Bad Mum
Survival Guide Wochenbett
EUR 21,90
Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 154
ISBN: 978-3-7116-1763-7
Erscheinungsdatum: 08.07.2026
„Bad Mum“ rechnet mit „Babyglück“ ab und sagt laut, was viele nur denken. Ehrlich, frech, witzig und tröstend zeigt dieses Buch: Muttersein ist keine Insta-Story. Für alle Mums, die sich verstanden fühlen wollen – und echte Hacks suchen.
Kapitel 1 – Es war einmal …
In einem früheren Leben
Wie war oder ist dein Leben ohne den Titel „Mama“, oder falls du das Upgrade noch nicht hast – wie ist dein Leben jetzt gerade?
Hast du viel zu tun? Ist es stressig? Ist dir langweilig? Du hast wahrscheinlich viel Zeit für Selfcare, nicht? Vielleicht sieht dein Tag manchmal so aus:
Termin im Nagelstudio, danach kurz auf einen Drink mit meiner guten Freundin, die mich dringend auf den neuesten Stand bringen muss, weil sie beim Daten schon wieder einen Traummann ausgegraben hat. Ich glaube, dieses Mal könnte er derjenige sein.
Termin bei der Kosmetikerin, danach Outfit für die Party besorgen. Ja, ja, ich weiß! Bald kommen Steuern, und die Säule 3a wollte ich ja auch noch abschließen. Aber ich muss! Samstag ist schließlich der 30. von Diana. Und man gönnt sich ja sonst nichts. Oh, da fällt mir ein, ich brauche noch ein Geschenk für sie! OMG! Ich frage Oli, ob sie Lust hat mitzukommen, und anschließend gehen wir zum Lunch. Sie muss mir ohnehin noch erzählen, wie es mit der doofen Kollegin im Büro weiterging. Und ob ihre Freundin Chiara nun endlich Schluss gemacht hat oder nicht. Gott, ich bin so aufgeregt!
Am Wochenende Kino und Abendessen für die Zweisamkeit mit Schatzi.
Memo im Kalender: „Dringend Termin Extensions“. Die sehen ja aber auch wieder aus wie Hund.
Och, ganz vergessen, ich habe Maria versprochen, mit ihr zum Pilates zu gehen. Weißt du was?! Und danach die Extensions. Das wäre ein „Perfect Day“, Glitzer-Glitzer Bling-Bling.
Ich hatte ja keine Ahnung …
Jede Mama hat sich schon einmal diese Fragen gestellt:
- Was das wohl für eine Körperflüssigkeit auf meinem Shirt ist?
- Wer ist diese Frau im Spiegel?!
- Kann man Schlaf eigentlich vorholen?
- Bleibt das jetzt für immer so?
- Was zum Teufel habe ich früher eigentlich den ganzen Tag getan?
- Wo ist der ganze Scheiß-Glitzer hin?!
Als ich 2019 mit meinem ersten Kind schwanger war, glaubte ich, dass die Schwangerschaft und die Geburt vorerst das Schwierigste sein würden, was ich als frischgebackene Mutter meistern müsse. Ich dachte, sobald das Baby raus ist, würde alles wieder einfacher werden. Ich könnte dann schließlich bald wieder alles essen, was ich mochte. (Ich muss dazu erklären: Ich aß früher mein Fleisch so roh, dass ich ebenso gut in eine weidende Kuh hätte beißen können.) Also verspürte ich Vorfreude. Darauf, meinen Körper wieder für mich zu haben, und die Kleine in ihre süßen Outfits zu stecken. Ich hätte dann endlich meinen kleinen Engel in den Armen und konnte es nicht erwarten, ihr Gesicht zum ersten Mal zu sehen. Welche Augenfarbe sie wohl haben würde? Ich stellte mir vor, wie ich mich langsam als Mama einfinde. Mir viel Zeit für alles nehme. Ein bisschen so, wie in einer Zeitblase. Mit der Titelmusik „Everywhere you look“ von FullHouse im Hintergrund. Baby lacht, Mama lacht, Mann lacht, Großeltern lachen, und wir sitzen alle zusammen mit warmem Kakao und Marshmallows vor dem Kamin auf dem Lammfell.
