Cover: Manzi der kleine Drache

Manzi der kleine Drache


EUR 25,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 56
ISBN: 978-3-99130-797-6
Erscheinungsdatum: 24.07.2025
Der aufgeweckte kleine Drache Manzi erlebt aufregende Geschichten, während er heranwächst und seinen Platz in der Welt findet. Ob mürrische alte Hexen oder freundliche kleine Männlein, Manzi ist für jedes Abenteuer zu haben!
Manzi, der kleine Drache mit der Brille

Seufzend schaute Manzi, der kleine Drache, sich um, ob wohl jemand sein Missgeschick gesehen hatte. Aber alle schienen anderweitig beschäftigt zu sein. Er hatte doch nur prüfen wollen, wie weit er nun Feuer speien könnte. Leider hatte er die Distanz etwas falsch eingeschätzt, und nun war der alte Stuhl des Oberdrachen nur noch ein rauchendes Häufchen.
»Das wird wohl wieder Ärger geben«, murmelte Manzi vor sich hin, als er auch schon die ärgerliche Stimme des Oberdrachen hörte. »Was ist denn da passiert? Warst du das wieder, Manzi?« Manzi wusste, dass Leugnen keinen Sinn machte. »Leider ja, aber ich wollte das wirklich nicht, der Stuhl stand einfach zu nahe.« Schuldbewusst senkte er den Kopf. »Manzi, du bist eine Schande für die Drachengesellschaft. Wenn das so weitergeht, verlieren wir noch alles! Letzte Woche war es der Schuppen, und davor hast du den halben Wald niedergebrannt, langsam reicht’s, die Menschen lachen ja schon über deine Ungeschicktheiten. Ich habe mit Prato gesprochen, und er wird mit dir üben, damit aus dir ein brauchbarer Drache wird. Außerdem musst du zum Sehtester, kann ja sein, dass mit deinen Augen etwas nicht stimmt.« Sprach’s und flog weiter.
Die Worte schmerzten, aber da war wohl nichts zu machen. Nachdenklich legte er sich zum Schlafen nieder. Er träumte, er wäre groß und mächtig, die Menschen fürchteten ihn und rannten um ihr Leben, wenn sie ihn sahen. Aber leider wurde es wieder Morgen, und die Realität holte ihn wieder ein.
Prato holte ihn ab, und sie flogen zusammen auf einen Berg, wo Manzi, wie Prato hoffte, nichts kaputtmachen konnte.
»Also, ich stelle irgendwo eine Stange auf, und du musst sie mit deinem Feuerspeier treffen.«
Prato flog in eine Ecke des Berges, stellte die Stange auf, kam zurück und sagte: »Los geht’s!«
Manzi stellte sich in Position, zielte genau, holte tief Atem, schloss die Augen und spie Feuer.
»Das wäre schon mal nicht schlecht, wenn ich gesagt hätte, du sollst die Alphütte abbrennen.« Manzi riss die Augen auf, tatsächlich, die Stange stand immer noch da, aber die nahegelegene Alphütte brannte lichterloh. »Wie konnte das denn passieren?«
»Also, das Ganze noch mal, und diesmal richtest du deinen Blick auf die Stange.« Manzi nahm die Stange ins Visier, holte tief Luft und spie Feuer. »Warum sagst du denn nichts, Prato? Hab ich sie jetzt erwischt?« Manzi öffnete die Augen und sah Prato am Boden liegen, er hatte einen angesengten Flügel und starrte ihn nur wortlos an.
Manzi bekam nun Panik, er startete durch und flog zur Drachenhöhle. »Hilfe, Prato braucht Hilfe!« »Wo um Gottes willen ist er denn?«, wollte Pratos Frau wissen. »Oben auf dem Berg, er hatte einen Unfall.«
Unfall? Unfälle gab es nur, wenn Manzi im Spiel war. Sofort flogen die Drachenretter auf den Berg und kamen mit einem jammernden, sich vor Schmerzen windenden Prato zurück. »Komm ja nie mehr in meine Nähe«, rief er Manzi zu.
Es war zum Verzweifeln. Dann kam auch noch der Oberdrache und sagte: »Wie kann man sich nur so blöd anstellen? Morgen gehst du zum Sehtester, verstanden?« Manzi verstand auch nicht, wie das hatte passieren können, beim besten Willen nicht.
