Arthur - der kleine Eisberg
EUR 18,90
Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 68
ISBN: 978-3-99146-781-6
Erscheinungsdatum: 26.04.2024
Auch Eisberge haben eine Lebensgeschichte. Ihr glaubt es nicht? Dann lasst euch jetzt von Arthur berichten ...
Arthur
erblickt das Licht der Welt
Es war Spätfrühling, fast schon Sommer in Südgrönland. Die grelle und kräftig scheinende Sonne erwärmte den kargen Boden, der viele Gräser und Moose, aber wenig Bäume und Büsche hervorbrachte. Die Oberfläche des Fjords lag vollkommen ruhig im Tageslicht. Nur ab und zu streifte ein Vogel über ihn hinweg, wohl auf der Suche nach etwas Baumaterial für sein Nest.
In dieser friedlichen Stille erblickte Arthur das Licht der Welt. Pardon, das ist nicht ganz richtig: Das Erste, das Arthur sah, war vollkommene Dunkelheit. Seine Geburt ereignete sich nämlich auf dem Grunde des tiefen Quoroq-Fjords. Arthurs Mutter, der mächtige Quoroq-Gletscher, erstreckte sich am Ende des Fjords bis auf dessen Grund. Hier also war es, wo sie Arthur das Leben schenkte. All das wird verständlich, wenn man weiß, wer Arthur war: ein kleiner Eisberg!!!
Er war natürlich kleiner als die großen Eisberge, aber immer noch viele Male größer als ein Mensch. Arthur sah genau so aus, wie man sich einen Eisberg vorstellt: mit steilen Zacken und kleinen Gipfeln aus Eis und auf einer Seite etwas flach, fast wie eine Eisscholle. Die höchste seiner Eiszacken war dazu noch in Form einer kessen Sechserlocke nach unten gebogen.
Das alles konnte man am Grund des Fjords natürlich noch nicht sehen, doch Arthur kämpfte sich mit aller Kraft durch das Wasser nach oben. Mit Getöse durchbrach er den Wasserspiegel, schwankte ein paar Mal hin und her und lag dann vor Erschöpfung erst einmal ruhig da.
Die Sonne blendete Arthur so, dass er zuerst die Augen schloss. Doch seine Neugier war größer. Er öffnete seine Augen wieder und blinzelte in die Welt. Und da erblickte er seine Mutter – den Quoroq-Gletscher. Wie eine riesige, weiße Mauer erschien sie ihm und mit staunenden Augen sah er sie an. „Willkommen auf dieser Welt, mein Sohn!“, sagte Mama-Gletscher. „Fühlst du dich wohl?“ Arthur war noch viel zu erschöpft, um antworten zu können. Er nickte nur leicht. Das hatte zur Folge, dass um ihn herum sofort ein paar Wellen entstanden, die sich rasch entfernten.
Seine Mutter sah Arthur liebevoll an und lächelte: „Ja, ja, es ist schon schwer, auf diese Welt zu kommen. Ruhe dich erst einmal aus. Dann werden wir weitersehen.“ Ein mit dem Sonnenuntergang auftretender Wind erzeugte sanfte Wellen, die Arthur in einen tiefen Schlaf schaukelten.
Arthur
lernt seine Geschwister kennen
Als die Sonne wieder über den Bergen aufging, weckte ein munteres Treiben den kleinen Eisberg. Ehe er aber noch richtig begriff, was eigentlich los war und wo er sich befand, klatschte ein großer Schwall Wasser mitten in sein Gesicht. „He, was soll das???!!!“, rief Arthur. Er rieb sich die Augen und war nahe dran, böse zu werden. „Oh entschuldige vielmals, Bruderherz!“, sagte da plötzlich neben ihm ein etwas größerer Eisberg. „Wir haben eben so schön Fangen gespielt und dabei gar nicht gemerkt, dass du noch schläfst. Kannst du uns verzeihen?“
Mit einem strafenden Blick bedachte Arthur die Sprecherin. „Na ja, ich will mal nicht so sein. Aber wer seid ihr denn eigentlich?“ Verwundert schaute er die großen und kleinen Eisberge um sich herum an. „Wir sind deine Brüder und Schwestern“, klang es da. „Willst du mit uns spielen?“ „Brüder und Schwestern, was ist das?“, fragte Arthur kleinlaut. „Mama-Gletscher, deine Mutter, ist auch unsere Mutter“, belehrte ihn die erste Sprecherin. Sie betrachtete ihn liebevoll von oben herab: „Wir sind halt alle etwas älter als du und haben dich sehr lieb. Machst du jetzt mit?“ Dabei stupste sie ihn leicht von der Seite. Arthur ließ sich nun kein drittes Mal mehr auffordern. Endgültig munter, stürzte er sich in das Getümmel.
