Auf der Suche nach Harmonie
Wie finde ich ein gutes, gesundes, harmonisches Heim und Lebensweisheiten
EUR 27,90
Format: 18 x 27 cm
Seitenanzahl: 398
ISBN: 978-3-99131-725-8
Erscheinungsdatum: 27.01.2025
Kann planerisches Bau- und Wohnungsgestalten, dem ökologischen Kreislaufprinzip entsprechend ein gesundes Zuhause werden?Was bedeuten Proportionen, Farben, Werkstoffe und Schwingungen? Diesen Fragen wird im vorliegenden Buch mit radiästhetischen Überlegungen nachgegangen.
Vorwort
1 – Einführung
Geistige Grundlagen wie Aussagen europäischer Philosophen und Künstler über Kunst, Harmonie und Schönheit.
Zu diesem Thema, das ich mir hier vorgenommen habe, wurde ich schon mehrmals von vielen Kursteilnehmern gefragt, welche Hintergründe es gibt, dass von vielen antiken Bauten besonders gute Lebensqualitäten ausgehen? Dieser Harmonie soll in der Frage nachgespürt werden, weshalb antike Bauten derart angenehme und wohltuende Eigenschaften besitzen.
Vielfach wurden rädiaesthetische bzw. energetische (Strahlungs-)Qualitäten und Besonderheiten eingesetzt und diese sollen hier im Vordergrund stehen. Allzu oft wird heutzutage dieser Begriff für viele Eigenschaften von Bauten und ihre Accessoires verwendet. Durch diese Fakten fällt es nicht so leicht, sich selbst auf die Suche „Was macht die Harmonie aus?“ zu begeben.
Bei der Auswahl der Bilder zur Präsentation der verschiedenen Kunstwerke wurde oft auf die Besonderheiten geistiger und radiaesthetischer Qualitäten Wert gelegt und versucht, diese soweit wie möglich zu deuten.
Um diese Deutungen verständlicher zu machen, wurden viele alte Ansichten, Schnitte und Grundrisse eingefügt. Die alten Bilder zeigen die früheren Ansichten, wie sie oft vor den, zum Teil unglücklichen und verfälschten, Restaurierungen ausgesehen haben. Diese lassen oft auch noch die wunderbaren Details besser erkennen. Die erwähnten sowie die alten farbigen Darstellungen über die künstlerischen Gestaltungen der Bau- und Schmuckglieder sind in neueren Büchern und Schriften sehr selten zu finden. Deshalb sollen hier auch die farbigen Qualitäten der klassischen Baudenkmäler besonders gewürdigt werden. Zu den Deutungen wurden bis auf wenige fast keine Literaturangaben gefunden und die meisten davon sind vergriffen. Zum besseren Verständnis und um die Entwicklungen leichter erklären zu können, wurden viele, auch eigene, Skizzen und Zeichnungen eingefügt.
Es sollen hier hauptsächlich Anregungen gegeben werden, etliche Techniken der „Alten Meister“ nachzuvollziehen bzw. selbst zu erkennen, zu erleben und nachzuspüren und daraus die eine oder andere Erkenntnis zu gewinnen, um sie für unsere Behausungen auszuprobieren. Dies soll aber nur passieren, wenn man selbst genügend Gespür für ein „Tut mir das gut oder nicht?“ hat.
Aus diesen hier gegebenen Informationen können keine wie immer gearteten Haftungen übernommen und abgeleitet werden. Vielfach lassen sich die Kunstwerke nicht mehr so betrachten, wie dies früher möglich war. Die Besteigung der Cheops-Pyramide ist heute nicht mehr möglich.
EINFÜHRUNG – WAS ALLES DARUNTER
VERSTANDEN WERDEN KANN
„Den Stoff sieht jedermann vor sich, den Gehalt findet nur der, der etwas dazuzutun hat, und die Form ist ein Geheimnis den meisten.“ J. W. v. Goethe
Quelle: Goethe, Maximen und Reflexionen. Aphorismen und Aufzeichnungen. Nach den Handschriften des Goethe- und Schiller- Archivs hg. von Max Hecker, 1907. Aus Kunst und Altertum, 5. Bandes 3. Heft, 1826
Bei der Betrachtung der aktuellen Bauten unserer Mitwelt fällt immer wieder auf, dass die heutigen Gestaltungen oft nach einer Betriebsanleitung rufen, weil sie fast alle die herkömmlichen Formensprachen verlassen haben und sich utopischen Wertvorstellungen anbiedern. Was ich damit zum Ausdruck bringen will, soll im Folgenden näher erläutert werden.
Nehmen wir uns dieses untenstehende Beispiel vor. Können wir aus dem Bild den Zweck und die Aufgabe, die dieses Gebäude erfüllen soll, ablesen? Was passiert und passierte alles in diesem Bau? Was hatten sich die Auftraggeber von diesem Haus erwartet? Es lassen sich eine ganze Menge an Fragen aufwerfen, was sich alles in diesem neuzeitlichen Bau tut und getan hat.
Haben Sie es erkannt? Es ist oder war die Bankzentrale der HYPO-ALPE-ADRIA in Klagenfurt. Lässt sich nicht von der Außenansicht schon ablesen, was alles bei dieser Bank passiert ist? Für alle die, dieses Geschehen nicht mitverfolgt hatten, folgt hier eine kurze Zusammenfassung: Die Bank wurde gegründet, um gute Geschäfte im damals zukünftigen Euroraum der Baltenländer zu ermöglichen. Mit großer Euphorie hatte das Bankmanagement viele schlechte oder nicht gut abgesicherte Kredite vergeben.
Abb. 1: Das ehemalige Hypo-Alpe-Adria-Objekt
Die Haftung übernahm das Land Kärnten. Die Kredite konnten schließlich von der Bank nicht mehr eingebracht werden und so kamen diese Bank und mit ihr das Land Kärnten sowie die politische Partei des BZÖ unter die Räder. Die Partei wurde abgewählt, aber das Land Kärnten hatte die faulen Kredite am Hals. Da die österreichische Bundesregierung das Land Kärnten nicht in Konkurs schicken wollte, mussten die österreichischen und die bayrischen Steuerzahler in die Tasche greifen. Nun wird die Bank als sogenannte „Bad“ (schlecht)-Bank (Heta) entsorgt.
Zurück zur Architektur: In der Zeit der großen Bankeneuphorie sollte eine hypermoderne äußere Verkleidung auf eine gute zukünftige Bankentwicklung hindeuten. Gleich nach der Fertigstellung wurde dieses Bankprojekt im Kurier vom 14.9.1999 als energiegeladene Raumhülle von Thom Mayne der Architekten-Gruppe „Morphosis“ vorgestellt. Diese hatte bereits 1997 mit diesem Projekt den Preis „Progressive Architecture Award“ erhalten. „Progressiv und dynamisch“ – mit Eigenschaften wie diesen schmückt sich ein Unternehmen gern, das mit seinen Finanzdienstleistungen zunehmend ins benachbarte Ausland expandiert. Außergewöhnliche Baukunst, die das in unverwechselbarer Weise transportiert, ist gut fürs Geschäft: Sie erregt Aufmerksamkeit und prägt das Image eines Unternehmens durch „starke“ Bilder. Es ist anzunehmen, dass die Errichtung solch eines Gebäudes teurer als ein vergleichsweise konventioneller, architektonisch nicht ambitionierter Bau ist, aber die Dynamik des Baus darf auch etwas kosten.
