Und Gott ist doch ganz anders: Biblische Begegnungen mit Gott
EUR 23,90
Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 162
ISBN: 978-3-99130-739-6
Erscheinungsdatum: 23.04.2025
Biblische Autoren erzählen Geschichten aus der Vergangenheit, aber es sind keine Historiker. Wenn Geschichten neu erzählt werden, wird Theologie betrieben, denn die Erfahrungen früherer Menschen müssen mit den Glaubenserfahrungen von heute verknüpft werden.
Vorwort
Die Bibel als Bibliothek unterschiedlichster Bücher und Schriften ist eine Sammlung von Erfahrungen und Erlebnissen, die Menschen zu unterschiedlichen Zeiten und an verschiedenen Orten mit ihrem Gott gemacht haben: aufwühlend, zerstörend, aufrüttelnd und Leben verändernd. Die Bibel erzählt von Menschen, die am Anfang einer Religion, eines Glaubens stehen, den sie noch nicht kennen, aber auf den sie sich einlassen. Sie lebten häufig noch vor der Zeit, die einer historischen Forschung zugänglich ist. Ihre Geschichten wurden immer wieder neu erzählt, verändert, so dass die ursprünglichen Erzählungen zu Legenden wurden, in denen aber die Menschen, die diese Geschichten nacherzählen, ihren Glauben und ihre Hoffnung ausdrücken. Immer wieder neu, immer wieder anders werden diese Glaubenstraditionen erzählt, bis die Geschichten dann in der Bibel aufgeschrieben und so gesichert, unveränderlich werden.
Diese Geschichten als Zeugnis von einer lebendigen Gotteserfahrung und -beziehung sind für die Menschen ihrer Zeit erzählt und müssen auch von den neuen Generationen immer wieder neu erzählt werden. Die Berichte der Bibel geben das Gerüst, die Grundlagen, aber vieles, was das Menschliche und Wertvolle ausmacht, ist dabei nur angedeutet, wie ein Skelett, dem aber noch das Fleisch fehlt, damit es lebendig wird.
An diese Tradition möchte das Buch „Und Gott ist doch ganz anders: Biblische Begegnungen mit Gott“ anknüpfen und einige Geschichten neu erzählen. Es möchte die Geschichten nicht erfinden, aber in der heutigen Sprache sprechen, die Fakten um menschliche Züge bereichern und den Leser mitnehmen in ein Abenteuer, auf das sich biblische Menschen eingelassen haben und das auch unserer Sendung entspricht, in dieser Tradition mit diesem Gott eine Geschichte zu beginnen, die noch lange nicht an ihr Ende gekommen ist.
Die Geschichten der Bibel sind bekannt und können jederzeit nachgelesen werden, aber sie sind unvollständig erzählt. Jede Neuerzählung hat aber nichts Endgültiges, sondern im immer neuen Erzählen kann der Glaube zu einer Orientierung werden. Das Ziel des Buches ist erreicht, wenn die biblischen Menschen Adam und Eva, Ismael, Leah und Judas lebendig werden und sich für jeden Einzelnen anders konkretisieren.
Dabei leben die Personen der hebräischen Bibel in der Zeit, in der der jüdische und damit auch der jüdisch-christliche Glaube entstehen. Es sind Erzählungen, die sich noch vor dem Exodus ereignen und erst später im Land Kanaan und dann noch einmal später im babylonischen Exil aufgeschrieben werden.
Judas steht vor dem Beginn des Christentums, in einer Zeit der Hoffnung auf Erneuerung des jüdischen Glaubens, in der von einer Auferstehung kein Jünger Jesu eine Vorstellung haben konnte. Für jeden Glauben ist es eine Chance, zum Ursprung zurückzukehren, zu einem machtvollen Anfang, der die Geschichte des jüdischen, des christlichen und des islamischen Glaubens geprägt hat.
In diesem Buch soll die Glaubensgeschichte von fünf biblischen Personen erzählt werden. Diesen Neuerzählungen der biblischen Geschichten wird eine theologische Glaubensperspektive vorangestellt, die die Geschichte in einen größeren Zusammenhang stellt. In diesen Kontext hinein können dann die Glaubenszeugen der Vergangenheit in unsere Zeit eintreten mit ihren Gotteserfahrungen, die auch den Menschen heute Hoffnung und Zuversicht geben können.
Die erste Erzählung berichtet von der Erschaffung des Menschen, von Adam und Eva. Als theologischer Kontext wird die Weltschöpfungserzählung, die Erschaffung der Welt in sieben Tagen vorangestellt. Dabei wird herausgearbeitet, dass Gott als Schöpfer die Welt als ein Lebenshaus gestaltet hat, in dem alle Lebewesen, Mensch und Tier in Harmonie miteinander leben sollen. Dass dies nicht der Wirklichkeit unserer Welt entspricht, macht die Bibel durch die Flutgeschichte deutlich.
