Cover: Niko und die Traumwerkstatt

Niko und die Traumwerkstatt
Begleitung bei Panikträumen – wirksam und nah


EUR 17,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 44
ISBN: 978-3-7116-1726-2
Erscheinungsdatum: 17.06.2026
Nachts wird Niko von dunklen Träumen geweckt. In der „Traumwerkstatt“ lernt er, stehen zu bleiben statt zu fliehen. Alte Mythen werden zu Wegweisern. Eine stärkende Geschichte für Kinder, die lernen möchten, ihrer Angst mutig zu begegnen.
Kapitel 1:
Ein Geständnis im Klassenzimmer


Niko drückte seine Stirn gegen die kühle Fensterscheibe des Busses. Draußen zog Mannheim vorbei – vertraute Straßen, das Schloss, die Neckarbrücke. Alles verschwamm vor seinen müden Augen. Drei Stunden hatte er letzte Nacht geschlafen. Höchstens.
Wieder dieser Traum.
Er tastete nach seinem Handy. 7:23 Uhr. Noch sieben Minuten bis zur Schule. Sieben Minuten, um so zu tun, als wäre alles okay. Im Klassenzimmer herrschte das übliche Chaos. Lena und ihre Freundinnen kicherten in der hinteren Ecke, Ben jonglierte mit einem Fußball, bis Frau Sommerfeld hereinkam. Niko ließ sich auf seinen Platz fallen, zog die Kapuze tiefer ins Gesicht.
„Guten Morgen zusammen!“ Frau Sommerfeld stellte ihre Tasche ab, wickelte ihren bunten Schal vom Hals – denselben, den sie seit drei Jahren trug. Normalerweise mochte Niko seine Deutschlehrerin. Sie war nie so gestresst wie die anderen, lächelte viel, nahm sie ernst. Aber heute wünschte er sich einfach nur, unsichtbar zu sein.
„Habt ihr gut geschlafen?“
Einige nickten. Andere gähnten demonstrativ. Niko starrte auf seine Tischplatte und zeichnete mit dem Finger unsichtbare Muster nach.
„Heute reden wir über etwas Faszinierendes: eure Träume.“ Frau Sommerfeld lehnte sich gegen ihren Tisch. „Stellt euch vor, jeder von euch hat sein eigenes Kino im Kopf. Jeden Abend, wenn ihr einschlaft, beginnt die Vorstellung. Und ihr seid die Hauptfigur.“
„Ich bin letzte Nacht geflogen!“ Lena reckte den Arm in die Höhe. „Über ganz Mannheim, bis zum Wasserturm!“
„Ich war Pirat“, rief Ben dazwischen. „Mit echten Kanonen, habe aber nur auf Schatten geschossen!“
Niko rutschte tiefer in seinen Stuhl. Sein Herz begann schneller zu schlagen. Er kannte dieses Gefühl – die Hitze, die von seinem Magen hochkroch, der Druck in seiner Brust.
Nicht jetzt. Bitte nicht jetzt.
„Niko?“ Frau Sommerfelds Stimme drang durch den Nebel in seinem Kopf. „Du bist so still heute. Hast du auch geträumt?“
Alle Augen richteten sich auf ihn. Er schüttelte den Kopf.
„Nein.“
Seine Stimme klang belegt, fremd. Frau Sommerfeld runzelte die Stirn, sagte aber nichts. Stattdessen wandte sie sich wieder der Klasse zu, während das Gespräch weiterging. Träume von blauen Mülleimern, die eine Straßensperre bildeten. Von einem Schiff, das in der Mitte auseinanderbrach. Vom Kampf gegen eine Straßengang. Niko hörte kaum zu. In seinem Kopf liefen andere Bilder ab. Dunkle Flure. Schwere Schritte hinter ihm. Die Panik, wenn er rannte und rannte, aber nie schnell genug war.
„Es gibt verschiedene Arten von Träumen“, erklärte Frau Sommerfeld gerade. „Schöne Träume, neutrale Träume, und …“ sie zögerte, „manchmal auch Alpträume. Das ist völlig normal.“
Normal.
Das Wort hallte in Nikos Kopf nach. War es normal, fast jede Nacht schweißgebadet aufzuwachen? War es normal, Angst davor zu haben, einzuschlafen? Seine Hand hob sich, bevor er es verhindern konnte.
„Ja, Niko?“
Er räusperte sich. Sein Mund war trocken.
„Was ist, wenn …“ Er brach ab. Dreißig Augenpaare starrten ihn an. Sein Herz hämmerte so laut, dass er sicher war, alle konnten es hören. „Was ist, wenn die Alpträume nicht aufhören?“
Die Klasse wurde still.
„Wie meinst du das?“, fragte Frau Sommerfeld sanft.
Jetzt hatte er angefangen. Jetzt konnte er nicht mehr zurück.
„Fast jede Nacht träume ich …“ Seine Stimme wurde leiser. „Es verfolgt mich jemand. Oder mehrere. Ich weiß nie genau, wer. Ich sehe nur Schatten, aber ich weiß, dass sie mir etwas antun wollen. Ich renne, aber sie sind immer schneller. Und kurz bevor …“ Er schluckte. „Kurz bevor sie mich kriegen, wache ich auf. Mit rasendem Herzen. Manchmal schreie ich dabei.“
Stille. Niko wagte nicht, hochzuschauen. Seine Wangen brannten. Warum hatte er das gesagt? Vor der ganzen Klasse? Jetzt dachten alle, er wäre ein Kleinkind, das sich vor Monstern fürchtete.
„Das tut mir leid, Niko.“ Frau Sommerfelds Stimme war ernst, mitfühlend. Aber auch ein bisschen hilflos. „Hast du mit deinen Eltern darüber gesprochen?“
Er nickte stumm.
„Gut. Das ist wichtig.“ Sie wirkte unsicher, suchte nach den richtigen Worten. „Alpträume können viele Ursachen haben. Stress, Sorgen, manchmal auch einfach so. Aber wenn sie sehr häufig auftreten, sollte man sich Hilfe holen.“
Die Pausenklingel erlöste ihn. Stühle schrappten über den Boden, Stimmen erfüllten wieder den Raum. Niko stopfte seine Sachen in den Rucksack, wollte nur noch raus hier.
„Niko, warte kurz.“
Er drehte sich um. Pavlos stand vor ihm – ein ruhiger Typ aus seiner Klasse, mit dem er manchmal Fußball spielte, aber nie viel geredet hatte.
„Hey“, sagte Pavlos und kratzte sich verlegen am Hinterkopf. „Das war mutig vorhin.“
Niko zuckte mit den Schultern. Mutig fühlte es sich nicht an. Eher bescheuert.
„Hör mal“, fuhr Pavlos fort, „mein Großvater … der kennt sich mit sowas aus. Mit Träumen und so. Er kommt aus Griechenland, wohnt bei uns. Papous nennen wir ihn – das heißt einfach nur Opa auf Griechisch.“ Er zögerte. „Er hat früher im Dorf immer den Leuten geholfen, die schlecht geschlafen haben. Mit Geschichten oder so. Ich weiß nicht genau, wie das funktioniert, aber … vielleicht könnte er dir auch helfen?“
Niko sah Pavlos skeptisch an. Ein alter Grieche, der Geschichten erzählte? Das sollte seine Alpträume stoppen? Andererseits – was hatte er zu verlieren?
„Okay“, hörte er sich sagen. „Wann?“
Pavlos’ Gesicht hellte sich auf. „Samstag? Kommst du einfach zu uns. Ich schick dir die Adresse.“




Kapitel 2:
Papous


Samstag, 14 Uhr. Niko stand vor einem großen Backsteinhaus in der Neckarstadt und fragte sich zum dritten Mal, was er hier eigentlich tat.
Ein Großvater, der Träume heilt. Klar. Wahrscheinlich will er mir irgendwelche Kräutermischungen verkaufen.
Aber er hatte Pavlos versprochen, zu kommen. Also drückte er auf die Klingel. Die Tür flog auf, noch bevor die Melodie verklungen war. Eine Frau mit dunklen Locken und freundlichen Augen lächelte ihn an.
„Du musst Niko sein! Komm rein, komm rein. Pavlos hat schon von dir erzählt.“
Das Haus roch nach frischem Gebäck und irgendwas Würzigem, das Niko nicht kannte. Im Flur standen Schuhe durcheinander, an der Wand hingen bunte Fotos – Strände, alte Häuser mit weißen Mauern, eine Burg auf einem Felsen.
„Das ist Lesbos“, erklärte Pavlos’ Mutter seinem Blick folgend. „Die Heimat von Papous. Komm, er wartet schon.“
Sie führte ihn durch einen hellen Flur ins Wohnzimmer. Pavlos’ Vater – ein großer Mann mit Brille – stand auf und reichte Niko die Hand.
„Schön, dass du da bist. Setz dich doch, fühl dich wie zu Hause.“
Dann sah Niko ihn. Papous saß in einem alten Ledersessel am Fenster, eingerahmt von Sonnenlicht. Er war klein und drahtig, die Haut braun und faltig vom jahrzehntelangen Sonnenlicht. Aber was Niko als Erstes auffiel, waren die Augenbrauen – zwei buschige, graue Büschel, die in alle Richtungen abstanden wie bei einer Comicfigur. Darunter funkelten zwei wache, dunkle Augen, die ihn neugierig musterten.
„Also du bist Niko.“ Die Stimme war heiser, aber warm. Der griechische Akzent machte aus dem „sch“ ein „s“. „Pavlos hat mir erzählt, du hast Probleme mit dem Schlafen.“
Niko nickte unsicher.
„Setz dich.“ Papous deutete auf einen Stuhl ihm gegenüber. „Aber erst spielen wir eine Runde Távli. Kennst du das?“
„Backgammon?“
„Genau. Bei uns heißt es Távli.“ Er öffnete eine Holzschachtel und entfaltete ein wunderschön gearbeitetes Spielbrett. „Beim Spielen kann man gut reden. Nicht so ernst, nicht so steif. Verstehst du?“
Niko verstand. Irgendwie war es leichter, über schlimme Sachen zu reden, wenn man nicht direkt in die Augen schauen musste. Sie begannen zu spielen. Papous war gut – richtig gut. Aber er spielte nicht, um zu gewinnen. Er spielte, um Zeit zu schaffen. Zeit für Fragen, die sich ganz leicht anhörten, aber irgendwie wichtig waren.
„Hast du Geschwister?“
„Nein.“
„Ah. Einzelkind. Und deine Eltern, was machen die so?“
„Mama arbeitet im Büro. Papa ist oft unterwegs. Geschäftsreisen.“
„Oft?“
„Zwei, drei Wochen im Monat.“
Papous nickte langsam, würfelte. „Vermisst du ihn?“
Die Frage traf Niko unvorbereitet. Niemand hatte ihn das je gefragt. Nicht mal seine Mutter.
„Manchmal“, gab er zu. „Aber ist halt so.“
„Mmh.“ Papous zog seine Figur. „Und Schule? Freunde? Alles okay?“
„Geht so. Ich spiele Fußball mit ein paar Jungs. Pavlos auch manchmal.“ Er zögerte. „Papa sagt immer, ich soll mehr trainieren. Abnehmen. Er meint, ich bin zu dick.“
Papous’ Augenbrauen zogen sich zusammen. „Bist du zu dick?“
„Weiß nicht.“ Niko starrte auf seine Spielsteine. „Papa scheint das zu denken.“
Eine Weile spielten sie schweigend weiter. Dann sagte Papous leise: „Väter sagen manchmal Dinge, die sie nicht so meinen. Oder sie meinen sie anders, als es klingt. Aber das macht es nicht weniger schwer, ja?“
Niko spürte einen Kloß im Hals. Er nickte nur.
„Und nachts“, fuhr Papous fort, „nachts kommen dann diese Träume.“
„Fast jede Nacht.“
„Erzähl mir von einem. Dem schlimmsten.“
Niko holte tief Luft und begann zu erzählen. Von dem fremden Haus. Den hellen Zimmern, die sich plötzlich bedrohlich anfühlten. Der offenen Terrassentür. Den Schatten. Der Verfolgungsjagd durch endlose Flure. Der Sackgasse im Keller. Die Gestalt mit der Armbrust. Als er fertig war, fühlte er sich ausgelaugt und gleichzeitig irgendwie erleichtert. Papous hatte aufmerksam zugehört, ohne ein einziges Mal zu unterbrechen.
„Das ist eine schwere Last“, sagte er schließlich. „Jeden Abend mit dieser Angst ins Bett zu gehen.“
„Meine Mutter hat mich zum Arzt gebracht. Der meinte, vielleicht Tabletten – zumindest bis ich einen Therapieplatz habe.“
„Und? Willst du Tabletten?“ Niko schüttelte den Kopf. „Ich will einfach nur normal schlafen.“
Papous lächelte – ein warmes, wissendes Lächeln. „Weißt du, was interessant ist an deinem Traum?“
„Was?“
„Du rennst weg. Die ganze Zeit. Aber was wäre, wenn du stehen bleiben würdest?“
„Dann würde mich diese Gestalt kriegen!“
„Vielleicht. Oder vielleicht würde etwas ganz anderes passieren.“ Papous lehnte sich zurück. „Sag mal, Niko – glaubst du an die alten Geschichten? An Helden und Monster?“
„Wie in den griechischen Sagen?“
„Genau die.“
Niko zuckte mit den Schultern. „Hab ein paar davon gelesen. Sind ganz cool.“
„Bravo!“ Papous schmunzelte. „Weißt du, diese Geschichten sind sehr alt. Aber sie sind immer noch wichtig, weil sie uns etwas beibringen. Über Mut. Über Tapferkeit. Über Angst. Über das Kämpfen gegen Monster – die echten Monster, die in unserem Kopf leben.“
„Sie meinen, meine Alpträume sind … Monster?“
„Ich meine, dass Träume mächtig sind. Aber sie sind nicht allmächtig.“ Papous beugte sich vor. „Und ich kann dir beibringen, wie du ihnen die Macht nimmst. Nicht mit Tabletten. Mit etwas, das viel älter und stärker ist.“
„Mit was?“
„Mit Geschichten. Mit Bildern. Mit deiner eigenen Vorstellungskraft.“ Seine Augen funkelten. „Ich nenne es die Traumwerkstatt. Interessiert?“
Niko sah den alten Mann an – diesen seltsamen griechischen Großvater mit den verrückten Augenbrauen und dem warmen Lächeln. Ein Teil von ihm wollte lachen. Eine Traumwerkstatt? Das klang nach Esoterik-Quatsch. Aber ein anderer Teil – der müde, verzweifelte Teil – wollte es einfach glauben.
„Wie funktioniert das?“
„Komm nächsten Samstag wieder“, sagte Papous. „Dann fangen wir an. Aber ich warne dich – es wird nicht leicht. Und es geht nicht von heute auf morgen. Du musst üben, geduldig sein, manchmal auch mutig. Bist du bereit?“
Niko dachte an die letzte Nacht. An das Erwachen um drei Uhr morgens, schweißgebadet, mit rasendem Herzen. An die Angst, wieder einzuschlafen.
„Ja“, sagte er. „Ich bin bereit.“




Kapitel 3:
Der Faden der Ariadne


Die Woche zog sich. In der Schule versuchte Niko, Pavlos’ neugierige Blicke zu ignorieren. Er hatte niemandem von seinem Besuch bei Papous erzählt – nicht mal seiner Mutter. Sie würde es nur für Zeitverschwendung halten und wieder vom Psychotherapeuten anfangen, für den sie seit Monaten keinen Termin bekam.
Mittwochnacht wachte er um halb vier auf, das Herz in der Kehle. Diesmal war es ein neues Szenario gewesen: Er stand auf dem Dach der Schule, und jemand – etwas? – kam langsam die Treppe hoch. Er konnte die schweren Schritte hören, eins, zwei, drei …
Niko setzte sich auf, schaltete das Licht an. Sein T-Shirt klebte am Rücken. Er griff nach seinem Handy, öffnete Instagram, scrollte gedankenverloren durch Bilder von Leuten, die perfekte Leben führten.
„Samstag“, dachte er. „Nur noch drei Tage.“
Am Samstagmorgen fuhr er wieder mit dem Bus in die Neckarstadt. Diesmal war er nervös auf eine andere Art – nicht ängstlich, eher gespannt. Wie in der Warteschlange vor einer Achterbahn, wenn man nicht weiß, ob man sich freuen oder fürchten soll. Papous öffnete selbst die Tür. Er trug ein weißes Hemd und eine verblichene Jeans, die Füße steckten in Ledersandalen.
„Ah, Niko! Pünktlich. Das ist gut.“ Er winkte ihn herein. „Heute wird es anders als letztes Mal. Heute arbeiten wir.“
Sie gingen direkt in Papous’ Zimmer – einen kleinen Raum mit einem großen Fenster zum Garten. An den Wänden hingen gerahmte Fotos: eine weiße Kirche vor blauem Himmel, ein Fischerboot, eine alte Frau in Schwarz. Auf einem niedrigen Regal standen verstaubte Bücher mit seltsamen Schriftzeichen.
„Griechisch“, erklärte Papous und zog eines heraus. „Die alten Geschichten. Heute erzähle ich dir eine. Aber vorher …“ Er deutete auf einen bequemen Sessel. „Mach es dir gemütlich.“
Niko setzte sich. Der Sessel roch nach altem Leder und irgendwas Würzigem – Tabak vielleicht. Papous nahm gegenüber Platz, das Buch aufgeschlagen auf dem Schoß. Aber er las nicht daraus vor. Stattdessen lehnte er sich zurück und begann zu erzählen, die Augen halb geschlossen, als sähe er die Geschichte vor sich.
„Es war einmal ein junger König namens Theseus. Mutig, stark, aber auch ein bisschen zu selbstsicher, wie junge Männer manchmal sind.“ Ein wissendes Lächeln. „Er kam auf die Insel Kreta, um ein Monster zu töten – den Minotaurus. Halb Mensch, halb Stier, gefangen in einem riesigen Labyrinth unter dem Palast des sagenhaften Königs Minos.“
Niko kannte die Geschichte grob, hatte sie mal in einem Comic gelesen. Aber wie Papous sie erzählte, klang sie anders – realer, dunkler.
„Das Labyrinth war so gebaut, dass niemand, der hineinging, jemals wieder herauskam. Wer hineinging, war verloren. Jeder verirrte sich in den endlosen Gängen, bis er wahnsinnig wurde oder dem Minotaurus in die Arme lief.“
Papous machte eine Pause. „Theseus wusste das. Aber er ging trotzdem.“
„Warum? Weil er ein Held war?“
„Vielleicht. Oder weil er keine Wahl hatte – manchmal ist Mut nur ein anderes Wort für Verzweiflung.“ Papous schmunzelte. „Aber er hatte Glück. Ariadne, die Tochter des Königs, verliebte sich in ihn auf der Stelle. Und sie gab ihm ein Geschenk.“
„Den Faden.“
„Genau. Einen einfachen Wollfaden, nichts Magisches. Aber sie sagte ihm: ‚Binde ein Ende am Eingang fest. Wickle ihn ab, während du hineingehst. Wenn du den Minotaurus besiegt hast, folge dem Faden zurück.‘ So einfach war das.“
Papous schloss das Buch.
„Und? Hat es funktioniert?“
„Natürlich. Theseus fand den Minotaurus tief im Labyrinth. Sie kämpften, es war brutal, beide wurden verletzt. Aber am Ende gewann Theseus. Und dann …“ Papous beugte sich vor, „dann hatte er ein Problem. Er war erschöpft, verletzt, orientierungslos. Überall sahen die Gänge gleich aus. Aber da war der Faden. Klein, unscheinbar. Aber er führte ihn aus dem Labyrinth.“
...

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