Es lässt sich aber auch anders artikulieren, denn von der Stirnseite mit dem Banklogo, das an sich schon aus zwei gebrochenen, verschobenen Teilen, Deckel und Schale besteht, deuten sich ähnliche Probleme im Firmengeschehen an. Im Vergleich dazu kann das Yin-Yang-Symbol als Form der Einheit dienen. Die Baukörper des Bankkomplexes verschieben sich gegeneinander oder sie wachsen teilweise in Bruchform als Stiegenhaus aus der Lamellenfassade heraus. Die gesamte Baumasse ist durch mehrere würfelige und verschachtelte Baukörper ungegliedert aneinandergefügt. Die Gebäudehülle, die aus verschiedenen Strukturelementen besteht, bewegt sich von der Stirnseite des Gebäudes mit der Lamellenfassade, die als Verdunkelungsanlage agiert, abwärts, so wie es auch mit dem Geschäftsergebnis und deren Verheimlichungen abwärts gegangen ist. Auch die anderen Bruchzonen im und am Gebäude könnten auf Gaunereien hindeuten, die bereits zu gerichtlichen Verurteilungen geführt haben. Der Journalist Nobbe nennt dieses Gebäude „stählernes Ungetüm, die österreichische Schicksalsburg als große Finanztragödie“. (Ende 2014)
In einem Artikel der Salzburger Nachrichten vom 18.4.2015 unter der Rubrik Architektur, Seite 16 schrieb Martin Behr „Symbol der Misswirtschaft, Palazzo Prozzo, wie die Zentrale der Hypo-Alpe-Adria Bank Größenwahn und Eitelkeit sichtbar [ge]macht.“
Aus diesen Beobachtungen lässt sich ohne Übertreibung schließen, dass sogar Möglichkeiten bestehen, die „besonderen Aktivitäten“ im Gebäude am Äußeren des Gebäudes abzulesen.
Es stellt sich erneut die Frage, was das für Zusammenhänge zwischen den architektonischen und unbewussten psychischen Vorahnungen beim Entwurf und der baulichen Verwirklichung sind?
Können auch ähnliche Beobachtungen der psychischen Zusammenhänge bei Bauten der Antike bis zur Reformation gemacht werden? Ein viel schöneres, anderes Beispiel ist das gänzlich rote „Maison de Plaisir“, welches auch nach außen zeigt, was im Gebäude so alles geschieht. Wie sich an diesen Beispielen der sichtbaren Bauhülle einer maroden Bank und eines Vergnügungsetablissements ablesen lässt, zeigen die Objekte auch nach außen ihre aktuellen Aktivitäten auf, der Gestalt des heute üblichen Architekturtrends folgend.
Abb. 2: Maison de Plaisir, Spital an der Drau
Der äußere optische Eindruck mit dem gedanklichen und psychischen Background war hier sicherlich nicht so gewollt, sondern hat sich schon bei der Planung unbewusst manifestiert. Sind dies göttliche Vorahnungen oder andere Metaphern, die sich bei Projekten abspielen? Die äußere Farbgestaltung des Etablissements soll auf die Aktivitäten im Inneren als Werbeaspekt, den Kunden schon von außen dazu animieren, einzukehren.
Etwas anders liegt es beim „Emmentaler“-Hotel, wie ich es benannt habe, bei Klagenfurt, welches von außen auf kulinarische Genüsse hinweist, anstatt auf die Übernachtungsmöglichkeit, für die es gebaut und genutzt wird. Von vielen anderen Beispielen könnten ähnliche Beschreibungen aufgestellt werden, was bedeutet, dass die äußere Gestaltung von Bauten mit den Aktivitäten und Ereignissen im Inneren mitschwingt und immer wieder nach außen offensichtlich wird. Hängen unter anderem diese aufgezeigten Beispiele mit Themen wie Harmonie, Proportion, Rhythmus, Maß und Natürlichkeit meist nur so aus Nachhaltigkeitsgründen zusammen, weil sie in ein anderes Mäntelchen verpackt werden?
Was geht bei diesen neuen Entwicklungen alles daneben? Oder wird dies von vielen Verantwortlichen bewusst und gewollt in Szene gesetzt, nach dem Motto: Kritik ist eine Art von Werbung, die nichts kostet? Wer hält diesen Bauherren und ihren Architekten einen Spiegel vor, der ihnen vor Augen führt, dass die Quantität zur Erzielung eines Gewinnes für eine kalkulierte Nutzungsdauer nur den Formalaspekt mitbestimmt?
Wo bleibt der Mensch, der diese Objekte benützen soll? Geschweige denn die Überlegung, wo und wie diese Sondermüllprodukte einmal unseren Kindern und Kindeskindern über die Köpfe wachsen sollen und sie nicht wissen, wohin mit diesem Mist und Müll.
Unter dem Mäntelchen der Nachhaltigkeit wird oft nur zum Teil verkehrte Energiepolitik betrieben, die die zentralen Versorgungsbetriebe mit Wind- und Solarkraft begünstigt, aber den meist kleinen privaten Konsumenten nur Sand in die Augen streut, sodass der Private den selbsterzeugten Strom an den Netzbetreiber um Spotttarife abliefern darf.
Abb. 3: Hotel im Südteil von Klagenfurt
Auch bei der Wärmedämm-Euphorie werden weniger die Nutzer gefördert, auch wurde nicht auf die Lebensdauer der Stoffe und deren Entsorgbarkeit geachtet; so waren diese Aktionen hauptsächlich für die Ankurbelung des Geschäftes der Erzeuger, der Klein- und Mittelbetriebe, konzipiert, die große Umsatzsteigerungen erleben und erlebten. Auch Arbeitskräfte konnten so teilweise eine neue Anstellung finden und entlasten so etwas den Arbeitsmarkt. Bei diesem Wärmedämm-Fanatismus bleiben oft die Bewohner auf der Strecke, wenn wir bedenken, dass zum Teil brandhemmende Stoffe eingesetzt werden, die hohe Giftstoffe freisetzen, wenn es wirklich brennt, und den Feuerwehren sehr schwierige Rettungsaktionen auferlegt werden.
Es stellt sich erneut die Frage: Was sind das für Zusammenhänge zwischen den architektonischen und bautechnischen Gestaltungen mit der unbewussten psychischen Vorahnung beim Entwurf und in der Folge der baulichen Verwirklichung? Für manche Bauherren und Architekten wäre es fallweise ratsam, auch einen Baubiologen und -psychologen bei der Gestaltung der Baukörper und der Gebäudehülle zu befragen.
„Wie viel haben wir in unserer Zeit von den wirklich kreativen und naturbezogenen Gestaltungen mit all den Formelementen (Proportion, Maß, Harmonie usw.) verloren?“
Hier sollen nicht nur die tradierten klassischen Ordnungen von Griechen und Römern ins Spiel gebracht werden, es sind auch die früheren schlichten, anonymen Hausgestaltungen in den ländlichen Gebieten wie die der Bauerngehöfte, und auch die schmucken Gestaltungen der Bürgerhäuser in den Städten vom Mittelalter bis zum Jugendstil und Art-Deco, die vielfach verloren gingen.
In der Baugeschichte gab es immer wieder Perioden der Hochblüte und solche des Niederganges, wie die Bauten des Historismus oft bezeichnet wurden. Auch da gab es eine Entwicklung, die nach heutigem Gesichtspunkt erhaltend war, wie die Fertigstellungen der großen gotischen Dombauten (Köln u. a.). Neben diesen Dombauten entstanden optisch unbefriedigende, historistische Stil-Mischformen in den mitteleuropäischen Ländern. Die wahren Lichtblicke aus dem Dschungel der Allerweltbauten waren Andrea Gaudìs Werke in Barcelona und ähnliche Ansätze zeigte Friedensreich Hundertwasser in seinen, zum Teil ökologischen, Bestrebungen und Gestaltungen. Noch wenige andere Architekten haben uns verschiedene Ansätze für kreative Gestaltungen hinterlassen, wie Adolf Loos oder Hans Hollein, die in den designten Geschäften Reti und Schulin die klassischen Formeinheiten wie Proportion, Rhythmus, Ordnung und Harmonie zu berücksichtigen wussten.
Die allgemeine Situation der internationalen Architekturszene kennt nur mehr die Superlative, die mit dem Lizitieren von immer spekulativeren und immer höheren Hochhausbauten von den USA über Dubai bis nach China alle Register ziehen und die „Turmbauten von Babel des 21. Jahrhunderts“ in die Welt setzen. Wann und wo ist hier die Grenze? Bis alles zu Ende ist, wie es im Alten Testament der Bibel vorausgesagt wurde. Alles ist machbar, koste es, was es wolle, nichts ist zu hoch und zu groß, wichtig ist, es muss alles schon Dagewesene übertreffen, um sich im Guinnessbuch der Rekorde verewigen zu können, auch dann, wenn dabei die Natur zerstört wird. Es spielt leider scheinbar nur eine Rolle, wie das Energiesparen beim Licht funktioniert, wo doch jeder Raum, jede Straße und jeder Weg zum Teil ganzzeitig beleuchtet sein müssen, oder wie jede Wand, jedes Fenster, jedes Dach und jede Decke beschaffen sind, unabhängig davon, ob diese Materialien ökologisch und auch problemlos entsorgbar bzw. wiederverwertbar sind.
Können ähnliche Beobachtungen der psychischen und physiologischen Zusammenhänge bei den Bauten von der Antike bis zum Barock gemacht werden bzw. gegeben sein?
Warum nur in diesem begrenzten Zeitraum?
Ab dem Barock haben sich die Bauschaffenden nicht mehr oder nur äußerst selten mit radiaesthetischen Bezügen zu den Bauwerken auseinandergesetzt. Deshalb habe ich diese Einschränkung getroffen.
Die Definition des Ausdrucks „Harmonie“: Harmonie geht auf den griechischen Stamm „harmonia“, welcher Einklang bedeutet, und auf die Pythagoreer zurück. Diese schlossen die Begriffe Symmetrie, Proportion von Maß und Wert basierend auf mathematischen Grundlagen, die sich auch in der Musik und bei den natürlichen Formen von Pflanzen mit Blättern, Blüten und Früchten sowie den Proportionen von Tier und Mensch feststellen lassen, mit ein.
In der Ästhetik spielt sie bei der Baukunst, der Bildhauerei, der Malerei und der Musik ihre Rolle. Eine besondere Rolle nimmt die Proportion des Goldenen Schnittes in den diversen Künsten ein. Siehe Kapitel Proportion.
A – GEISTIGE GRUNDLAGEN
„Geistige Nahrung ist der Adel der Seele“ Paracelsus (1493-1541)
Will man sich über die geistigen Hintergründe beim künstlerischen Schaffen Gedanken machen, sind vorerst begriffliche Definitionen zu treffen.
Einführung zu den Begriffen der Philosophie (Welt des GEISTES) – Welt der GEFÜHLE und der Radiästhesie.
Für die Hintergründe ist es meist ratsam, sich einerseits mit den verschiedenen Grundlagen der Philosophie über die Begriffe von Harmonie, Proportion, Ästhetik und Kunst auseinanderzusetzen und andererseits mit Grundlagen und Möglichkeiten der Radiästhesie vertraut zu machen. Aus der Fülle der Bücher über Philosophie, welche sich speziell der Ästhetik und Kunst widmen, war für mich das Vorlesungsbuch von Univ. Prof. Elmar Waibl: „Ästhetik und Kunst von Pythagoras bis Freud“ eine Fundgrube, um daraus die Begriffe, wie sie die verschiedenen Gelehrten formulierten, kurz zu umreißen.
Der Begriff der ÄSTHETIK umfasst die Bereiche Natur und Kunst und ist allumfassend in der griechischen Bedeutung der Empfindung und sinnlichen Wahrnehmung.
Die PHILOSOPHIE der ÄSTHETIK geht auf Alexander Gottlieb Baumgarten (1714–1762) zurück, der diese Einstellung in Bezug auf alle Dinge des Lebens als sinnliche Erscheinungen, nicht nur die Kunst betreffend, erfasst hat.
Die Lehre der ÄSTHETIK befasst sich mit der sinnlichen Aneignung der Wirklichkeit, welche auch das Empfindungsvermögen einschließt, mit folgenden sinnlichen Qualitäten: schön – hässlich, gefällig – abstoßend, witzig – geistlos, farbig – blass, gehaltvoll – banal, aufregend – lähmend, grotesk – obszön, spannend – langweilig, schockierend – ekelerregend; und handelt mit allen Erfahrungsqualitäten, wie sie sich optisch, akustisch, tastend und riechend präsentieren.
Die PHILOSOPHIE der KUNST stellt nur einen Teilbereich der Ästhetik dar, bei der die Formulierung „Schöne Kunst“ (fine art, beaux-art, belle arti) nicht nur Schönes, sondern auch Hässliches einbezieht. Auch die ärztliche Kunst fällt unter diesen Begriff, ob Schönheits- oder Unfallchirurgie.
„Grundsätzlich kommt Kunst vom Können“, ob dies nun das Handwerk wie beim Schneider oder die Kunst wie beim Bildhauer, beim Maler oder beim Komponisten betrifft.
Zur Römerzeit und im Mittelalter galten also die „sieben freien Künste“ (septem artes liberales), die von Herrad von Landsberg im Hortus deliciarum um 1180 dargestellt wurden.
Abb. 4 und 5: Die 7 Freien Künste des Altertums in 2 Darstellungen aus dem Hortus Deliciarum, 12. Jh.
Die Künste, die nur geistiger Anstrengung bedürfen, sind Grammatik (Grammatica), Astronomie (Astronomia), Rhetorik (Rhetorica), Geometrie (Geometria), Logik (Dialetica), Arithmetik (Arithmetica) und Musik (Musica).
Die gemeinen (auch mechanisch genannten) Künste (artes vulgares), die auch körperliche Anstrengung erfordern, sind Ernährung (ars victuaria), Bekleidung (lanificaria), ein Obdach schaffend (architctura), den Transport besorgend (suffragotaria), der Gesundheit (medicinaria), dem Gütertausch (negotiatoria) und der Verteidigung dienend (militaria).
Deshalb wurden auch die Malerei und die Bildhauerei dazugezählt.
Der Begriff KALLISTIK ist die Lehre vom Schönen (griech. Kalos = schön), also ein Teilbereich der Ästhetik. Die Einteilung dazu bezieht sich nicht nur auf Kunstwerke, sondern auf alle Bereiche des täglichen Lebens.
Abb. 6: Die sieben freien Künste, in Theologie der Uni-Bibliothek Salzburg
„Im Fleiß kann dich die Biene meistern, in der Geschicklichkeit ein Wurm dein Lehrer sein, dein Wissen teilest du mit vorgezogenen Geistern, die Kunst, o Mensch, hast du allein.“
Friedrich von Schiller
(1759 – 1805), Johann Christoph Friedrich Schiller, ab 1802 von Schiller, deutscher Arzt, Dichter, Philosoph und Historiker; gilt als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Dramatiker und Lyriker Quelle: Schiller, F., Gedichte. Aus: Die Künstler, 1789
Der Begriff der KUNST lässt sich nicht mit einfachen Worten erfassen, die Definition wird unter anderem in dem Buch von Andreas Mäckler aus dem Jahr 2000 „1460 Antworten auf die Frage, was ist Kunst?“ gegeben.
Im Buch „Die Rolle der Theorie in der Ästhetik“ von Moritz Weitz, 1957, stellt der Philosoph zusammenfassend fest, dass es nicht möglich ist, eine genaue Definition von Kunst zu formulieren. Es sollte jedoch möglich sein, Nicht-Kunst von Kunst zu unterscheiden. Zu diesem Begriff hat fast jeder Philosoph ab dem Altertum zum Teil persönliche Feststellungen gemacht.
Um manches der Kunst und ihrer Verzauberung zu verstehen, sind die wissenschaftlichen Entschlüsselungen als erklärende Analyse des Kunstschaffens (z. B. nach dem 6-Punkte-System von Elmar Waibl, Uni Innsbruck) eine deutbare Aussage und Anregung (Animation) für den Interessenten und Kunstbesteller.
Mit etlichen Hinweisen von Elmar Waibl soll hier eine kleine Übersicht über das Kunstschaffen versucht werden:
Das Könner-hafte (Kommentar des Autors: Kunst kommt von Können)
Das persönliche Schaffensvermögen des Menschen, bewusst und geplant im Sinne von Schaffen wollen, mit sinnlichen Darstellungsmitteln (Kommentar des Autors: Leinwand, Farbe, Holz, Stein, Buchstaben, Schallwellen)
Ein Werk hervorbringen (mit dauerhafter Identität, Beständigkeit)
Eine geistige Aussage (Bedeutung) transportieren und sich an das ästhetische Empfindungsvermögen wenden (es soll unsere Sinne ansprechen)
Kunst ist Belebung (animatio) der Seele(anima)
Wissenschaft ist die Entzauberung der Welt, Auflösung der Welt- und Lebensrätsel, will die Welt erklären (will die Geheimnisse der Welt entschlüsseln)
KUNST ist die Wiederverzauberung der Welt, Welterweiterung, der Bewahrer der allgemeinen Geheimnisse der Welt und Lebensrätsel.
Die bereits geschilderten Definitionen über die Begriffe der Kunst stellen die Thesen der aktuellen Epoche der Jetztzeit dar. Um die Hintergründe der antiken Welt zu verstehen, sind die Aussagen und Definitionen der früheren Vertreter von entscheidender Bedeutung, weil sie damals ihre Weisheiten in einem anderen Zusammenhang sahen und erfassten. Die Aussagen ihrer Vertreter werden in chronologischer Reihenfolge in einer Art Kurzfassung vorgestellt.
Von den antiken Philosophen der Ägypter, Sumerer, Babylonier und Assyrer ist bis auf die Königsaktivitäten nur sehr wenig überliefert. Als frühe Quellen sind nur die griechischen Autoren bekannt, die oft gute Kontakte zur ägyptischen Herrscherklasse hatten. Es kann vermutet werden, dass auch ägyptisches Wissen und Gedankengut in den Aussagen enthalten ist. Die Entwicklung der Schrift, der Mathematik geht auf das hohe Wissen und Können im Zweistromland (Sumerer und Assyrer) und auf das der Ägypter zurück.
B – Welche Überlegungen und Aussagen haben die europäischen Philosophen und Künstler zu den Themen KUNST, HARMONIE und SCHÖNHEIT hinterlassen
Thales von Milet (624–547 v. Chr.)
Abb. 7: Portrait Thales von Milet
Von ihm selbst sind keine Schriften erhalten. Die Lehren von Thales wurden nur von Aristoteles aufgezeichnet und hier besonders die Mathematik und Geometrie festgehalten. So wissen wir, dass er in Ägypten war und Kontakt mit den Baumeistern gehabt haben dürfte. Aber auch ein paar Lebensweisheiten sind bekannt: „Schwierig sei es, sich selbst zu erkennen, leicht sei es, einem anderen einen Rat zu geben, das Angenehmste, selbst Erfolg zu haben, das Göttliche sei, was weder Anfang noch Ende hat, ein Unglück am besten zu ertragen ist, wenn man seine Feinde in noch schlimmerer Lage sieht.“
„Wie können wir ein gutes und gerechtes Leben führen?“ „Indem wir, was wir an anderen tadeln, selbst nicht tun.“
„Wer ist glücklich?“, wurde er gefragt. „Der körperlich gesund, reich an geistigen Gaben und von wohlerzogenem Wesen ist.“
„Man solle sich um Freunde sorgen, nicht mit Äußerem protzen, sondern im Verhalten Schönheit zeigen, sich nicht durch Unrecht bereichern und sich nicht durch Gerede vereinnahmen lassen. Von den Kindern dürfe man sich jene Hilfe erwarten, die man einst seinen Eltern gegeben hat.“
Quelle: Diogenes Laertius, Leben und Meinungen berühmter Philosophen. I, 1. Übersetzt von Otto Apelt (1921)
1 – Einführung
Geistige Grundlagen wie Aussagen europäischer Philosophen und Künstler über Kunst, Harmonie und Schönheit.
Zu diesem Thema, das ich mir hier vorgenommen habe, wurde ich schon mehrmals von vielen Kursteilnehmern gefragt, welche Hintergründe es gibt, dass von vielen antiken Bauten besonders gute Lebensqualitäten ausgehen? Dieser Harmonie soll in der Frage nachgespürt werden, weshalb antike Bauten derart angenehme und wohltuende Eigenschaften besitzen.
Vielfach wurden rädiaesthetische bzw. energetische (Strahlungs-)Qualitäten und Besonderheiten eingesetzt und diese sollen hier im Vordergrund stehen. Allzu oft wird heutzutage dieser Begriff für viele Eigenschaften von Bauten und ihre Accessoires verwendet. Durch diese Fakten fällt es nicht so leicht, sich selbst auf die Suche „Was macht die Harmonie aus?“ zu begeben.
Bei der Auswahl der Bilder zur Präsentation der verschiedenen Kunstwerke wurde oft auf die Besonderheiten geistiger und radiaesthetischer Qualitäten Wert gelegt und versucht, diese soweit wie möglich zu deuten.
Um diese Deutungen verständlicher zu machen, wurden viele alte Ansichten, Schnitte und Grundrisse eingefügt. Die alten Bilder zeigen die früheren Ansichten, wie sie oft vor den, zum Teil unglücklichen und verfälschten, Restaurierungen ausgesehen haben. Diese lassen oft auch noch die wunderbaren Details besser erkennen. Die erwähnten sowie die alten farbigen Darstellungen über die künstlerischen Gestaltungen der Bau- und Schmuckglieder sind in neueren Büchern und Schriften sehr selten zu finden. Deshalb sollen hier auch die farbigen Qualitäten der klassischen Baudenkmäler besonders gewürdigt werden. Zu den Deutungen wurden bis auf wenige fast keine Literaturangaben gefunden und die meisten davon sind vergriffen. Zum besseren Verständnis und um die Entwicklungen leichter erklären zu können, wurden viele, auch eigene, Skizzen und Zeichnungen eingefügt.
Es sollen hier hauptsächlich Anregungen gegeben werden, etliche Techniken der „Alten Meister“ nachzuvollziehen bzw. selbst zu erkennen, zu erleben und nachzuspüren und daraus die eine oder andere Erkenntnis zu gewinnen, um sie für unsere Behausungen auszuprobieren. Dies soll aber nur passieren, wenn man selbst genügend Gespür für ein „Tut mir das gut oder nicht?“ hat.
Aus diesen hier gegebenen Informationen können keine wie immer gearteten Haftungen übernommen und abgeleitet werden. Vielfach lassen sich die Kunstwerke nicht mehr so betrachten, wie dies früher möglich war. Die Besteigung der Cheops-Pyramide ist heute nicht mehr möglich.
EINFÜHRUNG – WAS ALLES DARUNTER
VERSTANDEN WERDEN KANN
„Den Stoff sieht jedermann vor sich, den Gehalt findet nur der, der etwas dazuzutun hat, und die Form ist ein Geheimnis den meisten.“ J. W. v. Goethe
Quelle: Goethe, Maximen und Reflexionen. Aphorismen und Aufzeichnungen. Nach den Handschriften des Goethe- und Schiller- Archivs hg. von Max Hecker, 1907. Aus Kunst und Altertum, 5. Bandes 3. Heft, 1826
Bei der Betrachtung der aktuellen Bauten unserer Mitwelt fällt immer wieder auf, dass die heutigen Gestaltungen oft nach einer Betriebsanleitung rufen, weil sie fast alle die herkömmlichen Formensprachen verlassen haben und sich utopischen Wertvorstellungen anbiedern. Was ich damit zum Ausdruck bringen will, soll im Folgenden näher erläutert werden.
Nehmen wir uns dieses untenstehende Beispiel vor. Können wir aus dem Bild den Zweck und die Aufgabe, die dieses Gebäude erfüllen soll, ablesen? Was passiert und passierte alles in diesem Bau? Was hatten sich die Auftraggeber von diesem Haus erwartet? Es lassen sich eine ganze Menge an Fragen aufwerfen, was sich alles in diesem neuzeitlichen Bau tut und getan hat.
Haben Sie es erkannt? Es ist oder war die Bankzentrale der HYPO-ALPE-ADRIA in Klagenfurt. Lässt sich nicht von der Außenansicht schon ablesen, was alles bei dieser Bank passiert ist? Für alle die, dieses Geschehen nicht mitverfolgt hatten, folgt hier eine kurze Zusammenfassung: Die Bank wurde gegründet, um gute Geschäfte im damals zukünftigen Euroraum der Baltenländer zu ermöglichen. Mit großer Euphorie hatte das Bankmanagement viele schlechte oder nicht gut abgesicherte Kredite vergeben.
Abb. 1: Das ehemalige Hypo-Alpe-Adria-Objekt
Die Haftung übernahm das Land Kärnten. Die Kredite konnten schließlich von der Bank nicht mehr eingebracht werden und so kamen diese Bank und mit ihr das Land Kärnten sowie die politische Partei des BZÖ unter die Räder. Die Partei wurde abgewählt, aber das Land Kärnten hatte die faulen Kredite am Hals. Da die österreichische Bundesregierung das Land Kärnten nicht in Konkurs schicken wollte, mussten die österreichischen und die bayrischen Steuerzahler in die Tasche greifen. Nun wird die Bank als sogenannte „Bad“ (schlecht)-Bank (Heta) entsorgt.
Zurück zur Architektur: In der Zeit der großen Bankeneuphorie sollte eine hypermoderne äußere Verkleidung auf eine gute zukünftige Bankentwicklung hindeuten. Gleich nach der Fertigstellung wurde dieses Bankprojekt im Kurier vom 14.9.1999 als energiegeladene Raumhülle von Thom Mayne der Architekten-Gruppe „Morphosis“ vorgestellt. Diese hatte bereits 1997 mit diesem Projekt den Preis „Progressive Architecture Award“ erhalten. „Progressiv und dynamisch“ – mit Eigenschaften wie diesen schmückt sich ein Unternehmen gern, das mit seinen Finanzdienstleistungen zunehmend ins benachbarte Ausland expandiert. Außergewöhnliche Baukunst, die das in unverwechselbarer Weise transportiert, ist gut fürs Geschäft: Sie erregt Aufmerksamkeit und prägt das Image eines Unternehmens durch „starke“ Bilder. Es ist anzunehmen, dass die Errichtung solch eines Gebäudes teurer als ein vergleichsweise konventioneller, architektonisch nicht ambitionierter Bau ist, aber die Dynamik des Baus darf auch etwas kosten.
