Spiel-Spaß-Lernen
Jan der Sohn eines Bauern
EUR 25,90
Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 62
ISBN: 978-3-99130-968-0
Erscheinungsdatum: 07.10.2025
Was ist Kindern wichtiger: mit Freunden zu spielen oder zu Hause aufzuräumen? Die Antwort scheint klar … Doch was passiert, wenn Kinder nie ihren Pflichten nachkommen, nicht durchhalten oder sich anstrengen müssen und nie lernen, auf Mitmenschen zu achten?
Vorteile für die Kinder
Schauen wir uns zunächst einmal an, wie Kinder lernen.
Kinder lernen unter anderem anhand ihrer Fantasie und indem sie Alltagssituationen, die ihnen tagein, tagaus in ihrem Leben begegnen, spielerisch üben.
Sie lernen zum Beispiel, Bauklötze genau zu betrachten und auszuprobieren, was man so alles mit ihnen machen kann. Als Erwachsene sind wir häufig in der Handhabung der Dinge sehr versteift und kommen nur selten auf die Idee, einen Gegenstand auf eine andere, neue Weise zu benutzen. Kinder hingegen probieren vieles aus: Sie schauen, ob man den Gegenstand essen oder schmeißen kann und vieles mehr. Jetzt sind wir wieder bei unserem Bauklotz. Kinder versuchen, ihn zum Beispiel hinzustellen oder herauszufinden, was sie tun müssen, um zwei Klötze aufeinander zu platzieren. Gelernt wird durch das einfache, spontane und unüberlegte Handeln/Tun.
Fertigkeiten werden immer wieder geübt und gezielt trainiert, bis diese dann sicher gehandhabt werden können.
Genauso verhält es sich mit den Gefühlen. Zuerst müssen Erfahrungen gemacht werden, durch die man lernt, wie sich die einzelnen Emotionen äußern. Gefühle müssen selbst erfahren werden.
Wie fühlt es sich an, wenn ich traurig bin, mich freue oder so richtig sauer bin? Natürlich gibt es noch sehr viel mehr Gefühle als die soeben genannten. Bisweilen gibt es, und da beginnt es, schwierig zu werden, ganze Knäuel an Gefühlen. Weil Emotionen durchaus auch gebündelt auftreten, ist es manchmal sehr schwierig, eine einzelne Emotion herauszulesen und sie ganz klar zu erkennen. Selbst Erwachsene sind mit ihrem komplexen Auftreten bisweilen in solchen Momenten überfordert.
Mithilfe dieses Buchs können Kinder anhand eines anderen Menschen, nämlich Jan die auftretenden Gefühle einzeln entdecken und herausfinden, um welches Gefühl es sich jetzt gerade handelt. Kinder können lernen, wie man bestimmte Gefühle benennt, ordnen sie dann individuellen Erfahrungen zu und werden sicherer in der Wiedererkennung auftretender Gefühle in ihrem eigenen Alltag. Bei diesen Abläufen geht es nicht um bewusstes Lernen, sondern um ein Lernen durch Erfahrungen und das eigene Erleben. Hierbei ist es unserem Gehirn egal, ob jene Erfahrungen aktiv selbst gemacht werden oder als Fantasie-Reise, bei der man sich in die Situation eines anderen Menschen versetzt, wie hier zum Beispiel bei Jan.
Treten Gefühle auf, werden sie auf ganz persönliche Weise bearbeitet und unterteilt. Zunächst unterscheiden wir Gefühle in zwei Gruppen: Erstens stellt sich die Frage, ob sich ein Zustand gut oder nicht gut anfühlt. Menschen mögen nur selten negative Gefühle. Oftmals lehnen wir sie kategorisch ab oder kämpfen sogar gegen sie an.
