Herz-Gesundheit einfach erklärt
Wie wir im Alltag gut mit unserem Herzen umgehen und bei unserer Behandlung selbstbestimmt mitreden können
EUR 15,90
Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 158
ISBN: 978-3-7116-1273-1
Erscheinungsdatum: 03.12.2025
Eine unterhaltsame Herz-Sprechstunde, die viele Aha-Momente bietet und zum Nachmachen und Mitreden einlädt. Hier gibt es Rezepte für einen herzgesunden Lebensstil mit praktischen Tipps für Ihre Gesundheit und Ihr Wohlbefinden!
Aufbau und Funktion
Unser Herz ist nur ungefähr faustgroß, wiegt etwa 300 Gramm und ist doch ein wahres Wunderwerk. Es besteht hauptsächlich aus Herz-spezifischem Muskelgewebe, hat seinen eigenen Schrittmacher und schiebt eine 24-Stunden-Schicht nach der anderen. Sein Schrittmacher sorgt dafür, dass das Herz ganz eigenständig arbeitet. Zeitgleich kooperiert es mit unserem Körper und passt sich in Sekundenschnelle an Situationen an.
Der Herzmuskel ist so clever konstruiert und arbeitet so geschickt, dass er parallel sauerstoffarmes und sauerstoffreiches Blut getrennt voneinander durch den Körper pumpen kann, immer in die richtige Richtung, egal ob wir schlafen, essen oder Sport treiben.
In diesem ersten Abschnitt schauen wir uns genauer an, wie unser Herz aufgebaut ist und wie es arbeitet, wenn es gesund ist. Dabei gehen wir auch darauf ein, wie das Herz und unser Körper sich ständig miteinander austauschen und aufeinander abstimmen.
Das Herz im Großen und im Kleinen
Schauen wir uns zunächst einmal genauer an, wie unser Herz eigentlich aufgebaut ist und wie das mit dem Schlagen und dem eigenen Schrittmacher funktioniert. Auf kleinem Raum schöpft das Herz seine Möglichkeiten voll aus. Mit seiner Bauweise ist es perfekt für seine Arbeit ausgebildet. Das überschaubar große Muskel-Paket fügt sich als Zentrum in unseren Blutkreislauf ein. Damit ist es der Motor für das Leben in jeder einzelnen Zelle unseres Körpers. Schauen wir uns unter dem Mikroskop an, aus welchen Zellen das Herz selbst aufgebaut ist, dann sehen wir neben den pumpenden Herzmuskel-Zellen auch noch besondere Schrittmacher-Zellen. Wir können elektrische Leitungsbahnen im Herzen ausmachen. Außerdem finden wir sogenanntes Bindegewebe, zum Beispiel in Form von Herzklappen. Tauchen wir also ein in das faszinierende Zusammenspiel dieses Organs.
Die Herzhöhlen
Wenn man das Herz einmal in der Mitte durchtrennt, dann sieht man mit bloßem Auge, dass es aus vier kleinen Herzhöhlen besteht. Es hat zwei größere Kammern und zu jeder Kammer gehört ein kleinerer Vorhof. Man unterscheidet den Vorhof und die Kammer auf der rechten von denen auf der linken Seite. Oft wird auch vom rechten und linken Herzen gesprochen, denn die beiden Teile sind unterschiedlich in unseren Kreislauf eingebunden. Sie arbeiten synchron und genau gleich, aber das rechte Herz pumpt Blut in die Lunge und das linke Herz in den Rest des Körpers. Rechte und linke Herzhälfte sind deshalb baulich strikt voneinander getrennt. Eine Scheidewand in der Mitte verhindert, dass das Blut ungehindert die Seite wechseln kann. Diese Wand wird als Septum bezeichnet.
Die Vorhöfe und Kammern bestehen aus spezialisiertem Herzmuskel-Gewebe. Das ist ideal für seine Aufgabe gemacht. Zunächst fließt das Blut in den Vorhof. Von dort aus geht es weiter in die zugehörige Herzkammer. Der Herzmuskel um die Kammer herum entspannt sich, während sie sich mit Blut füllt. Die Herzkammer macht dann die Hauptarbeit und pumpt das Blut wieder vorwärts in den Kreislauf. Dazu spannt sich der Herzmuskel stark an.
