys Tochter. Das hätte ich mir sparen können. Mama Julie ist hin und weg! Familienrat kann ich also vergessen. Auch die Springvideos vom Vielseitigkeitstraining lassen nichts anderes als Begeisterung zu.

Wir machen noch einen langen Spaziergang in Dötlingen – ein sehr schöner Ort! Aber die Stute will mir nicht aus dem Kopf, und ich kann den Nachmittag nicht wirklich genießen!

Abends essen wir herrlichen Spargel im Hotel und lassen den Rest des Tages beschaulich ausklingen. Für den nächsten Morgen haben wir uns vorgenommen, ins Auswandererhaus nach Bremerhaven zu fahren. Ein großartiges Erlebnis. Wenn man in dieses Museum geht, erhält man die Identität einer Person, die nach Amerika ausgewandert ist und folgt ihren Pfaden. Es ist fantastisch gemacht. Eine Empfehlung für jedermann. Das Verrückte ist, dass mir eine weibliche Person zugeteilt wird, die offensichtlich in die USA auswanderte, um dort als Kindermädchen zu arbeiten, und man erwartete, dass dieses Mädchen einen Cowboy heiraten und somit auch ein eigenes Pferd haben würde. Der Vater schickt also seiner Tochter eine Kardätsche mit den Worten: „Nimm du sie – ich werde mir nie ein eigenes Pferd leisten können.“ Das ist für mich, die ich einigermaßen abergläubisch bin, wie eine Vorsehung.

Von Bremerhaven fahren wir weiter nach Hamburg. Wir treffen dort meine gute alte Freundin Anja, die hier eine eigene Apotheke hat. Wir verbringen ein paar unbeschwerte herrliche Tage in der Hansestadt, besuchen die Elbphilharmonie und schauen uns außerdem „Harry Potter und das verwunschene Kind“ an.

Amalia geht mir nicht aus dem Sinn. Der Pächter vom Stall ruft mich an und fragt, ob ich die Box haben möchte, die ab Juni frei wird. Ich zögere und sage zunächst ab. Kein Druck bitte. Meine Freundin Anja, die früher selbst geritten ist, sieht sich das Video an und beurteilt es wie folgt: „Ihr passt gut zueinander, und so klein ist sie doch gar nicht – aber du musst das natürlich selbst entscheiden.“ Da hat sie recht! Im Anschluss an Hamburg fahren wir noch nach Travemünde, um meine alte Freundin Brigitte, die einen schweren Schlaganfall erlitten hatte, im Seniorenwohnheim zu besuchen. Kurze Stippvisite von einer knappen Stunde, und anschließend geht es zurück in Richtung Rheinland. Brigitte, die eine adäquate Reitausbildung wie ich genossen hat und mich in- und auswendig kennt, ist von den Videos, die ich ihr zeige, begeistert. Inzwischen hat Amalia schon den Spitznamen Amy geerbt. Brigitte bestätigt Anjas Meinung, dass ich doch gar kein so großes Pferd brauche und wir gut zueinanderpassen. Sie sagt: „Das ist doch genau dein Typ!“ Brigitte kennt mich aus der Landesreit- und Fahrschule Rheinland, damals noch in Wülfrath! Sie selbst hat, so wie ich, ein Jahr als Volontärin dort gearbeitet und ihre Reitkünste verfeinert. Bedingt durch den schweren Schlaganfall, der eine irreversible rechtsseitige Lähmung zur Folge hatte, wird sie nie wieder reiten können. Als ich ihr schildere, wie Amalia sich bezüglich ihrer sensorischen Affinität mir gegenüber verhalten hat, sagt sie: „Also das ist doch ein Zeichen.“ Ich schwanke immer noch.
Zu Hause angekommen, zeige ich die Videos der Tochter des Pächters. Sie ist Springreiterin und von Amy begeistert. Das Video, auf dem ich sie reite, findet sie okay: „Sie ist nicht zu klein für dich – grad an der Grenze“, urteilt sie fachmännisch. Als ich das Video anschließend Carla zeige, die ein großrahmiges Dressurpferd bei uns im Stall stehen hat, kommt die Aussage: „Die ist aber doch etwas zu klein für dich.“ Na großartig! Verunsicherung pur – Punkt 1 meiner Entscheidungsfindung, das „Probereiten“, ist also noch „pending“.

Es folgt Punkt 2.