Bestimmte Vorlieben im Umgang mit Gefühlen ahmen Kinder ihren Eltern nach. Sie übernehmen dann ihre Verhaltensweisen und ihren Umgang mit einzelnen Gefühlen. Natürlich prägt auch das Umfeld ihre Einstellung zu Gefühlen. Vielleicht redet man in der Familie nicht über Gefühle oder lebt sie in hohem Maße aus. Dann wird das Kind vermutlich jene Verhaltensweisen übernehmen. Wächst ein Kind beispielsweise in einer Familie auf, in der es verpönt ist, wütend zu werden, wird das Kind auch später in seinem Leben versuchen, dieses Gefühl zu vermeiden, so als dürfe es nicht wütend sein.
Auf diese Weise sind Konflikte vorprogrammiert, denn die Wut zum Beispiel wird beim Kind dennoch auftreten. Sie wird dann aber nicht bearbeitet, sondern mit viel Mühe weggeschoben. Der gesunde Umgang mit Emotionen wird dabei nicht geübt, sondern das „Wegdrücken“ wird trainiert und perfektioniert.
Wir müssen uns dabei stets vor Augen führen:
Wir dürfen alle Gefühle haben!
Wir dürfen alle Gefühle haben. Jedes einzelne Kind ist zunächst völlig neutral und erhält erst durch die Eltern oder das soziale Umfeld eine Bewertung. Diese Bewertungen werden dann ihrerseits zu einem ungeschriebenen Gesetz, an das man sich gefälligst zu halten hat.
Eine weitere Unterteilung von Gefühlen findet bei der Überlegung statt, ob sie gesellschaftlich akzeptiert sind oder man sie einfach nicht fühlen darf. All das sind kleine einzelne Elemente, die im Laufe der Zeit die Grenzen für die persönliche Ebene der Komfortzone bilden. Bisweilen werden uns jene Grenzen zu eng und fühlen sich weder gut noch richtig an, aber sie geben uns gleichzeitig eben auch eine Sicherheit, denn wir kennen uns mit den gesteckten Grenzen aus. Wir wissen, wie die Spielregeln funktionieren, ohne gesellschaftlich ins Aus zu geraten. Deshalb bewegen wir uns so gern in der selbst gewählten Komfortzone. Sie zu verlassen, ist schwierig und lässt uns auf fremdes Terrain geraten, mit allen damit verbundenen Ängsten und Unsicherheiten, denn hier gibt es neue Spielregeln, welche wir noch nicht kennen.
Doch schlagen wir nun wieder eine Brücke zum Spiel: Lassen sich die Kinder wirklich auf die Geschichte ein, dann stellt sich recht schnell folgende Frage, sobald wir etwas tiefer in das Spiel eintauchen:
„Welche Gefühle treten auf?“ – „Möchte er (Jan) diese Gefühle haben?“
„Was kann Jan tun, damit er sich wieder besser fühlt?“
Sind wir hier an diesem Punkt angekommen, befinden wir uns bereits auf dem Weg der Lösungssuche für Jan. Dies bedeutet, dass die verschiedensten Ideen auftreten. Vielleicht könnte Jan (und damit das im Zentrum stehende Kind selbst) sich aus einer Situation befreien, indem er etwas ganz Bestimmtes tut oder jemand anderen um Hilfe bittet …
Genau dieser Schritt ist eines der Ziele dieses „Spiels“, denn es soll nach Lösungen gesucht werden. Selbst bei erwachsenen Menschen kann man häufiger beobachten, wie sie mit Situationen unzufrieden sind, hier nörgeln oder dort sauer werden und sich beschweren. Aber nach Lösungen suchen sie selbst recht häufig nicht. Sie hätten es vielleicht am liebsten, wenn ihnen fertige Lösungen präsentiert würden oder wenn ein anderer Mensch sogleich die notwendigen Schritte erledigen würde. Hier gibt es nur ein Problem: Das Leben funktioniert leider nicht so.
