Nachtgedanken eines Theologen

Nachtgedanken eines Theologen

Wolfgang Hingerl


EUR 17,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 98
ISBN: 978-3-99107-738-1
Erscheinungsdatum: 02.09.2021
Eucharistie im Kreis der Familie? Könnte man diese Feier Laien anvertrauen, wäre der Priestermangel kein Problem. Die meisten Christen hatten Religionsunterricht, sind getauft und gefirmt. Wäre es möglich, die Beziehung zu Gott selbst in die Hand zu nehmen?
Die Religionen der Welt sind gottgewollt
Es geht nicht darum, welche Religion besser und richtiger ist. Darum ist der Streit zwischen den Religionen sinnlos und schädlich. In allen Religionen geht es im Wesentlichen darum, dass Menschen Gott näher kommen, eine Beziehung aufnehmen und von dort Kraft für ihr Leben bekommen.
Da wir Gott in seiner Größe und Allmächtigkeit nur erahnen können, sind die Glaubensinhalte, die Vorschriften und die Praktiken der einzelnen Religionen eher nebensächlich, weil kulturbedingt. Jede Religion hat wertvolle, großartige, tiefgläubige Menschen hervorgebracht (Laotse, Konfuzius, Buddha, Jesus, Paulus, Mohammed, Gandhi, Mutter Theresa und viele andere). Was zählt, ist die Liebe! Unser Nichtwissen von Gott ist unendlich größer, als alle Unterschiede zwischen den Religionen!
Jede Religion hat ihre besonderen Werte: Das Christentum zeigt uns im Kreuz die Liebe und Barmherzigkeit Gottes. Das Judentum symbolisiert im Davidstern die Durchdringung von irdischer und göttlicher Wirklichkeit. Der Islam lebt uns das absolute Vertrauen in Gott den Allerbarmer vor (inschallah). Der Buddhismus warnt uns vor der Weltverliebtheit und der Hinduismus lehrt uns, in allen Lebewesen die Gottheit zu erkennen und zu ehren. Die Bahaireligion öffnet uns die Augen für immer neue Offenbarungen Gottes, die dem menschlichen Entwicklungsstand entsprechen.

Religion Lebensnot - wendig?
Wo Leben ist, ist Leid. Das beginnt schon mit der Geburt und endet mit dem Tod. Es gibt körperliches Leid durch Schmerzen, Verletzungen, Krankheiten und dgl. Es gibt aber vor allem seelisches Leid durch Zurückweisung, Bestrafung, Reflexion über den Sinn des Leids und die Schuldfrage. Je intelligenter ein Lebewesen ist, desto schmerzhafter wird dieses Leid empfunden.
Zwei wesentliche Eigenschaften der menschlichen Natur sind es, die dem Leben Sinn und Erfüllung geben können.
Es ist zum ersten seine Neugier, sein Streben, Zusammenhänge aufzuklären, zu verstehen und einen Sinn dahinter zu finden. Dieses Streben ist der Motor, der die Menschheit auf den heutigen Wissensstand gebracht hat und noch weiter antreibt. Dieses Streben ist aber auch Quelle für Missbrauch, Schaden und Schuld. Der bedeutende österreichische Psychoanalytiker Viktor Frankl hat einmal das Wort geprägt: „Wer ein Warum zu Leben hat, erträgt fast jedes Wie.“ Wer den Sinn verliert, den hält auch nichts mehr am Leben.
Die zweite wichtige Eigenschaft des Menschen ist sein Streben nach Beziehungen, nach lieben und geliebt werden. Das beginnt schon beim Kleinkind und entfaltet sich bis ans Lebensende. Wem diese Fähigkeit abhanden gekommen ist, der erlebt sein Leben leer und trostlos. Auch hier finden wir eine Quelle von Versagen und Schuld.
Die Krux des Menschen ist es, dass kein Mensch diese beiden Strebungen wirklich bis zur letzten Erfüllung erleben kann. Immer wieder scheitert er und stößt an seine Grenzen. Als endgültiges Aus erscheint vielen der persönliche Tod. Resignation, Verzweiflung und Freitod sind für Manche die Konsequenz.
Diese Diskrepanz zwischen Sehnsucht und Erfüllung hat die Menschheit wahrscheinlich schon seit ihrem Anfang beschäftigt.

