Memento Mori
… bevor ich sterbe, erzähle ich von unglaublich faszinierenden Reisen
EUR 23,90
Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 168
ISBN: 978-3-7116-1392-9
Erscheinungsdatum: 15.04.2026
Memento Mori, vergiss nicht, dass du sterblich bist. Nichts gesucht und viel gefunden. Erfahrungen und Erkenntnisse aus Reisen in die Welt, die so nie geplant waren. Eine Inspiration, Träume und Wünsche wahr werden zu lassen.
Kapitel 1
Uganda: Einfach affengeil!
Uganda, die Perle von Afrika. Ja, so wird dieses Land von seinen Landsleuten bezeichnet. Es ist ein eher kleines, aber sehr vielfältiges afrikanisches Land in der Mitte des schwarzen Kontinents. Der Äquator teilt diese edle Perle, die voller Tee- und Kaffeeplantagen gesegnet ist. Unglaublich viel grüne Natur, geschäftiges Treiben in den Städten wie Kampala und Entebbe. Einfache Behausungen am Lande. Die Kinder, die oft nur eine Hose, ein Shirt und ein paar Schuhe – wenn überhaupt, haben – sie lachen, sie spielen, sie sind begeistert von Besuchern aus dem Ausland. Sie sind dankbar für jedes Geschenk, das sie von uns Touris bekommen. Und natürlich die grandiose Tierwelt. Löwen, Giraffen, Elefanten, Büffel, Flusspferde, Krokodile und viele, viele andere freilebende Tiere. Und Gorillas. Dazu gleich mehr. Dieses Land ist einfach wunderschön und eine Reise auf alle Fälle wert.
Ich war unterwegs in einer deutschsprachig geführten Tour. Haruna, unser Guide, und noch 4 andere Touris werden nun 2 Wochen lang dieses Land erkunden. Das Highlight dieser Reise soll die Begegnung mit den letzten freilebenden Gorillas dieses Planeten sein. Mit den letzten freilebenden Gorillas. Mit den letzten freilebenden Gorillas. Mit … Im Grunde traurig, was wir Menschen mit unserer Fauna und Flora anstellen. Aber dazu auch später mehr.
Zu Beginn waren wir in der Hauptstadt Ugandas, Kampala, unterwegs. Eine Großstadt mit über 1 Million Einwohnern. Was sofort auffällt: Viele, viele, wirklich viele Mopeds und Motorräder, die unterwegs sind. Gerne auch kreuz und quer. Westliche Verkehrsregeln halten sich hier in Grenzen. Aber alle Autofahrer, Mopedfahrer, Fahrradfahrer und Fußgänger – sie alle passen aufeinander auf. Auch so geht Straßenverkehr. Warum so viele motorisierte Zweiräder? Sie sind die Taxis dieser Stadt. Vorne sitzt der Lenker mit vorschriftsmäßiger Behelmung. Dahinter sitzen dann 1, 2, 3 oder mehrere Personen – je nachdem, wie gut sie sich schlichten können – mit Einkaufstüten, Taschen, Gartenwerkzeugen, Möbeln und, und, und. Einfach mit allem, was man halt so einkauft. Und natürlich ohne Helm. Wer braucht den schon am Sozius!
Kurz zur Religion. Christen, der Islam und alle anderen Glaubensrichtungen bestehen hier alle gleichwertig, gleichgültig und friedlich nebeneinander. Wir hatten das Glück, die größte Moschee in Ostafrika besuchen zu dürfen. The Uganda National Mosque, die Platz für ca. 15.000 Menschen bietet, war nahezu menschenleer an diesem Tag. Beim Betreten dieser beeindruckend großen Moschee empfand ich plötzlich ein Gefühl der inneren Zufriedenheit und Ruhe. Da ich grundsätzlich katholisch aufgewachsen bin und zuvor noch nie in einer Moschee war, bleibt mir dieses Erlebnis prägend in Erinnerung. Natürlich barfuß über einen superflauschigen grünen Teppich, kam ich aus dem Staunen nicht heraus. Wände und die gewaltigen Luster in marokkanischem Stil. Alles sehr sauber und rein, so schlicht und sehr ehrwürdig. Wie in christlichen Kirchen ein Ort der Stille und Besinnung. In der Mitte der Moschee bleibe ich mutterseelenallein für einige Zeit stehen und genieße die Ruhe. Viel zu selten habe ich mir selbst bisher in meinem Leben Zeit für eine Pause, ein Verschnaufen oder einfach nur „zu sein“ genommen. Diese hektische Welt mit ihrem Bling-Bling, in der wir leben, zeigt uns alles, was wir vermeintlich brauchen. Nur eines nicht: Ruhe. In der Ruhe liegt die Kraft. Also ruhe ich und werde dabei kräftig. Cool.