Am nächsten Tag suchte er den Sehtester auf, der legte ihm einige Dinge vor und fragte ihn, was er sah. »Das Rote rechts ist eine Gurke, das Blaue in der Mitte ist eine Banane, und das Braune muss wohl eine Karotte sein.« Der Sehtester schaute ihn an und sagte: »Das rechts ist eine gelbe Banane, in der Mitte ist eine grüne Avocado, und links ist ein roter Apfel, farbenblind also auch noch!«
Er machte noch weitere Tests und fragte, wie viele Holzstöcke er vorne sähe. Manzi strengte sich an und sagte dann: »Vier!«
»Da sind aber nur zwei«, sagte der Sehtester, »Kurzsichtig also auch noch. Tja, du wirst wohl eine Brille brauchen, damit kannst du dann besser sehen, aber gegen deine Farbenblindheit kann ich nichts tun.«
Manzi bekam also eine Brille. Als er sie aufgesetzt bekam, staunte er, wie klar nun alles vor ihm war. Er fühlte sich richtig stolz und vornehm. Einen Drachen mit Brille hatte man noch nie gesehen. Das Feuerspeien ging nun auch besser, zumindest traf er nun öfter mal sein Ziel.
Aber das mit den Farben war immer noch ein Problem. Die anderen neckten ihn dauernd deswegen.
Nun ja, dass das Spielzimmer für die Kleinen ausgebrannt war, war zwar nicht gut, aber nun musste es endlich mal renoviert werden, was schon lange fällig gewesen wäre.
Am anderen Tag begegnete er einem kleinen, dürren Mann, und er beschloss, diesen kräftig zu erschrecken.
Manzi prustete los, aber in der Aufregung knapp daneben, und schwärzte einen großen Stein.
Das Männchen lachte laut los. »Dachtest du, du könntest mich erschrecken? Ein Drache mit Brille, ich seh wohl nicht recht.« Manzi schaute ihn erstaunt an und sagte: »Das wäre nicht so schlimm, aber meine Farbenblindheit macht mir zu schaffen.« »Oh, da könnte ich dir helfen«, sagte der Fremde. »Dazu brauche ich ein paar Kräuter, die wachsen aber so hoch oben, dass ich sie nicht allein holen kann.« »Ich könnte dich hinfliegen«, meinte Manzi ganz aufgeregt. »Wie ist eigentlich dein Name?«, wollte Manzi wissen. Der Mann lächelte und sagte dann: »Mit vollem Namen heiße ich Maximus der Dritte, aber Maxi reicht.«
»Passt sehr gut, ich bin Manzi.«
»Dann lass uns abfliegen.« Der kleine Mann stieg auf Manzis Rücken, und los ging die Reise.
Im Drachenlager war man froh, dass Manzi nicht da war, so konnte man in seiner Abwesenheit flicken und instandsetzen, was er so alles beschädigt hatte.
Indessen waren die beiden oben auf dem Berg angekommen. »Ich brauche die Köpfe von drei Edelweiß, etwas Fingerkraut, Wurzeln der Zistrose und Blütenstempel vom Enzian.«
Manzi konnte ihm leider nicht helfen, weil er ja die Farben nicht auseinanderhalten konnte.
Der Mann schaffte das aber allein. Als sie wieder hinunterflogen, dunkelte es bereits.
»Ich arbeite jetzt daran, morgen früh probieren wir es dann aus. Gute Nacht.«
Manzi war sehr aufgeregt, die Nacht war ihm noch nie so lange vorgekommen, aber schließlich wurde es doch noch hell.
Manzi erhob sich und suchte Maxi, den er in der Höhle des Oberdrachen fand. Die beiden schienen über etwas zu verhandeln.
»Ah, Manzi, guten Morgen!« Maxi stand auf und reichte ihm eine Schüssel mit Keksen.
»Jeden Morgen isst du drei davon, und das zwei Monate lang, dann hat sich dein Sehnerv erholt, und du bist geheilt.« »Oh … danke, Maxi, und was willst du dafür haben?«
»Darüber haben wir uns grad unterhalten«, meldete sich der Oberdrache zu Wort.
»Du wirst Maxi in dieser Zeit überall hinfliegen, wo er hin muss. Damit sieht man auch, ob es besser wird mit deinen Augen.«
Und wirklich, Manzi sah nach kurzer Zeit schon viel besser, und nach zwei Monaten war alles perfekt, staunend sah er all die schönen Farben und stolperte dabei prompt über einen Farbeimer. »Manzi … Manzi …« Der Oberdrache machte ein bekümmertes Gesicht und fragte: »Ist das jetzt dein neues Hobby?«
Alle anderen freuten sich auch, nur einige raunten, dass es nicht mehr so viel Spaß gäbe wie früher.



