Mein Weg zu den Viertausendern
Die schönsten Touren zwischen den Julischen Alpen und der Mont Blanc Gruppe
EUR 31,90
Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 194
ISBN: 978-3-7116-0936-6
Erscheinungsdatum: 07.05.2026
Ein Leben für die Berge: Helmut Reim blickt zurück auf über 40 Jahre Bergsteigen und Hochtouren – nicht nur hinauf zu den Viertausendern, sondern auch zu echter Inklusion. Riskante Wege, Leidenschaft und Naturerlebnis in 70 Touren und beeindruckenden Bildern.
Meine Anfänge im Bergsport
Ich wurde in Franken/Bayern geboren und später mit meiner
Familie in einer Kleinstadt im südlichen Franken sesshaft.
Im Alter von 3 Jahren wurde bei mir im Kindergarten
eine Schwerhörigkeit festgestellt. Mit 12 Jahren kam
ich mit einer Schülergruppe erstmals in die Alpen und lernte
die Berge kennen. Als 18-jähriger bekam ich über meinen
Onkel Werner bei einer Veranstaltung die ersten Kontakte
zur Sektion Mittelfranken im Deutschen Alpenverein
(DAV). Danach trat ich 1976 der Sektion bei. In der Jungmannschaft
für 18- bis 25-Jährige fand ich schnell Kontakte
und lernte mit Begeisterung das Felsklettern mit den
Kameraden der Gruppe an den Felsen der Fränkischen
Schweiz kennen. Es dauerte nicht lange, dann zog es mich
in die Alpen, genauer in die Ötztaler Alpen, die mir zur Wiege
des Bergsteigens und Hochtourengehens wurden. Mit
20 Jahren fuhr ich mit einem ehemaligen Kumpel in den
Urlaub nach Zwieselstein bei Sölden in die Ötztaler Alpen,
nahm auf dem Bergbauernhof Fohlenhof ein Zimmer und
lernte bei Tagestouren auf die umliegenden Gipfel über
3000 m das Bergsteigen kennen. 2 Jahre später bot sich
die Gelegenheit, mit einer kleinen Gruppe von Hausgästen
der Zwieselsteiner Gastfamilie und einem Venter Bergführer
an einer 2-tägigen Hochtour – meiner ersten „Hochtour“
– auf den Weißkugel (3739 m), die von Vent über das
Hochjoch-Hospiz (2412 m), das Hochjoch und Übernachtung
in der Rifugio Bella Vista (2845 m) führte, teilzunehmen.
Das Führen von Gruppen durch einen Bergführer inspirierte
und begeisterte mich so sehr, dass ich einige Jahre
später beim Deutschen Alpenverein die 3-jährige Ausbildung,
die in den Stubaier Alpen/Franz-Senn-Hütte, Dachsteingruppe/
Simonyhütte und Berchtesgadener Alpen/
Blaueishütte stattfand, zum Fachübungsleiter Bergsteigen
anstrebte und diese im August 1989 in der Umgebung der
Jamtalhütte in der Silvretta sehr erfolgreich abschloss.
Während der alpinen Ausbildungen zum Tourenführer im
DAV lernte ich 1987 im Urlaub bei der Gastfamilie in Zwieselstein
Gerhard und seine Familie aus dem Fichtelgebirge
und ein Jahr später Günter kennen. Beide waren leidenschaftliche
Hochtourengeher und Alpinisten, wir wurden
Seilpartner und unternahmen die ersten gemeinsamen
Berg- und Hochtouren in den Ötztaler und Stubaier Alpen.
Mit meinem Seilpartner Günter bildete ich ein großartiges
Hochtourenteam, ich hatte meine Stärken im Firn/Eis und
Günter seine Stärken im Fels. Wir fuhren in den darauffolgenden
10 Jahren jedes Jahr in die Alpen, unternahmen
in den Ostalpen und vor allem in den Westalpen (Walliser
Alpen, Berner Oberland und Mont-Blanc-Gruppe) viele
anspruchsvolle und kombinierte Hochtouren im Fels, Firn
und Eis und bestiegen in dieser Zeit viele 3000er und 35
4000er-Gipfel.
