Ich bin glücklich, ich lebe, obwohl ich nicht hätte sein sollen
EUR 19,90
Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 262
ISBN: 978-3-99146-033-6
Erscheinungsdatum: 26.08.2024
Autobiografie einer 77-Jährigen. Schwere, turbulente Kindheit durch gewalttätigen Vater und ereignisreiches Leben als Kellnerin mit Intrigen innerhalb der Familie. 4 Kinder, 8 Enkel. Wirbelsäulenerkrankung und zusätzlich viele medizinische Fehlbehandlungen.
Vorwort
Ich möchte mein oft schwieriges Leben mit viel Leid, aber auch mit viel Freude und lustigen Ereignissen, mit vielen Kränkungen und Krankheiten deswegen schildern, weil ich glaube, dass ich damit Menschen, die ähnliche Probleme haben, Mut mache und ihnen die Kraft gebe, Krankheiten und Gemeinheiten zu besiegen und besser damit umzugehen.
Ich schreibe alles geradeheraus, deswegen mögen sich manche Leute angegriffen fühlen, zum Beispiel meine langjährige Chefin. Ich hatte in den ersten sieben Jahren eine harte Zeit. Ich habe viel gearbeitet und wenig verdient. Aber nachher, als ich ausgeholfen habe, hatte ich es sehr schön. Sie hat ihre Einstellung mir gegenüber geändert und davor habe ich Respekt – wie generell, wenn sich Menschen zum Guten ändern. Ich schätze meine ehemalige Chefin jetzt sehr und bewundere, was sie noch alles leistet. Ich bekomme oft zu hören, dass meine ehemalige Chefin sehr positiv über mich spricht, zum Beispiel dass ich die fleißigste von allen war.
Bei vielen Menschen geht eine bestimmte Einschätzung Mitmenschen gegenüber leider schon vom Elternhaus aus. So wie es auch bei meinen Urgroßeltern gegenüber der eigenen Tochter (meiner lieben Großmutter) und gegenüber meinem lieben Großvater war. Dabei waren beide fleißige, aufrichtige und sehr liebe Menschen. Großmutter wurde enterbt, und von der Familie ausgeschlossen, nur weil Großvater von einem armen Elternhaus war. Großvater hatte schon bevor er Großmutter kennengelernt hatte, schon einiges erspart. Zusammen hatten sie bald genug, dass sie genug für die Anzahlung für ihren Bauernhof aufbringen konnten. Solche Menschen verdienen eine viel höhere Wertschätzung als Geld und Gut.
Ich danke von ganzem Herzen allen lieben Menschen, die mir in meiner schwersten Zeit zur Seite gestanden sind, insbesondere meinem Mann und der lieben Schwester Ilse (sie war im Bezirkskrankenhaus für das geistige Wohl der Patienten verantwortlich) – ihr habe ich als Erste meine Lebensgeschichte erzählt und sie hat mir geraten, ein Buch darüber zu schreiben. Sie hat mich verstanden und mir Mut gemacht.
Es heißt, verstehen kann dich nur, wer Ähnliches erlebt hat, aber die meisten Menschen haben kein Verständnis. Bei Renate habe ich die ersten Kurse gemacht, als ich merkte, dass Tabletten und Spritzen absolut nicht mehr halfen, stattdessen verschlechterten sich meine Leberwerte zusehends. Bei Renate habe ich Bachblütenkurse, Homöopathie Kurse, kosmische Energien und vieles mehr gemacht. Jahr für Jahr kamen Kurse dazu, wie Ernährungskurse, Massage, 5 Tibeter etc. die meine Gesundheit sehr förderten.
Andrea mit Familie und der ganzen Runde habe ich ebenfalls viel gelernt und Verständnis gefunden. Magister Ulrike hat mir unglaublich viel geholfen und beigebracht, des Weiteren meine Psychotherapeutin Petra, einige sehr hilfreiche Naturheiler, sehr gute Masseure, die maßgeblich für meine Gesundheit verantwortlich waren, Dr. Machart Senior und Junior, Unseren langjährigen Hausarzt bin ich sehr dankbar, dass er mich regelmäßig auf Kur geschickt hat. Von Allen habe ich viel gelernt, wie ich mir selbst helfen kann.
Ich bedanke mich bei meinem sehr lieben Klassenvorstand, bei dem sehr netten und überaus großzügigen Ehepaar Dr. Großherzig, den vielen lieben Gästen, meiner allerliebsten Chefin Frau Bach, meinen sehr lieben und großzügigen Chefleuten in Bayern und auch bei dem sehr netten Herrn Martini. Nicht zuletzt bei meiner Mutter, sie hat immer sehr gut auf meine beiden großen Kinder aufgepasst; auch bei meinem Vater für die Hilfe beim Hausbau und für die wenigen netten Stunden, die er mit uns Kindern verbracht hat; bei meinen Großeltern und bei meinem Onkel und den netten Menschen, die ich als Heimhelferin betreute, sowie bei unseren vielen lieben Hausgästen. Danke für die vielen schönen Stunden. Aber vor allem bedanke ich mich bei meinem wunderbaren und verständnisvollen Mann. Alle diese Menschen haben mich gelehrt, an das Gute zu glauben.
Kurzfassung
Du hättest nicht sein sollen, wurde mir sehr oft gesagt.
Meine Lebensgeschichte fängt bei meinen Großeltern an, die Zuwanderer aus dem Norden Österreichs waren; damit verbunden waren Ausgrenzungen und Ungerechtigkeiten, und dass über Generationen hinweg.
Mit fünf Jahren hatte ich einen schweren Unfall durch ein Kriegsrelikt. Das jahrelange Stottern und die Schreie meiner Mutter haben mich geprägt.
Ich war viele Jahre gerne im Hotelgewerbe, bis ich wegen meiner Wirbelsäule gesundheitliche Probleme bekam; danach war ich einige Jahre als Heimhilfe tätig.