Daran anschließend wird die Geschichte von Adam und Eva erzählt. Auslöser, diese Geschichte neu zu erzählen, war eine Predigt. In dieser Auslegung hat sich der Prediger vorgestellt, dass Adam und Eva im Paradies mit Gott gemeinsam gespielt, ganz konkret Schwarzer Peter gespielt haben, und sie haben diese Tradition auch nach der Vertreibung aus dem Paradies fortgeführt, immer noch wie Kinder Schwarzer Peter gespielt. Richtig ist, dass nach der biblischen Erzählung Adam und Eva im Paradies ohne Erkenntnis waren, was gut und böse ist, dass sie naiv und einfältig wie Kinder gelebt haben und mit Gott in Eintracht zusammen waren. Aber diese Naivität zerbrach, indem ihnen die Augen aufgingen, sie schämten sich voreinander, die Begierde war erwacht und sie sind zu Erwachsenen geworden. Der Einklang und die Harmonie zerbrachen, aber sie hatten einen neuen Horizont gewonnen. Als Erwachsene mussten sie sich auf eine Suche machen nach innerem Frieden, nach einer Beherrschung der Welt, in der die Arbeit mühsam, in der die gerechte Ordnung in einem achtungsvollen und gleichberechtigten Umgang der Geschlechter zerbrochen war und in der sie diesen Gott verloren hatten. Aber es ist gut, dass sie erwachsen geworden sind. Es war notwendig, aber auch schmerzhaft, von dieser Frucht zu essen.
Die zweite Erzählung ist die Erzählung von Ismael. Ausgangspunkt dieser Erzählung ist eine Stelle im Buch Genesis, auf die mich meine Tochter Maria aufmerksam gemacht hat: „Seine Söhne Isaak und Ismael begruben ihn in der Höhle von Machpela bei Mamre, auf dem Grundstück des Hetiters Efron, des Sohnes Zohars.“ Dieser Vers inspirierte mich, berechtigte mich dazu, die Geschichte von Ismael so nachzuerzählen, dass beide Söhne Abrahams sich nicht vollständig aus den Augen verloren haben und miteinander über ihre Erfahrungen mit ihrem Vater Abraham sprechen konnten.
Vorangestellt werden theologische Überlegungen über die gemeinsamen Wurzeln der drei monotheistischen abrahamitischen Religionen. Alle drei Religionen haben ihren Ursprung in der Berufung von Abraham, der sein Land in der Hoffnung verließ, dass Gott ihm und seinen Nachkommen das Land geben und ein großes Volk entstehen werde.
Dabei ist Isaak der Sohn der Verheißung, der Abraham durch seine Frau Sarah geboren wird. In dieser Tradition stehen das Judentum und das Christentum. Ismael ist der Erstgeborene, der Abraham durch Hagar geboren wird und den er auch als seinen Sohn anerkennt. Abraham wird verheißen, dass aus jedem der beiden Söhne jeweils ein großes Volk hervorgehen soll. Ismael und Jakob, der Sohn von Isaak, haben jeder zwölf Söhne.
Um die Geschichte von Ismael nachzuerzählen, wird sowohl auf die Bibel als auch auf den Koran zurückgegriffen. Beide Söhne haben schmerzhafte und in gewissem Sinne nicht zu akzeptierende Erfahrungen mit ihrem Vater Abraham gemacht: Ismael durch die Erfahrung seiner Mutter. Sie wurde von Abraham weggeschickt und erwartete in der Wüste den Tod von Ismael, Isaak in dem Moment, als sein Vater ihn als Opfer für Gott darbringen will. In beiden Fällen hat Gott eingegriffen, Ismael und Isaak gerettet und seine Verheißung wahr gemacht, so dass aus ihnen ein großes Volk hervorgegangen ist.
Die dritte Erzählung berichtet von Leah, der ersten Frau Jakobs, der Ungeliebten. Denn Jakob hatte sieben Jahre für Rahel gedient, bis er schließlich betrogen wurde, weil Laban ihm die Leah unterschob.
Historisch ist die Geschichte von Leah nicht mehr zu fassen. Die Erinnerung an sie geht bis in eine Zeit zurück, in der die Geschichten noch nicht aufgeschrieben, sondern mündlich weitergegeben wurden. Solche mündlichen Traditionen können auf der einen Seite Grundideen gut bewahren und weitergeben, andererseits ist jede Nacherzählung eine neue Geschichte. Insofern ist Leah eine Legende. In dem Sachtext zeige ich einige Perspektiven auf, wie die Texte in der hebräischen Bibel entstanden sind. Diese Geschichten wurden zunächst mündlich weitergegeben, bis die Menschen das Bedürfnis hatten, diese Erzählungen aufzuschreiben. Durch die Schrift wurden die Berichte unveränderlich.
Doch jetzt kommt etwas ganz Besonderes: Die Geschichten wurden tatsächlich nicht mehr verändert, aber dennoch bearbeitet: erweitert, ergänzt. In die Bibel kamen neue Geschichten hinzu und zu bestimmten Zeiten wurde die gleiche Geschichte noch einmal erzählt, angepasst an die damalige Zeit. So werden in der Bibel manche Erlebnisse zwei Mal erzählt, jeweils mit unterschiedlichen Akzenten, um den Glauben aktuell für die jeweiligen Zuhörer weiterzugeben.