Doch kehren wir nun wieder zurück zum Spiel. Hierbei kann Sprache geübt werden sowie wie man sich klarer ausdrückt. Wir müssen Dinge genau benennen, damit ein anderer Mensch verstehen kann, was wir meinen. Andere Meinungen gelten lassen, ohne sie zu bewerten, und andere Kinder (zunächst Jan oder das Kind, welches Jans Rolle gerade übernommen hat) unterstützen. Annehmen können, was ein anderer Mensch sagt, und ihn in Ruhe aussprechen lassen, ohne eigene bewertende Reaktionen zu äußern oder zu zeigen, ist oftmals sehr schwierig und bedarf einiger Übung. Analytisches Denken wird gefördert, indem ganz neutral und ohne eigene Beteiligung die Fakten betrachtet werden können, denn es geht ja schließlich nicht um einen selbst, sondern zunächst nur um Jan. Lösungen können im geschützten Raum und ohne lästige Konsequenzen durchgespielt werden.
Hier liegt ein wichtiger Vorteil des Spiels: Vieles kann in der Theorie ausprobiert werden, und keiner braucht vor den Folgen oder der Verantwortung, die wir für unser Handeln übernehmen sollten, Angst zu haben. Häufig kann bei Menschen, egal welchen Alters, beobachtet werden, dass sie zwar wissen, was zu tun wäre, es aber aus Angst vor der Verantwortung und den daraus hervorgehenden Konsequenzen nicht tun.
Wurde erst eine Lösung für Jan gefunden, die als die „beste“ angesehen wird, ist es möglich, die nächsten Schritte zu überlegen, die notwendig sind, damit es Jan wieder besser geht und er sein gewünschtes Ziel doch noch erreichen kann.
Ideal wäre es dann, die Parallele zur eigenen Person ziehen zu können. Lösungen sind ja bereits gefunden worden und müssen nur noch übertragen werden. Das ist recht schmerzfrei, denn wir brauchen nicht mehr in die eigenen negativen Glaubenssätze einzutauchen, sondern nutzen für uns selbst sogleich den Lösungsweg mit den bereits formulierten notwendigen Schritten (der Analogie) aus Jans erarbeitetem Weg.
Bei Jan können wir schließlich Fehler und Fehlverhalten viel besser und völlig neutral erkennen, denn es ist ja letztendlich „nur“ seine Geschichte.
Vielleicht sind Sie noch nicht restlos von meiner These überzeugt. Aber glauben Sie mir, es ist nicht schwer, sondern „nur ein Rollenspiel!“, welches durchaus Spaß machen kann. Gerade Kinder lassen sich gerne darauf ein.
Nun möchte ich Ihnen gerne die Spielregeln erklären. Begleiten Sie mich?
Spielanleitung
Vorgehensweise
- Das Kind wählt eine Zahl. (Eine Zahl von 1–19)
- Nun wird die entsprechende, mit der gleichen Nummer versehene Geschichte herausgesucht.
- Die unterstützende Person (Erzieher;in, Eltern, Großeltern …) liest die Geschichte dem Kind langsam vor.
- Lassen Sie sich vom Kind kurz erzählen, worum es bei der Geschichte geht.
- Das Kind schlüpft anschließend in Jans Rolle („Stelle dir vor, du bist Jan!“). Es wird in diesem Moment zu Jan und übernimmt seine Rolle.
Einstieg in die Geschichte
- Wo befindet sich Jan in diesem Augenblick?
- Was macht er?
- Was sollte er machen?
- Was hält ihn vielleicht davon ab, dieses zu tun?
- Steigen Sie weiter mit Ihren Fragen bei Jans Gefühlen ein:
- Wie fühlt Jan sich gerade?
- Möchte Jan sich so fühlen?
- Wie würde Jan sich viel lieber fühlen?
- Was könnte Jan helfen, um sich besser zu fühlen?
- Möchte Jan, dass es ihm besser geht?
- Was könnte Jan dafür tun?
1. Weitere hilfreiche Fragen befinden sich jeweils im Anschluss nach jeder Geschichte. Diese Fragen sind speziell auf jene Geschichte mit ihrer ganz eigenen Problematik, die oben der Kopfzeile zu entnehmen ist, zugeschnitten.
2. Sie müssen sich nicht zwingend an die Abfolge oder Wortwahl halten, denn es ist besser, auf das Kind einzugehen und es selbst das Tempo bestimmen zu lassen. Folgen Sie als Unterstützer:in lieber Ihrem eigenen Gefühl und entscheiden Sie selbst, welche Frage für die Situation und das Eruieren von verschiedenen Lösungswegen hilfreich ist.