Rückblick auf die ersten Viertausender Touren
Es war Sommer 1986, vor 2 Monaten hatte ich die Ausbildungen
im DAV zum Fachübungsleiter begonnen. Mit meiner
Frau und einem befreundeten Ehepaar fuhren wir nach
Bergtouren in den Stubaier Alpen erstmals in die Walliser
Alpen nach Grächen bei St. Niklaus im Mattertal, wo wir
uns ein Chalet gemietet hatten. Das erste Mal in den Westalpen,
so mein Gedanke, möchte ich den ersten 4000er besteigen.
So nahm ich mir einen Grächener Bergführer und
bestieg mit ihm über die Britanniahütte und den Hohlaubgrat
das Allalinhorn (4028 m) und 2 Tage später die Weissmies
(4017 m). Der erste 4000er mit dem schmalen Firngrat,
der Felsrippe, der Gipfelflanke, dem Gipfel über 4000
Meter, das Panorama um 360 Grad, vor allem zum Walliser
Hauptkamm – das alles wurde bestiegen. Ich erinnere
mich gerne daran zurück, ich kam damals von der 4000-er
Faszination nicht mehr los. Das Allalinhorn und die Weissmies
waren die einzigen 4000er Gipfel mit einem Bergführer,
alle weiteren 4000er-Gipfel leitete ich selbst.
Die Verhältnisse in den Alpen waren stabil, die Sommermonate
schneereicher und die Gletscher, Firngrate und
Firnflanken gut mit Firn bedeckt und begehbar. Der Permafrost
machte sich noch nicht bemerkbar. Heute stehen
wir vor stark veränderten Bedingungen in den Alpen. Der
Klimawandel ist beim Bergsteigen und Hochtourengehen
unübersehbar. In der Zeit, wenn der Permafrost taut, werden
viele Routen sehr riskant oder nicht mehr begehbar
sein. Das Abschmelzen der Gletscher, die Steinschlaggefahr,
Fels- und Spaltenstürze nehmen stark zu. Die Jahreszeiten
werden nicht mehr so verlässlich sein. Bergsteigen
und Hochtouren werden anspruchsvoller werden und man
wird neue und sichere Routen bei den Hochtouren suchen,
die im Klimawandel möglich sind.
Auf den nächsten Seiten sind „die alpinen Lehrjahre“, Hochtouren
zwischen 1986 und 1995, fotografiert mit Dias.
Erste Mont-Blanc Überschreitung von Ost nach West
Die Mont-Blanc-Überschreitung von Ost nach West zählt
zu den eindrucksvollsten Hochtouren der Alpen. Die Route
führt durch die beeindruckende Mont-Blanc-Gruppe in
Frankreich und verbindet mehrere bedeutende Gipfel miteinander.
Ausgangspunkt ist in der Regel das Hospiz Les
Houches auf etwa 1000 Metern Höhe. Von dort aus verläuft
die anspruchsvolle Tour über den Mont Blanc du Tacul
(4248 m) und den Mont Maudit (4465 m) weiter zum höchsten
Gipfel der Alpen, dem Mont Blanc mit 4807 Metern.
Anschließend führt die Überschreitung über den Dôme du
Goûter (4304 m) weiter in westlicher Richtung.
Der Charakter der Tour ist alpin und anspruchsvoll. Es handelt
sich um eine klassische Hochtour, bei der sowohl Felskletterei
im Schwierigkeitsgrad II bis III als auch steile Firnflanken mit Neigungen bis zu 45 Grad bewältigt werden
müssen. Entsprechend sind umfassende Hochtouren- und
Gletschererfahrung sowie eine sehr gute Kondition Voraussetzung
für eine sichere Durchführung. Zur notwendigen
Ausrüstung gehört die vollständige Hochtourenausrüstung.
Dazu zählen unter anderem Hüftgurt, Helm,
Steigeisen, Pickel, Seil, Eisschrauben, Karabiner, Prusikschlingen
und eine Seilrolle. Je nach Etappenplanung sind
Übernachtungen beispielsweise im Biwak Refuge Vallot
auf 4362 Metern oder in der Refuge de Tête Rousse auf
3187 Metern vorgesehen. Für die gesamte Überschreitung
sollte ein Zeitbedarf von etwa vier bis fünf Tagen eingeplant
werden, um ausreichend Reserven für Wetter und
Akklimatisation zu haben.
Die Mont-Blanc-Überschreitung von Ost nach West beginnt
in Les Houches auf 1000 Metern Höhe und führt zunächst
nach Chamonix. Von dort gelangt man mit der Seilbahn
zur Aiguille du Midi (3842 m), dem eigentlichen Ausgangspunkt
der hochalpinen Unternehmung. Nach dem Abstieg
zum Col du Midi (3522 m) führt die Route über die Nordwestflanke
auf den Mont Blanc du Tacul (4248 m). Anschließend
geht es hinunter zum Col Maudit (4029 m) und
über die Nordflanke hinauf auf den Mont Maudit (4465 m).