Es lässt sich aber auch anders artikulieren, denn von der Stirnseite mit dem Banklogo, das an sich schon aus zwei gebrochenen, verschobenen Teilen, Deckel und Schale besteht, deuten sich ähnliche Probleme im Firmengeschehen an. Im Vergleich dazu kann das Yin-Yang-Symbol als Form der Einheit dienen. Die Baukörper des Bankkomplexes verschieben sich gegeneinander oder sie wachsen teilweise in Bruchform als Stiegenhaus aus der Lamellenfassade heraus. Die gesamte Baumasse ist durch mehrere würfelige und verschachtelte Baukörper ungegliedert aneinandergefügt. Die Gebäudehülle, die aus verschiedenen Strukturelementen besteht, bewegt sich von der Stirnseite des Gebäudes mit der Lamellenfassade, die als Verdunkelungsanlage agiert, abwärts, so wie es auch mit dem Geschäftsergebnis und deren Verheimlichungen abwärts gegangen ist. Auch die anderen Bruchzonen im und am Gebäude könnten auf Gaunereien hindeuten, die bereits zu gerichtlichen Verurteilungen geführt haben. Der Journalist Nobbe nennt dieses Gebäude „stählernes Ungetüm, die österreichische Schicksalsburg als große Finanztragödie“. (Ende 2014)
In einem Artikel der Salzburger Nachrichten vom 18.4.2015 unter der Rubrik Architektur, Seite 16 schrieb Martin Behr „Symbol der Misswirtschaft, Palazzo Prozzo, wie die Zentrale der Hypo-Alpe-Adria Bank Größenwahn und Eitelkeit sichtbar [ge]macht.“
Aus diesen Beobachtungen lässt sich ohne Übertreibung schließen, dass sogar Möglichkeiten bestehen, die „besonderen Aktivitäten“ im Gebäude am Äußeren des Gebäudes abzulesen.
Es stellt sich erneut die Frage, was das für Zusammenhänge zwischen den architektonischen und unbewussten psychischen Vorahnungen beim Entwurf und der baulichen Verwirklichung sind?
Können auch ähnliche Beobachtungen der psychischen Zusammenhänge bei Bauten der Antike bis zur Reformation gemacht werden? Ein viel schöneres, anderes Beispiel ist das gänzlich rote „Maison de Plaisir“, welches auch nach außen zeigt, was im Gebäude so alles geschieht. Wie sich an diesen Beispielen der sichtbaren Bauhülle einer maroden Bank und eines Vergnügungsetablissements ablesen lässt, zeigen die Objekte auch nach außen ihre aktuellen Aktivitäten auf, der Gestalt des heute üblichen Architekturtrends folgend.
Abb. 2: Maison de Plaisir, Spital an der Drau
Der äußere optische Eindruck mit dem gedanklichen und psychischen Background war hier sicherlich nicht so gewollt, sondern hat sich schon bei der Planung unbewusst manifestiert. Sind dies göttliche Vorahnungen oder andere Metaphern, die sich bei Projekten abspielen? Die äußere Farbgestaltung des Etablissements soll auf die Aktivitäten im Inneren als Werbeaspekt, den Kunden schon von außen dazu animieren, einzukehren.
Etwas anders liegt es beim „Emmentaler“-Hotel, wie ich es benannt habe, bei Klagenfurt, welches von außen auf kulinarische Genüsse hinweist, anstatt auf die Übernachtungsmöglichkeit, für die es gebaut und genutzt wird. Von vielen anderen Beispielen könnten ähnliche Beschreibungen aufgestellt werden, was bedeutet, dass die äußere Gestaltung von Bauten mit den Aktivitäten und Ereignissen im Inneren mitschwingt und immer wieder nach außen offensichtlich wird. Hängen unter anderem diese aufgezeigten Beispiele mit Themen wie Harmonie, Proportion, Rhythmus, Maß und Natürlichkeit meist nur so aus Nachhaltigkeitsgründen zusammen, weil sie in ein anderes Mäntelchen verpackt werden?
Was geht bei diesen neuen Entwicklungen alles daneben? Oder wird dies von vielen Verantwortlichen bewusst und gewollt in Szene gesetzt, nach dem Motto: Kritik ist eine Art von Werbung, die nichts kostet? Wer hält diesen Bauherren und ihren Architekten einen Spiegel vor, der ihnen vor Augen führt, dass die Quantität zur Erzielung eines Gewinnes für eine kalkulierte Nutzungsdauer nur den Formalaspekt mitbestimmt?
Wo bleibt der Mensch, der diese Objekte benützen soll? Geschweige denn die Überlegung, wo und wie diese Sondermüllprodukte einmal unseren Kindern und Kindeskindern über die Köpfe wachsen sollen und sie nicht wissen, wohin mit diesem Mist und Müll.
Unter dem Mäntelchen der Nachhaltigkeit wird oft nur zum Teil verkehrte Energiepolitik betrieben, die die zentralen Versorgungsbetriebe mit Wind- und Solarkraft begünstigt, aber den meist kleinen privaten Konsumenten nur Sand in die Augen streut, sodass der Private den selbsterzeugten Strom an den Netzbetreiber um Spotttarife abliefern darf.
Abb. 3: Hotel im Südteil von Klagenfurt
Auch bei der Wärmedämm-Euphorie werden weniger die Nutzer gefördert, auch wurde nicht auf die Lebensdauer der Stoffe und deren Entsorgbarkeit geachtet; so waren diese Aktionen hauptsächlich für die Ankurbelung des Geschäftes der Erzeuger, der Klein- und Mittelbetriebe, konzipiert, die große Umsatzsteigerungen erleben und erlebten. Auch Arbeitskräfte konnten so teilweise eine neue Anstellung finden und entlasten so etwas den Arbeitsmarkt. Bei diesem Wärmedämm-Fanatismus bleiben oft die Bewohner auf der Strecke, wenn wir bedenken, dass zum Teil brandhemmende Stoffe eingesetzt werden, die hohe Giftstoffe freisetzen, wenn es wirklich brennt, und den Feuerwehren sehr schwierige Rettungsaktionen auferlegt werden.
Es stellt sich erneut die Frage: Was sind das für Zusammenhänge zwischen den architektonischen und bautechnischen Gestaltungen mit der unbewussten psychischen Vorahnung beim Entwurf und in der Folge der baulichen Verwirklichung? Für manche Bauherren und Architekten wäre es fallweise ratsam, auch einen Baubiologen und -psychologen bei der Gestaltung der Baukörper und der Gebäudehülle zu befragen.