3. Das Erschließen und das tiefere Einsteigen in die Geschichte über die Gefühle sind wichtig für das Sammeln von Erfahrungen und das eigene Erleben.
4. Uns sollte bewusst sein, dass alles, was uns vom Kind in Bezug auf Jan bei dieser Geschichte entgegengebracht wird, immer etwas mit dem Kind selbst zu tun hat. Jede Angst, jeder Zorn oder jede Ausweglosigkeit sind stets Gefühle des Kindes. Doch Vorsicht: Vermischen Sie nicht die verschiedenen Ebenen (Jan und die persönliche Ebene des Kindes) miteinander, sondern verbleiben Sie bei Jan, bis Sie eine gute Lösung für ihn gefunden haben.
Zusammenfassung
Um das Spielen zu erleichtern, folgt eine kurze und in Stichpunkten gehaltene Zusammenfassung der Spielanleitung.
1. Eine Nummer ermitteln (erfragen, ziehen, …)
2. Geschichte heraussuchen
3. Geschichte vorlesen
4. Geschichte wiedergeben lassen
5. In Jans Rolle schlüpfen
6. Wo ist Jan?
7. Was tut Jan gerade?
8. Welche Gefühle sind bei Jan da?
9. Gefällt es Jan so?
Wie möchte es Jan lieber haben?
Lösungssuche:
Beste Lösung herausfinden, durchspielen und betrachten, ob das Gewünschte am Ende dabei herauskommt.
Notwendige Schritte benennen lassen.
Transfer zur eigenen Person vornehmen: Wann und in welcher Situation (in welchem Bereich) geht es dir ähnlich?
Können Parallelen gezogen werden, dann mit Punkt 9, jedoch in der eigenen Person, fortfahren.
- Andere Kinder sind immer als Berater da!
Wichtig!
- Keine Bewertungen!
- Zeit geben!
- Genaues Zuhören!
- Ausreden lassen!
- Bei Unklarheiten nachfragen!
Los geht es!
Ich wünsche allen viel Spaß!
Absicht 1
Hauptthema: Konsequenzen
Ich erzähle dir jetzt eine kleine Geschichte von Jan, dem Sohn eines Bauern!
Höre gut zu und spiele mit!
Jan ist der Sohn eines Bauern. Irgendwann einmal wird auch Jan ein richtiger Bauer werden, wenn er erst alt genug ist. Schon jetzt lernt Jan ganz viel von seinem Vater. Jan weiß, dass viel Arbeit ansteht, bis geerntet werden kann. Es soll schließlich eine gute Ernte werden, denn davon soll die ganze Familie leben können. Auch Jan muss seinen Beitrag dazu leisten und mithelfen. Es sind ganz bestimmte Aufgaben, die Jan übernehmen soll.
Jetzt gerade sitzt Jan an einen großen Baum gelehnt am Rand eines Feldes, auf dem er noch ein kleines Eckchen Unkraut jäten soll. Auf diesem Feld wachsen Bohnen, die Jan so gerne isst. Das Unkraut muss entfernt werden, damit die Pflanzen gut wachsen können. Mama hat ihm alles ganz genau gezeigt. Sie haben gemeinsam abgesprochen, dass Jan diese Aufgabe übernimmt. Doch Unkraut jäten macht Jan keinen Spaß. Viel lieber würde er mit seiner besten Freundin Anna spielen.
Jan sitzt am Baum und mag nicht anfangen. Er fühlt sich deshalb schlecht und weiß nicht, was er jetzt tun soll.
Absicht 1
Hauptthema: Konsequenzen
Kannst du Jan helfen?
Wie fühlt sich Jan?
Wie würde sich Jan viel lieber fühlen?
Welche Lösung könnte Jan für sich finden?
Stelle dir vor, du bist Jan:
Was würdest du (Jan) machen?
Bist du (Jan) bereit, die Aufgabe zu erledigen?
Weißt du (Jan), warum du die Aufgabe machen sollst?
Was geschieht, wenn du (Jan) kein Unkraut jätet?