Über den Col de la Brenva (4303 m) wird schließlich die
Nordflanke des Mont Blanc in Angriff genommen, bis man
mit 4807 Metern den höchsten Punkt der Alpen erreicht.
Über den ausgesetzten Bossgrat erfolgt der Abstieg zum
Biwak Refuge Vallot (4362 m). Für diese erste große Etappe
von der Aiguille du Midi über Mont Blanc du Tacul, Mont
Maudit und Mont Blanc bis zum Refuge Vallot ist mit einer
Gehzeit von etwa 11 bis 11,5 Stunden zu rechnen. Dabei
sind rund 1000 Höhenmeter im Auf- und Abstieg zu bewältigen.
Am folgenden Tag führt die Route weiter über den
Dôme du Goûter (4304 m) zur Refuge Aiguille du Goûter
(3863 m). Von dort erfolgt der Abstieg durch das Grand
Couloir zur Refuge de Tête Rousse (3187 m). Für diesen
Abschnitt sollte man etwa 8 bis 8,5 Stunden einplanen; insgesamt
werden dabei rund 1200 Höhenmeter im Abstieg
zurückgelegt. Die letzte Etappe führt von der Refuge de
Tête Rousse über die Refuge Le Nid d’Aigle (2372 m) weiter
nach La Chalette (1796 m). Für diesen Schlusstag sind
nochmals etwa 7 bis 7,5 Stunden Gehzeit sowie rund 1400
Höhenmeter im Abstieg. Da sich die Verhältnisse im Hochgebirge
rasch ändern können, sollte der aktuelle Routenverlauf
unbedingt vor Antritt der Tour überprüft und an die
jeweiligen Bedingungen angepasst werden.
Eindruckvolle Ötztaler Hochtour
Die Hintere Schwärze (3624 m) mit ihrer markanten Nordwand
sowie die Kreuzspitze (3457 m) zählen zu den eindrucksvollen
Hochtourenzielen der Ötztaler Alpen in Österreich.
Die dreitägige Unternehmung verbindet eine
anspruchsvolle Eis- und Firntour mit einer aussichtsreichen
Gratbesteigung und erfordert solide Hochtouren- und
Gletschererfahrung. Ausgangspunkt ist der Parkplatz in
Vent auf 1896 Metern. Von dort führt der Zustieg in etwa
2,5 bis 3 Stunden durch das Venter Tal hinauf zur Martin-
Busch-Hütte (2501 m), wobei rund 610 Höhenmeter im
Aufstieg zu bewältigen sind. Die Hütte des DAV dient während
der Tour als Stützpunkt. Am zweiten Tag steht die Besteigung
der Hinteren Schwärze über ihre beeindruckende
Nordwand auf dem Programm. Von der Hütte geht es
zunächst über den Marzellferner zum Einstieg der Wand
auf etwa 3250 Metern. Die Nordwand weist Schwierigkeiten
im Fels bis zum II. Grad auf, im Eis werden Steilheiten
bis 65 Grad erreicht, die Gletscherhänge können bis zu
40 Grad geneigt sein. Entsprechend ist vollständige Hochtourenausrüstung
erforderlich. Nach dem Aufstieg über die
Nordwand wird der Gipfel der Hinteren Schwärze (3629 m)
erreicht.
Der Abstieg erfolgt über die Normalroute zurück über den
Marzellferner zur Martin-Busch-Hütte. Für diese lange und
fordernde Etappe sind etwa 9,5 bis 10 Stunden einzuplanen,
bei rund 1130 Höhenmetern im Auf- und Abstieg.
Am dritten Tag wird die Kreuzspitze bestiegen. Von der
Hütte führt der Weg zunächst in Richtung Brizzi-See (2921
m) und weiter über den Ostgrat zum Gipfel auf 3457 Metern.
Nach dem Gipfelerlebnis erfolgt der Abstieg zurück
zur Martin-Busch-Hütte und anschließend durch das Venter
Tal hinunter nach Vent. Für diesen Tag sind etwa 8 bis
8,5 Stunden Gehzeit zu veranschlagen, mit rund 950 Höhenmetern
im Aufstieg und 1560 Höhenmetern im Abstieg.