„Wie viel haben wir in unserer Zeit von den wirklich kreativen und naturbezogenen Gestaltungen mit all den Formelementen (Proportion, Maß, Harmonie usw.) verloren?“
Hier sollen nicht nur die tradierten klassischen Ordnungen von Griechen und Römern ins Spiel gebracht werden, es sind auch die früheren schlichten, anonymen Hausgestaltungen in den ländlichen Gebieten wie die der Bauerngehöfte, und auch die schmucken Gestaltungen der Bürgerhäuser in den Städten vom Mittelalter bis zum Jugendstil und Art-Deco, die vielfach verloren gingen.
In der Baugeschichte gab es immer wieder Perioden der Hochblüte und solche des Niederganges, wie die Bauten des Historismus oft bezeichnet wurden. Auch da gab es eine Entwicklung, die nach heutigem Gesichtspunkt erhaltend war, wie die Fertigstellungen der großen gotischen Dombauten (Köln u. a.). Neben diesen Dombauten entstanden optisch unbefriedigende, historistische Stil-Mischformen in den mitteleuropäischen Ländern. Die wahren Lichtblicke aus dem Dschungel der Allerweltbauten waren Andrea Gaudìs Werke in Barcelona und ähnliche Ansätze zeigte Friedensreich Hundertwasser in seinen, zum Teil ökologischen, Bestrebungen und Gestaltungen. Noch wenige andere Architekten haben uns verschiedene Ansätze für kreative Gestaltungen hinterlassen, wie Adolf Loos oder Hans Hollein, die in den designten Geschäften Reti und Schulin die klassischen Formeinheiten wie Proportion, Rhythmus, Ordnung und Harmonie zu berücksichtigen wussten.
Die allgemeine Situation der internationalen Architekturszene kennt nur mehr die Superlative, die mit dem Lizitieren von immer spekulativeren und immer höheren Hochhausbauten von den USA über Dubai bis nach China alle Register ziehen und die „Turmbauten von Babel des 21. Jahrhunderts“ in die Welt setzen. Wann und wo ist hier die Grenze? Bis alles zu Ende ist, wie es im Alten Testament der Bibel vorausgesagt wurde. Alles ist machbar, koste es, was es wolle, nichts ist zu hoch und zu groß, wichtig ist, es muss alles schon Dagewesene übertreffen, um sich im Guinnessbuch der Rekorde verewigen zu können, auch dann, wenn dabei die Natur zerstört wird. Es spielt leider scheinbar nur eine Rolle, wie das Energiesparen beim Licht funktioniert, wo doch jeder Raum, jede Straße und jeder Weg zum Teil ganzzeitig beleuchtet sein müssen, oder wie jede Wand, jedes Fenster, jedes Dach und jede Decke beschaffen sind, unabhängig davon, ob diese Materialien ökologisch und auch problemlos entsorgbar bzw. wiederverwertbar sind.
Können ähnliche Beobachtungen der psychischen und physiologischen Zusammenhänge bei den Bauten von der Antike bis zum Barock gemacht werden bzw. gegeben sein?
Warum nur in diesem begrenzten Zeitraum?
Ab dem Barock haben sich die Bauschaffenden nicht mehr oder nur äußerst selten mit radiaesthetischen Bezügen zu den Bauwerken auseinandergesetzt. Deshalb habe ich diese Einschränkung getroffen.
Die Definition des Ausdrucks „Harmonie“: Harmonie geht auf den griechischen Stamm „harmonia“, welcher Einklang bedeutet, und auf die Pythagoreer zurück. Diese schlossen die Begriffe Symmetrie, Proportion von Maß und Wert basierend auf mathematischen Grundlagen, die sich auch in der Musik und bei den natürlichen Formen von Pflanzen mit Blättern, Blüten und Früchten sowie den Proportionen von Tier und Mensch feststellen lassen, mit ein.
In der Ästhetik spielt sie bei der Baukunst, der Bildhauerei, der Malerei und der Musik ihre Rolle. Eine besondere Rolle nimmt die Proportion des Goldenen Schnittes in den diversen Künsten ein. Siehe Kapitel Proportion.
A – GEISTIGE GRUNDLAGEN
„Geistige Nahrung ist der Adel der Seele“ Paracelsus (1493-1541)
Will man sich über die geistigen Hintergründe beim künstlerischen Schaffen Gedanken machen, sind vorerst begriffliche Definitionen zu treffen.
Einführung zu den Begriffen der Philosophie (Welt des GEISTES) – Welt der GEFÜHLE und der Radiästhesie.
Für die Hintergründe ist es meist ratsam, sich einerseits mit den verschiedenen Grundlagen der Philosophie über die Begriffe von Harmonie, Proportion, Ästhetik und Kunst auseinanderzusetzen und andererseits mit Grundlagen und Möglichkeiten der Radiästhesie vertraut zu machen. Aus der Fülle der Bücher über Philosophie, welche sich speziell der Ästhetik und Kunst widmen, war für mich das Vorlesungsbuch von Univ. Prof. Elmar Waibl: „Ästhetik und Kunst von Pythagoras bis Freud“ eine Fundgrube, um daraus die Begriffe, wie sie die verschiedenen Gelehrten formulierten, kurz zu umreißen.
Der Begriff der ÄSTHETIK umfasst die Bereiche Natur und Kunst und ist allumfassend in der griechischen Bedeutung der Empfindung und sinnlichen Wahrnehmung.
Die PHILOSOPHIE der ÄSTHETIK geht auf Alexander Gottlieb Baumgarten (1714–1762) zurück, der diese Einstellung in Bezug auf alle Dinge des Lebens als sinnliche Erscheinungen, nicht nur die Kunst betreffend, erfasst hat.
Die Lehre der ÄSTHETIK befasst sich mit der sinnlichen Aneignung der Wirklichkeit, welche auch das Empfindungsvermögen einschließt, mit folgenden sinnlichen Qualitäten: schön – hässlich, gefällig – abstoßend, witzig – geistlos, farbig – blass, gehaltvoll – banal, aufregend – lähmend, grotesk – obszön, spannend – langweilig, schockierend – ekelerregend; und handelt mit allen Erfahrungsqualitäten, wie sie sich optisch, akustisch, tastend und riechend präsentieren.
Die PHILOSOPHIE der KUNST stellt nur einen Teilbereich der Ästhetik dar, bei der die Formulierung „Schöne Kunst“ (fine art, beaux-art, belle arti) nicht nur Schönes, sondern auch Hässliches einbezieht. Auch die ärztliche Kunst fällt unter diesen Begriff, ob Schönheits- oder Unfallchirurgie.
„Grundsätzlich kommt Kunst vom Können“, ob dies nun das Handwerk wie beim Schneider oder die Kunst wie beim Bildhauer, beim Maler oder beim Komponisten betrifft.
Zur Römerzeit und im Mittelalter galten also die „sieben freien Künste“ (septem artes liberales), die von Herrad von Landsberg im Hortus deliciarum um 1180 dargestellt wurden.