Manzi am Feuerspeiwettbewerb

Es war ein wunderschöner, klarer Morgen. Manzi war schon früh erwacht, weil heute in einer Woche ein besonderer Tag war. Ein Wettbewerb im Feuerspeien war angesagt.
Seit Manzi so gut sah, dass er keine Brille mehr brauchte, hatte er viel geübt und hoffte nun, dass er gut abschneiden würde, und ein bisschen träumte er davon, der große Sieger zu sein.
Aber wenn er ehrlich sein wollte, gab es noch andere, die um einiges besser waren als er.
Bald darauf kam sein Freund Gianni zu ihm und fragte: »Wollen wir noch üben gehen?«
Manzi war etwas zwiespältig drauf, einerseits hätte es ihm gefallen, andererseits hätte er lieber noch ein bisschen gechillt.
»Können wir ja machen, heute schlage ich dich!« »Ganz bestimmt nicht!« Sie flogen eine kurze Strecke zu ihrem Übungsort. Hier standen viele Holzpfähle, die sie abzubrennen versuchten. Die Bauern wurden jedes Mal wütend, wenn sie sie wieder ersetzen mussten.
Aber sie hatten ein Abkommen, sie durften da ihre Übungen abhalten, dafür ließen sie die Bauern und ihr Vieh in Frieden.
Manzi gab Gianni vor, dass er als Erstes den dritten Pfahl abbrennen sollte, was dieser auch elegant erledigte. Als Manzi an der Reihe war, gebot Gianni ihm, den fünften Pfahl abzubrennen. Manzi atmete tief ein, blähte sich auf und legte los. Zielen hatte er gelernt, aber das richtige Maß fehlte ihm noch. Und so fuhr sein Feuerstrahl viel weiter als beabsichtigt und traf eine große Tanne, die sofort in Flammen aufging. »Bloß weg hier!«, schrie Gianni, denn er sah schon einen Bauern heranrennen, mit einer Gabel in der Hand. So schnell sie konnten, erhoben sie sich in die Lüfte und flogen davon.
So kam endlich der große Tag. Die Teilnehmer warteten schon aufgeregt. Der große Meister im Feuerspeien rief zum ersten Durchgang auf.
Die Aufgabe war, um einen Berg zu fliegen, an dessen Rückseite ein Baumstamm quer eingesteckt war. Der war markiert, indem der Meister Ringe eingebrannt hatte. Jeder musste versuchen, genau diese Breite abzubrennen. Die ersten drei schafften das sehr gut, und dann war Manzi an der Reihe. In seiner Aufregung flog er um den Berg, schätzte den Abstand ein und legte los.
Wie gesagt, die Treffsicherheit hatte sich gebessert, aber das Speimaß war noch nicht das, was es sein sollte. Manzi schloss die Augen und feuerte, und dann lag der ganze Baumstamm am Boden.
»Haaaaalt!«, hörte er von unten schreien. Er riss vor Schreck die Augen auf und sah das Unglück. Es war nicht nur der Baumstamm, der am Boden lag, dem Meister war auch noch der Kinnbart abgebrannt.
Wütend raste er auf Manzi zu, doch der ergriff schleunigst die Flucht und übersah dabei einen großen Kirschbaum, den er dann auch noch grad flachlegte. Oh, das würde wieder Ärger geben.
Manzi flüchtete sich nach Hause und wartete ab, was nun passieren würde.
Es dauerte dann auch nicht allzu lange, und er wurde zum Oberdrachen bestellt. Auweia.
Manzi ließ sich etwas sehr viel Zeit, bis er da erschien.
Dem Oberdrachen war anzusehen, dass er wütend war. »Es ist einfach eine Schande mit dir, kannst du denn nie etwas Richtiges machen? Die lachen ja alle schon über uns. Ich muss mir ernsthaft überlegen, dich in eine andere Gruppe zu schicken.« Manzi erschrak, nein, er wollte ja gar nicht fort von hier. »Ich verspreche dir, mich zu bessern, gib mir noch eine Chance, bitte.« »Die allerletzte, am nächsten Wettbewerb wirst du gewinnen, sonst war’s das!« Oh je, das war ja schon bald. Manzi musste sich beeilen.
So übte er nun fleißig jeden Tag, und es wurde wirklich besser.
Als der nächste Wettbewerb angesagt wurde, fühlte er sich bereit und stark.
Als er und Gianni am Wettplatz ankamen, schauten ihn einige schräg an, und der Meister sagte: »Dass du mir heute ja keinen Unsinn anstellst!«
Manzi reihte sich ein, als er an der Reihe war, konzentrierte er sich nur noch auf sich.
Die erste Übung gelang ihm sehr gut. Sein Selbstbewusstsein wuchs. Der zweite Durchgang war sogar noch besser. Jetzt kam es darauf an, Gianni war ihm dicht auf den Fersen.

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