Was geschieht, wenn du (Jan) Unkraut zupfst?
Wie fühlst du (Jan) dich damit?
Was geschieht, wenn du (Jan) mit Anna spielen gehst?
Kennst du selbst auch solch eine Situation?
...
Schauen wir uns zunächst einmal an, wie Kinder lernen.
Kinder lernen unter anderem anhand ihrer Fantasie und indem sie Alltagssituationen, die ihnen tagein, tagaus in ihrem Leben begegnen, spielerisch üben.
Sie lernen zum Beispiel, Bauklötze genau zu betrachten und auszuprobieren, was man so alles mit ihnen machen kann. Als Erwachsene sind wir häufig in der Handhabung der Dinge sehr versteift und kommen nur selten auf die Idee, einen Gegenstand auf eine andere, neue Weise zu benutzen. Kinder hingegen probieren vieles aus: Sie schauen, ob man den Gegenstand essen oder schmeißen kann und vieles mehr. Jetzt sind wir wieder bei unserem Bauklotz. Kinder versuchen, ihn zum Beispiel hinzustellen oder herauszufinden, was sie tun müssen, um zwei Klötze aufeinander zu platzieren. Gelernt wird durch das einfache, spontane und unüberlegte Handeln/Tun.
Fertigkeiten werden immer wieder geübt und gezielt trainiert, bis diese dann sicher gehandhabt werden können.
Genauso verhält es sich mit den Gefühlen. Zuerst müssen Erfahrungen gemacht werden, durch die man lernt, wie sich die einzelnen Emotionen äußern. Gefühle müssen selbst erfahren werden.
Wie fühlt es sich an, wenn ich traurig bin, mich freue oder so richtig sauer bin? Natürlich gibt es noch sehr viel mehr Gefühle als die soeben genannten. Bisweilen gibt es, und da beginnt es, schwierig zu werden, ganze Knäuel an Gefühlen. Weil Emotionen durchaus auch gebündelt auftreten, ist es manchmal sehr schwierig, eine einzelne Emotion herauszulesen und sie ganz klar zu erkennen. Selbst Erwachsene sind mit ihrem komplexen Auftreten bisweilen in solchen Momenten überfordert.
Mithilfe dieses Buchs können Kinder anhand eines anderen Menschen, nämlich Jan die auftretenden Gefühle einzeln entdecken und herausfinden, um welches Gefühl es sich jetzt gerade handelt. Kinder können lernen, wie man bestimmte Gefühle benennt, ordnen sie dann individuellen Erfahrungen zu und werden sicherer in der Wiedererkennung auftretender Gefühle in ihrem eigenen Alltag. Bei diesen Abläufen geht es nicht um bewusstes Lernen, sondern um ein Lernen durch Erfahrungen und das eigene Erleben. Hierbei ist es unserem Gehirn egal, ob jene Erfahrungen aktiv selbst gemacht werden oder als Fantasie-Reise, bei der man sich in die Situation eines anderen Menschen versetzt, wie hier zum Beispiel bei Jan.
Treten Gefühle auf, werden sie auf ganz persönliche Weise bearbeitet und unterteilt. Zunächst unterscheiden wir Gefühle in zwei Gruppen: Erstens stellt sich die Frage, ob sich ein Zustand gut oder nicht gut anfühlt. Menschen mögen nur selten negative Gefühle. Oftmals lehnen wir sie kategorisch ab oder kämpfen sogar gegen sie an.
Bestimmte Vorlieben im Umgang mit Gefühlen ahmen Kinder ihren Eltern nach. Sie übernehmen dann ihre Verhaltensweisen und ihren Umgang mit einzelnen Gefühlen. Natürlich prägt auch das Umfeld ihre Einstellung zu Gefühlen. Vielleicht redet man in der Familie nicht über Gefühle oder lebt sie in hohem Maße aus. Dann wird das Kind vermutlich jene Verhaltensweisen übernehmen. Wächst ein Kind beispielsweise in einer Familie auf, in der es verpönt ist, wütend zu werden, wird das Kind auch später in seinem Leben versuchen, dieses Gefühl zu vermeiden, so als dürfe es nicht wütend sein.