Abb. 4 und 5: Die 7 Freien Künste des Altertums in 2 Darstellungen aus dem Hortus Deliciarum, 12. Jh.
Die Künste, die nur geistiger Anstrengung bedürfen, sind Grammatik (Grammatica), Astronomie (Astronomia), Rhetorik (Rhetorica), Geometrie (Geometria), Logik (Dialetica), Arithmetik (Arithmetica) und Musik (Musica).
Die gemeinen (auch mechanisch genannten) Künste (artes vulgares), die auch körperliche Anstrengung erfordern, sind Ernährung (ars victuaria), Bekleidung (lanificaria), ein Obdach schaffend (architctura), den Transport besorgend (suffragotaria), der Gesundheit (medicinaria), dem Gütertausch (negotiatoria) und der Verteidigung dienend (militaria).
Deshalb wurden auch die Malerei und die Bildhauerei dazugezählt.
Der Begriff KALLISTIK ist die Lehre vom Schönen (griech. Kalos = schön), also ein Teilbereich der Ästhetik. Die Einteilung dazu bezieht sich nicht nur auf Kunstwerke, sondern auf alle Bereiche des täglichen Lebens.
Abb. 6: Die sieben freien Künste, in Theologie der Uni-Bibliothek Salzburg
„Im Fleiß kann dich die Biene meistern, in der Geschicklichkeit ein Wurm dein Lehrer sein, dein Wissen teilest du mit vorgezogenen Geistern, die Kunst, o Mensch, hast du allein.“
Friedrich von Schiller
(1759 – 1805), Johann Christoph Friedrich Schiller, ab 1802 von Schiller, deutscher Arzt, Dichter, Philosoph und Historiker; gilt als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Dramatiker und Lyriker Quelle: Schiller, F., Gedichte. Aus: Die Künstler, 1789
Der Begriff der KUNST lässt sich nicht mit einfachen Worten erfassen, die Definition wird unter anderem in dem Buch von Andreas Mäckler aus dem Jahr 2000 „1460 Antworten auf die Frage, was ist Kunst?“ gegeben.
Im Buch „Die Rolle der Theorie in der Ästhetik“ von Moritz Weitz, 1957, stellt der Philosoph zusammenfassend fest, dass es nicht möglich ist, eine genaue Definition von Kunst zu formulieren. Es sollte jedoch möglich sein, Nicht-Kunst von Kunst zu unterscheiden. Zu diesem Begriff hat fast jeder Philosoph ab dem Altertum zum Teil persönliche Feststellungen gemacht.
Um manches der Kunst und ihrer Verzauberung zu verstehen, sind die wissenschaftlichen Entschlüsselungen als erklärende Analyse des Kunstschaffens (z. B. nach dem 6-Punkte-System von Elmar Waibl, Uni Innsbruck) eine deutbare Aussage und Anregung (Animation) für den Interessenten und Kunstbesteller.
Mit etlichen Hinweisen von Elmar Waibl soll hier eine kleine Übersicht über das Kunstschaffen versucht werden:
Das Könner-hafte (Kommentar des Autors: Kunst kommt von Können)
Das persönliche Schaffensvermögen des Menschen, bewusst und geplant im Sinne von Schaffen wollen, mit sinnlichen Darstellungsmitteln (Kommentar des Autors: Leinwand, Farbe, Holz, Stein, Buchstaben, Schallwellen)
Ein Werk hervorbringen (mit dauerhafter Identität, Beständigkeit)
Eine geistige Aussage (Bedeutung) transportieren und sich an das ästhetische Empfindungsvermögen wenden (es soll unsere Sinne ansprechen)
Kunst ist Belebung (animatio) der Seele(anima)
Wissenschaft ist die Entzauberung der Welt, Auflösung der Welt- und Lebensrätsel, will die Welt erklären (will die Geheimnisse der Welt entschlüsseln)
KUNST ist die Wiederverzauberung der Welt, Welterweiterung, der Bewahrer der allgemeinen Geheimnisse der Welt und Lebensrätsel.
Die bereits geschilderten Definitionen über die Begriffe der Kunst stellen die Thesen der aktuellen Epoche der Jetztzeit dar. Um die Hintergründe der antiken Welt zu verstehen, sind die Aussagen und Definitionen der früheren Vertreter von entscheidender Bedeutung, weil sie damals ihre Weisheiten in einem anderen Zusammenhang sahen und erfassten. Die Aussagen ihrer Vertreter werden in chronologischer Reihenfolge in einer Art Kurzfassung vorgestellt.
Von den antiken Philosophen der Ägypter, Sumerer, Babylonier und Assyrer ist bis auf die Königsaktivitäten nur sehr wenig überliefert. Als frühe Quellen sind nur die griechischen Autoren bekannt, die oft gute Kontakte zur ägyptischen Herrscherklasse hatten. Es kann vermutet werden, dass auch ägyptisches Wissen und Gedankengut in den Aussagen enthalten ist. Die Entwicklung der Schrift, der Mathematik geht auf das hohe Wissen und Können im Zweistromland (Sumerer und Assyrer) und auf das der Ägypter zurück.
B – Welche Überlegungen und Aussagen haben die europäischen Philosophen und Künstler zu den Themen KUNST, HARMONIE und SCHÖNHEIT hinterlassen
Thales von Milet (624–547 v. Chr.)
Abb. 7: Portrait Thales von Milet
Von ihm selbst sind keine Schriften erhalten. Die Lehren von Thales wurden nur von Aristoteles aufgezeichnet und hier besonders die Mathematik und Geometrie festgehalten. So wissen wir, dass er in Ägypten war und Kontakt mit den Baumeistern gehabt haben dürfte. Aber auch ein paar Lebensweisheiten sind bekannt: „Schwierig sei es, sich selbst zu erkennen, leicht sei es, einem anderen einen Rat zu geben, das Angenehmste, selbst Erfolg zu haben, das Göttliche sei, was weder Anfang noch Ende hat, ein Unglück am besten zu ertragen ist, wenn man seine Feinde in noch schlimmerer Lage sieht.“
„Wie können wir ein gutes und gerechtes Leben führen?“ „Indem wir, was wir an anderen tadeln, selbst nicht tun.“
„Wer ist glücklich?“, wurde er gefragt. „Der körperlich gesund, reich an geistigen Gaben und von wohlerzogenem Wesen ist.“
„Man solle sich um Freunde sorgen, nicht mit Äußerem protzen, sondern im Verhalten Schönheit zeigen, sich nicht durch Unrecht bereichern und sich nicht durch Gerede vereinnahmen lassen. Von den Kindern dürfe man sich jene Hilfe erwarten, die man einst seinen Eltern gegeben hat.“
Quelle: Diogenes Laertius, Leben und Meinungen berühmter Philosophen. I, 1. Übersetzt von Otto Apelt (1921)