(Ich habe nicht mal einen Scheiß-Kamin oder ein Lammfell!) Alles war rosa und fühlte sich an wie ein Wunder. Jeder Body wurde mit babygerechtem Waschmittel gewaschen, gefaltet und nach Farben sortiert in den kleinen Kleiderschrank gelegt. Ich stellte mir vor, wie ich jeden besuchen würde mit meinem Baby. Wie ich nun anfangen würde zu backen und besser zu kochen. Zeit hatte ich dann genug. Und wie ich den Mutterschaftsurlaub nutzen würde, um zu reisen. Mit Baby. Natürlich. Schließlich hatte ich noch nie seit meinem Eintritt ins Erwerbsleben so eine lange Auszeit gehabt. Mein Baby und ich wären dann ein unschlagbares Team. Ich würde nur das Nötigste mitnehmen. So Backpacker-Style, aber mit Baby. Natürlich.
Zu diesem Zeitpunkt hatte ich sehr viel Fantasie und Energie, mich mit sowas zu befassen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich ja auch noch nie etwas von „Babyblues“ gehört, geschweige denn erwartet, dass in meinem Suchverlauf nicht die Iberia-Website und Sixt-Autovermietung am meisten vertreten sein würden, sondern Dinge wie Wochenfluss-Einlagen, Nippelcreme, Nippelhütchen, Haarausfall, Heultage oder Intimdusche. Letzteres empfehle ich übrigens mit Vorsicht zu googeln. Aber ich möchte nicht vorgreifen. Auf Anfang!
Karriere, Reisen, Freiheit –
und der Wunsch nach Sinn
Zu der Zeit, als ich schwanger wurde, war ich gerade 30 Jahre jung geworden. Ich war in einer 100 % Anstellung bei einer Versicherungsgesellschaft, arbeitete meist aber 120 %, und es gefiel mir. Ich hatte soeben meinen Fachausweis mit erstaunlicher Bravour abgeschlossen. Ich machte meine Arbeit sehr gern und liebte die sozialen Kontakte, die Freundschaften, die sich über die Jahre entwickelt hatten, den Kaffeetratsch in den Pausen und die menschlichen Dramen, die eben dazu gehören.
Privat war es auch wie in einem Bridget Jones Film. Mein Freund und ich waren bereits zehn Jahre zusammen. Er war und ist mein bester Freund. Wir nahmen uns nicht zu ernst, reisten viel, gönnten uns so einiges und waren stets beschäftigt mit scheinbar wichtigen Dingen.
Ich liebte, passend zu meinem Sternzeichen Zwilling, dieses schnelllebige, unbeschwerte und spannende Leben. Und doch …
Bereits mit Mitte 20 begann ich meinem Freund den Gedanken schmackhaft zu machen, eine Familie zu gründen. Es fehlte etwas. Es fühlte sich irgendwie unvollständig an. Es fehlte mir der Sinn. „Wofür das alles? Diese coolen Gene aus den 90ern müssen wir doch unbedingt weitergeben! Stell dir nur mal vor: halb Italo, halb Spanier/-in! Das Kind wird die Welt erobern!“
Wir waren uns einig. Wir wollten Kinder. Am liebsten zwei kleine Wesen, die eines Tages hinten im Auto mit uns „Real Slim Shady“ rappten.
Aber erst nachdem wir unsere Fachausweise und anderen Erwachsenenkram geklärt hatten. Die 3. Säule, um ein Beispiel zu nennen. Und natürlich nicht bevor wir uns noch den einen Wunsch erfüllt hatten.
Die Reise unseres Lebens
First Stop: Santo Domingo. Eine Woche Hotel, All-inclusive, Mama Juana (oder wie die Einheimischen es nennen „The Baby Maker“), Schaumpartys, Strand und ein wunderschöner Heiratsantrag. NEIN, es war kein Flashmob, noch war es eine Instagram-Video-Verlobung. Sondern ganz intim. Mein –damals noch – Freund hatte den Verlobungsring organisiert und durch die Gepäckkontrolle bis nach Santo Domingo gebracht.
