Cover: Emotionale Befreiung nach einer partnerschaftlichen Trennung

Emotionale Befreiung nach einer partnerschaftlichen Trennung


EUR 22,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 218
ISBN: 978-3-7116-1470-4
Erscheinungsdatum: 29.06.2026
Trennungen gehören zum Leben – sie schmerzen, fordern uns heraus und eröffnen neue Wege. Dieses Buch zeigt, wie emotionale Wunden mit feinstofflichen Techniken aus Yoga und Energiemedizin nachhaltig gelindert werden – praxisnah für Laien und Therapeut*innen.
Einführung
Elend und Glanz zu Beginn der 40er-Jahre

„Schatten, die auf unser Leben fallen,
sind nur Zeichen dafür,
dass irgendwo die Sonne scheint!“
Konfuzius

Es gibt im Leben Entscheidungen, die man bewusst, mitunter auch durch das Unterbewusstsein – aus dem tiefsten Inneren geleitet – trifft. Diese können zu einer unvorhergesehenen Richtungsänderung, zeitweilen zu einer herausfordernden Gratwanderung führen, um später jenes Ziel zu erreichen, das einem den erträumten Lebensumstand beschert. Ziele zu bestimmen, halte ich in meinem Leben für unabdingbar, damit ich ein erfülltes, abenteuerliches und vielfältiges Leben genießen darf. Sei es eine sportliche Herausforderung, für welche man den Fokus ausrichtet und sich über Wochen bzw. Monate hinweg physisch wie psychisch vorbereiten muss, oder sei es eine individuelle Auszeit vom Alltag, egal ob beruflicher oder privater Natur, die geplant werden muss, um das eigene Umfeld nicht vollends vor vollendete Tatsachen zu stellen. Auch ein für die Seele wohltuendes Yoga-Retreat im fernen Osten benötigt ein wenig Planung, damit die eigenen Kopf-Illusionen in die Realität gebracht werden können. All diese Unternehmungen fordern ein fokussiertes, vorausgehendes Gedankenspiel, und somit werden Ziele sowie Lebensideen von mir immer wieder in meinem umherspringenden, meditativen Affengeist formuliert, konsequent verfolgt, manifestiert und natürlich auch teils revidiert bzw. an die jeweilige Lebenssituation neu angepasst. Manche finden sich in meinem mentalen Papierkorb wieder, da sie nicht mehr zeitgemäß sind oder auch keine inneren Wow-Entflammungen wie bei der Ideengründung erzeugen. Man könnte sagen, ein Teil meines Lebens spiegelt das bekannte Lebensmotto: „Nur wer die Ziele kennt, findet den Weg“ wider. Dieser Weg kann teils herausfordernd und steinig sein, aber wie es ein bekanntes Sprichwort impliziert, kann man auch aus Steinen einen inspirierend schönen Weg bauen.
Somit war für mich nach einer der entspanntesten Yogawochen, die ich im Nordosten Balis in „Prana Veda“ verbringen durfte, sonnenklar, dass ich eine Yogaausbildung im Herzen der indischen Yogakultur absolvieren wollte. Jobmäßig äußerst schwierig, da ich mir nicht jederzeit freinehmen konnte. Somit entstand in meinem Geist eine immer größer werdende Reiseblase, die ich später in meinem einjährigen Sabbatical platzen ließ und für mehrere Wochen nach Asien aufbrach, um meinen innersten Frieden im Ausüben von Yoga sowie im Erkunden fremder Kulturen zu finden. Wohlmerklich veränderte ich mein Wesen, meinen Zugang zu dem materiellen westlichen Wohlstandswahnsinn, den wir in Teilen Europas auf Kosten der eigenen Ressourcen betreiben, und fand mein Glück vermehrt in der Yogapraxis, in der yoginischen Literatur und in der Kraft spendenden Bergwelt. Lieber Sein als äußerlicher Schein wurde zu einem neuen Screening-Vorsatz, der menschliche Begegnungen nun oftmals in polarisierende Weltanschauungen einteilt. Ein Blick hinter die menschliche Fassade lässt einen erst erkennen, ob es wert ist, die Zeit mit diesem Menschen zu teilen oder ob ein Treffen in vergeudeten Momenten mündet. Im Leben hat man zumeist die Wahl. Man muss nur beachten, dass man nicht in ein schwarz-weißes Denkmuster fällt, da dies zu schnell in einem negativen, abwehrenden Verhalten endet und die Akzeptanz von Andersdenkenden minimieren kann. Somit muss man lernen, die Welt in ihrer vollkommenen Pluralität schätzen und lieben zu lernen, und hierfür muss mein eigener Geist trainiert bzw. auch erzogen werden.