Auf diese Weise sind Konflikte vorprogrammiert, denn die Wut zum Beispiel wird beim Kind dennoch auftreten. Sie wird dann aber nicht bearbeitet, sondern mit viel Mühe weggeschoben. Der gesunde Umgang mit Emotionen wird dabei nicht geübt, sondern das „Wegdrücken“ wird trainiert und perfektioniert.
Wir müssen uns dabei stets vor Augen führen:
Wir dürfen alle Gefühle haben!
Wir dürfen alle Gefühle haben. Jedes einzelne Kind ist zunächst völlig neutral und erhält erst durch die Eltern oder das soziale Umfeld eine Bewertung. Diese Bewertungen werden dann ihrerseits zu einem ungeschriebenen Gesetz, an das man sich gefälligst zu halten hat.
Eine weitere Unterteilung von Gefühlen findet bei der Überlegung statt, ob sie gesellschaftlich akzeptiert sind oder man sie einfach nicht fühlen darf. All das sind kleine einzelne Elemente, die im Laufe der Zeit die Grenzen für die persönliche Ebene der Komfortzone bilden. Bisweilen werden uns jene Grenzen zu eng und fühlen sich weder gut noch richtig an, aber sie geben uns gleichzeitig eben auch eine Sicherheit, denn wir kennen uns mit den gesteckten Grenzen aus. Wir wissen, wie die Spielregeln funktionieren, ohne gesellschaftlich ins Aus zu geraten. Deshalb bewegen wir uns so gern in der selbst gewählten Komfortzone. Sie zu verlassen, ist schwierig und lässt uns auf fremdes Terrain geraten, mit allen damit verbundenen Ängsten und Unsicherheiten, denn hier gibt es neue Spielregeln, welche wir noch nicht kennen.
Doch schlagen wir nun wieder eine Brücke zum Spiel: Lassen sich die Kinder wirklich auf die Geschichte ein, dann stellt sich recht schnell folgende Frage, sobald wir etwas tiefer in das Spiel eintauchen:
„Welche Gefühle treten auf?“ – „Möchte er (Jan) diese Gefühle haben?“
„Was kann Jan tun, damit er sich wieder besser fühlt?“
Sind wir hier an diesem Punkt angekommen, befinden wir uns bereits auf dem Weg der Lösungssuche für Jan. Dies bedeutet, dass die verschiedensten Ideen auftreten. Vielleicht könnte Jan (und damit das im Zentrum stehende Kind selbst) sich aus einer Situation befreien, indem er etwas ganz Bestimmtes tut oder jemand anderen um Hilfe bittet …
Genau dieser Schritt ist eines der Ziele dieses „Spiels“, denn es soll nach Lösungen gesucht werden. Selbst bei erwachsenen Menschen kann man häufiger beobachten, wie sie mit Situationen unzufrieden sind, hier nörgeln oder dort sauer werden und sich beschweren. Aber nach Lösungen suchen sie selbst recht häufig nicht. Sie hätten es vielleicht am liebsten, wenn ihnen fertige Lösungen präsentiert würden oder wenn ein anderer Mensch sogleich die notwendigen Schritte erledigen würde. Hier gibt es nur ein Problem: Das Leben funktioniert leider nicht so.
Doch kehren wir nun wieder zurück zum Spiel. Hierbei kann Sprache geübt werden sowie wie man sich klarer ausdrückt. Wir müssen Dinge genau benennen, damit ein anderer Mensch verstehen kann, was wir meinen. Andere Meinungen gelten lassen, ohne sie zu bewerten, und andere Kinder (zunächst Jan oder das Kind, welches Jans Rolle gerade übernommen hat) unterstützen. Annehmen können, was ein anderer Mensch sagt, und ihn in Ruhe aussprechen lassen, ohne eigene bewertende Reaktionen zu äußern oder zu zeigen, ist oftmals sehr schwierig und bedarf einiger Übung. Analytisches Denken wird gefördert, indem ganz neutral und ohne eigene Beteiligung die Fakten betrachtet werden können, denn es geht ja schließlich nicht um einen selbst, sondern zunächst nur um Jan. Lösungen können im geschützten Raum und ohne lästige Konsequenzen durchgespielt werden.