Da wir oft Border-Patrol geschaut hatten, achtete ich nun als Profi besonders auf den Bildschirm, der den Rucksack meines Freunds durchleuchtete – der mich wiederum ruppig wegschickte mit dem Hinweis:
„Kümmere dich um deinen eigenen Kram. Steh nicht doof herum und pass auf die Tasche auf, die da auf dem Band kommt.“
Ich dachte nur: „Pff … Idiot.“
Jedenfalls passierte es am zweiten Abend. Er entführte mich an den Strand und hielt unter Palmen, Sternenhimmel, dem Meeresrauschen und weit entfernt dem Traktor, der gerade die Algenansammlung entfernte, um meine Hand an. Es war wundervoll. Ich weinte vor Freude, er aus Angst. Es war echt, es war so 90er. Es fühlte sich verdammt nochmal richtig an!
Danach habe ich für den Rest der Woche mit dem Verlobungsring, der etwas zu lose an meinem Ringfinger hing, in der Hoteldisco, unter dem Einfluss von Mama Juana und sonstigen Regenbogen-Drinks, auf die Verlobung mit wildfremden Menschen angestoßen.
Von dort aus flogen wir über Mexico City nach Cancún. Tipp: Falls du jemals über Mexico City reist, plane um Himmelswillen genug Zeit ein! Warum? Okay, ich erzähle es dir.
Vom Flieger ging es mit dem Bus über die Startbahn direkt zu einer riesigen Halle. Ich fragte meinen Mann: „Wo ist denn die Schlange?“ Dabei standen wir bereits an. Ich hatte ungelogen noch keine fünf Schritte in die Halle gemacht. Dort musste man für sein Visum anstehen. Ich habe noch nie so viele Menschen in einer Schlange gesehen, und wir hatten gerade mal 1,5 h bis zum Boarding! Ich bin in der Schweiz aufgewachsen und daher immer überall zu früh.
Man schnappt im Lauf eines Lebens so manch unnützes Wissen auf. Irgendwo in meinem Archiv war abgespeichert, wie hoch die Mordrate in Mexico City ist.
Ich dachte: „Fuck, die packen mir noch Kokain in den Koffer! (Keine Vorurteile, nur gebrandmarkt durch die Flughafen-Security-Dokus) Wir müssen diesen Flieger erwischen!“ Ich war fest entschlossen. Ich bin nicht stolz drauf, aber ich habe erst einer Flughafenangestellten erzählt, dass ich unter diesen Umständen eine Beerdigung verpassen würde. Da das nicht geklappt hat, habe ich versucht, mit 100 $ ein paar Einheimische zu bestechen, damit sie uns vorlassen. Was soll ich sagen – die sind nicht käuflich. Eine ca. 20-jährige junge Frau mit Zopf und Brille wollte mich trösten und sagte: „Ey Gringa, du wirst den Flug hier wahrscheinlich verpassen, das passiert mir ständig. Ist normal.“ Ich dachte: „Von wegen Gringa.“ Ich gab auf und betete für ein Wunder. Ich beobachtete die vier Schalter-Menschen, die die Visa stempelten und fluchte in fünf verschiedenen Sprachen vor mich hin. Von der Hoffnung verlassen, ging ich in Gedanken einen Dialog durch: „Scheiß auf den Koffer! Du lässt ihn einfach stehen. Es sind nur Kleider. Was ist dir wichtiger: deine Freiheit oder das süße kleine weiße Strandkleid … hmm … Mist!“ „Miss, gehört der Koffer Ihnen?“ „Was?! Nein, der Drogenkoffer gehört mir nicht. Ich reise prinzipiell nur mit Rucksack. Ich glaube, der gehört der jungen Dame mit dem Zopf.“ Spoiler: Wir haben es gerade so noch geschafft.
Wir genossen zwei Wochen in einem riesigen Hotel-Resort mit Direktzugang zum Pool, Ausflügen zu den Maya-Schätzen, inkl. Abseilen und Schwimmen in diversen Cenotes.