Eine wilde Jagd auf dem Fjord begann. Große Mengen Wasser spritzten umher und ein lautes Kreischen erfüllte das Tal. Arthur stieß einige Male mit einem seiner vielen Geschwister zusammen und wurde untergetaucht, wobei er viel Wasser schluckte. Prustend kam er wieder an die Oberfläche und warf sich auf den Übeltäter. Er wollte ihm nun seinerseits das salzige Wasser zu kosten geben. Da er aber der kleinste von allen war, gelang ihm das leider nicht. Immer wütender wurden seine Angriffe und erst als ein herzliches Gelächter um ihn herum erklang, merkte er, wie erschöpfend Spielen sein konnte. Vollkommen außer Atem, aber schließlich doch mit den anderen mitlachend, lehnte er sich an eine große Wand aus Eis. „Nun, mein lieber Junge“, klang es da plötzlich sanft über ihm, „hast du bis jetzt einen schönen Tag gehabt? Deine Geschwister sind doch alle lieb, nicht wahr?“ Arthur blickte in die Höhe und erkannte erst jetzt, dass er sich in seiner Erschöpfung an seine Mutter gelehnt hatte. „Ja, Mama. Sie sind alle ganz toll und ich finde es herrlich hier. Habe ich noch mehr Brüder und Schwestern?“ „Noch viel mehr!“, antwortete Mama-Gletscher. „Aber der Fjord ist viel größer, als du es von hier aus sehen kannst, und sie sind alle auf ihm weit verteilt. Manche sind schon älter und führen ein eigenständiges Leben weit weg von hier. Aber das wirst du noch selber kennenlernen.“
Schweigend und mit staunenden Augen lauschte Arthur ihren Erklärungen. Doch plötzlich kam ihm eine Frage in den Sinn und er unterbrach sie: „Mama, wo ist eigentlich Papa? Ich habe ihn noch nicht gesehen!“ Mama-Gletscher seufzte tief: „Dein Vater, mein Junge, ist weit, weit weg von hier. Er ist im Norden, wo im Sommer die Sonne nie untergeht und im Winter den ganzen Tag nicht zu sehen ist. Diese Gegend wird das ‚Inlandeis‘ genannt. Aber auch dort denkt dein Papa immer an uns und sorgt für unser Wohlergehen.“ „Werde ich Papa auch einmal sehen?“, fragte Arthur neugierig. „Vielleicht, mein lieber Junge, vielleicht!“, antwortete leise und mit trauriger Stimme seine Mutter.
Arthur
erforscht seine Umwelt
Einige Tage waren vergangen. Arthur hatte inzwischen alle Geschwister kennengelernt, die sich in der Nähe der Mutter aufhielten. „Mama!“, krähte er plötzlich, „die anderen erzählen immer, wie toll es auf den anderen Fjorden aussieht und wie prima man da spielen kann. Darf ich auch mal dorthin schwimmen?“ Mama-Gletscher schaute etwas skeptisch: „Bist du nicht zu jung dazu?“, meinte sie. „Nö!!!“, kam die prompte Antwort. Sie musste lächeln. „Na ja, schließlich musst du ja auch einmal anfangen, deine Heimat kennenzulernen. Aber es ist wohl besser, wenn ein älterer Bruder dich begleitet. Allein kann es gefährlich sein.“
Sie winkte einen kräftigen und durch und durch blau leuchtenden Eisberg zu sich heran und erklärte ihm ihren Wunsch. Der schaute zwar erst etwas griesgrämig, bequemte sich dann aber doch, zu Arthur hinüberzuschwimmen. „Na komm schon, Kleiner. Los dann, sonst schmilzt du uns noch zusammen.“ Arthur, der mit diesem Ausdruck nichts anfangen konnte, beeilte sich, dem kräftig ausholenden Bruder zu folgen.