Kräftig, gestärkt geht es weiter Richtung Dschungel zu den Menschenaffen.
Am Weg von der Stadt Kampala ins Tierreich war jedoch noch ein Essensstopp direkt am Straßenrand ein Muss. Es erwartete uns eine kulinarische Köstlichkeit von Uganda. Rolex gab’s zum Mampfen. Nein, nicht die Uhr. Da hätten wir sichtlich viel und hart zu kauen und zu verdauen zu haben. Rolex bezeichnen die Uganderinnen und Ugander eine aus Mehl und Eiern gemachte Art von Palatschinke (für unsere deutschen Leser auch Pfannkuchen genannt). Diese wird auf einer heißen Herdplatte direkt mit den Abgasen der vorbeifahrenden Fahrzeuge und einem wohlwollenden Grinsen des Kochs zubereitet. Gefüllt mit Avocadostückchen, Tomate, Zwiebel, Salz, Pfeffer und einer weißen, nicht definierbaren Sauce, zusammengerollt zum Verzehr angeboten. Und ich muss sagen: Schmeckt saugeil! Gerollte Eier nennen sie es übersetzt. „roll eggs“. Und da auch in Uganda der Schmäh rennt – nennen sie es daher ROLEX.
Die Reise zu den Affen war geprägt von vielen Stunden sitzend im Geländewagen, von einem Reservat zum nächsten, von einer Lodge zur anderen. Tiere, Land und Leute kennenlernen. Vorbei und durch einfache Dörfer, wo uns meist Frauen oder Mädchen Bananen, Ananas, selbst geflochtene Körbe schon von weitem anboten. Haruna blieb oft mit dem Wagen unmittelbar auf der Straße stehen und kaufte Bananen für seine weißen Freunde auf der Rückbank. Und eins ist gewiss: Diese Bananen schmecken wirklich nach Banane. Und wenn ich Banane sage, dann meine ich Banane. Ob große oder kleine Bananen. Bananen sind hier wie Schokolade bei uns zu Hause. Und du verdrückst sie einfach, weil sie da sind und superlecker zuckersüß schmecken.
Ich will nicht großartig berichten von Pirschfahrten. Von Löwen, von Elefanten und anderen Tieren. Das würde dich nur langweilen. Ich will aber eines zum Ausdruck bringen: Tiere in freier Wildbahn könnte ich stundenlang beobachten. Auch wenn sie nur völlig entspannt in der Steppe liegen. Nicht zu vergleichen mit den Tieren in unseren Zoos. Die Tiere hier sind kraftvolle Muskelpakete. Egal ob Jäger oder Beute. Sie passen sich der Umgebung an und vertrauen ihrem Instinkt. Die Menschen hier leben mit den Tieren. Der Großteil dieser Menschen passt sich in ihrer Lebensweise mittlerweile wieder den Tieren an. Und das ist gut so.
Was mich die Gorillafamilie gelehrt hat?
Der Tag ist gekommen. Heute sollen wir eine Gorillafamilie mitten im Regenwald aufspüren und beobachten dürfen. Bevor es losgeht, wesentliche Dinge, die ich gerne vorher gewusst hätte. Die besten Schuhe für dieses Abenteuer sind zweifelsohne – und ich nehme es vorweg: TATARATA, stinknormale Regengummistiefel.
1. Schlamm und Gatsch machen dir dann nichts aus.
2. Die beißenden Riesenameisen können dir nichts anhaben.
Ich hatte meine vermeintlich guten Trekkingschuhe mit. Der Tourguide empfahl mir, meine gut eingetragenen Wandertreter mit Gamaschen zu verwenden. Gamaschen? Ich habe aber keine dabei. „Na dann stopf deine Hosenbeine in die Socken“, war seine grinsende Antwort. Der Anblick: unglaublich sexy. Gott sei Dank waren alle anderen Reisebegleiter ebenfalls genauso gut vorbereitet wie ich. Also hat jeder von uns ausgesehen wie der Storch im Salat.
Ab geht’s in den Regenwald zu King Kongs Erben. Wenn es jedoch im Regenwald zu regnen beginnt – und es wird regnen, weil der Regenwald deshalb so heißt, weil es immer regnet –, dann steckst du auch mit den besten, supercoolen, teuren, eingetragenen Wanderschuhen und den Hosenbeinen in den Socken nicht in der Schei … aber in etwas so Ähnlichem. Du steckst im dicken, fetten, modrigen Schlamm fest. Und dann kriecht dir die Feuchtigkeit bei jedem Schritt gnadenlos zwischen deine Zehen, weicht dir die Fußsohlen auf und ist so eine absolute herzliche Einladung für die eine oder andere Blase. Ja, so hat es mich an diesem Tag erwischt. Aber ein Indianer kennt keinen Schmerz.
Ich bin aber kein Indianer. Ich bin nur eine konservative, schwer motivierte, stolze Stadtpflanze. Und ich habe mich trotz dieser Umstände durch diesen Tag gekämpft.
Fazit: Also solltest du auch mal zu den Gorillas wollen. Check dir Gummler.
Zurück zum eigentlichen Thema „Gorillas in freier Wildbahn“.
Bevor es mit dem beschwerlichen Fußmarsch losgeht, erfolgt das zwingend notwendige Gorilla-Trekking-Briefing von einem entschlossenen und sehr ernsten Parkranger:
Regel 1:
Bei Kontakt mit den Tieren – und das gilt nicht nur für Gorillas, sondern für alle freilebenden Tiere, außer vielleicht beim weißen Hai.
Niemals laufen oder wegrennen, sonst bist du Beute oder stellst eine Gefahr für die Tiere dar. Und das kann ungemütlich werden.
Regel 2:
Wenn du Kontakt mit einem Gorilla hast und ihm Freundlichkeit signalisieren willst, dann mach einen tiefen, brummenden Ton. Ich würde es gerne vormachen, aber in einem Buch wird das schwierig, Töne zu vermitteln. Aber ich denke, du weißt, was ich meine. BRUMM
Regel 3:
Wir betreten die Welt der Tiere. Keine unnötigen Laute oder Gesten und deinen Müll entsorgst du daheim und nicht im Dschungel.
Regel 4:
Genieße die Zeit mit den Tieren in vollen Zügen.
Zu Regel 4 ein kleiner Exkurs:
Wir leben heute in einer Zeit, in der der Großteil der Menschheit krampfhaft versucht, jeden aufregenden Moment mit dem Handy festzuhalten. Ja, ich weiß, der Augenblick ist schön und einmalig und man will ein Foto, ein Video machen. Man will es später herzeigen oder in den sozialen Medien teilen und, und, und … Wir vergessen nur leider zwei wesentliche Dinge.
1. Es gibt nur diesen einen Moment. Es gibt nur das „Jetzt“, wie Eckhart Tolle es so schön in seinem Buch beschreibt. Also wenn du schon etwas Beeindruckendes erlebst oder erfährst, dann nimm es mit all deinen Sinnen vollständig wahr. Es gibt nichts Geileres. Denke vielleicht hier als Beispiel an guten Sex. Hier fotografierst und filmst, außer du machst es hauptberuflich, ja auch nicht, sondern du bist voll dabei und genießt. Nur so als Gedankenstütze.
2. Alles, was einen Anfang hat, hat auch ein Ende. Ein Foto, ein Video ist immer ein Blick in die Vergangenheit. Und ja, ein Foto oder ein Video ist auch ok. Aber nicht hunderte Aufnahmen von ein und demselben Ereignis. Das schaust du dir eh nie wieder an, oder? Schau mal in deine Fotogalerie im Handy, schau dir die Gesamtzahl deiner Fotos an. Verbrate deine Zeit also nicht unnötig mit dem Knipsen und Filmen. Sei einfach präsent. Dein Gehirn speichert sowieso alles Wesentliche. Dein Gehirn, die wichtigste Festplatte, die es gibt.
So. Das hab ich loswerden müssen. Aber nun weiter im Text.
Wir machten uns auf den Weg. Eine Gruppe bestehend aus einem lokalen Hauptguide, der die Führung und das Kommando hat. Ein Typ mit einem Sturmgewehr zur Verteidigung im Notfall (ist angeblich Vorschrift). Zwei Männer mit Macheten, die den Weg freischlugen, und eine Handvoll Touris stapfen in den unheimlichen und dichten Dschungel.
Es geht bergauf, es geht bergab. Es geht richtig steil bergauf. Schnauf. Es wird immer anstrengender. Zuerst noch auf ausgetrampelten Pfaden, dann wird die Vegetation immer dichter und die Wege werden mit der Machete freigeschlagen. Unser Hauptguide hat plötzlich Funkkontakt zu einer Gruppe Späher, die bereits seit den frühen Morgenstunden unterwegs ist, um die Gorillafamilie aufzuspüren.
Gorillas sind als Sippe in ständiger Bewegung und schlafen jede Nacht woanders. Und damit die feinen Damen und Herren aus der westlichen Welt auch tatsächlich freilebende Gorillas sehen können, wird hier nichts dem Zufall überlassen.
Die Gorilla-Regionen Ugandas und Ruandas haben hierzu eigens geschützte Nationalparks errichtet. Unter anderem auch dank der grandiosen und heldenhaften Arbeit von Dian Fossey. Finanziert werden diese Naturparks durch die Regierungen des jeweiligen Landes und das „Permit“. Das ist quasi die offizielle Zugangsberechtigung zu diesen Nationalparks, die von jedem affeninteressierten Touristen zu begleichen ist. Dank dieser Maßnahme konnte die Gorilla-Population in Afrika wieder ordentlich aufgepäppelt werden, sodass einem Aussterben dieser Spezies gezielt entgegengewirkt wird. Ich bin daher sehr froh und dankbar, hierzu einen kleinen Beitrag geleistet zu haben, dass wir auch in Zukunft noch Gorillas auf unserer Erde haben werden. Wobei „klein“ hier relativ ist. Aber lassen wir das.
Achtung: Funkspruch der Späher. Irgendwas in einer Sprache, die ich nicht verstehe, aber aufgrund der Reaktion unseres Guides war zu verstehen, dass es nicht mehr weit ist. Wir waren schon über 3 Stunden unterwegs oder länger. Ich weiß es nicht mehr genau. Es ist feucht, es ist anstrengend, wir schwitzen. Pflanzen, die aussehen wie überdimensionale Brennnesseln, säumen unseren Weg. Und ja, diese Pflanzen brennen wirklich wie Feuer auf der Haut. Ich versuchte, sie nicht zu berühren, aber dieser Kampf war aussichtslos. Einmal nur ganz kurz ankommen reicht für das kribbelnde, brennende Gefühl. Naja, wie war das mit dem Indianer?!? Ich verbeiße mir den Schmerz.
Es beginnt leicht zu tröpfeln. Na hurra. Ich schwitze aus allen Poren, aber der Regen ist keine Abkühlung. Im Gegenteil. Die Luftfeuchtigkeit ist irgendwo zwischen „nass“ und „waschelnass“. Es fühlt sich mittlerweile an wie in einem Dampfbad. Nur halt, dass ich nicht nackt, sondern in voller langärmliger Montur und irgendwo im Dschungel die größten Menschenaffen suche. Das Gelände wird immer unwegsamer. Es geht wieder steil bergauf. Ich spüre die Anstrengung in jeder Zelle meines Körpers. Wir schlagen uns durch Büsche, durchs Bambusunterholz, freie Flächen, dann wieder dichter Dschungel. Die Umgebung verändert sich andauernd. Wo geht es eigentlich wieder zurück? Ich bin zwar recht gut in Orientierungsfragen, aber hier hatte ich zum ersten Mal in meinem Leben das Gefühl, dass ich nicht weiß, wo ich bin und wo unser Ausgangspunkt lag. Vertraue dem Guide, der wird’s wissen. Und dann, wie aus heiterem Himmel, der Gott sei Dank auch aufklarte, präsentierte sich die Sonne in ihrer vollen Pracht und brachte uns noch mehr zum Schwitzen. Wir marschierten im Gänsemarsch tapfer weiter und dann war es endlich so weit.
Schwarze kleine Wollknäuel tummelten sich plötzlich keine 2 Meter vor mir am Boden. Völlig unerwartet waren sie auf einmal da. Direkt vor mir. Sie waren zum Greifen nah. Gorilla-Junge, die miteinander spielten. Einfach unglaublich. Ein Gänsehautmoment. Die Affen nahmen von uns keine Notiz, weil sich auch jeder von unserer Gruppe ausnahmslos an die Verhaltensregeln hielt und einfach nur mit offenem Mund das Spektakel beobachtete. Die Kleinen waren so putzig in ihrem Tun. Sie kletterten an Bäumen auf und ab, sprangen hin und her, zogen sich gegenseitig an den Ohren. Sie waren einfach richtig, richtig verspielt.
Ich drehte mich kurz auf die linke Seite und sah im Dickicht die Mutter der Jungen. Sie saß völlig entspannt am Boden, kratzte sich im Nacken und bohrte kurz in der Nase. So ein Verhalten kenne ich auch von mir. Somit fühlte ich mich gleich wohl und verbunden mit ihr. Hinter der Gorillamama tauchte ein weiterer erwachsener Gorilla auf. Und da noch einer und dort noch einer und noch einer. Verstreut im Gelände um uns herum. Es war wie zu Ostern beim Nesterlsuchen. Schau, dort sitzt einer, dort klettert einer am Baum, dort sitzt ein anderer und kaut gemütlich einige Blätter. Zwei erwachsene Primaten waren gerade dabei, sich gegenseitig zu kraulen, kratzen und liebkosen. Die kleinen Jungen drängten und tummelten sich zwischen ihren älteren Artgenossen hindurch, die sich sichtlich von ihnen gestört fühlten. Sie verhalten sich alle eigentlich wie wir Menschen. Und bei näherer Betrachtung schauen sie auch aus wie wir Menschen. Die Gesichtszüge, die Gesten – alles so menschlich. Oder ist es umgekehrt? Sind wir Menschen wie die Affen? Diese Frage bleibt mal offen.
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Uganda: Einfach affengeil!
Uganda, die Perle von Afrika. Ja, so wird dieses Land von seinen Landsleuten bezeichnet. Es ist ein eher kleines, aber sehr vielfältiges afrikanisches Land in der Mitte des schwarzen Kontinents. Der Äquator teilt diese edle Perle, die voller Tee- und Kaffeeplantagen gesegnet ist. Unglaublich viel grüne Natur, geschäftiges Treiben in den Städten wie Kampala und Entebbe. Einfache Behausungen am Lande. Die Kinder, die oft nur eine Hose, ein Shirt und ein paar Schuhe – wenn überhaupt, haben – sie lachen, sie spielen, sie sind begeistert von Besuchern aus dem Ausland. Sie sind dankbar für jedes Geschenk, das sie von uns Touris bekommen. Und natürlich die grandiose Tierwelt. Löwen, Giraffen, Elefanten, Büffel, Flusspferde, Krokodile und viele, viele andere freilebende Tiere. Und Gorillas. Dazu gleich mehr. Dieses Land ist einfach wunderschön und eine Reise auf alle Fälle wert.
Ich war unterwegs in einer deutschsprachig geführten Tour. Haruna, unser Guide, und noch 4 andere Touris werden nun 2 Wochen lang dieses Land erkunden. Das Highlight dieser Reise soll die Begegnung mit den letzten freilebenden Gorillas dieses Planeten sein. Mit den letzten freilebenden Gorillas. Mit den letzten freilebenden Gorillas. Mit … Im Grunde traurig, was wir Menschen mit unserer Fauna und Flora anstellen. Aber dazu auch später mehr.
Zu Beginn waren wir in der Hauptstadt Ugandas, Kampala, unterwegs. Eine Großstadt mit über 1 Million Einwohnern. Was sofort auffällt: Viele, viele, wirklich viele Mopeds und Motorräder, die unterwegs sind. Gerne auch kreuz und quer. Westliche Verkehrsregeln halten sich hier in Grenzen. Aber alle Autofahrer, Mopedfahrer, Fahrradfahrer und Fußgänger – sie alle passen aufeinander auf. Auch so geht Straßenverkehr. Warum so viele motorisierte Zweiräder? Sie sind die Taxis dieser Stadt. Vorne sitzt der Lenker mit vorschriftsmäßiger Behelmung. Dahinter sitzen dann 1, 2, 3 oder mehrere Personen – je nachdem, wie gut sie sich schlichten können – mit Einkaufstüten, Taschen, Gartenwerkzeugen, Möbeln und, und, und. Einfach mit allem, was man halt so einkauft. Und natürlich ohne Helm. Wer braucht den schon am Sozius!
Kurz zur Religion. Christen, der Islam und alle anderen Glaubensrichtungen bestehen hier alle gleichwertig, gleichgültig und friedlich nebeneinander. Wir hatten das Glück, die größte Moschee in Ostafrika besuchen zu dürfen. The Uganda National Mosque, die Platz für ca. 15.000 Menschen bietet, war nahezu menschenleer an diesem Tag. Beim Betreten dieser beeindruckend großen Moschee empfand ich plötzlich ein Gefühl der inneren Zufriedenheit und Ruhe. Da ich grundsätzlich katholisch aufgewachsen bin und zuvor noch nie in einer Moschee war, bleibt mir dieses Erlebnis prägend in Erinnerung. Natürlich barfuß über einen superflauschigen grünen Teppich, kam ich aus dem Staunen nicht heraus. Wände und die gewaltigen Luster in marokkanischem Stil. Alles sehr sauber und rein, so schlicht und sehr ehrwürdig. Wie in christlichen Kirchen ein Ort der Stille und Besinnung. In der Mitte der Moschee bleibe ich mutterseelenallein für einige Zeit stehen und genieße die Ruhe. Viel zu selten habe ich mir selbst bisher in meinem Leben Zeit für eine Pause, ein Verschnaufen oder einfach nur „zu sein“ genommen. Diese hektische Welt mit ihrem Bling-Bling, in der wir leben, zeigt uns alles, was wir vermeintlich brauchen. Nur eines nicht: Ruhe. In der Ruhe liegt die Kraft. Also ruhe ich und werde dabei kräftig. Cool.
Kräftig, gestärkt geht es weiter Richtung Dschungel zu den Menschenaffen.
Am Weg von der Stadt Kampala ins Tierreich war jedoch noch ein Essensstopp direkt am Straßenrand ein Muss. Es erwartete uns eine kulinarische Köstlichkeit von Uganda. Rolex gab’s zum Mampfen. Nein, nicht die Uhr. Da hätten wir sichtlich viel und hart zu kauen und zu verdauen zu haben. Rolex bezeichnen die Uganderinnen und Ugander eine aus Mehl und Eiern gemachte Art von Palatschinke (für unsere deutschen Leser auch Pfannkuchen genannt). Diese wird auf einer heißen Herdplatte direkt mit den Abgasen der vorbeifahrenden Fahrzeuge und einem wohlwollenden Grinsen des Kochs zubereitet. Gefüllt mit Avocadostückchen, Tomate, Zwiebel, Salz, Pfeffer und einer weißen, nicht definierbaren Sauce, zusammengerollt zum Verzehr angeboten. Und ich muss sagen: Schmeckt saugeil! Gerollte Eier nennen sie es übersetzt. „roll eggs“. Und da auch in Uganda der Schmäh rennt – nennen sie es daher ROLEX.
Die Reise zu den Affen war geprägt von vielen Stunden sitzend im Geländewagen, von einem Reservat zum nächsten, von einer Lodge zur anderen. Tiere, Land und Leute kennenlernen. Vorbei und durch einfache Dörfer, wo uns meist Frauen oder Mädchen Bananen, Ananas, selbst geflochtene Körbe schon von weitem anboten. Haruna blieb oft mit dem Wagen unmittelbar auf der Straße stehen und kaufte Bananen für seine weißen Freunde auf der Rückbank. Und eins ist gewiss: Diese Bananen schmecken wirklich nach Banane. Und wenn ich Banane sage, dann meine ich Banane. Ob große oder kleine Bananen. Bananen sind hier wie Schokolade bei uns zu Hause. Und du verdrückst sie einfach, weil sie da sind und superlecker zuckersüß schmecken.
Ich will nicht großartig berichten von Pirschfahrten. Von Löwen, von Elefanten und anderen Tieren. Das würde dich nur langweilen. Ich will aber eines zum Ausdruck bringen: Tiere in freier Wildbahn könnte ich stundenlang beobachten. Auch wenn sie nur völlig entspannt in der Steppe liegen. Nicht zu vergleichen mit den Tieren in unseren Zoos. Die Tiere hier sind kraftvolle Muskelpakete. Egal ob Jäger oder Beute. Sie passen sich der Umgebung an und vertrauen ihrem Instinkt. Die Menschen hier leben mit den Tieren. Der Großteil dieser Menschen passt sich in ihrer Lebensweise mittlerweile wieder den Tieren an. Und das ist gut so.
Was mich die Gorillafamilie gelehrt hat?
Der Tag ist gekommen. Heute sollen wir eine Gorillafamilie mitten im Regenwald aufspüren und beobachten dürfen. Bevor es losgeht, wesentliche Dinge, die ich gerne vorher gewusst hätte. Die besten Schuhe für dieses Abenteuer sind zweifelsohne – und ich nehme es vorweg: TATARATA, stinknormale Regengummistiefel.
1. Schlamm und Gatsch machen dir dann nichts aus.
2. Die beißenden Riesenameisen können dir nichts anhaben.
Ich hatte meine vermeintlich guten Trekkingschuhe mit. Der Tourguide empfahl mir, meine gut eingetragenen Wandertreter mit Gamaschen zu verwenden. Gamaschen? Ich habe aber keine dabei. „Na dann stopf deine Hosenbeine in die Socken“, war seine grinsende Antwort. Der Anblick: unglaublich sexy. Gott sei Dank waren alle anderen Reisebegleiter ebenfalls genauso gut vorbereitet wie ich. Also hat jeder von uns ausgesehen wie der Storch im Salat.
Ab geht’s in den Regenwald zu King Kongs Erben. Wenn es jedoch im Regenwald zu regnen beginnt – und es wird regnen, weil der Regenwald deshalb so heißt, weil es immer regnet –, dann steckst du auch mit den besten, supercoolen, teuren, eingetragenen Wanderschuhen und den Hosenbeinen in den Socken nicht in der Schei … aber in etwas so Ähnlichem. Du steckst im dicken, fetten, modrigen Schlamm fest. Und dann kriecht dir die Feuchtigkeit bei jedem Schritt gnadenlos zwischen deine Zehen, weicht dir die Fußsohlen auf und ist so eine absolute herzliche Einladung für die eine oder andere Blase. Ja, so hat es mich an diesem Tag erwischt. Aber ein Indianer kennt keinen Schmerz.
Ich bin aber kein Indianer. Ich bin nur eine konservative, schwer motivierte, stolze Stadtpflanze. Und ich habe mich trotz dieser Umstände durch diesen Tag gekämpft.
Fazit: Also solltest du auch mal zu den Gorillas wollen. Check dir Gummler.
Zurück zum eigentlichen Thema „Gorillas in freier Wildbahn“.
Bevor es mit dem beschwerlichen Fußmarsch losgeht, erfolgt das zwingend notwendige Gorilla-Trekking-Briefing von einem entschlossenen und sehr ernsten Parkranger:
Regel 1:
Bei Kontakt mit den Tieren – und das gilt nicht nur für Gorillas, sondern für alle freilebenden Tiere, außer vielleicht beim weißen Hai.
Niemals laufen oder wegrennen, sonst bist du Beute oder stellst eine Gefahr für die Tiere dar. Und das kann ungemütlich werden.
Regel 2:
Wenn du Kontakt mit einem Gorilla hast und ihm Freundlichkeit signalisieren willst, dann mach einen tiefen, brummenden Ton. Ich würde es gerne vormachen, aber in einem Buch wird das schwierig, Töne zu vermitteln. Aber ich denke, du weißt, was ich meine. BRUMM
Regel 3:
Wir betreten die Welt der Tiere. Keine unnötigen Laute oder Gesten und deinen Müll entsorgst du daheim und nicht im Dschungel.
Regel 4:
Genieße die Zeit mit den Tieren in vollen Zügen.
Zu Regel 4 ein kleiner Exkurs:
Wir leben heute in einer Zeit, in der der Großteil der Menschheit krampfhaft versucht, jeden aufregenden Moment mit dem Handy festzuhalten. Ja, ich weiß, der Augenblick ist schön und einmalig und man will ein Foto, ein Video machen. Man will es später herzeigen oder in den sozialen Medien teilen und, und, und … Wir vergessen nur leider zwei wesentliche Dinge.
1. Es gibt nur diesen einen Moment. Es gibt nur das „Jetzt“, wie Eckhart Tolle es so schön in seinem Buch beschreibt. Also wenn du schon etwas Beeindruckendes erlebst oder erfährst, dann nimm es mit all deinen Sinnen vollständig wahr. Es gibt nichts Geileres. Denke vielleicht hier als Beispiel an guten Sex. Hier fotografierst und filmst, außer du machst es hauptberuflich, ja auch nicht, sondern du bist voll dabei und genießt. Nur so als Gedankenstütze.
2. Alles, was einen Anfang hat, hat auch ein Ende. Ein Foto, ein Video ist immer ein Blick in die Vergangenheit. Und ja, ein Foto oder ein Video ist auch ok. Aber nicht hunderte Aufnahmen von ein und demselben Ereignis. Das schaust du dir eh nie wieder an, oder? Schau mal in deine Fotogalerie im Handy, schau dir die Gesamtzahl deiner Fotos an. Verbrate deine Zeit also nicht unnötig mit dem Knipsen und Filmen. Sei einfach präsent. Dein Gehirn speichert sowieso alles Wesentliche. Dein Gehirn, die wichtigste Festplatte, die es gibt.
So. Das hab ich loswerden müssen. Aber nun weiter im Text.
Wir machten uns auf den Weg. Eine Gruppe bestehend aus einem lokalen Hauptguide, der die Führung und das Kommando hat. Ein Typ mit einem Sturmgewehr zur Verteidigung im Notfall (ist angeblich Vorschrift). Zwei Männer mit Macheten, die den Weg freischlugen, und eine Handvoll Touris stapfen in den unheimlichen und dichten Dschungel.
Es geht bergauf, es geht bergab. Es geht richtig steil bergauf. Schnauf. Es wird immer anstrengender. Zuerst noch auf ausgetrampelten Pfaden, dann wird die Vegetation immer dichter und die Wege werden mit der Machete freigeschlagen. Unser Hauptguide hat plötzlich Funkkontakt zu einer Gruppe Späher, die bereits seit den frühen Morgenstunden unterwegs ist, um die Gorillafamilie aufzuspüren.
Gorillas sind als Sippe in ständiger Bewegung und schlafen jede Nacht woanders. Und damit die feinen Damen und Herren aus der westlichen Welt auch tatsächlich freilebende Gorillas sehen können, wird hier nichts dem Zufall überlassen.
Die Gorilla-Regionen Ugandas und Ruandas haben hierzu eigens geschützte Nationalparks errichtet. Unter anderem auch dank der grandiosen und heldenhaften Arbeit von Dian Fossey. Finanziert werden diese Naturparks durch die Regierungen des jeweiligen Landes und das „Permit“. Das ist quasi die offizielle Zugangsberechtigung zu diesen Nationalparks, die von jedem affeninteressierten Touristen zu begleichen ist. Dank dieser Maßnahme konnte die Gorilla-Population in Afrika wieder ordentlich aufgepäppelt werden, sodass einem Aussterben dieser Spezies gezielt entgegengewirkt wird. Ich bin daher sehr froh und dankbar, hierzu einen kleinen Beitrag geleistet zu haben, dass wir auch in Zukunft noch Gorillas auf unserer Erde haben werden. Wobei „klein“ hier relativ ist. Aber lassen wir das.
Achtung: Funkspruch der Späher. Irgendwas in einer Sprache, die ich nicht verstehe, aber aufgrund der Reaktion unseres Guides war zu verstehen, dass es nicht mehr weit ist. Wir waren schon über 3 Stunden unterwegs oder länger. Ich weiß es nicht mehr genau. Es ist feucht, es ist anstrengend, wir schwitzen. Pflanzen, die aussehen wie überdimensionale Brennnesseln, säumen unseren Weg. Und ja, diese Pflanzen brennen wirklich wie Feuer auf der Haut. Ich versuchte, sie nicht zu berühren, aber dieser Kampf war aussichtslos. Einmal nur ganz kurz ankommen reicht für das kribbelnde, brennende Gefühl. Naja, wie war das mit dem Indianer?!? Ich verbeiße mir den Schmerz.
Es beginnt leicht zu tröpfeln. Na hurra. Ich schwitze aus allen Poren, aber der Regen ist keine Abkühlung. Im Gegenteil. Die Luftfeuchtigkeit ist irgendwo zwischen „nass“ und „waschelnass“. Es fühlt sich mittlerweile an wie in einem Dampfbad. Nur halt, dass ich nicht nackt, sondern in voller langärmliger Montur und irgendwo im Dschungel die größten Menschenaffen suche. Das Gelände wird immer unwegsamer. Es geht wieder steil bergauf. Ich spüre die Anstrengung in jeder Zelle meines Körpers. Wir schlagen uns durch Büsche, durchs Bambusunterholz, freie Flächen, dann wieder dichter Dschungel. Die Umgebung verändert sich andauernd. Wo geht es eigentlich wieder zurück? Ich bin zwar recht gut in Orientierungsfragen, aber hier hatte ich zum ersten Mal in meinem Leben das Gefühl, dass ich nicht weiß, wo ich bin und wo unser Ausgangspunkt lag. Vertraue dem Guide, der wird’s wissen. Und dann, wie aus heiterem Himmel, der Gott sei Dank auch aufklarte, präsentierte sich die Sonne in ihrer vollen Pracht und brachte uns noch mehr zum Schwitzen. Wir marschierten im Gänsemarsch tapfer weiter und dann war es endlich so weit.
Schwarze kleine Wollknäuel tummelten sich plötzlich keine 2 Meter vor mir am Boden. Völlig unerwartet waren sie auf einmal da. Direkt vor mir. Sie waren zum Greifen nah. Gorilla-Junge, die miteinander spielten. Einfach unglaublich. Ein Gänsehautmoment. Die Affen nahmen von uns keine Notiz, weil sich auch jeder von unserer Gruppe ausnahmslos an die Verhaltensregeln hielt und einfach nur mit offenem Mund das Spektakel beobachtete. Die Kleinen waren so putzig in ihrem Tun. Sie kletterten an Bäumen auf und ab, sprangen hin und her, zogen sich gegenseitig an den Ohren. Sie waren einfach richtig, richtig verspielt.
Ich drehte mich kurz auf die linke Seite und sah im Dickicht die Mutter der Jungen. Sie saß völlig entspannt am Boden, kratzte sich im Nacken und bohrte kurz in der Nase. So ein Verhalten kenne ich auch von mir. Somit fühlte ich mich gleich wohl und verbunden mit ihr. Hinter der Gorillamama tauchte ein weiterer erwachsener Gorilla auf. Und da noch einer und dort noch einer und noch einer. Verstreut im Gelände um uns herum. Es war wie zu Ostern beim Nesterlsuchen. Schau, dort sitzt einer, dort klettert einer am Baum, dort sitzt ein anderer und kaut gemütlich einige Blätter. Zwei erwachsene Primaten waren gerade dabei, sich gegenseitig zu kraulen, kratzen und liebkosen. Die kleinen Jungen drängten und tummelten sich zwischen ihren älteren Artgenossen hindurch, die sich sichtlich von ihnen gestört fühlten. Sie verhalten sich alle eigentlich wie wir Menschen. Und bei näherer Betrachtung schauen sie auch aus wie wir Menschen. Die Gesichtszüge, die Gesten – alles so menschlich. Oder ist es umgekehrt? Sind wir Menschen wie die Affen? Diese Frage bleibt mal offen.
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