Wir können Leah historisch nicht mehr greifen, aber wir können die Geschichte neu erzählen.
Leah war für mich immer die Frau mit den leblosen Augen, langweilig und ohne Hoffnung. Als ich in meiner Klasse in Guatemala eine Schülerin Lena hatte, die immer lächelte und Freude ausstrahlte, erinnerte sie mich vielleicht an Rahel, aber sie war für mich das genaue Gegenteil von dem, was Leah ausmachte. Aber da sie ständig mit einem ihrer Mitschüler sprach, habe ich sie jedes Mal dann mit Leah angesprochen, wenn ihr Verhalten zu störend wurde, ein Signal, sich mal wieder etwas zurückzunehmen. (Sei mal langweilig und habe nichts zu sagen.) Das hat nur zum Teil funktioniert. Aber dadurch habe ich über Leah aus der Bibel nachgedacht und diese Persönlichkeit hat sich in diesen zwei Jahren verändert. Leah ist auch die Frau, die sich ganz auf den neuen Glauben von Jakob eingelassen hat, während Rahel bei der Übersiedlung in das Land Kanaan noch zwei Götterfiguren ihres Vaters stiehlt und in das neue Land schmuggelt. Leah wird die Frau sein, die bis zum Tod an der Seite von Jakob lebt und an seiner Seite in Mamre begraben wird. Eine widersprüchliche und zugleich faszinierende Frau.
Die vierte und letzte Erzählung ist der griechischen Bibel entnommen. Sie erzählt die Geschichte von Judas, dem Verräter. Anlass zu dieser Erzählung war eine Darstellung von Judas in Antigua in den Kar-Tagen. Vor der Kirche La Merced war im Baum eine Figur von Judas ausgestellt, der sich selbst erhängte. Ein Schild trug die Aufschrift „Dieb“. Diese Vorstellung, Judas ginge es nur ums Geld, er wollte sich bereichern, während ihm Jesus nichts bedeutete, diese Vorstellung widerspricht der Darstellung in der Bibel, insbesondere dem Matthäus-Evangelium. Denn in diesem Passionsbericht wird der Preis für den Verrat von Judas genannt: 30 Silberlinge. Es ist ein symbolischer Preis, der Preis für einen Sklaven.
Deshalb habe ich als Sachtext die Passionsgeschichte des Matthäus-Evangeliums interpretiert und bin dort vor allem der Schuldfrage nachgegangen: Wer ist nach dem Evangelisten Matthäus Schuld am Tod Jesu? Über lange Zeit schien diese Frage eindeutig beantwortet zu sein: Es sind die Juden, die seinen Tod fordern. Aber eine genauere Betrachtung der Texte zeigt: Die Schuldfrage ist nicht einer Volksgruppe zuzuordnen, sondern es gibt eine universale Schuld. Personen, die Heiden, Juden oder Christen sind, haben am Tod Jesu mitgewirkt und sind insofern verantwortlich. Aber gleichzeitig zeigt sich, dass es auch Alternativen gab, dass es in allen Gruppen – Heiden, Juden und Christen – Personen gab, die sich für Jesus eingesetzt haben und auf seiner Seite standen.
Vor diesem Hintergrund kann dann die Geschichte von Judas erzählt und tiefer verstanden werden. Es ist nicht das Geld, das ihn dazu treibt, Jesus zu verraten, sondern ihm fehlt das Vertrauen, sich ganz auf Jesus und seine Nachfolge einzulassen. Er ergreift die Initiative und will Jesus zwingen, sich in seinem Sinne als Messias zu offenbaren und führt dabei die Geschichte in eine Richtung, die er nie gewollt hatte, die aber Gott zum Guten lenken kann.
1. Kapitel: die Schöpfung
Gedanken zum Schöpfungshymnus: Gen. 1,1–2,4a
Wer mit anderen Menschen spricht und ihnen zuhört, was sie über die Schöpfungserzählungen in der Bibel denken, erhält sehr häufig eine negative Einschätzung: Die Schöpfungsgeschichten der Bibel: Sowohl die Weltschöpfungserzählung in sieben Tagen in Gen. 1 als auch die Menschenschöpfungsgeschichte von Adam und Eva in Gen. 2–3 seien längst überholt. Durch die Naturwissenschaften wissen wir, dass die Welt in einem langen evolutionären Prozess entstanden ist. Weder gab es am Anfang ein Menschenpaar, Adam und Eva, noch gab es jemals eine Welt wie ein Paradies, aus dem die Menschen vertrieben werden konnten, denn der Mensch entstand in einer Welt, die für ihn immer schon bedrohlich war und in der er sich durchgesetzt hat.
Auch die verschiedenen Formen des Lebens – Pflanzen, Tiere und Mensch – sind nicht unabhängig und nebeneinander entstanden, sondern sind auseinander hervorgegangen und durch ihre Geschichte miteinander zu einer komplexen Einheit verwoben. In diesem Zusammenhang wird häufig die Kirche mit ihrer ablehnenden Haltung gegenüber den Naturwissenschaften kritisiert, insbesondere in ihrer Auseinandersetzung mit Galilei.