Ich habe vier Kinder und acht Enkel; aufgrund von Intrigen war mein Leben sehr turbulent.
Ich habe viele Fehlbehandlungen erlitten. Dadurch habe ich gelernt, mich selbst mit Naturheilmitteln zu kurieren. Trotzdem bin ich glücklich und zufrieden und habe große Freude mit unseren Enkelkindern.
Meine Kindheit
Geboren wurde ich als drittes Kind, ich sollte eigentlich nicht sein, meine Mutter nahm deshalb Tabletten. Aber anscheinend war ich damals schon zäher als andere Embryos, bei denen diese Tabletten gewirkt hatten. Ich muss dazu sagen, dass ich bis zur ersten Klasse überhaupt keine Erinnerung habe und alles nur aus Erzählungen meiner Mutter weiß.
Verschiedene Personen wollten mich adoptieren, doch mein Vater wollte anscheinend Geld für mich. Er sagte: „Man kann sie doch nicht einfach verschenken, sie ist ja keine Katze.“
Im Keller Stöckl, wo wir wohnten, befand sich nur ein Raum. Die Obstpresse stand uns als Abstellplatz zur Verfügung. Dafür musste meine Mutter einen halben Monat für die Miete im Weingarten arbeiten. Was im Winter nicht möglich war, musste sie im Sommer einbringen.
Zum Essen hatten wir nicht viel. Die Besitzerin war geizig, sie schlug das Obst oft noch unreif von den Bäumen. Aber da gab es einige andere Familien, die uns Fallobst zur Verfügung stellten.
Als ich zwei Jahre alt war, bekam ich eine kleine Schwester, Ria. Ich hatte sie sehr gerne. Doch schon nach ein paar Monaten verstarb sie an Keuchhusten. Ich hatte auch Keuchhusten. Ich suchte meine kleine Schwester lange nach ihrem Tod. Sie war genauso wie ich ein unerwünschtes Kind. Meine Mutter wurde vom Vater gezwungen, Medikamente zur Abtreibung zu nehmen, aber wir zwei kamen trotzdem gesund auf die Welt.
Meine Mutter hatte als Erbteil eine kleine Landwirtschaft mit Kühen, Ziegen, Hühnern und Kaninchen bekommen. Das Haus und die Scheune waren zusammengebaut. Unter der Scheune war der Stall und unter den Wohnräumen der Keller, das Haus war mit Schindeln gedeckt und wir hatten einige Jahre noch keinen Strom.
Auf dem Anwesen hatte früher ein Spinner gewohnt. Er hat verschiedene Kriegsmaterialien gesammelt und dort liegen gelassen. Mein großer Bruder Tom hat einen Zeitzünder von einer Handgranate gefunden und daran herumgeschraubt und ihn dabei entschärft. Tom und ich waren gerade auf der kleinen Veranda beim Haus, mein Vater sah das vom Hof aus und rief zu Tom: Schmeiß das Zeug sofort weg!“ Tom warf es einfach auf den Boden unmittelbar hinter mir, mich traf die Hauptladung und Tom hatte viele Splitter in den Beinen. Ich blutete sehr stark und war sofort bewusstlos. Meine Mutter machte die Erstversorgung, sie hatte nämlich im Krieg ein paar Jahre die verletzten Soldaten versorgt. Mein Vater packte mich in Tücher und fuhr mit dem nächsten Autobus zum Arzt, nach der ärztlichen Versorgung wurde ich gleich weiter in die Klinik überwiesen. Ich habe sehr viel Blut verloren und man wusste lange nicht, ob ich es überleben würde. Meine Eltern besuchten mich in der langen Zeit, die ich im Krankenhaus war, nie. Sie sagten, sie stirbt ohnehin.
Als meine Mutter mich abholte, erkannte sie mich nicht, weil ich so abgemagert war. Ich hatte komplett das Gedächtnis verloren und kannte niemanden mehr. Ich kann mich auch an den Krankenhausaufenthalt und die Zeit danach nicht erinnern. Erst von der ersten Klasse an kann ich mich ein wenig zurückerinnern.
Mein Vater musste den gesamten Spitalaufenthalt für mich und die Arztkosten für Tom selbst bezahlen. So wurde es mir gesagt, weil ich so viel Geld gekostet habe, aber mein Bruder sagte mir, dass solche Sachen von einer Stelle für Nachkriegsverletzungen bezahlt wurden. Doch mir wurde von Mutter erzählt, dass mein Großvater und mein Onkel einen Großteil der Kosten übernommen haben. Mein Großvater war ein kluger Mann. Er wusste vieles,wovon andere keine Ahnung hatten. Vor allem in seinem Beruf als Holzfachhändler und Arbeiter. Mein Vater hatte einen Firmenwechsel und da hatte er es versäumt, sich in der Zwischenzeit arbeitslos zu melden; deswegen hat es geheißen, dass die Eltern selbst für meine Kosten aufkommen mussten.
Ich konnte nicht mehr richtig sprechen, ich stotterte arg und musste erst wieder sprechen lernen.
Die Volksschulzeit
In der ersten und zweiten Klasse ging es mir relativ gut. Ich hatte sehr nette, rücksichtsvolle Lehrerinnen und konnte auch ein gutes Zeugnis vorweisen. Nur in Lesen hatte ich eine Zwei, wegen des Stotterns. Außerdem hatte ich da ein paar nette Burschen, die mich beschützten und mir im Winter sogar die Schultasche trugen, denn ich hatte oft zu kämpfen mit den Schneemassen. Einer ging damals in die Bauernberufsschule und der andere in der letzten Klasse.
Obwohl ich stotterte, fragte mich meine Lehrerin, ob ich zwei älteren Mädchen das Lesen beibringen könnte. Ich glaube, dass sie mir auch helfen wollte, damit ich sah, dass ich trotz Stotterns jemandem etwas beibringen konnte. Das war eine liebe Lehrerin, sie erzählte mir in späteren Jahren oft von meinem lieben Klassenvorstand aus der Hauptschule, denn sie war für die Ausbildung dieser Person zuständig. Sie wohnte im gleichen Ort wie wir. Wir haben uns immer beide gefreut, wenn wir uns getroffen haben. Sie war eine bewundernswerte Frau.
Ich setzte mich mit den beiden Mädchen auf die Kirchenstiege hin und versuchte ihnen das Lesen beizubringen, doch die kapierten das Lesen einfach nicht. Ich haute ihnen das Lesebuch um die Ohren und sagte: „Bei euch ist Hopfen und Malz verloren!“ Das zeigte anscheinend Wirkung, denn auf einmal besserten sie sich zusehends. Beide sind heute sehr nette Frauen und haben tüchtige Kinder.
Die Erstkommunion war für mich nur wegen des guten Kakaos und der Kipferl schön. Ich bekam ein weißes Erstkommunionkleid, aber ich hatte keine Freude damit, die zwei Tage, wo ich es anziehen konnte. Bei der Erstkommunion hat es beim Nachhauseweg geregnet, ich war patschnass, da fuhr auch noch ein Auto an mir vorbei und hat mich von oben bis unten mit Dreck bespritzt bei der damaligen Schotterstraße und den Pfützen. Alle anderen Kinder gingen mit ihren Eltern nach Hause. Nur ich war allein. Mein Vater saß höchstwahrscheinlich im Gasthaus. Die Mutter wird zu Hause eine Menge Arbeit gehabt haben. Die Tiere versorgte Mutter immer bestens, auch der Garten war ihr sehr wichtig. Ich lernte schon sehr früh, alle Pflanzen, die wir für den Garten brauchten, selbst zu ziehen.
Von meiner Taufpatin habe ich ein schönes blaues Kleid mit roter Stickerei bekommen, ich hätte es so gerne in der Schule getragen, aber ich durfte es nur zum Kirchgang anziehen.
Für die Schule hatte ich nur die abgetragenen alten Sachen von den Brüdern. Die Mädchen verspotteten mich. Im Winter trug ich auch fast immer die alten Schuhe von den Brüdern, leider drückten die oft schon an einigen Stellen, Peter war ja nur ein gutes Jahr älter als ich. Nur einmal bekam ich neue Schuhe, da durfte ich selbst zum Schuster gehen, das war ein sehr netter Mann. Er nahm Maß und erklärte mir ausführlich, wie so ein Schuh entsteht. Die neuen Schuhe waren viel wärmer.
Im Winter wollte ich gerne Ski fahren, aber ich bekam keine Skier und die Skier meiner Brüder durfte ich mir nicht ausborgen, also nahm ich sehr lange, alte Bretteln, wo bei einem Ski die Spitze abgebrochen war, und natürlich musste ich die großen Stiefel vom großen Bruder nehmen, um in der Bindung Halt zu haben. Ich zog mehrere Paar Socken an, damit ich einigermaßen Halt hatte.
Ich stapfte voller Zuversicht den Berg hoch. Ein paar Mal fuhr ich den Berg hinunter und marschierte dann wieder hoch. Zwischendurch gab es immer wieder ein paar Stürze, es war sehr anstrengend mit den langen Skiern und den großen Stiefeln. In den nächsten Tagen ging ich öfter den Berg hoch, aber nach einigen Tagen war der Schnee tagsüber etwas geschmolzen und in der Nacht ist der Schnee wieder gefroren, das Hinunterfahren war schon sehr schwierig, teilweise schauten schon die Maulwurfhaufen heraus, ich verlor die Kontrolle über die Skier und umarmte einen Baum, leider bekam es meiner Nase nicht gut. Ich blutete stark am Nasenrücken und hatte lange ganz arge Schmerzen. Von da an verzichtete ich aufs Skifahren.
Wir hatten einen sehr netten Kaplan und leider einen weniger netten Pfarrer. Ab der dritten Klasse hatten wir Jugendstunde, da machten wir lustige Spiele und gingen wandern. Der Kaplan konnte so gut Geschichten erzählen. Aber ich durfte nicht zweimal am Tag in den Ort. Das waren allein Gehzeit fast zwei Stunden, so habe ich mich für die Jugendstunde entschieden, aber der Pfarrer durchschaute mich und verbot mir, in die Jugendstunde zu gehen, wenn ich nicht in die Kirche ginge. Unser Kaplan fragte mich, warum ich nicht in die Kirche gehen würde. Ich erzählte ihm, dass mich meine Mutter zu Hause zum Arbeiten brauchte. Also sagte der Kaplan zum Pfarrer: „Ich habe Tina gesehen, ganz hinten ist sie gesessen.“ Eine Zeit lang ging es gut, aber dann war ich so dumm und bin zum Pfarrer beichten gegangen, denn beim Kaplan war eine lange Warteschlange und Stehen und Warten waren noch nie meine Stärke. Ich dachte: „Es gibt ja das Beichtgeheimnis und dann bete ich halt ein paar Gebete als Buße.“ Doch der Pfarrer hat getobt, sodass man es bis zum Altar gehört hat. Der arme Kaplan, an den hatte ich nicht vorausschauend gedacht. Nun gab es keine Jugendstunde mehr für mich, aber in die Kirche bin ich trotzdem nur gegangen, wenn ich grad Lust hatte.
Am Schulweg war ein Kreuz und an diesem Kreuz hing schon sehr lange ein dürrer Blumenstrauß; dieser hässliche Strauß hatte eine schöne blaue Masche, genauso eine hätte ich gerne für meinen Haarzopf gehabt. Da bin ich auf das Kreuz geklettert und habe mir die Masche geholt, doch kaum hatte ich die Masche am Zopf, da entdeckte sie die vermeintliche Besitzerin des Kreuzes und hat mich furchtbar ausgeschimpft. Ich hatte immer gedacht, das sei eine ganz liebe Bäuerin aus unserem Dorf; als ich ihr die Geschichte erzählte, lachte sie und sagte: „Von mir aus hättest du diese Masche gernhaben können, aber ich habe sie nicht dort hingehängt, denn ich war zu dieser Zeit noch nicht hier.“ Dann hat mir die Bäuerin gesagt, wer das gemacht hatte, denn derjenigen gehörte auch das Kreuz. Jetzt konnte ich ihre Reaktion besser nachvollziehen.
Ich hatte schon als Kind eine gewisse Abneigung gegen scheinheilige Christen, obwohl ich hinzufügen muss, dass es sehr wohl auch anständige und sehr liebe Christen gibt.
Alle Dirndlkleider, sowie auch die meisten anderen Kleider, nähte und strickte meine Mutter früher selbst, doch jetzt hatte sie zum Nähen keine Zeit mehr. Meine Mutter konnte wunderschön singen, doch leider ist ihr das Singen bald vergangen.
Mein Vater misshandelte ständig die Mutter und mich, aber sonntags ging er fast immer in die Kirche und die Großmutter väterlicherseits ging sogar fast täglich in die Kirche. Sie kam öfter zu Besuch. Ich hätte sie nicht bewirtet, denn sie hat immer wieder vor meiner Mutter über sie geschimpft, sie wäre faul und anderes mehr. Mutter hat mich dann immer geschickt, um für sie zur Jause Weißbrot, Wurst und Tee zu kaufen; einmal habe ich vom Weißbrot ein ordentliches Stück abgebissen, da habe ich dann ordentlich eins übergezogen bekommen. Vater hat mich vor der Großmutter wieder einmal, wie so oft, mit dem Riemen geschlagen, ich hatte dann von den Eisenteilen richtig offene Stellen und habe es immer irgendwie verheimlicht und mich vorm Turnen gedrückt, weil ich mich geschämt habe, obwohl ich Turnen immer sehr gernhatte. Ich konnte diesbezüglich Mutter nicht verstehen, mich hat dieses Schimpfen sehr erzürnt, denn meine Mutter war sehr fleißig. Ich dachte mir, wenn ich an Mutters Stelle wäre, würde ich Großmutter ordentlich die Meinung sagen. Und ich hätte Großmutter keine Jause gerichtet. Mitgebracht hat uns die Großmutter nie etwas, ich kann mich nur erinnern, dass sie jedes Mal über Mutter geschimpft hat. Und nachher hat mein Vater wieder meistens Mutter geschlagen oder bei den Haaren gepackt und durch die Gegend geschleift. Dabei war Mutter sehr fleißig, das habe ich erst registriert, als ich erwachsen war. Meine Mutter konnte mit den Tieren sehr gut umgehen.
Der Großvater väterlicherseits war von Mutters Erzählungen her ein sehr gutmütiger Mensch. Leider starb er schon in meinem Geburtsjahr. Meine beiden Brüder kamen dort auf die Welt, und wohnten dort bis mein Onkel Heinz vom Krieg zurückkam. Ich kam schon im Winzerhaus auf die Welt. Mutters Vater lobte Mutter immer sehr und erzählte immer wieder, wie fleißig Mutter war. Auch die Tochter unserer damaligen Vermieterin erzählte erst vor Kurzem, wie fleißig Mutter war. Obwohl sie erst zehn Jahre alt war, als wir vom Winzerhaus weggezogen sind, konnte sie sich noch erinnern, wie hässlich und grob Vater zu Mutter war. Ein anderer Mann aber schimpfte immer über Mutter und sagte, die würde spinnen, denn einmal hatte er sie gesehen, wie sie fast nackt vom Dachboden hinunterspringen wollte, aber dieser Mann war ähnlich wie mein Vater, auch er betrog seine liebe, fleißige Frau und die hatten auch drei ganz liebe Kinder. Erst als ich krank war und nicht schlafen konnte, wurde mir bewusst, wie fleißig Mutter war. Obwohl, Vater war auch fleißig, in jeder Hinsicht.
Vater hatte öfter eine Freundin; als er auswärts arbeitete, kam er oft nicht nach Hause und blieb bei seiner Freundin und zu Hause blieb dann die schwere Männerarbeit an Mutter hängen. Natürlich fehlte zu Hause dann auch das Geld, das Vater mit seinen Freundinnen durchbrachte. Ich hörte Mutter oft in der Nacht weinen. Mutter musste zum Beispiel immer das Wasser für die Tiere weit in den Stall tragen, dabei wäre es für Vater ein Leichtes gewesen, das Wasser in den Stall zu leiten.
Ich versorgte mit Vorliebe die Kaninchen, ich suchte immer Gras mit besonders vielen Blättern und ging schon als kleines Mädchen mit der Sense oder der Sichel Kaninchengras mähen. Mein Vater schimpfte immer mit mir, wenn ich nur dort mähte, wo die guten Blätter waren. Wir hatten auch einen großen Garten mit viel Gemüse. Mutter legte immer einen Vorrat für den Winter an. Wir sammelten Heidelbeeren, Brombeeren, Kirschen und vieles mehr und kochten es ein. Ferner hatten wir ein Maisfeld und ein Kartoffelfeld und das wurde alles händisch bearbeitet. Meine Brüder brauchten nur draußen zu helfen, aber für mich ging die Arbeit in der Küche weiter.
Am meisten habe ich es gehasst, wenn ich in der Heuscheune das Heu weitertransportieren musste, meine Brüder haben mich mit dem staubigen Heu förmlich bombardiert und ich musste schnell das Heu zurückbefördern, sonst bekam ich dazwischen kaum Luft. Teilweise war das Heu ineinander verdreht, weil der Hang vor dem Heu Stadl so steil war, dass wir es anfangs hinunterschieben mussten, aber dann fing es von selbst an zu rollen und dadurch bekamen wir es oft nur schwer wieder auseinander.
Einmal musste ich eine Ziege heimtreiben.
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Ich möchte mein oft schwieriges Leben mit viel Leid, aber auch mit viel Freude und lustigen Ereignissen, mit vielen Kränkungen und Krankheiten deswegen schildern, weil ich glaube, dass ich damit Menschen, die ähnliche Probleme haben, Mut mache und ihnen die Kraft gebe, Krankheiten und Gemeinheiten zu besiegen und besser damit umzugehen.
Ich schreibe alles geradeheraus, deswegen mögen sich manche Leute angegriffen fühlen, zum Beispiel meine langjährige Chefin. Ich hatte in den ersten sieben Jahren eine harte Zeit. Ich habe viel gearbeitet und wenig verdient. Aber nachher, als ich ausgeholfen habe, hatte ich es sehr schön. Sie hat ihre Einstellung mir gegenüber geändert und davor habe ich Respekt – wie generell, wenn sich Menschen zum Guten ändern. Ich schätze meine ehemalige Chefin jetzt sehr und bewundere, was sie noch alles leistet. Ich bekomme oft zu hören, dass meine ehemalige Chefin sehr positiv über mich spricht, zum Beispiel dass ich die fleißigste von allen war.
Bei vielen Menschen geht eine bestimmte Einschätzung Mitmenschen gegenüber leider schon vom Elternhaus aus. So wie es auch bei meinen Urgroßeltern gegenüber der eigenen Tochter (meiner lieben Großmutter) und gegenüber meinem lieben Großvater war. Dabei waren beide fleißige, aufrichtige und sehr liebe Menschen. Großmutter wurde enterbt, und von der Familie ausgeschlossen, nur weil Großvater von einem armen Elternhaus war. Großvater hatte schon bevor er Großmutter kennengelernt hatte, schon einiges erspart. Zusammen hatten sie bald genug, dass sie genug für die Anzahlung für ihren Bauernhof aufbringen konnten. Solche Menschen verdienen eine viel höhere Wertschätzung als Geld und Gut.
Ich danke von ganzem Herzen allen lieben Menschen, die mir in meiner schwersten Zeit zur Seite gestanden sind, insbesondere meinem Mann und der lieben Schwester Ilse (sie war im Bezirkskrankenhaus für das geistige Wohl der Patienten verantwortlich) – ihr habe ich als Erste meine Lebensgeschichte erzählt und sie hat mir geraten, ein Buch darüber zu schreiben. Sie hat mich verstanden und mir Mut gemacht.
Es heißt, verstehen kann dich nur, wer Ähnliches erlebt hat, aber die meisten Menschen haben kein Verständnis. Bei Renate habe ich die ersten Kurse gemacht, als ich merkte, dass Tabletten und Spritzen absolut nicht mehr halfen, stattdessen verschlechterten sich meine Leberwerte zusehends. Bei Renate habe ich Bachblütenkurse, Homöopathie Kurse, kosmische Energien und vieles mehr gemacht. Jahr für Jahr kamen Kurse dazu, wie Ernährungskurse, Massage, 5 Tibeter etc. die meine Gesundheit sehr förderten.
Andrea mit Familie und der ganzen Runde habe ich ebenfalls viel gelernt und Verständnis gefunden. Magister Ulrike hat mir unglaublich viel geholfen und beigebracht, des Weiteren meine Psychotherapeutin Petra, einige sehr hilfreiche Naturheiler, sehr gute Masseure, die maßgeblich für meine Gesundheit verantwortlich waren, Dr. Machart Senior und Junior, Unseren langjährigen Hausarzt bin ich sehr dankbar, dass er mich regelmäßig auf Kur geschickt hat. Von Allen habe ich viel gelernt, wie ich mir selbst helfen kann.
Ich bedanke mich bei meinem sehr lieben Klassenvorstand, bei dem sehr netten und überaus großzügigen Ehepaar Dr. Großherzig, den vielen lieben Gästen, meiner allerliebsten Chefin Frau Bach, meinen sehr lieben und großzügigen Chefleuten in Bayern und auch bei dem sehr netten Herrn Martini. Nicht zuletzt bei meiner Mutter, sie hat immer sehr gut auf meine beiden großen Kinder aufgepasst; auch bei meinem Vater für die Hilfe beim Hausbau und für die wenigen netten Stunden, die er mit uns Kindern verbracht hat; bei meinen Großeltern und bei meinem Onkel und den netten Menschen, die ich als Heimhelferin betreute, sowie bei unseren vielen lieben Hausgästen. Danke für die vielen schönen Stunden. Aber vor allem bedanke ich mich bei meinem wunderbaren und verständnisvollen Mann. Alle diese Menschen haben mich gelehrt, an das Gute zu glauben.
Kurzfassung
Du hättest nicht sein sollen, wurde mir sehr oft gesagt.
Meine Lebensgeschichte fängt bei meinen Großeltern an, die Zuwanderer aus dem Norden Österreichs waren; damit verbunden waren Ausgrenzungen und Ungerechtigkeiten, und dass über Generationen hinweg.
Mit fünf Jahren hatte ich einen schweren Unfall durch ein Kriegsrelikt. Das jahrelange Stottern und die Schreie meiner Mutter haben mich geprägt.
Ich war viele Jahre gerne im Hotelgewerbe, bis ich wegen meiner Wirbelsäule gesundheitliche Probleme bekam; danach war ich einige Jahre als Heimhilfe tätig.
Ich habe vier Kinder und acht Enkel; aufgrund von Intrigen war mein Leben sehr turbulent.
Ich habe viele Fehlbehandlungen erlitten. Dadurch habe ich gelernt, mich selbst mit Naturheilmitteln zu kurieren. Trotzdem bin ich glücklich und zufrieden und habe große Freude mit unseren Enkelkindern.
Meine Kindheit
Geboren wurde ich als drittes Kind, ich sollte eigentlich nicht sein, meine Mutter nahm deshalb Tabletten. Aber anscheinend war ich damals schon zäher als andere Embryos, bei denen diese Tabletten gewirkt hatten. Ich muss dazu sagen, dass ich bis zur ersten Klasse überhaupt keine Erinnerung habe und alles nur aus Erzählungen meiner Mutter weiß.
Verschiedene Personen wollten mich adoptieren, doch mein Vater wollte anscheinend Geld für mich. Er sagte: „Man kann sie doch nicht einfach verschenken, sie ist ja keine Katze.“
Im Keller Stöckl, wo wir wohnten, befand sich nur ein Raum. Die Obstpresse stand uns als Abstellplatz zur Verfügung. Dafür musste meine Mutter einen halben Monat für die Miete im Weingarten arbeiten. Was im Winter nicht möglich war, musste sie im Sommer einbringen.
Zum Essen hatten wir nicht viel. Die Besitzerin war geizig, sie schlug das Obst oft noch unreif von den Bäumen. Aber da gab es einige andere Familien, die uns Fallobst zur Verfügung stellten.
Als ich zwei Jahre alt war, bekam ich eine kleine Schwester, Ria. Ich hatte sie sehr gerne. Doch schon nach ein paar Monaten verstarb sie an Keuchhusten. Ich hatte auch Keuchhusten. Ich suchte meine kleine Schwester lange nach ihrem Tod. Sie war genauso wie ich ein unerwünschtes Kind. Meine Mutter wurde vom Vater gezwungen, Medikamente zur Abtreibung zu nehmen, aber wir zwei kamen trotzdem gesund auf die Welt.
Meine Mutter hatte als Erbteil eine kleine Landwirtschaft mit Kühen, Ziegen, Hühnern und Kaninchen bekommen. Das Haus und die Scheune waren zusammengebaut. Unter der Scheune war der Stall und unter den Wohnräumen der Keller, das Haus war mit Schindeln gedeckt und wir hatten einige Jahre noch keinen Strom.
Auf dem Anwesen hatte früher ein Spinner gewohnt. Er hat verschiedene Kriegsmaterialien gesammelt und dort liegen gelassen. Mein großer Bruder Tom hat einen Zeitzünder von einer Handgranate gefunden und daran herumgeschraubt und ihn dabei entschärft. Tom und ich waren gerade auf der kleinen Veranda beim Haus, mein Vater sah das vom Hof aus und rief zu Tom: Schmeiß das Zeug sofort weg!“ Tom warf es einfach auf den Boden unmittelbar hinter mir, mich traf die Hauptladung und Tom hatte viele Splitter in den Beinen. Ich blutete sehr stark und war sofort bewusstlos. Meine Mutter machte die Erstversorgung, sie hatte nämlich im Krieg ein paar Jahre die verletzten Soldaten versorgt. Mein Vater packte mich in Tücher und fuhr mit dem nächsten Autobus zum Arzt, nach der ärztlichen Versorgung wurde ich gleich weiter in die Klinik überwiesen. Ich habe sehr viel Blut verloren und man wusste lange nicht, ob ich es überleben würde. Meine Eltern besuchten mich in der langen Zeit, die ich im Krankenhaus war, nie. Sie sagten, sie stirbt ohnehin.
Als meine Mutter mich abholte, erkannte sie mich nicht, weil ich so abgemagert war. Ich hatte komplett das Gedächtnis verloren und kannte niemanden mehr. Ich kann mich auch an den Krankenhausaufenthalt und die Zeit danach nicht erinnern. Erst von der ersten Klasse an kann ich mich ein wenig zurückerinnern.
Mein Vater musste den gesamten Spitalaufenthalt für mich und die Arztkosten für Tom selbst bezahlen. So wurde es mir gesagt, weil ich so viel Geld gekostet habe, aber mein Bruder sagte mir, dass solche Sachen von einer Stelle für Nachkriegsverletzungen bezahlt wurden. Doch mir wurde von Mutter erzählt, dass mein Großvater und mein Onkel einen Großteil der Kosten übernommen haben. Mein Großvater war ein kluger Mann. Er wusste vieles,wovon andere keine Ahnung hatten. Vor allem in seinem Beruf als Holzfachhändler und Arbeiter. Mein Vater hatte einen Firmenwechsel und da hatte er es versäumt, sich in der Zwischenzeit arbeitslos zu melden; deswegen hat es geheißen, dass die Eltern selbst für meine Kosten aufkommen mussten.
Ich konnte nicht mehr richtig sprechen, ich stotterte arg und musste erst wieder sprechen lernen.
Die Volksschulzeit
In der ersten und zweiten Klasse ging es mir relativ gut. Ich hatte sehr nette, rücksichtsvolle Lehrerinnen und konnte auch ein gutes Zeugnis vorweisen. Nur in Lesen hatte ich eine Zwei, wegen des Stotterns. Außerdem hatte ich da ein paar nette Burschen, die mich beschützten und mir im Winter sogar die Schultasche trugen, denn ich hatte oft zu kämpfen mit den Schneemassen. Einer ging damals in die Bauernberufsschule und der andere in der letzten Klasse.
Obwohl ich stotterte, fragte mich meine Lehrerin, ob ich zwei älteren Mädchen das Lesen beibringen könnte. Ich glaube, dass sie mir auch helfen wollte, damit ich sah, dass ich trotz Stotterns jemandem etwas beibringen konnte. Das war eine liebe Lehrerin, sie erzählte mir in späteren Jahren oft von meinem lieben Klassenvorstand aus der Hauptschule, denn sie war für die Ausbildung dieser Person zuständig. Sie wohnte im gleichen Ort wie wir. Wir haben uns immer beide gefreut, wenn wir uns getroffen haben. Sie war eine bewundernswerte Frau.
Ich setzte mich mit den beiden Mädchen auf die Kirchenstiege hin und versuchte ihnen das Lesen beizubringen, doch die kapierten das Lesen einfach nicht. Ich haute ihnen das Lesebuch um die Ohren und sagte: „Bei euch ist Hopfen und Malz verloren!“ Das zeigte anscheinend Wirkung, denn auf einmal besserten sie sich zusehends. Beide sind heute sehr nette Frauen und haben tüchtige Kinder.
Die Erstkommunion war für mich nur wegen des guten Kakaos und der Kipferl schön. Ich bekam ein weißes Erstkommunionkleid, aber ich hatte keine Freude damit, die zwei Tage, wo ich es anziehen konnte. Bei der Erstkommunion hat es beim Nachhauseweg geregnet, ich war patschnass, da fuhr auch noch ein Auto an mir vorbei und hat mich von oben bis unten mit Dreck bespritzt bei der damaligen Schotterstraße und den Pfützen. Alle anderen Kinder gingen mit ihren Eltern nach Hause. Nur ich war allein. Mein Vater saß höchstwahrscheinlich im Gasthaus. Die Mutter wird zu Hause eine Menge Arbeit gehabt haben. Die Tiere versorgte Mutter immer bestens, auch der Garten war ihr sehr wichtig. Ich lernte schon sehr früh, alle Pflanzen, die wir für den Garten brauchten, selbst zu ziehen.
Von meiner Taufpatin habe ich ein schönes blaues Kleid mit roter Stickerei bekommen, ich hätte es so gerne in der Schule getragen, aber ich durfte es nur zum Kirchgang anziehen.
Für die Schule hatte ich nur die abgetragenen alten Sachen von den Brüdern. Die Mädchen verspotteten mich. Im Winter trug ich auch fast immer die alten Schuhe von den Brüdern, leider drückten die oft schon an einigen Stellen, Peter war ja nur ein gutes Jahr älter als ich. Nur einmal bekam ich neue Schuhe, da durfte ich selbst zum Schuster gehen, das war ein sehr netter Mann. Er nahm Maß und erklärte mir ausführlich, wie so ein Schuh entsteht. Die neuen Schuhe waren viel wärmer.
Im Winter wollte ich gerne Ski fahren, aber ich bekam keine Skier und die Skier meiner Brüder durfte ich mir nicht ausborgen, also nahm ich sehr lange, alte Bretteln, wo bei einem Ski die Spitze abgebrochen war, und natürlich musste ich die großen Stiefel vom großen Bruder nehmen, um in der Bindung Halt zu haben. Ich zog mehrere Paar Socken an, damit ich einigermaßen Halt hatte.
Ich stapfte voller Zuversicht den Berg hoch. Ein paar Mal fuhr ich den Berg hinunter und marschierte dann wieder hoch. Zwischendurch gab es immer wieder ein paar Stürze, es war sehr anstrengend mit den langen Skiern und den großen Stiefeln. In den nächsten Tagen ging ich öfter den Berg hoch, aber nach einigen Tagen war der Schnee tagsüber etwas geschmolzen und in der Nacht ist der Schnee wieder gefroren, das Hinunterfahren war schon sehr schwierig, teilweise schauten schon die Maulwurfhaufen heraus, ich verlor die Kontrolle über die Skier und umarmte einen Baum, leider bekam es meiner Nase nicht gut. Ich blutete stark am Nasenrücken und hatte lange ganz arge Schmerzen. Von da an verzichtete ich aufs Skifahren.
Wir hatten einen sehr netten Kaplan und leider einen weniger netten Pfarrer. Ab der dritten Klasse hatten wir Jugendstunde, da machten wir lustige Spiele und gingen wandern. Der Kaplan konnte so gut Geschichten erzählen. Aber ich durfte nicht zweimal am Tag in den Ort. Das waren allein Gehzeit fast zwei Stunden, so habe ich mich für die Jugendstunde entschieden, aber der Pfarrer durchschaute mich und verbot mir, in die Jugendstunde zu gehen, wenn ich nicht in die Kirche ginge. Unser Kaplan fragte mich, warum ich nicht in die Kirche gehen würde. Ich erzählte ihm, dass mich meine Mutter zu Hause zum Arbeiten brauchte. Also sagte der Kaplan zum Pfarrer: „Ich habe Tina gesehen, ganz hinten ist sie gesessen.“ Eine Zeit lang ging es gut, aber dann war ich so dumm und bin zum Pfarrer beichten gegangen, denn beim Kaplan war eine lange Warteschlange und Stehen und Warten waren noch nie meine Stärke. Ich dachte: „Es gibt ja das Beichtgeheimnis und dann bete ich halt ein paar Gebete als Buße.“ Doch der Pfarrer hat getobt, sodass man es bis zum Altar gehört hat. Der arme Kaplan, an den hatte ich nicht vorausschauend gedacht. Nun gab es keine Jugendstunde mehr für mich, aber in die Kirche bin ich trotzdem nur gegangen, wenn ich grad Lust hatte.
Am Schulweg war ein Kreuz und an diesem Kreuz hing schon sehr lange ein dürrer Blumenstrauß; dieser hässliche Strauß hatte eine schöne blaue Masche, genauso eine hätte ich gerne für meinen Haarzopf gehabt. Da bin ich auf das Kreuz geklettert und habe mir die Masche geholt, doch kaum hatte ich die Masche am Zopf, da entdeckte sie die vermeintliche Besitzerin des Kreuzes und hat mich furchtbar ausgeschimpft. Ich hatte immer gedacht, das sei eine ganz liebe Bäuerin aus unserem Dorf; als ich ihr die Geschichte erzählte, lachte sie und sagte: „Von mir aus hättest du diese Masche gernhaben können, aber ich habe sie nicht dort hingehängt, denn ich war zu dieser Zeit noch nicht hier.“ Dann hat mir die Bäuerin gesagt, wer das gemacht hatte, denn derjenigen gehörte auch das Kreuz. Jetzt konnte ich ihre Reaktion besser nachvollziehen.