Yogaausbildung in Rudraprayag

„Das Reisen führt uns zu uns selbst zurück.“
Albert Camus


Der Spruch, wer eine Reise tut, der kann etwas erzählen, stimmt bezüglich meines Reiseverlaufs nach Indien, und den möchte ich auch niemals mehr toppen. Hochgefühle erlebt man dann, wenn man zuvor auch die Tiefen des Lebens kennengelernt hat. Anscheinend verläuft eine Lebenskurve ähnlich einer ökonomischen Konjunkturkurve. Bereits meine innere Stimme zu Hause sagte mir, dass es riskant wäre, allein den Weg per Flug von Delhi in das nördlich gelegene indische Dehradun anzugehen, dort bei Anbruch der Dunkelheit zu landen und darauf zu warten, dass ein Inder mit dem Namensschild „Scheiber“ in der Flughafenankunftshalle freudestrahlend auf mich wartet. Meine Yogaschule warnte bereits zu Hause, dass es nicht erwünscht sei, als Frau ohne weitere Begleitung ein Taxi zu nehmen bzw. die Anreise zum Ashram allein zu tätigen. Ich war der Meinung, dass sicherlich mehrere Yogini-Aspirantinnen den Flugweg nehmen, um eine 12-stündige Busreise über holprige, indische, riskante Bergstraßen auf eine vierstündige, Adrenalin durchflutete Taxitour zu verkürzen. Mein Hang zum positiven Denken ließ dieses mulmige Bauchgefühl verdrängen, und so kam es, dass ich mich nach einer wunderschönen, zweiwöchigen, entspannten Wandertour inmitten des Annapurnamassivs von Nepal auf dem Flug von Katmandu via Delhi Richtung Dehradun befinde, mit der leisen Vermutung, dass eventuell etwas schiefgehen könnte. Bereits zu diesem Zeitpunkt lernte ich eine neue, altbewährte Lebenslektion kennen, die mir während der Yogaausbildung immer wieder vor Augen geführt wurde und mich diesbezüglich auch heute noch bestärkt: „Hör stets auf dein Bauchgefühl!“ Diese wohlweisliche innere Stimme verliert man leider im Laufe seines Lebens, da der Verstand die Machtposition des Agierens übernimmt. Wohlweislich nicht immer zum persönlichen Vorteil!
So kam es, dass ich bei Anbruch der Dunkelheit, während ein wunderschöner fernöstlicher Sonnenuntergang die subtropische indische Vegetation entlang des Flughafenareals in ein purpur gemaltes Bild von Gauguin erröten ließ, allein und verlassen am Gehsteigsaum bereits seit einer Stunde vergeblich auf mein vorbestelltes Taxi wartete. Handeln war angesagt, da meine innere Nervosität bereits ihre Bahnen durch den ganzen Körper zog und mein gedanklicher Irrgarten, was denn alles passieren könnte, seinen Lauf nahm.
Ein Spruch von Mark Twain fiel mir plötzlich zu meiner miserablen Situation ein, der mich in jenem Moment leider nur unzureichend beruhigen konnte: „In 20 Jahren wirst du die Dinge, die du nicht getan hast, mehr bedauern als deine Taten. Also, mach die Leinen los, verlasse den sicheren Hafen. Fang den Wind in deinen Segeln, erforsche, träume, entdecke“.
Der einzige Ausweg führte mich zu dem mit einer Kalaschnikow bewaffneten Security-Mann, dem ich händeringend meine missliche Lage schilderte und den ich um ein Handy bat, um meine Yogaschule und den von zu Hause arrangierten Taxibetreiber zu kontaktieren. Das 260 km weit entfernte ansässige Taxiimperium ließ mich wissen, dass es mich als Passagierin leider vergessen habe und sie versuchen werden, einen Ersatz für mich aufzutreiben, was allerdings, so verriet er mir, um diese Uhrzeit sehr schwierig sei, da die Anreise zu meinem Ashram eine mindestens vierstündige Autofahrt in einem schwer zugänglichen Schluchtensystem entlang des Ganges-Ursprungs ohne moderne westliche Straßenbeleuchtung und unfallminimierende Sicherheitsverbauungen bedeute. Zu diesem Zeitpunkt ahnte ich noch nicht, wie schrecklich die nachfolgenden Autofahrtstunden für mich werden würden. Nachdem mich nach zweistündiger Verspätung ein hagerer Taxifahrer im indischen Dialekt ansprach und ich erst seine gestikulierenden Handzeichen so interpretierte, dass dies mein Chauffeur mit marginalen Englischkenntnissen für die nächsten 530 km sein sollte, ließ ich mich am durchgesessenen Hintersitz eines uralten Toyotas nieder und hoffte nur das Beste. Bereits in Rishikesh, der Hochburg für Yogareisende und für Personen, die ihren inneren Frieden finden wollen, kam das innere Gefühl auf, voll und ganz im Hier und Jetzt – in Indien – zu sein. Die Stadt, welche aufgrund des Ganges zweigeteilt ist, erleuchtete im Hochglanz zahlreicher Lichterketten. Am Wegesrand saßen und grasten im Müll ausgemergelte heilige Kühe, begleitet von zahlreichen Touristen in auffallend weiten, bunt bedruckten Haremsyogahosen und selfmade Dreadlocks. „Nun bin ich angekommen im indischen Yoga-High“ – dachte ich mir. Diese positive Stimmung hielt allerdings nicht allzu lange an. Die sich stets enger windende Bergstraße, die immer öfter auftretenden Schlaglöcher und wegsäumenden Felsbrocken ließen die Fahrt zu einer rasanten Irrfahrt im Dunkel der Nacht werden. Hinzu kamen die Gähnattacken meines Fahrers, welche in immer kürzer werdenden Abständen massive Anzeichen vor drohendem Einschlafen gaben, wohl wissend, dass ein Sekundenschlaf ein Absturz in die Tiefen der Ganges-Schlucht kein Überleben von uns beiden bedeuten würde. Meine innere Unruhe wurde immer größer, meine Fingerspitzen krallten sich bei jedem aufkommenden Gegenfahrzeug in die bereits durchgewetzten Sitze, da die Straße eher einer einspurigen Holperpiste glich als einer zweispurigen Verbindungsstraße. Dem allen nicht genug, stoppte mein charmanter Fahrer inmitten des Nirgendwo und schleuderte mir zeitgleich das englische Wort „coffee“ entgegen. Ich verneinte, und so saß ich Sekunden später mitten in der nordindischen Pampa in einem Toyota, Baujahr 1970, während mein Chauffeur sich einen Kaffee gönnte, um die noch vor uns liegenden Kilometer geistig wach und hoffentlich unfallfrei runterspulen zu können. Welcome to India! Allein und verlassen im Dunkel der Nacht inmitten der indischen Berge in einem fremden Auto zu sitzen, lässt einem Gedanken der zahlreichen sexuellen Übergriffe auf Frauen in den Kopf steigen. Geschichten von Weltenbummlern, denen man auf Instagram folgt, um später in einem Nachruf zu lesen, dass sie aufgrund eines kleinen materiellen Hab und Guts umgebracht wurden, damit Einheimische ihr Überleben sichern können, führen nicht zu einem entspannten Reiseverlauf. Gedanken färben die Seele und hinterlassen Spuren. Nicht zum eigenen Vorteil, wenn sie negativ geformt sind.
