Die Geschichte vom blauen Krokodil
EUR 22,90
Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 74
ISBN: 978-3-7116-0141-4
Erscheinungsdatum: 21.11.2024
Krokodile sind einzigartig. Besonders, wenn sie klein und neugierig sind. Gerade dieses kleine Krokodil ist auch noch blau. Wie es dazu kam? Begleite das Krokodil auf seiner Reise, lerne seine Freunde kennen und finde es heraus!
Krokodile gibt es schon sehr lange auf der Erde so ungefähr seit den Dinosauriern. Nur sind die Dinosaurier ausgestorben, die Krokodile aber nicht. Ob es daran liegt, dass Krokodile so faul sind? Immerhin putzen sie sich nicht einmal die Zähne, sondern sperren einfach ihr Maul ganz weit auf, und dann kommen kleine Vögel, die ihnen den Schmutz zwischen den Zähnen herauspicken. Die Vögel tun das gern und wer hat schon eine Zahnbürste für Krokodile erfunden?
So liegen also die Krokodile faul im Schlamm eines Flusses irgendwo in Afrika herum und halten das Maul weit offen. Irgendwo in einem Fluss in Afrika beginnt auch unsere Geschichte. Man könnte sagen: im Ubangi, im Rovuma oder sogar im Shebeli, aber so genau weiß ich das auch nicht mehr und es spielt auch keine Rolle, da es eine Geschichte ist, wie sie jedem kleinen Krokodil auf der ganzen Welt passieren könnte. Zumindest in dem Teil der Welt, in dem es Krokodile gibt.
Also in einem Fluss in Afrika, vielleicht sogar im Ogowe, lebte einmal ein kleines Krokodil. Es war noch sehr klein, weil es noch sehr jung war. Erst vor wenigen Wochen war es gemeinsam mit seinen 32 Schwestern und 45 Brüdern geschlüpft. Krokodile leben in großen Familien. So groß sind diese Familien, dass manchmal auf drei Sandbänken nur Verwandte in der Sonne liegen.
Dieses kleine Krokodil, dessen Namen ich doch jetzt glatt vergessen habe, war von Anfang an nicht viel anders als seine 32 Schwestern und seine 45 Brüder. Nicht viel, aber in einem unterschied es sich doch. Es war ein Krokodil, das einfach ein bisschen neugieriger war, als es kleine Krokodile sonst so sind.
Den ganzen Tag stellte es Fragen:
»Warum leuchten die Sterne in der Nacht? Woher kommt er und wohin fließt der Fluss, in dem wir wohnen? Warum schmecken mir die weißen Fische, die roten aber nicht?«
Schon früh am Morgen begann es zu fragen und während die anderen Krokodile unter der heißen Sonne ihren Mittagsschlaf hielten, erkundete das kleine Krokodil die Ufer des Flusses. Es durchstöberte jedes Gebüsch und biss in jede Pflanze, die es noch nicht kannte, denn es wollte wissen, wie sie schmeckte. Meistens war es ein eher fader Pflanzengeschmack, aber manchmal erlebte das kleine Krokodil auch Überraschungen, wie zum Beispiel, als es neugierig in einen jungen Pfefferstrauch biss.
Zuerst war es ganz erstaunt über den Geschmack, aber als der scharfe Pfeffer in seinem kleinen Maul immer stärker zu brennen begann, wurde ihm die Sache dann doch zu unangenehm. Es lief, so schnell es konnte, zum Fluss und trank so viel Wasser, wie es nur konnte. Als es in seinem Bauch schon bedenklich gluckerte, war der Pfeffergeschmack wieder aus seinem Maul verschwunden.
Nach dieser Erfahrung legte sich das kleine Krokodil zu einigen Onkel- und Tanten-Krokodilen auf eine Sandbank und dachte darüber nach, was es gerade erlebt hatte. Mit der Zeit hatte das kleine Krokodil mit seiner Fragerei auch das geduldigste Mama-, Papa-, Oma-, Opakrokodil, und sogar sämtliche Tanten- und Onkel-Krokodile zur Verzweiflung gebracht, weil viele von ihnen gar nicht so schnell antworten konnten, wie das kleine Krokodil Fragen stellte. Da Krokodile aber oft stundenlang daliegen, ohne sich zu bewegen, wusste man nie so genau, ob das Mama-, Papa-, Oma-, Opa- oder Tanten-Krokodil nur über die Frage nachdachte, oder ob es keine Antwort hatte und darum einfach nichts sagte.
Mit der Zeit begann sich das kleine Krokodil, das inzwischen schon ein bisschen größer geworden war, zu langweilen. Alle anderen Krokodile im Fluss wollten keine Fragen mehr beantworten und sagten daher immer gleich: »Bitte, frag mich nichts! Ich weiß es nicht.« Auch in alle Pflanzen am Ufer hatte es schon gebissen und um die Pfeffersträucher machte es vorsichtshalber einen großen Bogen.