Die Röntgenaufnahmen und die Videos schicke ich meinem Tierarzt. Er kennt mich und meine Pferde seit über dreißig Jahren und ist selbst ein erfahrener Reiter. Er ruft mich an. „Damit kann ich leben“, sagt er. Ich schmunzle am Telefon. „Typisch“, denke ich, aber mehr kann ich nicht erwarten – er ist immer megavorsichtig mit seinen Aussagen, doch das ist seine Art, zum Ausdruck zu bringen, dass er ein Pferd echt gut findet! Und er sagt: „Ihr passt bestens zueinander, was willst du denn mit einem so großen Pferd, alles Blödsinn – ich würde sagen: kaufen!“

Es folgt Punkt 3.

Das Video des Trakehner-Verbandes schicke ich meinem Trainer in der Lüneburger Heide. Sein Feedback kommt zeitnah und kritisch, so wie ich es erwartet habe: „Ich hab mir dein Video von der Abendtanz-Stute angeguckt, und das ist ja ein ganz nettes Pferd, finde ich, und bestimmt auch vielseitig veranlagt. Im Hinterbein finde ich sie ein bisschen lang, aber das sind die Trakehner ja gerne mal. Ich hab immer so ein wenig Probleme, Videos zu beurteilen, weil sie ja doch alle gemacht und geschönt sind. Da wird 10-, 20- bis 30-mal hoch- und runtergefilmt, das Beste wird herausgeschnitten und dann zu einem optimalen Video zusammengestellt. Also so ein Pferd muss man ausprobieren. Zur Abstammung kann ich sagen, dass Abendtanz, der Vater der Stute, ein eher schwieriges Pferd war, etwas speziell. Donauklang, der Vater der Mutter, hat immer gute Stutenlinien gebracht, was ja auch stets ein sehr wichtiger Ansatzpunkt ist. Vom Ablauf her finde ich das ganze Pferd etwas flach und nicht so sehr nach oben konstruiert. Man wird mit einem solchen Pferd wahrscheinlich eher ein bisschen Probleme haben, dass es sich nicht so abstößt und dadurch immer etwas die Stütze in der Hand sucht. Das muss bei ihr aber nicht der Fall sein, doch auf dem Video zeigt sie wenig Bergauf-Tendenz. Das kommt einem bei einem jungen Pferd nicht so entgegen.“

Das sind wichtige und sehr ehrliche Einschätzungen, und ich bin für dieses offene Feedback meines Trainers sehr dankbar. Insbesondere der Hinweis zu der Art, Verkaufsvideos zu erstellen, ist völlig korrekt und mir nicht unbekannt. Aber dafür habe ich sie ja ausprobiert. Seine Bedenken zum Bergauf-Pferd sind ebenfalls völlig richtig – Ich denke und hoffe aber, dass man durch korrektes Reiten hier noch einiges verbessern kann. Etwas kritischer sehe ich die Bedenken bezüglich der Abstammung väterlicherseits. Der Vater selbst war, beziehungsweise ist, sicher kein Anfängerpferd und erfordert einiges reiterliches Können und Fingerspitzengefühl. Christine hatte mir schon bei unserem ersten Telefonat gesagt, dass man Amalia nicht allein in der Stallgasse stehen lassen könne. Ich war darüber hinweggegangen und hatte nur erwidert, dass man ja kein Pferd allein in der Stallgasse stehen lassen sollte. Nun, nach dem Hinweis meines Trainers, dass Vater Abendtanz nicht so ganz einfach sei, werde ich etwas hellhörig und erinnere mich an diesen Hinweis. Auch sagte Christine auf meine Frage, wie Amalia denn im Gelände sei, nach leichtem Zögern: „Eigentlich muss man sie nur gucken lassen.“ Mit anderen Worten: Sie ist eher wachsam und erschreckt sich auch schon einmal, man kann sie dann aber nicht zwingen, weiterzugehen, sondern man sollte abwarten und sie erst mal schauen lassen. Mein Trainer in der Lüneburger Heide kennt beide Hengste, da sie aus seiner Gegend stammen, somit kennt er auch all ihre Stärken und Schwächen und auch viele ihrer Nachkommen. Andererseits halte ich persönlich nichts davon, wenn man die Charaktereigenschaften eines Pferdes nur auf die Abstammung zurückführt, obwohl mir klar ist, dass manche Eigenschaften durchaus vererbt werden können.
...

Das könnte Ihnen auch gefallen :

Cover: Von Pferden, die aus Pfützen trinken

Ariana Aurelia

Grenzerfahrungen im Gesundheitswesen

Buchbewertung:
Mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder