Cover: Miriam von Magdala Meisterschulung

Miriam von Magdala Meisterschulung
Die Mysterien des Übergangs


EUR 27,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 344
ISBN: 978-3-99130-936-9
Erscheinungsdatum: 04.09.2025
Spirituell unterwegs: Himmlische Durchgaben und Lektionen, geerdet durch die persönlichen Erlebnisse und Erfahrungen der Autorin. Ein authentischer Bericht über die Wegbegleitung während des Sterbeprozesses ihrer Mutter.
21. Juni 2024, Sommersonnenwende

Am Delfinia-Strand in Molivos
Blaue Weite, Rauschen, Wind und Sonne am fast leeren Strand. Pure Schönheit, kraftvolle Natur. Stille, Vogelgesang und das Plätschern der an den Strand spülenden Wellen. Liebevolle, wertschätzende Menschen in der Nachbarschaft und im nahen Dorf. Ich bin dankbar, dass ich hier leben darf, mein Leben so reich ist.
Wieder angekommen in mir und in dir am Ende meiner dreiwöchigen Auszeit. Hatte mich in Anstrengung erschöpft und verloren, mich von meiner Essenz und Himmelsnahrung abgeschnitten. Einfach noch mal zum Lernen, die hundertste, fünfhundertste Übung derselben Lektion? Sie folgt der alten Prägung oder Konditionierung, für alle und alles sorgen zu müssen, ohne Pause, ohne meine Bedürfnisse zu spüren.

Menschenmüde habe ich mich in mein inneres Gehäuse und in unser Haus auf der griechischen Insel Lesbos zurückgezogen. Schmerzen an der linken Hüfte schränkten meine Bewegung ein. Es war gut so. Die Entzündung an meiner Hüfte ist geheilt, und ich konnte aus der selbstgewählten Isolation heraus meine himmlische Heimat, den Kontakt zu dir, Miriam, wiederfinden. Grenzenlose Freude, überwältigendes Glück, mich wieder ganz zu fühlen.

Ich fand Zeit, meine Tagebücher aus den Jahren 2014 und 2015, die Begleitung meiner Mutter am Ende ihres Erdenlebens und meine Meisterausbildung betreffend, zu lesen. Es stand an – ich wusste es die ganze Zeit –, diese Ereignisse, Lektionen und Prozesse in ein Buch zu bringen. Neun Jahre sind seitdem vergangen.

Neun ist die Zahl der Mutter in vielen Kulturen. Neun Monate leben wir im Bauch der Mutter, um als Mensch geboren zu werden. Auch mathematisch ist die Neun eine Mutterzahl. Denn gleich, mit welcher Zahl wir sie multiplizieren, ist die Quersumme des Ergebnisses immer Neun, was im übertragenen Sinne bedeutet: Wohin wir auch immer gehen, wem auch immer wir begegnen, was immer wir erfahren, es führt uns zu unserem Ursprung zurück. Und so kehre ich nach neun Jahren, vielen Begegnungen und Erlebnissen zurück zu meiner Meisterschulung durch Miriam, Maria Magdalena, um sie für die Veröffentlichung freizugeben.

Tief berührt und auch verwundert bin ich über deine Schulungen, Miriam, erkenne den roten Faden, der sich schon seit 2010 durch mein Leben zieht. Ich glaube, ich habe einfach so viel Zeit gebraucht, um das Wunder zu erfassen, die Mysterien in ihrem tieferen Sinn zu begreifen. Danke, Miriam, für deine segensreichen Unterweisungen.

Jetzt bin ich bereit. Es kann losgehen, Miriam. Führe du mein Herz und meine Hand, wie du es immer wieder getan hast.

Aruna, geliebte Tochter. Vielleicht ist es dir nicht bewusst, doch hast du gerade schon das Vorwort zu unserem Buch geschrieben. Meiner Erklärung bedarf es an dieser Stelle nicht. Ich führe deine Hand ohnehin, wie du schon so oft erfahren hast und weißt. Dann legen wir mal los. Die Zeit ist reif, die Mysterien zu veröffentlichen. Sei fröhlich und wohlgemut. Leicht, ganz leicht werden die Texte fließen.
Vertraue, Aruna, meine beseelte, weise Schülerin.
Mein Segen ist mit dir.