Wie bei allen hochalpinen Unternehmungen sollte der aktuelle
Routenverlauf sowie die Bedingungen am Berg vor
Tourenbeginn unbedingt überprüft und an die jeweiligen
Verhältnisse angepasst werden.
Piz Palü Östliche Nordwandpfeiler
Der Piz Palü (3905 m) in der Berninagruppe zählt zu den
eindrucksvollsten Hochtourenzielen der Schweizer Alpen.
Besonders anspruchsvoll ist die Besteigung über den östlichen
Nordwandpfeiler (3888 m), eine kombinierte Eis- und
Felsroute, die alpines Können und sichere Verhältnisse voraussetzt.
Die Tour verbindet steile Firn- und Eispassagen mit ausgesetzter
Kletterei und einem luftigen Gratübergang. Die
dreitägige Hochtour auf den Piz Palü (3905 m) über den
östlichen Nordwandpfeiler beginnt am Parkplatz der Diavolezza-
Seilbahn auf 2050 Metern. Von hier führt der Weg
zunächst vorbei am Diavolezzasee (2573 m) hinauf zur
Diavolezza-Hütte auf 2973 Metern. Für diesen Zustieg sind
etwa 3,5 bis 4 Stunden und rund 925 Höhenmeter im Aufstieg
einzuplanen. Je nach Tourengestaltung kann am Anreisetag
zusätzlich der Mont Pers (3207 m) bestiegen werden,
bevor es zurück zur Hütte geht.
Am Haupttourentag verläuft die Route von der Diavolezza-
Hütte über einen Sattel (3004 m) und die Fuorcla Trovat
(3019 m) auf den Persgletscher (ca. 3000 m). Von dort wird
der Einstieg des östlichen Nordwandpfeilers auf etwa 3240
Metern erreicht. Der Pfeiler weist Kletterstellen im Fels bis
zum IV. Grad auf, hinzu kommt ein ausgesetzter Eisgrat
mit Steilheiten bis zu 50 Grad. Entsprechend ist vollständige
Hochtourenausrüstung erforderlich, darunter Hüftgurt,
Helm, Steigeisen, Pickel, Seil, Karabiner, Prusikschlingen
und Seilrolle.
Über den Nordwandpfeiler gelangt man zunächst auf den
Ostgipfel des Piz Palü (3888 m) und überschreitet anschließend
über einen Verbindungsgrat den Hauptgipfel
auf 3905 Metern. Der Abstieg führt weiter über den Piz Spinas
(3823 m) zur Fuorcla Bellavista (3688 m) und über den
eindrucksvollen Fortezzagrat zur Fortezza (3372 m). Von
dort geht es über den Fortezzagletscher zurück auf den
Persgletscher (2757 m) und schließlich hinunter zur Bovalhütte
(2495 m). Für diese lange und fordernde Etappe sind
etwa 10 bis 11 Stunden einzuplanen, mit rund 910 Höhenmetern
im Aufstieg und etwa 1410 Höhenmetern im Abstieg.
Am dritten Tag erfolgt der Abstieg von der Bovalhütte
durch das Val Morteratsch zum Bahnhof Morteratsch. Dafür
sind etwa 2,5 bis 3 Stunden und rund 925 Höhenmeter im Abstieg zu veranschlagen. Mit der „Rätischen Bahn“ gelangt
man anschließend zurück zur Talstation der Diavolezza-
Seilbahn und damit zum Ausgangspunkt der Tour.
Aufgrund der hochalpinen Lage und der sich rasch ändernden
Bedingungen sollte der aktuelle Routenverlauf unbedingt
vor Tourenbeginn überprüft und an die jeweiligen Verhältnisse
angepasst werden.
Dom über Festigrat (4545 m)
Die Besteigung des Dom (4545 m) über den Festigrat zählt
zu den klassischen Hochtouren in den Walliser Alpen in der
Schweiz. Die anspruchsvolle Unternehmung führt über einen
eindrucksvollen Firn- und Felsgrat und verlangt solide
Hochtouren- sowie Gletschererfahrung. Neben Trittsicherheit
im kombinierten Gelände sind sichere Steigeisentechnik
und ein gutes Einschätzen der Verhältnisse erforderlich.