Damit das alles gut funktioniert und hierbei nichts in die falsche Richtung läuft, gibt es die Herzklappen. Sie sind wie Ventile und lassen das Blut nur in eine Richtung durch. Zwischen jedem Vorhof und der zugehörigen Kammer gibt es eine Klappe. Sie werden Segel-Klappen genannt. Fließt das Blut durch sie hindurch in die Kammer, dann flattern sie wie ein kleines Segel im Blutstrom. Sobald die Kammer loslegt und pumpt, machen die Segel-Klappen dicht, weil das Blut rückwärts gegen sie gedrückt wird. Die Segel-Klappe zwischen dem rechten Vorhof und der rechten Kammer heißt auf Schlau Tricuspidal-Klappe. Die Segel-Klappe zwischen linkem Vorhof und Kammer wird Mitral-Klappe genannt. Diese Fachbegriffe müssen Sie sich nicht merken, ich erwähne sie nur deshalb, weil an diesen Klappen Schäden entstehen können. Sollten Sie oder ein Angehöriger einmal davon betroffen sein, dann kann es für Sie im Arztgespräch hilfreich sein, manche Fachbegriffe besser einordnen zu können.
Von den Herzkammern aus fließt das Blut weiter in die Lungen-Arterie bzw. in die Aorta, die große Körperschlagader. Hier hat das Herz ebenfalls seine persönlichen Pförtner, die das Tor nur in eine Richtung öffnen. Am Übergang vom Herzen in die großen Blutgefäße befinden sich die sogenannten Taschen-Klappen. Die Klappe zur Lungen-Arterie wird Pulmonal-Klappe genannt, die Klappe zur Aorta heißt Aorten-Klappe. Wenn die Kammern pumpen, dann machen die beiden Kollegen den Weg frei. Während sich die Kammer wieder mit Blut aus dem Vorhof füllt, spannen sich die Klappen zu kleinen Taschen auf – daher der Name Taschen-Klappen – und verschließen sich dadurch. Das sieht ähnlich aus wie umgedrehte, aufgespannte Regenschirme.
Vielleicht erscheint Ihnen die Konstruktion mit Vorhof und Herzkammer doppelt gemoppelt, die hat aber natürlich ihren Sinn. Die Herzkammern müssen sich immer wieder mit Blut aus der einen Richtung füllen und es dann in die andere Richtung hinauspumpen. Das Füllen und Pumpen passiert immer im Wechsel. Zuerst laufen beide Kammern mit Blut voll, dann pumpen sie es hinaus. Dann füllen sie sich wieder und pumpen erneut. Die Vorhöfe haben dabei zwei wichtige Aufgaben. Während die Kammern pumpen und die Segel-Klappen zu den Vorhöfen geschlossen sind, können die Vorhöfe bereits wieder Blut aus dem Körper sammeln. Gehen die Segel-Tore nach dem Pump-Vorgang auf, kann das angesammelte Blut direkt in die Kammer strömen. Dadurch füllt sich die Kammer schneller. Wenn die Kammer schon sehr voll ist, dann pumpen wiederum die Vorhöfe noch die letzten Reste des gesammelten Blutes in die Kammern hinein. Dadurch füllen sich die Kammern noch etwas stärker. Die Phase, in der die Kammern Blut in den Kreislauf pumpen, wird Systole genannt. Die Phase, in der sich die Kammern mit Blut füllen, heißt Diastole.
Durch seinen geschickten Aufbau und eine optimal abgestimmte Zusammenarbeit aller beteiligten Strukturen läuft im Herzen alles Hand in Hand. Jeder weiß, was er zu tun hat und führt seine Aufgabe präzise aus. Auf diese Weise schafft es unser Herz, mit rund 300 Gramm Muskelmasse beeindruckende Leistungen zu erbringen.
Das Zentrum im großen Kreislauf
Reisen wir nun mit dem Blut weiter, nachdem es die Herzkammer verlassen hat. Das Blut aus unserer linken Herzkammer wird in die Aorta gepumpt. Das ist eine große Arterie, die zunächst einen Bogen schlägt und dann nach unten bis in unseren Bauch reicht. Von der Aorta gehen viele Blutgefäße ab, die sich immer weiter verzweigen und immer kleiner werden. So gelangt das Blut in den Kopf, in die Arme und Hände, in all unsere Organe im Bauch und in die Beine und Füße bis zum kleinen Zeh. Bis hierhin fließt das Blut durch Arterien. Arterien transportieren Blut vom Herzen weg und verfügen über eine kräftigere Muskelschicht in ihrer Gefäßwand. Ist das Blut in den kleinsten Arterien angekommen, findet ein munteres Tauschgeschäft mit unseren Zellen statt. Die Zellen schnappen sich vor allem den Sauerstoff aus dem Blut, aber auch alles, was sie sonst noch so brauchen können. Und sie werden los, was sie neu gebildet haben und was dabei an Abfall angefallen ist. Uns interessiert hier besonders der Abfall Kohlenstoffdioxid (CO2), denn das wird jetzt im Blut zur Lunge transportiert.
Das Blut fließt nun wieder zurück in Richtung Herz. Es nimmt überwiegend den gleichen Weg zurück, den es gekommen ist. Allerdings fließt es jetzt in den Venen zurück. Die Venen verlaufen meist parallel zu den Arterien und transportieren Blut zum Herzen hin. Sie haben keine so starke Muskelwand, dafür aber Venen-Klappen, so ähnlich wie die Klappen am Herzen.
Die Venen laufen vor dem Herzen in der oberen und unteren Hohlvene zusammen. Die große Hohlvene mündet in den rechten Vorhof unseres Herzens ein. Jetzt fehlt nicht mehr viel, bis das Blut wieder in der linken Kammer angekommen ist. Dazwischen kommt aber noch ein ganz wichtiges Organ an die Reihe: die Lunge.
Wenn das Blut im rechten Vorhof ankommt, dann enthält es wenig Sauerstoff und viel CO2. Die rechte Herzkammer pumpt das Blut deshalb als Nächstes in die Lunge. Hier findet genau der umgekehrte Austausch statt. Das Blut nimmt Sauerstoff aus der eingeatmeten Luft auf und gibt CO2 ab. Beim Ausatmen strömt das CO2 mit der Atemluft hinaus und verlässt so unseren Körper. Das Blut fließt dann weiter zum linken Vorhof und ist bereit für die nächste Runde durch den großen Körper-Kreislauf.
Das Herz steht im Zentrum dieses Versorgungssystems. Es bildet die Schnittstelle zwischen Körper-Kreislauf und Lungen-Kreislauf. So erhält unser Körper immer sauerstoffreiches Blut und kann auch all seine Produkte, seine Hormone, Nahrungsbestandteile und vieles mehr überallhin verteilen. Unser Herz pumpt das Blut in jeden Bereich unseres Körpers und somit gelangen auch zum Beispiel Hormone vom Gehirn in jeden Muskel bis zum Fuß. Unser Herz spielt also im wahrsten Sinne eine zentrale Rolle dafür, dass alles andere in unserem Körper funktionieren kann. Es trägt ganz schön viel Verantwortung für unser Leben. Und es ist uns ein treuer Dienstleister, der diese Aufgabe stets zuverlässig erledigt.
Wovon lebt das Herz eigentlich?
Nun haben wir uns angeschaut, wie das Herz unseren Körper durchblutet und mit allem Wichtigen versorgt. Aber das Herz selbst muss ja auch von etwas leben! Es benötigt genauso Sauerstoff für seine Arbeit. Sauerstoffreiches Blut landet nur im linken Vorhof und in der linken Kammer, das reicht nicht aus. Das Herz besitzt deshalb seine eigene Blutversorgung.
Unser Herz wird über die Herzkranz-Gefäße mit Blut versorgt. Direkt aus der Aorta zweigen eine rechte und eine linke Herzkranz-Arterie ab. Die beiden Arterien verlaufen rund um das Herz und geben weitere Gefäß-Äste ab. Die Äste sind gleichmäßig über das ganze Herz verteilt und sorgen rundherum für die Versorgung mit frischem Blut.
Bei der Durchblutung des Herzens gibt es noch eine Besonderheit. Unser Körper wird vor allem in der Phase gut durchblutet, in der das Herz das Blut aus den Kammern herauspumpt. Beim Herzmuskel selbst ist das umgekehrt. Während der Muskel so stark pumpt, zieht er sich kräftig zusammen. Dabei kann schlecht Blut aus den Herzkranz-Gefäßen in den Herzmuskel fließen. Wenn er sich danach wieder entspannt und die Kammer sich mit Blut füllt, dann kann gleichzeitig auch der Herzmuskel selbst gut durchblutet werden.
Vom Schrittmacher und Kabelbaum
Woher kommt nun eigentlich die unerschöpfliche Motivation unseres Herzens, zu schlagen? Und wie schafft es das Herz, ein ganzes Leben lang so regelmäßig zu schlagen? Das klingt nach sehr anstrengender Präzisionsarbeit, aber unser Herz hat auch dafür eine elegante Lösung.
Es verfügt über einen eigenen Schrittmacher, den sogenannten Sinus-Knoten. Dieser besteht aus spezialisierten Zellen, die im gleichmäßigen Rhythmus elektrische Signale erzeugen. Diese elektrischen Signale können an die Herzmuskel-Zellen weitergeleitet werden. Der Herzmuskel wird dadurch angeregt, spannt sich an und pumpt das Blut.
Vom Sinus-Knoten aus nehmen die elektrischen Signale einen genau definierten Weg durch das Herz. Das ist wichtig, damit der Pump-Vorgang des Herzens koordiniert abläuft. Es sollen sich abwechselnd die Vorhöfe und Kammern anspannen und nicht alles auf einmal. Zunächst sollen sich die Vorhöfe anspannen und einen letzten Schluck Blut in die Kammern pumpen. Danach sind die Kammern an der Reihe und spannen sich an, um das Blut in den Kreislauf zu befördern. Unser Herz hat dafür ein paar Tricks auf Lager.
Der Sinus-Knoten befindet sich oben im Herzen bei den Vorhöfen. Die elektrischen Signale können sich dadurch direkt über die Vorhöfe ausbreiten. Damit die Signale nicht gleich auf die Kammern übergehen, hat das Herz dazwischen eine isolierende Schicht aus Bindegewebe eingebaut. Bindegewebe leitet keinen Strom. Um auch die Kammern zu erreichen, gibt es für das elektrische Signal nur einen Weg durch das Bindegewebe: den AV-Knoten. Der AV-Knoten ist ein entspannter Geselle. Er arbeitet genau und lässt sich dabei Zeit. Während die Vorhöfe ihr restliches Blut in die Kammern pressen, hält er den Stromfluss zu den Kammern auf. Nach einer kurzen Verzögerung fließt der Strom weiter in die Kammern. Die Kammern sind so groß, dass es zu lange dauern würde, wenn sich die elektrischen Signale nur über den Herzmuskel selbst ausbreiten würden. Deshalb haben die Kammern ein eigenes Stromnetz. Am AV-Knoten beginnt der herzeigene Kabelbaum, über den die Signale sich wie auf kleinen Autobahnen über die Herzkammern ausbreiten können. Die Kammern werden dann so gleichmäßig angeregt, dass sie das Blut wunderbar in den Kreislauf befördern können.
Unser Herz hat hier noch eine wichtige Sicherheits-Maßnahme getroffen. Alle Zellen sind so programmiert, dass sie die elektrischen Signale nur in eine Richtung weiterleiten. Dadurch fließt der Strom zum Beispiel nicht rückwärts von den Kammern über den AV-Knoten zu den Vorhöfen. Die Vorhöfe müssen auf das nächste Signal vom Sinus-Knoten warten. Nur so kann ein koordinierter Pump-Vorgang vom ganzen Herzen ohne Chaos ablaufen.
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Unser Herz ist nur ungefähr faustgroß, wiegt etwa 300 Gramm und ist doch ein wahres Wunderwerk. Es besteht hauptsächlich aus Herz-spezifischem Muskelgewebe, hat seinen eigenen Schrittmacher und schiebt eine 24-Stunden-Schicht nach der anderen. Sein Schrittmacher sorgt dafür, dass das Herz ganz eigenständig arbeitet. Zeitgleich kooperiert es mit unserem Körper und passt sich in Sekundenschnelle an Situationen an.
Der Herzmuskel ist so clever konstruiert und arbeitet so geschickt, dass er parallel sauerstoffarmes und sauerstoffreiches Blut getrennt voneinander durch den Körper pumpen kann, immer in die richtige Richtung, egal ob wir schlafen, essen oder Sport treiben.
In diesem ersten Abschnitt schauen wir uns genauer an, wie unser Herz aufgebaut ist und wie es arbeitet, wenn es gesund ist. Dabei gehen wir auch darauf ein, wie das Herz und unser Körper sich ständig miteinander austauschen und aufeinander abstimmen.
Das Herz im Großen und im Kleinen
Schauen wir uns zunächst einmal genauer an, wie unser Herz eigentlich aufgebaut ist und wie das mit dem Schlagen und dem eigenen Schrittmacher funktioniert. Auf kleinem Raum schöpft das Herz seine Möglichkeiten voll aus. Mit seiner Bauweise ist es perfekt für seine Arbeit ausgebildet. Das überschaubar große Muskel-Paket fügt sich als Zentrum in unseren Blutkreislauf ein. Damit ist es der Motor für das Leben in jeder einzelnen Zelle unseres Körpers. Schauen wir uns unter dem Mikroskop an, aus welchen Zellen das Herz selbst aufgebaut ist, dann sehen wir neben den pumpenden Herzmuskel-Zellen auch noch besondere Schrittmacher-Zellen. Wir können elektrische Leitungsbahnen im Herzen ausmachen. Außerdem finden wir sogenanntes Bindegewebe, zum Beispiel in Form von Herzklappen. Tauchen wir also ein in das faszinierende Zusammenspiel dieses Organs.
Die Herzhöhlen
Wenn man das Herz einmal in der Mitte durchtrennt, dann sieht man mit bloßem Auge, dass es aus vier kleinen Herzhöhlen besteht. Es hat zwei größere Kammern und zu jeder Kammer gehört ein kleinerer Vorhof. Man unterscheidet den Vorhof und die Kammer auf der rechten von denen auf der linken Seite. Oft wird auch vom rechten und linken Herzen gesprochen, denn die beiden Teile sind unterschiedlich in unseren Kreislauf eingebunden. Sie arbeiten synchron und genau gleich, aber das rechte Herz pumpt Blut in die Lunge und das linke Herz in den Rest des Körpers. Rechte und linke Herzhälfte sind deshalb baulich strikt voneinander getrennt. Eine Scheidewand in der Mitte verhindert, dass das Blut ungehindert die Seite wechseln kann. Diese Wand wird als Septum bezeichnet.
Die Vorhöfe und Kammern bestehen aus spezialisiertem Herzmuskel-Gewebe. Das ist ideal für seine Aufgabe gemacht. Zunächst fließt das Blut in den Vorhof. Von dort aus geht es weiter in die zugehörige Herzkammer. Der Herzmuskel um die Kammer herum entspannt sich, während sie sich mit Blut füllt. Die Herzkammer macht dann die Hauptarbeit und pumpt das Blut wieder vorwärts in den Kreislauf. Dazu spannt sich der Herzmuskel stark an.
Damit das alles gut funktioniert und hierbei nichts in die falsche Richtung läuft, gibt es die Herzklappen. Sie sind wie Ventile und lassen das Blut nur in eine Richtung durch. Zwischen jedem Vorhof und der zugehörigen Kammer gibt es eine Klappe. Sie werden Segel-Klappen genannt. Fließt das Blut durch sie hindurch in die Kammer, dann flattern sie wie ein kleines Segel im Blutstrom. Sobald die Kammer loslegt und pumpt, machen die Segel-Klappen dicht, weil das Blut rückwärts gegen sie gedrückt wird. Die Segel-Klappe zwischen dem rechten Vorhof und der rechten Kammer heißt auf Schlau Tricuspidal-Klappe. Die Segel-Klappe zwischen linkem Vorhof und Kammer wird Mitral-Klappe genannt. Diese Fachbegriffe müssen Sie sich nicht merken, ich erwähne sie nur deshalb, weil an diesen Klappen Schäden entstehen können. Sollten Sie oder ein Angehöriger einmal davon betroffen sein, dann kann es für Sie im Arztgespräch hilfreich sein, manche Fachbegriffe besser einordnen zu können.
Von den Herzkammern aus fließt das Blut weiter in die Lungen-Arterie bzw. in die Aorta, die große Körperschlagader. Hier hat das Herz ebenfalls seine persönlichen Pförtner, die das Tor nur in eine Richtung öffnen. Am Übergang vom Herzen in die großen Blutgefäße befinden sich die sogenannten Taschen-Klappen. Die Klappe zur Lungen-Arterie wird Pulmonal-Klappe genannt, die Klappe zur Aorta heißt Aorten-Klappe. Wenn die Kammern pumpen, dann machen die beiden Kollegen den Weg frei. Während sich die Kammer wieder mit Blut aus dem Vorhof füllt, spannen sich die Klappen zu kleinen Taschen auf – daher der Name Taschen-Klappen – und verschließen sich dadurch. Das sieht ähnlich aus wie umgedrehte, aufgespannte Regenschirme.
Vielleicht erscheint Ihnen die Konstruktion mit Vorhof und Herzkammer doppelt gemoppelt, die hat aber natürlich ihren Sinn. Die Herzkammern müssen sich immer wieder mit Blut aus der einen Richtung füllen und es dann in die andere Richtung hinauspumpen. Das Füllen und Pumpen passiert immer im Wechsel. Zuerst laufen beide Kammern mit Blut voll, dann pumpen sie es hinaus. Dann füllen sie sich wieder und pumpen erneut. Die Vorhöfe haben dabei zwei wichtige Aufgaben. Während die Kammern pumpen und die Segel-Klappen zu den Vorhöfen geschlossen sind, können die Vorhöfe bereits wieder Blut aus dem Körper sammeln. Gehen die Segel-Tore nach dem Pump-Vorgang auf, kann das angesammelte Blut direkt in die Kammer strömen. Dadurch füllt sich die Kammer schneller. Wenn die Kammer schon sehr voll ist, dann pumpen wiederum die Vorhöfe noch die letzten Reste des gesammelten Blutes in die Kammern hinein. Dadurch füllen sich die Kammern noch etwas stärker. Die Phase, in der die Kammern Blut in den Kreislauf pumpen, wird Systole genannt. Die Phase, in der sich die Kammern mit Blut füllen, heißt Diastole.
Durch seinen geschickten Aufbau und eine optimal abgestimmte Zusammenarbeit aller beteiligten Strukturen läuft im Herzen alles Hand in Hand. Jeder weiß, was er zu tun hat und führt seine Aufgabe präzise aus. Auf diese Weise schafft es unser Herz, mit rund 300 Gramm Muskelmasse beeindruckende Leistungen zu erbringen.
Das Zentrum im großen Kreislauf
Reisen wir nun mit dem Blut weiter, nachdem es die Herzkammer verlassen hat. Das Blut aus unserer linken Herzkammer wird in die Aorta gepumpt. Das ist eine große Arterie, die zunächst einen Bogen schlägt und dann nach unten bis in unseren Bauch reicht. Von der Aorta gehen viele Blutgefäße ab, die sich immer weiter verzweigen und immer kleiner werden. So gelangt das Blut in den Kopf, in die Arme und Hände, in all unsere Organe im Bauch und in die Beine und Füße bis zum kleinen Zeh. Bis hierhin fließt das Blut durch Arterien. Arterien transportieren Blut vom Herzen weg und verfügen über eine kräftigere Muskelschicht in ihrer Gefäßwand. Ist das Blut in den kleinsten Arterien angekommen, findet ein munteres Tauschgeschäft mit unseren Zellen statt. Die Zellen schnappen sich vor allem den Sauerstoff aus dem Blut, aber auch alles, was sie sonst noch so brauchen können. Und sie werden los, was sie neu gebildet haben und was dabei an Abfall angefallen ist. Uns interessiert hier besonders der Abfall Kohlenstoffdioxid (CO2), denn das wird jetzt im Blut zur Lunge transportiert.
Das Blut fließt nun wieder zurück in Richtung Herz. Es nimmt überwiegend den gleichen Weg zurück, den es gekommen ist. Allerdings fließt es jetzt in den Venen zurück. Die Venen verlaufen meist parallel zu den Arterien und transportieren Blut zum Herzen hin. Sie haben keine so starke Muskelwand, dafür aber Venen-Klappen, so ähnlich wie die Klappen am Herzen.
Die Venen laufen vor dem Herzen in der oberen und unteren Hohlvene zusammen. Die große Hohlvene mündet in den rechten Vorhof unseres Herzens ein. Jetzt fehlt nicht mehr viel, bis das Blut wieder in der linken Kammer angekommen ist. Dazwischen kommt aber noch ein ganz wichtiges Organ an die Reihe: die Lunge.
Wenn das Blut im rechten Vorhof ankommt, dann enthält es wenig Sauerstoff und viel CO2. Die rechte Herzkammer pumpt das Blut deshalb als Nächstes in die Lunge. Hier findet genau der umgekehrte Austausch statt. Das Blut nimmt Sauerstoff aus der eingeatmeten Luft auf und gibt CO2 ab. Beim Ausatmen strömt das CO2 mit der Atemluft hinaus und verlässt so unseren Körper. Das Blut fließt dann weiter zum linken Vorhof und ist bereit für die nächste Runde durch den großen Körper-Kreislauf.
Das Herz steht im Zentrum dieses Versorgungssystems. Es bildet die Schnittstelle zwischen Körper-Kreislauf und Lungen-Kreislauf. So erhält unser Körper immer sauerstoffreiches Blut und kann auch all seine Produkte, seine Hormone, Nahrungsbestandteile und vieles mehr überallhin verteilen. Unser Herz pumpt das Blut in jeden Bereich unseres Körpers und somit gelangen auch zum Beispiel Hormone vom Gehirn in jeden Muskel bis zum Fuß. Unser Herz spielt also im wahrsten Sinne eine zentrale Rolle dafür, dass alles andere in unserem Körper funktionieren kann. Es trägt ganz schön viel Verantwortung für unser Leben. Und es ist uns ein treuer Dienstleister, der diese Aufgabe stets zuverlässig erledigt.
Wovon lebt das Herz eigentlich?
Nun haben wir uns angeschaut, wie das Herz unseren Körper durchblutet und mit allem Wichtigen versorgt. Aber das Herz selbst muss ja auch von etwas leben! Es benötigt genauso Sauerstoff für seine Arbeit. Sauerstoffreiches Blut landet nur im linken Vorhof und in der linken Kammer, das reicht nicht aus. Das Herz besitzt deshalb seine eigene Blutversorgung.
Unser Herz wird über die Herzkranz-Gefäße mit Blut versorgt. Direkt aus der Aorta zweigen eine rechte und eine linke Herzkranz-Arterie ab. Die beiden Arterien verlaufen rund um das Herz und geben weitere Gefäß-Äste ab. Die Äste sind gleichmäßig über das ganze Herz verteilt und sorgen rundherum für die Versorgung mit frischem Blut.
Bei der Durchblutung des Herzens gibt es noch eine Besonderheit. Unser Körper wird vor allem in der Phase gut durchblutet, in der das Herz das Blut aus den Kammern herauspumpt. Beim Herzmuskel selbst ist das umgekehrt. Während der Muskel so stark pumpt, zieht er sich kräftig zusammen. Dabei kann schlecht Blut aus den Herzkranz-Gefäßen in den Herzmuskel fließen. Wenn er sich danach wieder entspannt und die Kammer sich mit Blut füllt, dann kann gleichzeitig auch der Herzmuskel selbst gut durchblutet werden.
Vom Schrittmacher und Kabelbaum
Woher kommt nun eigentlich die unerschöpfliche Motivation unseres Herzens, zu schlagen? Und wie schafft es das Herz, ein ganzes Leben lang so regelmäßig zu schlagen? Das klingt nach sehr anstrengender Präzisionsarbeit, aber unser Herz hat auch dafür eine elegante Lösung.
Es verfügt über einen eigenen Schrittmacher, den sogenannten Sinus-Knoten. Dieser besteht aus spezialisierten Zellen, die im gleichmäßigen Rhythmus elektrische Signale erzeugen. Diese elektrischen Signale können an die Herzmuskel-Zellen weitergeleitet werden. Der Herzmuskel wird dadurch angeregt, spannt sich an und pumpt das Blut.
Vom Sinus-Knoten aus nehmen die elektrischen Signale einen genau definierten Weg durch das Herz. Das ist wichtig, damit der Pump-Vorgang des Herzens koordiniert abläuft. Es sollen sich abwechselnd die Vorhöfe und Kammern anspannen und nicht alles auf einmal. Zunächst sollen sich die Vorhöfe anspannen und einen letzten Schluck Blut in die Kammern pumpen. Danach sind die Kammern an der Reihe und spannen sich an, um das Blut in den Kreislauf zu befördern. Unser Herz hat dafür ein paar Tricks auf Lager.
Der Sinus-Knoten befindet sich oben im Herzen bei den Vorhöfen. Die elektrischen Signale können sich dadurch direkt über die Vorhöfe ausbreiten. Damit die Signale nicht gleich auf die Kammern übergehen, hat das Herz dazwischen eine isolierende Schicht aus Bindegewebe eingebaut. Bindegewebe leitet keinen Strom. Um auch die Kammern zu erreichen, gibt es für das elektrische Signal nur einen Weg durch das Bindegewebe: den AV-Knoten. Der AV-Knoten ist ein entspannter Geselle. Er arbeitet genau und lässt sich dabei Zeit. Während die Vorhöfe ihr restliches Blut in die Kammern pressen, hält er den Stromfluss zu den Kammern auf. Nach einer kurzen Verzögerung fließt der Strom weiter in die Kammern. Die Kammern sind so groß, dass es zu lange dauern würde, wenn sich die elektrischen Signale nur über den Herzmuskel selbst ausbreiten würden. Deshalb haben die Kammern ein eigenes Stromnetz. Am AV-Knoten beginnt der herzeigene Kabelbaum, über den die Signale sich wie auf kleinen Autobahnen über die Herzkammern ausbreiten können. Die Kammern werden dann so gleichmäßig angeregt, dass sie das Blut wunderbar in den Kreislauf befördern können.
Unser Herz hat hier noch eine wichtige Sicherheits-Maßnahme getroffen. Alle Zellen sind so programmiert, dass sie die elektrischen Signale nur in eine Richtung weiterleiten. Dadurch fließt der Strom zum Beispiel nicht rückwärts von den Kammern über den AV-Knoten zu den Vorhöfen. Die Vorhöfe müssen auf das nächste Signal vom Sinus-Knoten warten. Nur so kann ein koordinierter Pump-Vorgang vom ganzen Herzen ohne Chaos ablaufen.
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