Kurzum, alles ging gut und ich lernte bereits jetzt die zweite Lektion meiner Reise: Auch in unvorhersehbaren Situationen muss man dem positiven Charakter im Menschen Glauben schenken – das erleichtert einem so manche dunkle Zeit!
Sich einen Monat lang auf die Lebensweisheiten einer indischen Yogaschule einzulassen, mit streng reglementierten Tagesabläufen und gelebter Askese, hinterfragt sowohl das überschwängliche, von Luxus geprägte Leben in Mitteleuropa mit den Maximen fortius, citius, altius als auch die Sinnhaftigkeit einer lebenslangen Enthaltsamkeit. Worin liegt der wahrhafte Grund des menschlichen Seins? Im Streben nach Luxus? In einem Leben voller Askese? Für mich die essenziellste Frage aller Fragen, die Philosophen in wundervollen Zitaten bereits in der Antike bis zur Römerzeit prägnant formulierten. Religionsoberhäupter verweisen bezüglich dieser Urfrage auf die Existenz des Allgöttlichen, und dabei wird uns Sterblichen womöglich nicht immer eine zufriedenstellende Antwort aufgezeigt, wie wir nun das Leben sinnerfüllt führen sollen. Wird die Suche nach dem eigenen Lebenssinn nur durch die Existenz der vollkommenen persönlichen Freiheit gewährt? Kann das Dasein, eingebettet in gesellschaftliche, vorgefertigte Zwänge und Muster, einem losgelösten Suchen nach der Sinnhaftigkeit Genüge tun?
Der Aufenthalt in meinem Ashram erwies sich als persönliche Prüfung: für meine eigene Gedankenwelt und für meinen Körper. Der streng reglementierte Ablauf der Tage, das Eintauchen in eine gewisse Anonymität, bedingt durch die einheitliche Kleidervorschrift, und die zahlreichen Studienzeiten, gepaart mit nur zweimaligen Essenszeiten, ließ das Gefühl in mir hochkommen, in einem strenggläubigen Kloster zu sein mit zahlreichen vorgegebenen Glaubensregeln und Geboten sowie Verboten. Wenige Tage vergingen und ich lernte es zu schätzen, sich keine Gedanken über das eigene Äußere zu machen: welches Kleid zu welcher Strumpfhose denn heute passen würde. Man schlüpft von früh bis spätabends in seine weiße Yogahose, welche subtil mit einer weißen Baumwollschnur zusammengeschnürt wird und somit Millionen Falten in den Unterbauch zaubert, und kombiniert diese mit einem grell gelbleuchtenden XXL-T-Shirt, welches sexy Körpersilhouetten zu unförmigen Kastenwesen transformiert. Kein tägliches Schminken, kein Einhüllen in eine überteuerte Parfumwolke – das Morgenritual ist somit in Millisekunden absolviert. Ähnlich asketisch erging es uns zu den zweimaligen Essenszeiten. Die täglich wiederkehrende Auswahl von Dhal, Reis, Spinat und einer überzuckerten Milchnudelsuppe zur Nachspeise ließ meine Magen-Hirn-Schranke regelmäßig unterfordert, kenne ich die üppigsten gedeckten Buffettische in mitteleuropäischen Gastronomietempeln, die einem bereits frühmorgens bei einem feinen petit-déjeuner Cortisol-Ausschüttungen hochfahren lassen, da man mit einem kleinen Damenmagen niemals die Vielzahl der verlockenden Speisen an einem Frühstückstag verschlingen kann, ohne darauffolgend in einem Dauertiefschlaf zwecks einer besseren Verdauung zu landen.
Ich verglich diese zwei Systeme und erkannte sehr schnell, dass dieser asketische Weg eher meinem Wesen entspricht als die überdimensionale Prahlerei, wie wir sie in Mitteleuropa leben. Ein Mittelweg zwischen beiden Welten wäre wiederum mein persönlicher Luxusweg!
Meinen Heißhunger nach Süßem versuchte ich mit der geistigen Nahrung, die wir täglich in den Vorlesungen aufgetischt bekamen, wettzumachen. Zeit und Muße für gedanklichen Austausch mit meinen Yogaaspirantinnen aus aller Herren Länder blieben neben dem Erlernen von Santi-Mantras und Guru-Gebeten sowie dem Studium der Bhagavad Gita nur während der zweimaligen Essenszeiten. Die spärlich im Tagesablauf angeführten freien Stunden verwendeten wir Yogaschülerinnen für die Prüfungsvorbereitungen bzw. fürs Verarbeiten der erlernten Inhalte.
Der folgende Monat gestaltete sich als eine Abwechslung von täglicher vierstündiger Yogapraxis in Form von Asanas und Pranayamas, kombiniert mit täglichem Singen spiritueller Texte, die mich regelmäßig in eine unbeschreiblich loslösende Sphäre transformieren ließen und mir unbegreifliche Glücksmomente bescherten. „Du kannst das Leben nicht verlängern, nur vertiefen …“ las ich in einer Yogazeitschrift zu Hause. Welch Wahrheit schilderte Martin Buber in seinem Zitat.
Frühmorgens um fünf, in tiefster Finsternis, mit einer Glocke in der Hand den Ashram entlangzuspazieren, das Rauschen des Ganges wahrzunehmen und seine Kolleginnen für die erste gemeinsame alltägliche Yogapraxis aus dem Schlaf zu läuten, brachte mich täglich in eine tiefe innere Morgenentspannung. Eine halbe Stunde nach Weckruf fanden sich an die 60 Yoginis am Boden sitzend in weiß-gelber Einheitskleidung und von Yogatüchern umhüllt, um ihren Körper vor dem morgendlichen Himalaya-Frost zu schützen, zum Satsang für die stille Meditation und zu einem Morgenvortrag in der großen Ashramhalle ein. Mit dem Tönen des Jaya Ganesha begrüßten wir in stiller Demut den neuen Tag und baten darum, sodass jene Hindernisse, die uns im Laufe des Tages entgegengestellt wurden, aus dem Weg geräumt werden, um den inneren Frieden zu finden und seinen Mitmenschen aufrecht mit den Maximen des Mitgefühls ohne Neid und Gier zu begegnen.
Gemeinsam tönten wir „Hare Rama Hare Rama Rama Rama Hare Hare Hare Krisna Hare Krisna Krisna Krisna Hare Hare“. Dies ist laut Yogaschule das mächtigste Mantra in dem eisernen „Kali-Yuga“-Zeitalter, in dem wir uns momentan befinden. Unwissenheit, Materialismus und minimale Rechtschaffenheit prägen das Leben. Die Lehre von Vedanta und Dhyana – vom positiven Denken und von der Meditation – beschäftigten mich täglich. Das Wissen darüber, dass ein Gedanke eine lebendige Kraft darstellt, die eine eigene Dynamik besitzt, die es zu zähmen bzw. wie ein Kind zu erziehen gilt, da sowohl ein Kind als auch der Gedanke stets die eigene Aufmerksamkeit haben wollen, zog mich in den Bann.
Zu stark richten wir in unserer westlichen Welt unseren Geist auf die äußeren Objekte. Der Wohnraum muss noch mehr Quadratmeter umfassen, der neu geleaste SUV-Wagen von der Nachbarsgarage lässt den Fahrer eitler durch die Straßen ziehen und die frisch geliftete Dame am Nebensitz offenbart durch ihr Designer-Outfit die Höhe ihres Monatsgehalts.
Versucht der Mensch durch seine Äußerlichkeiten die innere Leere oder die Sehnsucht nach Zufriedenheit zu verdecken, oder können wir uns in der schnelllebigen Zeit die Augenblicke der Ruhe und des Nichtstuns nicht mehr leisten? Wer von uns kann es sich erfüllen, tagsüber – wochentags – vor der Hausbank sitzend seinen Gedanken nachzuhängen, ohne dass ein böser Nachbarsblick verrät, dass er uns mit Attributen wie faul, arbeitsscheu und nutzlos attestiert. Wenn man auf die gestellte Frage, wie es einem geht, nicht mit dem Satz: „Ich bin gestresst“ antwortet, erntet man fragwürdige Blicke. Immer on top, niemals offline und stets im Dauerstress zu sein, mogelt einem vor, dass man in der Business-Welt erfolgreich und gefragt ist.
Zeit ist nichts anderes als eine Geistveränderung, lernte ich an einem Vortragsnachmittag. Auf einem kleinen, schön verzierten, gelben Yogakissen sitzend, die Beine im Lotussitz haltend, lauschten wir den Worten unserer Swamiji: „Zeit, Raum und der Zusammenhang von Ursache und Wirkung. Alle äußeren Erfahrungen sind letzten Endes Schöpfungen des Geistes. Jedes Glück, das über den Geist erreicht wird, ist vergänglich und flüchtig. Wenn wir die starke Aufmerksamkeit des Geistes nach innen und auf das Selbst richten, wird die Erfahrung vollkommener Konzentration stärker. Das ist der Zustand der Meditation {…}. Indem die Meditation den Geist zügelt und beruhigt, führt sie zu geistigem Frieden.“
Der Geist eines Meditationsaspiranten lässt sich jedoch oftmals nur schwer disziplinieren. Dies musste ich jeden Tag aufs Neue erfahren. Mein persönliches Mantra sollte mir nach einer wunderschönen Einweihungsfeier in den darauffolgenden Monaten durch eine schwere körperliche und seelische Lebenskrise helfen. Zum damaligen Zeitpunkt in Indien konnte ich das noch nicht erahnen. Mein Leben war vollkommen. Rückblickend lässt sich sagen, dass sich im Leben alles fügt. Nicht immer sofort erkennbar, aber mithilfe eines zeitlichen Abstandes und mit mehr Lebenserfahrung lassen sich Situationen anders analysieren. Im Leben hat alles seinen Sinn – sowohl das Freudige als auch das ursprünglich negativ Angesehene. Alles muss so sein, damit das eigene Sein sein kann – so lautet mein persönliches Fazit.
Zu Hause las ich einen Artikel über die fünf Schritte der Verwandlung. Darin stand, dass man sich dem Gedanken öffnen soll, dass alles, was existiert und geschieht, einen Sinn, eine Berechtigung und eine Botschaft beinhaltet. Dies bedeutet im weiteren Sinne, dass man im Leben Dinge annehmen und anerkennen muss – werturteilsfrei. Es gibt keine Schuldzuweisungen, denn erst dann kann man Vergebung praktizieren. Und dies erleichtert so manche schwierige Lebenssituation, wie ich kurz nach der Rückkehr aus Asien erleben musste.
Der Aufenthalt im hohen Norden Indiens veränderte meine Geisteshaltung und mein Handeln. Zurück in Europa versuchte ich, das Gehörte und Erlernte meinem Umfeld näherzubringen. Sicherlich manchmal zum Leidwesen meiner Zuhörerinnen. Ich lebte in meiner eigenen Yogablase inmitten des geschäftigen Treibens und vertiefte zunehmend mein Wissen über die Yogawissenschaft. Dass ich mich in diese Richtung weiterbewegen wollte, stand für mich außer Diskussion. Mein Partner, der 200 km von meinem Wohnsitz entfernt zu dieser Zeit arbeitete und wohnhaft war, wurde dabei nur minimal eingebunden. Rückblickend erkenne ich, dass bereits hier die Gabelung entstand, die unsere Wege im späteren Lebensverlauf entzweien ließ.
Ich entschied zu diesem Zeitpunkt ganz bewusst, auf meine innere Stimme zu hören, die mir den Weg zu einem erfüllten und für mich selbstbestimmten Leben wies. Diese Stimme brachte mir nicht nur Höhen, sondern auch Tiefen, die ich in den letzten Jahren gestärkt und teils bedrückt durchschreiten musste.
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