Hier liegt ein wichtiger Vorteil des Spiels: Vieles kann in der Theorie ausprobiert werden, und keiner braucht vor den Folgen oder der Verantwortung, die wir für unser Handeln übernehmen sollten, Angst zu haben. Häufig kann bei Menschen, egal welchen Alters, beobachtet werden, dass sie zwar wissen, was zu tun wäre, es aber aus Angst vor der Verantwortung und den daraus hervorgehenden Konsequenzen nicht tun.
Wurde erst eine Lösung für Jan gefunden, die als die „beste“ angesehen wird, ist es möglich, die nächsten Schritte zu überlegen, die notwendig sind, damit es Jan wieder besser geht und er sein gewünschtes Ziel doch noch erreichen kann.
Ideal wäre es dann, die Parallele zur eigenen Person ziehen zu können. Lösungen sind ja bereits gefunden worden und müssen nur noch übertragen werden. Das ist recht schmerzfrei, denn wir brauchen nicht mehr in die eigenen negativen Glaubenssätze einzutauchen, sondern nutzen für uns selbst sogleich den Lösungsweg mit den bereits formulierten notwendigen Schritten (der Analogie) aus Jans erarbeitetem Weg.
Bei Jan können wir schließlich Fehler und Fehlverhalten viel besser und völlig neutral erkennen, denn es ist ja letztendlich „nur“ seine Geschichte.
Vielleicht sind Sie noch nicht restlos von meiner These überzeugt. Aber glauben Sie mir, es ist nicht schwer, sondern „nur ein Rollenspiel!“, welches durchaus Spaß machen kann. Gerade Kinder lassen sich gerne darauf ein.
Nun möchte ich Ihnen gerne die Spielregeln erklären. Begleiten Sie mich?
Spielanleitung
Vorgehensweise
- Das Kind wählt eine Zahl. (Eine Zahl von 1–19)
- Nun wird die entsprechende, mit der gleichen Nummer versehene Geschichte herausgesucht.
- Die unterstützende Person (Erzieher;in, Eltern, Großeltern …) liest die Geschichte dem Kind langsam vor.
- Lassen Sie sich vom Kind kurz erzählen, worum es bei der Geschichte geht.
- Das Kind schlüpft anschließend in Jans Rolle („Stelle dir vor, du bist Jan!“). Es wird in diesem Moment zu Jan und übernimmt seine Rolle.
Einstieg in die Geschichte
- Wo befindet sich Jan in diesem Augenblick?
- Was macht er?
- Was sollte er machen?
- Was hält ihn vielleicht davon ab, dieses zu tun?
- Steigen Sie weiter mit Ihren Fragen bei Jans Gefühlen ein:
- Wie fühlt Jan sich gerade?
- Möchte Jan sich so fühlen?
- Wie würde Jan sich viel lieber fühlen?
- Was könnte Jan helfen, um sich besser zu fühlen?
- Möchte Jan, dass es ihm besser geht?
- Was könnte Jan dafür tun?
1. Weitere hilfreiche Fragen befinden sich jeweils im Anschluss nach jeder Geschichte. Diese Fragen sind speziell auf jene Geschichte mit ihrer ganz eigenen Problematik, die oben der Kopfzeile zu entnehmen ist, zugeschnitten.
2. Sie müssen sich nicht zwingend an die Abfolge oder Wortwahl halten, denn es ist besser, auf das Kind einzugehen und es selbst das Tempo bestimmen zu lassen. Folgen Sie als Unterstützer:in lieber Ihrem eigenen Gefühl und entscheiden Sie selbst, welche Frage für die Situation und das Eruieren von verschiedenen Lösungswegen hilfreich ist.
3. Das Erschließen und das tiefere Einsteigen in die Geschichte über die Gefühle sind wichtig für das Sammeln von Erfahrungen und das eigene Erleben.