Verschärft wird diese Auseinandersetzung noch durch die Kreationisten, die daran festhalten: Die „Schöpfungsberichte“ seien als Wort Gottes wörtlich zu verstehen. Die Welt sei tatsächlich in sieben Tagen entstanden, und sie wollen dies durch entsprechende wissenschaftliche Darstellungen beweisen. Dieser Glaubensüberzeugung können und wollen viele Menschen nicht mehr folgen und lehnen häufig nicht nur den Glauben an die Erschaffung der Welt ab, sondern verlieren insgesamt das Vertrauen in die christliche Lehre.
Eine andere Kritik von Carl Amery stößt in die entgegengesetzte Richtung: Demnach haben das Judentum und das Christentum aufgrund der Schöpfungserzählungen einen außergewöhnlichen, „nicht intendierten Erfolg“ gehabt, indem durch die Schöpfungserzählung die Welt profaniert wurde.
Danach gibt es vier zentrale Aussagen innerhalb der Schöpfungsgeschichte:
„Erstens – Der Mensch wird an einem eigenen Tag der Schöpfung gebildet, und zwar nach Gottes Bild und Gleichnis. Wie groß immer der Abstand zwischen höheren Wirbeltieren und Insekten, zwischen Primaten und anderen Säugetieren sein mag, wie geringfügig sich die physiologischen Unterschiede innerhalb der Primatenarten im Vergleich dazu ausnehmen mögen: Dem Menschen allein ist Gottesebenbildlichkeit zugeschrieben. …
Zweitens – Jedem möglichen Zweifel über diese absolute und totale Überlegenheit steht Gottes Auftrag entgegen. Es ist der ausdrückliche Auftrag der totalen Herrschaft. Der Mensch wird gerufen, diese Erde zu erfüllen, sie sich untertan zu machen. Magische Auflagen sind nicht damit verbunden, das heißt, es ist ihm völlig freigestellt, wie er diesen Auftrag vollzieht. …
Drittens – Diese Zuordnung ist ursprünglich als völlige Harmonie angelegt, als Paradies. Die sehr realistischen Autoren des Alten Testaments sahen natürlich klar, daß wir in keinem Paradies leben. Sie kannten gründlicher als wir den Hunger, die Krankheit, die Mühsal und Plackerei unseres Daseins. Aber dieser, der Spezies unerträgliche Zustand wird als Ergebnis einer Fehlentscheidung gedeutet – als Verfehlung des Daseinsziels. ,Ein Ziel verfehlen‘ heißt griechisch hamartanein; das Verbum wird in christlicher Sprache allgemein mit ,sündigen‘ übersetzt, und die erste, in der Genesis beschriebene Zielverfehlung nennen wir Erbsünde. …
Viertens – Schöpfungsauftrag, und das heißt auch Schöpfungsgarantie, werden in den Kapiteln VIII und IX der Genesis nochmals präzisiert. … Gott selbst hat einen Lernprozeß durchgemacht, er hat gelernt, dass Strafe, auch kosmische, die Grundbefindlichkeit des Menschen nicht verändert. Von nun an steht er sozusagen bedingungslos zu seinem Erbarmen. Die Stabilität der Erde, die Hinordnung der gesamten planetarischen Biosphäre auf den Menschen wird erneut bestätigt und detailliert – ungeachtet aller Verbrechen, die er gegen sich selbst und gegen die Biosphäre begehen kann und begehen wird. Er, der Mensch, ist ausdrücklich aus dem ökologischen Zusammenhang herausgenommen, dessen logische Risiken nicht für ihn gelten, was immer andere Arten überkommen mag.“
Nach diesen Aussagen sind die Naturwissenschaften erst durch die christlichen Schöpfungserzählungen möglich geworden. Die Naturwissenschaften sind die Form, das Mittel, mit dem die Menschen ihren Herrschaftsanspruch umgesetzt und mit dem sie massiv in die ökologische Ordnung eingegriffen haben und dabei sind, unsere Welt aus dem Gleichgewicht zu bringen.
Ein Vergleich einer Weltkarte der Religion und der Wirtschaft bestätigt den Befund von Carl Amery:
Die Naturwissenschaften sind primär in den christlichen Ländern, in Europa und in den USA, entstanden und haben sie zu einem immensen Wirtschaftswachstum geführt. Dieses Wirtschaftswachstum hat es ermöglicht, dass heute acht Milliarden Menschen auf der Erde leben können, aber gleichzeitig hat es auch viele Probleme in Bezug auf die Ökologie hervorgebracht. Diese Herausforderungen zwingen den Menschen dazu, seinen Herrschaftsauftrag zu überdenken.
Als Fazit steht die Schöpfungserzählung in Gen. 1 einerseits für die Ablehnung der Naturwissenschaften und ihre Möglichkeiten. Diese Aussage kann gut begründet werden durch den Prozess gegen Galilei oder durch die Ablehnung der Aufklärung, z. B. durch das offizielle Schreiben Syllabus Errorum von Papst Pius XI.
Andererseits sind die Naturwissenschaften in den christlichen Ländern entstanden. Naturwissenschaftler wie Galileo Galilei, Johannes Kepler, Isaak Newton u. a. waren Christen.
…
Die Bibel als Bibliothek unterschiedlichster Bücher und Schriften ist eine Sammlung von Erfahrungen und Erlebnissen, die Menschen zu unterschiedlichen Zeiten und an verschiedenen Orten mit ihrem Gott gemacht haben: aufwühlend, zerstörend, aufrüttelnd und Leben verändernd. Die Bibel erzählt von Menschen, die am Anfang einer Religion, eines Glaubens stehen, den sie noch nicht kennen, aber auf den sie sich einlassen. Sie lebten häufig noch vor der Zeit, die einer historischen Forschung zugänglich ist. Ihre Geschichten wurden immer wieder neu erzählt, verändert, so dass die ursprünglichen Erzählungen zu Legenden wurden, in denen aber die Menschen, die diese Geschichten nacherzählen, ihren Glauben und ihre Hoffnung ausdrücken. Immer wieder neu, immer wieder anders werden diese Glaubenstraditionen erzählt, bis die Geschichten dann in der Bibel aufgeschrieben und so gesichert, unveränderlich werden.
Diese Geschichten als Zeugnis von einer lebendigen Gotteserfahrung und -beziehung sind für die Menschen ihrer Zeit erzählt und müssen auch von den neuen Generationen immer wieder neu erzählt werden. Die Berichte der Bibel geben das Gerüst, die Grundlagen, aber vieles, was das Menschliche und Wertvolle ausmacht, ist dabei nur angedeutet, wie ein Skelett, dem aber noch das Fleisch fehlt, damit es lebendig wird.
An diese Tradition möchte das Buch „Und Gott ist doch ganz anders: Biblische Begegnungen mit Gott“ anknüpfen und einige Geschichten neu erzählen. Es möchte die Geschichten nicht erfinden, aber in der heutigen Sprache sprechen, die Fakten um menschliche Züge bereichern und den Leser mitnehmen in ein Abenteuer, auf das sich biblische Menschen eingelassen haben und das auch unserer Sendung entspricht, in dieser Tradition mit diesem Gott eine Geschichte zu beginnen, die noch lange nicht an ihr Ende gekommen ist.
Die Geschichten der Bibel sind bekannt und können jederzeit nachgelesen werden, aber sie sind unvollständig erzählt. Jede Neuerzählung hat aber nichts Endgültiges, sondern im immer neuen Erzählen kann der Glaube zu einer Orientierung werden. Das Ziel des Buches ist erreicht, wenn die biblischen Menschen Adam und Eva, Ismael, Leah und Judas lebendig werden und sich für jeden Einzelnen anders konkretisieren.
Dabei leben die Personen der hebräischen Bibel in der Zeit, in der der jüdische und damit auch der jüdisch-christliche Glaube entstehen. Es sind Erzählungen, die sich noch vor dem Exodus ereignen und erst später im Land Kanaan und dann noch einmal später im babylonischen Exil aufgeschrieben werden.
Judas steht vor dem Beginn des Christentums, in einer Zeit der Hoffnung auf Erneuerung des jüdischen Glaubens, in der von einer Auferstehung kein Jünger Jesu eine Vorstellung haben konnte. Für jeden Glauben ist es eine Chance, zum Ursprung zurückzukehren, zu einem machtvollen Anfang, der die Geschichte des jüdischen, des christlichen und des islamischen Glaubens geprägt hat.
In diesem Buch soll die Glaubensgeschichte von fünf biblischen Personen erzählt werden. Diesen Neuerzählungen der biblischen Geschichten wird eine theologische Glaubensperspektive vorangestellt, die die Geschichte in einen größeren Zusammenhang stellt. In diesen Kontext hinein können dann die Glaubenszeugen der Vergangenheit in unsere Zeit eintreten mit ihren Gotteserfahrungen, die auch den Menschen heute Hoffnung und Zuversicht geben können.
Die erste Erzählung berichtet von der Erschaffung des Menschen, von Adam und Eva. Als theologischer Kontext wird die Weltschöpfungserzählung, die Erschaffung der Welt in sieben Tagen vorangestellt. Dabei wird herausgearbeitet, dass Gott als Schöpfer die Welt als ein Lebenshaus gestaltet hat, in dem alle Lebewesen, Mensch und Tier in Harmonie miteinander leben sollen. Dass dies nicht der Wirklichkeit unserer Welt entspricht, macht die Bibel durch die Flutgeschichte deutlich.
Daran anschließend wird die Geschichte von Adam und Eva erzählt. Auslöser, diese Geschichte neu zu erzählen, war eine Predigt. In dieser Auslegung hat sich der Prediger vorgestellt, dass Adam und Eva im Paradies mit Gott gemeinsam gespielt, ganz konkret Schwarzer Peter gespielt haben, und sie haben diese Tradition auch nach der Vertreibung aus dem Paradies fortgeführt, immer noch wie Kinder Schwarzer Peter gespielt. Richtig ist, dass nach der biblischen Erzählung Adam und Eva im Paradies ohne Erkenntnis waren, was gut und böse ist, dass sie naiv und einfältig wie Kinder gelebt haben und mit Gott in Eintracht zusammen waren. Aber diese Naivität zerbrach, indem ihnen die Augen aufgingen, sie schämten sich voreinander, die Begierde war erwacht und sie sind zu Erwachsenen geworden. Der Einklang und die Harmonie zerbrachen, aber sie hatten einen neuen Horizont gewonnen. Als Erwachsene mussten sie sich auf eine Suche machen nach innerem Frieden, nach einer Beherrschung der Welt, in der die Arbeit mühsam, in der die gerechte Ordnung in einem achtungsvollen und gleichberechtigten Umgang der Geschlechter zerbrochen war und in der sie diesen Gott verloren hatten. Aber es ist gut, dass sie erwachsen geworden sind. Es war notwendig, aber auch schmerzhaft, von dieser Frucht zu essen.
Die zweite Erzählung ist die Erzählung von Ismael. Ausgangspunkt dieser Erzählung ist eine Stelle im Buch Genesis, auf die mich meine Tochter Maria aufmerksam gemacht hat: „Seine Söhne Isaak und Ismael begruben ihn in der Höhle von Machpela bei Mamre, auf dem Grundstück des Hetiters Efron, des Sohnes Zohars.“ Dieser Vers inspirierte mich, berechtigte mich dazu, die Geschichte von Ismael so nachzuerzählen, dass beide Söhne Abrahams sich nicht vollständig aus den Augen verloren haben und miteinander über ihre Erfahrungen mit ihrem Vater Abraham sprechen konnten.
Vorangestellt werden theologische Überlegungen über die gemeinsamen Wurzeln der drei monotheistischen abrahamitischen Religionen. Alle drei Religionen haben ihren Ursprung in der Berufung von Abraham, der sein Land in der Hoffnung verließ, dass Gott ihm und seinen Nachkommen das Land geben und ein großes Volk entstehen werde.
Dabei ist Isaak der Sohn der Verheißung, der Abraham durch seine Frau Sarah geboren wird. In dieser Tradition stehen das Judentum und das Christentum. Ismael ist der Erstgeborene, der Abraham durch Hagar geboren wird und den er auch als seinen Sohn anerkennt. Abraham wird verheißen, dass aus jedem der beiden Söhne jeweils ein großes Volk hervorgehen soll. Ismael und Jakob, der Sohn von Isaak, haben jeder zwölf Söhne.
Um die Geschichte von Ismael nachzuerzählen, wird sowohl auf die Bibel als auch auf den Koran zurückgegriffen. Beide Söhne haben schmerzhafte und in gewissem Sinne nicht zu akzeptierende Erfahrungen mit ihrem Vater Abraham gemacht: Ismael durch die Erfahrung seiner Mutter. Sie wurde von Abraham weggeschickt und erwartete in der Wüste den Tod von Ismael, Isaak in dem Moment, als sein Vater ihn als Opfer für Gott darbringen will. In beiden Fällen hat Gott eingegriffen, Ismael und Isaak gerettet und seine Verheißung wahr gemacht, so dass aus ihnen ein großes Volk hervorgegangen ist.
Die dritte Erzählung berichtet von Leah, der ersten Frau Jakobs, der Ungeliebten. Denn Jakob hatte sieben Jahre für Rahel gedient, bis er schließlich betrogen wurde, weil Laban ihm die Leah unterschob.
Historisch ist die Geschichte von Leah nicht mehr zu fassen. Die Erinnerung an sie geht bis in eine Zeit zurück, in der die Geschichten noch nicht aufgeschrieben, sondern mündlich weitergegeben wurden. Solche mündlichen Traditionen können auf der einen Seite Grundideen gut bewahren und weitergeben, andererseits ist jede Nacherzählung eine neue Geschichte. Insofern ist Leah eine Legende. In dem Sachtext zeige ich einige Perspektiven auf, wie die Texte in der hebräischen Bibel entstanden sind. Diese Geschichten wurden zunächst mündlich weitergegeben, bis die Menschen das Bedürfnis hatten, diese Erzählungen aufzuschreiben. Durch die Schrift wurden die Berichte unveränderlich.
Doch jetzt kommt etwas ganz Besonderes: Die Geschichten wurden tatsächlich nicht mehr verändert, aber dennoch bearbeitet: erweitert, ergänzt. In die Bibel kamen neue Geschichten hinzu und zu bestimmten Zeiten wurde die gleiche Geschichte noch einmal erzählt, angepasst an die damalige Zeit. So werden in der Bibel manche Erlebnisse zwei Mal erzählt, jeweils mit unterschiedlichen Akzenten, um den Glauben aktuell für die jeweiligen Zuhörer weiterzugeben.
Wir können Leah historisch nicht mehr greifen, aber wir können die Geschichte neu erzählen.
Leah war für mich immer die Frau mit den leblosen Augen, langweilig und ohne Hoffnung. Als ich in meiner Klasse in Guatemala eine Schülerin Lena hatte, die immer lächelte und Freude ausstrahlte, erinnerte sie mich vielleicht an Rahel, aber sie war für mich das genaue Gegenteil von dem, was Leah ausmachte. Aber da sie ständig mit einem ihrer Mitschüler sprach, habe ich sie jedes Mal dann mit Leah angesprochen, wenn ihr Verhalten zu störend wurde, ein Signal, sich mal wieder etwas zurückzunehmen. (Sei mal langweilig und habe nichts zu sagen.) Das hat nur zum Teil funktioniert. Aber dadurch habe ich über Leah aus der Bibel nachgedacht und diese Persönlichkeit hat sich in diesen zwei Jahren verändert. Leah ist auch die Frau, die sich ganz auf den neuen Glauben von Jakob eingelassen hat, während Rahel bei der Übersiedlung in das Land Kanaan noch zwei Götterfiguren ihres Vaters stiehlt und in das neue Land schmuggelt. Leah wird die Frau sein, die bis zum Tod an der Seite von Jakob lebt und an seiner Seite in Mamre begraben wird. Eine widersprüchliche und zugleich faszinierende Frau.
Die vierte und letzte Erzählung ist der griechischen Bibel entnommen. Sie erzählt die Geschichte von Judas, dem Verräter. Anlass zu dieser Erzählung war eine Darstellung von Judas in Antigua in den Kar-Tagen. Vor der Kirche La Merced war im Baum eine Figur von Judas ausgestellt, der sich selbst erhängte. Ein Schild trug die Aufschrift „Dieb“. Diese Vorstellung, Judas ginge es nur ums Geld, er wollte sich bereichern, während ihm Jesus nichts bedeutete, diese Vorstellung widerspricht der Darstellung in der Bibel, insbesondere dem Matthäus-Evangelium. Denn in diesem Passionsbericht wird der Preis für den Verrat von Judas genannt: 30 Silberlinge. Es ist ein symbolischer Preis, der Preis für einen Sklaven.
Deshalb habe ich als Sachtext die Passionsgeschichte des Matthäus-Evangeliums interpretiert und bin dort vor allem der Schuldfrage nachgegangen: Wer ist nach dem Evangelisten Matthäus Schuld am Tod Jesu? Über lange Zeit schien diese Frage eindeutig beantwortet zu sein: Es sind die Juden, die seinen Tod fordern. Aber eine genauere Betrachtung der Texte zeigt: Die Schuldfrage ist nicht einer Volksgruppe zuzuordnen, sondern es gibt eine universale Schuld. Personen, die Heiden, Juden oder Christen sind, haben am Tod Jesu mitgewirkt und sind insofern verantwortlich. Aber gleichzeitig zeigt sich, dass es auch Alternativen gab, dass es in allen Gruppen – Heiden, Juden und Christen – Personen gab, die sich für Jesus eingesetzt haben und auf seiner Seite standen.
Vor diesem Hintergrund kann dann die Geschichte von Judas erzählt und tiefer verstanden werden. Es ist nicht das Geld, das ihn dazu treibt, Jesus zu verraten, sondern ihm fehlt das Vertrauen, sich ganz auf Jesus und seine Nachfolge einzulassen. Er ergreift die Initiative und will Jesus zwingen, sich in seinem Sinne als Messias zu offenbaren und führt dabei die Geschichte in eine Richtung, die er nie gewollt hatte, die aber Gott zum Guten lenken kann.
1. Kapitel: die Schöpfung
Gedanken zum Schöpfungshymnus: Gen. 1,1–2,4a
Wer mit anderen Menschen spricht und ihnen zuhört, was sie über die Schöpfungserzählungen in der Bibel denken, erhält sehr häufig eine negative Einschätzung: Die Schöpfungsgeschichten der Bibel: Sowohl die Weltschöpfungserzählung in sieben Tagen in Gen. 1 als auch die Menschenschöpfungsgeschichte von Adam und Eva in Gen. 2–3 seien längst überholt. Durch die Naturwissenschaften wissen wir, dass die Welt in einem langen evolutionären Prozess entstanden ist. Weder gab es am Anfang ein Menschenpaar, Adam und Eva, noch gab es jemals eine Welt wie ein Paradies, aus dem die Menschen vertrieben werden konnten, denn der Mensch entstand in einer Welt, die für ihn immer schon bedrohlich war und in der er sich durchgesetzt hat.
Auch die verschiedenen Formen des Lebens – Pflanzen, Tiere und Mensch – sind nicht unabhängig und nebeneinander entstanden, sondern sind auseinander hervorgegangen und durch ihre Geschichte miteinander zu einer komplexen Einheit verwoben. In diesem Zusammenhang wird häufig die Kirche mit ihrer ablehnenden Haltung gegenüber den Naturwissenschaften kritisiert, insbesondere in ihrer Auseinandersetzung mit Galilei.