Bei einem Ausflug zu einer Maya-Pyramide durfte man die Treppen bis ganz nach oben steigen, um den Blick über den Dschungel zu bewundern. Die Reiseleiterin warnte uns ganz nebenbei, dass man lieber am Rand laufen solle und sich nicht in der Mitte an dem langen Seil festhalten möge. „Zuhören, bitte! Wenn einer abrutscht, reißt dieser euch mit in den Abgrund. Also, Aufstieg auf eigene Gefahr. Wir sind hier überbevölkert, und für Verluste wird keine Haftung übernommen. Treffpunkt beim Bus: 16:30 Uhr. Abfahrt: 16:45 Uhr. Wir warten nicht.“
Dieselbe Reiseleiterin erzählte uns bei einer Etappe, wie die Spanier einst über die Mayas herfielen. Alles zerstörten. Ihr Gold raubten und viele grauenvolle Dinge taten. Beim Weiterlaufen fragte sie mich dann, woher ich denn sei, weil ich so gut Spanisch spreche. Ich war noch nie in meinem Leben so verlegen gewesen.
Am Weihnachtsabend gönnte ich mir vom Hotel-Buffet Sushi. Jep. Sushi vom offenen Hotelbuffet. In Mexico.
Irgendetwas beschützt mich und hat echt alle Hände voll zu tun damit. In der Hoteldisco feierten wir anschließend bis zum Morgengrauen mit Australiern, Amerikanern, Mexikanern, Franzosen, Kanadiern. Es war das witzigste Weihnachten ever! Der 15-minütige Heimweg durch die riesige Hotelanlage um 04:00 oder 05:00 Uhr morgens, den wir locker auf 45 min ausdehnten, Barfuß, total daneben, aber glücklich wie sonst was, war jeweils legendär. Wir lachten, streichelten Hotelkätzchen und beobachteten Waschbär-Kämpfe (die lebten in Rudeln in der Hotelanlage). Eines Abends fand mein Mann ein cooles Cap bei einem Gebüsch. Ich riet ihm, zurechnungsfähig wie ich war, es anzuziehen. Er griff danach und zuckte zurück, weil da noch ein sehr betrunkener US-Amerikaner dranhing. Wir konnten vor Lachen kaum mehr gerade stehen, da erwachte dieser aus seinem Koma und klagte uns in unverständlichem Englisch, dass er und seine Freundin Schluss gemacht hätten und dass er nie wieder mit dieser – Zitat – „evil bitch“ zusammenkommen würde. Mein Mann gab ihm verlegen das Cap zurück. Er schloss mit uns einen Pakt – weil er uns „liebte“ – und schwor sich selbst feierlich, dass er allein nach New York zurückfliegen würde. Arm in Arm begleiteten wir den bedauernswerten Kerl, der jetzt unser neuer bester Freund war, zu seinem Zimmer.
Zwei Abende später trafen wir ihn erneut in der Anlage. Das coole Cap hatte zu ihm zurückgefunden, und auch die „evil bitch“.
Nach Mexiko flogen wir zurück nach Zürich, nur um zwei Tage später mit einem guten Freund nach Rom zu reisen und dort Silvester beim Kolosseum zu feiern.
So viel zum Vorher-/Nachher-Bild für das bevorstehende Wochenbett, was ich dir jetzt hier erzählen werde.
Es war ein erstaunliches Jahr. Die Reise, die Schwangerschaft, die Liebe und ach ja, die Hochzeit.
Die Hochzeit – kurz, schwanger und süß
War standesamtlich und ich sehr schwanger. Mein Kleid hatte gerade mal CHF 25.- bei Zalando gekostet. Es war cute. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass unser Hochzeitskuchen mich als Braut bei Weitem übertrumpft hat. Und oh, das hat er. Wir hatten lediglich das Restaurant organisiert, das Menü zusammengestellt und einen Fotografen engagiert. Es waren ca. 30 Personen anwesend. Sehr spartanisch. Und doch, auf den Fotos strahlen mein Mann und ich uns voller Liebe an. Wie mein Mann sagt: „Coppietta minchia.“
Es hat Vor- und Nachteile, die eigene Hochzeit so minimalistisch zu halten.
Vorteile:
- Kein Stress, somit auch keine Brautzilla. Für Schwangere natürlich ein großes Plus. Das Letzte, was man schwanger braucht, ist Stress.
- Anders als bei pompösen Hochzeitsfeiern, brauchst du an sehr wenig zu denken. Es kann alles in kürzester Zeit organisiert werden.
- Günstiger
- Intim und echt. Die Liebe steht definitiv im Vordergrund. (Gibt ja sonst auch nicht viel zu sehen. Außer vielleicht der Onkel, der ausartet, nachdem er zu tief ins Glas geschaut hat.)