I. Der Ruf


9. Juli 2014

Ich grüße dich, Tochter, an diesem strahlenden Morgen. Dein Herz ist beschwert. Das Leid deiner Schwestern und das Leiden deiner Mutter beschäftigen deinen Geist, überschatten dich. Was du tun kannst, um ihnen zu helfen? Was du tun kannst, um wieder frei zu atmen?
Du weißt es:

Gib ab! Lass los! Es ist traurig, dass deine Mutter gestürzt ist, dass zur Mühsal ihres Alters, ihrer körperlichen Einschränkungen, diese Schmerzen hinzukommen. Durch Unachtsamkeit der sie pflegenden Menschen ist sie gestürzt. In diesen frühen Morgenstunden ist sie im Speisesaal des Pflegeheims auf dem Stuhl sitzend noch einmal eingeschlafen, vornüber vom Stuhl gekippt, mit ihrem vollen Gewicht auf dem Boden, das Gesicht auf dem Tisch, gelandet. Daher ihre starken Verletzungen, der Bruch des Nasenbeins, Verletzungen an Augenbrauen und Augen, die genäht werden mussten.

Für längere Zeit wird sie jetzt im Bett liegen müssen, was bedeutet, dass ein höherer Einsatz an Pflegepersonal nötig sein wird. Ihre Wunden müssen versorgt werden, und die Heilung kann besser fortschreiten, wenn sie in Ruhestellung ist. Durch ihre schweren Verletzungen im Gesicht wäre sie für die übrigen Bewohner und die Besucher ein schwer zu ertragender Anblick. Doch beschwere nicht dein Herz. Lerne unterscheiden zwischen Mitgefühl und Mitleid. Letzteres ist eine in der alten Energie gelobte Tugend. In Wahrheit aber eine Gewohnheit, ohnmächtig zu reagieren. Dein Mitgefühl hingegen schließt sie in deiner Liebe ein, du dehnst dein heilendes Feld aus bis zu ihr. Das ist keine Frage von Entfernung, sondern Quantenphysik. Die Liebe aus deinem höheren Herzen kennt keine Grenzen. Sie kann überall sein, an vielen Plätzen gleichzeitig Wunder wirken.

So, was ist es, was deine Mutter braucht? Das Mitgefühl der sie pflegenden Menschen, die aufgeschreckt sich nun vermehrt um sie bemühen. Das Mitgefühl ihrer Töchter. Sie lebt in der Angst. Der Angst, vergessen zu werden, der Angst, allein zu sein, der Angst vor dem, was ihr irrtümlicherweise Sterben nennt. In Wahrheit ist es jedoch der Übergang in einen anderen Seins-Zustand, in dem alle irdischen Bürden von euch genommen werden. Ihr geht zurück nach Hause. Werdet mit großer Liebe dort empfangen, sobald eure irdische Mission erfüllt ist. Wir von der anderen Seite des Schleiers begleiten diesen Vorgang mit großer Liebe. Wir sind auch jetzt am Bett deiner Mutter. Selbst wenn ihre geistige Kraft abnimmt, ihr Denken vernebelt ist, gibt es doch eine Ebene, auf der sie das spürt. Sie wird verstehen, sie wird einwilligen, sie wird unsere Liebe als ihr Zuhause wiedererkennen. Sei ohne Sorge. Bleibe im Fluss deiner Liebe, bleibe in Verbindung zur Quelle. Du bist hier auf deiner Insel, und du bist auch bei ihr. Deine Liebe wird sie weich betten. Durch deine Behandlungen hast du ihren Weg geebnet, die Chakren gereinigt. Bleibe in der Liebe, und sorge dich nicht. Für deine Mutter ist gesorgt, auch für deine Schwestern, die sich jetzt an ihrem Bett treffen. Es gibt für alles eine Zeit, sagt ihr in eurer dreidimensionalen Vorstellung, auch wenn wir es anders benennen würden, so ist es doch zutreffend.