Ich hatte schon als Kind eine gewisse Abneigung gegen scheinheilige Christen, obwohl ich hinzufügen muss, dass es sehr wohl auch anständige und sehr liebe Christen gibt.
Alle Dirndlkleider, sowie auch die meisten anderen Kleider, nähte und strickte meine Mutter früher selbst, doch jetzt hatte sie zum Nähen keine Zeit mehr. Meine Mutter konnte wunderschön singen, doch leider ist ihr das Singen bald vergangen.
Mein Vater misshandelte ständig die Mutter und mich, aber sonntags ging er fast immer in die Kirche und die Großmutter väterlicherseits ging sogar fast täglich in die Kirche. Sie kam öfter zu Besuch. Ich hätte sie nicht bewirtet, denn sie hat immer wieder vor meiner Mutter über sie geschimpft, sie wäre faul und anderes mehr. Mutter hat mich dann immer geschickt, um für sie zur Jause Weißbrot, Wurst und Tee zu kaufen; einmal habe ich vom Weißbrot ein ordentliches Stück abgebissen, da habe ich dann ordentlich eins übergezogen bekommen. Vater hat mich vor der Großmutter wieder einmal, wie so oft, mit dem Riemen geschlagen, ich hatte dann von den Eisenteilen richtig offene Stellen und habe es immer irgendwie verheimlicht und mich vorm Turnen gedrückt, weil ich mich geschämt habe, obwohl ich Turnen immer sehr gernhatte. Ich konnte diesbezüglich Mutter nicht verstehen, mich hat dieses Schimpfen sehr erzürnt, denn meine Mutter war sehr fleißig. Ich dachte mir, wenn ich an Mutters Stelle wäre, würde ich Großmutter ordentlich die Meinung sagen. Und ich hätte Großmutter keine Jause gerichtet. Mitgebracht hat uns die Großmutter nie etwas, ich kann mich nur erinnern, dass sie jedes Mal über Mutter geschimpft hat. Und nachher hat mein Vater wieder meistens Mutter geschlagen oder bei den Haaren gepackt und durch die Gegend geschleift. Dabei war Mutter sehr fleißig, das habe ich erst registriert, als ich erwachsen war. Meine Mutter konnte mit den Tieren sehr gut umgehen.
Der Großvater väterlicherseits war von Mutters Erzählungen her ein sehr gutmütiger Mensch. Leider starb er schon in meinem Geburtsjahr. Meine beiden Brüder kamen dort auf die Welt, und wohnten dort bis mein Onkel Heinz vom Krieg zurückkam. Ich kam schon im Winzerhaus auf die Welt. Mutters Vater lobte Mutter immer sehr und erzählte immer wieder, wie fleißig Mutter war. Auch die Tochter unserer damaligen Vermieterin erzählte erst vor Kurzem, wie fleißig Mutter war. Obwohl sie erst zehn Jahre alt war, als wir vom Winzerhaus weggezogen sind, konnte sie sich noch erinnern, wie hässlich und grob Vater zu Mutter war. Ein anderer Mann aber schimpfte immer über Mutter und sagte, die würde spinnen, denn einmal hatte er sie gesehen, wie sie fast nackt vom Dachboden hinunterspringen wollte, aber dieser Mann war ähnlich wie mein Vater, auch er betrog seine liebe, fleißige Frau und die hatten auch drei ganz liebe Kinder. Erst als ich krank war und nicht schlafen konnte, wurde mir bewusst, wie fleißig Mutter war. Obwohl, Vater war auch fleißig, in jeder Hinsicht.
Vater hatte öfter eine Freundin; als er auswärts arbeitete, kam er oft nicht nach Hause und blieb bei seiner Freundin und zu Hause blieb dann die schwere Männerarbeit an Mutter hängen. Natürlich fehlte zu Hause dann auch das Geld, das Vater mit seinen Freundinnen durchbrachte. Ich hörte Mutter oft in der Nacht weinen. Mutter musste zum Beispiel immer das Wasser für die Tiere weit in den Stall tragen, dabei wäre es für Vater ein Leichtes gewesen, das Wasser in den Stall zu leiten.
Ich versorgte mit Vorliebe die Kaninchen, ich suchte immer Gras mit besonders vielen Blättern und ging schon als kleines Mädchen mit der Sense oder der Sichel Kaninchengras mähen. Mein Vater schimpfte immer mit mir, wenn ich nur dort mähte, wo die guten Blätter waren. Wir hatten auch einen großen Garten mit viel Gemüse. Mutter legte immer einen Vorrat für den Winter an. Wir sammelten Heidelbeeren, Brombeeren, Kirschen und vieles mehr und kochten es ein. Ferner hatten wir ein Maisfeld und ein Kartoffelfeld und das wurde alles händisch bearbeitet. Meine Brüder brauchten nur draußen zu helfen, aber für mich ging die Arbeit in der Küche weiter.
Am meisten habe ich es gehasst, wenn ich in der Heuscheune das Heu weitertransportieren musste, meine Brüder haben mich mit dem staubigen Heu förmlich bombardiert und ich musste schnell das Heu zurückbefördern, sonst bekam ich dazwischen kaum Luft. Teilweise war das Heu ineinander verdreht, weil der Hang vor dem Heu Stadl so steil war, dass wir es anfangs hinunterschieben mussten, aber dann fing es von selbst an zu rollen und dadurch bekamen wir es oft nur schwer wieder auseinander.
Einmal musste ich eine Ziege heimtreiben.
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