Die Schwierigkeiten bewegen sich im Fels bis zum II. Grad, am Firngrat und in den Gletscherhängen sind Steilheiten
bis etwa 45 Grad, am Grat stellenweise sogar bis
50 Grad zu bewältigen. Zur notwendigen Ausrüstung gehören
Hüftgurt, Helm, Steigeisen, Pickel, Seil, Karabiner,
Prusikschlingen, Seilrolle und die vollständige Hochtourenausrüstung.
...
Ich wurde in Franken/Bayern geboren und später mit meiner
Familie in einer Kleinstadt im südlichen Franken sesshaft.
Im Alter von 3 Jahren wurde bei mir im Kindergarten
eine Schwerhörigkeit festgestellt. Mit 12 Jahren kam
ich mit einer Schülergruppe erstmals in die Alpen und lernte
die Berge kennen. Als 18-jähriger bekam ich über meinen
Onkel Werner bei einer Veranstaltung die ersten Kontakte
zur Sektion Mittelfranken im Deutschen Alpenverein
(DAV). Danach trat ich 1976 der Sektion bei. In der Jungmannschaft
für 18- bis 25-Jährige fand ich schnell Kontakte
und lernte mit Begeisterung das Felsklettern mit den
Kameraden der Gruppe an den Felsen der Fränkischen
Schweiz kennen. Es dauerte nicht lange, dann zog es mich
in die Alpen, genauer in die Ötztaler Alpen, die mir zur Wiege
des Bergsteigens und Hochtourengehens wurden. Mit
20 Jahren fuhr ich mit einem ehemaligen Kumpel in den
Urlaub nach Zwieselstein bei Sölden in die Ötztaler Alpen,
nahm auf dem Bergbauernhof Fohlenhof ein Zimmer und
lernte bei Tagestouren auf die umliegenden Gipfel über
3000 m das Bergsteigen kennen. 2 Jahre später bot sich
die Gelegenheit, mit einer kleinen Gruppe von Hausgästen
der Zwieselsteiner Gastfamilie und einem Venter Bergführer
an einer 2-tägigen Hochtour – meiner ersten „Hochtour“
– auf den Weißkugel (3739 m), die von Vent über das
Hochjoch-Hospiz (2412 m), das Hochjoch und Übernachtung
in der Rifugio Bella Vista (2845 m) führte, teilzunehmen.
Das Führen von Gruppen durch einen Bergführer inspirierte
und begeisterte mich so sehr, dass ich einige Jahre
später beim Deutschen Alpenverein die 3-jährige Ausbildung,
die in den Stubaier Alpen/Franz-Senn-Hütte, Dachsteingruppe/
Simonyhütte und Berchtesgadener Alpen/
Blaueishütte stattfand, zum Fachübungsleiter Bergsteigen
anstrebte und diese im August 1989 in der Umgebung der
Jamtalhütte in der Silvretta sehr erfolgreich abschloss.
Während der alpinen Ausbildungen zum Tourenführer im
DAV lernte ich 1987 im Urlaub bei der Gastfamilie in Zwieselstein
Gerhard und seine Familie aus dem Fichtelgebirge
und ein Jahr später Günter kennen. Beide waren leidenschaftliche
Hochtourengeher und Alpinisten, wir wurden
Seilpartner und unternahmen die ersten gemeinsamen
Berg- und Hochtouren in den Ötztaler und Stubaier Alpen.
Mit meinem Seilpartner Günter bildete ich ein großartiges
Hochtourenteam, ich hatte meine Stärken im Firn/Eis und
Günter seine Stärken im Fels. Wir fuhren in den darauffolgenden
10 Jahren jedes Jahr in die Alpen, unternahmen
in den Ostalpen und vor allem in den Westalpen (Walliser
Alpen, Berner Oberland und Mont-Blanc-Gruppe) viele
anspruchsvolle und kombinierte Hochtouren im Fels, Firn
und Eis und bestiegen in dieser Zeit viele 3000er und 35
4000er-Gipfel.
Rückblick auf die ersten Viertausender Touren
Es war Sommer 1986, vor 2 Monaten hatte ich die Ausbildungen
im DAV zum Fachübungsleiter begonnen. Mit meiner
Frau und einem befreundeten Ehepaar fuhren wir nach
Bergtouren in den Stubaier Alpen erstmals in die Walliser
Alpen nach Grächen bei St. Niklaus im Mattertal, wo wir
uns ein Chalet gemietet hatten. Das erste Mal in den Westalpen,
so mein Gedanke, möchte ich den ersten 4000er besteigen.