Atme die Stille und Reinheit des frühen Morgens. Nimm die Wärme der Sonnenstrahlen auf deinem Gesicht in dein Herz. Fließe im Strom der unendlichen Liebe in diesen Tag.
Gesegnet bist du, Aruna.


10. Juli 2014

In einer E-Mail teilt mir meine jüngste Schwester mit, dass sie den Zustand unserer Mutter für sehr kritisch hält und alle Schwestern daraufhin beschlossen haben, sich am Bett der Mutter zu treffen. Sofort bucht meine Gefährtin Uschi einen Flug für mich. Schon am 11.7. komme ich in Lohra an, dem Ort, an dem das Pflegeheim unserer Mutter und auch das Haus meiner ältesten Schwester Margarete ist. Vier Schwestern haben einen wunderschönen, harmonischen Abend. Es gibt vieles zu erzählen und auszutauschen bis tief in die Nacht.


Sonntag, 13. Juli 2014

Sei nicht traurig, sie ist auf dem Weg. Dein Mitgefühl und deine Liebe, auch die deiner Schwestern, sind gute Begleiter für sie. Sie kehrt heim. Sanft, sanft werden wir sie geleiten. Ihr Erdenauftrag ist erfüllt. Sie ist geliebt und hoch geschätzt in den Ebenen des Lichtes für alles, was sie auf sich genommen, für alles, was sie gelebt und gelernt hat, und mit großer Freude wird sie von ihrer himmlischen Familie in Empfang genommen. Alles ist gut. Sei ohne Sorge. Bleibe in der Liebe und in der Furchtlosigkeit, damit wirst du deine Mutter und auch alle, die sie lieben und pflegen, unterstützen. Ein Fels in der Brandung bist du, denn das, was sie Tod nennen, jagt dir keine Furcht ein. Lass den Termin deiner Rückreise noch offen. Dein Platz ist jetzt hier an der Seite deiner Mutter, an der Seite deiner Schwester.

Du wirst in die Mysterien des Übergangs eingeweiht, besser gesagt, wird sich das alte Wissen in dir öffnen. Hab Vertrauen. Ich bin bei dir, wirke durch dich mit dir zusammen, wie seinerzeit am Jordanfluss. Öffne dein Herz, und sei dir meiner Gegenwart bewusst.
Aruna, Aruna, Aruna
Ich rufe das alte Wissen in dir wach. Du spürst die Energie, die Kraft, die jetzt deinen Körper durchpulst. Atme, lausche, strahle deine Liebe aus. Ein wundervoller Regenbogenmantel umgibt dich.
Ich, Miriam von Magdala, bin mit dir.
Ich segne dich.


Sonntag, 18:50

Seit 15:00 schläft Mutter, atmet schwer, mag nicht essen, das Trinken fällt ihr schwer. Alle sind sehr achtsam und gehen liebevoll mit ihr um. Als die älteste Schwester heute Nachmittag Kuchen und Kaffee brachte, habe ich sie nach Hause geschickt. Sie braucht eine Pause. Unsere Jüngste ist um 17:00 nach Berlin zurückgefahren. Sie hat morgen wichtige Termine, Arzt und Reha, darf sich körperlich nicht belasten. Der Tag, an dem sie ganz liebevoll hier für Mutter sorgte, hat sie überfordert.

Still wird es jetzt im Haus. Die Gäste gehen, die Heimbewohner sind zu Bett gebracht. Sitze an ihrem Bett und beobachte Mutter, die tief schläft. Ein paar Tränen rollen über meine Wangen. Ich wünsche so sehr, dass sie nicht leidet, ihren Frieden findet.

Die Wichtigkeit des Spiels im WM-Finale Deutschland gegen Argentinien heute Abend ist für mich weit zurückgetreten. Hier am Bett meiner Mutter ist heute Nacht mein Platz. Das fühle ich deutlich. Alles ist gut. Ich bin im Frieden.