Religionskritik
Das Wort Religion stammt aus dem Lateinischen (religare = sich zurückbinden) und bedeutet, sich an Gott, eine höhere, jenseitige Macht oder dgl. immer fester zu binden. Es geht hier eindeutig um Emotion, um Hingabe, um Glauben und Vertrauen.
Häufig werden aber auch Glaubenswissen und Glaubensinhalte damit verbunden. Dabei müssen wir eingestehen, dass wir über die jenseitige Wirklichkeit keinerlei gesichertes Wissen besitzen können. Diese Qualität von Religion bzw. „Glaubenswissen“ stammt eindeutig aus dem Intellekt und der Ratio. Was wir zu wissen glauben, stammt von Menschen, die überzeugt sind, jenseitige Offenbarungen erhalten zu haben. Diese sind aber sicherlich begrenzt, da auch die menschliche Auffassungsgabe begrenzt und zugleich von der jeweiligen Kultur stark beeinflusst ist. Es scheint daher vermessen, das jeweilige Glaubenswissen eines Gläubigen als Maßstab für die Qualität seiner Religion, d. h. seiner Beziehung zu Gott heranzuziehen.
Es ist vergleichbar mit der Beziehung, der Liebe und Zuwendung zwischen Eltern und Kindern. Die Zuwendung und Liebe der Kinder zu ihren Eltern ist eine rein emotionale. Es ist für die Kinder und ihre Liebe und ihr Vertrauen nicht wichtig, dass sie ihre Eltern, deren Gedanken, Motive, Wünsche und Absichten genau kennen. Die Ausdrucksformen ihrer Liebe können vielfältig und grenzenlos sein, so wie auch die Ausdrucksformen der Religionen vielfältig und oft unbegreiflich erscheinen. Es ist nicht von Bedeutung, ob diese Zuwendungen den Erwartungen der Eltern gerecht werden. Es geht allein darum, dass die Kinder ihre Liebe auf ihre ganz persönliche
Art zum Ausdruck bringen.
Nun kommt es aber leider immer wieder vor, dass Geschwister untereinander in Streit geraten, weil einzelne meinen, besser Bescheid zu wissen, was ihren Eltern gefällt und was diese sich wünschen oder erwarten.
Ganz ähnlich wie die einzelnen Geschwister, so verhalten sich heute oft die Weltreligionen zueinander, weil jede besser zu wissen meint, was gottgefällig ist.

Was nicht in meinem Buch steht, weil es mich Kopf und Kragen kosten könnte,
was aber doch drinnen stehen sollte:

AUS DER GEHEIMEN OFFENBARUNG DES 21. JAHRHUNDERTS
…Weiter sprach Johannes: „Dem Engel der Gemeinde in Rom schreibe: Ich kenne deine Werke, deine Mühe und deine Ausdauer, dass du das Böse nicht erträgst , dass du auch die prüfst, die sich Apostel nennen, aber es nicht sind, und sie als Lügner entlarvst. Auch hast du mit Ausdauer und in meinem Namen viele Lasten getragen. Du hast die Armut und Bescheidenheit Christi neu entdeckt, die Bedeutung von Liebe und Vertrauen unermüdlich verkündet. Du hast das Gespräch und die Begegnung mit den Vertretern der anderen Religionen gesucht und sie zum gemeinsamen Gebet eingeladen. Groß ist dein Bemühen, den Menschen ihre Verantwortung für die Schöpfung bewusst zu machen.
Aber ich habe gegen deine Vorgänger und gegen dich, dass ihr Gott so hoch in den Himmel gelobt habt, dass es nur mehr Spezialisten gelingt, ihn wieder auf die Erde herunter zu holen. Der „ich bin da“ wurde in Kultbauten eingemauert, in Tabernakeln versteckt, in Dogmen für Laien unzugänglich gemacht und im Prunk verhüllt. Die Zeichen seiner Gegenwart, die Sakramente, wurden nur mehrfach geweihten Spezialisten anvertraut. Ihr habt den Rat zum zölibatären Leben, der nur für eine kurze Endzeit gedacht war, zum Zugangskriterium für alle Gemeindevorsteher gemacht und damit eine Kaste von Heuchlern und Scheinheiligen erzeugt, für die dieser Rat nie gewesen ist.
Ihr habt das regelmäßige religiöse Gespräch unter den Gläubigen unterbunden, indem ihr die Synagogen abgeschafft habt und damit die Christen zum Schweigen und Hören verurteiltet.
Ihr habt euch von Hirten und Ratgebern zu Richtern, Gesetzgebern, Verurteilern und Ausschließern entwickelt und Jesu Gebet um die Einheit mit Füßen getreten.
Ihr habt seine Warnung: „Wem ihr die Sünden nachlasst, dem sind sie nachgelassen, und wem ihr sie behaltet, dem sind sie behalten“, als Machtanspruch verstanden und darauf euer unmenschliches Kirchenrecht aufgebaut.
Ihr habt die bildhafte Sprache der Bibel in eine definitionsgebundene, gelehrsame und rationalistische Form gegossen, die jeden interreligiösen Dialog erschwert.
Kehrt um, sonst wird euer Ansehen weiter schwinden!

Ich hatte einen Traum
Im Traum wanderte ich durch eine fremde Stadt. Ich schlenderte durch die Gassen, als plötzlich ein Mann aus einem Haus trat und mir zuwinkte. Ich näherte mich ihm. Er lud mich stumm ein, sein Haus zu betreten. Ich folgte ihm, bis wir in einen Raum traten, in dem eine Wand mit einem riesigen Vorhang bedeckt war.
Der Mann schob den Vorhang zur Seite. Dahinter erschien ein Bild, das die ganze Wand einnahm. Es stellte - etwas verfremdet - den Kreuzweg Jesu dar. Im Zentrum schleppte Jesus erschöpft das schwere Kreuz. Sein Gesicht aber hatte die Züge von Papst Franziskus. Auf dem Balken des Kreuzes konnte man die Inschrift „Sakralismus, Klerikalismus und Dogmatismus“ deutlich lesen. Fast konnte Jesus nicht mehr weiter.
Rund um Jesus marschierten Männer in roten Kleidern mit roten Hauben auf ihren Köpfen, die Jesus vorwärtstrieben oder an Stricken vorwärts zogen. Am Rand des Weges stand eine unzählbare Schar von Simons und Simonias von Cyrene, die Hände hilfsbereit erhoben, und wollten Jesus zu Hilfe eilen. Die Rotmänner allerdings sperrten sie aus, indem sie mit Absperrbändern, wie sie die Polizei verwendet, die Menge von Jesus fernhielten. Die Bänder waren gelb und weiß gefärbt und trugen überall die Aufschrift „Kirchenrecht“.
Während ich das Bild eingehend betrachtete, begann der fremde Mann plötzlich zu sprechen: „Geh zu den Rotmännern und erzähl ihnen von diesem Bild.“ Dann nahm er mich am Arm und führte mich in einen anderen Raum.
Dort wartete seine Familie - seine Frau und seine drei Kinder - an einem Tisch, auf den schon Speisen aufgetragen waren. Der Mann reichte mir eine Schüssel mit Wasser, damit ich meine Hände waschen konnte. Entschuldigend meinte er: „Des Corona-Virus wegen“. Dann bot er mir einen Stuhl bei Tisch an und nahm auch selber Platz. Nun stand nur mehr ein leerer Sessel beim Tisch. Fragend sah ich den Mann an und deutete auf den leeren Platz.

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