Strahlinchen bringt Licht ins Dunkel

Strahlinchen bringt Licht ins Dunkel

Eva Gerber


EUR 17,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 70
ISBN: 978-3-99107-860-9
Erscheinungsdatum: 12.10.2021
Zauberhafte Geschichten über Englein, die in verschiedensten Missionen die Erdenbürger besuchen und ihnen aus unglücklichen Situationen helfen sowie Konflikte schlichten.
Liebes Christkind!

Ich wünsche mir bitte heuer ganz dringend nur ein Paar Ohrenschützer.

Das halte ich nicht mehr aus!

Meine kleine Schwester brüllt jede Nacht, meine genervten Eltern schimpfen mit mir seit Neuestem wegen jeder Kleinigkeit. Selber streiten sie auch immer wieder. In der Pause lärmen die Kinder und im Unterricht schreit der Lehrer wegen jeder Kleinigkeit.

Gestern zum Beispiel:

Mir fiel das Milchgeld für Dezember ein, bevor ich zur Schule ging, und ich fragte Papa darum.

„Ja zum Teufel noch einmal, sag mir das gefälligst am Vorabend! Verschwinde! Jetzt habe ich andere Sorgen!“, schimpfte er und sauste mit seinem Aktenkoffer zum Auto. Am Vorabend hatte meine kleine Schwester die heiße Milch ausgeplatscht und wie am Spieß gequietscht, weil sie sich ihre Hände verbrannt hatte. Da war kein Ohr für mich frei, Mutti putzte die Schweinerei, Papi holte den Arzt herbei.

Kaum in der Klasse, keift sofort die Rita mit mir: „Milchgeld her, Julian! Bist schwerhörig oder was?“ Mein Lehrer rastet aus, weil ich Ort-, Zeit-, Art- und Vorwortergänzungen verwechsle. Ich war kein Einzelfall. Es gibt für ihn derzeit nichts Wichtigeres. In der Pause war Geschimpfe vom Schulwart wegen unserer Abfälle, die auf dem Spielplatzboden liegen geblieben waren.

Daheim weinte sich meine Schwester laut in ihren Mittagsschlaf. Mutti reagierte sauer und war gereizt, weil ich nur Püree und keine Schweinsleber essen wollte. „Du undankbarer Fratz, kriegst immer das Beste vom Besten!“, nörgelte sie. Ich schlich in meine Bude und versteckte meinen Kopf im Polster. Keine Besserung in Sicht! Niemand kümmert sich um mich. Bitte, liebes Christkind, lass mich nicht im Stich! Liebe Weihnachtsgrüße sendet dir

dein Julian



Florentinchen
der kleine Blumenengel

Zwischen Himmel und Erde herrschte wie immer vor Weihnachten totales Chaos. Schließlich geht es um den Weihnachtsfrieden überall.
Da kommen besonders die Engel in Eile. Sie verabschiedeten sich von Petrus vor der Himmelspforte und schwirrten wie die Zugvögel in Schwärmen Richtung Erde.
Alle haben vom Christkind besondere Weihnachtspflichten übernommen. Florentinchen war heuer die Ausnahme. Ein Blumenengel zur Weihnachtszeit? Frühling und Sommer waren doch längst vorbei! Aber das kleine über und über mit frischen, bunten Blüten geschmückte Engelchen hatte es satt im Winter nur Eisblumen an die unmöglichsten Fensterscheiben zu malen, und wollte heuer unbedingt als Weihnachtsengel mithelfen. Das Christkind war einverstanden und
überreichte Florentinchen einen Blütenrucksack.
Auf Erden sollte es vor Weihnachten mitten im Winter Blüten austeilen. Aber es musste genau überlegen: wem und wofür.

Florentinchen setzte sich zufrieden auf Schäfchenwolke Nummer sieben und schwebte zur Erde. Angekommen befestigte Florentinchen ihr Wölkchen mit einem Sternenstrahl an einer Kirchturmspitze und flatterte zu den Altarengeln hinein, um sich anzuwärmen und ein wenig vom Flug auszuruhen. Von Ruhe konnte allerdings keine Rede sein.
Ein kleiner Bub weinte bitterlich und rannte verzweifelt um die Kirchenbänke herum.
„Bitte, lieber Gott, hilf mir! Meine Schlüssel und mein Geld sind weg!
Ich habe Angst, weil ich nicht in meine Wohnung hineinkomme. Vati arbeitet im Büro, Mutti muss zum Arzt. Ich soll auf sie daheim warten, hat sie gesagt. Ich muss den Schlüssel finden und das Geld auch. War mein Erspartes vom letzten Monat.“
„Das heißt wohl bereits Dienstbeginn!“, freute sich Florentinchen und näherte sich vorsichtig dem verzweifelten Kind. „Wie heißt du?“, summte das Engelchen dem tränenüberströmten Gesichtchen ins Ohr.
„Ich bin Maximilian!“, antwortete der Kleine schluchzend.
„Was ist passiert? Wie kann ich dir helfen?“ Maximilian hörte zu schniefen auf und sah den Blumenengel erstaunt an:
„Bist du echt? Du siehst aber hübsch aus mit deinem Blumenkleid! Ist dir nicht kalt? Kommst du vom Christkind? Kannst du fliegen?“
„Vielleicht, aber jetzt sag schon, was ist los mit dir?“

„Ich war heute im Kaufhaus und wollte einen Adventkalender für meine Freundin Lilly kaufen. Lilly spielt immer mit mir auf dem Spielplatz und bringt mir oft ein Stück Kuchen von ihrer Mutti mit. Sie mag keinen Kuchen essen. Aber ich liebe Kuchen!