22:05 Geh schlafen, Aruna, es gibt gerade nichts zu tun für dich. Wir werden dich rechtzeitig rufen.

22:10 Unsere Schwester ist in Berlin angekommen.
22:15 Die Nachtschwester möchte Mutter Medizin verabreichen. Es gelingt ihr nicht, sie aufzuwecken.
23:30 Jubel im Dorf. Ist DEU Weltmeister? Nein, es ist nur ein entscheidendes Tor gefallen.
23:45 Jubel, Feuerwerk im Dorf: Deutschland ist Fußball-Weltmeister.

24:00 Mutters Atmung hat sich verändert. Sie röchelt nicht mehr, atmet durch die gebrochene Nase aus. Gegen 2:00 in der Nacht lege ich mich auf dem Sofa zum Schlafen, nur unterbrochen von den zweistündigen Kontrollgängen der Nachtschwester.


14. Juli 2014

7:00 Sie schläft noch immer. Ganz ruhig geht ihr Atem. Friedlich, als wäre sie in einer anderen Welt, vielleicht ist sie ja dort zu Besuch. Nur noch ein paar Mal in der Nacht hat sie unverständliche Worte gemurmelt, zwei- bis dreimal auch schnell, schnell, schnell gesagt und an der Decke gezupft, einen Toilettengang ankündigend, doch war es nicht möglich, sie aufzuwecken, auch nicht für die Nacht-Medikamente.
Dankbarkeit und Frieden erfüllen mich. Ganz still ist es in mir.

7:30 Meine Schwester Margarete meldet sich telefonisch, kommt wegen eines Arztbesuches heute später.
8:10 Sitze an ihrem Bett. Schön, diesen friedlichen Schlaf zu beobachten, eine Seele auf dem Weg zurück nach Hause. Ab und zu blinzelt sie mit ihren Augen, als ob sie Licht sieht.
8:10 Ihr Atem wird wieder „irdischer“. Sie röchelt beim Ausatmen.
8:20 Ein langgedehntes Ja kommt aus ihrem Mund, während sie schläft. Eine Pflegerin bringt das Frühstück, auch für mich. Wir vereinbaren, sie nicht zu wecken.

Den Körper nur und alle festen Dinge dieser Welt verlässt sie, die Seele. Sie geht zurück zur Quelle ins Licht, aus dem sie gekommen ist. Sie ist ewiges Sein. Von der Enge geht sie in die Weite, die unbegrenzte Existenz des göttlichen Seins der Liebe. Darum beschwere nicht dein Herz. Freue dich, dass deine Mutter die Mühsal des Erdenseins verlässt. Groß wird die Freude sein, wenn sie ihre himmlische Familie wiedertrifft, die Seelengruppe, der ihr, du und deine Familie, deine Schwestern auch, angehören. Sie geht zurück, und sie bleibt auch bei euch, denn die Seele als Teil des Schöpfers ist multidimensional. Es ist ihr möglich, an mehreren Plätzen des Universums zur gleichen Zeit zu sein. Das ist für euch in eurer dreidimensionalen Existenz schwer vorstellbar, doch so ist es.
Amen.

Seit gestern ist Mutter ununterbrochen in einem tiefen Schlaf. Mir scheint, dass sie die Ebenen wechselt. Mal ist ihr Atem ganz leicht wie ein himmlischer Hauch, dann ist er wieder erdennah von Röcheln begleitet. Manchmal zucken ihre Augenlider. Ganz friedlich sieht sie aus, ihre Hände wie zum Beten auf ihrem Bauch gefaltet. Die Pflegerinnen kommen, schauen, bringen Tee und Gebäck für uns. Es ist gut, hier in der Stille zu sein mit ihr.
24:30 Das unbequeme Sofa wirft mich ab. Sitze im Flur und schreibe.


15. Juli 2014

14:00 Ich gehe zum Haus meiner Schwester Margarete zum Duschen, Ausruhen, Kleiderwechseln. Als ich zwei Stunden später zurückkomme, ist große Konferenz im Zimmer der Mutter. Der Heimleiter, ein Arzt für palliative Medizin, meine Schwester und die Leiterin des Pflegedienstes beraten, beziehungsweise streiten lautstark darüber, ob eine zusätzliche Pflegekraft sinnvoll wäre.

„Was für ein Gedöns“, sagt Mutter, als alle gegangen sind. Sie ist sehr unruhig, lehnt das Abendessen ab. Gegen 20:00 wird sie endlich ruhig und schläft ein. Da kommt der Pflegedienst für Abendtoilette und Umbetten. Sie ist sauer, fühlt sich gestört. Seit gestern hat Mutter ihre Ausscheidungen nicht mehr unter Kontrolle. Ist das ein Zeichen, dass sie weiter loslässt? Den Hans, ihren verstorbenen Ehemann, hat sie heute in einer Schlafphase freundlich begrüßt. Viel Anstrengung und Zuckungen in ihrem Körper. Was mag wohl alles in ihr vorgehen? Lange Zeit hat sie mit ihren beiden Händen meine Hand abgetastet und gestreichelt, später so fest umklammert, dass ich lange Zeit das unbequeme Sitzen in Kauf genommen habe, um sie nicht zu wecken.

20:00 Meine Schwester Margarete kommt noch mal zum Gute-Nacht-Sagen vorbei, möchte mich mitnehmen. Ich entscheide mich, bei Mutter zu bleiben. Habe ihr versprochen, auf sie aufzupassen, und das werde ich auch tun. Die Nacht ist lang. Niemand weiß, was da passieren kann. Das alte Sofa ist extrem unbequem. Vielleicht schlafe ich morgen Nacht doch mal wieder in einem Bett.

Alles braucht seine Zeit, das Geborenwerden und der Auszug aus dem Körper. Nichts lässt sich voraussagen, nichts beschleunigen. Habe Geduld, und bleibe in der Liebe, der Fels in der Brandung mit unerschütterlichem Vertrauen. Jetzt wäre es gut, noch ein bisschen Schlaf zu finden. Nutze jede Gelegenheit, um dich auszuruhen. Du wirst deine Kraft noch brauchen.
Ich behüte deinen Schlaf, Aruna.
Ich, Miriam von Magdala, bin mit dir.

Danke.

22:00 Eine dicke Erkältung, sich in den vergangenen Tagen ankündigend, hat mich voll eingenommen. Schnupfen, Hals- und Kopfweh. Die Stimme ist weg. Kalte Füße schon in den letzten Tagen immer wieder. Margarete kocht Ingwertee mit Zitrone und Honig für mich. Der wirkt gut auf den Hals, und mir wird wohlig warm. Mittags habe ich Mutter das Essen angereicht. Es tut ihr leid, dass sie mich nicht gleich erkannt hat.

„Wie geht’s dir denn?“, frage ich.
„Ach, in letzter Zeit net so gut.“
„Du bist stark, du hast dich doch immer wieder rausgeschafft. Diesmal auch.“
„Denkst du?“, fragt sie.
„Was denkst du denn?“, frage ich zurück.
„Diesmal werde ich es nicht schaffen“, sagt sie mit klarer, ruhiger Stimme, in der ganz viel Frieden ist.
„Du bist müde, gell?“
„Ja“, sagt sie.
„Mach einfach die Augen zu, wir können uns auch dann unterhalten.“
„Ja, danke“, antwortet sie und schläft sogleich ein.

Es hat mich sehr ergriffen, dieses kurze Gespräch. Diese Klarheit, mit der sie ihre Situation erfasst. Angst war dabei nicht zu spüren. Ich bin glücklich und dankbar, dass sie trotz ihrer demenzbedingten geistigen Verwirrung mit Bewusstheit in diesen Prozess geht und mit der Situation einverstanden ist, eingewilligt hat.


16. Juli 2014

Sie sitzt im Rollstuhl, als ich gegen 11:00 bei ihr eintreffe. Fahre sie durch den Garten, reiche ihr im Speisesaal das Essen an. Gegen 14:00 gehe ich zum Haus meiner Schwester, um zu schlafen. Am Nachmittag kommt der Hausarzt, um an Nase und Augenbrauen die Fäden zu ziehen. Die Lungenentzündung ist vollständig abgeheilt, nach nur einer Woche. Fühle mich heute schlapp, schwitze, und meine Stimme ist ganz schwach.