So nahm ich mir einen Grächener Bergführer und
bestieg mit ihm über die Britanniahütte und den Hohlaubgrat
das Allalinhorn (4028 m) und 2 Tage später die Weissmies
(4017 m). Der erste 4000er mit dem schmalen Firngrat,
der Felsrippe, der Gipfelflanke, dem Gipfel über 4000
Meter, das Panorama um 360 Grad, vor allem zum Walliser
Hauptkamm – das alles wurde bestiegen. Ich erinnere
mich gerne daran zurück, ich kam damals von der 4000-er
Faszination nicht mehr los. Das Allalinhorn und die Weissmies
waren die einzigen 4000er Gipfel mit einem Bergführer,
alle weiteren 4000er-Gipfel leitete ich selbst.
Die Verhältnisse in den Alpen waren stabil, die Sommermonate
schneereicher und die Gletscher, Firngrate und
Firnflanken gut mit Firn bedeckt und begehbar. Der Permafrost
machte sich noch nicht bemerkbar. Heute stehen
wir vor stark veränderten Bedingungen in den Alpen. Der
Klimawandel ist beim Bergsteigen und Hochtourengehen
unübersehbar. In der Zeit, wenn der Permafrost taut, werden
viele Routen sehr riskant oder nicht mehr begehbar
sein. Das Abschmelzen der Gletscher, die Steinschlaggefahr,
Fels- und Spaltenstürze nehmen stark zu. Die Jahreszeiten
werden nicht mehr so verlässlich sein. Bergsteigen
und Hochtouren werden anspruchsvoller werden und man
wird neue und sichere Routen bei den Hochtouren suchen,
die im Klimawandel möglich sind.
Auf den nächsten Seiten sind „die alpinen Lehrjahre“, Hochtouren
zwischen 1986 und 1995, fotografiert mit Dias.
Erste Mont-Blanc Überschreitung von Ost nach West
Die Mont-Blanc-Überschreitung von Ost nach West zählt
zu den eindrucksvollsten Hochtouren der Alpen. Die Route
führt durch die beeindruckende Mont-Blanc-Gruppe in
Frankreich und verbindet mehrere bedeutende Gipfel miteinander.
Ausgangspunkt ist in der Regel das Hospiz Les
Houches auf etwa 1000 Metern Höhe. Von dort aus verläuft
die anspruchsvolle Tour über den Mont Blanc du Tacul
(4248 m) und den Mont Maudit (4465 m) weiter zum höchsten
Gipfel der Alpen, dem Mont Blanc mit 4807 Metern.
Anschließend führt die Überschreitung über den Dôme du
Goûter (4304 m) weiter in westlicher Richtung.
Der Charakter der Tour ist alpin und anspruchsvoll. Es handelt
sich um eine klassische Hochtour, bei der sowohl Felskletterei
im Schwierigkeitsgrad II bis III als auch steile Firnflanken mit Neigungen bis zu 45 Grad bewältigt werden
müssen. Entsprechend sind umfassende Hochtouren- und
Gletschererfahrung sowie eine sehr gute Kondition Voraussetzung
für eine sichere Durchführung. Zur notwendigen
Ausrüstung gehört die vollständige Hochtourenausrüstung.
Dazu zählen unter anderem Hüftgurt, Helm,
Steigeisen, Pickel, Seil, Eisschrauben, Karabiner, Prusikschlingen
und eine Seilrolle. Je nach Etappenplanung sind
Übernachtungen beispielsweise im Biwak Refuge Vallot
auf 4362 Metern oder in der Refuge de Tête Rousse auf
3187 Metern vorgesehen. Für die gesamte Überschreitung
sollte ein Zeitbedarf von etwa vier bis fünf Tagen eingeplant
werden, um ausreichend Reserven für Wetter und
Akklimatisation zu haben.
Die Mont-Blanc-Überschreitung von Ost nach West beginnt
in Les Houches auf 1000 Metern Höhe und führt zunächst
nach Chamonix. Von dort gelangt man mit der Seilbahn
zur Aiguille du Midi (3842 m), dem eigentlichen Ausgangspunkt
der hochalpinen Unternehmung. Nach dem Abstieg
zum Col du Midi (3522 m) führt die Route über die Nordwestflanke
auf den Mont Blanc du Tacul (4248 m). Anschließend
geht es hinunter zum Col Maudit (4029 m) und
über die Nordflanke hinauf auf den Mont Maudit (4465 m).