Ich wollte den Kalender bezahlen. Mein Geld und der Wohnungsschlüssel sind weg! Ich habe den Kalender zurückgelegt, aber in die Wohnung kann ich nicht. Mutti und Vati sind nicht daheim. Eigentlich durfte ich nicht aus dem Haus. Ich habe so Angst.“
„Komm, ich begleite dich nach Hause.
Du setzt mich auf deinen Handrücken und gehst den gleichen Weg heim, den du gekommen bist.“
Vorsichtig hob Maximilian das Blumenengelein auf und marschierte los.
Als er durch den Park in Richtung Wohnblock lief, leuchtete ihm unter der Brücke, über die er geklettert war, eine lila blühende Blume entgegen. Maximilian bückte sich und sah seine Geldbörse und seinen Schlüssel genau dort neben der Blume liegen.

Als er sich glücklich aufrichtete, war Florentinchen verschwunden. Maximilian kam gerade noch vor seinen Eltern heim. Auf seinem Schreibtisch lag ein wunderschöner Adventkalender mit vielen glitzernden Blüten und Blumenengeln drauf.
„Den habe ich aber nicht ausgesucht, der ist ja wunderschön?“, wunderte sich Maximilian und freute sich sehr. „War das ein Weihnachtsengel?“
Es blieb sein kleines Weihnachtsgeheimnis.




Silberhuf
auf Erdenreise

Alljährlich in der dunklen Zeit, so Anfang Dezember, öffnet sich oben im tiefen Wald eine geheime und gut versteckte Höhle. Es ist das Höllentor.

Die Kinder kennen es von Ferien-Ausflügen als Knappenloch. Aber nicht zur Nikolauszeit! Da poltern viele große und kleine Krampusse aus dem Höllentor heraus. Einmal im Jahr dürfen sie auf die Erde. Ihre Fellkleider sind vom Höllenfeuer schwarz verrußt, sie haben spitze, gebogene Hörner auf dem Kopf, rotglühende Augen und lange rote Zungen. Ihre Ketten zischen und klirren auf dem hart gefrorenen Waldboden. Das unterirdische Volk freut sich riesig auf den Tag, an dem es den heiligen Nikolaus auf seinem Weg begleiten darf.
Oberkrampus Krummhorn hat das Kommando. Zuerst müssen viele Reisigruten für schlimme Kinder gebunden werden. Diese Arbeit übernehmen die kleineren Krampusse. Die großen stellen aus Holzteilen richtige Butten her um besonders freche Schlingel zu
erschrecken.
In solche Holzrucksäcke passen so drei bis vier schlimme Fratzen, je nach Körpergröße, locker hinein. Die fertig gebundenen Rutenbündel werden gleich in die Butten gesteckt.
Nun wandert der Krampuszug mit Höllenlärm und Ketten scheppernd vom Berg ins Tal hinunter. Es stinkt gewaltig nach Pech und Schwefel! In einer verfallenen Burgruine macht der Zug halt, und die große Einteilung für den Abmarsch in Dörfer und Städte
beginnt.
Silberhuf, der kleinste und jüngste Krampus fehlte. Wie vom Erdboden verschluckt! Er war das erste Mal mit von der Partie. „Er wird doch nicht Heimweh nach des Teufels Großmutter und ihrer Krötensuppe haben?“ Dachte Krummhorn und mailte sofort einen Kohlenfunken zur Hölle. „Der Teufel soll ihn holen, wenn er jetzt bei mir ankommt!“, antwortete die Großmutter. „Ich bin mitten im höllischen Weihnachtsputz und habe nicht einmal einen Löffel voll Krötenschleim im Kessel.“ So verließen die teuflischen Gesellen ohne Silberhuf die alte Burg und verteilten sich wie immer auf alle umliegenden Dörfer und Städte.
Silberhuf sollte heuer mit dem Oberkrampus mitziehen und dabei lernen, wie ein Krampus mit bösen Kindern zu verfahren hat. Aber Silberhuf war schon längst über alle Berge. Neugierig wie er war, hatte er auf der Burg einen Geheimgang ausspioniert. Der Gang führte in schnellen und steilen Kurven abwärts, fast so wie eine eisige Nordabfahrt mit dem Bob, und weil es so dunkel war, musste er seine Augen wie Kohlen glühen lassen um nicht zu stürzen. Er landete mitten auf einem Dorfplatz. Dunkel und winterlich kalt war es dort. Ein wilder Windgeist fetzte die letzten Blätter von Bäumen und Sträuchern. Wie Diebe jagte er die Blätter in alle Richtungen davon.
Da sah er den kleinen Krampus Silberhuf, der mit Reisigrute und Kette ängstlich und frierend hinter einem großen Laubstoß zitterte.


Die rasante Reise und die bittere Kälte hatten dem flotten Teufelskerlchen gar nicht gefallen. Er sehnte sich nach dem Höllenfeuer und einem warmen Fröschebein-Süppchen aus Großmutters Riesenkessel. „Was treibst du hier?“, heulte ihn der Windgeist zornig an. „Steh mir nicht im Weg herum! Ich muss die Erde sauber fegen, sonst schimpft die Schneefee wieder mit mir. Sie hat schon mit Frau Holle telefoniert und gleich soll es losgehn!“ „Was geht los?“, fragte Silberhuf. „Der Schneeflockentanz, natürlich! Sonst kann der Nikolaus seinen Schlitten vergessen. Ohne Schlitten ist der Weg sehr anstrengend für den alten Herrn. Die vielen Sackerln kann er nicht alle allein schleppen.“
5 Sterne
Strahlinchen bringt Licht ins Dunkel - 01.11.2021
Brigitte

Die Geschichten verzaubern wirklich

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