Als ich um 15:00 bei Mutter ankomme, ist sie sehr aufgeregt, zählt, rechnet, ruft Hilfe.
„Ich bin hier“, sage ich.
„Das weiß ich, aber hier habe ich Fehler gemacht“, rechnet wieder: „Das sind 12, noch mal 12, 24 ist das und so weiter.“
Ich schreibe mit, vielleicht macht es ja irgendwie Sinn.
„Ich bin die 43. Person vom Lobgesang, auf 50 müssen wir noch kommen. Hallo, hallo, ich bin 50. Mein Pulli ist 53 wert, das ist viel Zeug. 56 bin ich jetzt schon. 53, 54, 56, o je, o je, o je. Was für ein Tempo, was soll das noch werden? Drei Monate hab ich schon, dann sind’s 59. Hallo, Gothe, 59, 60, das ist viel Zeug. Der 61. ist jetzt drin. 62, 63, 64 … 67, 68. Hallo, Petter, wie viel sind’s denn auf deiner Seite?“
Überträgt sie ihr Wertesystem von Zeit und Leistung auf ihre Vorstellung vom Paradies? Ich hörte sie schon so viel zählen. Strengt sich so an, die Gute.

22:00 Ich habe Heimweh nach Uschi, nach unserem Garten, nach dem Frieden in Milelja. Spätestens am Dienstag möchte ich zurückfliegen. Meine Schwester aus Tübingen kommt dann und kann unsere älteste Schwester unterstützen.
...
3 Sterne
Ein Mensch am Sterbebett der Mutter - 11.07.2026
Mary-Anne Renée

Der Mensch/Autor? hat Kontakt zu einem "Geist aus dem Jenseits", der sich als "Maria von Magdala" Die Autorin verarbeitet die Sterbebegleitung ihrer Mutter, das ist bemerkenswert. Aber die Erklärung des Seins findet ihren Ausdruck in der Seelenwanderung: alles ist Liebe und Licht und kehrt dorthin zurück Die Autorin kann sich gut ausdrücken, aber ihr ganzes Weltbild schwingt mit. Für jemand, der an Seelenwanderung glaubt, ist das Buch ein guter Zeitvertreib, aber Ich kann dieses Buch nicht empfehlen, weil es mit christlichen Andeutungen arbeitet, und sich so eine gewisse Autorität gibt, die es nicht hat. Deshalb kann es für viele zu einem Fallstrick werden, denn es gibt sich christlich, aber es arbeitet mit der Klugheit der Schlange, die im Paradies schon Eva verführte und sagte: "Wahrlich, ihr werdet nicht sterben, sondern sein wie Gott."

3 Sterne
Ein Mensch am Sterbebett der Mutter - 11.07.2026
Mary-Anne Renée

Der Mensch/Autor? hat Kontakt zu einem "Geist aus dem Jenseits", der sich als "Maria von Magdala" Die Autorin verarbeitet die Sterbebegleitung ihrer Mutter, das ist bemerkenswert. Aber die Erklärung des Seins findet ihren Ausdruck in der Seelenwanderung: alles ist Liebe und Licht und kehrt dorthin zurück Die Autorin kann sich gut ausdrücken, aber ihr ganzes Weltbild schwingt mit. Für jemand, der an Seelenwanderung glaubt, ist das Buch ein guter Zeitvertreib, aber Ich kann dieses Buch nicht empfehlen, weil es mit christlichen Andeutungen arbeitet, und sich so eine gewisse Autorität gibt, die es nicht hat. Deshalb kann es für viele zu einem Fallstrick werden, denn es gibt sich christlich, aber es arbeitet mit der Klugheit der Schlange, die im Paradies schon Eva verführte und sagte: "Wahrlich, ihr werdet nicht sterben, sondern sein wie Gott."

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