Schweigend ging es den Quoroq-Fjord hinunter. Vorbei an steilen Berghängen, die in Wassernähe erschreckend kahl und grau aussahen. Weiter oben jedoch waren sie von Grün überzogen. „Was ist das grüne Zeug da?“, fragte Arthur. „Ich glaube, das heißt Gras und Moos und Gesträuch und was weiß ich“, meinte der Bruder, ohne anzuhalten. „Für uns ist das alles uninteressant, denn wir können ja doch nicht den Berg hochklettern.“ Arthur schaute sehnsüchtig die Hänge hinauf. Er stellte sich vor, ganz oben auf dem Bergkamm zu stehen, sich im Gebüsch zu verstecken oder in sausender Fahrt zum Fjord hinunterzurutschen. Er bemerkte dabei gar nicht, wie der Fjord langsam breiter wurde. Unsanft wurde er aus seinen Träumen gerissen, als er plötzlich gegen seinen Bruder prallte. „He, Tagträumer!“, sagte der, „ich denke, du willst etwas sehen. Vergiss die Berge. Hier unten ist unsere Welt.“
Arthur stand vor Staunen der Mund offen. Riesengroß breitete sich vor ihm und rechts von ihm eine glitzernde Wasserfläche aus: der Eriksfjord. „Mann, das ist ja toll!“, rief er und sauste los. So einen großen Spielplatz hatte er noch nicht gesehen. Das Wasser spritzte hoch auf, als er den Fjord durchpflügte. Einige kleine Eisschollen wurden glatt überrannt und größere machten dem kleinen Sausewind lieber Platz. Der Bruder kam Arthur kaum nach. „Hallo“, lachte er, „der Fjord läuft dir doch nicht weg. Lass doch für die anderen auch noch etwas Wasser drin.“ Doch Arthur war nicht zu bremsen. In seiner Ausgelassenheit überschlug er sich beinahe und schrammte ein paar Mal gefährlich nahe an den scharfen Felsen vorbei.
Schließlich hatte er sich ausgetobt und beschloss, nach einem Spielkameraden Ausschau zu halten. Da sah er direkt in einer Einbuchtung des gewaltig vor ihm aufragenden Berges etwas Weißes glänzen. „Das muss ich mir genauer anschauen!“, rief er seinem Bruder zu und schwamm los. „Pass auf!!!“, rief dieser, „in der Nähe der Felsen ist es gefährlich.“ Zugleich versuchte er, Arthur festzuhalten. Doch der war schon weg.
…
erblickt das Licht der Welt
Es war Spätfrühling, fast schon Sommer in Südgrönland. Die grelle und kräftig scheinende Sonne erwärmte den kargen Boden, der viele Gräser und Moose, aber wenig Bäume und Büsche hervorbrachte. Die Oberfläche des Fjords lag vollkommen ruhig im Tageslicht. Nur ab und zu streifte ein Vogel über ihn hinweg, wohl auf der Suche nach etwas Baumaterial für sein Nest.
In dieser friedlichen Stille erblickte Arthur das Licht der Welt. Pardon, das ist nicht ganz richtig: Das Erste, das Arthur sah, war vollkommene Dunkelheit. Seine Geburt ereignete sich nämlich auf dem Grunde des tiefen Quoroq-Fjords. Arthurs Mutter, der mächtige Quoroq-Gletscher, erstreckte sich am Ende des Fjords bis auf dessen Grund. Hier also war es, wo sie Arthur das Leben schenkte. All das wird verständlich, wenn man weiß, wer Arthur war: ein kleiner Eisberg!!!
Er war natürlich kleiner als die großen Eisberge, aber immer noch viele Male größer als ein Mensch. Arthur sah genau so aus, wie man sich einen Eisberg vorstellt: mit steilen Zacken und kleinen Gipfeln aus Eis und auf einer Seite etwas flach, fast wie eine Eisscholle. Die höchste seiner Eiszacken war dazu noch in Form einer kessen Sechserlocke nach unten gebogen.
Das alles konnte man am Grund des Fjords natürlich noch nicht sehen, doch Arthur kämpfte sich mit aller Kraft durch das Wasser nach oben. Mit Getöse durchbrach er den Wasserspiegel, schwankte ein paar Mal hin und her und lag dann vor Erschöpfung erst einmal ruhig da.