4. Uns sollte bewusst sein, dass alles, was uns vom Kind in Bezug auf Jan bei dieser Geschichte entgegengebracht wird, immer etwas mit dem Kind selbst zu tun hat. Jede Angst, jeder Zorn oder jede Ausweglosigkeit sind stets Gefühle des Kindes. Doch Vorsicht: Vermischen Sie nicht die verschiedenen Ebenen (Jan und die persönliche Ebene des Kindes) miteinander, sondern verbleiben Sie bei Jan, bis Sie eine gute Lösung für ihn gefunden haben.
Zusammenfassung
Um das Spielen zu erleichtern, folgt eine kurze und in Stichpunkten gehaltene Zusammenfassung der Spielanleitung.
1. Eine Nummer ermitteln (erfragen, ziehen, …)
2. Geschichte heraussuchen
3. Geschichte vorlesen
4. Geschichte wiedergeben lassen
5. In Jans Rolle schlüpfen
6. Wo ist Jan?
7. Was tut Jan gerade?
8. Welche Gefühle sind bei Jan da?
9. Gefällt es Jan so?
Wie möchte es Jan lieber haben?
Lösungssuche:
Beste Lösung herausfinden, durchspielen und betrachten, ob das Gewünschte am Ende dabei herauskommt.
Notwendige Schritte benennen lassen.
Transfer zur eigenen Person vornehmen: Wann und in welcher Situation (in welchem Bereich) geht es dir ähnlich?
Können Parallelen gezogen werden, dann mit Punkt 9, jedoch in der eigenen Person, fortfahren.
- Andere Kinder sind immer als Berater da!
Wichtig!
- Keine Bewertungen!
- Zeit geben!
- Genaues Zuhören!
- Ausreden lassen!
- Bei Unklarheiten nachfragen!
Los geht es!
Ich wünsche allen viel Spaß!
Absicht 1
Hauptthema: Konsequenzen
Ich erzähle dir jetzt eine kleine Geschichte von Jan, dem Sohn eines Bauern!
Höre gut zu und spiele mit!
Jan ist der Sohn eines Bauern. Irgendwann einmal wird auch Jan ein richtiger Bauer werden, wenn er erst alt genug ist. Schon jetzt lernt Jan ganz viel von seinem Vater. Jan weiß, dass viel Arbeit ansteht, bis geerntet werden kann. Es soll schließlich eine gute Ernte werden, denn davon soll die ganze Familie leben können. Auch Jan muss seinen Beitrag dazu leisten und mithelfen. Es sind ganz bestimmte Aufgaben, die Jan übernehmen soll.
Jetzt gerade sitzt Jan an einen großen Baum gelehnt am Rand eines Feldes, auf dem er noch ein kleines Eckchen Unkraut jäten soll. Auf diesem Feld wachsen Bohnen, die Jan so gerne isst. Das Unkraut muss entfernt werden, damit die Pflanzen gut wachsen können. Mama hat ihm alles ganz genau gezeigt. Sie haben gemeinsam abgesprochen, dass Jan diese Aufgabe übernimmt. Doch Unkraut jäten macht Jan keinen Spaß. Viel lieber würde er mit seiner besten Freundin Anna spielen.
Jan sitzt am Baum und mag nicht anfangen. Er fühlt sich deshalb schlecht und weiß nicht, was er jetzt tun soll.
Absicht 1
Hauptthema: Konsequenzen
Kannst du Jan helfen?
Wie fühlt sich Jan?
Wie würde sich Jan viel lieber fühlen?
Welche Lösung könnte Jan für sich finden?
Stelle dir vor, du bist Jan:
Was würdest du (Jan) machen?
Bist du (Jan) bereit, die Aufgabe zu erledigen?
Weißt du (Jan), warum du die Aufgabe machen sollst?
Was geschieht, wenn du (Jan) kein Unkraut jätet?
Was geschieht, wenn du (Jan) Unkraut zupfst?
Wie fühlst du (Jan) dich damit?
Was geschieht, wenn du (Jan) mit Anna spielen gehst?
Kennst du selbst auch solch eine Situation?
...