Es lief zwar immer noch jeden Tag an den Ufern des Flusses herum, aber es gab nichts mehr zu entdecken. Traurig, dass es nichts Neues gab, legte sich das kleine Krokodil unter einem Affenbrotbaum in den Schatten und seufzte ein wenig vor sich hin. Es war sehr heiß, wie fast immer in Afrika zu Mittag, und nach einer Weile war es eingeschlafen.
Während das kleine Krokodil unter dem Baum lag und schlief, landete ein Vogel auf dem Baum und begann, sich ausgiebig die Federn zu putzen. Wie er da so an seinen Federn zupfte, wetzte er sich auch die Füße und den Schnabel an einem Ast. Dabei fielen einige Rindenstücke vom Baum auf das kleine Krokodil. Davon wachte es auf. »Hallo!«, sagte das kleine Krokodil zu dem Vogel.
Der Vogel war sehr erstaunt, denn immerhin war es Mittag, und zu Mittag ein Krokodil zu treffen, das nicht schlief, war schon seltsam genug, aber dann noch eines zu treffen, das sich unterhalten wollte, war doch zu seltsam. »Du schläfst ja gar nicht«, wunderte sich der Vogel. »Du ja auch nicht«, antwortete das kleine Krokodil.
»Ich ruhe mich erst aus, wenn ich angekommen bin«, sagte der Vogel. »Angekommen? Wo denn?«, wollte das kleine Krokodil wissen. »Ich fliege über den Sommer nach Norden, denn mir ist es hier zu heiß und zu trocken«, sagte der Vogel. Das kleine Krokodil kam aus dem Staunen nicht heraus. »Fliegst du weit weg?« »Oh ja! So ungefähr zwölf Tage und zwölf Nächte lang, immer nach Norden.« »Das ist aber weit«, meinte das kleine Krokodil. »Da hast du bestimmt viel gesehen« »Nun ja, …«, zuerst war der Vogel ein wenig verunsichert, denn ein so neugieriges Krokodil hatte er wirklich noch nie gesehen, aber als er merkte, dass das kleine Krokodil ganz gespannt zuhörte, erzählte er doch nach und nach von seinen Reisen. Bis zum späten Abend hörte das kleine Krokodil den Geschichten des Vogels zu.
Es wollte nichts versäumen und wagte daher kaum zu atmen. Auch wollte es den Vogel nicht unterbrechen, obwohl es so viele Fragen hatte. Dann meinte der Vogel, es sei nun Zeit für ihn weiterzufliegen. Er bedankte sich und meinte, dass das Krokodil ein guter Zuhörer gewesen sei.
Das kleine Krokodil war ein wenig traurig darüber, aber eine Frage musste es einfach noch stellen: »Sag mir, Vogel, du fliegst doch sehr hoch und siehst sehr viel. Wohin fließt der Fluss, in dem ich wohne?« »Ins Meer fließt er«, antwortete der Vogel. »Und was ist das Meer?« »Das ist ganz viel Wasser. Es ist so groß, dass du nicht sehen kannst, wo es aufhört.« Das kleine Krokodil bedankte sich bei dem Vogel für seine Geduld, sie verabschiedeten sich und dann ging das Krokodil langsam und nachdenklich zum Fluss zurück.
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So liegen also die Krokodile faul im Schlamm eines Flusses irgendwo in Afrika herum und halten das Maul weit offen. Irgendwo in einem Fluss in Afrika beginnt auch unsere Geschichte. Man könnte sagen: im Ubangi, im Rovuma oder sogar im Shebeli, aber so genau weiß ich das auch nicht mehr und es spielt auch keine Rolle, da es eine Geschichte ist, wie sie jedem kleinen Krokodil auf der ganzen Welt passieren könnte. Zumindest in dem Teil der Welt, in dem es Krokodile gibt.
Also in einem Fluss in Afrika, vielleicht sogar im Ogowe, lebte einmal ein kleines Krokodil. Es war noch sehr klein, weil es noch sehr jung war. Erst vor wenigen Wochen war es gemeinsam mit seinen 32 Schwestern und 45 Brüdern geschlüpft. Krokodile leben in großen Familien. So groß sind diese Familien, dass manchmal auf drei Sandbänken nur Verwandte in der Sonne liegen.
Dieses kleine Krokodil, dessen Namen ich doch jetzt glatt vergessen habe, war von Anfang an nicht viel anders als seine 32 Schwestern und seine 45 Brüder. Nicht viel, aber in einem unterschied es sich doch. Es war ein Krokodil, das einfach ein bisschen neugieriger war, als es kleine Krokodile sonst so sind.
Den ganzen Tag stellte es Fragen:
»Warum leuchten die Sterne in der Nacht? Woher kommt er und wohin fließt der Fluss, in dem wir wohnen? Warum schmecken mir die weißen Fische, die roten aber nicht?«
Schon früh am Morgen begann es zu fragen und während die anderen Krokodile unter der heißen Sonne ihren Mittagsschlaf hielten, erkundete das kleine Krokodil die Ufer des Flusses. Es durchstöberte jedes Gebüsch und biss in jede Pflanze, die es noch nicht kannte, denn es wollte wissen, wie sie schmeckte. Meistens war es ein eher fader Pflanzengeschmack, aber manchmal erlebte das kleine Krokodil auch Überraschungen, wie zum Beispiel, als es neugierig in einen jungen Pfefferstrauch biss.