Verschärft wird diese Auseinandersetzung noch durch die Kreationisten, die daran festhalten: Die „Schöpfungsberichte“ seien als Wort Gottes wörtlich zu verstehen. Die Welt sei tatsächlich in sieben Tagen entstanden, und sie wollen dies durch entsprechende wissenschaftliche Darstellungen beweisen. Dieser Glaubensüberzeugung können und wollen viele Menschen nicht mehr folgen und lehnen häufig nicht nur den Glauben an die Erschaffung der Welt ab, sondern verlieren insgesamt das Vertrauen in die christliche Lehre.
Eine andere Kritik von Carl Amery stößt in die entgegengesetzte Richtung: Demnach haben das Judentum und das Christentum aufgrund der Schöpfungserzählungen einen außergewöhnlichen, „nicht intendierten Erfolg“ gehabt, indem durch die Schöpfungserzählung die Welt profaniert wurde.
Danach gibt es vier zentrale Aussagen innerhalb der Schöpfungsgeschichte:
„Erstens – Der Mensch wird an einem eigenen Tag der Schöpfung gebildet, und zwar nach Gottes Bild und Gleichnis. Wie groß immer der Abstand zwischen höheren Wirbeltieren und Insekten, zwischen Primaten und anderen Säugetieren sein mag, wie geringfügig sich die physiologischen Unterschiede innerhalb der Primatenarten im Vergleich dazu ausnehmen mögen: Dem Menschen allein ist Gottesebenbildlichkeit zugeschrieben. …
Zweitens – Jedem möglichen Zweifel über diese absolute und totale Überlegenheit steht Gottes Auftrag entgegen. Es ist der ausdrückliche Auftrag der totalen Herrschaft. Der Mensch wird gerufen, diese Erde zu erfüllen, sie sich untertan zu machen. Magische Auflagen sind nicht damit verbunden, das heißt, es ist ihm völlig freigestellt, wie er diesen Auftrag vollzieht. …
Drittens – Diese Zuordnung ist ursprünglich als völlige Harmonie angelegt, als Paradies. Die sehr realistischen Autoren des Alten Testaments sahen natürlich klar, daß wir in keinem Paradies leben. Sie kannten gründlicher als wir den Hunger, die Krankheit, die Mühsal und Plackerei unseres Daseins. Aber dieser, der Spezies unerträgliche Zustand wird als Ergebnis einer Fehlentscheidung gedeutet – als Verfehlung des Daseinsziels. ,Ein Ziel verfehlen‘ heißt griechisch hamartanein; das Verbum wird in christlicher Sprache allgemein mit ,sündigen‘ übersetzt, und die erste, in der Genesis beschriebene Zielverfehlung nennen wir Erbsünde. …
Viertens – Schöpfungsauftrag, und das heißt auch Schöpfungsgarantie, werden in den Kapiteln VIII und IX der Genesis nochmals präzisiert. … Gott selbst hat einen Lernprozeß durchgemacht, er hat gelernt, dass Strafe, auch kosmische, die Grundbefindlichkeit des Menschen nicht verändert. Von nun an steht er sozusagen bedingungslos zu seinem Erbarmen. Die Stabilität der Erde, die Hinordnung der gesamten planetarischen Biosphäre auf den Menschen wird erneut bestätigt und detailliert – ungeachtet aller Verbrechen, die er gegen sich selbst und gegen die Biosphäre begehen kann und begehen wird. Er, der Mensch, ist ausdrücklich aus dem ökologischen Zusammenhang herausgenommen, dessen logische Risiken nicht für ihn gelten, was immer andere Arten überkommen mag.“
Nach diesen Aussagen sind die Naturwissenschaften erst durch die christlichen Schöpfungserzählungen möglich geworden. Die Naturwissenschaften sind die Form, das Mittel, mit dem die Menschen ihren Herrschaftsanspruch umgesetzt und mit dem sie massiv in die ökologische Ordnung eingegriffen haben und dabei sind, unsere Welt aus dem Gleichgewicht zu bringen.
Ein Vergleich einer Weltkarte der Religion und der Wirtschaft bestätigt den Befund von Carl Amery:
Die Naturwissenschaften sind primär in den christlichen Ländern, in Europa und in den USA, entstanden und haben sie zu einem immensen Wirtschaftswachstum geführt. Dieses Wirtschaftswachstum hat es ermöglicht, dass heute acht Milliarden Menschen auf der Erde leben können, aber gleichzeitig hat es auch viele Probleme in Bezug auf die Ökologie hervorgebracht. Diese Herausforderungen zwingen den Menschen dazu, seinen Herrschaftsauftrag zu überdenken.
Als Fazit steht die Schöpfungserzählung in Gen. 1 einerseits für die Ablehnung der Naturwissenschaften und ihre Möglichkeiten. Diese Aussage kann gut begründet werden durch den Prozess gegen Galilei oder durch die Ablehnung der Aufklärung, z. B. durch das offizielle Schreiben Syllabus Errorum von Papst Pius XI.
Andererseits sind die Naturwissenschaften in den christlichen Ländern entstanden. Naturwissenschaftler wie Galileo Galilei, Johannes Kepler, Isaak Newton u. a. waren Christen.
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