- Mehr Qualität statt Quantität
- Kannst das Geld in die Flitterwochen investieren oder in etwas fürs Baby … oder für dich!
Nachteile:
- Hmm … irgendwie fallen mir gerade keine ein
...
In einem früheren Leben
Wie war oder ist dein Leben ohne den Titel „Mama“, oder falls du das Upgrade noch nicht hast – wie ist dein Leben jetzt gerade?
Hast du viel zu tun? Ist es stressig? Ist dir langweilig? Du hast wahrscheinlich viel Zeit für Selfcare, nicht? Vielleicht sieht dein Tag manchmal so aus:
Termin im Nagelstudio, danach kurz auf einen Drink mit meiner guten Freundin, die mich dringend auf den neuesten Stand bringen muss, weil sie beim Daten schon wieder einen Traummann ausgegraben hat. Ich glaube, dieses Mal könnte er derjenige sein.
Termin bei der Kosmetikerin, danach Outfit für die Party besorgen. Ja, ja, ich weiß! Bald kommen Steuern, und die Säule 3a wollte ich ja auch noch abschließen. Aber ich muss! Samstag ist schließlich der 30. von Diana. Und man gönnt sich ja sonst nichts. Oh, da fällt mir ein, ich brauche noch ein Geschenk für sie! OMG! Ich frage Oli, ob sie Lust hat mitzukommen, und anschließend gehen wir zum Lunch. Sie muss mir ohnehin noch erzählen, wie es mit der doofen Kollegin im Büro weiterging. Und ob ihre Freundin Chiara nun endlich Schluss gemacht hat oder nicht. Gott, ich bin so aufgeregt!
Am Wochenende Kino und Abendessen für die Zweisamkeit mit Schatzi.
Memo im Kalender: „Dringend Termin Extensions“. Die sehen ja aber auch wieder aus wie Hund.
Och, ganz vergessen, ich habe Maria versprochen, mit ihr zum Pilates zu gehen. Weißt du was?! Und danach die Extensions. Das wäre ein „Perfect Day“, Glitzer-Glitzer Bling-Bling.
Ich hatte ja keine Ahnung …
Jede Mama hat sich schon einmal diese Fragen gestellt:
- Was das wohl für eine Körperflüssigkeit auf meinem Shirt ist?
- Wer ist diese Frau im Spiegel?!
- Kann man Schlaf eigentlich vorholen?
- Bleibt das jetzt für immer so?
- Was zum Teufel habe ich früher eigentlich den ganzen Tag getan?
- Wo ist der ganze Scheiß-Glitzer hin?!
Als ich 2019 mit meinem ersten Kind schwanger war, glaubte ich, dass die Schwangerschaft und die Geburt vorerst das Schwierigste sein würden, was ich als frischgebackene Mutter meistern müsse. Ich dachte, sobald das Baby raus ist, würde alles wieder einfacher werden. Ich könnte dann schließlich bald wieder alles essen, was ich mochte. (Ich muss dazu erklären: Ich aß früher mein Fleisch so roh, dass ich ebenso gut in eine weidende Kuh hätte beißen können.) Also verspürte ich Vorfreude. Darauf, meinen Körper wieder für mich zu haben, und die Kleine in ihre süßen Outfits zu stecken. Ich hätte dann endlich meinen kleinen Engel in den Armen und konnte es nicht erwarten, ihr Gesicht zum ersten Mal zu sehen. Welche Augenfarbe sie wohl haben würde? Ich stellte mir vor, wie ich mich langsam als Mama einfinde. Mir viel Zeit für alles nehme. Ein bisschen so, wie in einer Zeitblase. Mit der Titelmusik „Everywhere you look“ von FullHouse im Hintergrund. Baby lacht, Mama lacht, Mann lacht, Großeltern lachen, und wir sitzen alle zusammen mit warmem Kakao und Marshmallows vor dem Kamin auf dem Lammfell.
(Ich habe nicht mal einen Scheiß-Kamin oder ein Lammfell!) Alles war rosa und fühlte sich an wie ein Wunder. Jeder Body wurde mit babygerechtem Waschmittel gewaschen, gefaltet und nach Farben sortiert in den kleinen Kleiderschrank gelegt. Ich stellte mir vor, wie ich jeden besuchen würde mit meinem Baby. Wie ich nun anfangen würde zu backen und besser zu kochen. Zeit hatte ich dann genug. Und wie ich den Mutterschaftsurlaub nutzen würde, um zu reisen. Mit Baby. Natürlich. Schließlich hatte ich noch nie seit meinem Eintritt ins Erwerbsleben so eine lange Auszeit gehabt. Mein Baby und ich wären dann ein unschlagbares Team. Ich würde nur das Nötigste mitnehmen. So Backpacker-Style, aber mit Baby. Natürlich.
Zu diesem Zeitpunkt hatte ich sehr viel Fantasie und Energie, mich mit sowas zu befassen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich ja auch noch nie etwas von „Babyblues“ gehört, geschweige denn erwartet, dass in meinem Suchverlauf nicht die Iberia-Website und Sixt-Autovermietung am meisten vertreten sein würden, sondern Dinge wie Wochenfluss-Einlagen, Nippelcreme, Nippelhütchen, Haarausfall, Heultage oder Intimdusche. Letzteres empfehle ich übrigens mit Vorsicht zu googeln. Aber ich möchte nicht vorgreifen. Auf Anfang!
Karriere, Reisen, Freiheit –
und der Wunsch nach Sinn
Zu der Zeit, als ich schwanger wurde, war ich gerade 30 Jahre jung geworden. Ich war in einer 100 % Anstellung bei einer Versicherungsgesellschaft, arbeitete meist aber 120 %, und es gefiel mir. Ich hatte soeben meinen Fachausweis mit erstaunlicher Bravour abgeschlossen. Ich machte meine Arbeit sehr gern und liebte die sozialen Kontakte, die Freundschaften, die sich über die Jahre entwickelt hatten, den Kaffeetratsch in den Pausen und die menschlichen Dramen, die eben dazu gehören.
Privat war es auch wie in einem Bridget Jones Film. Mein Freund und ich waren bereits zehn Jahre zusammen. Er war und ist mein bester Freund. Wir nahmen uns nicht zu ernst, reisten viel, gönnten uns so einiges und waren stets beschäftigt mit scheinbar wichtigen Dingen.
Ich liebte, passend zu meinem Sternzeichen Zwilling, dieses schnelllebige, unbeschwerte und spannende Leben. Und doch …
Bereits mit Mitte 20 begann ich meinem Freund den Gedanken schmackhaft zu machen, eine Familie zu gründen. Es fehlte etwas. Es fühlte sich irgendwie unvollständig an. Es fehlte mir der Sinn. „Wofür das alles? Diese coolen Gene aus den 90ern müssen wir doch unbedingt weitergeben! Stell dir nur mal vor: halb Italo, halb Spanier/-in! Das Kind wird die Welt erobern!“
Wir waren uns einig. Wir wollten Kinder. Am liebsten zwei kleine Wesen, die eines Tages hinten im Auto mit uns „Real Slim Shady“ rappten.
Aber erst nachdem wir unsere Fachausweise und anderen Erwachsenenkram geklärt hatten. Die 3. Säule, um ein Beispiel zu nennen. Und natürlich nicht bevor wir uns noch den einen Wunsch erfüllt hatten.
Die Reise unseres Lebens
First Stop: Santo Domingo. Eine Woche Hotel, All-inclusive, Mama Juana (oder wie die Einheimischen es nennen „The Baby Maker“), Schaumpartys, Strand und ein wunderschöner Heiratsantrag. NEIN, es war kein Flashmob, noch war es eine Instagram-Video-Verlobung. Sondern ganz intim. Mein –damals noch – Freund hatte den Verlobungsring organisiert und durch die Gepäckkontrolle bis nach Santo Domingo gebracht.
Da wir oft Border-Patrol geschaut hatten, achtete ich nun als Profi besonders auf den Bildschirm, der den Rucksack meines Freunds durchleuchtete – der mich wiederum ruppig wegschickte mit dem Hinweis:
„Kümmere dich um deinen eigenen Kram. Steh nicht doof herum und pass auf die Tasche auf, die da auf dem Band kommt.“
Ich dachte nur: „Pff … Idiot.“
Jedenfalls passierte es am zweiten Abend. Er entführte mich an den Strand und hielt unter Palmen, Sternenhimmel, dem Meeresrauschen und weit entfernt dem Traktor, der gerade die Algenansammlung entfernte, um meine Hand an. Es war wundervoll. Ich weinte vor Freude, er aus Angst. Es war echt, es war so 90er. Es fühlte sich verdammt nochmal richtig an!
Danach habe ich für den Rest der Woche mit dem Verlobungsring, der etwas zu lose an meinem Ringfinger hing, in der Hoteldisco, unter dem Einfluss von Mama Juana und sonstigen Regenbogen-Drinks, auf die Verlobung mit wildfremden Menschen angestoßen.
Von dort aus flogen wir über Mexico City nach Cancún. Tipp: Falls du jemals über Mexico City reist, plane um Himmelswillen genug Zeit ein! Warum? Okay, ich erzähle es dir.
Vom Flieger ging es mit dem Bus über die Startbahn direkt zu einer riesigen Halle. Ich fragte meinen Mann: „Wo ist denn die Schlange?“ Dabei standen wir bereits an. Ich hatte ungelogen noch keine fünf Schritte in die Halle gemacht. Dort musste man für sein Visum anstehen. Ich habe noch nie so viele Menschen in einer Schlange gesehen, und wir hatten gerade mal 1,5 h bis zum Boarding! Ich bin in der Schweiz aufgewachsen und daher immer überall zu früh.
Man schnappt im Lauf eines Lebens so manch unnützes Wissen auf. Irgendwo in meinem Archiv war abgespeichert, wie hoch die Mordrate in Mexico City ist.
Ich dachte: „Fuck, die packen mir noch Kokain in den Koffer! (Keine Vorurteile, nur gebrandmarkt durch die Flughafen-Security-Dokus) Wir müssen diesen Flieger erwischen!“ Ich war fest entschlossen. Ich bin nicht stolz drauf, aber ich habe erst einer Flughafenangestellten erzählt, dass ich unter diesen Umständen eine Beerdigung verpassen würde. Da das nicht geklappt hat, habe ich versucht, mit 100 $ ein paar Einheimische zu bestechen, damit sie uns vorlassen. Was soll ich sagen – die sind nicht käuflich. Eine ca. 20-jährige junge Frau mit Zopf und Brille wollte mich trösten und sagte: „Ey Gringa, du wirst den Flug hier wahrscheinlich verpassen, das passiert mir ständig. Ist normal.“ Ich dachte: „Von wegen Gringa.“ Ich gab auf und betete für ein Wunder. Ich beobachtete die vier Schalter-Menschen, die die Visa stempelten und fluchte in fünf verschiedenen Sprachen vor mich hin. Von der Hoffnung verlassen, ging ich in Gedanken einen Dialog durch: „Scheiß auf den Koffer! Du lässt ihn einfach stehen. Es sind nur Kleider. Was ist dir wichtiger: deine Freiheit oder das süße kleine weiße Strandkleid … hmm … Mist!“ „Miss, gehört der Koffer Ihnen?“ „Was?! Nein, der Drogenkoffer gehört mir nicht. Ich reise prinzipiell nur mit Rucksack. Ich glaube, der gehört der jungen Dame mit dem Zopf.“ Spoiler: Wir haben es gerade so noch geschafft.
Wir genossen zwei Wochen in einem riesigen Hotel-Resort mit Direktzugang zum Pool, Ausflügen zu den Maya-Schätzen, inkl. Abseilen und Schwimmen in diversen Cenotes.
Bei einem Ausflug zu einer Maya-Pyramide durfte man die Treppen bis ganz nach oben steigen, um den Blick über den Dschungel zu bewundern. Die Reiseleiterin warnte uns ganz nebenbei, dass man lieber am Rand laufen solle und sich nicht in der Mitte an dem langen Seil festhalten möge. „Zuhören, bitte! Wenn einer abrutscht, reißt dieser euch mit in den Abgrund. Also, Aufstieg auf eigene Gefahr. Wir sind hier überbevölkert, und für Verluste wird keine Haftung übernommen. Treffpunkt beim Bus: 16:30 Uhr. Abfahrt: 16:45 Uhr. Wir warten nicht.“
Dieselbe Reiseleiterin erzählte uns bei einer Etappe, wie die Spanier einst über die Mayas herfielen. Alles zerstörten. Ihr Gold raubten und viele grauenvolle Dinge taten. Beim Weiterlaufen fragte sie mich dann, woher ich denn sei, weil ich so gut Spanisch spreche. Ich war noch nie in meinem Leben so verlegen gewesen.
Am Weihnachtsabend gönnte ich mir vom Hotel-Buffet Sushi. Jep. Sushi vom offenen Hotelbuffet. In Mexico.
Irgendetwas beschützt mich und hat echt alle Hände voll zu tun damit. In der Hoteldisco feierten wir anschließend bis zum Morgengrauen mit Australiern, Amerikanern, Mexikanern, Franzosen, Kanadiern. Es war das witzigste Weihnachten ever! Der 15-minütige Heimweg durch die riesige Hotelanlage um 04:00 oder 05:00 Uhr morgens, den wir locker auf 45 min ausdehnten, Barfuß, total daneben, aber glücklich wie sonst was, war jeweils legendär. Wir lachten, streichelten Hotelkätzchen und beobachteten Waschbär-Kämpfe (die lebten in Rudeln in der Hotelanlage). Eines Abends fand mein Mann ein cooles Cap bei einem Gebüsch. Ich riet ihm, zurechnungsfähig wie ich war, es anzuziehen. Er griff danach und zuckte zurück, weil da noch ein sehr betrunkener US-Amerikaner dranhing. Wir konnten vor Lachen kaum mehr gerade stehen, da erwachte dieser aus seinem Koma und klagte uns in unverständlichem Englisch, dass er und seine Freundin Schluss gemacht hätten und dass er nie wieder mit dieser – Zitat – „evil bitch“ zusammenkommen würde. Mein Mann gab ihm verlegen das Cap zurück. Er schloss mit uns einen Pakt – weil er uns „liebte“ – und schwor sich selbst feierlich, dass er allein nach New York zurückfliegen würde. Arm in Arm begleiteten wir den bedauernswerten Kerl, der jetzt unser neuer bester Freund war, zu seinem Zimmer.
Zwei Abende später trafen wir ihn erneut in der Anlage. Das coole Cap hatte zu ihm zurückgefunden, und auch die „evil bitch“.
Nach Mexiko flogen wir zurück nach Zürich, nur um zwei Tage später mit einem guten Freund nach Rom zu reisen und dort Silvester beim Kolosseum zu feiern.
So viel zum Vorher-/Nachher-Bild für das bevorstehende Wochenbett, was ich dir jetzt hier erzählen werde.
Es war ein erstaunliches Jahr. Die Reise, die Schwangerschaft, die Liebe und ach ja, die Hochzeit.
Die Hochzeit – kurz, schwanger und süß
War standesamtlich und ich sehr schwanger. Mein Kleid hatte gerade mal CHF 25.- bei Zalando gekostet. Es war cute. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass unser Hochzeitskuchen mich als Braut bei Weitem übertrumpft hat. Und oh, das hat er. Wir hatten lediglich das Restaurant organisiert, das Menü zusammengestellt und einen Fotografen engagiert. Es waren ca. 30 Personen anwesend. Sehr spartanisch. Und doch, auf den Fotos strahlen mein Mann und ich uns voller Liebe an. Wie mein Mann sagt: „Coppietta minchia.“
Es hat Vor- und Nachteile, die eigene Hochzeit so minimalistisch zu halten.
Vorteile:
- Kein Stress, somit auch keine Brautzilla. Für Schwangere natürlich ein großes Plus. Das Letzte, was man schwanger braucht, ist Stress.
- Anders als bei pompösen Hochzeitsfeiern, brauchst du an sehr wenig zu denken. Es kann alles in kürzester Zeit organisiert werden.
- Günstiger
- Intim und echt. Die Liebe steht definitiv im Vordergrund. (Gibt ja sonst auch nicht viel zu sehen. Außer vielleicht der Onkel, der ausartet, nachdem er zu tief ins Glas geschaut hat.)
- Mehr Qualität statt Quantität
- Kannst das Geld in die Flitterwochen investieren oder in etwas fürs Baby … oder für dich!
Nachteile:
- Hmm … irgendwie fallen mir gerade keine ein
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