Zuerst war es ganz erstaunt über den Geschmack, aber als der scharfe Pfeffer in seinem kleinen Maul immer stärker zu brennen begann, wurde ihm die Sache dann doch zu unangenehm. Es lief, so schnell es konnte, zum Fluss und trank so viel Wasser, wie es nur konnte. Als es in seinem Bauch schon bedenklich gluckerte, war der Pfeffergeschmack wieder aus seinem Maul verschwunden.
Nach dieser Erfahrung legte sich das kleine Krokodil zu einigen Onkel- und Tanten-Krokodilen auf eine Sandbank und dachte darüber nach, was es gerade erlebt hatte. Mit der Zeit hatte das kleine Krokodil mit seiner Fragerei auch das geduldigste Mama-, Papa-, Oma-, Opakrokodil, und sogar sämtliche Tanten- und Onkel-Krokodile zur Verzweiflung gebracht, weil viele von ihnen gar nicht so schnell antworten konnten, wie das kleine Krokodil Fragen stellte. Da Krokodile aber oft stundenlang daliegen, ohne sich zu bewegen, wusste man nie so genau, ob das Mama-, Papa-, Oma-, Opa- oder Tanten-Krokodil nur über die Frage nachdachte, oder ob es keine Antwort hatte und darum einfach nichts sagte.
Mit der Zeit begann sich das kleine Krokodil, das inzwischen schon ein bisschen größer geworden war, zu langweilen. Alle anderen Krokodile im Fluss wollten keine Fragen mehr beantworten und sagten daher immer gleich: »Bitte, frag mich nichts! Ich weiß es nicht.« Auch in alle Pflanzen am Ufer hatte es schon gebissen und um die Pfeffersträucher machte es vorsichtshalber einen großen Bogen.
Es lief zwar immer noch jeden Tag an den Ufern des Flusses herum, aber es gab nichts mehr zu entdecken. Traurig, dass es nichts Neues gab, legte sich das kleine Krokodil unter einem Affenbrotbaum in den Schatten und seufzte ein wenig vor sich hin. Es war sehr heiß, wie fast immer in Afrika zu Mittag, und nach einer Weile war es eingeschlafen.
Während das kleine Krokodil unter dem Baum lag und schlief, landete ein Vogel auf dem Baum und begann, sich ausgiebig die Federn zu putzen. Wie er da so an seinen Federn zupfte, wetzte er sich auch die Füße und den Schnabel an einem Ast. Dabei fielen einige Rindenstücke vom Baum auf das kleine Krokodil. Davon wachte es auf. »Hallo!«, sagte das kleine Krokodil zu dem Vogel.
Der Vogel war sehr erstaunt, denn immerhin war es Mittag, und zu Mittag ein Krokodil zu treffen, das nicht schlief, war schon seltsam genug, aber dann noch eines zu treffen, das sich unterhalten wollte, war doch zu seltsam. »Du schläfst ja gar nicht«, wunderte sich der Vogel. »Du ja auch nicht«, antwortete das kleine Krokodil.
»Ich ruhe mich erst aus, wenn ich angekommen bin«, sagte der Vogel. »Angekommen? Wo denn?«, wollte das kleine Krokodil wissen. »Ich fliege über den Sommer nach Norden, denn mir ist es hier zu heiß und zu trocken«, sagte der Vogel. Das kleine Krokodil kam aus dem Staunen nicht heraus. »Fliegst du weit weg?« »Oh ja! So ungefähr zwölf Tage und zwölf Nächte lang, immer nach Norden.« »Das ist aber weit«, meinte das kleine Krokodil. »Da hast du bestimmt viel gesehen« »Nun ja, …«, zuerst war der Vogel ein wenig verunsichert, denn ein so neugieriges Krokodil hatte er wirklich noch nie gesehen, aber als er merkte, dass das kleine Krokodil ganz gespannt zuhörte, erzählte er doch nach und nach von seinen Reisen. Bis zum späten Abend hörte das kleine Krokodil den Geschichten des Vogels zu.
Es wollte nichts versäumen und wagte daher kaum zu atmen. Auch wollte es den Vogel nicht unterbrechen, obwohl es so viele Fragen hatte. Dann meinte der Vogel, es sei nun Zeit für ihn weiterzufliegen. Er bedankte sich und meinte, dass das Krokodil ein guter Zuhörer gewesen sei.
Das kleine Krokodil war ein wenig traurig darüber, aber eine Frage musste es einfach noch stellen: »Sag mir, Vogel, du fliegst doch sehr hoch und siehst sehr viel. Wohin fließt der Fluss, in dem ich wohne?« »Ins Meer fließt er«, antwortete der Vogel. »Und was ist das Meer?« »Das ist ganz viel Wasser. Es ist so groß, dass du nicht sehen kannst, wo es aufhört.« Das kleine Krokodil bedankte sich bei dem Vogel für seine Geduld, sie verabschiedeten sich und dann ging das Krokodil langsam und nachdenklich zum Fluss zurück.
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