Die Sonne blendete Arthur so, dass er zuerst die Augen schloss. Doch seine Neugier war größer. Er öffnete seine Augen wieder und blinzelte in die Welt. Und da erblickte er seine Mutter – den Quoroq-Gletscher. Wie eine riesige, weiße Mauer erschien sie ihm und mit staunenden Augen sah er sie an. „Willkommen auf dieser Welt, mein Sohn!“, sagte Mama-Gletscher. „Fühlst du dich wohl?“ Arthur war noch viel zu erschöpft, um antworten zu können. Er nickte nur leicht. Das hatte zur Folge, dass um ihn herum sofort ein paar Wellen entstanden, die sich rasch entfernten.
Seine Mutter sah Arthur liebevoll an und lächelte: „Ja, ja, es ist schon schwer, auf diese Welt zu kommen. Ruhe dich erst einmal aus. Dann werden wir weitersehen.“ Ein mit dem Sonnenuntergang auftretender Wind erzeugte sanfte Wellen, die Arthur in einen tiefen Schlaf schaukelten.
Arthur
lernt seine Geschwister kennen
Als die Sonne wieder über den Bergen aufging, weckte ein munteres Treiben den kleinen Eisberg. Ehe er aber noch richtig begriff, was eigentlich los war und wo er sich befand, klatschte ein großer Schwall Wasser mitten in sein Gesicht. „He, was soll das???!!!“, rief Arthur. Er rieb sich die Augen und war nahe dran, böse zu werden. „Oh entschuldige vielmals, Bruderherz!“, sagte da plötzlich neben ihm ein etwas größerer Eisberg. „Wir haben eben so schön Fangen gespielt und dabei gar nicht gemerkt, dass du noch schläfst. Kannst du uns verzeihen?“
Mit einem strafenden Blick bedachte Arthur die Sprecherin. „Na ja, ich will mal nicht so sein. Aber wer seid ihr denn eigentlich?“ Verwundert schaute er die großen und kleinen Eisberge um sich herum an. „Wir sind deine Brüder und Schwestern“, klang es da. „Willst du mit uns spielen?“ „Brüder und Schwestern, was ist das?“, fragte Arthur kleinlaut. „Mama-Gletscher, deine Mutter, ist auch unsere Mutter“, belehrte ihn die erste Sprecherin. Sie betrachtete ihn liebevoll von oben herab: „Wir sind halt alle etwas älter als du und haben dich sehr lieb. Machst du jetzt mit?“ Dabei stupste sie ihn leicht von der Seite. Arthur ließ sich nun kein drittes Mal mehr auffordern. Endgültig munter, stürzte er sich in das Getümmel.
Eine wilde Jagd auf dem Fjord begann. Große Mengen Wasser spritzten umher und ein lautes Kreischen erfüllte das Tal. Arthur stieß einige Male mit einem seiner vielen Geschwister zusammen und wurde untergetaucht, wobei er viel Wasser schluckte. Prustend kam er wieder an die Oberfläche und warf sich auf den Übeltäter. Er wollte ihm nun seinerseits das salzige Wasser zu kosten geben. Da er aber der kleinste von allen war, gelang ihm das leider nicht. Immer wütender wurden seine Angriffe und erst als ein herzliches Gelächter um ihn herum erklang, merkte er, wie erschöpfend Spielen sein konnte. Vollkommen außer Atem, aber schließlich doch mit den anderen mitlachend, lehnte er sich an eine große Wand aus Eis. „Nun, mein lieber Junge“, klang es da plötzlich sanft über ihm, „hast du bis jetzt einen schönen Tag gehabt? Deine Geschwister sind doch alle lieb, nicht wahr?“ Arthur blickte in die Höhe und erkannte erst jetzt, dass er sich in seiner Erschöpfung an seine Mutter gelehnt hatte. „Ja, Mama. Sie sind alle ganz toll und ich finde es herrlich hier. Habe ich noch mehr Brüder und Schwestern?“ „Noch viel mehr!“, antwortete Mama-Gletscher. „Aber der Fjord ist viel größer, als du es von hier aus sehen kannst, und sie sind alle auf ihm weit verteilt. Manche sind schon älter und führen ein eigenständiges Leben weit weg von hier. Aber das wirst du noch selber kennenlernen.“
Schweigend und mit staunenden Augen lauschte Arthur ihren Erklärungen. Doch plötzlich kam ihm eine Frage in den Sinn und er unterbrach sie: „Mama, wo ist eigentlich Papa? Ich habe ihn noch nicht gesehen!“ Mama-Gletscher seufzte tief: „Dein Vater, mein Junge, ist weit, weit weg von hier. Er ist im Norden, wo im Sommer die Sonne nie untergeht und im Winter den ganzen Tag nicht zu sehen ist. Diese Gegend wird das ‚Inlandeis‘ genannt. Aber auch dort denkt dein Papa immer an uns und sorgt für unser Wohlergehen.“ „Werde ich Papa auch einmal sehen?“, fragte Arthur neugierig. „Vielleicht, mein lieber Junge, vielleicht!“, antwortete leise und mit trauriger Stimme seine Mutter.
Arthur
erforscht seine Umwelt
Einige Tage waren vergangen. Arthur hatte inzwischen alle Geschwister kennengelernt, die sich in der Nähe der Mutter aufhielten. „Mama!“, krähte er plötzlich, „die anderen erzählen immer, wie toll es auf den anderen Fjorden aussieht und wie prima man da spielen kann. Darf ich auch mal dorthin schwimmen?“ Mama-Gletscher schaute etwas skeptisch: „Bist du nicht zu jung dazu?“, meinte sie. „Nö!!!“, kam die prompte Antwort. Sie musste lächeln. „Na ja, schließlich musst du ja auch einmal anfangen, deine Heimat kennenzulernen. Aber es ist wohl besser, wenn ein älterer Bruder dich begleitet. Allein kann es gefährlich sein.“
Sie winkte einen kräftigen und durch und durch blau leuchtenden Eisberg zu sich heran und erklärte ihm ihren Wunsch. Der schaute zwar erst etwas griesgrämig, bequemte sich dann aber doch, zu Arthur hinüberzuschwimmen. „Na komm schon, Kleiner. Los dann, sonst schmilzt du uns noch zusammen.“ Arthur, der mit diesem Ausdruck nichts anfangen konnte, beeilte sich, dem kräftig ausholenden Bruder zu folgen.
Schweigend ging es den Quoroq-Fjord hinunter. Vorbei an steilen Berghängen, die in Wassernähe erschreckend kahl und grau aussahen. Weiter oben jedoch waren sie von Grün überzogen. „Was ist das grüne Zeug da?“, fragte Arthur. „Ich glaube, das heißt Gras und Moos und Gesträuch und was weiß ich“, meinte der Bruder, ohne anzuhalten. „Für uns ist das alles uninteressant, denn wir können ja doch nicht den Berg hochklettern.“ Arthur schaute sehnsüchtig die Hänge hinauf. Er stellte sich vor, ganz oben auf dem Bergkamm zu stehen, sich im Gebüsch zu verstecken oder in sausender Fahrt zum Fjord hinunterzurutschen. Er bemerkte dabei gar nicht, wie der Fjord langsam breiter wurde. Unsanft wurde er aus seinen Träumen gerissen, als er plötzlich gegen seinen Bruder prallte. „He, Tagträumer!“, sagte der, „ich denke, du willst etwas sehen. Vergiss die Berge. Hier unten ist unsere Welt.“
Arthur stand vor Staunen der Mund offen. Riesengroß breitete sich vor ihm und rechts von ihm eine glitzernde Wasserfläche aus: der Eriksfjord. „Mann, das ist ja toll!“, rief er und sauste los. So einen großen Spielplatz hatte er noch nicht gesehen. Das Wasser spritzte hoch auf, als er den Fjord durchpflügte. Einige kleine Eisschollen wurden glatt überrannt und größere machten dem kleinen Sausewind lieber Platz. Der Bruder kam Arthur kaum nach. „Hallo“, lachte er, „der Fjord läuft dir doch nicht weg. Lass doch für die anderen auch noch etwas Wasser drin.“ Doch Arthur war nicht zu bremsen. In seiner Ausgelassenheit überschlug er sich beinahe und schrammte ein paar Mal gefährlich nahe an den scharfen Felsen vorbei.
Schließlich hatte er sich ausgetobt und beschloss, nach einem Spielkameraden Ausschau zu halten. Da sah er direkt in einer Einbuchtung des gewaltig vor ihm aufragenden Berges etwas Weißes glänzen. „Das muss ich mir genauer anschauen!“, rief er seinem Bruder zu und schwamm los. „Pass auf!!!“, rief dieser, „in der Nähe der Felsen ist es gefährlich.“ Zugleich versuchte er, Arthur festzuhalten. Doch der war schon weg.
…