Über den Col de la Brenva (4303 m) wird schließlich die
Nordflanke des Mont Blanc in Angriff genommen, bis man
mit 4807 Metern den höchsten Punkt der Alpen erreicht.
Über den ausgesetzten Bossgrat erfolgt der Abstieg zum
Biwak Refuge Vallot (4362 m). Für diese erste große Etappe
von der Aiguille du Midi über Mont Blanc du Tacul, Mont
Maudit und Mont Blanc bis zum Refuge Vallot ist mit einer
Gehzeit von etwa 11 bis 11,5 Stunden zu rechnen. Dabei
sind rund 1000 Höhenmeter im Auf- und Abstieg zu bewältigen.
Am folgenden Tag führt die Route weiter über den
Dôme du Goûter (4304 m) zur Refuge Aiguille du Goûter
(3863 m). Von dort erfolgt der Abstieg durch das Grand
Couloir zur Refuge de Tête Rousse (3187 m). Für diesen
Abschnitt sollte man etwa 8 bis 8,5 Stunden einplanen; insgesamt
werden dabei rund 1200 Höhenmeter im Abstieg
zurückgelegt. Die letzte Etappe führt von der Refuge de
Tête Rousse über die Refuge Le Nid d’Aigle (2372 m) weiter
nach La Chalette (1796 m). Für diesen Schlusstag sind
nochmals etwa 7 bis 7,5 Stunden Gehzeit sowie rund 1400
Höhenmeter im Abstieg. Da sich die Verhältnisse im Hochgebirge
rasch ändern können, sollte der aktuelle Routenverlauf
unbedingt vor Antritt der Tour überprüft und an die
jeweiligen Bedingungen angepasst werden.
Eindruckvolle Ötztaler Hochtour
Die Hintere Schwärze (3624 m) mit ihrer markanten Nordwand
sowie die Kreuzspitze (3457 m) zählen zu den eindrucksvollen
Hochtourenzielen der Ötztaler Alpen in Österreich.
Die dreitägige Unternehmung verbindet eine
anspruchsvolle Eis- und Firntour mit einer aussichtsreichen
Gratbesteigung und erfordert solide Hochtouren- und
Gletschererfahrung. Ausgangspunkt ist der Parkplatz in
Vent auf 1896 Metern. Von dort führt der Zustieg in etwa
2,5 bis 3 Stunden durch das Venter Tal hinauf zur Martin-
Busch-Hütte (2501 m), wobei rund 610 Höhenmeter im
Aufstieg zu bewältigen sind. Die Hütte des DAV dient während
der Tour als Stützpunkt. Am zweiten Tag steht die Besteigung
der Hinteren Schwärze über ihre beeindruckende
Nordwand auf dem Programm. Von der Hütte geht es
zunächst über den Marzellferner zum Einstieg der Wand
auf etwa 3250 Metern. Die Nordwand weist Schwierigkeiten
im Fels bis zum II. Grad auf, im Eis werden Steilheiten
bis 65 Grad erreicht, die Gletscherhänge können bis zu
40 Grad geneigt sein. Entsprechend ist vollständige Hochtourenausrüstung
erforderlich. Nach dem Aufstieg über die
Nordwand wird der Gipfel der Hinteren Schwärze (3629 m)
erreicht.
Der Abstieg erfolgt über die Normalroute zurück über den
Marzellferner zur Martin-Busch-Hütte. Für diese lange und
fordernde Etappe sind etwa 9,5 bis 10 Stunden einzuplanen,
bei rund 1130 Höhenmetern im Auf- und Abstieg.
Am dritten Tag wird die Kreuzspitze bestiegen. Von der
Hütte führt der Weg zunächst in Richtung Brizzi-See (2921
m) und weiter über den Ostgrat zum Gipfel auf 3457 Metern.
Nach dem Gipfelerlebnis erfolgt der Abstieg zurück
zur Martin-Busch-Hütte und anschließend durch das Venter
Tal hinunter nach Vent. Für diesen Tag sind etwa 8 bis
8,5 Stunden Gehzeit zu veranschlagen, mit rund 950 Höhenmetern
im Aufstieg und 1560 Höhenmetern im Abstieg.
Wie bei allen hochalpinen Unternehmungen sollte der aktuelle
Routenverlauf sowie die Bedingungen am Berg vor
Tourenbeginn unbedingt überprüft und an die jeweiligen
Verhältnisse angepasst werden.
Piz Palü Östliche Nordwandpfeiler
Der Piz Palü (3905 m) in der Berninagruppe zählt zu den
eindrucksvollsten Hochtourenzielen der Schweizer Alpen.
Besonders anspruchsvoll ist die Besteigung über den östlichen
Nordwandpfeiler (3888 m), eine kombinierte Eis- und
Felsroute, die alpines Können und sichere Verhältnisse voraussetzt.
Die Tour verbindet steile Firn- und Eispassagen mit ausgesetzter
Kletterei und einem luftigen Gratübergang. Die
dreitägige Hochtour auf den Piz Palü (3905 m) über den
östlichen Nordwandpfeiler beginnt am Parkplatz der Diavolezza-
Seilbahn auf 2050 Metern. Von hier führt der Weg
zunächst vorbei am Diavolezzasee (2573 m) hinauf zur
Diavolezza-Hütte auf 2973 Metern. Für diesen Zustieg sind
etwa 3,5 bis 4 Stunden und rund 925 Höhenmeter im Aufstieg
einzuplanen. Je nach Tourengestaltung kann am Anreisetag
zusätzlich der Mont Pers (3207 m) bestiegen werden,
bevor es zurück zur Hütte geht.
Am Haupttourentag verläuft die Route von der Diavolezza-
Hütte über einen Sattel (3004 m) und die Fuorcla Trovat
(3019 m) auf den Persgletscher (ca. 3000 m). Von dort wird
der Einstieg des östlichen Nordwandpfeilers auf etwa 3240
Metern erreicht. Der Pfeiler weist Kletterstellen im Fels bis
zum IV. Grad auf, hinzu kommt ein ausgesetzter Eisgrat
mit Steilheiten bis zu 50 Grad. Entsprechend ist vollständige
Hochtourenausrüstung erforderlich, darunter Hüftgurt,
Helm, Steigeisen, Pickel, Seil, Karabiner, Prusikschlingen
und Seilrolle.
Über den Nordwandpfeiler gelangt man zunächst auf den
Ostgipfel des Piz Palü (3888 m) und überschreitet anschließend
über einen Verbindungsgrat den Hauptgipfel
auf 3905 Metern. Der Abstieg führt weiter über den Piz Spinas
(3823 m) zur Fuorcla Bellavista (3688 m) und über den
eindrucksvollen Fortezzagrat zur Fortezza (3372 m). Von
dort geht es über den Fortezzagletscher zurück auf den
Persgletscher (2757 m) und schließlich hinunter zur Bovalhütte
(2495 m). Für diese lange und fordernde Etappe sind
etwa 10 bis 11 Stunden einzuplanen, mit rund 910 Höhenmetern
im Aufstieg und etwa 1410 Höhenmetern im Abstieg.
Am dritten Tag erfolgt der Abstieg von der Bovalhütte
durch das Val Morteratsch zum Bahnhof Morteratsch. Dafür
sind etwa 2,5 bis 3 Stunden und rund 925 Höhenmeter im Abstieg zu veranschlagen. Mit der „Rätischen Bahn“ gelangt
man anschließend zurück zur Talstation der Diavolezza-
Seilbahn und damit zum Ausgangspunkt der Tour.
Aufgrund der hochalpinen Lage und der sich rasch ändernden
Bedingungen sollte der aktuelle Routenverlauf unbedingt
vor Tourenbeginn überprüft und an die jeweiligen Verhältnisse
angepasst werden.
Dom über Festigrat (4545 m)
Die Besteigung des Dom (4545 m) über den Festigrat zählt
zu den klassischen Hochtouren in den Walliser Alpen in der
Schweiz. Die anspruchsvolle Unternehmung führt über einen
eindrucksvollen Firn- und Felsgrat und verlangt solide
Hochtouren- sowie Gletschererfahrung. Neben Trittsicherheit
im kombinierten Gelände sind sichere Steigeisentechnik
und ein gutes Einschätzen der Verhältnisse erforderlich.
Die Schwierigkeiten bewegen sich im Fels bis zum II. Grad, am Firngrat und in den Gletscherhängen sind Steilheiten
bis etwa 45 Grad, am Grat stellenweise sogar bis
50 Grad zu bewältigen. Zur notwendigen Ausrüstung gehören
Hüftgurt, Helm, Steigeisen, Pickel, Seil, Karabiner,
Prusikschlingen, Seilrolle und die vollständige Hochtourenausrüstung.
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